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Touren 2019 überall

Schitour Hohe Munde, 2.592m – Ostgipfel

Außergewöhnlich! – kann als treffendes Schlagwort für die famose Schitour auf die Hohe Munde verwendet werden. Außergewöhnlich hinsichtlich ihrer ausgesetzten geographischen Lage, ihres freien und steilen Aufstieges ab der Rauthhütte, ihrer Abbrüche ins Tal vor allem nach Süden und nicht zuletzt wegen ihres phantastischen Ausblickes und eines reizvoll ausgeprägten Gipfelerlebnisses.

Rückblick auf den Punkt der kürzesten Distanz zum Felsabbruch

Wer die Schitour auf den Ostgipfel der Hohe Munde einmal begangen hat, der wird sie wohl nie wieder vergessen, vor allem dann nicht, wenn er sie bei Kaiserwetter erleben durfte. Der mehrfach anregende  Aufstieg ist ein Erlebnis der Sonderklasse.

der Großteil der tollen Mann-/Damenschaft

Bereits kurz nach Tagesanbruch leuchtet die Hohe Munde über dem Inntal und kurz darauf verrichtet die aufgehende Sonne im März ihr tauendes Werk am ungeschützten und gewaltig aufsteilenden Osthang, weshalb der zeitige Aufbruch angeraten ist.

Hohe Munde um 6:30 Uhr bei Kaiserwetter

So reizvoll und erhaben der Osthang bei gutem Wetter aussehen mag so furchteinflößend und unfallträchtig mag er bei der Begehung bei nicht passenden Verhältnissen sein, allem voran ein hart  gefrorener Aufstieg und schlechte Sicht. Am Großteil des Aufstiegs nach der Baumgrenze gibt es kaum Orientierungshilfen.

Aufstieg am Parkplatz Mundestadl

Während wir gegen 6:30 Uhr am Parkplatz der Rauthhütte „Mundestadl“ auf 1.180 m losmarschieren befindet sich der Gipfelbereich bereits im markanten malerischen gelblichen Morgenlicht und keine Wolke ist weit und breit zu sichten.

Aufstieg unter herrlicher Sonnenbestrahlung schon weit vor der Rauthhütte

Den Abmarsch eine halbe Stunde früher zu legen hätte es leicht vertragen, aber wir waren immer noch zu einer vernünftigen Zeit unterwegs und bis zur Rauthhütte kraschelte es recht laut unter den Fellen und die Schi klapperten obendrein am bock hart gefrorenen Firn der ehemaligen Liftabfahrt – ein klassischer Moment der menschlichen Hilflosigkeit gegenüber der Stille der Natur, der mit lärmender Technik überbrückt wird die alle morgendlichen Vogelstimmen übertönt.

Ostflanke im Zoom – ein paar Gipfelstürmer bereits eine gute halbe Stunde vor uns

Zu einer ansehnlichen Gruppe gereift stiegen wir über die noch vorhandene Abfahrt des früheren Mundeliftes (Betrieb bis 2003) auf. Nach einer Viertelstunde tauchten wir sieben Begeisterten bereits in die Morgensonne ein, weit vor der Rauthhütte, die zu dieser Morgenstunde noch im Tiefschlaf lag.

kurze Trinkpause vor dem rassigen Aufstieg

Vor, sowie hinter uns gar nicht wenig Gleichgesinnte, selbst der großflächige Parkplatz war um halb sieben Uhr an seiner Peripherie bereits restlos gefüllt und trotzdem empfanden wir den Aufstieg nicht als überlaufen.

Morgenstimmung als wäre es später Vormittag

Wenn eingangs über die besonderen Eigenschaften dieser Schitour die Rede war, dann kann zunächst der Eindruck an Tageszeit bei der kurzen Trinkpause bei der Rauthhütte (siehe Fotos) erwähnt werden. Dieser Eindruck vermittelte in 1.600m Höhe durch den dortigen Sonnenstand und der bereits enormen Strahlungsintensität ein gewisses „Zehn-Uhr-Dreißig-Gefühl“ und doch war es noch nicht einmal genau halb acht Uhr früh; ein nicht alltägliches Erlebnis nach dem drei Tage zuvor beendeten Winter.

die seichte Mulde durch die der Aufstieg führt

Den schwer beschreibbaren Blick des kolossalen Steilhanges dem Betrachter direkt vor Augen japst die Seele förmlich nach der Besteigung dieser Schönheit, gleichzeitig aber wächst ein gewisser Respekt vor den folgenden 1.000 Höhenmetern bis zum Gipfel.

das Abenteuer beginnt

Nach der Rauthhütte erfolgt der Aufstieg in einer mäßig ausgeprägten unbewachsenen Mulde, die nach oben hin steil wird und gleichzeitig die – vermutlich durch Lawinen von der mächtigen Hohen Munde herab hinuntergedrängte – Baumgrenze auf etwa 1.700m bildet.

am Ende der Mulde, vor der Drehung nach Süden

Am Ende der Mulde wechselt die Aufstiegsrichtung stetig steil ansteigend ziemlich radikal von Westen nach Süden auf die markante Ostflanke der Hohen Munde zu, den Hang dabei schneidend. Sie erreicht dabei auf sehr kurzen Passagen Hangneigungen von mehr als 40°, denen durch die Routenwahl so gut wie möglich ausgewichen wird und die nicht so steil empfunden werden.

welch Panorama im Norden!

Ab dieser Position – etwa auf 1.900m – werden die Auswirkungen der tageszeitlichen Erwärmung im Frühjahr voll schlagend.
Die Steilheit des Hanges mit teilweise 40° Neigung angenommen mag mit dem Sonnenstand zu Frühlingsbeginn am Morgen einen Einfallswinkel von nahezu 60° bilden – welcher gleich ist mit jenem, den die Sonne zu Sommerbeginn am Mittag auf die als horizontal angenommene Erdoberfläche bildet(!) – sodaß um diese Tageszeit bereits nahezu die maximale Wärmestrahlung wirksam werden kann.

fotohungrig nicht nur der Autor

Diese Extremsituation gegen acht Uhr früh muß erst einmal begriffen werden – am besten man erlebt sie unter „live-Bestrahlung“ an der Ostflanke der Hohen Munde direkt. Eine weitere eingangs erwähnte Superlative dieses außergewöhnlichen Berges.

Querung auf die Ostflanke

Wir erreichten diese Passage etwa um acht Uhr und stellten bereits mehr als einen Zentimeter unter die Oberfläche aufgetauten Firn fest und viertelstündlich verstärkte sich die Auftautiefe.

auch hier schon ordentliche Hangneigungen

Etwa zwanzig Minuten später im Aufstieg wird auf 2.000m ein kurzer flacherer Teil des Hanges erreicht, der sich zur Trinkpause vor dem steilsten vorausliegenden Abschnitt eignet.

kurze Trinkpause bei der Flachstelle ~2.000m

Ab dieser Stelle folgen knapp 600Hm Aufstieg mit den steilsten Passagen. Zunächst folgt die Route noch der geringsten Hangneigung Richtung Südwesten, bei unserer Begehung durch eine leichte Nassschneerutschung der vergangenen Tage hindurch, danach um eine schwach ausgeprägte Hangrundung herum bis nahe an den markanten südlichen Felsabbruch heran (nicht so nahe, daß unmittelbare Absturzgefahr bestünde).

Nassschneerutschung der letzen Tage – zu spaßen ist nicht mit spätem Aufbruch

Anschließend dreht die Richtung nach Nordwest und der Aufstieg folgt in Spitzkehren durch die steilste Passage mit einer Hangneigung laut TIRIS von mehr als 40°. Die Passage ist nicht sehr lang, sie erfordert kaum zehn Minuten Durchstieg.

am Felsabbruch angelangt – jedoch ohne Absturzgefahr mit richtiger Ausrüstung bei passenden Verhältnissen

Mit etwas weniger Steigung geht es weiter, die linken Spitzkehren im Aufstieg meist recht nahe am Felsabbruch, dem der Aufstieg etwa 100Hm parallel folgt und bei dem sich ganz oben atemberaubende Fotoszenen bieten.
Bei harten Schneeverhältnissen könnten diese Passagen unangenehm und bei Sturz gefährlich sein.

bei diesem Prachtwetter ein einziger Traum diese >40° Passagen

Oberhalb des Felsabbruches dreht der Aufstieg wieder nach links, mehr nach Westen, und erreicht weniger steile Bereiche rechts der beginnenden Lawinenverbauungen, wobei die Neigung aber in der Bandbreite zwischen 30 und 35° bleibt.

den Felsabbruch bereits überwunden, unterwegs zu einer leicht flacheren Passage

Kurz vor dem Erreichen des signifikant flacheren Gipfelhanges (<<30°) führt der Aufstieg an die Lawinenverbauten heran, bzw. oberhalb der zweiten Netzreihe über die Kuppe auf den Gipfelhang.

der Restaufstieg im Überblick – die Stimmung in gleisendem Licht am Höhepunkt

Dieser kurze letzte Teil ist nochmals deutlich steiler als 35° und führt über die Kuppe.

Hohe Munde Osthang im Rückblick

Die Kuppe des Gipfelhanges wird bei ca. 2.540m betreten und auf einem breiten, pistenähnlichen flachen Hang mit nordseitigem Lawinenverbau führt der Anstieg die restlichen 50Hm auf das riesige, vollständig flache Gipfelplateau und weiter zum Gipfelkreuz des Hohe Munde Ostgipfels.

am Gipfelhang Richtung Zugspitzmassiv

Der Ostgipfel ist um 70m niedriger als der eigentliche Hohe Munde Gipfel im Westen mit 2.662m. Die Route dorthin ist vollständig einsehbar und führt über den anfänglich schmalen Gratrücken auf den Osthang und zum Gipfelkreuz.

am Hohe Munde Ostgipfel Richtung Hohe Munde Westgipfel – ein schönes weiteres Ziel im überwältigendem Gelände

Wer die Tour dorthin fortsetzen will muß etwa 70Hm abfahren, wieder Auffellen und etwa 150Hm Aufstiegshöhe vom Tiefpunkt auf das etwa 900m entfernte Ziel einrechnen. Am Rückweg fallen wieder die 70m Aufstieg auf den Ostgipfel an, die Tour dorthin schlägt also in Summe mit zusätzlichen 230Hm zu Buche.

Tiefblick Inntal Ost

Den phänomenalen Rundblick von der Hohen Munde durften wir an diesem so perfekten Tag mit unglaublicher Fernsicht erleben. Die Bilder spiegeln nur Bruchteile wider, so konnten wir beispielsweise den mehr als 90km fernen Großglockner eindeutig erkennen.

