Archiv der Kategorie: Touren 2019

Touren 2019 überall

Schwarzhorn, 2.812 m – von der Kemater Alm

Die Randlage des Schwarzhorns macht einen kaum zu übertreffenden Blick in die Stubaier möglich. Im Winkel von fast genau 180° – von Rietzer Grießkogel, über die mächtigen zentralen Stubaier Gipfel hinweg, bis zum Habicht und den knapp dahinter liegenden Tribulaunen – kann vom Schwarzhorn au eine wahrlich grandiose Aussicht bewundert werden. Es wird wenige Plätze im Stubai mit einem solch umfassenden Einblick auf das Gesamtgebirge geben – deshalb haben wir ein paar Bilder mit Gipfelbeschriftungen angefertigt.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Der Aufstieg folgt einem bezeichneten Steig durch das Senderstal auf das Sendersjöchl mit Fortsetzung bis zum Gipfel.
Ab der Kemater Alm führt zunächst ein Karrenweg über etwa 3,5 km bis zum hintersten Talboden des Senderstales, bevor er an einer Jagdhütte endet. Dort beginnt der Steig, der sich zunächst noch etwas weiter am Talboden hinzieht bevor er in die Westflanke des Gamskogels führt.

Aufstieg durch das Senderstal, das Sendersjöchl und die Marchsäule bereits sichtbar

Über eine Passage von Blockwerk zieht der Steig nun etwas oberhalb des Talbodens (Wegweiser), sich südwestwärts wendend, den Hang querend unterhalb der Schrofen vom Grat herab weiter taleinwärts.

im hintersten Senderstal bereits aufgestiegen in die Flanke des Gamsjoches

Am Ende der Hangquerung werden die letzten etwa 100 Hm auf das Sendersjöchl im Schrofengelände in Spitzkehren zurückgelegt. Der Aufstieg bis dorthin dauert in etwa ein dreiviertel Stunden und bis zum Gipfel braucht man noch etwa eine knappe Stunde.

Marchsäule und Schwarzhorn auf der gegenüberliegenden Talseite

An Sendersjöchl wir erstmals die Aussicht deutlich, vor allem in die südlichen Stubaier, deren mächtiger Vertreter Habicht etwas südöstlich gegenüber steht. Verblüffend nahe erscheint die Alm in den Oberberger Mähdern auf 1.800 m beim Tiefblick unterhalb des Joches.

Sendersjöchl Richtung Kalkkögel

Ein Zwischenziel am Grat zum Schwarzhorn stellt die Marchsäule dar, ein vom Senderstal hoch aufragender Gratkopf, der von weit außen recht imposant aussieht und mit dem eigentlichen Ziel Verwechslung finden könnte.

Steig zur Marchsäule

Gleich am Grat weiter erspart man sich etwa 10 m Abstieg am Weg zur Seducker Hochalm um von dort wieder Richtung Marchsäule aufzusteigen.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Die Marchsäule auf 2.589 m wird über den steiler werdenden Steig in 15min erreicht. Von dort hat man einen schönen Blick in das Senderstal und den bisherigen Anstieg. Das schlichte Holzkreuz ist in die Jahre gekommen, ein Gipfelbuch gibt es nicht.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Etwa 40m oberhalb der Marchsäule beginnt der typische Gratkamm im Kristallin. Im Fall des Grates zum Schwarzhorn handelt es sich um Gneise und Glimmerschiefer. Unter typisch versteht der Autor die topographische Erscheinung als loses Blockwerk an den flachen Gratstellen und dem festeren Verbund in den steileren Flanken.

weiterer Aufstieg zum Schwarzhorn

Der verbleibende Aufstieg von der Marchsäule am Gratkamm zum Schwarzhorn beträgt 220Hm und etwa einen Kilometer Länge. Hieraus ist alleine schon die recht flache mittlere Steigung abzulesen, wenn auch der Grat flache uns steile Passagen aufweist.

Kamm zum Schwarzhorn

Man möchte meinen, daß diese kurze Strecke rasch begangen werden kann, jedoch hält das Blockwerk im Mittelteil des Aufstiegs die Geschwindigkeit in Grenzen und man rechne mit einer Dreiviertelstunde bis zum Gipfelkreuz.

