Schlagwort-Archive: Kreuzspitze

Schitour Kreuzspitze, 2.746m vom Viggartal

Unter den langen Schitouren ist die Kreuzspitze sicher eine der wenigen, die noch im Frühjahr von einem tiefen Ausgangspunkt aus machbar ist, sie startet auf 1.050m in Mühltal (Ellbögen) und führt über mehr als 1.700Hm zum Gipfel, womit ist sie auch eine lange Tour darstellt.

Kreuzspitze, 2.746m

Zu Ostern heuer (siehe Beitragsdatum) präsentierte sich die außergewöhnlich schöne Schitour am einzig richtig brauchbaren Tourentag, am Ostermontag, von den Aufstiegsbedingungen her von ihrer besten Seite – gute Schneequalität (nicht ansatzweise Lawinenbildungen in den Südost- und Osthängen vom Glungezer herab) und  bei der Abfahrt spürbare, aber noch moderate tageszeitliche Erwärmung. Diese eher positiven Verhältnisse waren wichtig, denn bei der Querung unter Glungezer und Gamslahnerspitze werden Teile am Hang mit mehr als 30° Neigung betreten, die bei LWS 3 generell zu meiden sind.

Start kurz nach 7 Uhr 02.04.2018, ca. 100Hm oberhalb Mühltal

Auf meinem Rückweg stieg eine Fünfergruppe über die Querung auf, die vom Glungezer herunterfuhr. Auf deren Rückweg kann die Sonneneinstrahlung auf diesem Hang die Situation schon deutlich umgedreht haben und es ist zu hoffen, daß deren Rückweg gut verlaufen ist.

Viggartal, 20min nach dem Aubruch

Der kleine Parkplatz im engen Mühltal ist auch preislich klein, was den Bergfreund freut (3.-/Tag) und im Winter wird man meine Ankunftszeit um knapp nach sieben Uhr nicht überschreiten dürfen, sonst ist es aus mit der Tour – andere Parkplätze sind nicht vorhanden.

Das Meissnerhaus – bereits in Frühjahrsferien

Die Schi mußte ich kaum 100Hm schultern, bevor eine gefrorene Piste am Weg zum mittlerweile geschlossenen Meissnerhaus immer besser wird und die Schi angelegt werden können.
Im Viggartal herrschen auch zu Anfang April des Morgens noch stramme Temperaturen sowie eine kalte Morgenthermik talauswärts. Den Windstopper trotz schwitzen abzulegen war mir also nicht möglich und vor Zeit zu Zeit mußten sogar die Finger unter die Achseln geklemmt werden.

Kreuzung beim Meissnerhaus

Die Schi krascheln neben dem zeitweise recht tosenden Mühltalerbach in der gefrorenen Spur des Skidoos des Hüttenwirtes, aber der Aufstieg präsentiert sich noch einwandfrei und ohne apere Stellen für die Abfahrt.

hier beginnt das innere Viggartal

Unerwartet rasch erscheinen erste Sonnenstrahlen am steilen Hang zum Patscherkofel links des schmalen Tals und noch vor dem Meissnerhaus auch längere sonnige Partien am Weg taleinwärts. An der Abzweigung zum Morgenkogel und dem Meissnerhaus eine längere sonnige Strecke, bis der Anstieg über die Brücke auf die andere Talseite zum Viggar-Hochleger führt.

Überquerung des Viggarbaches

Einige Minuten oberhalb der Brücke taucht der Almweg dann in lichten Wald ein und schöne, dauerhaft sonnige Wiesenhänge von der Viggarspitze herab lassen die prachtvolle Stimmung am Ostermontag weiter ansteigen.

am Viggar-Hochleger erstmals das Ziel, die Kreuzspitze, in Sicht

Nach dem Hochleger wendet sich der Anstieg dauerhaft in Richtung Südost, ein Plateau mit einem kleinen Wegkreuz wird erreicht das in den letzten Wochen öfters Ziel von Abfahrten vom Glungezer herunter war, wie im Schnee zu lesen ist.
Dieses Plateau ist der Ausgangspunkt für jene, die von hier aus das selbe Ziel, die Kreuzspitze, haben wie jene die klassisch über Mühltal ansteigen.

über diese schönen Hänge kommt man vom Glungezer herunter

Auf der nächsten Etappe zum „G’schriebenen Stoan“ bei den Blauen Seen – der über eine viele tausend Jahre alte Geschichte verfügt, jedoch momentan aufgrund der Schneehöhe nur teilweise sichtbar ist – steht eine Hangquerung zur Bewältigung, die sichere Schneeverhältnisse und Einfühlungsvermögen erfordert.

Querung der Hänge unterhalb der Gamslahnerspitze

Zunächst erkennt man, daß die bewaldete Rippe, die von links herunterzieht eine wesentlich größere Steilheit aufweist, als die Hänge dahinter. Deshalb führt die Normalroute mit Höhenverlust hinab in einen Bereich mit geringerer Steilheit und zwischen alten Bäumen hindurch, die von verminderter Lawinentätigkeit dort zeugen, um jenseits wieder an Höhe zu gewinnen und die Gradiente zum Hochplateau des „G’schriebenen Stoan“ heranzuführen.

Anstieg zum „G’schriebenen Stoan“ in der Querung

Nachdem Höhenverluste bei Schitouren immer ein Dorn im Auge sind und man sie versucht zu vermeiden, habe ich aufgrund der guten Schneeverhältnisse beschlossen, die Anstiegslinie beizubehalten. und den Höhenverlust nicht in Kauf zu nehmen.
Auf harter Schneedecke ging es dahin und hinten angekommen bestand Erkenntnis daraus, daß sich diese Variante nicht lohnt, weil die Anstrengung im steilen Gelände den Mehraufstieg durch den Höhenverlust ausgleicht.

