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Wiedebelebung von St. Magdalena?

Die jüngste Bezirksblätter Ausgabe macht uns Bergsteigern neue Hoffnung, daß das Kleinod und Gasthaus St. Magdalena nun doch nicht einem Dornröschenschlaf preisgegeben (vgl. meinen Artikel: „Halltal am 26.04.2013,..“) und auf Initiative der Gemeinde Absam aus dem Eigentum der Bundesforsten in örtliche Obhut übernommen werden könnte. Die Geister die man rief dürfte man nun doch loswerden wollen. Dies könnte eine erste Reaktion auf die unsäglich unglückliche Straßensperre sein, die letztlich zum Verlust der Wirtsleute geführt hat.

Somit könnte eine Wiederbelebung des inneren Halltales stattfinden und die Besucher dieser so prächtigen Gegend eine wichtige Institution zurückerhalten.

Die Vermietung von Zimmern ist eine andere Sache, ein nächster Schritt der momentan nicht wichtig erscheint. Die Lage hierfür wird dem Bergsteiger zu tief und dem Touristen wahrscheinlich zu isoliert sein. Man wird auf diese Vermarktungsmöglichkeit wenig setzen können, St. Magdalena ist in erster Linie ein Ausflugsziel, ein Tagesziel.

Viel mehr Glück müßte die Gemeinde Absam jedoch mit den Rechten – v. a. Wegerecht – und Kostenschätzungen haben, da sitzt man ja teilweise sozusagen an der Quelle…

Näheres hier, leider funktionierte der webcode der Bezirksblätter nicht:

Bericht Bezirksblätter 18.05.2013

Wir drücken die Daumen für die Rückgabe ans Volk!

Lattenspitze – mein Frühjahrsklassiker

Die Lattenspitze mit ihrem Gipfel auf 2.330m als mein Frühjahrsklassiker kann, ohne große Schneefelder überwinden zu müssen, spätestens bereits ab heute, 18.05.2013 begangen werden.
Allerlei Getier säumte meinen Weg vom Parkplatz bei der Sprungschanze bis zum Gipfel, hier eine Blindschleiche kurz vor der Freiung Kapelle die ich beim für sie wichtigen Sonnenbaden gestört habe:

Der Gipfelaufschwung ist freilich noch mit dem bekannten, großen, leeseitigen Schneefeld verziert, bietet ein wunderbares Fotomotiv und erinnert, daß es Mitte Mai in dieser Höhe eben noch nicht in voller Gänze Frühjahr geworden ist.

Die letzen Aufschwünge vor dem Gipfel sind noch mit teils tiefen Schneefeldern belegt, jedoch kann man diese im Aufstieg, sehr leicht links oder rechts davon in festem Fels umgehen. Die ausgeaperten Stellen zum Fels hin lassen einen Blick zum Boden zu und mam kann somit noch Schneehöhen von mehr als einem Meter feststellen. Diese Stellen werden jedoch keine zwei Wochen mehr existieren, denn kräftige Thermik nagt an jedem weiß gebliebenen Stückchen Firn.
Im Abstieg bieten die restlichen Schneefelder dafür aber schnelles Fortkommen und einigen Spaß beim „abfigeln mit die Bergschuach“.

Die tauende Tätigkeit der heute sehr starken, böigen Thermik äußert sich insofern, als daß ich  beim Abstieg meine frischen Spuren bereits nicht mehr als solche erkennen konnte. Sie hatten sich in kürzester Zeit abgerundet und eingeebnet, als seien sie einen, oder mehrere Tage alt. Nun geht es mit einer schnellen Form der Erosion den Resten des Winters rasch an den Kragen.

Das Gipfelbuch zeugt, mit seinen gar nicht einmal zwei vollen Seiten seit dem Jahreswechsel, von der jungen Bergsaison und es ist darin groß zu lesen, daß einem Thaurer Everest-Bezwinger dieses Jahr gewidmet ist, der auch die Neujahrstour 2013 unternommen hatte (so liest man es zumindest). Berg Heil Kamerad!

