Archiv der Kategorie: Touren 2019

Touren 2019 überall

Schitour Silleskogel, 2.418m mit Gipfel

Im Ortsteil Padaun, oberhalb des Talkessels des Valsertales bietet sich eine nette kleine Schitour mit Gipfelsteilflanke auf den Silleskogel an. Die Tour ist zum Großteil hier schon beschrieben worden – wir mußten damals jedoch aus Wettergründen vor dem Gipfel abbrechen und haben deshalb die Tour ordnungsgemäß mit Gipfel nachgeholt und Fotos, die dem netten Aufstieg und der grandiosen Aussicht Rechnung tragen, angefertigt.
Auf nähere Details zum Aufstieg wird hier verzichtet, diese bitte im alten Bericht nachzulesen.

Silleskogel, 2.418m, mit Gipfelmarkierungsstein

Über den Ausgangspunkt bitte ebenfalls im alten Bericht nachlesen, hier ein Bild unseres diesmaligen Parkplatzes, den wir gegen 7:30 erreichten und diese Uhrzeit hiermit empfohlen wird – jedenfalls nicht viel später.

Aufstieg auf den Gipfelhang des Silleskogels

Einige Minuten am Almweg entlang zweigt die Aufstiegsspur direkt zum freien Gelände der Sillalm ab (die Alm selber liegt rechts der Freifläche).

Parkplatz Padaunerstraße

Oberhalb der „Sillpuite“ – wie der Flurname laut Karte im Gh. Steckholzer richtig lautet – weicht der Wald nach einem kurzen und engen Steilstück einer weiteren Freifläche und zum folgenden Aufstieg benutzt man eher die rechte Seite des Grabens.

Aufstieg zur nächsten Waldpassage

Diese Freifläche, nun mit mehr Hangneigung, nennt sich „Isse“. Ihr folgt ein schmalerer und steilerer Graben als das Gelände zuvor ausgebildet war.

im steilen Teil des Grabens

In diesem Graben fallen die mächtigen Lärchen links und rechts des Aufstiegs schön ins Auge. Das Gelände wird zusehends steiler und erreicht an einer kurzen Stelle über 35° Hangneigung.

Rückblick auf die „Isse“

Am Ende dieser Passage wendet sich der Anstieg leicht nach links (südöstlich) und das ab dort vollkommene freie Gelände der „Roßgrube“ kann erahnt werden (etwa 1.900m).

Übergang zur Rossgrube

Das kleine Felsspitzl am Grat, das dort weit rechts im Blickfeld gesichtet wird ist schon der Gipfelaufbau des Silleskogels. Im weiten Kessel der Roßgrube geht es nun über leicht kupiertes Gelände in wenigen Serpentinen zunächst eher südwärts hinauf gegen den Steilhang der vom Silleskogel herunterzieht. Dabei wird einmal ein kurzes Geländestück mit einer Neigung von 35° passiert.

im unteren Teil der Roßgrube

Im oberen Talkessel wendet sich der Aufstieg etwas mehr nach Südost und quert den Hang zwischen Rossgrubenkofel und Silleskogel.

das weite Talende der Rossgrube – Gipfelspitz des Silleskogels schon sichtbar

Die Aussicht auf die nördlich gegenüberliegende Seite, zu den Tourenbergen im Schmirntal öffnet sich mehr und mehr bis zum Ende des Talkessels hin. Weiter geht es mit ein paar Spitzkehren auf den Gegenhang mit dem „Geierschnobel“ hin und die Hangneigung steigt wieder merkbar an.

Rückblick auf die Rossgrube

Im weiten Bogen nähert sich der Aufstieg nun dem bogenförmigen Grat zwischen Geierschnabel und Silleskogel. Die steile Gipfelflanke tritt in das Sichtfeld und weiter im Westen spiegelte bei unserer Begehung das Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels das Sonnenlicht, der noch tief stehenden Dezembersonne wider.

Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels

Die Route dreht nun leicht nach Südwest, hin zum Gipfelaufbau des Silleskogels und weg vom Geierschnabel, der als Ausweichziel bei unserer ersten Begehung dienen hätte können, hätten wir es gewusst.

auf dem Gegenhang zum Silleskogel

Die steile Gipfelflanke mit über 35° Neigung hatten wir diesmal gut im Blickfeld, dadurch stellte der Aufstieg bis zum fast ebenen Plätzchen unterhalb der Gipfelflanke kein Sichtproblem dar. Etwas abgeblasen erfordern die die letzten Meter sauberes Steigen.

the bros – vor dem Gipfelaufbau des Silleskogels

Die kleine Fläche vor den Felsen bildet ein wunderbares Schidepot, wenn auch nur für wenige Personen nutzbar. Mit zwei nachkommenden Kollegen war die Fläche nach unserer Rückkehr vom Gipfel schon an der Kapazitätsgrenze.

der Gipfelhang des Silleskogels

Vom Schidepot geht es zunächst leicht westwärts querend in die Flanke hinein und dann einige Meter in direktem Anstieg hinauf, bevor die Stapfspuren in einer weniger stark steigenden Querpassage westwärts weiter zum Gipfelplateau hinauf führten.

am Gipfelplateau angelangt

Der Hang weist lt. Hangneigungskarte (TIRIS) eine max. Steilheit von über 40° auf. Steigeisen waren bei unserer Begehung nicht nötig, der hartgepresste Harsch ließ gute und sichere Tritte zu. Im Extremfall – bei vereister Schneedecke und fehlender Ausrüstung – mag auf diesem Gipfelhang ein Abrutscher über weit mehr als 100Hm erwartet werden.

Christian und Herwig am Silleskogel, 2.418m

Die Aussicht im Süden über die Zillertaler Alpen ist grandios.

gewaltige Mauer im Südosten – Olperer bis Hohe Wand (das weiße Spitzlein ist die Hohe Kirche und dahinter die besonnte Valser Hohe Warte)

Gegenüber dem Silleskogel befindet sich die eindrucksvolle Steilflanke der Saxalmwand – ebenfalls ein Gipfel, der bei unserer Begehung wegen wetterbedingtem Abbruch noch auf sich warten läßt.

Aufstieg Sumpfschartl und Saxalmwand im Detail

Weiter im Süden erkannt man das weite Kar des Sumpfschartls, ein lohnender Aufstieg gemeinsam mit der Saxalmwand ein ebenfalls auf dem Verbindungsgrat zum Kraxentrager gelegen.

Panorama westliche Zillertaler Dreitausender

Im Südosten das gewaltige Massiv des Olperers und Fußstein mit der Verbindung über die Sagwandspitze bis zur Hohen Wand.

Wolfendorn im Südwesten

Im Südwesten der dominierende Wolfendorn in den Brennerbergen und im Westen die südlichen Stubaier Alpen am Vormittag schön von Südost im Sonnenlicht zu bewundern.

südliche Stubaier hinter dem Rossgrubenkofel

Im Westen links neben dem Rossgrubenkofel besticht der Pflerscher Tribulaun und rechts davon der gewaltige Habicht.

nordwestliche Stubaier

Im Norden liegen die Tuxer Alpen mit ihren vielen tollen Schitourenzielen.

die zentralen Tuxer im Nordosten – der eindrucksvolle Schmirner Hohe Zahn rechts der Bildmitte

Im Osten fallen oberhalb des langen Grates von der sehr eindrucksvollen Hohen Warte (ein tolles Schitourenziel im Schmirntal, es gibt aber auch eine Hohe Warte im Valsertal, siehe Bildergalerie) zum Steineren Lamm hin relativ genau mittig zwei kühne Spitzen auf, die man in dieser eindrucksvollen Erscheinung nicht erwarten würde. Es handelt sich dabei um die Schöberspitzen mit einer Entfernung von rd. 8km.

Aussicht nach Osten – die Schöberspitzen über dem Grat sehr eindrucksvoll

Alleine wegen der Aussicht lohnt sich die kurze Tour auf den Silleskogel und eventuell wäre der winterliche Übergang auf den Rossgrubenkofel und weiter auf die Vennspitze einmal eine Überlegung wert.

Schidepot unterhalb Gipfelfelsen

Bei der Abfahrt, die wir fast direkt unter dem Gipfelhang starteten mußte zunächst der etwa 100Hm windgepresste Teil etwas ruppig aber nicht unangenehm bewältigt werden, bevor im flacher werdenden Teil der weichem Tiefschnee erreicht wurde.

Abfahrt vom Gipfelhang

Über tolle Hänge an der Westseite des Tals (Kessler, Kogleben, Seabler, Nock – siehe Flurnamen in Bildergalerie) erreichten wir den Sillbach, der an geeigneter Stelle übersprungen wurde und im schmalen Tal nun orografisch links des Sillbaches ging es durch ein schmales Tal kraftraubend hinab zur Isse – alles in weichem Tiefschnee.

etwa 100Hm unterhalb des Grates bereits Tiefschnee

Ab der Sillpuite hatten wir teilweise leicht verfestigte Passagen, die sich aber nicht mit viel mehr Kraftaufwand befahren werden konnten als der obere Teil. Die gesamte Strecke liegt schattseitig und daher günstig betreffend Umwandlung und ohne Schmelzdeckel.

Kulisse ins Valsertal

Für die schöne haben wir gesamt 3:20 Stunden benötigt (incl. Pausen und Gipfelaufenthalt), Die gemessene Höhendifferenz beträgt  925m.

Rückblick auf den Gipfelhang

Bei entsprechend frühem Aufbruch zur Tour bleibt Zeit noch kurz bevor mittags der Rummel in Padaun beginnt einem Stakeholder der Gegend, dem nett eingerichteten Gasthaus Steckholzer einen Besuch abzustatten und die Tagesempfehlung, oder eine deftige, schmackhafte Knödelsuppe einzunehmen, die wir sehr empfehlen können. Durch den kostenlosen Parkplatz am Tourenstart geht sich dann auch noch eine Nachspeise aus.

Tiefschneevergnügen

Den Gipfelbereich des Silleskogels sollte man nicht unterschätzen, wenn die Verhältnisse es nicht zulassen oder bei einer eventuellen Vereisung die Ausrüstung für die Gipfelflanke fehlt.

Abfahrt neben dem Sillbach

Nachträglich gesehen sahen wir unseren Abbruch bei der ersten Begehung im Nebel bestätigt, daß wir den Gipfel nicht erzwungen haben.

Mils, 31.12.2019

 

Schitour Hohe Kreuzspitze, 2.743m

Der höchste südlich gelegene Berg in den Stubaier Alpen ist die formschöne Hohe Kreuzspitze in der Botzergruppe in Südtirol. Der Ausblick von ihr ist phantastisch und als Schitour erlebt man einen wirklich abwechslungsreichen, hochalpinen Aufstieg über 1.320Hm mit zwei Steilpassagen. Ein Vorteil der Tour liegt in der Ausweichmöglichkeit auf die Kleine Kreuzspitze, sollte das Wetter oder die Lawinenwarnstufe es erzwingen.

der Autor auf der Hohen Kreuzspitze, 2.743m

Vom Start aus die Hohe Kreuzspitze nicht im Mindesten einsehbar beginnt der Aufstieg im Ratschingser Ortsteil Flading, den man von Sterzing aus in etwa in 25min erreicht. Der Parkplatz an der kleinen Kapelle hat eine gute Kapazität und als wir gegen 8:15 Uhr eintrafen, war die Hälfte der Parkplätze noch frei. Gebühren werden nicht eingehoben, freiwillige Spenden in eine Kassabox an der Brücke sind erwünscht.

der weiße, sonnenbeschienene Gipfel ist die Hohe Kreuzspitze

Nach der Überquerung der Brücke kann über den Forstweg im Bogen nach rechts aufgestiegen werden, oder, etwas kürzer wie unsere Route, über ein aufsteilendes freies Feld mit einem niedergebrochenen Zaun an der Waldgrenze.

Start bei der Kapelle in Flading

Im Wald wird dem Weg gefolgt, der gleichzeitig Abfahrt ist. Entsprechend ist er – wie alle schmalen Schitourenwege – mit Wannen und Kuppen durch Schwünge gekennzeichnet. Knapp 15min lang steigt man am Weg aufwärts bis sich eine Lichtung öffnet, die rasch in freies Almgelände übergeht.

Rückblick auf den Parkplatz Flading

Bald wird das Gelände auch steiler, einige Spitzkehren werden im Mittelteil durch die Felsenpassage und darüber hinaus notwendig. Mit uns keine kleine Schar von Tourenhungrigen, von denen später allerdings ein großer Teil zur Kleinen Kreuzspitze abzweigt.

am Ende des Waldwegs

Nach etwa einer Stunde Aufstieg erreichen wir etwa 50m unterhalb der Klammalm die aufgehende Sonne, was zu ersten guten Fotos und allgemeiner Freude in der Gruppe gereicht.

freie Almflächen breiten sich aus

Deutlich kann man am Bild der Klammalm erkennen, daß die ersten Herbstschneefälle den Süden bevorzugt haben, schätzungsweise liegt dort die doppelte Menge gegenüber dem Norden des Alpenhauptkamms.

kurzes steileres Stück zwischen den Felsen unterhalb der Klammalm

An der Klammalm und kurz nachher wird das Gelände etwas flacher und biegt nach links (südlich) in ein Tal ein, das durch die beiden Kreuzspitzen gebildet wird.

die malerisch gelegene Klammalm, 1.940m

Im Laufe der Kurve wird das schöne Ziel, die Hohe Kreuzspitze,  sichtbar und am Ende der Biegung auch die leichtere und um 225Hm niedere Kleine Kreuzspitze östlich der höheren Schwester. An dieser Stelle befindet sich auch die Verzweigung der Anstiege.

in der Kurve nach der Klammalm kurz vor der Abzweigung, dahinter das Stauwehr, das überschritten wird

Wir setzten auf der Dammkrone eines Stauwehrs über den Bach in Richtung auf die andere Talseite an der das Gelände zunächst flach, jedoch in Richtung Butsee hinauf bald steiler wurde. Der Aufstieg über die Flanke hinauf zur ersten Steilpassage dreht im oberen Teil nach rechts wodurch die gut 150Hm Steilhang vom Bereich des Stauwehrs aus noch nicht eingesehen werden können. Etwa 100Hm höher, auf 2.120m wird der Steilhang sichtbar.