Rückblick über die gesamte Querung

Weiter führt die Tour unter den Hängen der Gamslahnerspitze und nach geraumer Zeit fällt auf, daß die linke Körperseite auffallend stärker belastet wird. Ich änderte diesen Zustand mit einer Spitzkehre, sowie kurz gehaltenem Richtungswechsel und konnte damit, nach der nächsten Spitzkehre, mit kleinerem Aufstiegswinkel auf die Oberkante des Hochplateaus ansteuern – eine willkommene Abwechslung.

am Hochplateau des „G’schriebenen Stoan“, rechts geht es weiter

Am Hochplateau entschied ich, einen weitläufigen Rechtsbogen um die nächste, schrofendurchsetzte Steilstufe einzuschlagen. Kurz aber kokettierte ich mit dem Anstieg links, jedoch erschienen die Hänge rechts flacher und sicherer (siehe Karte in der Fotogalerie – die hellrot markierte Umgehung).
Die vielfach beschriebene Originalroute führt am „G’schriebenen Stoan“ vorbei, das flache Plateau zurück bis zum Beginn der Steilstufe und dann rechts steiler hinauf.

oberhalb der schrofendurchzogenen Steilstufe; Leben überall auf 2.300m, auch am nackten Stein

Oberhalb dieser Stufe – in der Seegrube – sieht die weitere Route nicht mehr so weit aus, von dort stehen noch 350Hm an, die immer steiler werden, also weniger an Weg bedeuten. Die Seen sind alle nicht sichtbar und durch den massigen Schneefall heuer bestens getarnt. Wer sie nicht kennt kann sie nur vage erahnen.

oberhalb der Steilstufe mit wunderschönem Blick zum Gipfel der Kreuzspitze

Von der Flachstelle der Seegrube steigt man nun rechts haltend weiter auf und ändert nach ca. 100Hm im Steilen den Anstieg nach links (südöstlich) bis man unter einem recht steilen Hang fast direkt unter dem Gipfel ankommt.

weiterer Anstieg durch die Mulden nach links unter den Gipfelaufbau

Diesen in einigen Spitzkehren empor bis oberhalb eines langgestreckten Bereiches, der von unten wie ein Gletscherbruch aussieht und eben deswegen man vorher die Linkskurve eingeschlagen hat.

Gipfelaufbau der Kreuzspitze; leicht rechts der Bildmitte wählte ich den Aufstieg zum Grat

Oberhalb dieser auffälligen total schneeüberzogenen Querrippe ändert sich der Anstieg wieder nach rechts – sie wird sozusagen in einem Bogen umgangen – und sogleich wird der Westgrat erreicht.
Ich habe für diesen obersten Teil des Nordhanges der Kreuzspitze Harscheisen angelegt, um mich nicht ärgern zu müssen. Es wäre auch ohne gegangen, jedoch bin ich kein Freund von Rutschern mit dem Aussenschi im steilen Gelände. Der Hang ist hier teilweise gut 35° steil, jedoch momentan mit so vielen bockharten Passagen durchzogen, daß er sicher ist.

Rückblick vom Grat auf den Gipfelhang

Der Abschluß am Westgrat besteht aus ca. 60Hm weiterem Aufstieg auf dem ca. fünf bis zehn Meter breiten Rücken wobei dieser keiner Harscheisen bedarf, was mich aber nicht störte nochmals anzuhalten, um jene zu verstauen. Heuer ist er auch durchgehend mit Schnee überzogen, sodaß auch bei der Abfahrt keinerlei Schäden an den Schi entstehen.

Westgrat zur Kreuzspitze

Ein ständig kalter Südwestwind bereits während des Gratanstieges veranlaßt mich einen halbwegs geschützten Rastplatz nordöstlich des Gipfelkreuzes der Kreuzspitze zu wählen und während der Jause ins Unterinntal hinabzuschauen.

für alle Gesichterfreaks, der Autor auf der Kreuzspitze, 2.746m

Die Gipfelaussicht ist nicht schlecht. In unmittelbarer Umgebung im Süden, direkt an den Kamm anschließend der höchste Gipfel im Kamm, das Rosenjoch und dahinter ein toller Schitourenberg die Grünbergspitze, im Südosten das Pfoner Kreuzjöchl, das ich heuer schon von Pfons aus bestiegen habe – eine phantastische Schitour – und im Westen der Morgenkogel, der mich heuer schon wochenlang die Fingerkuppen nicht mehr spüren ließ.

Blick nach Süden zum Rosenjoch

Natürlich nebst den unmittelbaren Nachbaren schweift auch der Blick wieder von den Tauern, über die grandiosen Zillertaler bis zu nahegelegeneren Majestäten des Stubaitales.

Blick nach Westen zum Morgenkogel

Im Nordwesten der unverwechselbare Patscherkofel mit den wilden Zacken der Nordkette im Hintergrund.

der Kessel des hinteren Arztales mit dem Pfoner Kreuzjöchl links und dahinter die Stubaier

Die Abfahrt wäre dieser Tage sogar direkt vom Gipfel über die steile Nordflanke möglich, jedoch sollte man hierzu nicht alleine sein. Also ging es für mich den kurzen Teil des Westgrates hinab und dann den zuvor im Aufstieg beschriebenen Bogen bis zu den weichen hängen unterhalb des zuvor beschriebenen aufsteilenden Bereiches.

meine Aufstiegsroute im Viggartal

Von dort über tolle Pulverhänge hinab zum Plateau der Seegrube und links weiter, meiner Aufstiegsroute entlang – davon ein paar Bilder für Pulverliebhaber in der Galerie.

Abfahrtsvergnügen

Das untere Plateau des G’schriebenen Stoan wird bei meiner Abfahrtsvariante nahezu am untersten Punkt erreicht, sodaß nur wenige Grätschschritte bis zur Kante zum Steilhang anfallen, bevor es unterhalb durch Schwerkraft von selber weitergeht (Spuren in den Fotos sichtbar).

wieder auf dem Plateau der letzten Steilstufe angelangt

Die Querung der Hänge – nun von rechts herab – erschien hinsichtlich der Schneequalität durch Erwärmung um 12:45 Uhr im oberen Teil (rd. 2.100 bis 1.900m) als völlig sicher. Mit dem Ziel möglichst wenig Höhe zu verschenken und hoch zu bleiben, um die im Aufstieg erkannte bewachsene Rippe an ihrer Obergrenze zu erwischen, setzte ich die Abfahrt fort. Ansteigend schlechter entwickelte sich unter 1.900m die Schneequalität – der Neuschnee der letzten Tage wurde zum Sulz, der besonders in den steilen Partien aufgrund des Einstrahlwinkels noch schlechter wurde.