Tiefblick Inntal West

Die Stubaier Alpen im Süden entfalten sich vor dem Betrachter gleichsam dem Bühnenbild im Opernhaus. Im Norden das gewaltige Massiv der Zugspitze und nach Osten folgend konnte jedes Detail der wilden Grate des Wettersteingebirges betrachtet werden.

die nördlichen Stubaier – so manch Ruetz nennt sie „heimatliche Sellrainer“

Weit im Osten das Karwendel mit einem kleinen Einblick in die noch tief winterlichen Karwendeltäler, die in einigen Wochen mit sagenhaft schönen Frühjahrstouren aufwarten werden.

a Mammut alive and a young one on the right

Nicht unerwähnt soll auch der Blick zu beiden Seiten ins Inntal bleiben – selten ein Punkt im Inntal, der diese Spanne an Einblick in die Talschaft zu liefern vermag.

das schönste Gebirg‘ der Welt – öffnet seine Pforten in wenigen Wochen für die Frühjahrsklassiker

Ein weiteres Highlight dieser phänomenalen Schitour stellt die Abfahrt dar. Kraftraubend sind die steilen 1.000Hm der Ostflanke ebenso zum Befahren, auch wenn, wie in unserem Fall, beste Firnverhältnisse vorherrschen. Da der Hang viel befahren wird präsentiert er sich zum Teil wie eine klassische Buckelpiste und, 100Hm am Stück beherzt abzufahren, lassen die Oberschenkel mächtig brennen.

Stimmung an der Kante – vor 1.000Hm Steilabfahrt…

Die notwendige Rast nach jedem Teilstück der Abfahrt besteht nicht nur im Abkühlen der Oberschenkeln und der Beruhigung des Kreislaufs, sie ruft die Nebenwirkung des Genusses der umgebenden Landschaft hervor, der, beim Bier von der Rauthhütte aus beurteilt, durch den zu gierig angegangenen weißen Rausch eigentlich viel zu kurz kommt.

der Exzellente unter den Schifahrern hält immer ein Lächeln bereit. Ob es diesmal dem Abfahrtserlebnis gilt?

Wir hatten uns bemüht nach der Kante oben nicht direkt über die Aufstiegsroute abzufahren, sondern orografisch rechts, bis tief hinab zum Felsabbruch genau in seiner Falllinie. Das Gelände war dort noch nicht so sehr zerfahren wie am direkten Osthang. Mit Respektabstand zur Abbruchkante wechselten wir nordostwärts auf den breiten runden Osthang nun orografisch links vom Aufstieg.

Innehalten und weit blicken

Der Rest der Abfahrt über die latschenbewachsenen Teile der unteren Ostflanke zeigte kurz nach zehn Uhr vormittags schon sehr weiche Schneeverhältnisse, dennoch gut zu befahren. Als Abfahrtsroute im unteren Teil des Hanges, die bereits wieder mit vereinzelten Baumgruppen bewachsen sind, wählten wir die direkte Linie am Hang, mitten in den lichten Wald hinein und über das letzte steile Stück im Wald zur Rauthhütte.

ausgleiten zurück in die Zivilisation

Eine sagenhaft vielfältige und anregende Schitour mit dauerhaftem Temperament über alle Abschnitte und bleibenden Eindrücken ging beim vormittäglichen Frühschoppen auf der Hüttenterrasse zu Ende.

den Gesamteindruck der Erlebnisse kann an Brittas Gesichtsausdruck abgelesen werden

Bei wenigen kurzen Trinkpausen und einer knappen halben Stunde am Gipfel hat dieses Juwel an Schitour 4:25 Stunden in Anspruch genommen (ab Parkplatz Mundestadl und zurück zur Hütte, die Abfahrt Rauthhütte – Parkplatz nicht mitgerechnet). Die Höhenmessung zeigte 1.405Hm. Die Track-Aufzeichnung in der Bildergalerie wurde bewußt erst nach der Rauthhütte gestartet und dient nur der Veranschaulichung der Aufstiegs- und Abfahrtsroute.

und am Gesichtsausdruck aller beim Frühschoppen

Harscheisen sind auf dieser Tour Bedingung (wir haben sie nicht benötigt), Spitzkehren sollten in steilem Gelände einwandfrei beherrscht werden und eine gewisse Erfahrung mit steilen Schitouren sollte mitgebracht werden. Wer sie bei Prachtwetter begangen hat der rät schon bei leicht zweifelhaften Wetter-/Schneebedingungen dringend ab, nicht nur der Sicherheit wegen, auch des Erlebnisses wegen. Berg Heil!

Mils, 24.03.2019

Malgrübler, 2.749m – Schitour vom Wattental

Liebe Leser,

wie ihr im Tourenverzeichnis sehen könnt sind wir einige Touren hinten in der Dokumentation – erhöhte berufliche Reisetätigkeit hat Spuren hinterlassen.
In Kürze aber werden die ausständigen Touren nachgetragen. Zwischenzeitlich viel Spaß mit dem Video der heutigen tollen Abfahrt vom Malgrübler:

Berg Heil!

r&m
31.03.2019

Schitour Allerleigrubenspitze und Hoher Lorenzen, 2.313m – Schitourenrunde von Obernberg

Der Hohe Lorenzen im Obernbergtal kann als Ziel trefflich über eine landschaftlich eindrucksvolle Schitourenrunde erreicht werden. Sie führt über den Kamm mit der Allerleigrubenspitze und den Koatnerberg an ihn heran und bildet damit – stets über 2.000m – eine ungemein aussichtsreiche Variante zu den Talanstiegen.

Hoher Lorenzen, 2.315m

In Obernberg gestartet (Parkplatz Almis Hotel oder anschließend links der Asphaltplatz, 1.380m) muß der Bach überquert werden, bevor auf seiner Südseite, an einem Bauernhof, direkt über die ansteigende Wiese in den Wald eingestiegen wird.

Start über die Wiese am Bauernhof nach dem Obernbergbach

Nach wenigen Minuten im Wald trifft man auf den Weg, dem von dort gut 2km gefolgt wird, ohne ihn den zahlreichen Verzweigungen zu verlassen. Die Richtung lautet Koatnerberg und erst nachdem man den Kleinen Tribulaun querab von sich findet, verläßt man den Weg nach einer Doppelkehre linkerhand auf eine freie Waldfläche zu.

Obernberger Tribulaun – er muß querab stehen bevor es im Wald weiter geht

Bereits vor der Doppelkehre besteht durch eine freie Waldschneise kurz Blickkontakt zum ersten Ziel, dem Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze.

das erste Ziel sichtbar – die Allerleigrubenspitze

Am bereits sichtbaren gelben Wegweiser führt der Anstieg direkt bergwärts in den dichter werdenden Wald und wieder auf weitere schöne freie Flächen. Ab diesen Flächen (etwa 1.850m) drang der Südföhn zwischen den vereinzelt stehenden Bäumen so richtig zu uns durch. Die erste Lage Windstopper wurde erforderlich, obwohl es durch den milden Wind nicht kalt war.

nach zwei Kehren führt der Anstieg in den Wald

Abermals passiert man einen Forstweg, diesmal nicht mehr geräumt aber durch die Trassierung gut erkennbar. Einige Aufstiegsminuten später wird auch schon die Baumgrenze erreicht und der freie Kamm sichtbar. Die Aufstiegsroute folgt nicht dem abgeblasenen Kamm, sondern wurde so angelegt, daß durchgehende Schneeflächen an der westlichen Flanke genutzt wurden.

Querung in die Westflanke hinauf zum Kamm

Vor einem tieferen Einschnitt in die Westflanke führt die Route auf den breiten Kamm. Dieser präsentierte sich sehr abgeblasen, zwischen den aperen Wiesen fanden sich jedoch genügend schneebedeckte Schneisen.

am sehr abgeblasenen Kamm – der Wind peitscht uns ins Gesicht

Der runden Kuppe zustrebend mußte dem starken Wind am Kamm der Kampf durch die zweite Lage, die Tourenjacke mit Kapuze angesagt werden. Die Kuppe wird in der AV-Karte als Allerleigrubenspitze ausgewiesen, das Gipfelkreuz steht allerdings 450m südlich davon entfernt auf einer kleinen aperen Graterhebung.

von links: Hoher Lorenzen, Koatnerberg, Geierskragen und Grubenkopf, darunter das Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze

Flach führt die Route zur Allerleigrubenspitze hin fast ein wenig abwärts. Wer den Gipfelsporn zum Kreuz besteigt wird auf der anderen Seite mit einer felsigen Flanke überrascht, die – sehr abgeblasen, aber auch sonst zu felsig – keine Abfahrt auf Schi zulässt.

Allerleigrubenspitze, 2.131m mit weiterer Runde auf den Hohen Lorenzen

Entweder man steigt einige Meter unter Schi ab oder umgeht die Gipfelerhebung unterhalb in der Westflanke. Letztere Variante ist die sinnvollere.

Kamm zum Koatnerberg

Recht flach mit wenig auf und ab geht es dem Koatnerberg zu, einer halbrunden Erhebung im Kamm, die aus der Ferne höher wirkt als sie tatsächlich ist. Geodätisch sind zwischen der Allerleigrubenspitze und dem Koatnerberg lediglich 70Hm zu bewältigen, mit den kleinen Kuppen vielleicht 100Hm. Die Entfernung von der Allerleigrubenspitze zum Hohen Lorenzen beträgt 2,4km, der Koatnerberg liegt etwa mittig zwischen beiden.

da es nicht kalt ist setzten wir die Runde fort – Kamm zum Koatnerberg

Den Koatnerberg ziert ein Mini-Gipfelkreuz das auch von der untergeordneten Bedeutung der Kuppe Zeugnis gibt. An seiner Südflanke wird die Überschreitung wieder etwas interessanter.
Mit Fellen wird sie abgefahren und hierzu ist einiges an Akrobatik nötig, vor allem, wenn die Überwächtungen recht hart vorgefunden werden und die Abfahrt ein Tanz zwischen der westlichen und östlichen Flanke wird.

Koatnerberg 2.199m

Bei der Abfahrt in das sogenannte Sattele fallen schätzungsweise 70Hm Höhenverlust an, sodaß der Aufstieg zum Hohen Lorenzen mit restlichen 185m zu Buche schlägt. Gleichzeitig ist das auch der letzte Anstieg in der Runde.

Abfahrt ins Sattele

Vom Sattle aus könnte man zu beiden Richtungen abfahren, sollte dies erforderlich sein. Der Aufstieg aber wird mit einer schönen Abfahrt über den Nordosthang des Hohen Lorenzens zur Fraderalm belohnt.

erster Felssporn nach dem Sattele

Gleich nach dem Tiefpunkt am Sattle empfiehlt sich die ostseitige Umgehung des Felssporns am beginnenden Grat, weil die Ostseite mit einer steilen Flanke beginnt, die uns fast die Verwendung von Harscheisen auferlegt hätte. Nach diesem Felssporn steigt man entlang der Almengrenze weiter, einem auffälligen Band ohne felsdurchsetzte Stellen zu.

