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Schitour Hohe Warte Wintergipfel, 2.470m

Während der Gipfel der Hohen Warte im Schmirntal ein selektives Ziel darstellt, ist Ihre Namensschwester im Navis ein eher einfaches, aber ebenso ein reizvolles Ziel als Schitour auf ihren Wintergipfel. Sie liegt im Schafseitenkamm1 zwischen dem Schmirn- und Navistal.

Autor am Wintergipfel der Hohen Warte – dem „Steinmandl“

Man begeht von Navis über das Lange Tal den vielfach genannten, südwestlich gelegenen „Wintergipfel“ genauso wie den geografischen Gipfel der Hohe Warte, 2.398m (nordöstlich ab der leichten Einschartung am Kamm). Der Wintergipfel wird Silbersattel genannt und das den Silbersattel südwestlich abschließende Spitzl ist mit 2.455m (gemessen mit einer Druckmessuhr) höher als die eigentliche Hohe Warte, erscheint – zumindest bei den momentanen Schneeverhältnissen –  lohnender und bietet die bessere Übersicht über den gesamten Kamm in beide seiner Erstreckungen.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kirchenwirt in Navis (Gemeindeparkplatz, 2019 keine Gebühren) ab dem man gleich hinter der Kirche ins Lange Tal aufsteigen kann. Alternativ kann neben dem Weirichbach aufgestiegen werden und der dortige, kleinere Parkplatz in Anspruch genommen werden. Die Parkplätze liegen etwa 100m auseinander.

Almweg durch das Lange Tal

Zunächst geht es bei jeder Variante bergauf durch den Wald und nach etwa 20min Aufstieg treffen beide Varianten im Langen Tal aufeinander und die erste Variante benötigt durch die 600m längere Strecke etwa 8min mehr Zeit.

Bildmitte: Blasigleralm; rechts davon zur Scheibenspitze, links zur Hohen Warte

Ab der Vereinigung der Wege führt die Tour in das schöne Lange Tal hinein und passiert dabei Almen und Jagdhütten bis zur Blasigleralm, bei der rechts ins Tal auf den Hochleger und weiter auf die Scheibenspitze aufgestiegen werden kann.

Aufstieg zur Blasigleralm

Bei der Blasigleralm scheidet sich die Route zur Hohen Warte direkt an der Alm – links (östlich) führt die Tour zur Hohen Warte und zur Naviser Kreuzspitze weiter taleinwärts.

am Weg zur Stoffenalm

Oberhalb der Alm, mit ein zwei Spitzkehren den Höhenunterschied überwunden, mündet der Anstieg in den Weg zur Stoffen- und Möslalm ein und führt hoch über dem Weirichbach weiter in den weiten hinteren Talkessel.

unterhalb der Stoffenalm

Der offene Talkessel wird in wenigen Minuten über den Weg erreicht und ebenso bald darauf befindet man sich – zwischen beiden Almen – bei der Abzweigung einerseits weiter talein zur Möslalm und zur Naviser Kreuzspitze, andererseits, in Falllinie direkt weiter angestiegen, zur Hohen Warte.

Naviser Kreuzjöchl gegenüber im Osten

Die Abzweigung befindet sich bei einer auffällig ausgeformten Rinne unweit östlich der Stoffenalm, die durchstiegen wird, wobei man sich dort schon auf Höhe der Hohen Warte (geografischer Gipfel), bzw. im Kar unterhalb befindet.

über die schönen Schihänge oberhalb der Stoffenalm geht es bergan

Die Route dreht im direkten Aufstieg anschließend mehr und mehr nach rechts (westlich), steigt über leichte Geländeausformungen stetig bergauf bevor sie sich ein weiteres Mal zur direkten Falllinie wendet (südlich) und, nach einer hohen Kuppe, abermals rechts (westlich) sich wendet.

Rückblick über den Anstieg oberhalb der Stoffenalm

Nach Überschreitung der Kuppe wird im Flachteil bald ein Hüttchen sichtbar, das links liegen gelassen und die folgende Kuppe überschritten wird.

herrliches Schigelände

Mit einigen Metern Höhenverlust dreht die Route dann zum letzten hohen Aufstiegshang, der Hang zum Gratrücken, von etwa 2.150m bis auf 2.350m. Die 200Hm werden mit ein paar Serpentinen begangen.

letzte flache Passage vor dem Gipfelhang

Am Gratrücken oben muß entschieden werden, ob links (östlich) der relativ unspektakuläre geografische Gipfel der Hohen Warte bestiegen werden soll, oder rechts (westlich) der sogenannte Wintergipfel (für den keine offizielle Bezeichnung im Kartenwerk zu finden ist und der im TIRIS mit „Silbersattel 2.420m“ benannt wird) begangen wird.