Blick nach Nordosten, Kalkkögel und Karwendel

Das Kalkül, daß im Herbst der Grat selbst in der großen Höhe von über 2.600 m noch schneefrei sein müßte ging auf. Der Aufstieg erfolgte großteils ohne tiefen Schnee betreten zu müssen und teilweise auf der Südseite ausschließlich auf Fels.

Kammhöhe zum Schwarzhorn

An Kletterei entbehrt das Schwarzhorn fast gänzlich. Es gibt einige wenige Passagen am Gipfelaufbau an denen die Hände zum sicheren Übersteigen von Felsspitzen benützt werden, jedoch sind diese so harmlos, daß dies sogar mit den Stöcken in der Hand möglich ist. Weiters gibt es auch kaum ausgesetzte Stellen am Grat.

Stubaier Gipfel Südwest

Ein kleines Holz-Gipfelkreuz ziert den unspektakulären Gipfel des Schwarzhorns, das Gipfelbuch erlitt leider Feuchtigkeitsschäden und befindet sich durch Schimmel, aber auch mechanisch in weitgehend zerstörtem Zustand. Trotzdem läßt sich anhand der ältesten Einträge erkennen, daß dem Schwarzhorn wenige Besuche pro Jahr zuteil werden, die noch leserlichen Einträge sind aus 2009 und das Buch ist bei weitem noch nicht vollgeschrieben.

Gipfel Schwarzhorn, 2.812 m

Dem Schwarzhorn ist im Norden der Gipfel der Schwarzen Wand vorgelagert. Er ist um 32 m niedriger und trägt ein Gipfelkreuz, obwohl er nicht durch einen offiziellen Steig erreichbar ist. Die Motivation dort ein Gipfelkreuz zu errichten ist aber klar – vom Tal aus besticht der Gipfel durch seinen formschönen Aufbau.

Blick zum Gipfel Schwarze Wand nach Norden

Die Gipfelschau in die mittlerweile überwiegend in Weiß gehüllten Stubaier beginnt im Nordwesten mit dem sehr markanten Rietzer Grießkogel und den Pirchkogel in den Nördlichen Sellrainern.

Stubaier Gipfel Nordwest mit Bezeichnungen

Sie leitet über in die Südlichen Sellrainer Berge mit Sulzkogel und Gleirscher Roßkogel.

Stubaier Gipfel Westnordwest mit Bezeichnungen

Im zentralen Teil ziemlich im Westen des Schwarzhorns finden sich  Gleirscher Fernerkogel, Breiter Grießkogel, Lisenser Fernerkogel,

Stubaier Gipfel West I mit Bezeichnungen

die Villerspitzen im Vordergrund, die Brunnenkögel, der Schrankogel, die Schwarzenbergspitzen, die Seespitzen, die die Ruderhofspitze verdecken und die Knotenspitzen.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Hinter den Alpeiner Bergen im Vordergrund lugen Wilder Pfaff, Wilder Freiger und am Ende der Alpeiner Bergkette die Wetterspitzen und die Feuersteine hervor.

Stubaier Gipfel Südwest mit Bezeichnungen

Den Abschluß der Dreitausender im Süden bilden Habicht im Vordergrund und die Tribulaune, die gerade noch an seiner Westflanke zu sehen sind – ein umfassendes Panorama.

Habicht und südliche Stubaier mit Wetterspitzen und Feuersteinen rechts hinten

Aber auch der Blick nach Südosten zu den Tuxern und Zillertalern sowie nach Osten in die Kalkkögel und auch nach Norden ins Wetterstein und Karwendelgebirge bietet ein umwerfendes Szenario das zum Verweilen einlädt.

Serleskamm und dahinter die Zillertaler Alpen

Für den Rückweg empfiehlt sich die Tour als Rundtour auszudehnen und am Sendersjöchl die Richtung zum Seejöchl einzuschlagen. Für die etwa 100 Hm mehr Aufstieg auf dieser Strecke entschädigen die Kalkkögel reichlich.

See am Seejöchl

Am Seejöchl überschreitet man außerdem die Grenze von Kristallin der Stubaier Alpen zum Kalkdolomit des Brennermesozoikums mehrfach und kann die unterschiedlichen Gesteine in ihrer Grenzlinie bis weit hinab zur Adolf Pichler Hütte bestaunen.

Kristallin (links) und Dolomit (rechts) direkt aneinander, dahinter Wetterstein und Karwendel

Der Steig führt meist an der Grenze der Gesteine dahin und zum Abschluß der Tour erscheinen die Kalkkögel in unverwechselbares dunkelgelbes Herbstlicht getaucht.