Almgrenze am Kamm zum Hohen Lorenzen – entlang dieser wird kurz aufgestiegen bevor es am Gipfelaufbau rechts in die Rinne geht

Das Band führt in die Westflanke des Hohen Lorenzens und diese stellt während des gesamten Anstieges – wenn überhaupt – den einzig nennenswert steilen Abschnitt dar, bei dem von kritischer Hangneigung bei höherer Lawinenwarnstufe gesprochen werden kann. Es handelt sich um die letzten etwa 100Hm.

Sandjöchl 2.165m mit Geierskragen 2.309m und Grubenkopf

Am Aufstieg fallen westlich des Hohen Lorenzens die sanften Gipfel Geierskragen und Grubenkopf auf, die jenseits des Sandjöchls ähnlich hohe Erhebungen im Grenzkamm bilden wie der Hohe Lorenzen.
Die gesamte Gegend des Grenzkammes spielte in den Kriegen eine wesentliche Rolle und wer im Sommer dort wandert wird viele Zeugnisse der Ereignisse vor 100 Jahren wiederfinden. Sogar im Winter ist die Trasse der Militärstraße trotz Schneeauflage gut auszumachen.

Plateau des Hohen Lorenzens Richtung Osten geblickt

Am Ende des Aufstiegs leitet der sich von unten dramatisch zuspitzende Hang abrupt auf ein breites und flaches Gipfelplateau über und sofort fällt das riesige Gipfelkreuz in etwa 100m Entfernung ins Blickfeld.

Evi am Hohen Lorenzen

Ganz entgegen der sonstigen Neugier ob der Geschichte des Gipfelkreuzes untersuchten wir im starken Südwestwind nicht einmal das Gipfelbuch. Eiliges Abfellen und ein paar Fotos waren die wenigen Handgriffe am Gipfel des Hohen Lorenzens. Nach etwa eineinhalb Stunden im starken Wind sollte die geschützte Abfahrt über den Nordosthang endlich stattfinden.

Rückblick auf die Runde von der Allerleigrubenspitze

Vorher noch ein Blick auf das Dörfchen Gossensaß und die markante Autobahnbrücke hoch über die Dächer der Siedlung hinweg. Der Hohe Lorenzen ist nach Süden hin völlig unverdeckt von anderen Erhebungen sodaß die Erklärung für den anhaltend starken Wind auch optisch eindrucksvoll zu erleben ist. Immer wieder interessant mit welcher Akribie man sich nach den Friedensverhandlungen von St. Germain in den 1920er Jahren bemüht hat die Grenzmarkierungen zu setzen.

die Runde im Zoom

Ein eingemeißelter Punkt als Hauptmarkierung und mit jeweils einem ebenfalls eingemeißelten kurzen schwarzen Strich wurde der Luftlinienverlauf bis zur nächsten Grenzmarke vorgegeben. Dabei wurde höchster Wert darauf gelegt, daß die tirolische Seite immer etwas abgedrängter am Grat lag als die damals italienische. Deutlich kann man heute noch die unterschiedliche Machtposition der Grenzzieher spüren. Solcherlei Grenzziehung fällt auch an anderen Teilen im Grenzkamm auf.

Einfahrt in den Nordosthang

Über den Ostrücken hinab kann an verschiedenen Positionen in die windgeschützten Nordosthänge eingefahren werden. Uns erschien der Felskopf am Beginn des Gipfelaufbaus auf halbem Weg zum Flachjoch etwas zu uneinsichtig hinsichtlich seiner Umfahrbarkeit, sodaß wir den Gratrücken schon oberhalb in den Nordosthang einfahrend verließen.

Nordosthang mit Sattele

Im Nordosthang – wie kann es anders sein bei Südwestwind – fanden wir einiges an pulverigen Triebschnee vor und fuhren deshalb einzeln bis zu Haltepunkten ab. Die Abfahrten waren entsprechend angenehm, ein hochwinterliches Vergnügen.

herrliche Pulverabfahrt zum Hochleger der Fraderalm

In der Grube der Fraderalm fand sich dann auch noch richtiger Pulverschnee welcher die letzten Höhenmeter bis zur Alm zu einer genussvollen Abfahrt werden ließ.

Rückblick auf die Abfahrt im Nordosthang

Das große Almgebäude des Hochlegers der Fraderalm dürfte vom optischen Eindruck her eher beschädigt worden sein, denn durch Altersschwäche zusammengebrochen. Sehr alt erscheint es nicht – zuviel Schnee oder ein Lawinenausläufer?

prächtige Hänge vom Hohen Lorenzen herab

Nach diesen Almengebäuden beginnt eine schöne Talausfahrt, die zunächst durch einen Lärchenwald und dann am Almenweg  hinausführt. Rasch nimmt das Pulverschneevegnügen ab und es benötigte Standfestigkeit die Bremsung durch den eher feuchten Schnee am Almweg auszubalancieren.

Hochleger Fraderalm

Ein Rinnsal von Bach über den Weg muß zu diesem Datum bereits überschritten werden, zu warm ist es für eine durchgehende Schneedecke darüber. Kurz danach endet die schöne Fahrt durch den Wald in einer leichten Senke der Fraderalm.

ein wenig restlicher Pulverschnee bis zur Baumgrenze

Auf der anderen Seite des Bachs liegt der Weg eher sonnengeschützt nahe den Bäumen und dürfte wohl noch etwas besser befahrbar sein als unsere ostseitige Abfahrt.

nahe der Senke der Fraderalm

Vor der recht neu erbauten Alm werden etwa 200m Schiebestrecke, bzw. kurzzeitig der Grätschschritt nötig, um die paar Meter aus der Senke zur Alm zu überwinden. Nach der Alm bietet sich ein herrlicher Rückblick auf den Hohen Lorenzen.

Fraderalm

Hinter der Alm konnten wir eine Aufstiegs- und mehrere Abfahrtsspuren entdecken. Es dürfte sich um den Anstieg zum Karsattel und dem Kreuzjoch handeln – sicher eine schöne wenig begangene Tour und eine Sache zum Herausfinden.

phantastischer Rückblick auf den Hohen Lorenzen

Die Ausfahrt aus dem Fradertal bleibt östlich des Fraderbachs und führt an zwei weiteren Gebäuden vorbei, bevor das Tal mit einer Geländestufe zum Bach hinab aufwartet.

letzte Gebäude vor der Geländestufe

Unten führt der Weg wenige Meter oberhalb des Baches – teilweise steil mit wenige Möglichkeiten vernünftige Schwünge einzulegen – bis zum Obernbergtal  hinaus. Der Weg führt auch vorbei an einem kleinen Kraftwerk mit einer uns in ihrer Sinnhaftigkeit völlig unerklärlichen Videoüberwachungsanlage.

Obernberg, Ortsteil Frade – links unten die Brücke und das Fahrverbotsschild

Wer unten im Tal möglichst weit rechts den Hang befährt und somit Höhe spart, der kann von dort aus mit genügend Schwung über die Brücke und fast bis hinauf zu einem Fahrverbotsschild fahren, bei dem rechts in den Wiesenhang eingefahren werden kann, der mit genügend Gefälle bis zum Ausgangspunkt, dem Bauernhof am Obernbergbach, führt.

Am Ausgangspunkt angelangt – Ende der schönen Runde

Ohne Hektik, allerdings – wegen des Windes – mit nur einem kurzen Aufenthalt am Hohen Lorenzen absolvierten wir die traumhafte Runde in 4:38 Stunden (Gipfelaufenthalt 20min). Die Höhenmessung der Bergsteigeruhr zeigte 1.140Hm und die Aufzeichnung errechnete eine Gesamtstrecke von 14,8km.

Mils, 10.03.2019

Schitour Wolfendorn, 2.776m – vom Gasthaus Wolf

Einer der Klassiker unter den Schitouren in den Brennerbergen, der Wolfendorn, ist wahrlich ein lohnend Ziel, bietet er doch einen netten Waldaufstieg zu Beginn,  eine steilere Passage oberhalb der Waldgrenze, ein weites schön gestuftes Hochkar und eine bilderbuchhafte Steilflanke zum Gipfel.

Wolfendorn, 2.776m

Darüber hinaus bestechen der rasche Zugang zu den schönsten Teilen und die Länge der Tour. Der Aufstieg bis zur Waldgrenze ist etwa in 70min, zum Beginn der aussichtsreichen Gipfelflanke bei zügigem Aufstieg in gut zwei Stunden geschafft (Gh. Wolf 1.380m – Beginn Gipfelflanke 2.580m).

Start beim Gasthaus Wolf

Der Parkplatz beim Gasthaus Wolf ist klein (etwa 15 Fahrzeuge) und der Wolfendorn ist sehr beliebt – wie man auch auf den Fotos der Abfahrt erkennen kann – also empfiehlt es sich zeitig in der Früh dort einzutreffen, im Fall der heutigen Begehung war das 7:45 Uhr wobei der Parkplatz fast leer vorgefunden wurde.

gut beschildert bis zur Luegeralm

Zwischen dem allgegenwärtigen Getöse der Autobahn freut man sich über Vogelgezwitscher beim Aufstieg zur Luegeralm über den gut beschilderten Waldhang. So manche Abkürzung führt durch dichten Wald und hin und wieder wird der Almweg überschritten.

Luegeralm

Rasch wird an Höhe gewonnen wodurch der Verkehrslärm verstummt und Ruhe eintritt. Schon weit vor der Alm befindet sich der Wald in Stille. Der Aufstieg ist im Durchschnitt steil, zumindest wenn entlang der Abfahrtsspuren im Wald angestiegen wird. Das freie Gelände der Luegeralm betritt man am tiefsten Ausschnitt und durchschreitet es in direkter Linie.

Aufstiegsgelände bis zur steilen Rinne einsehbar

Der Wolfendorn wird von den Italienern, die etwa 130km südlich davon leben, „spinnater (verrückter) Lupo“ genannt. Warum sie sich just hier eines Tiroler Dialektwortes bedienen ist nicht bekannt. Möglicherweise hat das fast hundertjährige schmerzvolle Zusammenleben mit Tirolern Befruchtung in diese Richtung gezeitigt.

durch einen schönen Lärchenwald hinauf

Oberhalb der freien Almfläche führt der Aufstieg im schönen alten Lärchenwald weiter. Ein Zeichen, daß die Lawinentätigkeit durch die folgende steile Rinne nicht so ausgeprägt sein kann. Dir Rinne beginnt oberhalb der Waldgrenze des Lärchenwaldes. In mehreren Spitzkehren wird über die zunächst mittelbreite Rinne angestiegen bevor sie enger wird und der Anstieg über die rechte Flanke in flacheres Gelände hinaus quert. In diesem Bereich ist sie am steilsten (35-39° lt.  OpenSlopeMap).

steile Rinne über der Baumgrenze

Auf der Rippe nach der Flanke angekommen kann das Ziel, der Wolfendorn eingesehen werden. Sogar das Gipfelkreuz ist sichtbar, obwohl den Bezwinger noch etwa 650m Aufstieg davon trennen.