Hangquerung: ganz hinten kann man die Abfahrtsroute nach der Flachstelle erkennen

Mit einer gewissen Anspannung konnte die obere Durchfahrt der bewaldeten Rippe angepeilt und durchfahren werden (siehe Foto), womit erneutes Auffellen auf das Plateau mit dem Kreuzchen vermieden wurde. Diese Idee hatten vor mir sicher schon viele, sichtbar war jedoch keine alte Spur und da diese Querung in der Zone mit einer Hangneigung weit über 30° erfolgt ist sie nur bei absolut sicheren Verhältnissen zu empfehlen. In meinem Fall war die Querung sicher grenzwertig.

nun wird der obere Rand der bewaldeten Rippe angepeilt (Bildmitte)

Die weitere Abfahrt bis zum Ausgangspunkt erfolgte dann über teils schweren Sulz die traumhaften und licht bewachsenen Hänge des Viggar Hochlegers bis zur Brücke über den Mühltalerbach hinab.

hinter der heiklen Passage, oberhalb der Bäume auf der Rippe

An der Kreuzung zum Meissnerhaus angelangt erwartet den mittlerweile konditionsgeprüften Tourenfreund noch eine beeindruckend lange Abfahrt über den Weg nach Mühltal zurück.

Viggar-Hochleger

Die Abfahrt erfolgt auch am Nachmittag teils in sonnenbeschienen Passagen mit Nassschnee oder Firn, teils in schattigen Passagen, mit mehr oder weniger aufgeweichter oder gefroren gebliebener Oberfläche. Die Gleitfähigkeit der Schi wirkt bei den jeweiligen Übergängen in die andere Schneekonsistenz entweder wie eine Notbremsung auf den Körper, oder wie eine Beschleunigung, wobei erstere jene ist, die gute Körperbeherrschung gegen Vorfallen erfordert.

der letzte Teil des Hanges

In dieser Manier sind immerhin rund 700Hm abzufahren wobei – wegen der schmalen Piste – bei den steileren Passagen auf der harten Piste mit den Rillen des Schneemobiles des Hüttenwirtes vom Meissnerhaus häufig die Abfahrt in Schneepflugstellung zum Einsatz kommt, die die Oberschenkel heiß werden läßt.
Man sollte dies in der Kräfteplanung der gesamten Tour nicht unterschätzen.

Weg vom Meissnerhaus ins Tal – mal sonnig, mal schattig, in Summe anstrengend

Gesamt habe ich für die Tour 6:35h benötigt, mit ca. 45min Pausen und Fotostopps, 35min davon am Gipfel. Die Bergsteigeruhr zeigte ein Total von 1.745Hm im Aufstieg.
Eine der schönsten Touren im heurigen Winter, auch schifahrerisch.

Mils, 02.04.2018

 

Naviser Sonnenspitze, 2.619m über das Voldertal und bis zum Glungezer

Die südliche Begrenzung des Voldertales wird vom Gratverlauf von der Naviser Sonnenspitze bis zur Grafmartspitze gebildet – mittig in diesem Grat befindet sich der Übergang vom Voldertal ins Navistal, das Naviser Jöchl und der Normalweg auf die Naviser Sonnenspitze führt direkt vom Jöchl ostwärts über den kaum ausgeprägten Gratrücken.

Naviser Sonnenspitze, 2.619m

Naviser Sonnenspitze, 2.619m

Wir haben die Naviser Sonnenspitze als Ausgangspunkt einer langen Überschreitung an der westlichen Begrenzung des Voldertales mit sieben Gipfeln ausgewählt – Andi nennt sie die „halbe“ Voldertalrunde – wobei Beginn und Ende dieser Rundtour der Parkplatz unterhalb der Neuen Gufl in Tulfes bildet.

Abzweigung zur Stiftsalm

Abzweigung zur Stiftsalm

Von diesem Parkplatz (kostenlos, aber klein) muß ca. 50Hm nach Windegg abgestiegen werden, bevor unten der zunächst fallend angelegte Weg ins Voldertal abzweigt. Der Weg beginnt am Waldrand, der Asphalt geht nach ca. 50m in Schotter über und von Windegg fällt er knapp 40m ab, bis nach ca. 15min Gehzeit rechts ein kleines Steiglein abzweigt, das man nimmt, um den weiteren Höhenverlust durch den Abstieg des Weges zu vermeiden, der unten mit der Schotterstraße von Volderwildbad ins Voldertal zusammentrifft.

weglose Strecke auf der Rossweide bis zur Brücke; im Hintergrund bereits die Naviser Sonnenspitze sichtbar

weglose Strecke auf der Rossweide bis zur Brücke; im Hintergrund bereits die Naviser Sonnenspitze sichtbar

Die Abzweigstelle kann leicht übersehen werden, da die Wegweiser aufgrund der Enge von Weg und Steig in deren Längsrichtung montiert sind und – so wie das schmale Steiglein auch – bei der Erstbegehung nicht ins Auge springen.

Brücke im Rückblick

Brücke im Rückblick

Über den Steig, der sich dann zum breiten Waldweg ausbildet, wird nach wenigen Minuten die Stiftsalm erreicht, die der Länge nach durchschritten wird, um wenige Gehminuten dahinter endgültig auf der Voldertalstraße einzutreffen. Ab dieser Einmündung kann – als einfache, schnellere Variante – entweder der Straße über die Vorbergalm bis ganz zum Talabschluß hinter Steinkasern auf den Melkboden gefolgt werden, oder auch rechts (westlich) davon auf Almwegen und Steigen, meist knapp neben dem Voldertalbach, zur neuerlichen Einmündung auf die Straße auf ca. 1.800m knapp unter den Klausboden gelangen. Der Voldertalbach wird einmal in letzterer, von uns genommener Variante in etwa fünf Gehminuten unterhalb der Vorbergalm auf einer Brücke aus drei Stämmen in Gehrichtung auf die linke Seite überquert. Einige Minuten danach passiert man eine letzte Jagdhütte am Abzweig zur Gwannschafalm, die man rechts liegen läßt und der beginnenden schluchtartigen Steilstufe folgt.