Rückblick auf die Kalkkögel

In Summe beträgt der Aufstieg somit 1.250 Hm und der Zeitbedarf mit Pausen und einem 45 minütigem Gipfelaufenthalt gut sechs Stunden für 16 km Strecke.

Mils, 02.11.2019

Gabelspitze, 2.581m – Überschreitung vom Maldongrat, 2.544m

Vom Hahntennjoch aus stellen diese beiden Ziele eine leichte Gratwanderung dar, deren besonderer Reiz im kurzen Anstieg, in den wenigen und kurzen, etwas pfiffigeren Passagen am Grat und in der grandiosen Herbstlandschaft der Lechtaler Alpen liegt. Ideal für eine etwas ausgedehntere Halbtagestour, für eine Tour ohne langen Anstieg und für solche, die sich von ihrer Verkühlung noch nicht vollends erholt haben, also ideal für des Autors Voraussetzungen dieser Tage.

zunächst leicht über die plattige Flanke bis zur Einschartung

Die beiden Ziele liegen im Gebirgszug der Heiterwand, einer gewaltige Wettersteinkalkkette mit über 7km Länge inmitten dem Hauptgebirgsbildner der Lechtaler Alpen, dem Hauptdolomit.  Anm.: Die Heiterwand wäre laut AV-Führer die längste geschlossene Wand in den Nördlichen Kalkalpen, die eine Mindesthöhe von 2400 m an keiner Stelle unterschreitet. Man muß mit solchen Aussagen vorsichtig sein, denn vom AV-Führer gibt es eine ähnliche Aussage über die Laliderer Wände im Karwendel. Bei der Heiterwand dürfte wohl die „Wand“ im klassischen Sinn über Teile der Gesamtlänge zur „Flanke“ werden, dann scheint der Sinn wieder hergestellt zu sein.

am Steinjöchle angekommen

Den Ausgangspunkt, das Hahntennjoch (1.894m), verließen wir gegen 8:15 bei mäßiger, aber für die Jahreszeit angenehmer Temperatur. Ein wärmender Nebeneffekt der Tour ist die sofortige Sonnenbestrahlung durch den Aufstieg am reinen Südhang und die hohe Ausgangslage.

kurz nach dem Start am Hahntennjoch Aufstieg in den Latschen

Etwa 10min nach Verlassen des Parkplatzes tauchten wir in Sonnenlicht ein und nach einigen Minuten konnten wir uns der Windjacken entledigen. Mit etwas Thermik nahmen Simon und der Autor den Latschenhang und die bräunlich gelben Bergwiesen darüber, hinauf zum Steinjöchle, dem Übergang zur Anhalterhütte und in das Namlosertal.

Blick nach Norden zur Namloser Wetterspitze

Ein toller Blick in das Herz der Lechtaler Alpen gen Norden begeistert am Steinjöchle für die kurze Etappe in der Flanke bis zum sich zaghaft ausbildenden Maldongrat.

Blick zum Falschen Kogl im Westen des Steinjöchles

Ist man einmal am Maldongrat angelangt erfreut man sich stetiger Zunahme der Gratausbildung und der beginnenden leichten Kletterpassagen.

am Felsansatz des Maldongrates

Bald wird auch durch die steile Nordflanke der Gipfel sichtbar. Der Grat wartet mit zwei recht angenehmen leichten Kletterstellen auf. Die erste ist eine steile Wand, bei der man der senkrechten Passage durch eine bandartige Rampe mit einem kleinen Köpfchen rechts hinausquert und somit einige Meter weg vom Grat, das Gehgelände oberhalb wieder erreicht.

der Grat mit seiner ersten steilen Stelle

Die zweite Stelle liegt vor der letzten Einschartung vor dem Gipfel und besteht aus einer etwas luftigen, glatten aber wenig scharfen Schneide über etwa vier bis fünf Meter Länge. Nach Belieben wird das Gratstück nordseitig, südseitig, oder im Reiterstil bezwungen.

nach der ersten Kletterstellen wieder am leichten Grat

Jenseits davon befindet sich eine ideale Stelle für den Spreizschritt zum gegenüberliegenden Teil der Scharte, dem ein etwa drei Meter hoher senkrechter Teil folgt, mit wieder Gehgelände oberhalb derselben.

