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Schitour Glungezer, 2.677m – von der Karlskirche

Selten im Winter – und in so manchem Winter gar nicht – bestehen geeignete Schneeverhältnisse, um die Schitour vom Tal aus auf den Glungezer zu unternehmen. Schneeverhältnisse, die es dem Belag erlauben nicht bei jedem Schwung im unteren Teil am Kleinvolderberg mit Maulwurfhügeln Bekanntschaft zu machen.
Über lange Zeit wurde diese Schitour als die längste Tirols gehandelt – mittlerweile gibt es weit längere.

Eingang der Glungezerhütte und Gipfelbereich mit Materialseilbahn des Bundesheers

Der Start, wie könnte es schöner sein, befindet sich in geschichtsträchtiger Umgebung bei der Karlskirche und dem Servitenkloster zu Volders an der Bundesstraßenbrücke und Abzweigung der Landesstraße nach Tulfes. Der  beeindruckende Barockbau¹ der Karlskirche (Grundsteinlegung 1620, geweiht 1654) fasziniert nicht nur vom Äußeren, der Kunstgenuss des Kuppelfreskos im Inneren kann bei einem andächtigen Besuch anlässlich der Danksagung von riskanten überstandenen Schitouren bewundert werden.

Panorama im Inntal, Mils gegenüber vor dem Halltal

In der Tat hinterläßt dieser Schitour einen bleibenden Eindruck. Alleine der Start mitten im Inntal ohne vorherigen Höhengewinn per Fahrzeug ist schon ein nicht alltäglicher.
Der Parkplatz wurde für die Zwecke des Winters extrem erweitert. Östlich der kleinen Ausbuchtung des Hanges als Parkplatz läßt, vermutlich die Gemeinde Volders, eine große Wiesenfläche zu Parkzwecken räumen –  wofür man in Zeiten wie diesen den Hut ziehen muß. Insgesamt finden am Ausgangspunkt der Tour schätzungsweise an die 80 Fahrzeuge Platz.

Durchschlupf beim Wegkreuz oberhalb der Karlskirche

Im unteren Teil der Tour wird quasi über den gesamten Kleinvolderberg aufgestiegen. Die Wiesen der Bauernschaften dort bilden schöne Abfahrtshänge die durch die Zufahrtsstraßen zu Wohnhäusern unterbrochen werden an denen recht nahe aufgestiegen wird – der heute im Pulk allgemein recht laut gewordene Tourenfreund möge sich des frühen Morgens mit seinen Unterhaltungen entsprechend zurückhalten, passiert er die Gehöfte.

Wiese hinter dem Durchschlupf mit dem Ziel im rechten Bilddrittel dem Glungezer (nebelverhangen)

Nach den ersten zwanzig Meter Aufstieg und dem Durchschlupf am Wegkreuz breitet sich das dahinter gelegene Feld leicht ansteigend aus und – auch eine Besonderheit dieser Schitour – das Gipfelziel wird sofort in umwerfender, in herausfordernder Entfernung sichtbar.
Aber nicht nur das Gipfelziel an sich, auch die Aufstiegsroute ist erkennbar und, wer sie kennt, auch die Waldschneise vor der Straße bei Windegg und das Schigebiet des Glungezers am Rücken zum Gipfel hinauf.

Aufstieg über tolle Hänge nach dem letzten Haus am Lachhofweg

Nach dem ersten Feld an der Straße (Lachhofweg) angelangt muß dieser etwa 500m in westlicher Richtung gefolgt werden, um den nächsten Aufstiegshang zu erreichen. Bei guter Schneelage kann dies unter Nutzung eines schmalen Streifens zwischen Straße und Zäunen der Anrainer, abschnittsweise leicht unbequem links oder rechts auf der erfolgen, ohne die Schi zu tragen.
Nach dem letzten Haus in Richtung Lachhof erreicht man den nächsten Hang wieder auf dem dann lange aufgestiegen werden kann, ohne abzuschnallen.
In Summe trifft es einen etwa drei bis fünfmal abzuschnallen, je nach Aufstiegsroute, Schneelage und  Salzeinsatz bei der Straßenräumung. Aus eigener Erfahrung sei jedem geraten abzuschnallen, um nasse Felle zu vermeiden.

die Freileitung wird angepeilt

Rasch wird auf den weißgetünchten Hängen an Höhe gewonnen. Das Ziel von unten von der Straße gesehen ist ein großer Strommast einer 110kV-Freileitung. Die Aufstiegsroute dorthin kann frei gewählt werden, falls es noch keine angelegte Spur gibt. Die Spitzkehre der Kleinvolderbergstraße beim Ortsteil Edenhaus wird links liegen gelassen, das spart zweimal Abschnallen.

Rückblick auf den unteren Teil am Kleinvolderberg

Beim Freileitungsmast (etwa 860m) wird das Gelände kurzzeitig etwas flacher, da die Aufstiegsrichtung hangparallel bis zum westlich gelegenen Freileitungsmast weiterführt. An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Rückblick über den schönen Kleinvolderberg.

Querung längs der Leitungstrasse bis zum nächsten Mast

Nach Erreichen des nächsten Freileitungsmastes zieht der Aufstieg kurz über einen steilen Hang bis zum Gehöft Platten an. Hier wird der Plattenweg überschritten, um jenseits den nächsten steileren Hang zum Tulferberg aufzusteigen. Am oberen Teil dieses Hanges verengt sich die Wiesenfläche zu einem schmalen Schlauch zwischen Waldflächen, etwa auf 1.080m. Hier lohnt ein weiterer Rückblick, die ersten 500 des gesamten 2.050m Aufstiegs liegen nun zurück.

Oberhalb des Gehöftes Platten

Ein weiterer Durchschlupf durch Besitzgrenzen am Ende der Wiesenschneise führt hinauf zur Tulferbergstraße bei Windegg. Ab hier befindet man sich schon im Schigebiet des Glungezer, auch wenn dort nicht immer eine technisch gezogene Piste besteht – worin auch einer der Reize des Schigebietes Glungezer besteht.

Hang bis zur schmalen Wiesenschneise

Nach der Tulferbergstraße bei Tulfein ist noch eine Hofzufahrt zu queren, die fallweise Abschnallen erfordert, sodann ist man dieser Unterbrechung bis zum Gipfel ledig.

schmale Wiesenschneise

Von einer Beschreibung des nun folgenden langen Aufstieges auf den Pistenflächen des Schigebietes soll hier abgesehen werden, da für den Tourenfreund damit kein Gewinn entsteht. Der Aufstieg erfolgt durchgehend am linken Rand der Pisten in Aufstiegsrichtung. Bei der Austragung von Schirennen ersetzt die Absperrung den Waldrand und der Aufstieg erfolgt mittig auf der Piste.

Piste unterhalb von Windegg

Erwähnenswert sind vielmehr die gastronomischen Angebote von Tulferhütte über das Gasthaus Halsmarter und die Tulfeinalm, die nicht nur im Aufstieg, bei den am Glungezer bekannten teilweise extremen Windbedingungen, wiewohl auch bei der Abfahrt für Labsal und bei Bedarf für warme Finger sorgen können.

vor der Tulferhütte

Ist die Bergstation des neuen Glungezerliftes „Halsmarter“ auf 1.550m erreicht kann man sich rühmen etwa die Hälfte des Anstieges zum Glungezer erreicht zu haben.
Dort trifft man mit viel mehr Schifahrern zusammen, als im unteren Teil am flachen Halsmarterlift.
Der beliebte Sessellift von Tulfes auf die Halsmarter wurde trotz keiner leichten Phase der Erneuerung als wichtiges Signal in der Region im Herbst 2018 neu erbaut und erfreut sich in den ersten Betriebswochen großer Beliebtheit. Für so manchen in der Region Ansässigen nebst dem Autor besitzt er „Kulturgutstatus“ und muß in jedem Fall erhalten bleiben, wenn auch Verständnis dafür aufgebracht werden muß, daß die technische Modernisierung von Anlagen in  der Notwendigkeit für einen Wirtschaftsbetrieb einher zu gehen hat. Nach gut 50 Jahren Dienst und dem Bekenntnis für die Zukunft hat der Glungezerlift in der Meinung des Verfassers heute Unsterblichkeit erreicht – er wurde Teil des Kulturgutes der örtlichen Bevölkerung.