Blicke in die nächst hintere und auch höhere, nördliche Karwendelkette lassen vermuten, daß es noch gut einige Wochen dauern wird, bis diese mächtigen Gipfel ihre Steige für Bergsteiger mit Sommerausrüstung freigeben würden. Ich konnte nicht widerstehen ein Panorama mit meinem Lieblingsberg im Halltal, dem Roßkopf, anzufertigen und möchte euch an dieser Pracht teilhaben lassen:

Erfreut war ich auch über die zufällig sehr deutlich auszumachende Steilrinne, die man durchsteigen muß, wenn man den Rosskopf Südostgrat (vgl. meinen Blog-Artikel aus dem Vorjahr) machen will. Alle Fotos von dieser Rinne aus dem Sommer sind bei weitem nicht so aussagekräftig, als jenes hier mit der weißen Rinne markiert zu sehen ist:

Aufgrund der kalten Thermik aus dem Inntal beschloss ich nicht mehr als 5 Minuten auf dem sonst so beliebten Aussichtsgipfel zu verweilen, da auch die Deckung etwas nordwestlich vom GK  nicht besonders angenehm und windarm war.
Mit einem letzten Blick auf den König des Halltales, dem Bettelwurf, in Richtung Osten und mit gutem Gefühl sowie die Jacke bis zum Hals geschlossen geht es bergab zur Walderbrücke. Ein weiter Weg ohne Verpflegung und bedauerlicherweise ohne dem wichtigen Zwischenstop bei Birgit und Werner in dem uns Bersteigern vor einem guten halben Jahr so jäh entrissenen Gasthaus St. Magdalena.

Mils, 18.05.2013

 

Schneelage im Halltal 13.04.2013

Nach nahezu drei Monaten Abstinenz und den letzten offiziellen Schiclub-Aktionen im scheidenden Schiwinter habe ich heute eine erste Frühlingswanderung zur Erkundung der Schneelage im Halltal unternommen. Der erste vernünftige Wochenendtag seit Wochen machte mir Stimmung die Schneelage, wegen unseres Vohabens ein weiteres Kurzschirennen abzuhalten, zu erkunden und ich wollte natürlich gleich ein Training daraus machen.

der Winter hat Reste von kleinen Lawinen hinterlassen, weing tragisch heuer

Bis zum Bettelwurfeck ist es schon komplett schneefrei und nach der kleinen Lawine am Bettelwurfeck geht es mit mehr und weniger Restschneelage auf der Halltalstraße weiter. Die Schneekonsistenz nach dem mitternächtlichen Regen gestern machte die Wanderung zur echten Keuchpartie, eine volle Stunde Gehzeit vom Parkplatz Sprungschanze bis zur dritten Ladhütte und ein total verschwitztes T-Shirt waren das Ergebnis. Ewig zurückgerutscht und bei jedem fünften Schritt eingesunken bis zum Knie, wahre Frühjahrsfreuden im faulen Schnee.

bei der Abzweigung zu St. Magdalena

An eine Neuauflage, ein weiteres Kursschirennen am Hang zum Törl hin – das am Tag der Arbeit stattfinden soll – ist heuer nicht zu denken, die Straße wird bis dorthin auf natürlichem Weg niemals schneefrei sein und an mechanische Hilfe ist, bei dem neuen Stellenwert den das Halltal seit einem Jahr genießt, schon gar nicht zu denken. Also wird es wahrscheinlich wieder in der Wattener Lizum stattfinden, das werde ich schweren Herzens zumindest meinem Freund Siggi als Ratschlag geben.