Simon bereits in der Scharte

Der restliche Aufstieg zum Maldongrat, oder der Maldonspitze (wie er auch genannt wird), besteht vorwiegend aus Gehgelände mit wenigen leichten Kletterstellen – gerade so, daß die Arme ab und zu verwendet werden.

Autor im kurzen senkrechten Teil nach der Scharte

Gleich am Gipfel erspäht das stets abenteuerlustige Gratkletterauge ein nächstes Ziel – jenes der Gabelspitze. Rein optisch von dort aus etwa auf gleicher Höhe wie die Maldonspitze mit einladend aufgerichtetem Gipfelkreuz.

Gipfelbereich Maldongrat

Nicht den Hauch von Zweifel aufkommend lassen, konnten wir nicht widerstehen an diesem so perfekten Bergtag das nächste Ziel im Nordosten mitzunehmen und nach einer nur kurzen Pause die Überschreitung anzutreten.

Rückblick über den Grataufstieg

Vom etwas verwahrlosten Gipfelkreuz des Maldongrates brachen wir über großzügiges Gehgelände am Grat auf in die tiefe Einschartung zwischen den beiden Gipfeln abzusteigen. Als „tief“ empfand der Autor den Abstieg im Bewußtsein der gesundheitlich noch nicht wiedererlangten Leistungsfähigkeit, da dieser auch im jenseitigen Aufstieg sowie ein weiteres Mal am Rückweg  seine Wirkung tun würde. In Wirklichkeit dürfte der Abstieg max. etwa 80Hm betragen. Der Abstieg leitet im oberen Teil knapp neben dem Grat leicht in die Nordflanke, auch weil in der Einschartung unten sich der Grat nach weiter nach Nordosten wendet.

Maldongrat (Maldonspitze), 2.544m

Die tiefste Einschartung ist durch ein auffällig üppiges Wiesenband, das auch beide Seiten der Scharte bedeckt. Von dort geht es wieder die restliche Gratstrecke hinauf, großteils im Gehgelände ohne nennenswerte Kletternotwendigkeit.

der Hauptteil der Überschreitung wird sichtbar

Gegen den Gipfelaufbau hin wird noch einmal ein nettes Köpfchen mit einigen Zacken in der Folge erreicht, die leicht zu begehen sind, sich aber vom bisherigen  Gratgelände optisch eindrucksvoller abheben.

Autor im Abstieg nach dem ersten Teil in der Nordflanke

Der Gipfelaufbau wartet mit einer kurzen Schotterrinne im oberen Teil auf. Bergseitig, im festen Fels, steigt es sich komfortabler darüber hinweg und ab der Scharte oben wartet bis zum Gipfel durchgehend ein etwas anspruchsvolleres Gelände.

tolles Gehgelände im Mittelteil

Von der Scharte aus kann der Gipfel gut eingesehen werden. Um dorthin zu gelangen muß ein gestreckter schmaler Gratteil überwunden werden, der nicht direkt erklettert werden kann (zumindest haben wir allein aufgrund seiner Gestalt nicht versucht).

Aufschwung auf den Gipfelbereich, leichte Kletterei

Im Aufstieg erschien uns die gut einsehbare Nordflanke als der Normalweg um den Gratteil herum. Also stiegen wir über die plattige Flanke zur Scharte hinab und fanden sofort ein breites Band das mit wenig Höhensprung bis knapp ans Ende des zu umgehenden Gratteiles führte.

Scharte nach der Schotterreise – ab hier wird es klettertechnisch etwas interessanter

Dort, kurz vor dem Ende der Umgehung mußten wir nach der schönen Querung nun widerwillig einige Meter absteigen, um auf eine steile Schotterflanke zu gelangen, die wieder zur Schartenhöhe und zum Gipfelaufbau führt. Von der breiten Scharte aus führt großteils leichte Kletterei, weniger Gehgelände, zum Gipfel empor.

Abstieg nach dem Band auf der Nordseite – es sieht steiler aus als es ist

Der Ausblick auf der Gabelspitze, vor allem in Richtung Heiterwand, ist nochmals schöner und intensiver als von der Maldonspitze aus, da nun auf einer einzigen Flucht gelegen.