Rückblick in der Rinne

Die rechte Begrenzung des herrlich anzusehenden weiten Hochkars, das mit der Querung auf die Rippe betreten wurde bildet die imposante Flatschspitze (2.566m) mit ihren steilen Rampen und deren senkrechten Abbrüchen.

Wolfendorn mit sichtbarem Gipfelkreuz

Mittlerweile, etwa um viertel nach Neun zu Anfang März, steht die Sonne bereits so hoch, daß der weitere Aufstieg bis zum Gipfel durchgehend beschienen wird, sofern die Wetterlage entspricht, was bei der heutigen Begehung Gottseidank der Fall war, obwohl wesentlich schlechter prognostiziert.

tolle Mulden im Kar

Es geht nun flacher weiter, zunächst sogar einige Meter über die Rippe abwärts, bevor, fast an einen Aufstieg über einen Gletscher erinnernd, ein langes Stück leicht steigend aber bretteben dahingeht, der nächsten Geländekante zustrebend.

Rückblick auf das Hochkar

Die rund 400Hm durch das Hochkar bieten wunderbare Abfahrtshänge, da sie zum Großteil der Sonne abgewandt sind. Auch der Aufstieg durch die weiten Mulden ist ein Genuß, immer die markante Gipfelflanke im Blickfeld. Je weiter gegen diese Flanke angestiegen wird, desto imposanter dringt sie ins Empfinden und je näher sie kommt, desto klarer wirkt die gewaltige Hangneigung (siehe Hangneigungskarte aus Tiris in der Bildergalerie).

letzte Geländestufe vor dem Gipfelhang

Etwa bis 2.660m bleibt die Hangneigung unter 35°, über die letzten 100Hm jedoch steigt sie stetig an. Dies war die Grenze ab der Harscheisen vonnöten waren. Der Schnee war hart, jedoch nicht harschig oder richtig eisig.

etwa dort wo die Kollegen stehen wird der Hang steiler

Ab 2.700m befinden sich etwa 40Hm Aufstieg im Neigungsbereich von über 40°, in dem auch Spitzkehrentechnik gefragt ist. Der Autor weicht den gymnastischen Spitzkehrenübungen immer durch einen Fersentritt auf den Schi aus, der dann in die gewünschte Höhe schnellt und er die Drehung auf diese faule Weise auch hinbringt. Gottseidank filmt das nie jemand.

etwa von 2.600m aus Richtung Gipfel geblickt – die steilen Passagen schon erkennbar

Durch Abfahrtsspuren der vergangenen Tage, sowie durch Stapfspuren befand sich just das steilste Stück in einem rippigen Zustand quer zum Schi bei dem speziell die mittig angeordneten und unerlässlichen Harscheisen kaum Gripp  bekamen – eine Situation für die erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich war, um nicht ins Leere zu treten.

die Steilheit anhand der Spitzkehren der schnelleren Kollegen erkennbar

Die letzten 40Hm flachen dann wieder stetig ab, das Gipfelplateau ist nahezu eben. Die Aufstiegszeit von etwa 2.550m bis zum Gipfel – das sind lediglich ca. 200Hm wurden incl. Harscheisen anlegen 35min benötigt; dies zur Verdeutlichung der Steiggeschwindigkeit am Gipfelhang.

im steilsten Stück

Über den Gipfel des Wolfendorn blies mäßiger Nordwestwind. Der Anraum am Gipfelkreuz jedoch deutete auf den Süden als vorherrschende Wetterlage während des letzten Niederschlags.

Gipfelkreuz

Von Glück konnte man beim Rundblick in die Umgebung reden, daß ausgerechnet ein Kreis um den Wolfendorn heute von Nebel verschon blieb. Im Osten und von Südwesten bis Nordosten zeigten sich die höheren Berge in Nebel eingeschlossen.

Kamm mit Flatsch-, Roll- und Amthorspitze und

Imposant und immer wieder schön anzuschauen erscheinen die Pfunderer Berge im Süden gegenüber mit der Wilden Kreuzspitze (3.132m) und Grabspitze (3.059m).

westliche Pfunderer Berge mit Wilder Kreuzspitze

Ganz im Osten, leider heute im Nebel verborgen blieb der Hochfeiler (3.509m) im Südosten.

östliche Pfunderer Berge mit Grabspitze und ganz links Hochfeiler (nicht sichtbar)

Die Abfahrt über den harten Steilhang präsentierte sich ein wenig als Rutsch- und Zähneklapperpartie im oberen Teil.

Richtung Schmirntal

Aufgrund der plötzlich zahlreichen Nachsteigenden konnten nur wenig Schwünge ausgeführt werden, da sie ja gleich ordentlich Tempo verursachten.
Im unteren Teil entpuppte sich die Abfahrt im weicheren Altschnee aber als recht genussvoll.

Andrang auf den Wolfendorn

Hinausgequert auf den Verbindungssattel zwischen Wolfendorn und Flatschspitze erwischte man auch noch einen schönen Hang mit Pulverauflage. Da dieser Hang der Sonne abgewandt ist konnte in den wenig zerfahrenen Hang neue eigene Spuren eingeschnitzt werden.

schöner Abfahrtshang ins Hochkar

Unten im Hochkar, an der Kuppe zur Steilstufe probierte der Autor eine Abfahrtsvariante ganz links im Abstiegssinn, fast bei den Felsen der Rippe zur Flatschspitze (siehe Routenaufzeichnung).

Rückblick auf die Abfahrt vom Sattel

An sich wäre das ein schöner sehr steiler Hang zum Abfahren, jedoch an diesem Tag etwas hart und gestört durch ein kleines Lawinchen Tage zuvor. Man konnte den Hang vernünftig befahren, aber eine Empfehlung ist er nicht.

Kuppe vor der Steilstufe

Wahrscheinlich ist der Hang neben der mittig in der Steilstufe liegenden Rippe eine bessere Abfahrtsempfehlung (siehe Foto in der Bildergalerie).

umfahrene Felsstufe

Durch den Wald bis zum Alm bieten sich unzählige Möglichkeiten im Slalom um die Lärchen abzufahren.

dort wäre sehr wahrscheinlich die bessere Abfahrt gewesen

Das freie Gelände der Luegeralm wieder an der Aufstiegroute durchfahren und unterhalb in den Fichtenwald eingetaucht werden die Schwünge aufgrund des steileren Geländes zwangsläufig enger und enger. Etwa 200Hm geht es im dichten Wald bis zur Lichtung oberhalb des Gasthauses Wolf hinab, wo die Tour ihr Ende findet.

am unteren Ende der Luegeralm

Zum Abschluß lege man den Heimfahrtsstress ab und besuche den netten alten Wirt des Gasthauses Wolf – der gerne betont, daß er der Jägerei frönt – auf dessen Grundstück man schließlich parkiert. Er bietet ein paar kleine Speisen und seine Erscheinung, sowie die urige Stube mit seinen selbst erlegten Jagdtrophäen wie auch die wunderschönen Kohlestiftzeichnungen seiner Urgroßeltern muß man erlebt haben.

urige Gaststube Gasthaus Wolf

Der Zeitbedarf für den Wolfendorn betrug knapp 4 Stunden und hängt in gewissem Maße von den Schneeverhältnissen und der Versiertheit im Steigen am Steilhang ab – empfohlen  werden 5 Stunden ins Kalkül zu nehmen.

Aufzeichnung Schitour Wolfendorn

Der Gipfelaufenthalt mit moderatem Nordwind beschränkte sich auf ein paar Hände voll Studentenfutter, Apfel, Höhenmedizin und ein paar Fotos.  Bei der Rückkehr am Gasthaus Wolf zeigte die Uhr exakt 1.400Hm und die Aufzeichnung errechnete 5km reine Aufstiegsstrecke.

Mils, 09.03.2019

Schitour Hobarjoch, 2.512m – über Weidener Hütte und Nafingalm

Die rassigste Schitour im Nafingtal stellt wohl unbestritten der Aufstieg über die teilweise steile Nordostmulde auf das Hobarjoch dar. Durch die Steilheit des Hanges im unteren Teil, sowie der westlich begrenzenden Graterhebung bedarf es für diesen Anstieg entsprechend guter Schneeverhältnisse und geringer Lawinengefahr.

Britta am Gipfelplateau des Hobarjochs, 2.512m

Die Schitour besticht im Spätwinter auch wegen der prächtigen und durchgehenden Sonnenbestrahlung vom Tiefsten des Nafingtales bis zum Gipfel. Ein Umstand der je nach Jahreszeit und Temperaturverhältnissen gegebenenfalls auch einen rechtzeitigen Aufstieg erfordert. Der Aufstieg von Innerst bis zur Weidener Hütte möge mit gut 1 ½ Stunden kalkuliert werden.

Vom Parkplatz Innerst zum Hobarjoch geschaut

Als Alternative steht bei schlechteren Verhältnissen der Aufstieg über das Hubertuskreuz und den Vorgipfel des Hobarjochs zur Verfügung. Dieser Aufstieg bietet nur kurze Passagen mit Hangneigungen  über 30°, vor allem aber keine steileren Hänge oberhalb der Aufstiegsroute. Zum Abschluß dieser Variante kann man über eine kurze Gratkletterei auf den Gipfel des Hobarjochs, oder man läßt diesen letzten Teil aus, bleibt etwa 30Hm unterhalb des Gipfels und fährt über das Aufstiegsgelände und unten über den lichten Wald ab, wobei man dabei wieder zum Ausgangspunkt, dem Wegkreuz vor der Nafingalm, oder weiter hinab bis auf Höhe der Weidener Hütte fahren kann. Bei letzterer Abfahrtsvariante werden allerdings etwa 30 bis 50Hm Aufstieg zur Weidner Hütte fällig, je nachdem wo der Bach überquert wird. Diese Variante wird hier nicht beschrieben.

von der Weidener Hütte auf das Hubertuskreuz geblickt

Nach dem passieren der Weidener Hütte wird nach weiteren 120Hm das erste Wegkreuz vor der Nafingalm (rechts im Hangrücken zum Bach hinab und schmiedeeisern) erreicht. Knapp nach diesem zweigt der Anstieg zum Hobarjoch rechts ab und führt über ein paar Meter hinab zum Nafingbach, der – in unserem Fall an diesem herrlichen Märztag – unsichtbar unter der massiven Schneedecke liegt und überquert wird.