fauler Schnee, zermürbend im Aufstieg

Mein Vorhaben, bis zu den Herrenhäusern aufzusteigen ließ ich fallen, als mit Peter bei der Brücke nach der dritten Ladhütte entgegenkam. Schneeschuhe und trotzdem tief eingesunken war sein Bericht bei der Rückkehr vom Wasserberg. Es lohne sich oberhalb des Parkplatzes kaum mehr und ist,  bei sehr fauler Schneekonsistenz, eine nicht gesuchte Tortur an diesem schönen Samstag. Also, nach einem Schnapsl, bewegen wir uns ebenfalls mühsam abwärts zur ‚Bruggn‘ und als Abschluß habe ich noch noch eine paar Dokumentationsfotos von der Bettelwurfreise geschossen und ein kleines Frühlingsvideo für euch gedreht:

Bettelwurfeck 13.04.2013

 

Mils, 13.04.2013

 

Halltal Mitte Jänner 2013

Der dritte Sonntag des jungen Jahres war ein sonniger Tag, der uns nach nun fast drei Wochen Halltal-Abstinenz reizte das hinterste des selbigen Tales aufzusuchen.
Temperaturen deutlich über dem Taupunkt bis hinauf zu den Herrenhäusern ließen uns eine anstrengende Wanderung mit Bergschuhen erleben. Jeder Schritt ein kleiner Pilgerschritt, einige Zentimeter rückwärts eingesunken bei Belastung des faulen und wenig kompakten Schnees.

Das Halltal Mitte Jänner 2013 erlebten wir in ein einviertel Stunden vom Hackl bis zu den Herrenhäusern und dies ist wahrlich keine erwähnenswerte Leistung, aber unter diesen Bedingungen doch äußerst schweißtreibend.
Die Schneelage ganz drin ist eigentlich sehr akzeptabel, wenn auch für den Hochwinter nicht berauschend. Der Tisch vor Karls Knappenhäusl trägt – abgemessen mit einem Schistock – einen guten Meter Schnee und Tage davor, als es noch entsprechend kalt war, muß der Lockerschnee noch dickere Decken abgegeben haben als sie jetzt von uns zu messen waren.
Dicke Tropfen, periodisch vom schwer beladenen Dach herunter begleiteten uns bis zur Kapelle. Der Pfad dorthin schmal an der Hausmauer entlang, rechts davon hoch aufsteigende, rund geformte Schneebänke bis über die Mauer hinab.
Nach einer kurzen Verweilzeit vor der Altarfigur und dem sie umgebenden Bildnis, die mich nach vielen Besuchen von Karls Kapelle immer noch in die selbe ehrfürchtige Stimmung versetzt als beim allerersten Anblick, wendete ich mich dem aufgelegten Gästebuch zu. Dieses enthält seit der Adventszeit zwar nicht sehr viele, aber auch nicht wenige Einträge und die beachtenswerte Erkenntnis aus den teilweise graphisch schön gestalteten Einträgen ist, daß sie teilweise in auffallend inbrünstiger Weise geschrieben sind. Für mein Seelenleben reine Hochstimmung.

Die Türe der Kapelle sorgfältig mit den einfachen Mitteln – die man heute nicht mehr kennt – verschlossen, lockt uns der Gedanke an ein natürlich gekühltes Bier, das in weiser Voraussicht vom Hausherrn, mit seinen bergsteigerisch-kameradschaftlich getriebenen Gedanken, im Spätherbst für den gleichgesinnten Bergkameraden deponiert wurde.
Wir staunten nicht schlecht, als wir den Vorraum betraten und die schmiedeeiserne Stahltruhe klaffend offen und mit dem Hohn des Diebes, eine kleine Anzahl an kupferfarbenen Münzen der neuen Währung darin, als sichtbaren, jämmerlichen Inhalt antrafen.
Da hat es doch tatsächlich jemand nötig gehabt das Vorhängeschloss gewaltsam zu entfernen und fremdes Geld an sich zu nehmen. Wir schätzten in unserer Entrüstung über diese sinnlose, billige Tat, daß es vielleicht lächerliche 60, möglicherweise 70 Euro sein konnten, die der abartige Mensch rauben konnte. Mehr konnte es wahrscheinlich gar nicht gewesen sein, die Restbestände an Getränken ließen diese Vermutung zu.
Siggis oder Karls Spruch, der, möglicherweise in einiger Vorahnung auf die Verruchtheit ihrer Mitmenschen, auf einem weißen Zettel auf dem Boden der Truhe geklebt zu lesen war, wünschte dem Dieb, der nun durch den gewalsamen Einbruch soweit gekommen war, daß er den Inhalt freigelegt hatte, zwei Wochen lang an – ja sogar wörtlich – „Durchfall“ zu leiden als Sühne für diese Tat.