Jagdhütte im Rückblick

Jagdhütte im Rückblick

Die Steilstufe führt etwas un-rhythmisch durch den Wald mit einem kurzen sumpfigen Gebiet, das eher links durchwandert wird und endet bald auf der Straße wieder, kurz vor dem Flachstück des Klausbodens.

im Steilstück des Steiges zum Klausboden

im Steilstück des Steiges zum Klausboden

In der ersten scharfen Kehre knapp nach den Steinkasernalmen haben wir den Fahrweg links über den Bach verlassen und kürzten über den bemoosten und mit Almrosen überzogenen Hangrücken weglos auf direktem Weg auf die Melkböden auf.

Steinkasern vor uns

Steinkasern vor uns

Anschließend folgten wir der direkten Linie weiter auf den Gipfel der Naviser Sonnenspitze. Das Gelände dort ist moderat steil und so kann man auch bei den hier nordseitig gelegenen Hängen, die bereits großflächig mit gefrorenem, tragfähigen Schnee bedeckt waren, die direkte Linie wahren und die letzten 400Hm weglos aufsteigen.

Querung eines Steilabsatzes ca. 150m unterhalb der Naviser Sonnenspitze

Querung eines Steilabsatzes ca. 150m unterhalb der Naviser Sonnenspitze

Auf den letzten Metern zum Gipfel scheuchten wir unbewußt ein paar Schneehühner auf und manche davon blieben ruhig zurück, während ungefähr fünf sechs Tiere eilig das Weite suchten, unweit von uns aber wieder in Gratnähe landeten. Alle bereits im Winterkleid waren sie nicht auszumachen im schneedurchzogenen Gelände. Eine Aufnahme und ein kurzes Video – leider von sehr weit weg – wollten während einer freudigen Beobachtung aber gelingen.

seltene Sichtung von Schneehühnern bereits im Winterkleid

seltene Sichtung von Schneehühnern bereits im Winterkleid

Herrliches Panorama bietet sich am Gipfel, die herbstliche Luft, wenig gesättigt mit absoluter Feuchtigkeit, läßt an diesem wunderbaren Tag im Oktober eine tolle Fernsicht zu, die Fotos in der Galerie zeugen davon.

Naviser Sonnenspitze, 2.619m mit Zweitgipfelkreuz

Naviser Sonnenspitze, 2.619m mit Zweitgipfelkreuz

Nach der Jause geht es unverzüglich weiter, denn die Runde ist zeitraubend und lang. Knapp vier Stunden hat uns der Anstieg ohne der Jausenpause abgerungen und ein weiter Weg liegt vor uns, weitere sechs Gipfel, alle höher als der südlichste, die Naviser Sonnenspitze, wollen begangen werden.

Grünbergspitze und Rosenjoch von der Naviser Sonnenspitze aus gesehen

Grünbergspitze und Rosenjoch von der Naviser Sonnenspitze aus gesehen

Eine Viertelstunde nimmt der Abstieg der 140Hm auf einem schwach geformten Gratrücken bis zum Naviser Jöchl auf 2.479m in Anspruch. Hier trifft man nicht nur an den Nord/Süd-Übergang der Täler sondern auch noch den Adlerweg, der von der Glungezerhütte zur Lizumerhütte nach Südosten weiterführt. Bis hierher führt auch der markierte Normalweg, der die Straße vor seinem Ende in Richtung Naviser Jöchl verläßt.

Naviser Jöchl, 2.479m

Naviser Jöchl, 2.479m

Der Steig der „Voldertalrunde“ führt  vom Jöchl in westlicher Richtung weiter und steigt auch gleich 240m bis auf die Grafmartspitze an.

am Anstieg auf die Grafmartspitze

am Anstieg auf die Grafmartspitze

Diesen Aufstieg spürt man dann schon mehr als die rd. 1.400Hm auf die Naviser Sonnenspitze zuvor, speziell den Mittelteil vor dem eher flach gehaltenen Gipfelkopf.  Das Gipfelbuch in der Schachtel mit dem unpassenden Holzdeckel ist in erbärmlichem Zustand, durchnäßt und keine einzige Seite beschreibbar. Aufstiegszeit vom Jöchl ca. 40min.

Grafmartspitze, 2.720m

Grafmartspitze, 2.720m

Neuerlich geht es die Girlande zum nächsten Gipfel zunächst hinab, wenn auch nur ein paar Duzend  Meter und nur für eine kurze Strecke, um jenseits einen weiteren „Schnapper“ zu besteigen, der in etwa die Hälfte des rund 90m hohen weiteren Anstieges auf die Grünbergspitze auf 2.790m ausmacht.

am "Schnapper" zur Grünbergspitze, rechts das Rosenjoch

am „Schnapper“ zur Grünbergspitze, rechts das Rosenjoch

Am Weg dorthin und oben, auf der Grünbergspitze, wird man wieder von exzellenter Aussicht, diesmal gen Südwesten und Westen belohnt. Die horizontale Strecke dieser Girlande ist die zweitkürzeste, wir haben dafür gut 20min benötigt.

Andi am Gipfel der Grünbergspitze, 2.720m

Andi am Gipfel der Grünbergspitze, 2.720m

Nun folgt der Übergang zum Höhepunkt der Tour, dem Gipfel des Rosenjochs auf 2.796m. Diese Sektion benötigt ungefähr 25min; die Anstiege werden körperlich nun merkbarer wahrgenommen, eine weitere kurze Rast mit Labe erscheint sinnvoll und wird beschlossen.