Anstieg Gipfelhang zum Sattel

Klassischerweise wäre der Sattel nicht der Hochpunkt sondern die Vertiefung des Kammes darunter, die nach dem langen Nordhang im Aufstieg erreicht wird.

ein prachtvoller Tag mit bereits viel Sonne auf den Naviser Südhängen

Der Bergsteiger weiß solche – meist historischen und auch durch die Überführung der Dialektsprache bedingten – Ungenauigkeiten zu deuten. Beispielsweise hat sich bei der Recherche zu diesem Bericht ergeben, daß sowohl die Hohe Warte vor knapp 150 Jahren in der Bevölkerung eine völlig andere Bezeichnung als heute gehabt haben muß.

am Kamm mit Gehrichtung Ost zum Wintergipfel

Der verdiente altösterreichische k. u. k. Militäroffizier Carl Albrecht Sonklar, Edler von Innstädten, unter anderem Geograph und Landvermesser, hat bei seinen noch heute interessant zu lesenden Arbeiten in den Zillertaler Alpen nicht nur dem Schafseitenkamm eine exakte Benennung gegeben, sondern diesen auch ab dem Naviser Kreuzjöchl vermessen und die Gipfelerhebungen – dem imperialistischen Diktat folgend, das Urmeter war schon längst Realität – in der einst üblichen Maßeinheit W.F. (=Wiener Fuß = 12 Wiener Zoll = 0,316081 m) dokumentiert.

das Spitzl südwestlich des Silbersattels (Wintergipfel der Hohen Warte)

Dabei war er natürlich vor allem bei den weniger bekannten Erhebungen auf die Flurbezeichnungen der örtlichen Bevölkerung angewiesen, denn ein allgemein gültiges Standardwerk über alle Gipfelnamen hat es nicht gegeben.

Rückblick vom Weg zum Spitzl

Beim Studium seiner Publikation1 fallen die „SW“ (südwestlich) des Naviser Kreuzjöchls gelegenen Gipfel auf. Die „Mösellehne“ mit 7591,8 W.F. (=2.389 m) entspricht geodätisch exakt der heutigen Hohen Warte, wenn die Genauigkeit der Messinstrumente (anno 1872) und der Berechnungen der Winkel mit ins Kalkül genommen werden.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Auf diese Weise erhalten wir auch flugs einen Namen für unsere Frage der Bezeichnung des „Wintergipfels“ der Hohen Warte.

Vermessung Schafseitenkamm durch Sonklar – darunter Ermittlung der damaligen Messgenauigkeit

Das kleine Spitzl südwestlich des Plateaus des Wintergipfels bzw. des im Tiris benannten Silbersattels zeigte bei unserer Begehung auf der Uhr eine Höhe von 2.455m (Durchschnitt zweier verschiedener Uhren). In Sonklars Tabelle über die vermessenen Höhen im Schafseitenkamm finden wir weiters die Bezeichnung „Steinmandl“ mit 7770,0  W.F., welche wiederum umgerechnet genau 2.456m entsprechen und unser Spitzl somit einmal diesen Namen getragen haben muß.

die Radlfahrertruppe am Wintergipfel der Hohen Warte

Rechnet man stichprobenartig die wichtigsten acht anderen Erhebungen im Kamm rück und setzt sie ins Verhältnis mit den Höhenangaben im TIRIS oder der AV Karte, so erhält man eine erstaunliche Genauigkeit von 0,17% oder nur 4m Abweichung im Durchschnitt der acht und erkennt somit die bemerkenswerte Arbeit vor langer Zeit.
Der Name des Wintergipfels der Hohen Warte (aber nicht des Plateaus „Silbersattel“ sondern des Spitzls südwestlich davon) war damals also „Steinmandl“ und die Bezeichnung „Mösellehne“ für die Hohe Warte hängt offensichtlich mit der Möslalm als Namensträgerin zusammen.

Olperer, Fussstein, darunter das Wildlahnertal und der Spitz ist die Schmirner Hohe Warte (Hogerspitze)

Am Silbersattel also hielten wir unsere Gipfelpause ab. Der Ausblick von ihr ist weitreichend, besonders im Süden öffnet sich ein gewaltig Bild der Zillertaler Gletscherwelt.

