Schitour Kellerjoch 2.344m

Mit dem Ausgangspunkt längs der Straße auf gut 1.300m bei Grafenast ist die Schitour auf den „Kellner“ – wie die Einheimischen zum Kellerjoch sagen eine eher kurze, am Ende allerdings eine interessante Schitour.

Aufstieg im Wald nach der ersten Querung der Piste

Das Ticket mit der moderaten Parkgebühr längs der Straße zum Lift auf Grafenast bezieht man am Automat in der Kurve und knapp danach führt der Weg mitten durch ein paar Ferienhäuschen und durch den Wald unterhalb des Liftes. Von dort wird zu Beginn über die Wege und Pisten der Bergbahnen, oder auch im Wald links neben der Piste – etwas moderater in der Steigung –  aufgestiegen.

Oberhalb des Gasthaus Hecher am Weg zum Arbeserkogel

Ab der ersten Flachstelle wechselt der Aufstieg dann dauerhaft ins Pistengelände, das am Tag unseres Aufstieges gerade für die Wintersaison präpariert wurde. In Aufstiegsrichtung links neben der Piste steigt man bis zum Gasthaus Hecher auf 1.887m weiter.
Dieses wird im Aufstieg zunächst links liegen gelassen und in wenigen Minuten der Gipfel des Arbeserkogel auf 2.026m erreicht.

traumhafte Landschaft am breiten Rücken Richtung Kellerjoch

Am Arbeserkogel beginnt ein nettes Stück am langen Sattel zum Gipfelaufbau des Kellerjoches hin. Die Aufstiegsroute zieht sich durch einen anregenden Teil am breiten Rücken mit kleinen Einschnitten, die mit der überraschend kräftigen Vormittagssonne im frühen Dezember ein bezauberndes Licht und Schattenspiel bieten. Recht flach verläuft der erste Teil des Anstieges bis zur Weggabelung vor dem Gipfelaufbau.

der Anstieg recht flach zwischen niederen Geländestufen

Im folgenden steileren Anstieg werden Gratschrofen abwechselnd nordost- und südwestseitig bewältigt, bis die Route dauerhaft südostseitig zur Kellerjochhütte emporzieht.

zum Wegkreuz hin wird es etwas steiler

Am Tag unserer Begehung herrschte kein bis wenig Wind, aber es ist vorstellbar, daß der freistehende Vorsprung auf dem die Kellerjochhütte erbaut wurde, kein besonders wirksamer Schutz gegen Wind aus allen Richtungen darstellt, wie auch die Außenwände der Hütte selber. Allerdings ist ebenso gut vorstellbar, daß es sich bei entsprechendem Wetter stundenlang dort zubringen läßt, denn wie auch beim Gasthaus Hecher befindet man sich mitten im Inntal, ohne die Sonneneinstrahlung trübende Bergketten und – meines Erachtens – der besonderen Lage wegen ein begnadeter Ort mit dem längsten Sonnentag in Tirol.

Aufstieg am Gipfelaufbau

Die Kellerjochhütte ist weiters – als Highlight für Tourengeher – zum Jahresende von 29.12. bis 31.12. untertags geöffnet, so entnimmt man diese freudige Besonderheit dem Internet.

Rückblick knapp unterhalb der Kellerjochhütte

Einer der Kollegen aus unserer viereinhalbköpfigen Gruppe beschloss sein Knie zu schonen und bei der Hütte auszuharren bis wir restlichen drei mit Veit, dem Tourenhund den kurzen Abstecher zur Knappenkapelle, sozusagen dem Gipfelkreuz des Kellerjochs, bewältigt hatten. Für dieses Unternehmen empfiehlt es sich die Schi bei der Hütte zu belassen und den kurzen aussichtsreichen schmalen Grat als eine natürliche Abwechslung anzunehmen.

am Weg zur Knappenkapelle – die Flanke gleich nach der Hütte

Der Grat kann natürlich für jenen, der es erzwingen will auch mit den Tourenschi bewältigt werden, jedoch erscheint das Vergnügen nur das halbe zu ein, denn abgewehte Felsköpfchen erzwingen akrobatische Bewegungen und das Auf und Ab am Grat mit Fellen, nur zum Zwecke die letzten 200m die Schi partout nicht ablegen zu wollen, erscheint mir auch keine besonders begehrenswerte bergsteigerische Leistung darzustellen.