Simon im Gipfelbereich

Natürlich wäre das Herz nun gerne noch einen Sprung weitergehüpft und zwar auf den Ostgipfel der Steinmannlwand oder auf den Heiterwandkopf – aber das wird eine andere Geschichte mit besserer Verfassung nächsten Sommer.

Gabelspitze, 2.581m

Der Süden wartet hinter der unmittelbar mit einem grandiosen Blick auf den großen Gletscher der 56km entfernten Weißkugel auf und  rechts (westlich) daneben mit dem weniger weit entfernten Glockturm.

Blick gen Süden – von Zuckerhütl bis Weißkugel

Südsüdost lugt zwischen Rofelewand und Verpeilspitze die Wildspitze durch und weiter im Südosten tat sich ein verblüffend offener Blick auf das Herz der Stubaier mit Wildem Pfaff und Zuckerhütl auf sowie links davon eine dichte Packung von Schrankogel und Ruderhofspitze.

Blick gen Süden – Detail Wildspitze und Weißkugel. Im Vordergrund Platteinspitze bis Maldonkopf

Weiters konnte an diesem so klaren Tag – über die Kalkkögel hinweg – auf etwa Ostsüdost der 79km entfernte Olperer deutlich eingesehen werden.

Blick nach Südost – von Olperer bis Zuckerhütl

Im unmittelbaren Süden beeindruckt der wild gezackte Grat von Platteinspitze zum Maldonkopf und im Südwesten der mit Resten von Gosauschichten (Anm.: geolog. junge Formation) bedeckte Muttekopf sowie der Große Schlenker.

Blick ins Bschlabsertal

Gen Westen sticht der einzige Dreitausender der Lechtaler Alpen, die Parseierspitze (3.036m) ins Auge. Ihre Höhe verdankt sie den harten und witterungsresistenten Schichten des Aptychenkalks (Anm.: Reste von Ammonitenskeletten, zu besonders hartem Kalk versteinert) in der Gipfelregion.

Hochvogel rechts und Urbeleskarspitze links von Bildmitte

Von Norden bis Nordwesten bestechen die unmittelbar gegenüber gelegene Namloser Wetterspitze, sowie in weiterer Ferne der markante Gipfel des Hochvogels (bereits Allgäuer Alpen) und in der Kette weiter westwärts den ebenfalls markanten Turm der Urbeleskarspitze bis hin zum Großen Krottenkopf und der Mädelegabel. Der Rundumblick – eine Pracht!

Simon nimmt den weiteren Verlauf des Heiterwandgrates in Augenschein – ein tolles Erlebnis steht noch bevor

Simon widmete sich mit dem Glas dem Studium des interessanten und schärfer werdenden Grates in Richtung Heiterwandkopf. Von Osten her hat er die Heiterwand schon zum Teil überschritten und deren Vollendung wird ein gemeinsames Vorhaben der nächsten Saison sein.

Reuttener Becken, dahinter Forggensee

Am Abstieg probierten wir die Querung in der Südseite des scharfen Gratteiles, da ein ortskundiger Kollege, den wir am Gipfel getroffen haben, bei seinem Abstieg in derselben verschwunden ist.  Knapp hinter der Felskante in der Scharte fanden dort drei Steinmandln vor, die uns die Südseite als die Normalbegehung der steilen Flanken des scharfen Gratteiles auswies.

Querung des scharfen Gratteiles auf der Südseite – Band im Bildzentrum gut erkennbar

Die Kletterei ist dort etwas ausgesetzter als in der Nordseite, der Übergang jedoch schöner zum Klettern und mit etwas weniger Höhenverlust meist auf einem Band durchzuführen. Das letzte Steinmandl zur Scharte hin haben wir beim Aufstieg nicht erkannt und somit beim Aufstieg die Nordseite benutzt.

Querung über Bänder

Dieser Teil stellt den eigentlich einzigen Teil mit vorwiegend Kletterei dar und man kann diesen letzten Bereich des Gipfelaufbaues der Gabelspitze mit II- einstufen. Der Rückweg ist mit Ausnahme der beiden oben beschriebenen Stellen am Maldongrat leichter.

Gelände kurz vor der Scharte – am unscheinbaren Podest endet die Querung mit kleinem Steinmandl

Die Tour kann für Neulinge mit Interesse am Gratklettererlebnis wärmstens empfohlen werden. Sicherungsmittel sollten für den schwindelfreien klettergeübten Felsgeher nicht vonnöten sein.