Trinkpause – im Hintergrund von Stefan die Kleine Kreuzspitze

Die steile gemuldete Strecke liegt zwischen den Schrofen des Gratausläufers der Zermaidspitze und einem Felskopf eingebettet.

die Steilstufe nun sichtbar, ca. 2.150m

Die Hangneigung erreicht nach der – leider unbefriedigend – aufgelösten OSM Hangneigungskarte auf beiden Passagen Neigungen zwischen 35 und 39°, siehe Bildergalerie. Bei entsprechenden Schneeverhältnissen und der Lawinenwarnstufe drei ist die Tour auf die Hohe Kreuzspitze also nicht mehr sicher ausführbar. Wichtig ist auch die Beachtung der Exposition – der untere Steilhang ist ein Osthang, der obere ein Westnordwesthang.

in der ersten Steilstufe, sie führt zum Butsee

Am Ende der Steilstrecke ist der Butsee erreicht (der im Winter natürlich nicht sichtbar ist). Das Gelände dort ist flach, der weitere Tourenverlauf führt zunächst sogar mit einigen Metern Verlust gegen die schön kupierte und moderat steiler werdende Landschaft hin.

Rückblick von der Hälfte der Steilstufe

Rechts, westlich, bei den Seen zieht eine schöne breite Rinne in Richtung Zermaidspitze hinauf – das Wasser rann bei ihrem Anblick in Flexens Mund zusammen, er wäre höchst angetan gewesen sie als zweites Tagesziel zu befahren.

die Gefahr von dieser Flanke soll bei dementsprechenden Verhältnissen nicht unterschätzt werden

Als Ziel muß sie generell recht beliebt sein, denn leider war sie bei unserer Rückkehr schon weitestgehend zerfahren, sodaß der nicht mehr jungfräuliche Hang das Interesse schwinden ließ – allein die Lehre blieb die Reihenfolge nächstens umzukehren.

Flex vor der tollen Rinne zu einem unbenannten Joch

Am Butsee befindet sich ein Baumstamm mit einer schönen Schnitzerei die eine mittelalterliche Jagdszene nachstellt (Jäger mit Armbrust, seine Hunde und ein mächtiger Hirsch). Diese Szene wurde an den Endpunkt des sog. Pfeifer-Huisele-Wegs gesetzt, der am Butsee endet.

Endpunkt des Pfeifer-Huisele-Weges mit geschnitzter Jagdszene des

Sagenmeister Pfeifer Huisele war eine in Flading ansässige Südtiroler Sagengestalt über die mehrere leicht unterschiedliche Berichte im Internet zu finden sind.  Wie immer steckt auch ein Teil Wahrheit in den Sagen, die sich um „es“ – das Pfeifer Huisele (oder auch Huisile) – ranken. Den geschichtlich vermutlich besten Bericht haben wir hier verlinkt, er ist als Denkstoff bei der phantastischen Schitour bestens geeignet, verbindet er doch die dortige Natur mit ein bisschen heimischer Geschichte.

Rückblick auf den Butsee, rechts davon hinter der Kuppe die Steilstufe

Weiter führt das interessante Gelände ab dem Butsee auf 2.340m über schöne Kuppen und Mulden mit Licht- und Schattenspielen, hervorgerufen durch die nieder stehende Dezembersonne, in das weite Kar vor dem Steilhang am Gipfelaufbau auf etwa 2.620m.

abwechslungsreiches kupiertes Gelände

Bevor die Route jedoch auf das Kar hinauf biegt vollzieht der Aufstieg einen Halbkreis bei dem der westlich begrenzende Kamm zwischen der Hohen Kreuzspitze und der Zermaidspitze, der an dieser Stelle nur etwa 100Hm höher ist als der Aufstieg, tangiert wird.

über eine leichte Senke führt die Route im Bogen an die rechte Geländebegrenzung heran

Erwähnenswert ist diese Passage aufgrund der Tatsache, daß sich bei unserer Begehung Tourengehrer auf der Kammhöhe befunden haben, unsere Gruppe ziemlich gleichzeitig darunter im Kar und die ersten aus unserer Gruppe ums Haar an der unteren Begrenzung eines mittleren Schneebretts flüchten konnten. Es reichte bis zum Hangfuß mit einer Anrissbreite von gut 100m aber nur geringer Anrissmächtigkeit und Anrisslänge.

Schneebrett vom Hang der rechten Geländebegrenzung herab – unmittelbar vor dem Foto unhörbar abgegangen

Glücklicherweise befand sich die Aufstiegsspur weit genug am Rand des Hangfußes, sodaß die Kollegen mit einem Warnschrei flüchten konnten. Der Autor als Nachkommender, der den Warnschrei hörte, fand bei seiner Ankunft, etwa zwei Minuten später, eine vom Schneebrett verlegte Aufstiegsspur vor und staunte nicht schlecht. Zu hören und zu sehen war zum Zeitpunkt des Abgangs rein gar nichts obwohl die Entfernung vielleicht 200m betragen hat.

bei der Abfahrt das Schneebrett nochmals betrachtet – unten rechts die Aufstiegsspur

Alles in allem eine Situation, die glimpflich ausgegangen ist. Ob die Leute am Kamm in die Auslösung involviert waren konnte nicht festgestellt werden. An diesem Tag herrschte für dieses Gebiet die Stufe 2 (über der Waldgrenze) mit „leicht auslösbaren Triebschneeansammlungen…die Gefahrenstellen mit der Höhe zunehmend…und allseitiger Exposition“.
Jedenfalls sei jedem geraten unter diesem Hang bei entsprechender Beschreibung im LLB mit Vorsicht zu queren.

die zweite Steilstufe zur Scharte vor der Hohen Kreuzspitze

Nach dieser Erfahrung knapp unterhalb des steilen Hangs stiegen wir auf den Karboden auf, der ein kurzes Stück flach zum zweiten Steilhang der Tour überleitet.
Der zweite Steilhang ist etwas kürzer, schätzungsweise etwa 100Hm und wie schon beschreiben ein Westnordwesthang, der im Dezember keine Sonnenbestrahlung abbekommt und wahrscheinlich kaum den Winter über.

Stefan am Karboden auf etwa 2.600m, links dahinter das Schneebrett am Gegenhang

Daß auch dieser Hang bei entsprechenden Verhältnissen ein nicht unproblematischer sein kann zeigt ein Bild von Almenrausch (Bildergalerie Tour vom Passeiertal auf die Hohe Kreuzspitze). Die Tour übrigens vom Passeiertal muß auch eine ganz tolle sein, für Nordtiroler allerdings eine Weltreise.

in der Scharte oberhalb des Steilhangs; man sieht Tourengeher vom Passeiertal über die Scharte aufsteigen

Bei unserer Begehung war der Hang von den Vortagen jedoch völlig verspurt und hart gepresst, keine Gefahr durch Schneebretter also.

Hohe Kreuzspitze von der Scharte aus gesehen, Abstand kaum 200m

Am Grat angelangt sticht sofort das Ziel ins Auge – das vorübergehend nach dem Butsee aus dem Blickfeld verschwindet – die Hohe Kreuzspitze befindet sich etwa 150m südöstlich und ist durch einen Graben von der Gratscharte entfernt – ein imposanter Anblick.

die kurze Strecke die abgefahren werden muß – unten Kollege Martin mit Gattin, die bereits auf deren Rückweg angetroffen wurden

Zum überqueren des Grabens muß schätzungsweise 20Hm abgefahren werden. Mit Fellen war das – wie immer bei solchen Aktionen – ein akrobatischer Akt mit schlechten Haltungsnoten, die aber nur über wenige Höhenmeter notwendig sind und kein Abfellen rechtfertigen.

die Schrofen unten müssen unterfahren werden, aufgefellt gut machbar

Der Restaufstieg zur Hohen Kreuzspitze über die Einsattelung durch den Graben ist eine Angelegenheit von kaum zehn Minuten. Ein schönes Edelstahlgipfelkreuz erwartete uns auf 2,743m und ein gut besuchter, aber nicht vollends überfüllter Gipfelbereich.

letzte Höhenmeter zur Hohen Kreuzspitze

Ein atemberaubender Blick vom Südwesten bis zum Nordosten eröffnet sich auf der Hohen Kreuzspitze.

Flex auf der Hohen Kreuzspitze

Von der Hochwilde (3.482m), gemeinsam mit dem Similaun (3.606m) der südlichste Punkt Nordtirols bis über die hohen Ötztaler im Nordwesten –

Blick gen Südwesten – Bildmitte Hochwilde (3.482m)

Über die Stubaier mit dem Zuckerhütl, der Sonklarspitze und dem Botzer im Norden –

Blick auf die zentralen Stubaier im Norden – rechtes Bilddrittel zeigt das Zuckerhütl (3.507m) und weiter rechts den Botzer (3.251m)

über die Tribulaune im Nordwesten –

der Nordosten – von Botzer links bis zur senkrechten unverschneiten Südwand des Pflerscher Tribulauns (3.097m) rechts

die Pfunderer Berge und dahinter die hohen Zillertaler im Osten –

im Osten die Pfunderer Berge mit den hohen Zillertalern dahinter

die Dolomitengruppen im Südosten –

die Dolomitengruppen im Südosten

und die Brentagruppe im Südwesten hinweg (siehe auch Bildergalerie).

Blick gen Süden und Südwesten – links das Passeiertal nach Meran, Bildmitte und rechts davon die Brentagruppe

Unmittelbar im Osten führt der Grat von der Hohen auf die Kleine Kreuzspitze, ein leichteres Schitourenziel und im Sommer eine interessante Gratüberschreitung, wie Roman von Hikalife schreibt.

der unmittelbar nächste Gipfel unter der Hohen Kreuzspitze ist die Kleine Kreuzspitze (2.518m) in knapp 1.400m Entfernung

Nachdem Stefan eingetroffen ist, Höhenmedizin verteilt wurde, Fotos angefertigt und wir zur Abfahrt gerüstet hatten ging es auf dem durchaus angenehm zu fahrenden Gipfelhang zurück zur Scharte gegenüber.

Stefan auf der Hohen Kreuzspitze

Das Tretteln über die wenigen Höhenmetern war wie immer unangenehm, aber auch der Rückweg rechtfertigt keine andere Fortbewegungsweise, sofern der Aufstieg rampenartig präpariert ist und man nicht im Schnee versinkt. Der Steilhang war passabel zu fahren angesichts der Massen, die ihn vorher schon bearbeitet hatten.

gegenüber links bis Bildmitte in 1.800m Entfernung die Zermaidspitze (2.798m) und in 2.300m Entfernung der Ratschinger Weißen (2.822m), beide mit Gipfelkreuz

Nach dem Flachstück im Karboden inspizierten wir nochmals das Schneebrett bevor wir über die nun schön im unverfestigten Altschnee ohne nennenswerten Harschdeckel zum Butsee abzufahren. Dieser Teil der Abfahrt war auch durch wenig Spuren am breiten Hang ein bäriges Erlebnis.

links die neu angelegte Spur, etwa drei Meter neben der Originalspur

Das Steilstück nach dem Butsee war natürlich sehr verspurt, dennoch aber akzeptabel abzufahren und auf der folgende flachere Passage bis zum Stauwehr herrschten wieder dieselben guten Verhältnisse wie im oberen Teil bis zum Butsee.

der Gipfelsteilhang mit der Scharte gegen mittags – wenig Sonne dürfte hier den Winter über einstrahlen

Nach der Klammalm querten wir weit nach Osten, fast bis zum orografisch rechten Rand der Almfläche, und fanden dort im oberen Teil noch gut fahrbare unverspurte Flächen vor, die aber rasch in Bruchharschgelände übergingen.

über die Dammkrone des Stauwehrs am Rückweg

Im Wald hieß es nochmals alle Künste der Technik auf der Steilkurvenbahn am Weg auszuspielen, um nicht hinauskatapultiert zu werden. In Summe eine schöne Abfahrt mit tollem Beginn und kraftraubendem Ende.

die malerische Klammalm – im Hintergrund die Hohe Ferse (2.669m)

Die Schitour mit 1.320Hm und 5,7km Länge haben wir in 4:36h bewältigt.

Erläuterung zu den Panoramabildern Südwest bis Nord – Entfernungen vom Gipfel der Hohen Kreuzspitze:

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Westsüdwest auf die Grenzberge der Ötztaler

Hochwilde 17,8km
Hochfirst 10,7km
Ramolkögel 19,2km

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Nordwest auf die zentralen Ötztaler und die zentralen Stubaier

Wildspitze 26,7km
Timmelsjoch 10,5km
Zuckerhütl 13km
Botzer 8,6km

Mils, 15.12.2019

Schitour Praxmarer Grieskogel, 2.712m

Durch den hoch gelegenen Start in Praxmar ist der Praxmarer Grieskogel ein begünstigtes Ziel im Frühwinter und vom Höhenunterschied her auch ein nicht zu hoch gestecktes. Im Firn des Frühjahres bietet er ebenfalls eine tolle Abfahrt auf einem mittelsteilen, 800Hm hohen und sonnenbeschienenem Hang, der sich im unteren Drittel zu einer etwas flacheren Mulde ausformt, bevor über eine Skiroute zum Ausgangspunkt gequert wird.