Bildmitte: Scheibenspitze, rechts die Schafseitenspitze

Einen tollen Tiefblick auf Obern und den Kaserer Winkel im Schmirntal bietet sich ins Tal hinab. Am Ende des Kaserer Winkels steilt ein kühnes Kar auf die Nordflanke des Kleinen Kaserer auf, das eine sehr interessante, schwere Schitour auf den Nordwestgrat und den Gipfel bietet.

toller Tiefblick nach Obern und in den Kaserer Winkel

Die beherrschenden und höchsten Erhebungen in den Tuxern, der Lizumer Reckner (2.886m) und der Geier (2.857m) finden sich im Osten der Hohen Warte zum Greifen nahe und doch sind sie gut 5,5km entfernt.

leicht rechts der Bildmitte im Kamm der Hohe Warte Gipfel, dahinter Naviser Reckner, Lizumer Reckner und Geier

Dank dem sonnenabgewandten Nordhang versprach die Abfahrt zum großen Teil in immer noch lockerem Pulverschnee zu erfolgen und dies traf auch zu.

Abfahrt über schon harte Flächen am Nordhang

Der Kammbereich präsentierte sich – wie gewöhnlich nach einer langen Schönwetterperiode – mit bereits stark umgewandelter Schneedecke, zum Glück nicht mit Bruchharsch, aber bereits ab der Hälfte verbesserte sich die Schneedecke rasch und bescherte uns bis unter die Stoffenalm ein paar tolle Schwünge.

bereits weichere Schneeverhältnisse unterhalb des Kamms

Unterhalb der Stoffenalm kann man eine raue (die wirklich blöde neue Rechtschreibung erfordert leider die Kastration des Adjektivs „rauh“) Variante über den Bachgraben bis unter die Blasigleralm abfahren, die allerdings über einen steilen Hang und durch den engen Graben mit jeder Menge Gestrüpp führt.

bärige Kulisse

Herwig hat sich diese Variante angetan, der Rest der Gruppe entschied sich mit ein paar Meter Aufstieg zum Almweg zurückzusteigen und die Normalvariante zu fahren.

Andrea, Rico, Chrissi und atemlos die Spur herab der Charly

Über den Almweg fuhren wir durch das Lange Tal hinaus und nahmen nicht die Abzweigung weiter neben dem Weirichbach, sondern den Weg weiter über eine kurze Schiebestrecke.

ein weiterer Pulverhang – diesmal mit dem Autor und dem Oliver im Hintergrund

Diese Variante hat den Vorteil, daß sie direkt zum Parkplatz bei der Pfarrkirche führt, zum Endpunkt unserer Tour. Momentan ist der Weg nach der Schiebestrecke akzeptabel zu befahren, einige kurze Strecken sind durch die Schneeräumung leider schon aper, man kann ihnen derzeit jedoch noch gut ausstellen.

Rückblick auf das schöne Lange Tal mit dem Schafseitenkamm in der Nachmittagssonne

Das Highlight und eine unbedingte Empfehlung nach der Tour ist die Einkehr beim Kirchenwirt, direkt am Parkplatz. Sein Angebot ist nicht besonders groß, aber oho! Er besticht mit originellen Suppen und das – oder besser – „die“ Schnitzel lassen keinen Hunger offen. Und dies auch noch zu wirklich kundenfreundlichen Preisen.

Der Zeitbedarf für die schöne Schitour auf den Wintergipfel der Hohen Warte betrug 4:32 Stunden incl. aller Pausen. 1.115Hm sind zu bewältigen, die Hangneigung bleibt unter 35°.

Mils, 06.01.2020

1 Sonklar, 1872: Die Zillerthaler Alpen
Anm. d. Verf.: die von Sonklar gewählte Bezeichnung für den Gebirgskamm ist eine topografisch bestimmtere als jene in der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE1984) genannte Bezeichnung „Südgrate“

 

Schitour Hohe Warte (Hogerspitze), 2.687m – von Toldern

Hogerspitze wird die Hohe Warte in der einheimischen Bezeichnung genannt und die Schitour von Toldern ist – mit dem krönenden Abschluß der Gratbegehung – eine wahrlich phantastische, weil sie durch den nördlich ausgerichteten Aufstieg zumeist auch nach einer längeren Schönwetterperiode eine Abfahrt in großteils weichem Schnee bietet, abgesehen von der Gratstrecke und dem obersten kammnahen Hangteil.