Gratschneide im Abstieg am Maldongrat

Für unsere gesamte Grattour benötigten wir 5:20 Stunden (bei gemäßigtem Schritt, nicht unsere Normalgeschwindigkeit) bei etwa 950Hm gesamtem Aufstieg.

Mils, 27.10.2019

Vorderes Sonnwendjoch, 2.224m – Überschreitung zur Haidachstellwand

Von Wiesing aus tut sich nach Norden ein schönes Tal auf, dem man bis zum Namensträger des Gebirges, der Rofanspitze, folgen kann und dessen östliche Begrenzung ein schön geformter Kamm bildet, der das Vordere Sonnwendjoch trägt und eine aussichtsreiche, leichte Bergwanderung bietet.

Gipfelkreuz Vorderes Sonnwendjoch, 2.224 m

Die Überschreitung des Sonnwendjochkammes haben wir über den Sagzahn, die Rofanspitze sowie am Rückweg über die Haidachstellwand als Runde ausgeführt – ein phantastisches leichtes Bergerlebnis mit nicht zuviel Zeitaufwand und der Möglichkeit – aufgrund des Wetters oder der Kondition – die Runde in mehrfachen Stufen zu verkleinern und bereits früher abzusteigen.

gegenüber im Westen die Haidachstellwand und in der Tiefe der Aufstieg zur Schermsteinalm

Den Ausgangspunkt bildet der Parkplatz am Ende der Rofansiedlung in Wiesing. Rechts ein gerodetes Waldstück, links ein mondänes Anwesen für tausend Pferde, mittig der kostenlose Schotterparkplatz.

Parkplatz Rofansiedlung Wiesing

Nach dem Parkplatz und dem gleich folgenden Schranken leitet eine Weggabelung am Astenberg rechterhand weiter. Vorsicht: man stelle seine Uhr nicht auf die völlig falsche Höhenangabe am Wegweiser, die richtige Höhe dort ist 780m nicht 730m! Anderswo könnte eine solche Fehlinformation prekäre Folgen haben.

Wegweiser Astenberg (mit falscher Höhenangabe)

Die Angabe am Wegweiser mit vier Stunden zum Vorderen Sonnwendjoch mag seine Berechtigung haben, wir haben drei Stunden gebraucht. Der Höhenunterschied ab der Wegkreuzung zum Gipfel beträgt 1444 m und bei der durchschnittlichen Steiggeschwindigkeit von 350 m/h, die den Berechnungen für Zeitangaben im touristischen Gebiet zugrundeliegt errechnen sich recht genau vier Stunden für die Besteigung des Vorderen Sonnwendjoches. Die Einschätzung der persönlichen Steiggeschwindigkeit trifft jeder für sich selbst aufgrund der Erfahrung.

Aufstieg am Steig zwischen den Wegserpentinen – das Ziel schon zu sehen

Zunächst bleibt das Gelände eher flach und der Kurzweiligkeit wegen haben wir den Steig dem Schotterweg vorgezogen. Der Steig quert immer wieder den Weg bis hinauf zum Fuße des Burgaukopfes, einem mächtigen Felsklotz, der mitten im Tal steht und den Weg unter die brüchigen Hänge des Ebner Jochs zwingt.

schöne Waldschneise mit Wasserfall am Weg

Hier nahmen wir den Weg, um die Schotterreisen und jungen Brüche vom Gipfel des Ebner Jochs zu erkunden, sowie den Schichthals, ein tiefer Einschnitt am Verbindungsgrat vom Ebner Joch zum Südausläufer der Haidachstellwand.

Quelle mitten aus dem Fels

Der Schichthals ist geologisch interessant, da hier die Überschiebung der jüngeren Inntaldecke (Ebner Joch) auf die ältere Lechtaldecke (Haidachstellwand) gut zu sehen ist. Hier treffen Gesteine verschiedenen Alters und Eigenschaften aufeinander.

Schichthals; hier treffen die Inntal- und die Lechtaldecke aufeinander

Nach Erreichen der Höhe des Burgaukopfes (1.263 m) steigt das Gelände noch steiler an und bildet somit eine Talstufe von gut 200 m bis etwa zur Alpiglalm auf 1.480 m. Der Weg dorthin verläuft auf der Straße im Wald mit einer interessanten Felsenquelle zum Auffüllen der Flasche, oder steiler über den Steig (wir haben im Aufstieg den Weg genommen).