Autor am Praxmarer Grieskogel, 2.712m

In der AV-Karte findet man die Bezeichnung Praxmarer Grieskogel etwas zu weit nordöstlich vor, eher beim Punkt 2.707m anstatt beim Punkt 2712m und da er kein Gipfelkreuz trägt bleibt im Aufstieg zunächst ungewiss, ob man bei der ersten erreichten Spitze schon auf ihm steht, oder den Aufstieg am Grat noch etwas fortsetzen muß und wer den Praxmarer Grieskogel nicht schon vom Ausgangspunkt, oder vom Übergang zum Kühgrübl aus beobachtet hat, wird damit überrascht, daß nach der ersten Graterhebung noch einige Minuten Gratstrecke zu Pkt. 2.712m bewältigen sind.

Start in Praxmar

Praxmar im Lüsenstal, auf rd. 1.680m gelegen ist mit einem großen Parkplatz (4.-/Tag) ausgestattet, der auch früh am Morgen einmal voll sein kann. Vorbei am praktischen LVS-Checkpunkt öffnen sich mehrere, zum Teil sehr beliebte, Schitouren auf den Kamm der zu den Südwestlichen Sellrainer Bergen zählt.

eine der Querungen der Rodelbahn

Der Aufstieg wendet sich sofort nach dem Anlegen der Schi mit der Zufahrt zum kleinen Schlepplift nach rechts (westlich) und führt einige Minuten über ein Stück präparierter Piste in den schönen, lichten Zirbenwald hinein, mehrmals die präparierte Rodelbahn überquerend. Wer im Dezember gegen neun Uhr startet der erlebt den Sonnenaufgang im Zirbenwald.

Aufstieg durch den schönen Zirbenwald zur Koglalm

Bis über den Zirbenwald hinauf haben der Praxmarer Grieskogel und die Lampsenspitze einen gemeinsamen Anstieg. Während das Gros der Tourenhungrigen der Lampsenspitze zustrebt ist man mit dem Praxmarer Grieskogel unter wesentlich weniger Publikum unterwegs.
Kurz vor der Koglhütte zweigt der Anstieg der Lampsenspitze bergwärts ab und zum Praxmarer Grieskogel  folgt man rechts (nördlich) dem Weg zur Koglalm.

zum Schluß vor der Koglalm noch eine etwas steilerer Hangteil

Dieser Teil des Anstiegs ist flacher, er folgt kurz einer Rodelpiste bis etwa zum Kreuz auf der Erhebung nach der Koglalm, bevor es – einen steileren Hang querend – abseits der für Wintersportaktivitäten adaptieren Flächen auf die Hänge in Richtung Praxmarer Grieskogel geht.

zunächst ein Stück auf der präparierten Rodelpiste

Nach der Querung folgen ein paar Spitzkehren hinauf zum Übergang ins Kühgrübl – ein stark ausgemuldetes Kartal, das an seiner linken hinteren Begrenzung mit den Steilwänden der Tagweidköpfe begrenzt wird und rechts eine mittelsteile Rippe entsendet, deren südliche Flanke den Normalanstieg auf den Praxmarer Grieskogel darstellt.

Querung oberhalb des Kreuzes nach der Koglalm

Geradeaus geblickt öffnete sich am Tag unserer Begehung ein schöner und weniger direktem Winkel sonnenbeschienener Hang als jener des Normalanstiegs zum Praxmarer Grieskogel, der mit etwa 15 zu zählenden Spitzkehren begangen werden konnte und der uns aufgrund der besseren Schneequalität für den Aufstieg angenehmer erschien.

am Übergang ins Kühgrübl

Erst oben bei der Querung nach rechts (nördlich) erkannten wir einen – wenn auch nur kleinen – Nachteil von etwa 20 Meter Höhenverlust durch eine kleine Gratsenke zwischen unserem und dem Normalanstieg.

am breiten Band ins Tal von links nach rechts querend

Zunächst jedoch folgt der Einstieg ins Kühgrübl mit etwas Abwechslung durch das Auf und Ab des Geländes auf einem breiten Band von links kommend mit etwas Höhenverlust auf die rechte Seite  des Tales hinüber.
Im Tiefsten der Mulde geht es dann einige Minuten taleinwärts.

mitten im Kühgrübl

Am Talende mußten wir uns dann für den Anstieg entscheiden und das schöne Kar mit den Spitzkehren wurde der Rippenflanke des Normalanstiegs vorgezogen.

Steigungsverhältnisse optimal

Am Grat oben verzauberte uns dafür die restliche Strecke – fast ausschließlich am Gratkamm verlaufend – mit einer gewaltigen Aussicht auf die kürzlich in Weiß verwandelte Landschaft im Westen – das bärige Gleirschtal mit seinen Gipfeln.

Blick zur Rippe – Normalaufstieg

Während alle anderen Gruppen die Scharte zum Ziel erklärten querten wir in der schönen Kulisse hinüber zum Praxmarer Grieskogel, unserem bergsteigerischen Ziel an diesem Tag. Der Übergang ist recht steil, jedoch einwandfrei zu begehen, sofern man Abstand zur trügerischen Grathöhe läßt.

 

Robert am Grat hinüber zum Praxmarer Grieskogel

Eine kurze Abfahrt in die zuvor beschriebene Gratsenke mit noch etwa 50Hm restlichem Aufstieg bis zum Gipfel das Praxmarer Grieskogels leitete uns unserem Ziel zu. Der leichte Umweg von der Normalstrecke mag etwa zehn Minuten gekostet haben.

 

mit etwas Höhenverlust am schönen Grat entlang

Lediglich zwei andere Tourengeher befanden sich am Gipfel als wir dort ankamen. Diese haben wir bereits vom Kühgrübl aus in der Rippenflanke gesehen und deren Aufstieg war auch mit ausschlaggebend für unsere Wahl, kamen sie mit dem oberen Teil nicht so gut zurecht wie uns schien.

 

kurz vor der ersten Graterhebung am Weg zum Gipfel des Praxmarer Grieskogels

Unter kühlem Föhn erstiegen wir aus der vorgelagerten Mulde die letzen Meter zum Gipfel und genossen für ein paar Minuten die Aussicht, vor allem in das lange Gleirschtal mit der Neuen Pforzheimer Hütte und den beiden Roßkogeln, leicht rechts der Bildmitte der Gleirscher, rechts davon der um nicht ganz 100m höhere Zwieselbacher Roßkogel, 3.082m, leicht erkennbar an der Doppelspitze.

 

Eindrücke vom Gleirschtal mit dem Zwieselbacher Roßkogel

Näher und bei dieser Ansicht als imposante Pyramide ausgebildet findet die Rotgrubenspitze ihren Platz und den Abschluß am rechten Rand bildet die Haidenspitze.

Praxmarer Grieskogel – Blick gen Süden

Im Süden dominiert die Hohe Villerspitze vor den Alpeiner Bergen mit dem Lüsener Fernerkogel als Abschluß rechts im Bild.

Blick nach Praxmar hinab – der schöne Hang unterhalb des Gipfels ist der Abfahrtshang

Schräg nach Süden ins Lüsenstal hinabgeschaut, findet sich Praxmar mit dem Parkplatz wieder und dazwischen ein gewaltig langer Hang der bei guten Verhältnissen eine bärige Abfahrt darstellt.

Stefan am Praxmarer Grieskogel – Blick gen Norden

Bei genügend Schnee kann er direkt vom Gipfel aus befahren werden. Wir mußten etwas zurück auf den Ansatz der Aufstiegsrippe queren, da die Schrofen direkt unter dem Gipfelpunkt noch sichtbar waren.

Räuhenkar mit Scharte, rechts daneben der Rotkogel, weiter rechts Gaiskogel und die nördlichen Kühtaier Berge

Die Abfahrt war natürlich geprägt von den letzten Tagen mit viel Sonnen- und Windeinfluß. Im obersten Teil fanden wir Bruchharsch vor in dem jedes Drehen natürlich ein entsprechender Kraftakt darstellte.

Abfahrt unterer Teil

Im Mittelteil, mit etwas abgeschirmter Ausrichtung gegen Sonne und Wind durch die Aufstiegsrippe waren die Verhältnisse auch durch die bereits sehr zerfahrenen Partien leicht besser, erforderten jedoch alle etwa zehn Schwünge eine kurze Pause.

Rückblick auf den Abfahrtshang

Im unteren Teil, der wieder flacher ist, war die Schneedecke durch noch flächigere Abdeckung im Schatten großteils akzeptabel mit Lockerschnee (in Mulden deutlich spürbar tiefer Triebschnee) und wenig Bruchharsch.
In Summe gesehen waren die 800Hm auf dem an sich phantastischen Hang diesmal mehr dazu geeignet sein Können zu verbessern und weniger Tiefschneegenuß.

bessere Schneeverhältnisse im unteren Teil

Unten, auf etwa 1.900m am Waldrand, fädelt man in einen Almweg ein, der hangquerend zum Niederleger der Koglalm zurückleitet. Wir haben dort möglichst freie Flächen gesucht, über die die lichten Waldpartien mit dem schweren Bruchharsch möglichst angenehm fahren ließen.

bei guten Verhältnissen ein Traumhang

Die direkte Abfahrt auf der Rodelbahn haben wir zugunsten einer möglichst hohen Querung zur Vermeidung einer Tragestrecke gesucht und als Abschlußhang ein lichtes Waldstück gefunden, das zum Abschluß einen Holzzaun zum Übersteigen bereithielt.

am Ende des Abfahrtshangs auf etwa auf 1.920m angelangt

Von dort kann über freie Wiesen in die Siedlung Praxmar abgefahren werden.

durch die lichten Flächen kommt man zum Koglalm Niederleger

Mit 1.050Hm (durch die Abweichung von der Normalvariante am Grat etwa 20Hm mehr) als Schitour eine kurze, haben wir sie in etwas mehr als vier Stunden bewältigt, incl. aller Pausen.

den Hang hinter dem Zaum nahmen wir um hoch zu bleiben

Unsere Aufstiegszeit betrug drei Stunden und die Länge des Aufstiegs beträgt 5,5km.

Praxmarer Grieskogel Hangneigungen

Mils, 08.12.2019

Oberreintalschrofen, 2.521m

Einen „unansehnlichen Brocken“ Berg könnte man den Oberreintalschrofen während seiner Besteigung vom Teufelkopf aus nennen. Die einzig schönen Kletterpartien finden sich im abgewaschenen Wettersteinkalk im untersten Teil des Abstiegs, großteils besteht die Route aus ausschließlich brüchigem Fels mit vielen Störeinlagerungen.

Oberreintalschrofen, 2.521m

Den Versuch der Überschreitung vom Teufelskopf hat der Autor ein Jahr zuvor unternommen. Dieser ist gescheitert, da er damals zu sehr an eine Überschreitung im eigentlichen Sinn gedacht hat und die Querung der Oberreintalscharte in erheblicher Tiefe vom Grat nicht wahrhaben wollte. Die Einstiegsstelle in die Querung war zwar richtig, aber die erhebliche Abstiegstiefe hatte in der Vorstellung des Autos nichts mehr mit einer „Umgehung“ bei einer Überschreitung zu tun, also hat er damals abgebrochen.

Von der Wettersteinhütte aus: links Teufelskopf, rechts Oberreintalschrofen

Bei dem nun hier beschriebenen Bericht über die „Überschreitung“ wird dieser tiefe Abstieg ausgeführt und anschließend in der Flanke des Oberreintalschrofens zum Aufstieg ostwärts gequert. Der Bericht beginnt nach dem Abstieg vom Gipfel des Teufelskopfes. Wer den Aufstieg zum Teufelskopf nachlesen will bediene sich des oben gesetzten Links „Teufelskopf“.

unübersichtliche Südostflanke des Oberreintalschrofens

Etwa 60Hm unterhalb des Teufelskopf Gipfels öffnet sich zur östlich gelegenen Rinne der Oberreintalscharte eine große plattige Verschneidung. Die talseitige Platte ist sehr glatt, erlaubt aber einen Abstieg zur Schuttrinne in ihrem Tiefsten.

Abstieg über ein Felsband in die Verschneidungsrinne

Dieser Schuttrinne wird im Abstieg bis zum darunter auftauchenden Schrofengelände gefolgt und an geeigneter Stelle der Übertritt über die Rinne der Oberreintalscharte auf die Westflanke des Oberreintalschrofens gewählt. An dieser Stelle befindet man sich etwa 40-50Hm unterhalb der Scharte.

Simon beim Aufstieg jenseits – wir haben oberhalb des Wiesenfleckes die Zacken angesteuert

In der Folge wird nun nicht der rasche Aufstieg in die Zinnen zum Grat gesucht – das war auch die falsche Vorstellung des Autors ein Jahr zuvor – sondern im Anstieg die Flanke nur ostwärts gequert.

eine der wenigen völlig festen Passagen in der Flankenquerung zum Oberreintalschrofen

Das Gelände ist großteils sehr brüchig und wer Querungen auf schuttüberzogenen Steilflächen kennt, weiß wie unangenehm sie sein können. Im Wesentlichen werden ein paar Rippen ansteigend durchschritten, bevor die direkte Route zum Oberreintalschrofen vom Telfer Leger in ihrer muldenartigen Ausbildung von unten sichtbar wird, in die sozusagen von links eingefädelt wird.
Eine auffallend orange Wand rechts eines kurzen Couloirs bildet dir Kreuzung beider Routen.

unangenehmer Schutthang im oberen Teil der Mulde (beim Couloir treffen die Routen aufeinander)

Das Gelände davor ist steil und wenig strukturiert, sodaß die Querung auf schmalen Tritten und teilweise mit Einsatz der Hände zu Stützzwecken vollendet wird.
Wenige gute Felspartien befinden sich meist am Obersten der Rippen, sozusagen an deren Schneide sowie links und rechts davon.