Herwig auf der Hohen Warte

Im unmittelbaren Bereich der Hogerspitze gibt es zwei weitere Hohe Warten, und zwar eine für Schitouren unbegehbare, die Hohe Warte (2.943m) am Kamm zur Sagwandspitze im Valsertal und fast 180° gewendet die Hohe Warte (2.398m) im Navistal, eine beliebte, leichte Schitour von Navis aus.

Autor vor toller Kulisse

Der generell durchgehend steile Aufstieg stellt allerdings bei entsprechender LWS eine Gefahr dar, die nicht unterschätzt werden darf. Im Wald, auf der Steilstufe nach der Waldgrenze und im oberen kammnahen Hangteil werden Passagen von gut über 35° Hangneigung durchschritten, die beachtet werden müssen.

Parkplatz Toldern, 1.535m

Am Grat selber bestehen einige Passagen mit noch größerer Hangneigung, wenn diese auch zumeist vom Schidepot aus zu Fuß begangen werden. Bei Verhältnissen, die erwarten lassen, daß die Schneedecke in dieser Höhe sehr weit durchgefroren ist empfehlen sich Steigeisen für die letzten, von der Steilheit her, nicht zu unterschätzenden 230Hm zum Gipfel.
Die Gefahr durch Wechten ist an einigen Gratstücken nicht zu vernachlässigen und ihr gedankenlos zu folgen, auch wenn eine vorhandene Spur den Aufstieg  vorgeben mag.

Blick ins Wildlahnertal

All diese würzigen alpinen Zutaten krönen diese leicht mittellange Schitour zu einem Hochgenuss, wie auf den folgenden Bildern unserer Begehung erkannt werden kann.
Es mag auch möglich sein fast, oder ganz bis zum Gipfel mit Schi aufzusteigen und über die Südostflanke wieder zum Gratsattel abzufahren, bei den momentanen Verhältnissen (Gleitschneegefahr auf steilen Wiesenhängen) ist jedoch davon unzweifelhaft abzuraten. Der Gratkamm ist in jedem Fall sicherer.

Abzweigung zur Hohen Warte

Gegen 7:45 waren wir diesen tags die ersten am Parkplatz am Ende von Toldern Richtung Wildlahnertal auf 1.530m und das sollte glücklicherweise auch bis zum Gipfelkreuz so bleiben.

Aufstieg teils im Wald, teils auf Freiflächen

Die Tour folgt zunächst gut zwanzig Minuten bis auf 1.700m dem Almweg zur Geraerhütte, taleinwärts in Wildlahnertal. Eine minimale Abkürzung durch den Wald, vor den beiden Serpentinen des Wegs, kann genutzt werden.

Rückblick Aufstieg

Beim Wegweiser in der Linkskurve zieht die Route in den Wald hinein und wird gleich steiler.
Über schöne Waldpassagen gemischt mit ein paar durch Staudenwerk bewachsenen Freiflächen geht es teilweise steil hinan.

Aufstieg auf einer Freifläche

Unerwartet führt die Route nach einer knappen Stunde ab dem Parkplatz (etwa 1.850m) in eine flache Passage mit kurzem Steigrichtungswechsel von Südwest nach Nordwest, um gleich darauf wieder zur ursprünglichen Steigrichtung zurückzukehren – inmitten von alten Lärchen ein idealer Platz für eine Trinkpause.

Flachpassage

Bald nach dieser Passage ist der Waldrand zu einer großen freien Mulde erreicht. Rechterhand ziehen sehr steile Hänge auf den Rauhen Kopf (2.150m) und den Hohen Napf (2.247m) beliebte leichte Schitourenziele von Schmirn aus, hinauf.

Ende des Waldaufstiegs

Die folgende Freifläche wird mittig durchschritten, an einem großen Felsblock vorbei, und die links sichtbar werdende Rippe angesteuert.

freie Fläche unterhalb Hoher Napf

Der Aufstieg auf der Rippe ist lawinentechnisch ideal, die steilen Hänge zu vorgenannten Erhebungen werden dadurch sicher umgangen. In einigen Spitzkehren wird der breitere Rücken auf der Ripper erobert, der zur vollständigen Baumgrenze hinaufführt (etwa 2.150m) – auch die jungen Lärchen verschwinden vom Gelände mit der Höhe zusehends.