Im ersten Moment dachte ich bei mir, daß diese Strafe für jemanden, der es nötig hat eine solch ungewöhnliche Wanderung zu unternehmen, um sich, vermeintlich unbeobachtet, mit der jämmerlichen Beute, von Menschen mit der guten Gesinnung der Eigentümer, im Schnee davonzustehlen nicht hart genug sei. Für meine Begriffe hätte der Zettel zumindest von einem der Finger, die nach der Beute gegriffen haben, sprechen müssen, der für diese Tat von der Hand abfaulen soll. Vierzehn Tage Durchfall erachtete ich als viel zu milde. Diese Milde spricht wieder für den edlen Charakter der Hausherrn, die noch eine andere Schule, wahrscheinlich eine gottesfürchtige Schule, in sich tragen.

Nun, nach dem wiedererlangten Gefühl sanfter Stimmung inmitten der tollen Kulisse dieser wunderbaren Umgebung, ging es im Laufschritt raus aus dem Tal und fast wie am Vorweihnachtsabend mit dem schon recht prallen Mond hoch oben über dem Talausgang leuchtend. Eine Zweieuromünze verblieb in der Kapelle bei den drei angezündeten Lichtln und eine weitere in der klaffend offenen Schatztruhe.

Wir schreiben den 20.01.2013 um ca. 16:30.

 

 

 

 

 

 

Großer Bettelwurf

Großer Bettelwurf, 2.726m ab Parkplatz bei der Sprungschanze, 1.950Hm, 3:15h

Der Klassiker im Halltal, etwas Schwäche ab dem Grat bis zu den Seilen verhinderte die Einstellung des Rekordes von 3:05h.
Sehr warm bis zum Gipfelaufbau und dann eisiger Wind aus Thermik am Gipfel. Keine 5min oben geblieben. Grat bereits nicht ungefährlich vereist.

stabiles Herbstwetter mit enormen Sichtweiten vom Großer Bettwlwurf

Der Herbst regt zum Denken an und so könnte man unter dieser Stimmung am Großer Bettelwurf den ebenso großen Hermann von Barth zitieren:

„Rase der Sturm mit zehnfacher Gewalt, ich schleudere ihm frevelmutig meine gellenden Jauchzer entgegen“

Aus dem Kawendelführer von Klier:
Das war Hermann von Barth, dem Erschließer des Karwendels. Wie man nicht oft genug und mit immer neuem Staunen festzustellen hat, erstieg er im Sommer 1870 in Summe 88 Gipfel, vermutlich zwölf davon erstmals. Barths Schilderungen liest man in seinem auch heute noch bemerkenswerten Buch „Aus den Nördlichen Kalkalpen“. Er ging allein.
Aus dem Umstand, dass es hier so gut wie keine Führer gab und die Einheimischen oft nur sehr verschwommene Vorstellungen von »ihrem« Gebirge hauen, destillierte er die Ideologie des Alleingängers: »Rase der Sturm mit zehnfacher Gewalt, ich schleudere ihm frevelmutig meine gellenden Jauchzer entgegen! Im Kampf mit den entfesse lten Gewalten bin ich der Stärkere – und bin allein!«

Mils, 18.11.2012

 

Das Halltal im Frühsommer 2012

Liebe Halltalfans,

wenn man dieser Tage auf verschiedenen Pfaden dem Talende zustrebt, dann fällt einem auf, daß sehr viel weniger Wanderer, Bergsteiger und Erholungssuchende anzutreffen sind als in allen Jahren zuvor.
Man trifft stets die hartgesottenen, eingefleischten einheimischen “Halltaler” und weit weniger zufällige Pilger oder Interessierte an dieser einzigartigen Naturkulisse.