Alpiglalm 1.480m

Viel Sonne hat man dann ab dem Gelände der Alpiglalm und wie wir später gelernt haben ist diese Alm der Niederleger der Schermsteinalm, dem Ziel des Aufstiegs im Tal, bevor man über die Westhänge des Sonnwendjochs aufsteigt.

die zweite Talstufe kündigt sich an

Ein kurzes Stück innerhalb der Alm geht es flacher weiter und rechterhand kann ein junger Felsbruch von Rotkalk an der Vorderfront des Issköpfls herab betrachtet werden. Ein paar Kurven des Weges führen zum Fuß der zweiten Talstufe, ein Felsriegel mit etwa 100 m Mächtigkeit.

Ebner Joch im Südwesten

Oberhalb der Stufe, im latschenbewachsenen Gelände der Schermsteinalm liegt die Schihütte des WSV Wiesing und just am Sonntag unserer Tour veranstalteten die Schifahrer eine Bergmesse, die uns am Aufstieg zur Haidachstellwand mit „Heilig, Heilig, Heilig“ Freude bereiteten.

am Ende der zweiten Talstufe an der vorletzten Serpentine

Unter der Felswand querend entlang und über fünf Serpentinen führt der Schotterweg zum Gelände der Schermsteinalm hinauf. Das Gelände ist steil und den Serpentinen sieht man ihre Benützung durch Reversieren der Fahrzeuge an.

Almgelände – rechts der Hang zum Vorderen Sonnwendjoch

Im flachen Gelände der Alm trifft man dieser Tage auf jede Menge Galtvieh – über hundert Tiere sind es, wie uns Roli auf der Alm später erzählte.

die idyllische Schermsteinalm

Kurz bevor die Almgebäude erreicht werden zweigt der Steig zum Vorderen Sonnwendjoch bergseitig ab und quert den Hang talauswärts, leicht ansteigend in Richtung Issköpfl.

am Steig zum Vorderen Sonnwendjoch

Am Issköpfl besteht dann wieder Blickkontakt zum Inntal und in das direkt gegenüberliegende Zillertal. Über den moderat steilen Steig wird bis zur Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches aufgestiegen, das dann durch den Steig über eine lange Strecke gequert wird.

die lange Querung der Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches

Ab etwa 2.000 m ändert sich die Steigrichtung mehr nach Nordost und auf einer runden Rippe wird bis unter die Felsen weiter aufgestiegen, bevor nach wenigen Minuten der Sattel am Südostausläufer erreicht wird, den nur mehr etwa 100 Hm vom Gipfel trennen.

Murmelen (Manggei) unterhalb des Steiges bei der vormittäglichen Betrachtung des Treibens in Münster unterhalb

Auf der Rippe unterhalb der Felsen konnten wir die Murmeltiere („Manggei“ oder „Mangger“– wie wir später lernten) beobachten und, weil die Thermik bergwärts zog, verkrochen sie sich auch nicht und der typischen Warnpfiff unterblieb.

Aufstieg über die Südrippe, schöne Rofanbreccie aus Rotkalken rechts

Die Aussicht auf dem Weg zum Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches ist staunenswert. Selbst in der dunstigen Luft bei unserer Begehung konnte das Unterinntal fast völlig bis Kufstein und dem Wilden Kaiser eingesehen werden.

Deutscher Enzian (gentianella germanica)

Auch im Westen bestand ein Blick bis tief in die höchsten Gipfel der Karwendelhauptkette. Lediglich in den Süden, in den Dreitausender des Zillertales konnte man wegen der Bewölkung und des diffusen Lichtes nicht viel erkennen.

Südausläufer unterhalb des Gipfels des Vorderen Sonnwendjoches; hier Abstiegsmöglichkeit zur Bayreutherhütte östlich unterhalb

Der Nordosten (Fortsetzung der Brandenberger Alpen, dessen Teil das Rofangebirge bildet) und der Gebirgsstock des Rofan allerdings boten an diesem Tag wunderbare Aussichten und der Tiefblick auf die Aufstiegsroute am Weg kann fast als spektakulär bezeichnet werden.