Rückblick auf Windegg

Im oberen Teil des Schleppliftes, nahe der Baumgrenze bei Tulfein auf 2.000m, wich die Wolken- und Nebeleintrübung, die kurz nach dem Start für Zweifel sorgte, ob die gesamte lange Tour an diesem Tag wohl absolviert werden könnte. Der Gipfel jedoch blieb vorerst in Nebelpaketen eingepackt und  Wind kam auf, der die Temperaturen von etwa acht Grad kälter anfühlen ließ.

kurz vor Tulfein wird die Hoffnung auf Aufklaren gestärkt

Um die Ecke bei Tulfein gebogen keimte die Hoffnung auf, daß der Gipfelanstieg nach der Schaferhütte ein nebelfreier werden würde. Der Wind aus Nordwest fegte die hartnäckige Nebelbank mehr und mehr ins Voldertal weiter, es sollte aber noch mehr als eine Stunde dauern, und zwar bis zum Erreichen der Glungezerhütte, bis die Sicht ungetrübt wurde.

nach dem Schlepplift auf das Ziel geblickt – noch in großer Ferne scheint der Gipfel

Etwa auf halbem Weg von Tulfein bis zum Ende des ehemaligen Schleppliftes „Kalte Kuchl“ sind zwei Drittel des Aufstieges erreicht. Und dort steht man vor der noch immer fern scheinenden Pyramide des Glungezers. Wer will aber hier schon aufgeben?
Als leichte Strecke zum Regenerieren durch den steilen Aufstieg neben der Piste dünkt das weitere Gelände Richtung Schartenkogel. Der Weg Richtung Schartenkogel führt in einer angenehmen Kehre hinauf und quert unterhalb der letzten Meter des Schartenkogelliftes Richtung Tufleinjöchl bis vor die Schaferhütte, 2.260m.

Stimmung am Weg zum Schartenkogellift – klirrend kalt

Dort wird das Gelände des Glungezer Schigebietes wieder verlassen und Richtung Gipfel angestiegen. Bei der Begehung des Verfassers erzwang der mittlerweile recht unangenehm gewordene Nordwestwind die Überjacke und die Kapuze war willkommen.

am ersten Felsaufschwung nach Verlassen des Schigebietes

Der Aufstieg ist fast durchgehend mit Schneestangen in dichtem Abstand markiert. Am ersten Hang markieren die Schneestangen jedoch die Abfahrtsroute und der Aufstieg erfolgt links (südöstlich) davon in geringem Abstand und ohne Stangen. Nach der ersten Kuppe (etwa nach 50Hm) führt der Aufstieg wieder an die Schneestangen heran, die gleichzeitig die Abfahrtsroute markieren.

eine dichte Abfolge von Schneestangen weist den Weg – die Seilbahnstütze voraus wird angepeilt

In der Folge wird die vorletzte Stütze der Materialseilbahn des Bundesheers erreicht und der Seiltrasse etwa 5min gefolgt, bevor die Schneestangen in westliche Richtung ableiten.
Die Wendung führt auf einen fast ebenen Quergang mit einem Aufschwung am Ende, der einem, bei viel Wind, unangenehm dichte Schneeverwehungen ins Gesicht bläst, bis der Aufschwung überwunden ist.

Wegweiser unterhalb der Sonnenspitze – links geht es zur Glungezerhütte

Zum Abschluß des Winterweges – es gibt auch einen Sommerweg südlich des Tulfeinjöchls, der im Winter als Schitour auch begehbar ist – liegt der Hang von der Sonnenspitze herab nun bis zum Gipfel einsehbar als letzte kurze Prüfung vor dem Bezwinger.
Die Entscheidung zwischen der Sonnenspitze, 2.639m oder dem Glungezer, 2.677m, der nur der Glungezerhütte 2.610m kann nun getroffen werden und aufgrund der bekannten Hausstrecke und der unwirtlichen Verhältnisse entschied sich der Verfasser für die Gerstensuppe und das Bier in der Hütte, diesmal ohne Gipfel des Glungezers.

Blick auf den Glungezer, 2.677m

Hierzu muß noch die Querung etwa 50Hm unterhalb der Sonnenspitze erfolgen. Links (östlich) des Anstiegs zur Sonnenspitze befindet sich ein weitgehend eingeschneiter Wegweiser und eine Seilabgrenzung weist den Weg auf den Zugang zur Glungezerhütte am Sattel zwischen Sonnenspitze und Glungezer.
Der Übergang führt, eher flach querend, durch steiles Gelände; oberhalb die Felsschrofen der Rippe zur Sonnenspitze, unterhalb ein steiler Abhang. Die Seilsicherungen bieten im Extremfall bei Sturmwind sicheren Halt, im Normalfall bedarf man ihrer nicht.

Weg zur Hütte im Rückblick

Beim Anblick der Hütte und der Einrichtungen der Materialseilbahn waren die letzten Zweifel beseitigt, daß der Gipfel nach 4:30 Stunden Aufstieg vielleicht doch mitgemacht werden sollte. Die 67m Aufstieg von der Hütte bedeuten nicht die Welt für jemand, der schon mehrere Dutzend Male dort gestanden ist.

Sonnenspitze, 2.639m mit Biwackschachtel im Vordergrund

Die Glungezerhütte, in der Grundform und die Gaststube ein Bau des bekannten Innsbrucker Architekten Theodor Prachensky, über die Treppe hinuntergestiegen und eingetreten ist eine Hütte in der man sich unweigerlich wohlfühlt. Mag es an der Holzvertäfelung oder an der Einrichtung liegen, oder einfach an einem warmen Ort ohne Windgetöse.

die gemütliche Glungezerhütte mit ihren kleinen Fenstern

Ein dreiviertel Stündchen für Suppe und Bier neben anderen drei verbliebenen Tourengehern war schon das Maximum, das so spät am Nachmittag drin war, um bei der Abfahrt weiter unten nicht in Dunkelheit zu geraten. Also hieß es um 16:30 mit gewaltigem Panorama ins Unterland und mittlerweile kristallklarer Sicht Abschied nehmen vom zeitlosen Ort.

einer von Prachenskys Schifahrern

Die Abfahrt erfolgt wieder über die verseilte Gasse westlich unter die Sonnenspitze und dann der Aufstiegsspur folgend bis zum Akja, dann links von der Aufstiegsspur abzweigend, den Felskopf umfahrend bis hinab zur Abfahrt vom Schartenkogellift.

die Sicht zum Abfahren aufgeklart, das Ziel ist dort wo der Inn sich gegen Süden krümmt – Stimmung im Unterinntal Anfang Jänner um halb fünf abends

Am Weg nach Tulfein bezauberte noch der abendliche Blick des Inntales mit dem Abendrot über den Sellrainer Bergen.

hier verläßt die Abfahrt die Aufstiegsroute kurz nach links um den Felskopf herum

Der lange Aufstieg wird einem erst ab der Tulferhütte bewußt, wenn die Oberschenkel in schneller Abfahrt zu brennen beginnen und erst noch der Kleinvolderberg mit Tiefschnee wartet.