Nafingtal im Morgenlicht; nach der bewaldeten Stufe geht es rechts ab

Auf den ersten Minuten Aufstieg auf der Gegenseite des Baches sieht die Hangneigung plötzlich völlig anders aus, die Steilheit der unteren Stufe wird erst dort optisch so recht sichtbar.
Diese erste Stufe erfordert einige Spitzkehren, die Route meist direkt unterhalb der steilen Hänge vom Gratrücken herab verlaufend, immer den steilsten Stücken im Hang ausweichend – ein Anstieg, der richtig Freude bereitet.

Aufstiegsgelände; rechts im Bild der Alternativaufstieg mit Hubertuskreuz

Durch die Kaltfront und den nicht unbeachtlichen Neuschnee tags zuvor erlebten wir eine echte Winterlandschaft und wenn die Temperaturen nicht so mild gewesen wären, dann hätte man in der Umgebung geglaubt den Jänner zu sehen.

Abzweig Route Halslspitze/Hobarjoch

Nach kaum 100Hm, etwa auf 2.000m, zweigt rechts die Aufstiegsroute zum Hubertuskreuz ab, die eingangs kurz als Alternative beschrieben ist. Wir folgten der rassigeren Route hinauf zur schönen Mulde mit dem angenehm abgestuften Mittelteil.

Überquerung Nafingbach

Der Mittelteil der Tour beginnt auf rund 2.100m nach dem steilen unteren Teil etwa 20min nach der Bachüberquerung. Ein paar größere Felsbrocken vom Gratrücken herab stellten an unserem Tourentag die einzige Unterbrechung des Weiß in der heimeligen halbflachen Mulde dar. Oberhalb dieser Felsbrocken wartete die nächste kurze Steilstufe idyllischer Ausprägung – ein wahrer Traum dieser Anblick.

steiler unterer Teil des Aufstiegs zum Hobarjoch

Durch unseren westseitigen Aufstieg erreichten wir die obere Kuppe, die, recht abgeblasen, für eine kurze Strecke auf harschiger Schneedecke sorgte. Dies war die einzige Stelle im Mittelteil, die nicht von Neuschnee bedeckt und nach ein paar Minuten auch schon überwunden war.

Abzweigung zum Alternativaufstieg über das Hubertuskreuz

Das folgende, etwas flachere Teilstück führt in wenigen Minuten hin zum letzten Steilhang, der gleichzeitig den Gipfelhang bildet. Bis zur Gipfelkuppe kann der Hang vom Flachstück aus eingesehen werden und der Aufstieg mit seinen wenigen, oben im steilsten Abschnitt etwas verdichteten Spitzkehren liegt vor seinem Bezwinger. Ein toller Hang – leicht felsdurchzogen und leider zuvor dem Wind ausgesetzt, daher etwas harschig bei der Abfahrt aber dennoch phantastisch zu fahren.

prächtiges Gelände unterhalb des Gratkamms

Dem steilsten Stück folgt gleich die stetige Abflachung des kofelartigen runden Gipfels. Zuvor noch kann der kleine Felssporn am Gratrücken eingesehen werden, den man überklettern muß, um auf den Gipfel des Hobarjochs zu gelangen wenn der Alternativaufstieg über das Hubertuskreuz genommen wurde. Keine besondere Herausforderung an Kletterkünste, jedoch mit Tourenschuhen und nicht einsichtigem Untergrund eine Sache, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

malerische Szenen am Aufstieg zum Hobarjoch

Am Gipfelplateau angekommen fällt ein Vermessungszeichen anstelle eines Gipfelkreuzes auf – es handelt sich um die Bezirksgrenze zwischen Innsbruck-Land und Schwaz.

flacheres Teilstück nach dem unteren Steilhang

Das Gipfelkreuz befindet sich auf einem Nebengipfel, der durch ein seichtes Sattelchen separiert ist und im Wettstreit über die größere Höhe fällt es optisch schwer den Nebengipfel als den höheren anzuerkennen. Möglicherweise liegt die Verlagerung des Gipfelkreuzes am Hobarjoch auf den Zwillingsgipfel in der gewünschten allseitigen Sichtbarkeit des Vermessungszeichens.

phantastisches Gelände in der Aufstiegsmulde zum Hobarjoch

Die in den meisten Internetberichten zu findende Bezeichnung „Almkogel“ ist falsch, jener Gipfel befindet sich 1.170m weiter westlich in Richtung Hippold und er ist um knapp 100m niedriger als das Hobarjoch.

bereits im oberen Teil unterhalb des steilen Abschnittes

Der Gipfel mit dem Kreuz ist ein Zwillingsgipfel vom Hobarjoch, der Almkogel ist vom Gipfel mit dem Vermessungszeichen aus nicht sichtbar, weil er sich in der Flucht des Zwillingsgipfels befindet. Mit Ausnahme von Tiris greifen die meisten Webseiten auf ein falsch bezeichnetes Kartenwerk zu.

steiler Teil am Gipfelhang

Richtung Nordwesten fällt ein traumhaft anzusehendes Kar zur Krovenzalm ab und hinter der Krovenzalm ragt eindrucksvoll der Hirzer auf.

Vermessungsmarke am Hobarjoch

Richtung Südwesten thront der allgegenwärtige Gipfel der Zillertaler, der Olperer und selbst in 17km Entfernung macht der massive formschöne Gipfel einiges her.

Blick zum Olperer

Im Osten bestechen die weiß gekleideten Hänge im Nafingtal, wobei ebenfalls die Gratkette des Nurpenstales weiter im Osten deutlich sichtbar ist, mit dem Gilfert im Nordosten beginnend und mit dem markanten Rastkogel im Osten endend.

Panorama Nafingtal und dahinter Nurpenstal

Nach Rast und dem Genuß der Szenerie freuten wir uns auf die tollen Abfahrtshänge. Am Steilhang unter dem Gipfelaufbau mußte vorausschauend das etwas seichte Schrofengelände durchfahren werden in dem man gut tut lieber einmal mehr hinzuschauen ob einzelne Spitzen sichtbar sind. Sobald die Neigung nachläßt empfanden wir die Bedrohung für den Schibelag überwunden und konnten unbeschwert die Mulde darunter bis zur nächsten Stufe abfahren.

Rast am Hobarjoch

Im weiteren Verlauf bestand keinerlei Gefahr von Steinkontakt, der Neuschnee bescherte uns eine wahrlich hochwinterliche Pulverabfahrt bis zum Nafingbach hinunter. Mehrmals hielten wir inne um das Erlebnis auszukosten.

Die Abfahrt über den unteren Teil bedarf, nachträglich betrachtet, wirklich guter Verhältnisse. Man mag Schlupflöcher mit Neigungen um oder unter 35° finden, der Hang insgesamt betrachtet muß aber darüber eingestuft werden und ist bei Warnstufe III nicht mehr sicher genug.

die Abfahrt – ein Traum

Bei unseren Verhältnissen jedoch bleibt diese Abfahrt in guter Erinnerung – ein Traumhang der im Nafingtal sicher die Krönung an Aufstiegs- und Abfahrtserlebnis darstellt. In der Bildergalerie befindet sich die Aufzeichnung unseres Aufstiegs und der Abfahrt ab dem Wegkreuz und zurück.

bereits wieder fast unten am Nafingbach

Beim Bergsteigermenü – Knödelsuppe und Bier – in der Weidener Hütte genossen wir noch die Mittagszeit bevor der 5.5km lange Weg mit ein paar kurzen Stücken leicht anschiebend talauswärts in Angriff genommen wurde.

unberührtes Talende im Nafingtal

Für die Tour werden gut 6 Stunden benötigt, incl. kurzer Trinkpausen, etwa 35min am Gipfel und ebenso lange auf der Weidener Hütte. Dabei werden knapp 1.360Hm und etwa 8km Aufstieg zurückgelegt.

Mils, 02.03.2019

Nafingköpfl, 2.454m – über Weidener Hütte und Nafingalm

Die Alternative zum Aufstieg auf das Nafingköpfl über die Fiderissalm besteht im Aufstieg bis zur Nafingalm und über einen Teil des Anstieges zur Halslspitze.  Somit wird eine kleine Runde beschrieben.

vom Nafingköpfl nach Norden geblickt – der Kamm zwischen Nafing- und Nurpenstal

Von Innerst müssen zunächst 5,5km und 550Hm zur Weidener Hütte zurückgelegt werden. Bei der heutigen Begehung mußte gespurt werden. Am Anfang der Strecke durch einen Hauch von Neuschnee, am Ende durch knapp 10cm davon. Das Maximum an Neuschnee auf der Tour, im Bereich und oberhalb der Nafingalm, kann mit 15cm beziffert werden.

Nafingtal vor der vermeintlichen Wetterbesserung

Aufgrund der Wetterfront, wie so häufig mit beharrlichem Auftreten an den drei letzten Tagen der Woche, konnte keine interessantere Tour in Angriff genommen werden. Der prognostizierte Sonnenschein, zumindest Wetterbesserung war bis weit nach 14 Uhr nicht in Sicht und so wurde das Nafingköpfl zur Verlegenheitstour in diffusem Licht.

Aufstieg zur Weidener Hütte – bei diesem Haus endete die Waldabfahrt

An sich sind alle Schitouren auf diesem Kamm bei gutem Wetter ja schier unvergesslich schöne, weshalb der Autor im langen Aufstieg zur Weidener Hütte beschloss keine beleidigte Miene aufzusetzen und das letze aller dortigen „Gipfelchen“ zwischen Nafingtal und Nurpenstal, der von ihm noch nicht bestiegen wurde, in freudiger Erwartung bei wenig Sicht und alleine zu begehen.

vor der Weidener Hütte

Von der großartigen Überschreitung von der Halslspitze zum Rastkogel war die Strecke bekannt und es mußte nur eine geeignete Stelle in geeigneter Höhe ausgesucht werden den Anstieg zur Halslspitze zu verlassen und gegen derer Richtung in die entgegengesetzte Anstiegsrichtung nach Nordosten zu wählen.

Hubertuskreuz von der Nafingalm aus – dahinter , kaum sichtbar, das Hobarjoch

Diese Stelle lag nach heutigem Ermessen bei schlechter Sicht über die Hänge schräg hinüber zum Nafingköpfl etwa auf 2.250m, also recht genau 200Hm unterhalb des Gipfels.
Bis dorthin konnte in der Spur der Vorgänger aufgestiegen werden und die offenbar wenig versierten Vorsteiger nutzten Harscheisen auf harter Unterlage unterhalb von etwa 15cm Neuschnee.

