Schlagwort-Archive: Falzthurntal

Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Schitour Rappenspitze, 2.223m

Im letzten Abdruck der Saison sollte der schon lange gehegte Wunsch, die Schitour auf die Rappenspitze, unternommen werden. Die Rappenspitze stellt eine der anspruchsvolleren Schitouren von Pertisau aus dar. Zum Zwecke der Erkundung als Schitour habe ich sie bereits im Herbst als Bergtour von Stans aus überschritten.

Rappenspitze, 2.233m

Gegen Ende April findet sich bis auf 1.250m kein Schnee mehr, weshalb ab dem Parkplatz am Eingang ins Karwendel bis weit über die Falzthurnalm Schi und Tourenschuhe getragen werden müssen.
Als Hilfe könnte man die rund 3km bis zur Falzthurnalm mit dem Radl fahren, was den Anstieg schon um eine halbe Stunde verkürzen würde. Ich habe allerdings die Tragevariante gewählt.

ohne Radl muß die Ausrüstung bis zum Schnee geschultert werden

Durch den ausgeprägten Nordhang hatte ich die Schneegrenze etwas tiefer eingeschätzt, die außergewöhnlich waren Temperaturen duch den April hindurch hatten jedoch ganze Arbeit geleistet und ich erschrak förmlich, als ich von unten bis weit hinauf ins Legertal keine durchgehende Schneefläche erblicken konnte.

endlich Schnee auf ca. 1.250m

Durch den Waldweg bei der Falzthurnalm hinauf konnten Spuren des wütenden Winters beobachtet werden – nicht nur kleinere Bäume wurden sein Opfer, selbst große alte Nadelbäume wurden entwurzelt und blockierten den Waldweg.
Oberhalb der Forststraße im oberen Teil des Waldes tauchten dann plötzlich Schneeflecken auf, die immer größer wurden und sich bald zu einer gangbaren Gesamtheit ausbildeten, auf einer Höhe von 1.250m.

Aufstieg neben der Lawine

Vor mir muß schon lange niemand mehr aufgestiegen sein, denn es gab kaum Anzeichen einer Aufstiegsspur und keinerlei Abfahrtsspuren. Im Aufstieg links befanden sich nicht besonders alte Reste einer Grundlawine, die teilweise gut die Breite des halben Tales beanspruchten.

der schöne Kamm über die Schneeköpfe zum Falzthurnjoch

Oben, am Übergang in die flacheren Almwaldpassagen nahm ich die mittelbreite Rinne zum Aufstieg, nicht den durch Lawinenreste verlegten Sommerweg. Die Rinne hat eine ähnliche Gefälleausprägung wie eine Sprungschanze und ist in der Abfahrt schön zu fahren.

Im Almgelände der Dristlalm

Durch etwas flachere und recht lichte Waldpassagen mit naturbelassenem Baumbestand und daher teilweise recht altehrwürdigen Nadelhölzern wird die Freifläche der Dristlalm erreicht.

es wird ein schöner Tag

Ein verstecktes Kleinod auf 1.645m. Die Alm mit ihrer wenig flachen Almfläche ist eingebettet zwischen Hirschensteigkopf, Dristkopf und Dristlköpfl im Übergangsgrat zu den Hochflächen der Naudersalm, einem augenscheinlichen Gebiet der Reliefüberschiebung des Karwendels.

Dristlalm auf 1.645m

Oberhalb der Dristlalm führt der Aufstieg bis auf rund 1.750m durch einen lichten Lärchenwald zum Dristlköpfl, der in der Abfahrt wunderbar zu durchfahren ist. Der Dristlköpfl mit 1.827m wird allerdings nicht erreicht, vorher geht es schon wieder abwärts.

Aufstieg zum Hochpunkt der Vorberge – im Hintergrund die Rappenspitze bereits sichtbar

Nach dem Hochpunkt wird das Almgelände verlassen, der Verbindungsgrat zur Kette wird betreten. Ungefähr 40Hm Abstieg (bzw. Abfahrt bei genügend Schnee) zum Brunntal stehen auf genügend breitem Gratrücken bevor.

das Brunntal mit dem steilen Kar – Schlüsselstelle der Tour

Der Übergang vom Ende des Abstieges bis zu den freien Flächen des Brunntales erfolgt unterhalb der Felsen durch lichten Baumbestand.

kurzer Abstieg am Verbindungsgrat

Der Übergang besteht aus einem leichten Auf und Ab, er ist teilweise recht steil aber dafür nicht besonders lang.