ein nettes Gratstück

Wie auch immer, der kurze leichte Grat ist die Abwechslung und der Gipfelkopf mit der Knappenkapelle das lohnende Ziel. Knapp 30min brauchten wir dafür von der Hütte aus in etwas mehr als knietiefem Schnee.

am Grat zum Kellerjoch

Von phantastischer Rundsicht geprägt ragt der rundlich geformte Gipfel auf und trotzt das kleine Kirchlein auf 2.344m den Naturgewalten. Und weil sich Bergsteiger immer die Zeit nehmen geschichtliche Fakten ihre Ziele zu erfahren staunt man nicht schlecht über den unbeugsamen Willen der Bevölkerung die oftmalige Wiedererrichtung der Holzkapelle im Laufe von knapp fünf Jahrhunderten in Angriff zu nehmen.

Am Kellerjoch bei der Knappenkapelle

Von der Kapelle bietet sich auch eine Abfahrt zum Gasthaus Schellenberg an der Hochfügenstraße an.

Blick in die Zillertaler

Mittig zwischen den Giganten der Zillertaler mit der markanten Reichenspitzgruppe, über das nur im Tiefsten grüne Inntal bis zu den bizarren Spitzen des Karwendels reicht das Auge von Süden bis zum Norden und im Osten zum Greifen nahe das markante Kaisergebirge.

das Karwendel

Zurück bei der Hütte fanden wir einen Fahrbereiten Kollegen wieder, der mittlerweile über kalte Zehen klagte und zur Abfahrt aufrief. Man beachte die lange Zeitspanne für Zurückbleibende, wenn man als Teilgruppe den Aufstieg zur Kapelle unternimmt, speziell bei kaltem Wind.

am Rückweg zur Kellerjochhütte

Unser Vorhaben über die Südwestseite nach Naunz abzufahren konnte an diesem herrlichen Tag mit jeder Menge Pulverschnee und keinerlei Feindkontakt unter dem Belag zur allgemeinen Freude umgesetzt werden. Hiervon zeugen auch die Bilder in der Galerie.

knapp vor der Hütte am Rückweg

Gegen Ende der Abfahrt mußte für Veit, den Hirtenhund eine Mitfahrgelegenheit her, denn nachdem er den Aufstieg ungefähr viermal zurückgelegt hat, um uns alle zusammenzuhalten und er sich bei der Abfahrt im Tiefschnee über den Sonnenhang restlos verausgabt hatte war er in Naunz völlig geschafft.

am Sonnenhang nach Naunz

Wichtig ist es den richtigen Weg zum Lift zu finden und nicht zu tief zum Loasweg abzufahren, denn sonst ist ein abschließender Aufstieg über die Asphaltstraße zum Parkplatz nötig.

im Almgelände des Naunzer Hochlegers

Man nimmt daher den vom Naunzer Niederleger aus gesehen oberen Weg (Weg der Sinne) und schafft mit recht flacher Abfahrt und teilweise Anschieben den Schluß zum Lift, bzw. zum Waldwegelchen, das wieder durch die Häuser zur Straße hinunter führt.

etwas Gestrüpp konnte die schöne Abfahrt nicht trüben – eine Alternative hierzu wäre der Weg durch die Stauden

Eine private Einladung mit phantastischer Gerstensuppe am Hochpillberg in toller Kulisse mit den letzten Sonnenstrahlen lange nach halb vier sorgte für Hochstimmung zum gelungenen Tourenabschluß.

mit dem Veit im Arm hinab auf den Weg zum Lift

Die gesamte Aufstiegszeit bis zur Knappenkapelle betrug 2,5 Stunden incl. 10min Pause auf der Kellerjochhütte (die Normalzeit die angegeben wird beträgt 3 bis 3,5 Stunden) für die ziemlich genau zurückzulegenden 1.000Hm und man rechne je nach eigenem Leistungsvermögen mehr oder weniger.

rot = Aufstiegsroute / blau = Abfahrtsroute

Mils, 02.12.2017

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

14 − zehn =