Simon auf dem Schärtchen der nächsten Rippe

Weiter oben wird die Flanke für einen Teil zwischen zwei Rippenscharten flacher und der Anstieg daher etwas besser. Unterhalb eines Gratkopfes wird der Steinmann in der Rippenscharte angesteuert.

steilere Partie in festem Fels voraus

Von dort geht es weiter immer noch ostwärts schräg aufsteigend, diesmal über etwas besseren Kletterfels unterhalb einer orangen Wand entlang.

nächste Rippe in Sicht – die Scharte vor den beiden „Hörnchen“ ist das Ziel

Der Schlussteil im Anstieg auf den Oberreintalschrofen beginnt in einer Engstelle zwischen zwei aufragenden Felsen, der rechte stark orange gefärbt.

wie man sieht durchaus schotteriges Gelände mit kurzen Felspassagen

Der Restaufstieg erfolgt anschließend dieser recht festen Partie in sehr brüchigem Gelände, zuletzt über ein paar Meter Schuttrinne auf das Gipfelplatteau mit der halb verwitterten Holzstange als Gipfelmarkierung.

letzter Teil, Aufstieg durch ein Couloir unten im Festen Fels, oben auf Schuttband

Der Wettersteinkamm bietet zu beiden Seiten bärige Blicke.

Blick nach Osten mit Scharnitzspitze, Schüsselkarspitze, Leutascher Dreitorspitze und Westlicher, Mittlerer und Nordöstlicher Partenkirchner Dreitorspitze

Im Osten befindet sich gleich anschließend zum Oberreintalschrofen und zwischen den beiden Wangscharten die Scharnitzspitze, dann die Schüsselkarspitze, die Leutascher Dreitorspitze und nach der Nordwendung des Grates die Westliche, Mittlere und Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze.

Blick nach Westen mit Großer Hundsstallkopf und Hinterreintalschrofen (2.670m)

Gegen Westen besticht der bizarre Teufelsgrat und als nächste größere Erhebung der Große Hundsstallkopf, sowie weiter westlich der Hinterreintalschrofen (2.670m), der höherer Hochwanner (2.744m) ist nicht sichtbar, er wird vom Hinterreintalschrofen verdeckt.

Das Scharnitztal und Leutasch im Süden

Ein toller Blick besteht nach Südosten auf Seefeld und das Inntal sowie nach Nordosten auf Garmisch und das Hinterland mit dem immerhin 55km entfernten Starnberger See.

Garmisch und im rechten Bilddrittel der Starenberger See im Nordosten

Für den Abstieg rechne man mit annähernd derselben Zeit wie für den Aufstieg. Der schlechte Fels bedingt vorsichtiges Absteigen durch die Schrofenhänge und aufgrund der losen Brocken ist es ratsam sich in kurzem Abstand hintereinander zu bewegen.

typisches Gelände während des Abstieges

Am unteren Ende der karartigen Mulde der Südflanke, in die wir oben eingefädelt haben, trifft man im flachen Teil vor der fast senkrechten Steilwand auf den Schuttrest der Steinschläge in einer leichten Klause.

der Autor in der Klause der Mulde, dahinter die brüchige Mulde die wir von links gequert haben

Dort wendet sich die Abstiegsroute scharf rechts zu einem breiten Riß hinab, der nun aus völlig festem, gut kletterbaren Wettersteinfels besteht. Somit kommt man für etwa 100Hm noch zu einer tollen leichten Kletterei.

schöne leichte Kletterei im festen und steilen Gelände

Dem Riß wird gefolgt bis er sich zu einem Band ausbildet, das weiter gegen Wersten quert und ein paar Stellen II enthält. Dabei wird eine Bandschlinge um einen Felszacken herum passiert, der es allerdings nicht bedarf.

Simon nach der Querung – oben am rechten Bildrand sieht man die Bandschlinge

Von dort geht es über weitere schöne Kletterstellen – der Falllinie folgend – hinab bis zum Wandfuß mit Schuttreise. Über diese kann direkt in Falllinie weiter in das Scharnitztal abgefahren werden.

finaler Abstieg in toller Wand

Der schöne Tag in voller Sonnenbestrahlung  am Südhang der Wettersteiner veranlasste uns zur Einkehr  auf der Wettersteinhütte mit  Bier und Kasknödelsuppe.

am Wandfuß – rechts oben erahnt man das Band das bis zur Bildmitte des obersten Bilddrittels herunter leitet, dann in direkter Falllinie bis zum Wandfuß hinab

Rückblickend kann die Tour als kurze Bergtour mit zwei Gipfeln in weitgehend wenig erstrebenswertem Gelände, die mit einem tollen Ausblick und einem netten unteren Abstiegsteil entschädigt.

der schöne Kamm mit der Scharnitzspitze und Schüsselkarspitze im Hintergrund

Wir haben incl. aller Pausen gesamt 6:30 benötigt, der Höhenunterschied beträgt 1.300Hm.
Ein Bild mit dem Routenverlauf der Querung vom Teufelskopf zum Oberreintalschrofen befindet sich in der Bildergalerie.

Mils, 13.10.2019

Rundtour Starkenberger- und Larsenntal über die Verborgene Gratscharte, 2.454m

Mit beeindruckenden Landschaften, zerrissenen Graten und kühnen Gipfeln beeindrucken die Lechtaler Alpen generell und die Rundtour durch Starkenberger- und Larsenntal dringt tief in dieses Szenario ein.

letzte Meter auf die Verborgenen Gratscharte

Der phantastische Anstieg im weitgehend abgeschotteten Starkenbergtal, die dunkelgrauen Hauptdolomitberge, die Aussicht auf 2.454m am Hochpunkt der Runde sowie das wenig berührte, wildromantische Larsenntal verzaubern den Bergfreund mehrfach.

der Blick nach Westen wird immer interessanter

Die gesamte Tour liegt am markierten Steig, oberhalb des Steinsees bis zur Verborgenen Gratscharte teilweise mit fehlenden oder undeutlichen Steigspuren, jedoch immer ausreichend markiert. Sie läßt sich nach Belieben mit Gipfeln erweitern, die Dremelspitze wäre eines der leichten Ziele, die etwa 500Hm mehr Anstieg erfordert.

Im unteren Teil des Aufstiegs von Starkenbach

Die mittellange Runde beginnt in Starkenbach und zwar bei etwa zwei Drittel der Straße zum Schotterwerk zu Beginn des Starkenbergtals. Links neben einer Schotterdeponie, oberhalb der Bürogebäude zieht ein zuerst breiter Weg, dann ein Steig nach Südost auf den Ostrücken des Garseilkopfes hinauf, der offenbar „Kopfsteig“ genannt wird.

zunächst steil der Anstieg

In einigen Serpentinen geht es durch den Wald empor und im oberen, etwas flacheren Teil durch riesige Einzelblöcke aus Kalk, höchstwahrscheinlich ein Relikt an Geschiebe des Inngletschers.

Bereits auf der Garseilwiese, links die „Scheißet Riepe“

Ab der Garseilwiese, einer größeren Almfläche auf etwa 1.200m führt ein Schotterweg recht flach weiter ins Starkenberger Tal bis zur Alfuzalm auf etwa 1.260m.
Von der Garseilwiese aus nach Norden hat man auch einen schönen Blick auf die sogenannte „Scheißet Riepe“, eine weit über 1.000Hm messende natürliche Schutthalde vom Senftenberg herab – sie soll die größte in den Nördlichen Kalkalpen sein. Im August 1999 rutschten bei einem Unwetter 7,5Mio Kubikmeter Material in das Starkenbergtal, die Aufräumarbeiten dauerten über 14 Jahre an. Nicht von ungefähr befindet sich unweit des Ausgangspunktes der Tour ein Schotterwerk.

Blick nach Süden zum Venet

Durch die Abdeckung des Rückens zur Silberspitze (2.461m, mit vom Inntal aus auffallend schlankem Anstiegsrücken) gen Süden den kalten Föhn nun ein wenig weniger stark verspürend traten wir ins hintere Starkenbergtal ein und setzten – nach einem kurzen Abstieg – bei der Alfuzalm über den Starkenbach. Bis hierher könnte man auch mit dem PKW fahren, es gibt einen öffentl. Parkplatz.

das schöne Starkenbergertal beginnt

Die folgende Strecke neben dem kleinen Starkenbach mit seinem doch recht breitem Schwemmbereich, der von bedeutenden Wassern bei Hochwettern spricht, mutet richtig bärig an. Der Schotterweg ist teilweise nur gut einen Meter breit und an manchen Stellen  erhebt sich die Frage, die dort ein Lastenfahrzeug, das die Steinseehütte versorgt, noch fahren kann.

bei der Alfuzalm (hier auch der Parkplatz)

Links und rechts ziehen einsame steile Täler mit schroffen Felsbegrenzungen zu beiden Seiten vom Starkenbergtal ab – durch das Wildkarletal kann man den kühnen Spitz des Bergwerkskopfs betrachten.

nach Querung des Starkenbaches, links das Vileidtal

Weiter drin, in „Hinterstark“ wird der Starkenbach zahmer und die breiten Schwemmkegel verschwinden in der flacheren Landschaft. In Hinterstark, auf 1.641m, befindet auch die Abzweigung zur Steinseehütte, die uns zur Verborgenen Gratscharte bringen wird.

kurz vor dem Wildkarlestal

Das Starkenbergtal weiter gegangen und über das Gebäudjöchl gesetzt, würde man das Württembergerhaus erreichen. Bis zur Abzweigung Hinterstark waren wir vom Ausgangspunkt etwa zweieinviertel Stunden unterwegs.

Hinterstark (1.614m) mit Abzweigung zur Steinseehütte, im Hintergrund der Spiehlerturm

Der Aufstieg zur Steinseehütte nimmt etwa eine dreiviertel Stunde für die 450Hm in Anspruch. Nach dem ersten Drittel zieht sich der Steig neben der Materialseilbahntrasse durch das Tal hinauf. Auf dieser Strecke legte der Wind durch die Höhe wieder zu, sodaß eine Rast bei der mittlerweile geschlossenen Steinseehütte kurz ausfiel. Den Winterraum fanden wir versperrt vor.

Starkenbachtal mit Talkessel und Übergang zum Württembergerhaus (über das Gebäudjöchl leicht links der Bildmitte)

Interessant sind die unterschiedlichen Hüttenschilder. Das Schild auf der eigentlichen Hütte spricht vom Bau 1925 und einer Höhe von 2.069m, das wahrscheinlich alte Schild auf der Seilbahnhütte spricht vom Bau 1924 und einer Höhe von 2.040m. Weit und breit ist kein alter Bauplatz zu sehen, der zwischen 20 und 30m tiefer gelegen wäre. Es könnte sich also um einen Vermessungsfehler in den 1920er-Jahren handeln.

Steinseehütte (2.069m) gegen Seekarspitze

Der Aufstieg zum Steinsee mit seinem malerischen Panorama gen Osten nimmt gut 20min in Anspruch. Kurz vor dem Steinsee wird der Blick auf die Vordere Dremelscharte frei. Von ihr erfolgt ein schöner Aufstieg in leichtem Klettergelände zur Dremelspitze (2.733m).

Blick zum Rosskarschartl

Auf 2.222m gelegen und etwa 150m auf 100m in den Maßen umgibt den Steinsee am Talschluß ein prächtiges Panorama, seine Tiefe kann nur anhand der umgebenden Geländeneigungen mit etwa 10 bis 15m geschätzt werden. Die Intensität des kalten Herbstwindes bei unserer Begehung drückte sich deutlich an der Wasseroberfläche aus.

Steinsee, 2.222m

Seinem Ufer wird nach dem Wegweiser noch kurz gefolgt, bis die roten Markierungen den Richtungswechsel gen Osten, direkt auf den Grat zwischen Hanauerspitze und Bergwerkskopf sich wenden.

Panorama am Steinsee – Bergwerkskopf (2.728m)

Auf diesem Teil verschwinden die Steigspuren teilweise gänzlich und die roten Markierungen müssen zur Orientierung fokussiert werden. Allerdings kann die Verborgene Gratscharte vom Talboden aus gut eingesehen werden und somit sind die Markierungen nicht unbedingt nötig zur großräumigen Orientierung.

weglos aber gut markiert zur Verborgenen Gratscharte (genau über Simon)

Die Route zur Scharte steuert geradewegs auf die Schuttflanke des Grates zu und an der Flanke werden die Steigspuren wieder sichtbar.

der Blick nach Westen wird immer interessanter

Von weitem schon fallen die extremen parallelen Faltungen der obersten Felsschichtplatten auf, regelrechte Stauchungen können beobachtet werden und je näher man ihnen auf der mühsam zu begehenden, steilen Schuttflanke kommt, desto eindrucksvoller werden die Beugungen der Einzelschichten. Ein wunderbar Zeugnis von tektonischen Vorgängen während der Gebirgsbildung.

bäriges Panorama der Lechtaler hinter dem Steinsee

Im oberen Teil wechselt der mühsame Aufstieg von Schutt- und Geröllflächen hin zu leicht felsdurchsetzten Reisen und die letzten Meter führen durch festen Fels in leichter Kletterei zur Verborgenen Gratscharte auf 2.454m.