Aufstieg im Kar im Brunntal

Am Ende des Überganges wartet das Brunntal gleich mit einer steilen Freifläche auf, in der Tage zuvor Gleitschneelawinen (wie ich später identifizieren konnte) abgegangen sind. Ich durchquerte die bereits verfestigten Lawinenreste und versuchte an deren Rand so hoch wie möglich aufzusteigen, um den Hang möglichst weit oben zu queren. Die Schneequalität war grenzwertig, trotz klarer Nacht hatte es auf 1.850m nur oberflächliche nächtliche Verkrustungen der Vortagesschmelze gegeben.

sie schattigen Teile habe ich für den Aufstieg ausgesucht

Mein Ziel war es den freien Hang so rasch als möglich zu durchqueren und die Felspartien im Süden, die noch weitgehend im Schatten lagen, zu erreichen sowie knapp unterhalb dieser aufzusteigen.
Das Vorhaben gelang ohne große Zwischenfälle, jedoch ließ wider Erwarten die Schneequalität knapp unterhalb der Felsen nach. Also stieg ich einige Meter tiefer in gut 35° geneigtem Gelände mit etwas angespannter Stimmung weiter auf den höheren Teil des Kares zu und erreichte wieder bessere Schneequalität für den folgenden Abschnitt.

Aufstieg im Kar im Rückblick

Der Neigungsschatten des kleinen Felssporns mittig im Kar wurde unterhalb für Spitzkehren genutzt und oberhalb wieder zum Hinausqueren auf die noch schattigen Hangpartien zum Nauderer Kar hinauf.

der obere Teil des Kares

Oben, im Nauderer Kar hatte die Sonneneinstrahlung und Tageserwärmung den Schnee bereits völlig aufgeweicht und alle flachen Partien wurden zum schweißtreibenden Erlebnis. Dies veranlasste mich auch den Rücken zum Larchkarlkopf ab dem Übergang vom Kar für den weiteren Aufstieg zu nehmen, anstelle durch das Nauderer Kar zur Ostflanke des Rückens weiter zu gehen. Ich vermutete dort bessere Bedingungen als im flachen Nauderer Kar und der völlig sonnenzugewandten Flanke auf den Rücken zum Gipfelaufschwung.

bereits im flachen Nauderer Kar

Der Aufstieg über den harmlos aussehenden Aufschwung auf den Rücken war aber alles andere als eine Besserung der Verhältnisse, im Gegenteil. Durch die exponierte Lage erwies sich der Aufstieg, der auch wesentlich steiler ist, als er von unten aussieht, dermaßen weich, daß auf manchen Schritten der Schi bis zum Knöchel versank. Ganz oben am Übergang mußte ich stapfen, da kaum Fortkommen möglich war.

sehr warm schon und weicher Schnee

Der Mühe Lohn bestand in dem gut gangbaren flachen Teil des Rückens bis zum Gipfelaufschwung, bei dem ich Schidepot machte, denn die Ostflanke der Rappenspitze war völlig aper und trocken. Von dort stehen noch ca. 100Hm zum Gipfel an.

eindrucksvolle Wechten immer noch vorhanden

Über den ausgeaperten Sommerweg ging es hinauf zum Gipfel, den ich um 11:10 erreichte.

die Rappenspitze – man sagte mir Fotos mit Personen müssen sein…

Der phantastische Frühlingstag lies wieder einmal in ein prächtiges Panorama schauen. Im Westen die im Sommer und Herbst schöne Überschreitung vom Staner Joch bis zur Rappenspitze mit Blick – rechts im Bild – zur Glocknergruppe.

Blick nach Osten zum Staner Joch

Im Süden der gewaltige Grat von der Fiechterspitze bis zum Hochnissl und links dahinter die Zillertaler mit dem Olperer als höchsten Gipfel, alles traumhafte Touren, hier am Blog zu finden.

der Süden – Auslauf der Vomperkette von Fiechterspitze bis Hochnissl

Die höchsten und verstecktesten Karwendelgranden an diesem Tag sehr scharf zu sehen im Westen. Vom viel besuchten Kletterberg der Lamsenspitze über den anspruchsvollen Skitourenberg des Hochglück, die schöne Grubenkarspitze im Tiefsten des Roßloches, die gewaltig schwarzen Laliderer Wände, der Birkkarspitze und der noch schöneren spitzen Nachbarin, der Kaltwasserkarspitze bis zum imposant freistehenden Sonnjoch ganz rechts reichte der Blick.

Nauderer Kar mit Dristkopf und Achensee im Hintergrund

Nach Norden ein farblich krasser Gegensatz mit dem weißen Nauderer Kar zu Füßen der Rappenspitze, dahinter die schon angeaperte Dristlalm sowie in naher Ferne der grüne Achensee.

Gipfelaufbau der Rappenspitze

Angetrieben durch die Verschlechterung der Verhältnisse im Brunntalkar gönnte ich dem Auge keinen längeren Blick auf die Alpenschönheiten, sondern machte mich nach gut einer Viertelstunde wieder auf den Rückweg. Um halb zwölf war es höchst an der Zeit von 2.100m abzufahren.