Abendrot über den Sellrainer Bergen

Die Bilder über die Naturabfahrt über den Kleinvolderberg bleiben grandios in Erinnerung. Selten gibt es eine solche Möglichkeit über breite Wiesen einfach querfeldein hinabzufahren, Häuser und Stadel hinter sich zu lassen.

Am oberen Teil am Kleinvolderberg – gegen das Karwendel und Halltal

Der neuerlichen parallelen Fahrt oder Tragestrecke am Lachhofweg kann bei guter Schneelage auch ausgewichen werden. Oberhalb des Hauses am Lachhofweg kann auch rechts (östlich) auf schmalem Pfad in den Wald hineingefahren werden (rechtzeitig am Hang rechts weg bevor das Gefälle nicht mehr ausreicht).

tolle Abfahrt zwischen den Häusern

Dort folgt eine kurze Schiebestrecke von etwa 50m bevor eine Kurve der Kleinvolderbergstraße erreicht wird der man talseitig der Leitschienen,  gegen den Wald, etwa 200m folgt. Nachdem der Wald endet und leicht links (westlich) ein Haus zu sehen ist wird zu diesem abgefahren, die Straße überquert und somit die gesamte Strecke auf dem Lachhofweg umfahren.

nach der Umfahrung des Lachweges; etwas links haltend nach dem Haus geht es zurück zur Aufstiegsspur

Weiter links haltend über das breite Feld führt die Abfahrtsroute zum Ausgangspunkt hinab.
Eine Gesamtübersicht und ein paar Kartenausschnitte der Tour und ein Höhenprofil befinden sich in der Bildergalerie, siehe weiter unten.

Tourabschluß auf den Glungezer mit Abendstimmung bei der Karlskirche

Für die 10,5km lange und 2.050Hm Aufstieg messende Tourenstrecke wurden inclusive Hüttenaufenthalt 6:02 Stunden benötigt, für den reinen Aufstieg mit Fotopausen 4:33 Stunden.
Die Planung beschreibt den Aufstieg mit 5:30 Stunden, siehe Höhenprofil in der Bildergalerie.

Schitour Glungezer – horizontale Länge

Die Mähr von 15 oder 16km Tourenlänge ist durch eine Kartenmessung übrigens rasch widerlegt.
Die horizontale Strecke von der Karlskirche bis zum Glungezer beträgt rund 8.500m und der geodätische Aufstieg beträgt rund 2.100m. Mit Hilfe der Winkelfunktionen errechnet sich somit ein durchschnittlicher Winkel von 13,9° und bei diesem kleinen Winkel ergibt sich halt keine Hypotenuse die länger als 8.760m wäre. Wenn man nun die Kehren im Gelände und die S-Kurve nach Tulfein berücksichtigt, dann mag sich vielleicht je nach Route eine Länge von 10.500m ergeben, niemals aber von signifikant mehr – so wie es AV-Karte und Outdooractive auch ergeben.

Mils, 12.01.2019

¹Hierzu eine Erläuterung des geschichtsbewanderten Freundes des Autors, Christian Neumann, Absam:
Die Karlskirche ist eigentlich eine Barockkirche (1620 von Guarininoni gestiftet, 1654 geweiht) und keine Rokokokirche. Die Karlskirche war „der erste barocke Zentralbau Tirols“ und  „die ursprüngliche Raumfassung wurde 1766/67 durch eine Rokokogliederung mit Stuckmarmorpilastern und Recaillekapitellen von Johann Georg Gigl ersetzt“ (zitiert aus Tavernier/Schubert, Tiroler Ausstellungsstrassen, Barock und Rokoko, 1995: ISBN 978-3-7022-2260-4). In Wikipedia und auch sonst überall wird vom Rokoko der Karlskirche gesprochen, das gilt aber eigentlich nur für die Umgestaltung, denn die Zeit des Rokoko war in etwa von 1725 bis 1785, aber die Kirche wurde 100 Jahre davor in der Frühzeit des Tiroler Barocks erbaut.

Voldertalumrundung – Überschreitung von 11 Gipfeln am Grat

Unter den großen Vorhaben von weiten Überschreitungen stellt die Voldertalumrundung für den konditionsstarken Bergsteiger eine leichte Möglichkeit dar in eine solche Erfahrung einzusteigen.
Die Runde kann in beide Richtungen begangen werden, sie kann an vielen Stellen abgebrochen werden und es gibt die Möglichkeit mittels zweier Fahrzeuge Anfang und Ende aufstiegsverkürzend zu verbinden.

das nette Kreuz auf der Seekarspitze mit Grünbergspitze und Rosenjoch im Hintergrund

Bei der Voldertalumrundung geht es nicht um spektakuläre Gipfel. Der einzige Gipfel, der einen Hauch von Kletterei beinhaltet ist der Sunntiger, und auch nur dessen Nordschulter, alle anderen Gipfel sind ohne Schwierigkeit zu besteigen. Einige Passagen im Übergang vom Hanneburger zum Malgrübler, zwei Gratstrecken mit etwas Pfiff hinsichtlich der klettertechnischen Begehung, könn(t)en umgangen werden, wie auch der Nordgrat des Sunntiger, allerdings versäumt man dadurch eine willkommene Abwechslung in der sonst von Felstrümmern geprägten Strecke.

Diese Gratstrecken sind an sich nicht schwierig, vielleicht kann für einige wenige Passagen II- vergeben werden, aber sie bewegen sich teilweise in etwas ausgesetztem Gebiet. Auf den wenigen Gratschneiden wo Tritte rar sind übernimmt Reibung am reich mit Flechten bewachsenen Glimmerschieferfels den Halt, Griffe sind an den scharf abbrechenden Gratklippen immer vorhanden. Alles in allem keine schwierige Übung für den versierten Felsgeher.

Auf der westlichen Talseite findet sich kaum eine Kletterstelle, die nicht durch eine richtige Wegausbildung bzw. einmal sogar mit kurzer Seilversicherung vorgegeben wäre – also eine Begehung ohne jegliche Kopfleistung darstellt. Dadurch erschien die Begehung in Uhrzeigerrunde dem Verfasser individuell auch wesentlich schneller. Die Fortbewegung an „zurückgelegter Strecke“, also die Geschwindigkeit, in den Gratstellen zwischen Hanneburger und Malgrübler schienen angesichts der kleinen Teilstrecke von nur 1,57km (Luftlinie) zwischen den beiden Gipfeln ewig zu dauern. Zum Vergleich: Die Strecke vom Largoz bis zum Hanneburger ist mit 3,07km (Luftlinie) fast exakt doppelt so lang und dafür wurden sogar 10min weniger benötigt, obwohl der Höhenunterschied zwischen Largoz und Hanneburger 356m und zwischen Hanneburger und Malgrübler nur etwa 230m (aus der Karte gemessen, nicht geodätisch) beträgt.

kurz nach dem Start zurücksteigen zur Alm und Zwangspause akzeptieren

Dieser doch signifikante Unterschied erklärt sich zu Beginn der Tour noch nicht aus einem Verfassungsunterschied sondern nur durch die zeitaufwändigen Klettereien, die allerdings auch ausgelassen werden könnten.
Dieses Thema ist im Zusammenhang mit der Gesamtgehzeit ohnehin erwähnenswert. An einer guten Anzahl von Stellen bestünde die Möglichkeit eine Kuppe abzuschneiden um Höhenmeter zu sparen.
Es liegt natürlich in der Betrachtung des Einzelnen worauf er Wert legt, auf die möglichst schnelle Umrundung, oder auf die Ernsthaftigkeit die Umrundung am Königsweg des höchsten Punktes absolviert zu haben.
Insofern sind Zeiten teilweise wenig vergleichbar. Dieser Bericht behandelt letztere Anschauung und es geht auch um Bergsteigen, nicht um das unerwünschte Abdriften in ein Sportthema.