Blick talauswärts

Die Querung mit Anstieg der 200Hm findet in leichtem Gelände statt. Es gibt kaum Stellen die 30° Hangneigung signifikant überschreiten und steilere Passagen sind recht kurz.
Auch dem Autor passierten kleine Abrutscher beim Spuren, jedoch konnte diesen mit einem beherzten festen Schritt begegnet werden, der die nötigen Millimeter Gripp in der harten Unterlage schaffte.

Nafingköpfl in Sicht

Zunächst werden beim leichten kurzen Anstieg einige kleine Geröllrinnen überwunden, die die direkte Linie etwas unterbrachen und später tauchten ein paar Felsköpfln im Gelände ober und unter dem Anstieg auf, die wenigstens für etwas bessere Sicht sorgten. Alles zusammen eine Angelegenheit von etwa 20 Minuten.

Abzweigepunkt zum Nafingköpfl

Durch eine leichte Rinne steigt man zur Scharte am Gratrücken auf und von dieser auf den wenig ausgeprägten und langgezogenen Gipfel des Nafingköpfls.
Die letzten Meter beschloss der Autor nicht westlich unterhalb zu umgehen, sondern die Schi abzuschnallen und etwa 15Hm durch Felsschrofen zum Gipfelplateau aufzusteigen.
Die bereits unten in der Querung lästigen Windböen aus Nordwest bildeten sich in Gipfelnähe zum Dauerwind aus, weshalb eine zweite Windstopperjacke nicht fehl am Platz war.

kurz vor der Scharte und dem etwas felsigen Aufstieg zum Gipfelplateau

Am gestreckten Gipfelbereich muß die höchste Erhebung richtiggehend gefunden werden, da das Nafingköpfl kein Gipfelkreuz ziert. Ein granitischer Vermessungspunkt deutet auf den Gipfel hin und dieser wurde am Nordteil des Plateaus errichtet. Das Nafingköpfl dürfte lediglich als Schitourenziel eine kleine Bedeutung haben und dann als Alternative zur Halslspitze, wenn diese gestürmt wird.

vom Gipfelplateau in Richtung des Aufstieges geblickt

Der Bezwinger des Nafingköpfls ist dem Wind völlig ausgesetzt und somit beschränkt sich der Aufenthalt auf ein paar Fotos und dem Ausrüstungswechsel auf Abfahrtsmodus. Sogar auf die Höhenmedizin wurde im Wind verzichtet.

Gipfelrast mit Genuss der Aussicht – im Hintergrund der Rastkogel links, die Halslspitze rechts

Die Abfahrt ins unstrukturierte, kaum einzuschätzende Weiß über den Gipfelhang hinunter war – wie immer bei diesen Verhältnissen – recht abenteuerlich. Abwechselnd beschleunigten die Schi auf abgewehtem Bruchharsch um dahinter in der leichten Mulde vom Triebschnee wieder rasant gebremst zu werden. Diese Abfolge wiederholte sich ein halbes Dutzend Male, bevor das Gelände gegen den Hohen Kopf hin flacher wurde und im Pulver angenehm, aber kaum ohne Anschieben zu den ersten Aufsteigern von der Weidener Hütte zum Hohen Kopf hin zu gelangen.

Abfahrt Richtung Hoher Kopf

Es wäre auch möglich steil in direkter Richtung nach Westen abzufahren und so in der Nähe der Weidener Hütte auf den Almweg zu gelangen. Die Route mehr nordwestlich abzufahren erschien aber interessanter, auch um eine längere Abfahrt durch den Wald erleben zu können.

die ersten Aufsteiger auf den Hohen Kopf

Die Waldabfahrt ermöglichte erstmals klare Kontraste bei der durchgehend diffusen Sicht. Dieser Teil der Strecke erzeugte Genuss, zumal auch genügend Neuschnee ein hochwinterliches Abfahrtsgefühl bescherte.

Abfahrt zur Waldgrenze

Auf den Almweg kommt man je nach Abfahrtsroute durch den Wald und man kann sie ohne Geländekenntnis nicht wirklich bestimmen, auch wenn man bemüht ist die schönsten Freiflächen zu nutzen.
So wird der Ankunftspunkt unten am Weg wenig planbar und zu einer Überraschung. Heute war dieser weit nördlich der Weidener Hütte bei dem markanten Haus mit dem hoch thronenden Erker, das im Aufstieg so eindrucksvoll wirkt wie es den Almenweg säumt.

Beginn der Waldabfahrt mit Rückblick auf das offene Gelände darüber

Der Rest der Abfahrt besteht aus etwa 25min Talausfahrt am Aufstiegsweg mit Gegenanstieg und ein paar untergeordneten Schiebestreckenabschnitten.

Nafingköpfl über Nafingalm

Für die Tour werden etwa 4 ½ Stunden benötigt, incl. kurzen Trinkpausen und etwa 10min am Gipfel. Dabei werden knapp 1.200Hm und etwa 8km Strecke zurückgelegt.

Mils, 02.03.2019

Schitour Wildofen, 2.553m

Kaum eine Schitour im Weertal erfreut sich einer derart abgeschiedenen Lage wie der Gipfel des Wildofens. Sein Ausgangspunkt liegt nahe jenem, von dem aus die Mehrzahl aller Touren von Innerst begangen werden und doch wird er recht wenig besucht.

Wildofen, 2.553m

Der kleine Parkplatz „beim Kraftwerk“ auf 1.120m präsentierte sich bei unserer Ankunft (die erste am Morgen) ärgerlicherweise wenig platzsparend belegt. Die einzig noch freie Parkmöglichkeit mußte mit viel Geschick und noch mehr Schräglage präzise angefahren werden. Das diesmal unvermeidbare zweite Fahrzeug wurde nach der Tour mit Hilfe von einem halben Dutzend Mander aus der versackten Lage befreit. Parkchallenge beim Kraftwerk in Innerst zum Auftakt.

Aufstieg über die Wiesenflächen nach der Brücke über den Weerbach

Hierzu sei erwähnt, daß es – vom Gegenhang im Aufstieg zum Wildofen betrachtet – möglich gewesen wäre am großen Parkplatz Innerst zu parken und einfach per Schi abzufahren. Mit einem zweiten Fahrzeug wäre nach der Tour auch kein Aufstieg auf der Straße nötig gewesen. Mit Hirn gelänge also auch der diesmal verpatzte Start, der Selbstzweifel beim Verfasser hinterlassen hat.

am rechten Bildrand beginnt der Aufstieg durch den Wald; rechte Bildhälfte Abfahrtshang zur Umgehung

Nach dem Überschreiten der Brücke über den Weerbach werden die sich linkerhand, nach einem Wirtschaftsgebäude, auftuenden freien Wiesenflächen aufgestiegen. Nach klarer Nacht befand sich der Aufstieg recht hart gefroren und teilweise mußten wir die steil angelegte Spur verlassen, um den nötigen Gripp zu bekommen.

die Wiesenflächen der Sagbergaste

Am oberen Ende der Freiflächen, nach ein paar Almengebäuden, tauchte die Spur kurz in den Wald ein, um die Straße abzukürzen. Dieser Teil über ca. 20Hm führt über viel Geschuppe des dichten Baumbestandes, ist aber erträglich.

ein toller Tag und ein schöner Aufstieg

Oberhalb beginnt eine neue schöne Freifläche, die gleichzeitig für uns den Sonnenaufgang darstellte. An malerischen Almen der Sagbergaste vorbei führt diese nächste kurze Etappe. Am oberen Ende erzwingt das Gelände dann den Almenweg zur Thagetlahnalm (über die Schreibweise dieser Alm sind sich kommerzielles Kartenwerk und Wegweiser des Tourismusverbandes wie so oft in der Heimat wieder einmal nicht einig, in diesem Bericht wird die Schreibweise der Wegweiser verwendet).

nach den letzten Gebäuden weiter auf dem Almweg

Über 2km und mäßiger Steigung, die auch etwa 150m Schiebestrecke retour enthält, folgt man nun dem Almenweg geradeaus wobei ein Abzweig und eine Kehre missachtet werden. An einer Kehre mit großem baumfreien Almgelände beginnt die schön gelegene Thagetlahnalm.

unterhalb der Thagetlahnalm mit dem Ziel, dem Wildofen im Hintergrund

Zu dieser wird in Schleifen etwa 150Hm direkt aufgestiegen wobei links und rechts jede Menge Blickfänge für die Linse auftauchen.

ohne Worte

Die Szene zum Innehalten ist der zentrale Teil der Thagetlahnalm mit dem quer stehenden Stanser Joch im Hintergrund, ein wahrlich Zeugnis von Almidylle.

Thagetlahnalm und wunderschöner Blick talauswärts

Gegenüber im Nafingtal auf gleicher Höhe (1.750m) die Fiderissalm – Meilenstein auf der Schitour zu Roßlaufspitze und Hoher Kopf.

gegenüber Fiderissalm

Vor einem schön gealterten Almgebäude aus den 20er Jahren wacht der Sepp, bis zum Kragen eingeschneit. Beides zusammen ein echter Blickfang und Zeugnis kreativen, entbehrungsreichen bäuerlichen Lebens in den Bergen.

rechts um das Almgebäude herum beginnt der Aufstieg durch den Zirbenwald

Von der Thagetlahnalm bis zum Gratkamm gibt es zwei Möglichkeiten, die sich oben an selber Stelle wieder vereinigen. Eine Möglichkeit, nach der spontanen Einteilung des Autors die „klassische“ Route durch den lichten Zirbenwald und links davon eine Möglichkeit, die in völlig freiem Gelände hochzieht. Beide Varianten unterliegen des Vormittags extremer Sonnenbestrahlung. Wir wählten die klassische Variante.

im grandiosen Zirbenwald – ein sehr schöner Aufstieg

Hinter der Alm führt die klassische Variante in leichten Schleifen zum Ansatz des Waldes empor. Im Wald wird der Anstieg steiler und ein paar Spitzkehren werden notwendig.
Die Schneeoberfläche der Aufstiegsspur war gegen halb elf Uhr vormittags teilweise noch gefroren – dort wo Bäume erst kurz vorher die Einstrahlung abgeschattet hatten – und nötigten uns zu mancher akrobatischen Einlage. Alles in allem empfanden wir diesen Anstieg aber als wunderschön.

Nafingtal und Hobarjoch rechts

Weiter oben – wie könnte es anders sein bei den frühlingshaften Temperaturen dieser Tage – durften wir uns dann auch hartnäckiger Aufstollungen erfreuen.

der Baumgrenze nahe

Hierzu wurde halt gemacht und, neben Harscheisen, von einem der größten Schätze bei Frühjahrstouren, dem Fellwachs Gebrauch gemacht. Diese Behandlung wirkte trotz sehr feuchter Felle bis zum Gipfel des Wildofens.

letzte Meter zum Gratrücken des Wildofens

Der Gratrücken, an vielen Stellen kein Rücken sondern ein aufgesteilter, nach Westen abbrechender Grat, wir etwa auf 2.100m erreicht und die beiden Aufstiegsvarianten vereinigen sich wieder. Von dort sind es noch gut 450m zum Gipfel, wobei ein Großteil des Aufstieges knapp östlich der Gratnähe verläuft, ein kleiner Teil nur direkt am Gratrücken.