Abfahrtsspuren über die Flanke vom Rücken und im Kar zu sehen; man beachte die bereits eingeebnete Aufstiegsspur rechts

Die Flanke in das Nauderer Kar hinab war schon sehr tief aufgeweicht und unten wurde es schwer auch weiter angelegte Schwünge zu drehen.
Mit so viel Schwung als möglich versuchte ich dem Gehen im flachen Kar zu entrinnen was weitgehend gelang. Nur wenige Meter bis zum Übergang ins steile Kar benötigten Grätschschritte.

spannende Abfahrt ins steile Kar

Die sinnvollste Route über das steile Kar hinab erschien die Aufstiegsspur zu sein. Also legte ich die Schwünge entsprechend und die Verhältnisse hielten sogar dem Druck der Schwünge stand, sodaß der erste Teil der Abfahrt fast wie eine optimale Firnabfahrt zu werten war.

die Querung – hier hätte ich besseren Schnee erwartet

Die Querung unterhalb der Felsen von der Kaserjochspitze herab erfolgte dann wieder in wenig tragfähigem und aufgelockertem Schnee. Die Einflüsse durch Tropfwasser von den Felsen oberhalb dürfte der Grund für die schlechte Schneequalität gewesen sein.

am Ende der Abfahrt im Kar im Brunntal angekommen – man beachte den trügerischen Wiesenhang

Unterhalb der Querung, im freien Wiesenhang, den ich am meisten fürchtete, wurde der Schnee aber wieder besser und die Konsistenz ließ schöne Schwünge in der Falllinie zu.

Rückblick auf den ersten Teil der Querung zum VerbindungsrückenNach der Gleitschneelawine und dem restlichen Teil des steilen Hanges war ich doch recht froh am Weg zur Querung angelangt zu sein und die Wiesenhänge hinter mir gelassen zu haben. Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen waren im heurigen Winter eine der Gefahrenquellen Nummer eins.

Querung unterhalb der Felsen

Gegen Ende der Querung erschien es praktisch die Schi am Rucksack zu tragen und zu Fuß die aperen und die zwar schneebedeckten, aber schlecht gangbaren Stellen zu überqueren. Ebenfalls am teilweise ausgeaperten Gratrücken zum Hochpunkt des Überganges zur Alm.

Verbindungsrücken zur Dristlalm

Hinab durch die herrlichen Lärchen zur Alm konnte noch halbwegs gut gefahren werden, wenngleich Schwünge schon einiges an Kraftanstrengung kosteten und vornehmlich im Steilen angelegt wurden. Eine Rast auf der Alm kam daher wie gerufen.

Rückblick auf die Abfahrt

Zwei junge Burschen ohne Gamaschen saßen schon mit recht durchweichten Bergschuhen auf der Bank vor der Alm denen ich einen Gipfelschnaps ausgab. Man unterhielt sich bevor ich versuchte auf der Bank einzudösen.

Gelände der Dristlalm

Die Einstrahlung war jedoch so groß, daß das Vorhaben wegen durchnässtem Leibchen und dem Interesse an den Lockrufen der Kröten nach zehn Minuten aufgegeben wurde.

die Amphibien erwachen

Das befinden sich doch glatt auf 1.650m Höhe eine Unzahl an Kröten in den kleinen Pfützen rund um die Alm und nicht nur dort, weit ab von Wasser, auf Schneeflächen tummelte sich das Getier, zu einer kleinen Dokumentation anregend:

So schön die Stunde auch war, nach einer dreiviertel Stunde brach ich wieder zur Abfahrt auf – der Weg zum Parkplatz war noch lange und es gab noch weiteres zu tun.

Herzl oder Afrika?

Als schönsten Teil der Abfahrt durch das Legertal empfand ich die Rinne und die folgenden 100Hm. Zum einen war dort schöner Firn und lichter Wald mit großen freien Flächen.

die Rinne zum Legertal

Weiter unten mußten die engen Waldpassagen bedient werden, wobei die Kombination aus Geschwindigkeit und Drehvermögen im weichen Nassschnee die übliche anfängerische Figur machte. Immer wieder abruptes Abbremsen und wenden fast im Stehen wurde notwendig.

von der Rinne ins Legertal geblickt

Einigermaßen angestrengt erreichte ich wieder die Stelle, an der die Abfahrt plötzlich nicht mehr möglich war und suchte nach den deponierten leichten Bergschuhen im Gebüsch.

fast am Ende der Abfahrt

Mit den nun am Rucksack verstauten Schi und Schuhen ging es hinab zur Falzthurnalm und den langen Weg hinaus zum Parkplatz, gesamt in etwa 300Hm und knapp eineinhalb Stunden, wie auch für den Aufstieg bis dorthin.

so geht es den langen Weg hinab zum Parkplatz

Der Zeitbedarf incl. den Fußmärschen vom Parkplatz zur Falzthurnalm und zurück betrug gut sieben Stunden mit einem viertelsündigem Gipfelaufenthalt und einer Dreiviertelstunde auf der Dristlalm.
Die Strecke betrug sieben Kilometer bei 1.350m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit dreieinhalb Stunden.

Mils, 21.04.2018