Simon erreicht das Felsgelände; man beachte die schönen Schichtfaltungen im Hauptdolomit

Die Höhe der Scharte ist im Kartenwerk und Berichten des Internet zu sehr unterschiedlich angegeben (teilweise findet sich die Angabe 2.520m, die zum unbenannten nördlich der Scharte gelegenen Kopf gehört), weshalb der Autor sozusagen als amtliche Aussage tirisMaps bemüht hat und die dort publizierte Höhe entnommen hat.

oberer Teil des Aufstiegs zur Verborgenen Gratscharte

Unwirtlich wegen des starken Jochwindes fanden wir die Verborgene Gratscharte vor. Eine windgeschützte Rast wäre im ostseitigen Lee der Scharte möglich gewesen, aber dort fanden wir eine geschlossene Schneedecke vor, weswegen wir beschlossen weiter unten im Talboden des Larsenntales zu lagern. Die Finger wurden alleine durch die Bedienung der Handykamera schon klamm genug, die Umstellung auf Winterbetrieb hat der Körper im Oktober einfach noch nicht drauf.

Manuel und Simon in der Verborgenen Gratscharte, 2.454m

Da der Übergang ins Larsenntal den geodätischen Hochpunkt der Rundtour bildet, lohnt es sich die umliegende Bergwelt zu verinnerlichen, vor allem nach Westen.
Man findet dort, als markantesten Vertreter der unmittelbaren Umgebung und als höchsten Gipfel der Nördlichen Kalkalpen und damit auch der Lechtaler Alpen die Parseierspitze (3.036m), ein auch geologisch interessanter Berg.

atemberaubendes Panorama von der Verborgenen Gratscharte nach Westen mit Parseierspitze und vielen anderen hier beschriebenen Gipfeln

Links (östlich) davon der runde Gipfel des Gatschkopfes und wieder links davon der Simeleskopf, der formschöne Gipfel des Blankahorn mit seiner markanten steilen Ostflanke wird durch die genau davor liegende Kreuzspitze abgedeckt, nur die Flanke ist bei scharfem Hinsehen sichtbar. Links der Kreuzspitze befinden sich in der Kette, die die Parseierspitze entsendet noch Wannenkopf und Rauher Kopf.

Rechts der Parseierspitze, mehr im Westen, finden sich die Spießrutenspitzen in der Ferne, die Gebäudspitze und der Bittrichskopf in unmittelbarer Nähe an der Umgrenzung des Starkenbachtals.

Rechts neben dem Bittrichkopf (2.698m) lugt knapp oberhalb des Grates die 13.9km entfernte Freispitze (2.884m) hervor, getrennt durch den scharfen Grat mit der höchsten Erhebung des Jägerrückens. Die Freispitze, ein unbedingtes Ziel in der nächsten Saison aus bergsteigerischer und aus geologischer Sicht.

Fast im Westen liegt ein schöner Pyramidengipfel in der Ferne. Es handelt sich dabei um den Westlichen Schafhimmelkopf (2.712m). Die beiden wuchtigen kofelartig rundlichen Köpfe rechts davon sind die beiden Leiterspitzen (Hauptgipfel 2.750m), die rechts dem  vorgelagerten und daher schwer erkennbaren Doppelgipfel der Hinteren Gufel Spitze. Das Bild schließt ab mit der Erhebung 2.656m am Grat zum Hintern Gufelkopf.

ostseitiges Panorama von der Verborgenen Gratscharte

Nach Osten bietet sich aus dem Blickwinkel der Scharte mit dem eher flach verlaufenden Larsenngrat zunächst ein weniger spektakuläres Panorama, jedoch werden weitere unten tolle zerrissene Gipfel in der nordöstlichen Talkesselbegrenzung sichtbar.

ostseitiger Abstieg von der Verborgenen Gratscharte

Es sind dies vor allem die Gipfel, Zinnen und Türme von der Kleinen Schlenker zum Großen Schlenker, aber auch die Brunnkarspitze.

Zunächst jedoch mußten wir den Abstieg durch den Schnee hinter uns bringen. Etwa 150Hm war dies eine etwas rutschige Partie, jedoch unschwierig. An der Ostflanke des Grates reichen fahrbare Schotterreisen weiter hinauf, weswegen wir bald unterhalb des Schnees in den Reisen bis zur Vegetation abfahren konnten.
Der Aufstieg auf dieser Seite wird durch die lockeren Reisen allerdings unangenehmer sein.

Steinkarspitze, Schneekarlespitze und Dremelspitze (2.733m)

Der oberste Talkessel des Larsenntales erscheint noch größer in seiner Ausdehnung wie jene des Sarkenbachtales. Selbst mit der Unterteilung durch die langen Grate der Schlenkerspitzen und der Brunnkarspitze herab überwältigt die Größe – der Talkessel bildet eine beeindruckende Arena.

Verborgenen Gratscharte im Rückblick von Osten

Über dolinendurchzogenen Wiesen führt der Steig auf einen leichten Rücken hinab. Im Tiefsten des Talkessels bildet eine leichte Senke an dem sich das „Seale“, ein kleiner See befinden sollte. Mag es diesen im Frühjahr und im Sommer geben, im Herbst trafen wir ihn nicht an.

Abstieg in den weiten Talkessel des Larsenntales

Vor dem Mitterjöchle verbachten wir ein paar Minuten Rast oberhalb dem sich nun prächtig ausformenden Larsenntal, das sich noch nicht einsehbar weit hinauszieht. An dieser Stelle vermittelt der Blick Richtung Inntal auch die Abgeschiedenheit der Landschaft und weil hier generell und speziell um diese Jahreszeit sehr wenig Besucher stören hatten wir auch das Glück einen kapitalen Hirsch auf einer freien Fläche zwischen den Latschenwäldern anzutreffen.
Hinter einer Geländerippe tauchte das für uns groß anmutende Tier (die Geweihkrone eine männliche Größe weit übersteigend) in etwa 200m Entfernung unter uns in der Nähe des Steiges auf. Eine falsche Bewegung mit Trittgeräusch unsererseits beim Suchen von Deckung zur Beobachtung und Ablichtung löste allerdings die feinen Sinne des Bockes aus und er verschwand im Latschenwald.

Kleiner Schlenker, Schlenkerturm, Großer Schlenker (2.827m)

Unweit unterhalb dieses seltenen Erlebnisses liegt die oberste Jagdhütte im Larsenntal.
Sie trägt auch den Namen Hanlehütte (1.780m) und liegt unweit oberhalb einer tollen Klamm, die in die nächste unterhalb gelegene Talstufe überleitet.

vom Mitterjöchle talauswärts aus dem langen Larsenn geblickt

Am freien Wiesengelände um die Hütte kann man untypischen Sandstein und verwunderliche Kalkbreccien bestaunen. Über diese erstaunlichen Funde wir noch weiter unten berichtet.

Jagdhütte Hanlehütte 1.780m gegen Wildkarlespitze

Es geht hinab zur nächsten Lichtung über den Steig innerhalb der Latschen wo auf etwa 1.500m die „Bauhofhütte“ erreicht wird. Es liegen dort zwei Hütten, die obere (Larsenn Nr. 2) eine Hütte der Bergrettung, die untere eine Jagdhütte.

Klamm unterhalb der Hanlehütte

Der Wald in der Umgebung zeugt von völliger Naturbelassenheit, lediglich Material für den Hüttenbau wurde ihm entnommen. Wurzelstöcke mit Stammdurchmessern von weit über einem Meter konnten wir sichten. Es gibt viele Lärchen, ein „Urbaum“ der Tiroler Wälder.

Rast bei den „Bauhofhütten“

Hier beginnt der aufregendste Teil der Durchquerung des Larsenntales.
Talauswärts passiert der Steig nach kurzer Strecke noch eine weitere Hütte (Jagdhütte), die bergseitig liegt und nicht besonders benützt anmutet, sowie einige Wegminuten darauf eine Hütte (Schaferhütte, auch Milser Alpli1 genannt) unterhalb des Steiges.

Manuel im Bachbett des Pleisbaches

Das Tal verengt sich nun zunehmend und der Steig führt über ein stetiges Auf und Ab (man soll dafür gesamt etwa 180Hm annehmen) das nach dem bereits absolvierten Aufstieg zur Verborgenen Gratscharte hinzukommt.

die Rutschungen am Brandbach mit interessanten grobblockigen Einlagerungen

Auf der Strecke im engen Teil des Larsenntales müssen einige Wasserläufe, die vom Larsenngrat herunterbrausen durchquert werden und da sie im Laufe der Zeit jeweils einen Einschnitt gebildet haben, ist deren Querung mit einem Abstieg und einem Aufstieg auf die Flanke verbunden.

der Larsennbach transportiert nicht nur Kalkgestein, auch Sandstein der Muttekopfgosau ist dabei

Bei der Querung Brandbach erreicht der Steig, der sich übrigens in hervorragendem Zustand befindet und offensichtlich kürzlich saniert wurde, seinen Tiefpunkt direkt am Larsennbach. Der Schuttkegel, der mit der Zeit dort abrutscht legt interessante geologische Details frei. Zwischen feinen Schotterpartien liegt eine Schicht von großen Felsbrocken, was auf ein umfassendes kurzes Ereignis zwischen langen Zeiten von geringer Aktivität hindeutet, beispielsweise ein größerer Felssturz, zwischen langen Zeiten mit wenig Felsabtrag.

Rückblick auf das Innerste im Larsenn

Betrachtet man die Brocken genauer stellt man fest, daß es sich zum Teil um Breccien mit Kalk- aber auch Sandsteinanteilen handelt. Diese hier zunächst völlig überraschende Entdeckung hat ihren Ursprung gut 1.000Hm oberhalb des Bachlaufes im Larsennkar. Dort  haben sich vor etwa 90 bis 40Mio Jahren in den flachen Lagunen des Meeres die Gosaugruppen durch Ablagerungen von Sedimenten auf den heutigen Bergspitzen gebildet.
Im Larsennkar ist eine solche Breccienscholle der Muttekopfgosau vorhanden und im Laufe der Zeit lösen sich Bruchstücke, die talwärts bewegt werden.

toller Steigverlauf über schwierige Passagen im steilen Hang

Nach dem eindrucksvollen Brandbacheinschnitt führt der Steig manchmal kühn über Abbruch- bzw. Hangrutschungszonen zu einem Hockpunkt hinauf, dem Spielhahnbachle. Der Anstieg erfolgt über rd. 80Hm und ist der längste Gegenanstieg talauswärts.

einer der vielen Wasserläufe im Larsenntal, hier mit Kolk

Die Szenerie beim Spielhahnbachle verzaubert den Betrachter und mag der schönste Ort im Larsenntal sein. Einerseits schießen die zerstäubten Wasser des Spielhahnbaches über den Fels geschätzt 50Hm herab, andererseits bildet der etwas tiefere Einschnitt im Fels eine Art  eigenes Vorgebirge zum tiefen Einschnitt des Larsennbaches. Steht man an den Flanken vor oder hinter dem Einschnitt kann man rechtwinkelig zum Gebiet „in der Höll“ steil aufragende Felsen hinab bis zum etwa 200Hm tiefer liegenden Larsennbach bestaunen.

der höchste Wasserfall des Spielhahnbachles (man beachte die Kameraden unten rechts)

Ein weiters Highlight im zauberhaften Larsenntal ist die „schwarze Erde“ lokal um das Arzbachle. Der Steig durchquert eine mehrere Zehn Meter breite und (nach der Erinnerung des Autors) vermutlich an die  10 bis 20m hohe Schichteinlagerung eines in der Umgebung von Hauptdolomit total fremden geologischen Ursprungs. Die farbliche Trennung sticht sofort ins Auge und die Grenzen sind leicht zu verfolgen. Es handelt sich dabei um schwarze Schiefer die, vermutlich durch tektonische Bewegungen, großteils zerrieben sind und die gesamte Schicht im Hang daher wenig Kohäsion aufweist und steil abfällt.

die Gegend um das Arzbachle – schwarzer Schiefer umgeben von Kalkgestein

Nach dem Arzbachle dreht das Tal weit nach Süden. Dieser Teil des Tales bildet im Bachteil die enorm tiefe Klamm aus und ist auch der Grund für den erschwerten Zugang des Tales. Um ins Larsenntal zu kommen mußte zuerst die mächtige und felsdurchsetzte Stufe bis auf die Anhöhe „beim Kreizla“ erstiegen werden. In früheren Zeiten war dies sicher kein alltäglicher Zugang und das Tal blieb lange unberührt.

phantastischer letzter Rückblick vor der Talbiegung im Larsenntal (der Steig hat wieder beachtlich an Höhe gewonnen)

Am weiteren Weg talauswärts bieten sich einige Gelegenheiten für einen Rückblick auf die eindrucksvolle Berglandschaft im Nordwesten. Die bizarren Grate und Gipfel von Schlenkerspitzen und die etwas milder gebaute Brunnkarspitze krönen die steilen Flanken, die alle Energie letztlich auf den Larsennbach niedergehen lassen. Die gegenüberliegende Talseite des Eisenkopfes stellt eine eigene Welt dar – kein Weg, kein Steig säumt die durchgehenden Latschenhänge, je tiefer zur Klamm, desto unwirtlicher, steiler und unnahbar wirkt die Flanke; es muß sich um ein Paradies für das Wild handeln.

schön angelegter Steig im Fels am Ausgang aus dem Larsenntal

Ein letzter Höhepunkt im Larsenntal ist dessen Mündung in das Inntal. Der Steig führt dort durch festen und teilweise fast senkrechten Fels mit Absturzsicherungen hinaus aus der Klamm. „Sankt Antoni“ heißt es am Beginn der Felsstrecke und der schnelle Schritt, den Simon vorgelegt hat nötigte uns zum Umdrehen, weil wir das alpine Wegkreuz fast wie im Flug versäumt hätten gebührend zu betrachten.

das Tal hat sich verschlossen, der tolle Einblick in das Larsenntal ist verschwunden

Die Strecke durch die Felsen vollzieht sich keineswegs nur auf natürlichen Bändern, sie muß zu einem nicht unbedeutenden Teil gehauen, im besten Fall teilweise geschossen worden sein. Allerdings konnte der Autor nirgends Ansätze von Bohrlöchern vorfinden, also dürfte erstere Methode mit viel Anstrengung zur Anwendung gelangt sein – „wofür?“ – die mögliche Ausbeute aus dem Tal erscheint dem Besucher nicht groß genug für die Anstrengungen, die in diese Anlage gesteckt wurden.

beim „Kreizla“ (bis hierher Schotterweg von Güngelgrün, Imst)

Das Larsenntal begeistert von der ersten bis zur letzten Minute und das tut es auch nach der Mündung ab dem „Kreizla“. Diese Position von der Talgegenseite2 betrachtet läßt erst in aller Deutlichkeit erkennen welche Stufe man vom Inntal aus überwinden muß, um ins Larsenn zu gelangen.