Es wurden an den Gipfeln zwischen 5 (an den Nebengipfeln) und max. 15 Minuten (an den drei Hauptgipfeln Malgrübler, Naviser Sonnenspitze und Rosenjoch) Pausen zur Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme eingelegt und das Wetter beobachtet, sowie fotografiert. Ebenfalls wurde das Gipfelkreuz der „TV Naviser“ an der Sonnenspitze bestiegen und ein wenig in den Gipfelbüchern geblättert, die auch Einträge mit der Aussage „Voldertalumrundung“ beinhalteten (übrigens ein fataler Fehler im Notfall: wohin soll ein Rettungstrupp sich wenden, wenn der Gesuchte „Voldertalumrundung“ ohne Richtungsangabe eingetragen hat? Hier wird das Gipfelbuch – wie so oft heute – eigentlich miss- oder zumindest sinnlos ge-braucht und es siegt Sensationsgier vor dem Hirn). Es wurde nie im Gehen gegessen, der Verfasser lehnt solches ab.

interessante Tafel, siehe Text für mehr Info über die „Charlottenburger“

Zum Abschluß des Vorspannes noch ein wenig geografisches und – wie könnte es heute anders sein – auch ein freizeichnender Disclaimer sei ausgesprochen:
Die Karten sprechen von mehr als von den im Beitragstitel erwähnten elf Gipfeln. Es werden auch solche überschritten, die kein Gipfelkreuz tragen und zwar sind das der Roßkopf (die Wattenspitze wurde als einziger kartografisch erwähnter Gipfel nicht überschritten, hier führt der Steig knapp darunter vorbei) und die Gamslahnerspitze. Darüber hinaus wäre es noch möglich den Schartenkogel als weiteren Gipfel mitzunehmen und vorne nach Halsmarter abzusteigen.

Weiters wäre es möglich gewesen von der Halsmarter oder auch der Tulferhütte nach Volderwildbad abzusteigen und die Strecke somit signifikant zu verkürzen und als letzter Punkt sei erwähnt, daß die Begehung gegen den Uhrzeigersinn den Vorteil mit sich bringt, daß das Groß an Höhenmeter eher zu Beginn der Umrundung absolviert wird und ae ab dem Rosenjoch eher abwärts geht, wenn die Girlanden zwischen den Gipfeln außer Acht gelassen werden (wobei der geodätische Höhenunterschied zwischen Rosenjoch und Malgrübler gerade einmal 47m beträgt und dazwischen wahrscheinlich 800Hm oder mehr echte Aufstiegsstrecke liegen).

Wer beim Lesen dieser phantastischen und erheblich anstrengenden Reise bereits vor dem Erreichen des Glungezers erschöpft ist der scheint noch nicht bereit dazu, möge weiterhin trainieren und erst mit entsprechend guter Kondition mitlesen. Der Verfasser haftet ausdrücklich nicht für hochgradig übersäuerte und schmerzende Lesemuskulatur nach vorliegender Lektüre.

das Largozkreuz erreicht – Wetterlage nicht erbauend

Der Himmel zeigte sich bereits um 6:45 vom Parkplatz oberhalb der Krepperhütte aus betrachtet für das anstehende große Unternehmen als recht kritisch bewölkt und mit zunehmendem Aufstieg keimte sehr bald die Überzeugung, daß aus der langen Tour nichts werden würde. Wie so oft siegte Überempfindlichkeit bei zweifelhaftem Wetter über dem Optimismus – ein Phänomen, das beim Alleingang eines bedeutenden Unternehmens am Berg einen eisernen Griff ausübt und den Geist lähmt. Zu dieser Erfahrung wird sicher eine beträchtliche Schar von Bergsteigern nicken.

Durch den dichten Wald wenig nach oben geblickt und auf den Schritt konzentriert erreichte ich die freie Almfläche der Largozalm, ohne daß irgend ein verirrter Sonnenstrahl mein Blickfeld traf, das Gegenteil war der Fall. Mit großer Gewissheit an so einem Tag vielleicht den Malgrübler absolvieren zu können und somit zumindest Erkundungserkenntnisse gewonnen zu haben wurden die Almgebäude passiert und kaum 10min später waren die ersten Tropfen zu spüren. Im Westen, die Sicht auf die große Stadt schon undeutlich durch den Niederschlag.

selbst im Osten geschlossene Bewölkung

Die Vorhersage für diesen Tag war bis zum Nachmittag zwar nicht wolkenlos, so jedoch als stabil und daher bestens für mein Vorhaben beschrieben. Während der ungewiss lange dauernden Zwangsrast als „Unterstehgast“ unter dem Vordach eines Stallgebäudes wurde dann versucht stoische Ruhe zu üben und das Positive siegte auch in dieser guten halben Stunde, als daß ich erfuhr, daß die „Largotz-Alpe“ einst der Sektion Charlottenburg des D. u. Ö.A.V. angehörte. Da eine solch interessante Geschichtsinformation nie unerforschtes Halbwissen bleiben darf konnte ich im Nachgang nicht umhin mir etwas Wissen über den Verein anzueignen und jedem, dem Alpingeschichte und die der Heimat schlechthin etwas bedeutet, sei dieser interessante Link ans Herz gelegt; er wird staunen welche Entwicklungen die wohlbekannten Hütten am Glungezer von 1923 bis in das dritte Jahrtausend hinter sich haben – eine pfiffige AV-Sektion die Charlottenburger im fernen Berlin!

erste Tendenzen zur Wetterbesserung

Nun, mittlerweile hatten die Almbauern das Vieh in den Stall getrieben und der Regen sich verzogen. Ein Blick nach Westen versprach mit einigermaßen Sicherheit Regenfreiheit die dem weiteren Aufstieg Auftrieb verlieh, jedoch mit der Gewissheit, daß alle gefasste Ernsthaftigkeit für diesen Tag nun aufgelöst werden könne. Trotzdem stieg der Körper wie gesteuert in geplanter Steiggeschwindigkeit weiter.

Der Ausblick am Largozkreuz (im Link weitere Informationen über den beliebten Punkt) verhieß noch keine signifikante Besserung der Wetterlage, lediglich im Westen entstand in der Zwischenzeit ein lichter Bereich, dort wo vorher das Zentrum der Schauer lag. Dieser Hoffnungsschimmer  war nun Antriebsfeder zumindest nicht sofort aufzugeben.

Ab dem Largoz verflacht sich der Steig am Grat erheblich. Die typische Zirbenlandschaft der Tuxer Alpen ist dort fast überwunden, vereinzelt stehen die stämmigen Kiefern noch trotzend in der Landschaft, meist überwiegt aber bereits bodennaher Strauchbewuchs und Almrosenbüschel über Almrosenbüschel säumen den Weg.

die ersten hohen Ziele, Haneburger nd Malgrübler links dahinter

Schnell wird an Terrain gewonnen, der Steig zieht abwechslungsreich und leicht zu begehen an der Ostseite der Wattenspitze (einer der nicht mit Gipfelkreuz ausgestatteten Gipfelerhebungen in der Karte) vorbei, steuert dem nächsten Zwischenpunkt, dem runden Roßkopf zu und wird nach der Wattenspitze wieder etwas steiler. Die Wattenspitze ist mir von früheren Begehungen bekannt gewesen, daher ist sie die einzige Auslassung am Grat über die gesamte Strecke der Umrundung und schätzungsweise 40Hm wurden somit nicht bewältigt.
Der darauf folgende Roßkopf und seine lange südliche Einsattelung ist Schafalmgelände – von weitem sind sie zu hören und wenig zu sehen.
Nach dem Hochpunkt wird in eine moderat tiefe Einschartung (es sind an die 140Hm) wieder abgestiegen, um jenseits den leichten Aufstieg (knapp 300Hm) über die Nordflanke des Haneburger zum Gipfel zu bewältigen.