Möglicherweise ist auch der Anteil an Bikern – ich meine hier nicht die propagierte E-Bikerschaft – die sich auf der teilweise leeren Straße hinaufquälen nicht abgesunken, aber ganz sicher auch nicht angestiegen ist. Die E-Biker, die es in dieser kapazitätsraubenden Gegend (noch) gar nicht gibt und deren Aufenthalt im Halltal, aus heutiger Sicht, für die Zukunft höchst fraglich ist, werden hier nicht angesprochen.

Ob die anzutreffenden Naturbegeisterten glücklicher sind als vor der Depression der Straßensperrung ist mir nicht klar. Ich, als einer jener der seit Jahren das Halltal sehr ausgiebig besucht – oder nutzt – bin es jedenfalls ganz und gar nicht.
Hat man sich vom Verkehr auf der früher mehr befahrenen Halltalstraße belästigter gefühlt als jetzt in der neuen Situation? Es ist nicht leicht zu glauben daß es so ist, denn es wird wahrscheinlich niemanden unter den Besuchern dieses Kleinodes geben, der sich stundenlang auf der Straße aufgehalten hat und dem der Ärger über die schätzungsweise hundert Fahrzeuge, die durchschnittlich am guten Wochenende im Halltal gefahren sind, hochgestiegen ist.
Nimmt man den Durchschnitt dieser geschätzten hundert Fahrzeuge über fünf Stunden der Anreise, sagen wir von 9 Uhr vormittags bis 14 Uhr, dann fährt jede 3. Minute ein Fahrzeug den Berg hinauf. Das wäre zugegeben durchaus störender Verkehr in der Natur.
Wie oft jedoch hat eine solche Frequenz wirklich stattgefunden? Hat man eine solche Lawine als Kenner dieser Gegend in Erinnerung? Ich behaupte, daß eine solche Situation an maximal 10 Tagen im Jahr -bzw. in der Saison –  zugetroffen haben kann (abgesehen von den wenigen, viel umworbenen Veranstaltungen). Wahrscheinlich waren es durch die gesamte Saison hindurch keine 50 Fahrzeuge täglich an den Wochenenden. Geschweige denn unter der Woche. Ich kann mich seit 2005 jedenfalls an keinen Verkehrsinfarkt im Halltal erinnern.

 

Schätze im Halltal

Die gesellschaftliche Situation jedoch, die ein primärer Faktor für die Belebtheit (Beliebtheit?) einer Region oder eines Landstriches ist, hat sich allerdings in diesen wenigen Wochen seit der Amputation der Halltalstraße von der Bevölkerung schon grundlegend geändert.
Das kann man jetzt schon mit dem sensiblen Blick des Kenners der Gegend ganz deutlich erkennen.
Hier und dort holt sich die Natur schon Raum zurück; Pfade werden enger, Wellen im nicht befahrenen Asphalt deuten auf beginnenden Verfall hin und die beharrliche Weigerung den  Fluchtsteig herzurichten (Anm.: was nun ab 17.7. endlich in Angriff genommen wurde) deutet auch auf den gesellschaftlichen Rückzug der Verantwortlichen aus der Region hin.

Frauenschuh im Halltal

 

Weit schlimmer und ausgeprägter ist aber, nach Beobachtung des Kenners der Gegend, momentan, die Erstauswirkung dieser weitreichenden und schlecht überlegten Entscheidung aus Menschenhand: die Gastwirtschaft im Halltal leidet den schnellsten und intensivsten Aderlaß wahrscheinlich seit der kommerziellen Erstnutzung der Gegend seit hunderten von Jahren.
Es ist schlicht und einfach “nichts mehr los” in den wenigen Labestationen oben und unten im Tale und man fühlt auf leeren Bänken deutlich mit den angestrengten Unternehmern. Der Niedergang ist angelaufen und es ist eine Frage kurzer Zeit, bis das Angebot tot sein wird. Ob St. Magdalena weiterleben wird ist sehr fraglich.