Steig durch den steilen Wald nach Mils hinab

Über den steilen Milser Berg zieht sich der Steig direkt in das Dorf hinab und nach der zurückgelegten Strecke stellt dieser Abstieg nochmals eine letzte Anstrengung mit schönem Ausklang mitten im Dorf dar.

mehr als 300Hm vom „Kreizla“ in das Dorf machen das Larsenntal vom Tal uneinsehbar! (siehe Fußnote 1,2)

Die Rundtour führt über 22km fast durchgehend auf Steigen und der Aufstieg beträgt gesamt 1.920Hm. Wir haben für die Runde genau acht Stunden benötigt, incl. ca. 40min Pausen.
Je nach Verfassung orientiere man sich auch an der Zeitangaben aus Tourenplanern, die 11 bis 12 Stunden betragen.
Wollte man eine komplette Runde vom Zentrum Mils daraus machen, dann müßte man für die Strecke nach Starkenbach etwa 4km entlang der Landesstraße und zusätzlich etwa 100Hm eine dreiviertel Stunde hinzurechnen.

Mils bei Hall, 20.10.2019

1, 2 Die Flurnamen hat der Autor nach einem guten Tipp der Milser Dorfchronik entnommen, für mehr Details siehe Link:
http://www.milsimbild.at/2008/01/23/flurnamen/

 

 

Schwarzhorn, 2.812 m – von der Kemater Alm

Die Randlage des Schwarzhorns macht einen kaum zu übertreffenden Blick in die Stubaier möglich. Im Winkel von fast genau 180° – von Rietzer Grießkogel, über die mächtigen zentralen Stubaier Gipfel hinweg, bis zum Habicht und den knapp dahinter liegenden Tribulaunen – kann vom Schwarzhorn au eine wahrlich grandiose Aussicht bewundert werden. Es wird wenige Plätze im Stubai mit einem solch umfassenden Einblick auf das Gesamtgebirge geben – deshalb haben wir ein paar Bilder mit Gipfelbeschriftungen angefertigt.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Der Aufstieg folgt einem bezeichneten Steig durch das Senderstal auf das Sendersjöchl mit Fortsetzung bis zum Gipfel.
Ab der Kemater Alm führt zunächst ein Karrenweg über etwa 3,5 km bis zum hintersten Talboden des Senderstales, bevor er an einer Jagdhütte endet. Dort beginnt der Steig, der sich zunächst noch etwas weiter am Talboden hinzieht bevor er in die Westflanke des Gamskogels führt.

Aufstieg durch das Senderstal, das Sendersjöchl und die Marchsäule bereits sichtbar

Über eine Passage von Blockwerk zieht der Steig nun etwas oberhalb des Talbodens (Wegweiser), sich südwestwärts wendend, den Hang querend unterhalb der Schrofen vom Grat herab weiter taleinwärts.

im hintersten Senderstal bereits aufgestiegen in die Flanke des Gamsjoches

Am Ende der Hangquerung werden die letzten etwa 100 Hm auf das Sendersjöchl im Schrofengelände in Spitzkehren zurückgelegt. Der Aufstieg bis dorthin dauert in etwa ein dreiviertel Stunden und bis zum Gipfel braucht man noch etwa eine knappe Stunde.

Marchsäule und Schwarzhorn auf der gegenüberliegenden Talseite

An Sendersjöchl wir erstmals die Aussicht deutlich, vor allem in die südlichen Stubaier, deren mächtiger Vertreter Habicht etwas südöstlich gegenüber steht. Verblüffend nahe erscheint die Alm in den Oberberger Mähdern auf 1.800 m beim Tiefblick unterhalb des Joches.

Sendersjöchl Richtung Kalkkögel

Ein Zwischenziel am Grat zum Schwarzhorn stellt die Marchsäule dar, ein vom Senderstal hoch aufragender Gratkopf, der von weit außen recht imposant aussieht und mit dem eigentlichen Ziel Verwechslung finden könnte.

Steig zur Marchsäule

Gleich am Grat weiter erspart man sich etwa 10 m Abstieg am Weg zur Seducker Hochalm um von dort wieder Richtung Marchsäule aufzusteigen.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Die Marchsäule auf 2.589 m wird über den steiler werdenden Steig in 15min erreicht. Von dort hat man einen schönen Blick in das Senderstal und den bisherigen Anstieg. Das schlichte Holzkreuz ist in die Jahre gekommen, ein Gipfelbuch gibt es nicht.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Etwa 40m oberhalb der Marchsäule beginnt der typische Gratkamm im Kristallin. Im Fall des Grates zum Schwarzhorn handelt es sich um Gneise und Glimmerschiefer. Unter typisch versteht der Autor die topographische Erscheinung als loses Blockwerk an den flachen Gratstellen und dem festeren Verbund in den steileren Flanken.

weiterer Aufstieg zum Schwarzhorn

Der verbleibende Aufstieg von der Marchsäule am Gratkamm zum Schwarzhorn beträgt 220Hm und etwa einen Kilometer Länge. Hieraus ist alleine schon die recht flache mittlere Steigung abzulesen, wenn auch der Grat flache uns steile Passagen aufweist.

Kamm zum Schwarzhorn

Man möchte meinen, daß diese kurze Strecke rasch begangen werden kann, jedoch hält das Blockwerk im Mittelteil des Aufstiegs die Geschwindigkeit in Grenzen und man rechne mit einer Dreiviertelstunde bis zum Gipfelkreuz.

Blick nach Nordosten, Kalkkögel und Karwendel

Das Kalkül, daß im Herbst der Grat selbst in der großen Höhe von über 2.600 m noch schneefrei sein müßte ging auf. Der Aufstieg erfolgte großteils ohne tiefen Schnee betreten zu müssen und teilweise auf der Südseite ausschließlich auf Fels.

Kammhöhe zum Schwarzhorn

An Kletterei entbehrt das Schwarzhorn fast gänzlich. Es gibt einige wenige Passagen am Gipfelaufbau an denen die Hände zum sicheren Übersteigen von Felsspitzen benützt werden, jedoch sind diese so harmlos, daß dies sogar mit den Stöcken in der Hand möglich ist. Weiters gibt es auch kaum ausgesetzte Stellen am Grat.

Stubaier Gipfel Südwest

Ein kleines Holz-Gipfelkreuz ziert den unspektakulären Gipfel des Schwarzhorns, das Gipfelbuch erlitt leider Feuchtigkeitsschäden und befindet sich durch Schimmel, aber auch mechanisch in weitgehend zerstörtem Zustand. Trotzdem läßt sich anhand der ältesten Einträge erkennen, daß dem Schwarzhorn wenige Besuche pro Jahr zuteil werden, die noch leserlichen Einträge sind aus 2009 und das Buch ist bei weitem noch nicht vollgeschrieben.

Gipfel Schwarzhorn, 2.812 m

Dem Schwarzhorn ist im Norden der Gipfel der Schwarzen Wand vorgelagert. Er ist um 32 m niedriger und trägt ein Gipfelkreuz, obwohl er nicht durch einen offiziellen Steig erreichbar ist. Die Motivation dort ein Gipfelkreuz zu errichten ist aber klar – vom Tal aus besticht der Gipfel durch seinen formschönen Aufbau.

Blick zum Gipfel Schwarze Wand nach Norden

Die Gipfelschau in die mittlerweile überwiegend in Weiß gehüllten Stubaier beginnt im Nordwesten mit dem sehr markanten Rietzer Grießkogel und den Pirchkogel in den Nördlichen Sellrainern.

Stubaier Gipfel Nordwest mit Bezeichnungen

Sie leitet über in die Südlichen Sellrainer Berge mit Sulzkogel und Gleirscher Roßkogel.

Stubaier Gipfel Westnordwest mit Bezeichnungen

Im zentralen Teil ziemlich im Westen des Schwarzhorns finden sich  Gleirscher Fernerkogel, Breiter Grießkogel, Lisenser Fernerkogel,

Stubaier Gipfel West I mit Bezeichnungen

die Villerspitzen im Vordergrund, die Brunnenkögel, der Schrankogel, die Schwarzenbergspitzen, die Seespitzen, die die Ruderhofspitze verdecken und die Knotenspitzen.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Hinter den Alpeiner Bergen im Vordergrund lugen Wilder Pfaff, Wilder Freiger und am Ende der Alpeiner Bergkette die Wetterspitzen und die Feuersteine hervor.

Stubaier Gipfel Südwest mit Bezeichnungen

Den Abschluß der Dreitausender im Süden bilden Habicht im Vordergrund und die Tribulaune, die gerade noch an seiner Westflanke zu sehen sind – ein umfassendes Panorama.

Habicht und südliche Stubaier mit Wetterspitzen und Feuersteinen rechts hinten

Aber auch der Blick nach Südosten zu den Tuxern und Zillertalern sowie nach Osten in die Kalkkögel und auch nach Norden ins Wetterstein und Karwendelgebirge bietet ein umwerfendes Szenario das zum Verweilen einlädt.

Serleskamm und dahinter die Zillertaler Alpen

Für den Rückweg empfiehlt sich die Tour als Rundtour auszudehnen und am Sendersjöchl die Richtung zum Seejöchl einzuschlagen. Für die etwa 100 Hm mehr Aufstieg auf dieser Strecke entschädigen die Kalkkögel reichlich.

See am Seejöchl

Am Seejöchl überschreitet man außerdem die Grenze von Kristallin der Stubaier Alpen zum Kalkdolomit des Brennermesozoikums mehrfach und kann die unterschiedlichen Gesteine in ihrer Grenzlinie bis weit hinab zur Adolf Pichler Hütte bestaunen.

Kristallin (links) und Dolomit (rechts) direkt aneinander, dahinter Wetterstein und Karwendel

Der Steig führt meist an der Grenze der Gesteine dahin und zum Abschluß der Tour erscheinen die Kalkkögel in unverwechselbares dunkelgelbes Herbstlicht getaucht.

Rückblick auf die Kalkkögel

In Summe beträgt der Aufstieg somit 1.250 Hm und der Zeitbedarf mit Pausen und einem 45 minütigem Gipfelaufenthalt gut sechs Stunden für 16 km Strecke.

Mils, 02.11.2019

Gabelspitze, 2.581m – Überschreitung vom Maldongrat, 2.544m

Vom Hahntennjoch aus stellen diese beiden Ziele eine leichte Gratwanderung dar, deren besonderer Reiz im kurzen Anstieg, in den wenigen und kurzen, etwas pfiffigeren Passagen am Grat und in der grandiosen Herbstlandschaft der Lechtaler Alpen liegt. Ideal für eine etwas ausgedehntere Halbtagestour, für eine Tour ohne langen Anstieg und für solche, die sich von ihrer Verkühlung noch nicht vollends erholt haben, also ideal für des Autors Voraussetzungen dieser Tage.

zunächst leicht über die plattige Flanke bis zur Einschartung

Die beiden Ziele liegen im Gebirgszug der Heiterwand, einer gewaltige Wettersteinkalkkette mit über 7km Länge inmitten dem Hauptgebirgsbildner der Lechtaler Alpen, dem Hauptdolomit.  Anm.: Die Heiterwand wäre laut AV-Führer die längste geschlossene Wand in den Nördlichen Kalkalpen, die eine Mindesthöhe von 2400 m an keiner Stelle unterschreitet. Man muß mit solchen Aussagen vorsichtig sein, denn vom AV-Führer gibt es eine ähnliche Aussage über die Laliderer Wände im Karwendel. Bei der Heiterwand dürfte wohl die „Wand“ im klassischen Sinn über Teile der Gesamtlänge zur „Flanke“ werden, dann scheint der Sinn wieder hergestellt zu sein.

am Steinjöchle angekommen

Den Ausgangspunkt, das Hahntennjoch (1.894m), verließen wir gegen 8:15 bei mäßiger, aber für die Jahreszeit angenehmer Temperatur. Ein wärmender Nebeneffekt der Tour ist die sofortige Sonnenbestrahlung durch den Aufstieg am reinen Südhang und die hohe Ausgangslage.

kurz nach dem Start am Hahntennjoch Aufstieg in den Latschen

Etwa 10min nach Verlassen des Parkplatzes tauchten wir in Sonnenlicht ein und nach einigen Minuten konnten wir uns der Windjacken entledigen. Mit etwas Thermik nahmen Simon und der Autor den Latschenhang und die bräunlich gelben Bergwiesen darüber, hinauf zum Steinjöchle, dem Übergang zur Anhalterhütte und in das Namlosertal.

Blick nach Norden zur Namloser Wetterspitze

Ein toller Blick in das Herz der Lechtaler Alpen gen Norden begeistert am Steinjöchle für die kurze Etappe in der Flanke bis zum sich zaghaft ausbildenden Maldongrat.