Rückblick auf den Roßkopf am Weg zum Haneburger – das Karwendel im Norden wolkenfrei

Mittlerweile, und das ist nun auch auf den Bildern nicht zu übersehen, hat sich das Wetter wieder dermaßen gemausert, daß die grauen Zellen sich – wie der Körper im Aufstieg auch – abmühten die verbleibende Aufstiegsstrecke und die Entfernung zum bergsteigerischen Ziel, dem Glungezer, in Gehzeit umzurechnen und eine Ankunftszeit zu ermitteln. Ein schwieriges Unterfangen im Kopf, da bis dorthin fast die Hälfte der Aufstiegsstrecke zurückgelegt war (ca. 1.500Hm), jedoch weniger als ein Viertel der Gesamtstrecke und die verbrauchte Zeit 3 ¼ Stunden betrug. Die Ankunftszeit am Haneburger war rd. 10 Uhr.

erste Sonnenstrahlen am Gipfel des Haneburger, 2.596m

Angesichts der Topografie der noch zu bewältigenden Strecke empfiehlt sich hier eindeutig der Zeitansatz vor  dem Steiggeschwindigkeitsansatz. So hielten zusätzliche drei Mal dreieinviertel Stunden als Daumenpeilung her, die eine Ankunftszeit bei der Krepperhütte von neundreiviertel Stunden bedeuteten. Ein entsprechender Abzug für die bereits zur Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke bewältigten Höhenmeter wurde dabei zugunsten der sich auswirken werdenden Ermüdung im Westteil der Umrundung unterlassen, weil er sich als gleichwertig auswirkend eingestuft wurde.
Nach diesem Ansatz ist klar, daß die Ankunft beim Ausgangspunkt um 19:45 Uhr sein würde und selbst mit dem des Technikers eignem Sicherheitsbedürfnis von 10% bei sehr einschätzbaren Bedingungen würde die Tour noch – und Tageslicht vor Kunstlicht ist eine mir stets selbst gestellte Bedingung wo immer möglich – mit großer Wahrscheinlichkeit planmäßig enden können.

Rückblick auf die Strecke Largoz bis Haneburger, mittig die felsige Wattenspitze, davor der Roßkopf

Das Schild am Gipfelkreuz des Haneburgers straft die Literatur Lügen und zeigt die Gipfelbezeichnung „Hanneburger“ – oder die Literatur straft das Schild Lügen – vielleicht ist es irgendwann herauszufinden.

Mittlerweile hatte es sehr weitgehend aufgeklart, das Inntal und Karwendel war teilweise fast wolkenfrei. Über dem Stubai und den Zillertalern hielten sich jedoch immer noch größere Wolkenpakete.

ein leicht anregender Grat führt direkt vom Gipfel weiter Richtung Malgrübler

Der folgende Grat Richtung Malgrübler schließt direkt am Gipfel des Haneburgers an. Zunächst stieg man ein paar Meter ab, um dann westlich die ersten Meter zu umgehen und steigt dann auf den Grat auf, der sich schätzungsweise 200m ohne wesentliche Höhenänderung bis zu einer Wiesenfläche hinzieht und etwas Abwechslung in die sonst einfache Gehstrecke bringt. In diesem Bereich sind ein paar leichte Klettereien verpackt.

Rückblick auf das schöne leichte Gratstück

Nach dem Übergang vom Grat zur Wiesenfläche ist die beste Richtung links zum Hochpunkt der Wiesenfläche aufzusteigen. Geradeaus geht es wegen Abstürzen nicht, westlich durch die Rinne hinab wäre nicht die gewünschte Route einer Überschreitung gewesen und fällt unten steil und uneinsehbar ab.

Rückblick auf die Strecke vom Haneburger

Nach dem Hochpunkt führt der Gratrücken leicht über Wiesenpartien hinab in das Malgrüblerkar, in dessen südlichen Teil der Grat an Schärfe wieder zulegt und mit ein paar netten aber zeitaufwendigen Klettereien mit viel Auf und Ab aufwartet. Entsprechend beschleunigt man instinktiv und kommt am Ende keuchend an.

jenseits im Westen der Westteil der Tour noch viele Stunden entfernt

Die Kamelbuckel hinter sich gelassen folgt über etwa 200Hm ein monotoner mittelsteiler Aufstieg auf den Malgrübler. Dessen unspektakulär flach ausgebildeter Gipfel trägt ein Stahlkreuz und das Gipfelbuch verrät, daß er schon bedeutend weniger oft erstiegen wird, als sein nördlicher Kollege. Der Malgrübler ist mit 2.749m der zweithöchste Gipfel in der Umrundung und um knapp 50m niedriger als das Rosenjoch mit 2.796m.
Für mich die erste lange Rast von 15min mit etwas Nahrungsaufnahme.

Malgrübler, 2.749m

Von dort könnte man mit dem Glas den Nordrücken des nächsten Zieles in Augenschein nehmen, dem Sunntiger. Ob man die einzig schwierige Stelle dabei erkennt muß bezweifelt werden, den durch den Plattenaufbau des Rückens und Frontalansicht kann den Sägezahn nicht erkannt werden. Dies als Rechtfertigung selbige Erkundung nicht durchgeführt zu haben.

Herr Sunntiger posiert für mich – ein schöner Anblick und ein Vergnügen ihn von Norden zu besteigen

Eine weitere Überraschung erwartet den Begeher hinter den von oben uneinsehbaren Gratpartien und zwar ein beträchtlich tiefer Abstieg von ca. 140m bis in eine Kargrube, von der es ca. 50Hm auf den Sunntiger hinaufgeht. Dieser Aufstieg beinhaltet eine Stelle, die entweder mit einem beherzten Sprung über ca. 1,50m Höhe oder uneinsichtig abgeklettert bewältigt wird, um jenseits auf Reibungsgelände in Gipfelnähe zu kommen. Der Aufstieg wird besser nicht unternommen, wenn man solche Verhältnisse nicht meistern kann. Der Gipfelaufbau kann an der Westseite auch umgangen und südseitig auf dem Normalweg erreicht werden. Ein noch wesentlich schlankeres, kleineres Gipfelbuch zeugt von eher seltener Begehung des schon als rassig zu bezeichnenden Gipfels in dieser sanften Gegend.

Rückblick am Nordgrat des Sunntiger – unten, wo der gelbe Fleck mit Blumen ausgemacht werden kann befindet die Schlüsselstelle

Vom Sunntiger aus kann der weitere Weg zur Naviser Sonnenspitze erstmals fast völlig eingesehen werden, er wird als weitgehend unspektakulär erkannt und so wird er sich auch weisen.

Sunntiger, 2.667m

Der Abstieg vom Sunntiger beinhaltet nur eine einzige Stelle über einen steileren Fels, der zwar glatt ist, aber kleine Tritte und Griffe aufweist, sodaß die knapp 2m Höhe auch keine Schwierigkeit darstellen. Man sollte jedoch genau schauen und die Trittreihenfolge überlegen (im Aufstieg ein Klacks, ich bin dort jedoch nur abgestiegen und hatte keinen Voreindruck).

weitere Strecke zur Naviser Sonnenspitze – ein langer Weg

Das nun folgende Gehgelände erlaubt zunächst eine angenehme Geschwindigkeit und die Entfernung zur Naviser Sonnenspitze schwindet anfänglich recht schnell. Allerdings – wie zu vermuten war – täuscht der Eindruck ungemein und alsbald muß festgestellt werden, daß die Sonnenspitze bei jedem Blick auf sie einige Hundert Meter zurückgeweicht ist, um den Abstand einfach nicht schwinden zu lassen.
Wie der Erfahrene weiß passiert das wirklich und ist eine der Hauptprüfungen bei der Umrundung.