Wildofen in voller Pracht

Direkt beim Erreichen des Gratrückens öffnet sich ein schöner Blick auf den Anstieg zum Poferer Jöchl westseitig gegenüber und vom Kolsassberg begangen. Diese Tour ist jener zum Wildofen um unteren Teil topographisch recht ähnlich und ebenfalls wenig besucht. Ein Tipp für den Freund der ruhigen Tuxer.

am Grat angelangt – Blick auf den Aufstieg zum Poferer Jöchl

Am Grat kam Wind bei unserer Begehung mit Böen auf und die leichte Kleidung des Anstieges mußte verstärkt werden; trotz allem ist Ende Februar noch mitten Winter.

Gratverlauf zum Wildofen

Die Aufstiegsspur auf etwa 2.200m befand sich in hartgepresstem Zustand, teilweise eingeweht und von Windgangln durchzogen, der in den letzten Tagen besonders tätig gewesen sein muß.
Kurze Gegenpassagen auf die Graterhebungen schirmten die südöstlich einfallenden Windböen etwas ab, aber aufkommende Schäfchenwolken (Altocumulus) schwächten dafür die Sonneneinstrahlung ab. Insgesamt empfanden wir den Grataufstieg als kalt.

kurz vor dem Gipfelaufbau des Wildofens

Nach dem Sattel vor dem Gipfelaufbau zum Wildofen war die Aufstiegsspur an den arg vom Wind beeinflussten Stellen nicht mehr sichtbar. Dieser Teil war der windigste bevor der Aufstieg etwas nordwestlich der Kante in eher windgeschützter Passage bis zum Schidepot führt.

man sieht den kalten Wind, Evis fest eingepackt

Zwischen Felsschuppen manövriert der Aufstieg bis zu einer auffallenden nach rechts ansteigenden Rinne unter dem Gipfelkreuz hindurch. Die Passage ist gut begehbar und für die spätere Abfahrt merkt man sich die tückischen Felsspitzen, die kaum aus dem Schnee herausstehen und doch so schadenbringend sein können.

etwa 120Hm noch im Felsgelände

Wegen dem abgeblasenen und großteils aperen Geländes der restlichen 15Hm zum Gipfel entschlossen wir das sichtlich geschützte Schidepot aufzusuchen und zu Fuß zum Gipfelkreuz aufzusteigen.

die auffällige nach rechts ansteigende Rinne bildet den Aufstieg

Ein schönes altes Holzkreuz mit sanierungsbedürftiger Gipfelbuchschachtel und zerfallenem Gipfelbuch ziert den imposanten Wildofen-Gipfel. Dem schmalen Grat gefolgt und ein paar Meter abgeklettert muß der Tourenfreund vor uns sein, denn seine Spuren im Sattel unterhalb der Abkletterstelle waren noch frisch.

die letzten Meter vor dem Gipfel

Der Gipfelaufenthalt am Wildofen dauerte nicht länger als für einen Rundblick mit Ablichtungen nötig war. Um den Windböen zu entfliehen, verbrachten  wir die Gipfelrast im Schidepot mit grandiosem Blick auf die Nordkette.

Alternativabfahrt

Das geschulte Auge erkennt vom Wildofen aus allerdings noch mehr Gipfel der anderen Karwendelketten, beispielsweise – sehr beeindruckend – die Breitgrießkarspitze und die Große Seekarspitze zwischen dem Lafatscher Joch und der Speckkarspitze, oder die Ödkarspitzen genau über dem Grat zwischen der Speckkarspitze und dem Kleinen Bettelwurf.

Evis am Wildofen

Ein weiterer grandioser Blick sind die Dreizinken- und die Grubenkarspitze im tiefen Roßloch leicht seitlich des Hundskopfes oder die Linie Huderbankspitze, Kaiserkopf bis Hochglück ober der Walderalm. Dieser schöne Reigen beginnt mit der Zugspitze und kann bis zum Stanser Joch fortgesetzt werden.

Blick zum Rastkogel

Im Südosten fällt der massive Bau des Rastkogels auf, eine sehr schöne Tour ebenfalls von Innerst und als Überschreitung vom Nafingtal mit Ausfahrt im Nurpenstal eine unvergessliche Runde.

Hirzer mit Hirzerkar im Südwesten

Für die perfekte Präsentation der Abfahrtsfotos in Pulverschnee gleich unterhalb der Grathöhe und bis hinab zur Thagetlahnalm fehlte leider die Sonne – eine hartnäckige dichte Wolkenbank hatte sich mittlerweile über Inntal und Tuxer gelegt und tauchte die Hänge in diffuses Licht. Also mußten wir ein kleines Video drehen, an dem die tolle Abfahrt sichtbar wird.

Am Ende der tollen Abfahrt über das Almgelände gelangt man wieder auf den Almweg und fährt diesen mit einer kurzen Schiebestrecke (etwa 150m lang mit geringem Höhenunterschied) bis zu den Almwiesen der Sagbergaste.

Abfahrtstraum

Weiter abwärts geht es entlang des Aufstiegs wobei wir das kurze Waldstück ausließen und über den Weg, bzw. einen steilen Hang mit weiteren Almgebäuden abfuhren, um zur letzten Freifläche hinab zum Kraftwerk zu kommen. Diese wurde dann wieder entlang des Aufstieges abgefahren.

letzter Rückblick auf Gipfel und Abfahrt

Die Aufstiegsstrecke beträgt gut 7km und der Gesamtaufstieg 1.450m. Wir haben für die gesamte Tour 4:30 Stunden benötigt; hierbei sind ca. 40min Gipfelaufenthalt und Pausen enthalten.

Mils, 24.02.2019

Schitour Großer Solstein, 2.541m

Der lange und breite Rücken des Großen Solsteins entzückt den Schitourenfreund vom Inntal aus, beispielsweise auf dem Weg über die Autobahn nach Innsbruck. Nahezu 1.000Hm beträgt die Abfahrt vom Gipfel bis zum Bachgraben, von dem ein kurzes Stück wieder zur Solnalm aufgestiegen werden muß.

Großer Solstein, 2.541m

Unternimmt man diese Schitour der Extraklasse nicht mitten im Frühjahr sondern im ausklingenden Hochwinter, dann kann man im gemuldeten Graben, der genau westlich des Gipfels hinunterzieht, auf der Abfahrt Pulverschneebedingungen vorfinden, die ein erstklassiges Abfahrtserlebnis bieten.

am Parkplatz oberhalb des Krankenhauses

Gleichzeitig kann man – zumindest bei unserer Begehung – auf dem gerade einmal 50m nördlich vom Pulverhang gelegenen Rücken bereits eine leichte Firnbildung feststellen, diese allerdings auf noch nicht tragfähigem Schmelzharschdeckel – etwas mühsamer zu befahren, eine Freude für Spezialisten wie Hilli.

der erste Blick auf das Ziel

Die Schitour auf den Großen Solstein wird im Allgemeinen als Frühjahrsschitour gehandelt. Wir konnten im Februar vom Parkplatz oberhalb des Krankenhausgeländes Mitte Februar mittels Schi die gesamte Strecke bewältigen. Nach etwa 300m aperer Straße am Puelachboden startete unsere „Winter-Tour“ – zugegeben bei fast Frühjahrsbedingungen –  auf Schi.

Aufstieg am Weg im Wald zur Solnalm

Der erste Kilometer des Weges um den Bergrücken zum Solsteinhaus herum mutet leicht bergab verlaufend an; bei der Rückfahrt stellt man jedoch fest, daß dem nicht so ist und daß er mit leichtem Anschieben gut fahrbar ist.

mehrere Stellen mit Winterschäden müssen passiert werden

Hinter einer Kurve, in der Nähe des einmündenden Weges vom Bahnhof Zirl, wird das Ziel, der Große Solstein, erstmals sichtbar. Von dort erblickt – sowohl Abstand als auch Höhenunterschied des rundlich ausgebildeten Gipfels relativ respekteinflößend.

die letzte Straßensperre passiert

Nach der Einmündung des Weges vom Bahnhof Zirl wird der Anstieg auf der Forststraße steiler. Der Winter hatte bei unserer Begehung Spuren durch mehrere der Schneelast zum Opfer gefallenen Bäumen, die quer über dem Weg lagen, hinterlassen. Zum Teil waren die Äste schon soweit abgesägt, daß man darunter hindurch konnte, eine Gruppe muß hangseitig umgangen werden.

Am Ende des Aufstieges am Weg nach ein dreiviertel Stunden

Der Bach nach der Talstation der Materialseilbahn präsentierte sich tief verschneit und nicht sichtbar unter Massen von Schnee. Oberhalb dieser freien Stelle führt die Tour, dem Normalweg folgend – steil hinauf in den lichten Wald unterhalb der Solnalm, die bald erreicht wird.

vor dem Solnwald

Der Bach nach der Talstation der Materialseilbahn präsentierte sich tief verschneit und nicht sichtbar unter Massen von Schnee. Oberhalb dieser freien Stelle führt die Tour, dem Normalweg folgend – steil hinauf in den lichten Wald unterhalb der Solnalm, die bald erreicht wird.

perfekte Bedingungen und ab dort großteils in der Sonne

Über den flacher werdenden Rücken, vorbei an einer Jagdhütte, wird nach wenigen Minuten die Solnalm erreicht. Anhand des eingeschneiten Almgebäudes (etwa 1.650m) mit dem fast 70 Jahre alten Hüttenzubau des Skiclub Zirl kann die hervorragende Schneelage des heurigen Winters eingeschätzt werden. Hier besteht auch ein wunderbar freier Blick auf das Solsteinhaus, das hoch über dem Almgelände am Sattel zum Kristental thront und auf den grandiosen langen Rücken des Großen Solsteins, der nach Westen herunterzieht.

Aufstieg im Solnwald

Hinter der Alm taucht die Normalroute des Sommers in den Wald ein und dieser wird zunächst gefolgt. Gleich nach dem Beginn des Waldes zieht vom Bachgraben eine Aufstiegsspur herauf. Dies ist der spätere Aufstieg nachdem – am jenseitigen Hang – die lange Abfahrt vom Großen Solstein absolviert wurde.