Blick zum Falschen Kogl im Westen des Steinjöchles

Ist man einmal am Maldongrat angelangt erfreut man sich stetiger Zunahme der Gratausbildung und der beginnenden leichten Kletterpassagen.

am Felsansatz des Maldongrates

Bald wird auch durch die steile Nordflanke der Gipfel sichtbar. Der Grat wartet mit zwei recht angenehmen leichten Kletterstellen auf. Die erste ist eine steile Wand, bei der man der senkrechten Passage durch eine bandartige Rampe mit einem kleinen Köpfchen rechts hinausquert und somit einige Meter weg vom Grat, das Gehgelände oberhalb wieder erreicht.

der Grat mit seiner ersten steilen Stelle

Die zweite Stelle liegt vor der letzten Einschartung vor dem Gipfel und besteht aus einer etwas luftigen, glatten aber wenig scharfen Schneide über etwa vier bis fünf Meter Länge. Nach Belieben wird das Gratstück nordseitig, südseitig, oder im Reiterstil bezwungen.

nach der ersten Kletterstellen wieder am leichten Grat

Jenseits davon befindet sich eine ideale Stelle für den Spreizschritt zum gegenüberliegenden Teil der Scharte, dem ein etwa drei Meter hoher senkrechter Teil folgt, mit wieder Gehgelände oberhalb derselben.

Simon bereits in der Scharte

Der restliche Aufstieg zum Maldongrat, oder der Maldonspitze (wie er auch genannt wird), besteht vorwiegend aus Gehgelände mit wenigen leichten Kletterstellen – gerade so, daß die Arme ab und zu verwendet werden.

Autor im kurzen senkrechten Teil nach der Scharte

Gleich am Gipfel erspäht das stets abenteuerlustige Gratkletterauge ein nächstes Ziel – jenes der Gabelspitze. Rein optisch von dort aus etwa auf gleicher Höhe wie die Maldonspitze mit einladend aufgerichtetem Gipfelkreuz.

Gipfelbereich Maldongrat

Nicht den Hauch von Zweifel aufkommend lassen, konnten wir nicht widerstehen an diesem so perfekten Bergtag das nächste Ziel im Nordosten mitzunehmen und nach einer nur kurzen Pause die Überschreitung anzutreten.

Rückblick über den Grataufstieg

Vom etwas verwahrlosten Gipfelkreuz des Maldongrates brachen wir über großzügiges Gehgelände am Grat auf in die tiefe Einschartung zwischen den beiden Gipfeln abzusteigen. Als „tief“ empfand der Autor den Abstieg im Bewußtsein der gesundheitlich noch nicht wiedererlangten Leistungsfähigkeit, da dieser auch im jenseitigen Aufstieg sowie ein weiteres Mal am Rückweg  seine Wirkung tun würde. In Wirklichkeit dürfte der Abstieg max. etwa 80Hm betragen. Der Abstieg leitet im oberen Teil knapp neben dem Grat leicht in die Nordflanke, auch weil in der Einschartung unten sich der Grat nach weiter nach Nordosten wendet.

Maldongrat (Maldonspitze), 2.544m

Die tiefste Einschartung ist durch ein auffällig üppiges Wiesenband, das auch beide Seiten der Scharte bedeckt. Von dort geht es wieder die restliche Gratstrecke hinauf, großteils im Gehgelände ohne nennenswerte Kletternotwendigkeit.

der Hauptteil der Überschreitung wird sichtbar

Gegen den Gipfelaufbau hin wird noch einmal ein nettes Köpfchen mit einigen Zacken in der Folge erreicht, die leicht zu begehen sind, sich aber vom bisherigen  Gratgelände optisch eindrucksvoller abheben.

Autor im Abstieg nach dem ersten Teil in der Nordflanke

Der Gipfelaufbau wartet mit einer kurzen Schotterrinne im oberen Teil auf. Bergseitig, im festen Fels, steigt es sich komfortabler darüber hinweg und ab der Scharte oben wartet bis zum Gipfel durchgehend ein etwas anspruchsvolleres Gelände.

tolles Gehgelände im Mittelteil

Von der Scharte aus kann der Gipfel gut eingesehen werden. Um dorthin zu gelangen muß ein gestreckter schmaler Gratteil überwunden werden, der nicht direkt erklettert werden kann (zumindest haben wir allein aufgrund seiner Gestalt nicht versucht).

Aufschwung auf den Gipfelbereich, leichte Kletterei

Im Aufstieg erschien uns die gut einsehbare Nordflanke als der Normalweg um den Gratteil herum. Also stiegen wir über die plattige Flanke zur Scharte hinab und fanden sofort ein breites Band das mit wenig Höhensprung bis knapp ans Ende des zu umgehenden Gratteiles führte.

Scharte nach der Schotterreise – ab hier wird es klettertechnisch etwas interessanter

Dort, kurz vor dem Ende der Umgehung mußten wir nach der schönen Querung nun widerwillig einige Meter absteigen, um auf eine steile Schotterflanke zu gelangen, die wieder zur Schartenhöhe und zum Gipfelaufbau führt. Von der breiten Scharte aus führt großteils leichte Kletterei, weniger Gehgelände, zum Gipfel empor.

Abstieg nach dem Band auf der Nordseite – es sieht steiler aus als es ist

Der Ausblick auf der Gabelspitze, vor allem in Richtung Heiterwand, ist nochmals schöner und intensiver als von der Maldonspitze aus, da nun auf einer einzigen Flucht gelegen.

Simon im Gipfelbereich

Natürlich wäre das Herz nun gerne noch einen Sprung weitergehüpft und zwar auf den Ostgipfel der Steinmannlwand oder auf den Heiterwandkopf – aber das wird eine andere Geschichte mit besserer Verfassung nächsten Sommer.

Gabelspitze, 2.581m

Der Süden wartet hinter der unmittelbar mit einem grandiosen Blick auf den großen Gletscher der 56km entfernten Weißkugel auf und  rechts (westlich) daneben mit dem weniger weit entfernten Glockturm.

Blick gen Süden – von Zuckerhütl bis Weißkugel

Südsüdost lugt zwischen Rofelewand und Verpeilspitze die Wildspitze durch und weiter im Südosten tat sich ein verblüffend offener Blick auf das Herz der Stubaier mit Wildem Pfaff und Zuckerhütl auf sowie links davon eine dichte Packung von Schrankogel und Ruderhofspitze.

Blick gen Süden – Detail Wildspitze und Weißkugel. Im Vordergrund Platteinspitze bis Maldonkopf

Weiters konnte an diesem so klaren Tag – über die Kalkkögel hinweg – auf etwa Ostsüdost der 79km entfernte Olperer deutlich eingesehen werden.

Blick nach Südost – von Olperer bis Zuckerhütl

Im unmittelbaren Süden beeindruckt der wild gezackte Grat von Platteinspitze zum Maldonkopf und im Südwesten der mit Resten von Gosauschichten (Anm.: geolog. junge Formation) bedeckte Muttekopf sowie der Große Schlenker.

Blick ins Bschlabsertal

Gen Westen sticht der einzige Dreitausender der Lechtaler Alpen, die Parseierspitze (3.036m) ins Auge. Ihre Höhe verdankt sie den harten und witterungsresistenten Schichten des Aptychenkalks (Anm.: Reste von Ammonitenskeletten, zu besonders hartem Kalk versteinert) in der Gipfelregion.

Hochvogel rechts und Urbeleskarspitze links von Bildmitte

Von Norden bis Nordwesten bestechen die unmittelbar gegenüber gelegene Namloser Wetterspitze, sowie in weiterer Ferne der markante Gipfel des Hochvogels (bereits Allgäuer Alpen) und in der Kette weiter westwärts den ebenfalls markanten Turm der Urbeleskarspitze bis hin zum Großen Krottenkopf und der Mädelegabel. Der Rundumblick – eine Pracht!

Simon nimmt den weiteren Verlauf des Heiterwandgrates in Augenschein – ein tolles Erlebnis steht noch bevor

Simon widmete sich mit dem Glas dem Studium des interessanten und schärfer werdenden Grates in Richtung Heiterwandkopf. Von Osten her hat er die Heiterwand schon zum Teil überschritten und deren Vollendung wird ein gemeinsames Vorhaben der nächsten Saison sein.

Reuttener Becken, dahinter Forggensee

Am Abstieg probierten wir die Querung in der Südseite des scharfen Gratteiles, da ein ortskundiger Kollege, den wir am Gipfel getroffen haben, bei seinem Abstieg in derselben verschwunden ist.  Knapp hinter der Felskante in der Scharte fanden dort drei Steinmandln vor, die uns die Südseite als die Normalbegehung der steilen Flanken des scharfen Gratteiles auswies.

Querung des scharfen Gratteiles auf der Südseite – Band im Bildzentrum gut erkennbar

Die Kletterei ist dort etwas ausgesetzter als in der Nordseite, der Übergang jedoch schöner zum Klettern und mit etwas weniger Höhenverlust meist auf einem Band durchzuführen. Das letzte Steinmandl zur Scharte hin haben wir beim Aufstieg nicht erkannt und somit beim Aufstieg die Nordseite benutzt.

Querung über Bänder

Dieser Teil stellt den eigentlich einzigen Teil mit vorwiegend Kletterei dar und man kann diesen letzten Bereich des Gipfelaufbaues der Gabelspitze mit II- einstufen. Der Rückweg ist mit Ausnahme der beiden oben beschriebenen Stellen am Maldongrat leichter.

Gelände kurz vor der Scharte – am unscheinbaren Podest endet die Querung mit kleinem Steinmandl

Die Tour kann für Neulinge mit Interesse am Gratklettererlebnis wärmstens empfohlen werden. Sicherungsmittel sollten für den schwindelfreien klettergeübten Felsgeher nicht vonnöten sein.

Gratschneide im Abstieg am Maldongrat

Für unsere gesamte Grattour benötigten wir 5:20 Stunden (bei gemäßigtem Schritt, nicht unsere Normalgeschwindigkeit) bei etwa 950Hm gesamtem Aufstieg.

Mils, 27.10.2019

Vorderes Sonnwendjoch, 2.224m – Überschreitung zur Haidachstellwand

Von Wiesing aus tut sich nach Norden ein schönes Tal auf, dem man bis zum Namensträger des Gebirges, der Rofanspitze, folgen kann und dessen östliche Begrenzung ein schön geformter Kamm bildet, der das Vordere Sonnwendjoch trägt und eine aussichtsreiche, leichte Bergwanderung bietet.

Gipfelkreuz Vorderes Sonnwendjoch, 2.224 m

Die Überschreitung des Sonnwendjochkammes haben wir über den Sagzahn, die Rofanspitze sowie am Rückweg über die Haidachstellwand als Runde ausgeführt – ein phantastisches leichtes Bergerlebnis mit nicht zuviel Zeitaufwand und der Möglichkeit – aufgrund des Wetters oder der Kondition – die Runde in mehrfachen Stufen zu verkleinern und bereits früher abzusteigen.

gegenüber im Westen die Haidachstellwand und in der Tiefe der Aufstieg zur Schermsteinalm

Den Ausgangspunkt bildet der Parkplatz am Ende der Rofansiedlung in Wiesing. Rechts ein gerodetes Waldstück, links ein mondänes Anwesen für tausend Pferde, mittig der kostenlose Schotterparkplatz.

Parkplatz Rofansiedlung Wiesing

Nach dem Parkplatz und dem gleich folgenden Schranken leitet eine Weggabelung am Astenberg rechterhand weiter. Vorsicht: man stelle seine Uhr nicht auf die völlig falsche Höhenangabe am Wegweiser, die richtige Höhe dort ist 780m nicht 730m! Anderswo könnte eine solche Fehlinformation prekäre Folgen haben.

Wegweiser Astenberg (mit falscher Höhenangabe)

Die Angabe am Wegweiser mit vier Stunden zum Vorderen Sonnwendjoch mag seine Berechtigung haben, wir haben drei Stunden gebraucht. Der Höhenunterschied ab der Wegkreuzung zum Gipfel beträgt 1444 m und bei der durchschnittlichen Steiggeschwindigkeit von 350 m/h, die den Berechnungen für Zeitangaben im touristischen Gebiet zugrundeliegt errechnen sich recht genau vier Stunden für die Besteigung des Vorderen Sonnwendjoches. Die Einschätzung der persönlichen Steiggeschwindigkeit trifft jeder für sich selbst aufgrund der Erfahrung.

Aufstieg am Steig zwischen den Wegserpentinen – das Ziel schon zu sehen

Zunächst bleibt das Gelände eher flach und der Kurzweiligkeit wegen haben wir den Steig dem Schotterweg vorgezogen. Der Steig quert immer wieder den Weg bis hinauf zum Fuße des Burgaukopfes, einem mächtigen Felsklotz, der mitten im Tal steht und den Weg unter die brüchigen Hänge des Ebner Jochs zwingt.

schöne Waldschneise mit Wasserfall am Weg

Hier nahmen wir den Weg, um die Schotterreisen und jungen Brüche vom Gipfel des Ebner Jochs zu erkunden, sowie den Schichthals, ein tiefer Einschnitt am Verbindungsgrat vom Ebner Joch zum Südausläufer der Haidachstellwand.

Quelle mitten aus dem Fels

Der Schichthals ist geologisch interessant, da hier die Überschiebung der jüngeren Inntaldecke (Ebner Joch) auf die ältere Lechtaldecke (Haidachstellwand) gut zu sehen ist. Hier treffen Gesteine verschiedenen Alters und Eigenschaften aufeinander.

Schichthals; hier treffen die Inntal- und die Lechtaldecke aufeinander

Nach Erreichen der Höhe des Burgaukopfes (1.263 m) steigt das Gelände noch steiler an und bildet somit eine Talstufe von gut 200 m bis etwa zur Alpiglalm auf 1.480 m. Der Weg dorthin verläuft auf der Straße im Wald mit einer interessanten Felsenquelle zum Auffüllen der Flasche, oder steiler über den Steig (wir haben im Aufstieg den Weg genommen).