Blick von der Grünbergspitze zum Rosenjoch

Blick von der Grünbergspitze zum Rosenjochs

Nach dem Abstieg wird das Rosenjoch selber erreicht, eine Kreuzung zwischen dem Steig am Grat und dem Anstieg von der Gwannschafalm im Nordosten, sowie einem langen Anstieg vom Arztal her.

Gipfel des Rosenjoch, 2.796m

Gipfel des Rosenjoch, 2.796m

Das Joch liegt auf etwa 2.680m und jenseits folgt die Kreuzspitze mit 2.746m Höhe und diese Sektion benötigt ungefähr 40min.

Blick vom Gipfel des Rosenjoches zur Gamslahnerspitze

Blick vom Gipfel des Rosenjoches zur Kreuzspitze

Nun folgt, vermeintlich zum Greifen nahe, die Gamslahnerspitze auf 2.681m mit dem Tiefpunkt des Kreuzjöchls auf 2.575m, also von dort wieder gut 100Hm Anstieg. Diese Etappe ist die streckenmäßig Längste und wir haben dafür 70min benötigt.

am Gipfel der Gamslahnerspitze, 2.681m

am Gipfel der Kreuzspitze, 2.746m

Sieht man davon ab, daß der Großteil der Anstiegsmeter nun geschafft ist und der Übergang zum Glungezer nicht mehr viel von diesen bereithält, sind die folgenden rund 50min zum Glungezer aber aufgrund der seit dem Kreuzjöchl stetig zunehmenden Blockwerklagen die anstrengendsten. In diesen gibt es selbst auf horizontalem Wege kaum ein ungestörtes Fortkommen.

Blick von der Kreuzspitze zur Gamslahnerspitze

Blick von der Kreuzspitze zur Gamslahnerspitze

Ständig bremsten große Stufen, schneegefüllt doppelt vorsichtig anzugehen, abwärts und aufwärts eine akzeptable Gehgeschwindigkeit. Blockplatten mit schmaler Schneide wechseln mit abwärts gerichteten steilen Platten die, wenn nordseitig gerichtet, immer äußerst rutschgefährlich sich präsentierten.

Abstieg von der Kreuzspitze in nordseitigen Schneepartien

Abstieg von der Kreuzspitze in nordseitigen Schneepartien

Einige schöne kurze Stellen mit ungefährlichen Klettereien erfreuen das Herz in der kristallinen Blockwüste. Ab und an eine Platte, die das Gleichwicht jähe schult, indem sie nach stabiler Lage des  neugewonnen Verbandes Mensch und Stein sucht, in leichte Kippstellung sich bewegt und den zermürbenden Trott durch die Trümmer damit für den störenden Teil des Verbandes unangenehm überrascht unterbricht.

Gamslahnerspitze, 2.681m

Gamslahnerspitze, 2.681m

Die schönste Stelle nennt Andi die „Schlucht“, ein willkommener Blickfang eines gespaltenen hausgroßen Felsblocks mit dem Steig just mitten hindurch und für viele breit genug.

der Steig führt mitten durch die "Schlucht"

der Steig führt mitten durch die „Schlucht“

Anschließend in dieser Art weiter bis zum Glungezergipfel auf 2.677m, ab der Hälfte wieder mit mäßigem Höhengewinn und gegen das Ende mit leichtem Höhenverlust, in Summe für diesen letzten Abschnitt knapp 100Hm geschätzt.

nachher scharf links

nachher scharf links

Den nördlichsten Hochpunkt, den Gipfel des Glungezer erreichten wir nach acht dreiviertel Stunden vom Ausgangspunkt. Der traditionelle Gipfelschnaps war somit verdient.
Die Hütte ist noch bis zum Heiligen Abend geschlossen und es bleibt zu hoffen, daß heuer bereits deutlich vorher ein Besuch mit Tourenausrüstung möglich sein wird.

Glungezer, 2.677m

Glungezer, 2.677m

Mit schönen Blicken auf den in Herbstabendlicht getauchten Olperer stiegen wir ab und natürlich mußten wir bei der vom Hüttenfesttag geschafften Heidi auf der Tulfeinalm vorbei, um noch ein letztes Bier zu erwischen. Der Trinkvorrat war vor dem Glungezer bereits versiegt. Die 1.500m Abstieg vom Glungezer nahmen mit kurzem Hüttenaufenthalt nochmals knapp zwei dreiviertel Stunden in Anspruch.

Blick zu Olperer, rechts Fussstein und links Gefrorene Wand

Blick zu Hochfeiler links, Gefrorene Wand Spitze, Olperer und Fussstein rechts; im Vordergrund klein und schwarz die Naviser Sonnenspitze

Für die gesamte Tour waren knapp 11:30 Stunden notwendig, die Aufstiege in Summe betrugen 2.210Hm und die auf der AV-Karte nachgemessene horizontale Strecke gute 27km.
Ohne Schneepartien in den Nordhanglagen könnte eine noch deutlich kürzere Gehzeit erreicht werden, ohne auf Pausen zu verzichten.

Mils, 16.10.2016

Östliche Knotenspitze, 3.100m – Gratüberschreitung von der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

Grandiose Aussichten auf die höchsten Dreitauender des Stubai bieten die Gipfel der Knotenspitzen. Die Knotenspitzen – ebenfalls Dreitausender –  teilen sich in die Falbesoner (oder Falwesuner) Knotenspitze, sie ist nach der Alpeiner Knotenspitze die zweithöchste und die Östliche Knotenspitze ist die niedrigste der drei.

am Gipfel der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

am Gipfel der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

Die mittellange Tour vom Waldcafe zu Falbeson überwindet die typischen Stubaier Höhenstufen und zwar zwei davon, ähnlich wie der nahe gelegene Aufstieg auf den Wilden Freiger über die beiden Steilstufen bis zur Sulzenauhütte.