Anstieg zur Seekarspitze

Im Vergleich zu den Gipfelgirlanden vorher bietet die wenig kupierte Strecke mit Ausnahme eines scharfen Pfiffes von Vater Marmot dann und wann kaum Abwechslung. Nur die Seekarspitze, die, fernab von ihrem Kar das auf Höhe des Sunntiger liegt, durch ihr Gipfelkreuz mit seiner Geschichte ein gerne erlebtes Highlight bietet, beeindruckt auf dem langen Teilstück. Sie verleiht diesem, am meisten abgeschiedenen Platz auf dieser Bergkette, Aura.

Die Seekarspitze ist ab dem Sunntiger in einer langen Dreiviertelstunde erreicht. Den schönsten Blick auf die Melkböden der Steinkasernalm hat man nur von ihr und mit geschlossenen Augen gelingt es – wem es an Vorstellungskraft nicht mangelt –  von phantastischen Abfahrten im Februar zu träumen.

Seekarspitze vor den Zillertalern

Aufgerüttelt aus dem Wintererlebnis bringt das verinnerlichte Vorhaben einen Ordnungsruf aus, dem mit einer raschen Kehrtwendung zum kurzen Gratabstieg sogleich stattgegeben wird. Weiter geht es und die Versuchung ist groß sich einzureden, daß die folgende Kuppe die letzte anstrengende Partie zu der nun – vermeintlich – zum Greifen nahen Sonnenspitze wäre.

Weitere gute 20 Minuten und ein kleines Gratstückchen im Fels trennen noch vom Wendepunkt der Umrundung und strategischem Zwischenziel, der Naviser Sonnenspitze. Auf ihr wurde die lange Halbzeitpause von wieder 15min angelegt, die Hauptpausenzeit.

das Eisenkar mit dem nächsten großen Rastpunkt, der Naviser Sonnenspitze

Neben der zweiten Tranche an Speck, Rosinen und Apfel musste nun das Wetter endgültig eingeschätzt werden und nachdem das Fieber der Beendigung der Runde schon entbrannt war möglicherweise etwas dadurch beeinflusst für dauerhaft gut eingestuft. Die Westseite war schon von der Begehung mit Andi zum Vorteil bekannt und somit würde die Gesamtrunde also heute fallen. Natürlich gab diese Erkenntnis unheimlich Schub im Kopf und übermütiger weise mußte auch das mächtige Kreuz der „TV Naviser“ begangen werden bevor, zur vermeintlichen Mitte der Tour, zum Naviser Jöchl abgestiegen wurde, das ich reichlich spät, um kurz vor 14 Uhr erreichte. In Wahrheit sind am Naviser Jöchl gerade 40% der Gesamtstrecke absolviert worden.

auf das Naviser Jöchl geblickt

Den schönen Halbzeiteindruck hier der Wahrheit zuzuführen mündet gewissermaßen zwar in Desillusionierung über das stolze Gefühl, jedoch ist sie vielleicht irgendwann einmal einem Leser dienlich, der bei entsprechender Überbelastung bisher die Größe hat rechtzeitig das Handtuch zu schmeißen, oder durch den Abbruch der Tour auch gerade noch einem schlimmen Wetter entfleuchen kann, weil er nun weiß, daß an diesem Punkt gerade 13km, respektive 38% der Gesamtstrecke absolviert worden sind. Keineswegs aber wird dieser rein mathematische Wert den an mentaler und körperlicher Stärke entschlossenen Umrunder beeindrucken, der auch das Wetter einzuschätzen vermag und sich seiner momentane Gesamtlage bewußt ist.

Naviser Sonnenspitze, 2.619m mit Strecke vom Malgrübler

Der Großteil der Gesamtaufstiegsstrecke liegt zwar bereits zurück, aber die folgenden Girlanden zwischen den Gipfel erscheinen nicht nur körperlich anstrengender als die Strecke bisher, sie sind in der Lage, sehr am Positiven von mentaler Stärke zu zehren und wenn es nur eine ganz kleine Fehlstelle im Konstrukt aus Willen und Vermögen gibt, kann ein geschlagenes mentales Leck selbst das stärkste Schiff in die Versenkung treiben. Kopf und der Körper müssen am Naviser Jöchl eine unzertrennliche Einheit bilden und jegliche auch noch so kleine Beeinträchtigung sollte hinsichtlich ihrer Auswirkung – man stelle sich einen drückenden Schuh oder einen stechenden Schmerz bei einer notwendigen Bewegung im Gehen vor – sorgfältig abgeschätzt werden. Die allgemeinen Angaben vom Naviser Jöchl zum Glungezer sprechen an dieser Stelle von gut fünf Stunden Gehzeit nur bis zum Glungezer (ohne Zeitansatz von Ermüdung), nicht bis zum Ende der Tour – und mehr Gehzeit wurde bereits absolviert. Also frage man sich ernsthaft, ob es möglich ist und treibe sich, eine Bergpartnerschaft oder Bergretter nicht in eine prekäre Situation. Das Naviser Jöchl ist entweder der Wende- oder der Durchstartpunkt.

vom vom Naviser Jöchl ins Voldertal geblickt

Am gut 250Hm Aufstieg zur Grafmartspitze ertappte sich der Verfasser dabei, daß zweimaliges kurzes Innehalten zur Beruhigung der Atmung nötig wurde. Die erwarteten Strapazen begannen also bereits in noch ganz kleiner Dosis. Immerhin aber konnte der Aufstieg in knapp 45min absolviert werden. Wenn aber bedacht wird, daß läppische 250hm innerhalb einer Normaltour in kaum 30min Geschichte sind kann das bisher Geleistete einigermaßen abgeschätzt werden.

am Weg zur Grafmartspitze Blickrichtung Olperer

An der Grafmartspitze sprechen die touristischen Wegweiser von 4 ½ Stunden bis zum Glungezer. Die Uhr zeigte 14:30 Uhr, das Wetter hatte zwar Potential zum jederzeitigen Umschlag, passte aber immer noch recht gut mit kaum hohen Wolkentürmen und die mentale Einheit war unangegriffen stark auf Vollstreckung der Runde ausgerichtet. Nach dem GB-Eintrag und der Fotodokumentation wurde der Marsch unverzüglich fortgesetzt.

Grafmartspitze, 2.720m, im Hintergrund die Grünbergspitze

Im Westteil der Umrundung des Voldertales ist ein Abbruch der Tour nicht an vielen Stellen möglich (zum Voldertal hin), was beachtet werden möge.
Der einzige Abstieg auf markiertem Wege ist der Abstieg auf dem Steig kurz nach dem Rosenjoch (dem höchsten Gipfel der Tour) zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal. Alle anderen in Not als möglich erscheinende Abstiege in das Voldertal sind Expeditionen ohne markierten Steig mit ungewissem Ausgang, anders als auf der felstechnisch leichteren Ostseite der Umrahmung. Dies wäre vielleicht ein anderer Grund die Begehung gegen den Uhrzeigersinn zu planen.

Grünbergspitze, 2.790m, im Hintergrund die Anreise über den Ostteil der Umrundung

Eine wichtige Landmarke in der Voldertalumrundung stellt die Grünbergspitze dar, die über ein Sattelchen (mit wieder knapp 100Hm Aufstieg) nach der Grafmartspitze erkämpft wird und die, mit ihrer Besteigung, die Hauptaufstiegsstrecke beendet.
Keine Angst, es folgen noch genug Girlanden mit Zwischenauf- und -abstiegen vor wiederum Hauptaufstiegen und der höchste Gipfel ist erst jener der Grünbergspitze folgende.
Jedoch kann bereits auf der Grünbergspitze zumindest darüber triumphiert werden, daß die Aufstiege nur noch in Girlanden mit vorhergehender Erholung am Abstieg bestehen und kein substanzieller Höhengewinn mehr erkämpft werden muß. Eine wichtige Gewissheit für manch bereits angeschlagenen Willen dessen so stolze Unbeugsamkeit noch am Jöchl nun zumindest erste Normalisierungstendenzen hin zur Ehrfurcht zeigt.