Alpiglalm 1.480m

Viel Sonne hat man dann ab dem Gelände der Alpiglalm und wie wir später gelernt haben ist diese Alm der Niederleger der Schermsteinalm, dem Ziel des Aufstiegs im Tal, bevor man über die Westhänge des Sonnwendjochs aufsteigt.

die zweite Talstufe kündigt sich an

Ein kurzes Stück innerhalb der Alm geht es flacher weiter und rechterhand kann ein junger Felsbruch von Rotkalk an der Vorderfront des Issköpfls herab betrachtet werden. Ein paar Kurven des Weges führen zum Fuß der zweiten Talstufe, ein Felsriegel mit etwa 100 m Mächtigkeit.

Ebner Joch im Südwesten

Oberhalb der Stufe, im latschenbewachsenen Gelände der Schermsteinalm liegt die Schihütte des WSV Wiesing und just am Sonntag unserer Tour veranstalteten die Schifahrer eine Bergmesse, die uns am Aufstieg zur Haidachstellwand mit „Heilig, Heilig, Heilig“ Freude bereiteten.

am Ende der zweiten Talstufe an der vorletzten Serpentine

Unter der Felswand querend entlang und über fünf Serpentinen führt der Schotterweg zum Gelände der Schermsteinalm hinauf. Das Gelände ist steil und den Serpentinen sieht man ihre Benützung durch Reversieren der Fahrzeuge an.

Almgelände – rechts der Hang zum Vorderen Sonnwendjoch

Im flachen Gelände der Alm trifft man dieser Tage auf jede Menge Galtvieh – über hundert Tiere sind es, wie uns Roli auf der Alm später erzählte.

die idyllische Schermsteinalm

Kurz bevor die Almgebäude erreicht werden zweigt der Steig zum Vorderen Sonnwendjoch bergseitig ab und quert den Hang talauswärts, leicht ansteigend in Richtung Issköpfl.

am Steig zum Vorderen Sonnwendjoch

Am Issköpfl besteht dann wieder Blickkontakt zum Inntal und in das direkt gegenüberliegende Zillertal. Über den moderat steilen Steig wird bis zur Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches aufgestiegen, das dann durch den Steig über eine lange Strecke gequert wird.

die lange Querung der Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches

Ab etwa 2.000 m ändert sich die Steigrichtung mehr nach Nordost und auf einer runden Rippe wird bis unter die Felsen weiter aufgestiegen, bevor nach wenigen Minuten der Sattel am Südostausläufer erreicht wird, den nur mehr etwa 100 Hm vom Gipfel trennen.

Murmelen (Manggei) unterhalb des Steiges bei der vormittäglichen Betrachtung des Treibens in Münster unterhalb

Auf der Rippe unterhalb der Felsen konnten wir die Murmeltiere („Manggei“ oder „Mangger“– wie wir später lernten) beobachten und, weil die Thermik bergwärts zog, verkrochen sie sich auch nicht und der typischen Warnpfiff unterblieb.

Aufstieg über die Südrippe, schöne Rofanbreccie aus Rotkalken rechts

Die Aussicht auf dem Weg zum Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches ist staunenswert. Selbst in der dunstigen Luft bei unserer Begehung konnte das Unterinntal fast völlig bis Kufstein und dem Wilden Kaiser eingesehen werden.

Deutscher Enzian (gentianella germanica)

Auch im Westen bestand ein Blick bis tief in die höchsten Gipfel der Karwendelhauptkette. Lediglich in den Süden, in den Dreitausender des Zillertales konnte man wegen der Bewölkung und des diffusen Lichtes nicht viel erkennen.

Südausläufer unterhalb des Gipfels des Vorderen Sonnwendjoches; hier Abstiegsmöglichkeit zur Bayreutherhütte östlich unterhalb

Der Nordosten (Fortsetzung der Brandenberger Alpen, dessen Teil das Rofangebirge bildet) und der Gebirgsstock des Rofan allerdings boten an diesem Tag wunderbare Aussichten und der Tiefblick auf die Aufstiegsroute am Weg kann fast als spektakulär bezeichnet werden.

Ostabbrüche unterhalb des Vorderen Sonnwendjoches, dahinter im Norden der Guffert

Wer mit dem Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches genug hat, der kann vom vorgelagerten Sattel unterhalb des Gipfels beispielsweise zur Bayreutherhütte absteigen und von dort über die Sonnwendbichlalm und die verfallende Seitensteinalm die Runde zurück zum Parkplatz schließen.

am Vorderen Sonnwendjoch, Blickrichtung Westen ins Karwendel

Dem schönen Wiesenplateau der Terrasse vom Vorderen Sonnwendjoch bis hin zum Sagzahn wird nun mit wenig auf und ab weiter gefolgt, bis die Einschartung vor dem Sagzahn erreicht wird. Dort besteht die Möglichkeit den nordwestlichen Abstieg des Sagzahns – natürlich erst nach seiner Besteigung – zu umgehen. Der erwähnte Abstieg ist ein versicherter Steig, der über die nordwestliche Felswand hinab führt und vielleicht für Manchen zu schwer erscheint.

Unterinntal bis Kufstein einsehbar

Also gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Mitnahme eines Klettersteigsets, oder die Umgehung an der zuvor erwähnten Wegkreuzung und die Inkaufnahme von etwa 15 m Höhenverlust.

verdunkelt der Höchste im Rofan, die Hochiss, rechts daneben die Seekarlspitze, im Vordergrund die Gruabalackenspitze

Es ist auch möglich die Runde unten am Umgehungssteig zu beenden und von dort zum Schermsteinalm abzusteigen. Der Steig ist offiziell und hierzu siehe das Kartenwerk.

flacher Steig zum Sagzahn

Der Sagzahn bietet ebenfalls eine bärige Aussicht und von ihm aus kann der schöne Ziereiner See, auf 1.800m zwischen dem Nordostausläufer der Rofanspitze und dem Sonnwendjoch gelegen, mit seiner kräftig blaugrünen Farbe bewundert werden.

mittig Rofanspitze, rechts Sagzahn

Die Ost- und Nordabbrüche lassen den Sagzahn von diesen Seiten als kühnen Felsturm aussehen, und gemeinsam mit der Rofanspitze ist er als deutliche Nordostbegrenzung des Rofan vom Tal aus auszumachen.

Manuel und der Sagzahngipfel, 2.228 m

Wir nahmen zum Abstieg den versicherten Steig durch das Band und dann durch den Riss in der Westflanke, der mit toller Ausgesetztheit beginnt und sicheres Steigen auf dem teils speckigen (abgenutzten und daher rutschigen) Fels erfordert.

in der Tiefe der Steig vom Sagzahn zur Rofanspitze

Der Abstieg ist kurz aber nicht zu unterschätzen. Wer im steilen Fels trotz Seilversicherung nicht sicher steigen kann muß ein Klettersteigset mitnehmen. Im unteren Teil nach der Serpentine wird innerhalb des Risses einer Felsplatte abgestiegen, man hat also eine Begrenzung zur Absturzkante.

Abstieg über den versicherten Steig unterer Teil

Der Ausstieg aus dem Riss erfolgt über einen weiteren Riss von etwa fünf Meter Höhe und ist einfach.

Ausstieg auf den Steig

Nach dieser einzig anregenden kurzen Kletterei steigt die Route noch etwa 40 m bis zum Hochpunkt und der Schafsteigsattel ist erreicht. Dort wendet sich die Runde nach Westen.

Rückblick auf den Einstieg (oben beim blauen Himmel)

Die Rofanspitze kann von dort unschwierig in ein paar Minuten besteigen werden, der Höhenunterschied beträgt etwa 75 m. Wir unterließen dies angesichts der Massen an Wanderern, die wir dort bereits vom Sagzahn aus sichteten und darauf zustreben sahen.

Umgehungssteig des Abstiegs – etwa in der Hälfte der Felsmauer kommt man runter und muß wieder aufsteigen

Vom Schafsteigsattel aus führt ein nahezu horizontal verlaufender Steig um den Buckel der Rofanspitze herum, direkt zur Grubascharte, unserem nächsten Wegpunkt.

Ziereinersee mit Roßkogel rechts

Es wäre auch möglich die Runde durch den Abstieg von der Rofanspitze zur Schermsteinalm zu verkürzen. In weniger als einer Stunde erreicht man von der Rofanspitze über die Grubascharte, links vorbei am Grubasee und weiter über die Wiesen hinab die Alm.

Rückblick von der Gruabascharte auf Sagzahn und Vorderes Sonnwendjoch

Unsere Umrundung setzt jedoch jenseits der Grubascharte fort und führt südwestwärts hinab zum Krahnsattel, zum Fuß der Haidachstellwand. Da das Wetter entgegen der Prognose immer noch gut hält, entschieden wir, daß die Haidachstellwand noch mitgenommen werden soll.

Abstieg zum Krahnsattel

Der Steig zum Krahnsattel verläuft im Mittelteil über zig Kürvchen und Stolperstellen durch den karstig anmutenden Untergrund. Links und rechts des Steiges können äußerst verwegene Erosionsformen am Oberräthkalk bestaunt werden.

Haidachstellwand

Der Krahnsattel, auf genau 2.000m gelegen, bildet den leichten Normalaufstieg auf die Haidachstellwand. Hätte das Wetter nicht gehalten, wäre der Abstieg zur Schermsteinalm auch hier möglich gewesen.

schmalblättriges Wollgras (eriophorum angustifolium) am Krahnsattel – bevorzugt kalkarme Böden, seltsam nicht?

Wir haben uns für die knappen 200 m Aufstieg des tollen Panoramas wegen und angesichts und der noch stabilen Wetterlage gerne entschieden und er war nicht zum Nachteil wie die Bilder bestätigen.

 

Manuel und das massive Gipfelkreuz auf der Haidachstellwand auf 2.192 m

Als ersten Teil führt der Aufstieg großteils über feste Erdschichten mit Schottereinlage, der zweite Teil nach dem Erreichen des Gipfelhangs, der nordwestlich geneigt und erstmals auf unserer Runde in dieser Höhe mit Latschen bewachsen ist, führt über felsig durchsetzte Bergwiesen und mit geringer Steigung auf den flachen Gipfel.

der Dalfazerkamm in seiner vollen Länge – auch hier auf diesem Blog nachzulesen

Eines der massivsten Gipfelkreuze auf all den Besteigungen des Autors, ziert die Haidachstellwand. Die Gipfelbuchschachtel wurde geschickt in die Konstruktion eingebunden und die Öffnung ist der Wetterseite abgewandt.

tief unten die Schermsteinalm und die Schihütte des WSV Wiesing bei der die Bergmesse gefeiert wurde

Man hat also an alles gedacht um das Buch möglichst zu schützen und angesichts der touristischen Bedeutung dieses Gebietes ist das auch notwendig, denn von völlig durchnässten Büchern wegen offener Deckel der Gipfelbuchschachteln bis hin zu Gipfelbüchern, die auf den Nylonsack platziert werden anstatt in diesen hinein erlebt man so einiges auf Gipfeln, die nicht nur von Bergsteigern besucht werden. Sogar ein Schreiberhalter findet sich in der Konstruktion und zu diesem komfortablen Arrangement auf einem Gipfel muß man gratulieren.

Ausblick ins Zillertal, leider etwas durch die dunstige Luft getrübt

Während der kurzen Gipfelpause konnten wir durch die akustische Wirkung des Talkessels unterhalb die Lieder der Bergmesse mithören und unter den Blasmusikklängen des Kaiserjägermarschs fand unser – selten so toll begleiteter – Abstieg statt.

die nordöstlichen Rofangipfel von Roßkopf über Rofanspitze zum Sagzahn

Der Rest der Runde bestand im Abstieg vom Krahnsattel zur Schermsteinalm. Dieser Steig führt durch steile Wiesenflächen und ein paar Schuttrinnenquerungen in einer Runde um den Felsstock der Gruabalackenspitz herum und endet im Gelände der malerischen Schermsteinalm mit den vielen Rassen von Galtvieh.

Steig hinab über Wiesen und Schuttrinnen

Die ältesten Almgebäude wurden direkt mit der hinteren Stirnwand an die senkrechten Felsen gebaut und sind ein echter Blickfang. Zufällig trafen wir den Roli in seiner Hütte und verbrachten mit ihm bei einem Bier eine gute Stunde mit viel interessanten Geschichten über die Alm.

am Steig zur Alm an der Schihütte vorbei

Der Roli ist in Pension und war schon als Bua auf der Alm heroben. Entsprechend viel hat er miterlebt und zu erzählen.

Galtvieh in den Schuttreisen der Schermsteinalm

Wir haben von ihm auch erfahren daß die Kühe beim Aufspielen der Musik hinauf zu den Felsbrocken geflüchtet – was die Kuh nicht kennt mag sie eben nicht.

Schermsteinalm, 1.855 m

Der Rückweg von der Schermsteinalm zum Parkplatz in Wiesing entspricht dem Aufstieg, ist daher klar und braucht nicht weiter beschrieben zu werden.

tolle Lage des Almgebäudes direkt am Fels

Die Tour erstreckt sich über gut 20 km, 1.745 m Aufstieg und wir haben incl. der langen Pause auf der Alm 8 ¼ Stunden benötigt. Wir empfehlen für die gesamte Tour 9 Stunden zu planen.

Rückblick vom Schotterweg unterhalb des Burgaukopfs auf eine grandiose Runde – das Wetter hat gehalten

Unser Abstecher zur Haidachstellwand kann mit einer Stunde bewertet werden, sodaß bei Entfall dieser die Runde in 8 Stunden machbar ist (ausgehend von der o. g. Empfehlung).

Mils, 01.09.2019