Spitzkehren auf der Rippe

Gegenüber im Wildlahnertal grüßen Riepenkopf, Schönlahnerspitze, die turmartig gebauten Schöberspitzen mit ihrer interessanten Geologie des Tauernfensters und der Kleine Kaserer, eine schwere, unvergesslich schöne Schitour vom Kaserer Winkel aus.

Riepenkopf, Schönlahnerspitze und Schöberspitzen

Die Rippe gleitet am Ende in eine Mulde aus und linkerhand zieht eine nächste leichte Rippe heran, die erstiegen wird. Am Ende dieser leitet das Gelände zur Ostflanke der Hohen Warte herab über und wird flacher – ebenfalls ein  idealer Platz für eine Trinkpause (etwa 2.200m). Dort ist der tiefste Punkt im Grat, der nächste Festpunkt der Schitour, erstmals erkennbar.

Rückblick auf die erste Rippe

In der Flanke wird über einige Serpentinen immer steiler werdend angestiegen und gleichzeitig nach rechts oben (südöstlich) gequert. Voraus besticht das beindruckende Panorama des Tuxer Hauptkamms, sozusagen die westlichen Zillertaler Alpen, nicht zu verwechseln mit den Tuxer Alpen, die im Norden angrenzen.

zweite Rippe

Gut 20min dauerte unser Aufstieg in der Flanke bis zur Gratscharte. Wie überall in diesen Tagen befand sich die Schneedecke im kammnahen Bereich in fest gepresstem Zustand, teilweise durch die Umwandlung sehr hart, sodaß an manch abgefahrener Spurstelle dir Kanten fest gesetzt werden mußten, um nicht zurück zu rutschen. Harscheisen waren jedoch nicht nötig, obwohl es sich im heurigen Winter bis jetzt empfiehlt sie mit dabei zu haben.

Beginn des oberen Teils des Aufstiegs

Die etwas abgeblasene breite Gratscharte wird an einer Engstelle durch felsigen Untergrund betreten. Steinkontakt gab es keinen, aber die Durchschlupfstelle ist schmal. Kurz vor der Grathöhe kann das Gipfelkreuz der Hohen Warte noch von der Ostseite erstmals eingesehen werden.

Herwig in der Ostflanke

Der Grat wird auf einer Höhe von etwa 2.450m betreten, der restliche Aufstieg beträgt 237Hm.
Wahrscheinlich nicht nur bei unserer Begehung sondern generell, wird man nach einer längeren Schönwetterphase auf der nun südwestseitig zu begehenden Flanke grundlegend andere Schneeverhältnisse vorfinden.

steilste Partie im Oberen Teil zur Scharte

Wir hatten es – auch aufgrund der tageszeitlichen und Bewölkungssituation mit einem oberflächlich sehr unangenehm rutschigen, vereisten Schmelzdeckel zu tun, der für die kurze Strecke bis zum logischen Schidepot vor dem ersten aufsteilenden Gratzacken fast Harscheisen erzwungen hätte, um sich nicht zu sehr plagen zu müssen.

Blick vom Kamm zum Olperer

Man sollte den Zeitbedarf von einer dreiviertel Stunde für die Strecke am Grat nicht unterschätzen. Der Gipfel sieht nahe aus, aber immerhin sind vom Schidepot bis zum Gipfel mehr als 200Hm zu bewältigen und am selbigen weilt man ja auch ein paar Minuten für Fotos, Trinkpause u. dgl.

Autor in der Scharte

Der erste Buckel war rasch überschritten. Tritte teilweise stufenartig angenehm zu begehen, teilweise bis zur Wiese durchgetreten und entsprechend rutschig am vereisten Untergrund am Vormittag. Auf ein paar kurzen Anstiegsteilen haben wir deshalb hangseitig eine zweite Stapfstrecke eröffnet und uns somit angenehmeres Steigen ermöglicht.

Grat zur Hohen Warte im Überblick

Alles in Allem bedeutete jedoch die gesamte Gratbegehung keine Schwierigkeit. Steigeisen wären nicht nötig gewesen, aber viel härter hätte es auch nicht sein dürfen, um in zweifelhafte Situationen zu kommen.

erste steile Graterhebung nach dem Schidepot

Wie bereits erwähnt gibt es auf der Gratstrecke einige kurze Passagen bei denen nicht mit Sicherheit eingesehen werden kann, ob man sich noch auf der Luvseite der Wechte, bzw. noch auf der Felsseite des Grates befindet und der Spur ist hier nicht bedingungslos Vertrauen zu schenken, da man ja nicht weiß wie gut die Geländekenntnis des Spurenden war.