Abstieg von der Grünbergspitze

Aber auch auf der Grünbergspitze sollte die dritte fünfzehnminütige Hauptrast nicht stattfinden, sie war am Rosenjoch, am höchsten Gipfel der Voldertalumrundung geplant und wurde auch dort abgehalten. Also bleib es bei einem kurzen Trink-, Dokumentations- und Fotostopp, genau in dieser Reihenfolge.
Der Abstand zur Grünbergspitze ist der kleinste aller Gipfelabstände im Westteil der Umrundung. Das Rosenjoch wird dadurch in rd. 25min nach Verlassen der Grünbergspitze erreicht.

im Tiefsten am Anstieg zum Rosenjoch

Am Weg über die Gratgirlande – wir sprechen wieder über knapp 130Hm Aufstieg zum Rosenjoch vom Tiefsten am Grat – konnte ich erkennen wie gnädig der Wettergott mit mir war. Im Stubai entluden sich die Wolken zwar nicht in Gewittern jedoch in einer Heftigkeit, die am Grat einem kleinen Rekordvorhaben wie der Voldertalrunde alles andere als zuträglich gewesen wäre. Mit nasser Kleidung wäre die Fortsetzung der noch langen Tour ein zermürbendes Unterfangen. Wie gesteuert entwickelten sich die Schauerwolken vom Stubai Richtung Inntal und Richtung Olperer vor und hinter mir fort – mein Grat blieb trocken und dafür wurde dem Wettergott am Rosenjoch zugeprostet (auch für solche Situationen ist es immer wichtig, daß man den weltberühmten Enzian von Peter Mayr aus Hall mit im Gepäck hat, ein echtes Multifunktionswerkzeug!).

Rosenjoch, 2.796m

Ungeachtet der Wetterentwicklungen – zu diesem Zeitpunkt konnte ich am Rosenjoch schon fast sicher sein, daß die Zelle über dem Grat trocken blieb – kam Freude über ein Viertelstündchen im Sitzen auf und auch über die letzten Reste von Speck und Studentenfutter in der kleinen Tupperdose und, es sollte auch noch ein dritter Müsliriegel verzehrt werden.

Ebenfalls konnte die Zeit für ein bisheriges Résumé gezogen werden.
Am Rosenjoch, wie bereits mehrfach erwähnt, befindet man sich um 47m höher als am Malgrübler, dem höchsten Punkt im Ostteil der Runde. Vom Gesamtaufstieg (ziemlich genau 3.000Hm) sind nun 80% oder rd. 2.400m und mit verbleibenden 16,8km von der Gesamtstrecke 50% derselben erledigt. Die Gesamtzeit bis hierher betrugt 8 ½ Stunden.

vom Rosenjoch die verbleibende Gratstrecke betrachtet – sie ist noch sehr lange…

Anhand dieser Daten kann der Rest der Tour gut eingeschätzt werden. Die nächsten 2 Stunden, oder etwas mehr, würden (bis auf knapp 300Hm von Windegg bis zur Krepperhütte) mit dem Auf und Ab am Grat bis zum letzten Gipfel des Glungezers über 3,5km und gut 300Hm in dieser Art weitergehen, bevor der mehr als 10km lange Abstieg bis zum allerletzten Gegenanstieg beginnen würde.
Man beachte, daß der letzte markierte Steig hinab zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal knapp nach dem Rosenjoch beginnt und es dann bis zum Glungezer kaum mehr gesichert möglich ist abzusteigen.

die Schauer scheinen mich zu verschonen

Die vorgenannten 3,5km sollten für mich eine Strecke mit mehreren kurzen Verschnaufpausen werden, nachdem es seit dem langen Anstieg vom Jöchl bis zum Rosenjoch überraschend gut gelaufen ist und keine Verschnaufpausen aufgrund von Schwächezuständen auftraten. Für die Physiker sei die Einheit der Verschnaufpause mit 1Vp=90[sec] und man begeht sie stehend, die Stöcke auf die Gurte des Rucksackes gelehnt. Es gibt halbe und ganze Vpn.

Bis zum Glungezer hin zeigt sich ob der Willen entsprechend gefestigt ist und das mentale Kleid trägt. Der Abstand zur Kreuzspitze erscheint nicht besonders fern, aber diesen Zustand kennt man ja schon von den vielen Situationen zuvor. Im Wissen, daß es eine weitere Hürde sein würde setzte ich gestärkt zum ersten Schritt gen Norden an.

das nächste Ziel, die schöne Kreuzspitze

Nach 25min war das vorletzte Gipfelkreuz auf der Kreuzspitze erreicht. Eine kleine Vp unterhalb des Gipfelaufbaues war alles an Schwächebekämpfung, die Jause am Rosenjoch hielt gut an.
Die Kreuzspitze blieb mir von einer phantastischen Schitour in etwas drei Monate vorher in bester Erinnerung. Leider konnte ich das Datum nicht gleich nachvollziehen, weil der Eintrag ins GB fehlte – ein seltener Fehler.

das Voldertal vom Rosenjoch aus gesehen – weit hinten die Wiesenflächen, mein Startpunkt

Von der Kreuzspitze bzw. kurz danach am Gratrücken zur Gamslahnerspitze besteht die schönste Ansicht auf die Seegrube mit dem (B’schriebenen Stoa) im Viggartal. Die Kreuzspitze ist nach Grünbergspitze und Rosenjoch der letzte Gipfel am Weg zum Glungezer, der einen Grat nach Westen ins Wipptal entsendet. Ihr Grat trägt den Morgenkogel, auf den sich ebenfalls eine vortreffliche Schitour aus Ellbögen machen läßt, wie auf die anderen Grate auch, beispielsweise auf das Pfoner Kreuzjöchl von Pfons aus.

die Kreuzspitze und der weitere Gratverlauf

Ab der Kreuzspitze könnte die Strecke als Sonderprüfung beschrieben werden, denn nun sind die Girlanden gespickt mit zermürbenden kleinen Auf und Abstiegen und – nach der Gamslahnerspitze –  gegen Ende des Gratrückens zum Glungezer hin verdichtet sich das Blockwerk deutlich. Die Rasenflächen zwischen den Schrofen weichen zurück, werden kürzer und über weite Strecken muß teilweise hoch aufgetürmtes Blockwerk durchschritten werden.

Kreuzspitze, 2.746m

Im und vor allem am Blockwerk werden nun die Sprunggelenke so richtig beansprucht. Das herumsteigen auf Felskanten, ja manchmal im leichten Sprung, mit nur einer linienförmigen Auflage unter den Sohlen und die Kippgefahr dadurch kann – so glaube ich – niemand leugnen oder herunterspielen, der die Tour mit dem Ziel sie bei Tageslicht zu absolvieren, ausgeführt hat.