Panorama Vordere Plattenspitze, Falbesoner Knotenspitze und Kreuzspitze kurz vor der Ochsenalm aus gesehen

Panorama: ganz links Alpeiner Knotenspitze, Vordere Plattenspitze, Falbesoner Knotenspitze und Grat zur Kreuzspitze kurz vor der Ochsenalm aus gesehen

Oft begangen wird die Östliche Knotenspitze, bzw. wird irrtümlich die Kreuzspitze anstelle der Östlichen Knotenspitze begangen, weil das Gipfelkreuz auf dieser um 17m niedrigeren Gipfel steht und dem – nicht kartenkundigen – Begeher damit die Besteigung der Östlichen Knotenspitze vermittelt.

Sei es wie es sei, die Tour auf diese Gipfel ist ein vorwiegend leichtes bis mäßig schwieriges Unterfangen, das für ein mittellanges Tagesabenteuer geeignet ist. Der Grat von der Falbesoner Knotenspitze zum Sattel der Kreuzspitze ist allerdings dem klettergewandten Bergsteiger vorbehalten, hierzu ist Gratklettertechnik, und, in den luftigen Passagen, auch die nötige Schwindelfreiheit – bzw. besser formuliert – Absturzangstarmut vonnöten. In jedem Fall erfreut sich die Rundtour auf die Falbesoner Knotenspitze und der Übergang ein bergsteigerisch delikateres Unternehmen, als die Normalroute auf die Östliche Knotenspitze.

Etwas spät für die Besteigung eines Dreitausenders starteten wir gegen 8:45 Uhr beim Waldcafe in Falbeson, bzw. beim Parkplatz für Bergsteiger rechts neben der Brücke davor, von 1.212m los.

Von dort, über viele Serpentinen am breiten Steig bis zur Überwindung der ersten Talstufe auf ca. 1.700m empor, führt der Waldweg in schattigem Steilgelände. Oben –bei der Forche  genannt – (es beginnt dort tatsächlich ein naturbelassener Föhrenbestand in blockigem Gelände) wird es bis weit nach die Ochsenalm flacher und man erahnt die Dimension dieser mächtigen Talstufe. Bis die Steigung auf die zweite Talstufe zur Regensburgerhütte wieder ansteigt zieht sich über mehr als 1,5km der Almweg durch das Tal. Auf dieser Strecke beträgt der Höhenunterschied gerade 250Hm.

bei der Ochsenalm, direkt über dem Stallgebäude ein kleiner weißer Schneefleck zu erkennen; das ist das Joch des Schrimmennieder als Übergang zur Franz-Senn-Hütte

bei der Ochsenalm, direkt über dem Stallgebäude ein kleiner weißer Schneefleck zu erkennen; das ist das Joch des Schrimmennieder als Übergang zur Franz-Senn-Hütte

Mehrmals quert der Steig durch den Wald die Schotterstraße zur Ochsenalm (auch Falbesoner Alm) und auf 1.780m bindet der Steig in diese ein. Sie wäre eine Alternative für jenen, der gern so weit als möglich mit dem Mountainbike aufsteigt. Allerdings beginnt der Aufstieg dann 1.2km weiter talauswärts bei der Brücke über die Stubaital-Landesstraße und man muß den Parkplatz zunächst in die Gegenrichtung verlassen.

Ochsenalm mit Neuer Regensburgerhütte

Ochsenalm mit Neuer Regensburgerhütte

Die malerische kleine Ochsenalm wird mittig durchquert – man kann rechts vom Bach bleiben – bevor Blockgelände beginnt und die Steigung allmählich, der nächsten Stufe entgegen, anzieht. Rund 200m nach den Gebäuden der Ochsenalm befindet sich ein wichtiger Übergang ins Oberbergtal zur Franz Senn Hütte, ein Joch Schrimmennieder genannt auf  2.706m. Man kann ihn auf dem Foto dort erkennen wo sich die weißen Schneeflecken befinden. Den selben Übergang erreicht man auch noch über einen Steig, der von der Neuen Regensburgerhütte aus ostwärts auf das Joch angelegt wurde.

mitten in den Almwiesen

mitten in den Almwiesen

Über den Steig unterhalb von Schrofen an der Nordseite des Hanges zur Neuen Regensburgerhütte erreicht man diese in rund 2 Stunden vom Parkplatz, Simon und ich haben 1 ¾ Stunden benötigt und wurden von einem noch schnelleren Kollegen überholt, der uns dann später am Rückweg in der Regensburgerhütte bekocht hat.

zweite Talstufe auf die Neue Regensburgerhütte

zweite Talstufe auf die Neue Regensburgerhütte

Nach der Hütte zieht sich der Steig weiter in nördlicher und später in nordwestlicher Richtung links vom sog. Jedlasgrübl hinauf, um oben einen unverkennbar typisch glazial aufgeschobenen Rücken zu überwinden, bevor der ehemalige Jedlasgrüblferner beginnt.

Neue Regensburgerhütte, 2.286m, dahinter der mächtige Habicht

Neue Regensburgerhütte, 2.286m, dahinter der mächtige Habicht

Eine für das Stubai recht ungewöhnliche Flurbezeichnung „Jedlas…“, was mag diese Schöpfung für einen Ursprung haben, dachte ich beim Aufstieg zum Wegweiser, bei dem man zur Linken, also westlich, das leichte schön geformte Plattenspitzl erreiche, in der Bezeichnung exakt die Vordere Plattenspitze.

am Weg zum Jedlasgrüblferner

am Weg zum Jedlasgrüblferner

Diese habe ich vor fünf Jahren bereits schon einmal wegen dichten Nebels als Alternative zur Östlichen Knotenspitze mit Manuel bestiegen. Das Gipfelplateau ziert ein Stahlkreuz.