Nun könne man meinen, daß die Entwicklung für das Wohle der Natur ja eine paradisische sei, denn in der heutigen Welt klänge es wie ein Märchen aus dem “Gutenachtgeschichten-Buch” von Greenpeace, wenn sich irgendwo in diesen Tagen,  inmitten der Zivilisation,  die Natur wieder vollständig und ungehindert ausbreiten könne und alle schädlichen Bemühungen des Menschen zurückgenommen werden.
Weit gefehlt meine ich, denn diese Landschaft besitzt die Eigenschaft, daß sie nicht wieder – ungestraft für ihren Eroberer – in die Freiheit entlassen werden kann, zu viel ist hier in über 700 Jahren kultiviert und verändert worden, als daß es möglich wäre, das Tal sich jähe selbst zu überlassen und ohne frühere oder spätere Folgen, für jenen der eng am Fuße dieses Tales siedelt, befürchten zu müssen.
Gleichzeitig jedoch ist mit steigender Tendenz zu beobachten, daß die mögliche Belastung der angestammten Kapazitäten der Landschaft durch extremer werdende Wettersituationen überschritten wird und es zu häufigeren Kollapsen kommt als es durch viele Dekaden hindurch beobachtet werden konnte. Auch dies hat zweifelsfrei schädliche finanzielle Auswirkungen die nicht negiert werden dürfen. Nutznießende Kommunen, ja mit Sicherheit das Land als Ganzes, hätte jetzt hier eher einzuschießen woran es sich viele Jahrhunderte lang laben konnte als sich mit Almosen davon zu stehlen. So sollte die moralische Verpflichtung aus vergangenen Zeiten lauten und die Politik hätte die Fahne dieses Legates voran zu tragen.

Daß die Befahrbarkeit erhalten bleiben muß ist klar, es gibt eindeutige wirtschaftliche Aufträge die im hintersten Tal zu erfüllen sind. Umso logischer ist es, daß eine Möglichkeit geschaffen werden muß, die individuelle Befahrbarkeit auch für die Masse zu erhalten und die Aktivitäten im Tal und über seine Jöcher hinaus zu fördern. Seien es rein gastwirtschaftliche, landwirtschaftliche oder sportliche Aktivitäten. Zusperren und abtrennen ist der falsche Weg.

Warnung vor Torheit!

 

Aus touristischem Blickwinkel betrachtet muß man sich die Frage stellen, ob der Slogan auf der Regions-Homepage “Den Bergsommer entdecken & genießen” nur für die besten Wanderer und Bergsteiger gewählt wurde und vor allem die Gäste vorgenannter Region, von denen die Wenigsten diesen Gruppen zuzuzählen sind, nicht ein klein wenig von einer Mitgliedsgemeinde der Region gefoppt werden indem man ihnen den Zugang zum Bergsommer jäh abschneidet. Sehen sie sich doch spätestens beim Hackl einer neuen Situation ausgeliefert derer sie nicht Herr werden, wissen sie doch über die verbal und medial gestreuten Aufforderungen ein Taxi zu rufen in keinster Weise Bescheid (abgesehen davon, daß Touristen immer und überall auf der Welt die Telefonnummern der örtlichen Taxiunternehmen parat haben und selbstverständlich annehmen, daß man bei Fahrverbot im Heiligen Land einfach eines rufen muß).

auf 2.200m im Juni

 

Zurück zum Anwohner dieser herrlichen Gegend, der die neu verordneten Gepflogenheiten gleichsam einer Befehlsausgabe mühsam über allerlei Tageszeitungen und Gemeindeblätter erfahren muß: er ist zumindest aufgrund des Rummels durch vorgenannte Informationsquellen alarmiert, daß in seiner Heimat etwas nicht mehr stimmt. Daß man über ihn hinweg apodiktisch Tatsachen schafft die ihn beschneiden, die ihn kränken und die, hoffentlich, das Tirolerherz schneller schlagen und nicht mehr los  lassen werden.