Abstieg von der Kreuzspitze – dieser Anblick dar nicht unveröffentlicht bleiben

Ab der Gamslahnerspitze können Teile der Flugzeugortungsanlage bereits gesehen werden. Über diese Anlage ist so gut wie nichts im Internet zu finden. Der Übergang von der Kreuzspitze schlägt nun mit einer guten Stunde zu Buche, obwohl die 1,8km lange Teilstrecke mit 130Hm Aufstieg mit einer Dreiviertelstunde bemessen ist.

die Gamslahnerspitze voraus

Die Gamslahnerspitze trägt kein Gipfelkreuz. Sie hebt sich von den anderen Gipfeln dadurch ab, daß ihr oberster Aufbau  ein scheinbar lose aufgerichteter Blockturm ohne Felsbasis darunter zu sein scheint. Die letzten Aufstiegsmeter verstärken diesen Eindruck, vor allem die Umgebung des zerbrochenen Blockes (kaminartig) durch die eine Variante des Steiges führt.

kaminartiger Riss in einem großen Felsblock

Wer nun glaubt dem Glungezer nahe zu sein, der irrt sich, denn hinter der Gamslahnerspitze wartet einmal mehr ein anstrengender Abschnitt. Die Strecke sieht zwar einigermaßen flach aus, doch ist das nur der optische Eindruck. Zur besseren Verdeutlichung hier das ungefähre Höhenprofil des Überganges aus Outdooractive:

Gratverlauf zwischen Gamslahnerspitze und Glungezer

Die ermittelten 120Hm Gesamtanstieg sind als Mindestanstieg zu werten, da diese Software kleine Höhenunterschiede nicht abbilden kann. Die Gehzeit mit 35min konnte nicht eingehalten werden, ich benötigte dafür 42min angereichert durch einige Vpn.

die Strecke will nicht kürzer werden, aber die meisten Höhenmeter sind bereits Geschichte

Am Glungezer bekommt zunächst einmal die mentale Einstellung einen gewaltigen Schub nach oben, denn die bergsteigerischen Leistungen der Tour sind nun eigentlich erbracht. Der Erfahrene weiß zwar, daß ein Berg bezwungen wurde, wenn der Abstieg vollbracht ist, aber in diesem Fall besteht der Abstieg aus Spaziergelände und der Rückblick auf die bisher erbrachte Leistung darf jetzt durchaus ausgekostet werden.

noch ein anstrengender Buckel wartet vor dem Glungezer

Weil alles nicht so tierisch ernst gesehen werden darf beschloss ich eine Einkehr in der Glungezerhütte. Der Wasservorrat von 3lt war auch verbraucht.
Bei einer Gerstlsuppe mit Bier plauderte ich ein wenig mit Edith, die seit Öffnung im Frühjahr auf der Hütte arbeitet. Natürlich hatte sie in der spärlichen Freizeit dort oben bereits alle denkbaren Anstiege zum Glungezer unternommen und im Umkreis gab es nichts unbekanntes mehr so erzählte sie mir – die Edith eben, Bergfex durch und durch.

den Glungezer erreicht!

Aufgetankt und wie ausgewechselt begann der letzte Abschnitt, der fast 10km lange Abstieg mit dem letzten Gegenanstieg zur Krepperhütte.
Der Abstieg bis Volderwildbad ist nicht berichtenswert, ihn kennt jeder Leser selber und er führt großteils über die Schipiste der Glungezerbahn. Es sei nur erwähnt, daß in der beiliegenden Karte der Voldertalumrundung die Messung der Weglänge von Outdooractive auf der Schotterstraße unter den Liften verwendet wurde und die Strecke direkt unter den Liften einen Kilometer kürzer ist.

Stimmung im Viggartal

Weiters gibt es die Möglichkeit von Halsmarter aus ostseitig zur Stiftsalm abzusteigen, oder auch nach der Gluckserhütte, vorbei an den Sendeanlagen am Tulferberg. Man glaubt es kaum, aber diese Varianten sind nur um 400 respektive 600m kürzer als die gewählte Variante über Windegg. Einzig bei der Variante Halsmarter/Stiftsalm werden 40Hm eingespart.
Wie erwähnt könnte auch noch der Schartenkogel als zwölfter Gipfel mitgenommen werden, was ich aber unterließ.

Stimmung oberhalb Tulfein

Die Strecke Glungezerhütte bis Windegg kostete 1 ¾ Stunden und um 20 Uhr in Windegg stellte ich erstmals fest, daß die Gelenke an diesem doch noch so toll verlaufenen Tag stark beansprucht wurden. Das typische schwer zu beschreibende Gefühl von müden Körperteilen machte sich breit.

unterhalb des Schleppliftes beim Abstieg

Aber, noch lange nicht war die Leistungsgrenze erreicht und auch die Ansicht der Krepperhütte im goldenen Licht der flach stehenden Abendsonne auf der anderen Talseite vermochte kein Niederzwingen des Willens, nein, die Vorstellung von dort oben noch einige schöne Eindrücke mitnehmen zu können ließ allen Körper erstarken.

die Krepperhütte am Waldsaum auf der gegenüberliegenden Talseite

Von Volderwildbad bis zur Krepperhütte wird der Kalkofenweg beschritten. Der gesamte noch zu leistende Höhenunterschied beträgt knapp 300Hm. Gleich nach der Brücke führt zunächst noch eine Asphaltstraße bergauf, die aber nach der ersten Kurve zur Schotterstraße sich wandelt. Kein Verkehr in der kurzen Waldstrecke wird positiv aufgenommen. Oben, nach dem Ende der Waldstrecke und am Beginn der steilen Wiesenhänge wohnen nur Anrainer, gesehen an diesem so schönen Sommerabend, in unbeschreiblicher Idylle. Kein Ton, kein Industriegeräusch stört den zeitlosen Abend. Diese Stimmung läßt alle Müdigkeit verfliegen und so strebte ich, nun wieder auf einer Asphaltstraße vorbei an saftigen Bergwiesen beim Sonnenuntergang über der Nordkette dem Parkplatz oberhalb der Krepperhütte zu – eine phantastische Reise ist um 20:45 damit leider zu Ende gegangen.

Sonnenuntergang über der Nordkette gegen Windegg

Die gesamte Gehzeit incl. Rastpausen betrug rund rd. 13 ½ Stunden (ohne 40min Zwangspause wegen Regen auf der Largozalm), die Einzelabschnitte finden sich in der Tabelle in der Galerie.
Die Gesamtstrecke beträgt 33km, gemessen über die Tourenplanungsfunktion von Outdooractive und abgeglichen mit der elektronischen AV-Karte mit überschlägiger Ermittlung des Einflusses der schrägen Flächen.

Rückblick auf die grandiose Tour mit Grafmartspitze, Grünbergspitze, Rosenjoch und Kreuzspitze

An Gesamthöhe verzeichnete die Bergsteigeruhr sehr genau 3.000Hm (gemessen in zwei Logs, weil die max. Aufzeichnungszeit 12 Stunden nicht überschreitet). Der Einfluss der barometrischen Änderungen auf die Höhenmessung mag einige Millibar betragen haben (festgestellt aufgrund der fehlenden Höhen von rd. 50m auf den Referenzgipfeln) und somit sind die 3.000Hm Aufstieg durchaus gesichert.

Voldertalumrundung 14.07.2018 (aus Outdooractive)

Beim Proviant möge man sich nicht sich am Verfasser orientieren, da er nie viel isst am Berg und sich eher dazu zwingen muß, um nicht einzugehen. Zwei Äpfel, 4 Müsliriegel (nur 3 davon verbraucht), 15dg Speck, 2 Scheiben Brot und ein kleines Händchen voll Studentenfutter neben 3lt Flüssigkeit, davon die Hälfte als gewässerter und ungezuckerter Schwarztee und die Hälfte an Wasser; darüber hinaus wurden auf den Hauptgipfeln drei Kappen Enzian zur mentalen Stärkung und Prophylaxe gegen Höhenkrankheiten eingenommen, die ebenfalls als Energieaufnahme mit in die Bilanz hinein müssen. Natürlich auch das Essen auf der Glungezerhütte.

 

Mils, 14.07.2018

Quellenangaben:
Charlottenburger: http://www.alpinclub-berlin.de/index.php/historisches/109-geschichte#1924-mitgliederzahl-betraegt-jetzt-861
Lagozkreuz: https://voldertal.at/2018/01/22/der-largoz/