Solnalm, Erlspitze und rechts das Solsteinhaus

Dem steilen Hang im Wald weiter gefolgt geht es ohne Höhengewinn bis um eine Kurve herum, die den Einschnitt eines Bachgabens einleitet.

honorige Tourengruppe

Nachdem der tiefe Graben durchquert wurde und die gegenseitige Kurve erreicht ist, erkennt man gleich die Notwendigkeit der Abfahrt in den breiten Bachgraben, um den jenseitigen Aufstieg anzugehen.

Blick auf Aufstiegsroute (linke Hangperipherie)

Das weitere Verfolgen der Sommerroute taleinwärts würde in zu steilen Anstiegen auf der Gegenseite enden (siehe mehr Fotos hierzu in der Bildergalerie).

der tiefe Einschnitt des Bachgrabens

Alternativ muß der tiefe Einschnitt nicht ausgegangen werden, allerdings muß dann auf Fellen steiler in den Bachgraben abgefahren werden, siehe hierzu Bildergalerie.

hier beginnt die kurze Abfahrt

Der Aufstieg durch den rasch lichter werdenden Wald ist recht steil und bedingt mehrere, auch kurze aufeinanderfolgende Spitzkehren, bevor diese weiter oben gegen die Baumgrenze zu länger angelegt werden können.

Gegenaufstieg zum Solsteinhaus

Oberhalb der Baumgrenze quert die Route den steilen Hang bis zum flachen Plateau nördlich, etwa 20Hm oberhalb des Solsteinhauses und zieht hinter diesem in Richtung Erlsattel weiter.

Schnee noch kompakt und angenehm aufzusteigen

Mit phantastischem Blick auf die Gipfel der beiden beginnenden nördlich gelegenen Karwendelketten vom Sattel der Erlalm aus, kann der weitere Aufstieg auf den Großen Solstein eingesehen werden. Über die unbesonnte Nordflanke des Berges führt der Aufstieg in tadellosem Pulverschnee über den steilen Latschenhang zuerst lange westlich haltend zur schwach ausgebildeten Nordwestkante hinauf.

wir gehen es an – anstrengende restliche 700Hm liegen vor uns

Oben folgt der Aufstieg dann lange der Nordwestkante, wobei jene Spitzkehrensequenzen, die in die Nordflanke gerichtet sind teilweise durch kurze hartgepresste Abschnitte führen, an denen Harscheisen fast wünschenswert gewesen wären. Jene Spitzkehrensequenzen die in die Südrichtung führen befanden sich im Gegensatz dazu auf hartgefrorenem Schmelzharsch, bzw. sogar hartgefrorenem Firn, der nach und nach während unseres Aufstieges aufweichte.

Solsteinhaus bei der Winterruhe

Dieser Teil der Tour birgt beeindruckende Ausblicke auf die nördlichen Karwendelgipfel sowie die südwestlichen Stubaier und zieht sich über lange 500m an der Nordwestkante bis auf 2.350m hinauf.

anhaltend steiler Aufstieg

Als Highlight kann er fast über seine gesamte Länge eingesehen werden und je höher man angestiegen ist, desto imposanter erscheint seine Ausprägung – anderswo werden solch freie, fast ebenflächige Hänge „Leintuch“ genannt.

Christoph vor herrlicher Kulisse des Rigelkars

Auf etwa 2.350m, bei Erreichen der felsigeren Gipfelregion des Großen Solsteins, wendet sich die Route gen Süden und quert sozusagen den dort trichterförmig beginnenden langen Graben am obersten Ansatzpunkt in die Südflanke des Berges hinein.

Rückblick über den Aufstieg: etwa hier wird der Hang unterhalb felsigeren Geländes gequert

In dieser wird das Gipfelkreuz sichtbar und der Restaufstieg über die restlichen gut 100Hm erfolgt in wenigen weiteren Spitzkehren.

unterhalb des Gipfelbereiches

Flacher werdend leitet der abgerundete Gipfelbereich ein paar Hundert Meter bis zum Gipfelkreuz hinüber.

das Gipfelkreuz in Sicht

Vom schönen Stahlgipfelkreuz aus fällt gleich der „kleine“ Bruder, der um 96m höhere Kleine Solstein mit seiner gewaltigen Südflanke auf. Die Kollegen rätselten herum, ob der Winteraufstieg mit Schi wohl machbar wäre und sie kamen zum Schluß, daß es so sein muß.

Blick nach Osten zum Kleinen Solstein

In der Tat ist der Aufstieg an der Westkante des Kleinen Solstein im Internet nicht beschrieben und für das nächste Mal könnte dieser ein neues Highlight auf der Tour darstellen.

Blick ins Gleirschtal

Wenig andere Tourengeher wurden von uns angetroffen, am Gipfel waren wir mit einem anderen Kollegen allein. Auf der Abfahrt begegneten uns noch einige weitere, manche um die Mittagszeit erstaunlich weit unten bei der Solnalm.

Zugspitze und Außerfern

Auch der Große Solstein hält wunderbare Ausblicke bereit. Besonders eindrucksvoll sind die westlichen Gipfel der Gleirsch-Halltal-Kette und deren nördlich parallel verlaufende Brüder der Nördlichen Karwendelkette.

die Gruppe am Gipfel versammelt

Die Gipfel der 15km entfernten „Karwendelreibn“ unter dem Fernglas betrachtet tragen Schnee wie nie, lediglich der Westrücken der Westlichen Ödkarspitze, die Abfahrt zum Marxenkar, erschien ein wenig viel abgeblasen. Dieser Klassiker muß heuer unbedingt durchgeführt werden.

Blick auf das Rigelkar und im Hintergrund Seekar-, Ödkar- und Birkkarspitze

Sehr beeindruckend auch die Ansicht längs dem Inntal nach Westen und nach Nordwesten, in die Gipfel im Außerfern. Südlich gegenüber des Großen Solsteins ein Blick auf die bizarren Kalkkögel mit den Stubaiern im Hintergrund.

den Südhang vorsichtig angefangen – tadellos abzufahren aber noch etwas hart

Für jenen, der im Halltal zuhause ist und die Nordkette gut kennt tut sich eine schlängelnde Linie von Gipfeln nach Osten, die über den Verbindungsausläufer der Gleirsch-Halltal-Kette mit der Nordkette, am Roßkopf, bis zu den Bettelwürfen hin verfolgbar ist. Unsichtbar dabei bleiben die Gipfel der schönen Gratüberschreitung von den Brandjochspitzen bis zur Hohen Warte, verdeckt durch den gewaltigen Kleine Solstein mit seiner immensen Nordwand.

die Truppe beim Abfahren im Pulver gefilmt

Selbst im Februar besitzt die Sonneneinstrahlung schon genügend Energie die Schneeoberfläche auf 2.500m dermaßen zu erwärmen, daß dies bei der Abfahrt spürbar wird. In Vermutung dessen hielten wir den Gipfelaufenthalt mit einer guten halben Stunde recht kurz, bevor wir nach der Querung nach Westen den ersten Hang südwärts abfuhren. Die Abfahrt im wenig verspurten Gelände war tadellos, die Verhältnisse im bereits lange umgewandelten Schnee an der Südflanke jedoch deutlich schlechter als am folgenden westseitigen langen Hang zum Bachbett des Ehnbaches hinunter.

einzigartiger Blick auf den steilen Hang – zwei weitere Aufsteiger

Diese Abfahrt bleibt uns lange in Erinnerung, da hier großteils perfekter Pulverschnee genossen werden konnte, vorausgesetzt man fuhr eher links (südseitig) im weniger sonnenbeschienenen Teil des breiten Grabens.

ab hier beste Pulverschneebedingungen

Am der nördlichen Begrenzung des Grabens – keine 50m weiter rechts – herrschten verblüffend andere Schneebedingungen und zwar frühjahrshaft aufgefirnt mit brüchigem Harschdecke darunter. Aber auch diese Schneeart kann erfreuen, wie man an der schönen Spur von Hilli erkennen konnte.

Stoffel macht gute Figur

Die Länge des gewaltigen und auch steilen Hanges bleibt in Erinnerung. Er verjüngt sich unten zu einer ausgeprägten Rinne mit steilen Flanken als Begrenzung und einem wesentlich flacheren Auslauf als sie selbst.

Hilli geht es im Geschmier an!

Unterhalb dieser „Zwinge“ verbreitert sich der Hang wieder (etwa knapp unterhalb von 1.800m) und dort herrschte dann schon wirklich die frühjahrshafte Schneeart, der man noch einmal für einen kurzen Teil der Abfahrt zu entkommen vermag.

an der Zwinge unten

Die Abfahrt über den restlichen Hang zum Bachbett kann durch Querung in nördliche Richtung, auf ein lichtes Waldstück zu haltend, mit besserer Schneequalität als am offenen Hang, fortgesetzt werden.

Querung nach Norden

Das Ende in dieser Richtung wird durch einen Graben vom Solsteinhaus herunter gebildet, er in einem Graben endet. Dieser Graben führt hinaus zum Bachbett des Ehnbachs und zum kurzen Gegenaufstieg über etwa 60Hm Richtung Solnalm.

im Graben, kurz vor dem Ehnbach

Im engen Graben dachte wahrscheinlich ein jeder von uns vertieft über den Fall eines Lawinenabganges nach. Man hätte nicht die geringste Chance einer Flucht in diesem Einschnitt.

im Graben des Ehnbaches an der Gegenaufstiegsstelle

Der Aufstieg auf der Gegenseite ist kurz und strengt nach dem bereits erlebten merklich an. Die Aufstiegsspur kann über ein kurzes flaches Waldstück hinausgequert werden oder, zugunsten einer netteren Abfahrt, gekreuzt werden, um etwa 20Hm weiter oben in den Hang oberhalb der Solnalm zu gelangen.

im unteren Teil der Gegenaufstieg recht steil

Von dort fährt es sich fein an der Alm vorbei über die steiler werdenden Lichtungen in den Wald vor dem Ende des Fahrweges. Die sonnenbeschienenen Lichtungen ergaben am frühen Nachmittag schwierige Aufgaben an die Schifahrkünste auf, so schwer wurde der Schi im weichen Schnee gedreht.

und für heute endgültig abgefellt

Vom Bachbett talauswärts konnte unter gelegentlichem Einsatz der Stöcke sehr bequem gefahren werden.

über den Solnwald hinab

Allerdings werden an den steilen Passagen am schmalen Hohlweg die Oberschenkel noch einmal so richtig warm.

anstrengende Talausfahrt am winterlichen Hohlweg

Die Aufstiegsstrecke beträgt gut 10km und der Gesamtaufstieg 1.685m incl. Gegenanstieg bei der Abfahrt. Wir haben für die gesamte Tour 6:30 Stunden benötigt; hierbei sind ca. 50min Gipfelaufenthalt und Pausen enthalten.

Mils, 16.02.2019