 

am Rücken mit dem Wegweiser; rechts von der Rinne der Aufstieg zur Östlichen Knotenspitze

am Rücken mit dem Wegweiser; rechts von der Rinne der Aufstieg zur Östlichen Knotenspitze

Wir verließen den Normalweg und nahmen nach dem Wegweiser den direkten Weg zur Einschartung zwischen der Vorderen Plattenspitze und der Falbesoner Knotenspitze, in der AV-Karte der Punkt 2.916m nordwestlich der kümmerlichen Restes des Jedlasgrüblferners, der nur mehr aus einem ca. 200m im Durchmesser messenden Firnfeld –mit möglicherweise dünner Eisplatte darunter – liegt und bei weitem nicht mehr bis nahe an den Grat heranreicht, wie noch in der Ausgabe der Achtziger Jahre in der AV-Karte dargestellt.

die Reste des Jedlasgrüblferners

die Reste des Jedlasgrüblferners, dahinter Punkt 2.916m

Dort beginnt eine herrliche leichte (Grat)kletterei auf die Falbesoner Knotenspitze, im oberen Teil mehr eine Südflanke als ein Grat.

Rückblick auf den Habichtkamm

Rückblick auf den Habichtkamm

Mit tollem Blick auf den dahinschwindenden Knotenferner (auch Falbesoner Ferner), auf die hintere Plattenspitze, die Alpeiner Knotenspitze und die Nördliche Kräulspitze steigen wir in festem Blockwerk auf und passieren sogar eine Stelle mit jüngst erfolgtem Felssturz, zwischen den Blöcken noch von Erde durchzogen.

am Grat bei Pkt. 2.915m angekommen, dahinter die Vordere Plattenspitze; kann man noch mitnehmen in der Runde über die Knotenspitzen

am Grat bei Pkt. 2.916m angekommen, dahinter die Vordere Plattenspitze; kann man noch mitnehmen in der Runde über die Knotenspitzen

Der Aufstieg beinhaltet auch kurze, teilweise fast senkrechte anmutende Partieen, jedoch finden sich beste Griff- und Trittverhältnisse sowie Umgehungsmöglickeiten an vielen Stellen, sodaß sich für schwierigkeitsgradorientierte Bergsteiger eine Bewertung auf den unteren zweiten Grad ableiten läßt.

Aufstieg auf den Falbesoner Knotenspitze am Grat

Aufstieg auf den Falbesoner Knotenspitze am Grat

Der erfreuende und leichte Aufstieg erfolgt auf logischer Route in wenig ausgebildeten, aber gut erkennbaren Verschneidungen, ohne jegliche Markierung.

Aufstieg am Südgrat zur Falbesoner Knotenspitze

Aufstieg am Südgrat zur Falbesoner Knotenspitze

Nach den 200m im dicht bewachsenen Blockwerk findet man sich auf einem relativ ausgeprägten Gipfelplateau und den Steinmann als Gipfelkreuzersatz erblickt man in der nordwestlichen Ecke dieses.

Gipfelaufbau der Falbesoner Knotenspitze

Gipfelaufbau der Falbesoner Knotenspitze

Ein herrlicher Blick auf die in der Höhe weiter ansteigenden Gipfel westlich in dieser Kette und ein ebensolcher auf die in der Höhe abnehmenden Gipfel östlich, sowie der Grat, den wir in der Folge beschreiten werden, bildet den Lohn für die Ersteigung der kaum begangenen Falbesoner Knotenspitze. Wir haben für den gesamten Aufstieg von gut 1.900Hm bis hierher 3 ½ Stunden benötigt.

Gipfel im westliche Teil des Kammes; von Alpeiner Knotenspitze bis Östliche Seespitze

Gipfel im westliche Teil des Kammes; von Alpeiner Knotenspitze bis Östliche Seespitze

Fast westlich gelegen ein phantastischer Blick auf die südlichen Kühtaier Berge und südöstlich bis südwestlich gelegen die wohlbekannten Riesen des Hauptkammes von den Feuersteinen bis zum Zuckerhütl. Aber auch bis tief ins Karwendel konnte man an diesem klaren Tag blicken.

die südlichen Kühtaier Berge

die südlichen Kühtaier Berge

Die kurze Gipfelrast wurde auch zur Einsicht auf den nun folgenden Grat zur Kreuz- und Östlichen Knotenspitze genützt, wobei dieser nicht sehr einsichtig ist, da er sich vorwiegend auf gleicher Höhe dahinzieht.

der Hauptkamm der Stubaier

der Hauptkamm der Stubaier

Zunächst geht es in eine Einschartung ca. 50Hm hinab, die Passage ist leicht, jedoch mit viel plattigem Bruch durchzogen. Ein folgendes Spitzl wird am Grat überschritten, um wieder ein eine tiefere Einschartung zu gelangen. Diese ist der tiefste Punkt in der Überschreitung und ein Abstieg in der Schuttreise zum Jedlasgrüblferner wäre hier möglich.

Gratüberschreitung zur Östlichen Knotenspitze links vom Grat hinten

Gratüberschreitung zur Östlichen Knotenspitze hinten links vom Grat

Anschließend folgt ein längerer Aufstieg auf einen Doppelkopf der wiederum gefolgt ist von einem tieferen Abstieg in eine Einschartung, von der es wieder einen Aufstieg über geschätzt 30-40Hm gibt.

erster Abstieg in eine Einschartung; Blick auf Gratverlauf erster Teil

erster Abstieg in eine Einschartung; Blick auf Gratverlauf erster Teil

Hierdrin ist auch die ausgesetzteste Stelle mit einer markanten Plattenformation, die aus dem plattigen Grat aufsteigt, im Nichts endet und deren einzige Möglichkeit der Überwindung in der direkten Überschreitung liegt.

hinter Simon die Platten als schwierigster Teil am Grat

hinter Simon die Platten als schwierigster Teil am Grat

Die Schneide ist gut griffig und bietet jede Menge Reibungstritte, sodaß die Schwierigkeit in Grenzen bleibt und sich nicht anders gestaltet als im Aufstieg zur Falbesoner Knotenspitze. Jedoch muß man mit der ausgesetzten Lage zurechtkommen.

weiterer Gratverlauf ohne sehr ausgesetzte Partien

weiterer Gratverlauf ohne sehr ausgesetzte Partien

 

Nördlich glatte Platten hinab zum östlichen Teil des Knotenspitzferners, südlich Schrofengelände fast senkrecht zum Jedlasgrüblferner hinab. Wer dies mit Gleichmut erträgt, der erlebt eine phantastisch luftige Passage. Knapp dahinter, nach ein paar Meter Abstieg auf dem Gratspitz folgt wieder leichtes Gehgelände.