Grat zur Hohen Warte

Betrachtet man die Felswand der Ostflanke beim Aufstieg so können kaum Stellen mit übergroßen Wechten erkannt werden, jedoch ist das keine zuverlässige Methode sich ein Bild zu verschaffen, Umsicht und Abstand sind sicherer. Wie erwähnt beschränkt sich die Gefahr aber nur auf wenige Meter des gesamten Grates, diese aber sind unter Umständen die entscheidenden.

letzter Teil Grat und Gipfelaufbau der Hohen Warte

Einige Meter unterhalb des Gipfels fanden wir vereiste Wiesenflecke vor, deren Umgehung wir am steilen Gipfelhang einige Meter weiter westlich wählten.
Gerade rechtzeitig vor einer westlich heranziehenden Schlechtwetterfront erreichten wir den kühnen Gipfel der Hohen Warte.

letzte Meter mit vereisten Stellen

Für den anstrengenden Aufstieg ab dem Schidepot wird man auf der Hohen Warte mit einem tollen Rundumblick belohnt. Alles dominierend fast genau im Osten der Olperer (man möchte es nicht glauben, Peilung 102°!), links davon Kleiner, Großer und Falscher Kaserer und genau dort wo man Süden nicht vermuten möchte befindet sich der Kraxentrager.

Autor auf der Hohen Warte, 2.687m

Im Westen die Stubaier Alpen mit dem Habicht (genau auf 270°) und links davon die Kühne Spitze des Pflerscher Tribulauns und weiter links genau vor der Hohen Warte der Verlauf des Valser Kammes mit der über die Jeneweinrinne phantastisch zu begehenden Gammerspitze.

Eintrübung aus Richtung Westen

Im Norden die noch unbedingt zu begehende Schafseitenspitze, sowie rechts davon die Scheibenspitze, eine kleine schöne Tour von Navis, ziemlich genau im Norden der Große Bettelwurf und im Nordosten die höchsten Gipfel in den angrenzenden Tuxer Alpen, der Lizumer Reckner und der Geier.

Innerschmirn mit tollen Tourenzielen, auch von Navis

Nach Genuss des Ausblicks räumten wir das Gipfelplateau, um am Schidepot eine Rast einzulegen. Die Sonne versprach sich zusehends hinter Wolken zu verstecken und der angekündigten Niederschlagsfront zu weichen, was unsere Entscheidung zum Rückzug erleichterte.

Gipfelhang Hohe Warte von oben

Am Abstieg begegneten wir etwa zehn weiteren Tourengehern und während der Abfahrt nochmals fünfen, was einer nicht hohen Dichte für diese schöne Tour entspricht, was aber auch der Selektivität der Tour entspricht.

oberer Gratteil zur Hohen Warte

Die Abfahrt am kurzen verbleibenden Gratrücken nach der Rast zeichnete sich durch einen immer noch harten Schmelzdeckel aus, der kein sonderliches Fahrgefühl erweckte. Also die Schi weit mit hinaufzunehmen, wie es einige der Nachkommenden praktizierten, hielten wir – zumindest bei den herrschenden Bedingungen – für nicht erstrebenswert.

Gammerspitze im Valserkamm gegenüber

Auf der Nordostflanke der Hohen Warte tauchten wir nach den gepressten Kammlagen anschließend in weichen Pulverschnee ein.

Abfahrt in die Pulverhänge

Die Wahl der Abfahrt fiel zugunsten der Aufstiegsroute aus. Eine vielleicht noch schönere Variante mit kaum Waldstrecken wäre die direkte Abfahrt ins Wildlahnertal gewesen, die wir für eine nächste Begehung ins Auge fassten.

tolle Verhältnisse in den weiten Mulden

Mit entsprechend herrlichen Fahrgefühl konnten wir ebenfalls noch wenig verspurte Hänge über die Aufstiegsroute hinab genossen werden.

und in den steileren Passagen

Während der gesamten Abfahrt kam es nicht zu Steinkontakt, der Pulverschnee hat sich unten im Bereich des Weges mehr gesetzt, also etwas schwerer zu drehen, aber kein Harschdeckel war vorhanden.

Waldabfahrt

Die Gesamtzeit für die Tour incl. aller Pausen und Abfahrt betrug 4:17 Stunden, die Aufstiegshöhe 1.157m. Die Strecke ist durch die Steilheit mit etwa 4,5km relativ kurz.

Mils, 03.01.2020