Er erhält als Entschädigung für die Zwangs-Amputation einen wunderschönen Parkplatz den er nicht angefordert hat und der seine Lebensqualität nicht fördert. Er erhält am Zugang zu seinem Lokalparadies ein Denkmal, eine Brücke, die jetzt schon einen unvergeßlichen Spitznamen trägt, die “Golden-Gate-Bridge” und damit ihre Proponenten hochleben läßt. Oder zumindest die Absicht jener zum Ausdruck bringt?

Der Anwohner wird also nunmehr aufgefordert vor seinem Paradies zu parken und wird, je nach Leistungsfähigkeit seiner Gruppe eines oder mehrere seiner Ziele erreichen, oder auch nicht. Das erste Ziel einer Durchschnittsfamilie wäre ein ehemaliges Kloster, das sich, wie den Kundigen der Region Hall-Wattens gut bekannt ist, ja fast auf den Meter genau 500 Höhenmeter höher befindet, das Talende mit den Herrenhäusern gar 800 Höhenmeter. Man darf nun seiner Phantasie freien Lauf lassen welche Durchschnittsfamilie diese Herausforderung meistern wird. Ist es jene mit zwei Kindern unter zehn Jahren und sportlichen Eltern in den frühen Dreißigern die die Kinder eher früher als später am Weg dorthin schultern werden , oder jene mit Kindern als Teens mit denen deren Eltern immer noch mithalten können und mit Oma und Opa  knapp vor den Siebzigern die umdrehen, oder gibt es gar eine Idealfamilie in der niemand die Schwäche zeigt, den  Aufstieg der gesamten Strecke zu verweigern.
Aus den Erfahrungen meiner Bergsteiger- und Familienvaterpraxis bezweifle ich, daß von zehn der genannten Personengruppen mehr als fünf den Aufstieg in der Weise bewältigen, daß er als ein gelungener Wochenendausflug in bleibender Erinnerung abgespeichert wird. Wahrscheinlich schaffen aber vielleicht sogar dreiviertel aller genannten Gruppen den Aufstieg, jedoch wird er in einer Weise dem Unterbewußtsein übergeben, um in die Schublade: zu anstrengend, mühsam, zu lange- abgelegt zu werden und somit zum Garant für die Ausklammerung einer Wiederholung zu erhärten. Die Zukunft wird es weisen, aber es ist unvorstellbar und mit bloßen Auge in diesen drei Monaten Saison bereits sichtbar, das Halltal wird einen drastischen Besucherrückgang erleiden.
Dazu können die fünfundzwanzig schneeweißen Benze mit edlem Design, dem glänzenden Schwaben-Stern und dem gelbschwarzen Kästchen auf überspannender Dachreling leider nichts positives beitragen, auch wenn es am Saisonsende vielleicht achtundachtzig davon waren (Anm.: und allemal Vorsicht: ist bei Regen ist die Rückfahrt nicht gesichert?).

Darf dieser kritische Versuch nun in der Hoffnung geschlossen werden , daß es auf die Frage: Halltal: quo vadis- eine positive Antwort geben wird, oder ist das Schicksal dieser geschichts- und kulturträchtigen Landschaft durch seine demokratisch ernannten Beherrschenden bereits mit dem Daumen nach unten besiegelt worden; malte uns schon jemand derer im stillen Dunkel des Winters in der Gemeindestube das Joch “Oh’ du wildes Halltal, R.I.P” ?

Gipfelkreuz Großer Lafatscher, Juli 2012

 

Mils, im Juli 2012
Rainer Antretter