kleine schärfere Gratpartieen ohne Schwierigkeiten und nur stellenweise leicht brüchig

kleine schärfere Gratpartieen ohne Schwierigkeiten und nur stellenweise leicht brüchig

Die folgenden Gratpassagen vollziehen sich durchwegs in leichtem Gelände und zusehends, je näher man zur Scharte mit der Kreuzspitze kommt, weicht man südseitig auf Rasenbänder aus um die Gratköpfchen zu umgehen.

südseitige Umgehungen der Gratspitzen

südseitige Umgehungen der Gratspitzen

Abschließend, kurz vor der Scharte folgt noch ein Gustostück am Grat mit schmaler Passage in aufrechter Haltung, jedoch mit genügend Möglichkeit im Notfall rechts auf abschüssige Plattenfläche auszuweichen, falls man mit dem Gleichgewicht nicht zurecht käme.

letzte schärfere Gratstelle vor der Einschartung zur Kreuzspitze

letzte schärfere Gratstelle vor der Einschartung zur Kreuzspitze

In der Scharte finden sich Gneis- und Glimmerschieferbrocken mit relativ gut ausgeprägten Granateinschlüssen, die aber weit hinter Qualität und Reinheit der Ötztaler Granaten liegen. Unglaublich aber trotzdem, daß sich solch schöne Formen erst bei Temperaturen von 500 bis 700°C und Gebirgsdrücken von mehreren Tausend bar entwickeln.

Granateinschlüsse im Glimmerschiefer und Gneis

Granateinschlüsse im Glimmerschiefer und Gneis

Der letze Aufstieg zur Kreuzspitze ist einfach, er erfolgt auf breitem Rücken und man erreicht recht nahe unter dem Gipfelkreuz den Normalweg, der über die sehr steile Südflanke heraufzieht.

Rückblick auf die Überschreitung von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Rückblick auf die Überschreitung von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Das Gipfelkreuz der Kreuzspitze, 3.082m soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß es nicht jenes der Östlichen Knotenspitze ist. Die Östliche Knotenspitze erblickt man nordöstlich vom Gipfelkreuz und erreicht sie in 10 bis 15min über eine kleine Einschartung.

auf der Kreuzspitze, 3083m südlich der Östlichen Knotenspitze

auf der Kreuzspitze, 3083m südlich der Östlichen Knotenspitze

Wir haben für die schöne Gratüberschreitung recht genau 40min benötigt und legten am Gipfel der Kreuzspitze nochmals eine Pause ein. Das Gipfelbuch der Östlichen Knotenspitze befindet sich in der gleichen Schachtel auf der Kreuzspitze und so kann man sich doppelt verewigen, wenn man den Katzensprung hinüber zur Östlichen Knotenspitze unternimmt. Den Rucksack, oder zumindest die Kamera sollte man mitnehmen, sonst gibt es kein Foto von drüben…

Östliche Knotenspitze, 3.100m und Gratverlauf bis zur Brennerspitze

Östliche Knotenspitze, 3.100m und Gratverlauf bis zur Brennerspitze

Der Abstieg am Normalweg erfolgt in sehr steilem Gelände über einen breiten Steig mit Seilsicherung an den absturzgefährdetsten Stellen. Für den Abstieg sind die Sicherungen recht hilfreich, wenngleich der Steig auch ohne diese sicher wäre.

Tiefblick von der Kreuzspitze zur Regensburgerhütte

Tiefblick von der Kreuzspitze zur Regensburgerhütte

Am Gipfel und am Abstieg zur Regensburgerhütte wurden wir der schnellen Zugrichtung des angekündigten Tiefdruckgebietes gewahr, denn in der Zeit vom Erreichen des Gipfels der Falbesoner Knotenspitze bis zum Abstieg kam uns die Front, die den gesamten Westen überspannte, geschätzte 20km näher.

Grat von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Grat von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Da wir trocken bleiben wollten legten wir im Abstieg vom Jedlasgrüblferners aus einen Zahn zu und erreichten um 14 Uhr die Regensburgerhütte.

Abstieg am Normalweg von der Östlichen Knotenspitze

Abstieg am Normalweg von der Östlichen Knotenspitze

Diese ist seit ein paar Wochen unter neuer Führung und als Tipp empfehlen wir in jedem Fall dort nicht nur das verdiente Bier einzunehmen, sondern auch das kulinarische Angebot zu nutzen. Der eilig aufsteigende Koch nutzt seine Zeit gut bis die Bergsteiger mit Hunger am Nachmittag eintreffen. In unserem Fall reichte eine – selbst für den hungrigen Bergsteiger mehr als großzügig bemessene Portion Suppe – zum vollständigen Stillen des Hungers nach 5 ½ Stunden Gehzeit ohne große Pausen.

herzhaftes Bergsteigeressen auf der Regensburderhütte macht Laune

herzhaftes Bergsteigeressen auf der Regensburgerhütte macht Laune

Der restliche Abstieg bis zum Waldcafe bedarf keiner weiteren Beschreibung, für die immerhin noch knapp 1.100m benötigten wir fast 1 ½ Stunden, sodaß wir kurz vor 16 Uhr am Parkplatz zurückkehrten.

Wilder Pfaff, Zuckerhütl und im Vordergrund die Nockwand am Ende des Falbesoner Tales

Wilder Pfaff, Zuckerhütl, Aperer Pfaff und im Vordergrund die Nockwand am Ende des Falbesoner Tales

Für die gesamte Tour – mit Gratüberschreitung dürften es 2.100m gewesen sein und 15km- benötigten wir laut der Vector Uhr 7:07. Man rechne für das Gesamtunternehmen als Normalzeit aber knapp zwei Stunden mehr, weil der Aufstieg zur Östlichen (im Führer auch zur Falbesoner) Knotenspitze allein mit fünf Stunden beschrieben ist, die Überschreitung mit einer und der Abstieg mit drei Stunden.

Mils, 20.08.2016