Ostabbrüche unterhalb des Vorderen Sonnwendjoches, dahinter im Norden der Guffert

Wer mit dem Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches genug hat, der kann vom vorgelagerten Sattel unterhalb des Gipfels beispielsweise zur Bayreutherhütte absteigen und von dort über die Sonnwendbichlalm und die verfallende Seitensteinalm die Runde zurück zum Parkplatz schließen.

am Vorderen Sonnwendjoch, Blickrichtung Westen ins Karwendel

Dem schönen Wiesenplateau der Terrasse vom Vorderen Sonnwendjoch bis hin zum Sagzahn wird nun mit wenig auf und ab weiter gefolgt, bis die Einschartung vor dem Sagzahn erreicht wird. Dort besteht die Möglichkeit den nordwestlichen Abstieg des Sagzahns – natürlich erst nach seiner Besteigung – zu umgehen. Der erwähnte Abstieg ist ein versicherter Steig, der über die nordwestliche Felswand hinab führt und vielleicht für Manchen zu schwer erscheint.

Unterinntal bis Kufstein einsehbar

Also gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Mitnahme eines Klettersteigsets, oder die Umgehung an der zuvor erwähnten Wegkreuzung und die Inkaufnahme von etwa 15 m Höhenverlust.

verdunkelt der Höchste im Rofan, die Hochiss, rechts daneben die Seekarlspitze, im Vordergrund die Gruabalackenspitze

Es ist auch möglich die Runde unten am Umgehungssteig zu beenden und von dort zum Schermsteinalm abzusteigen. Der Steig ist offiziell und hierzu siehe das Kartenwerk.

flacher Steig zum Sagzahn

Der Sagzahn bietet ebenfalls eine bärige Aussicht und von ihm aus kann der schöne Ziereiner See, auf 1.800m zwischen dem Nordostausläufer der Rofanspitze und dem Sonnwendjoch gelegen, mit seiner kräftig blaugrünen Farbe bewundert werden.

mittig Rofanspitze, rechts Sagzahn

Die Ost- und Nordabbrüche lassen den Sagzahn von diesen Seiten als kühnen Felsturm aussehen, und gemeinsam mit der Rofanspitze ist er als deutliche Nordostbegrenzung des Rofan vom Tal aus auszumachen.

Manuel und der Sagzahngipfel, 2.228 m

Wir nahmen zum Abstieg den versicherten Steig durch das Band und dann durch den Riss in der Westflanke, der mit toller Ausgesetztheit beginnt und sicheres Steigen auf dem teils speckigen (abgenutzten und daher rutschigen) Fels erfordert.

in der Tiefe der Steig vom Sagzahn zur Rofanspitze

Der Abstieg ist kurz aber nicht zu unterschätzen. Wer im steilen Fels trotz Seilversicherung nicht sicher steigen kann muß ein Klettersteigset mitnehmen. Im unteren Teil nach der Serpentine wird innerhalb des Risses einer Felsplatte abgestiegen, man hat also eine Begrenzung zur Absturzkante.

Abstieg über den versicherten Steig unterer Teil

Der Ausstieg aus dem Riss erfolgt über einen weiteren Riss von etwa fünf Meter Höhe und ist einfach.

Ausstieg auf den Steig

Nach dieser einzig anregenden kurzen Kletterei steigt die Route noch etwa 40 m bis zum Hochpunkt und der Schafsteigsattel ist erreicht. Dort wendet sich die Runde nach Westen.

Rückblick auf den Einstieg (oben beim blauen Himmel)

Die Rofanspitze kann von dort unschwierig in ein paar Minuten besteigen werden, der Höhenunterschied beträgt etwa 75 m. Wir unterließen dies angesichts der Massen an Wanderern, die wir dort bereits vom Sagzahn aus sichteten und darauf zustreben sahen.

Umgehungssteig des Abstiegs – etwa in der Hälfte der Felsmauer kommt man runter und muß wieder aufsteigen

Vom Schafsteigsattel aus führt ein nahezu horizontal verlaufender Steig um den Buckel der Rofanspitze herum, direkt zur Grubascharte, unserem nächsten Wegpunkt.

Ziereinersee mit Roßkogel rechts

Es wäre auch möglich die Runde durch den Abstieg von der Rofanspitze zur Schermsteinalm zu verkürzen. In weniger als einer Stunde erreicht man von der Rofanspitze über die Grubascharte, links vorbei am Grubasee und weiter über die Wiesen hinab die Alm.

Rückblick von der Gruabascharte auf Sagzahn und Vorderes Sonnwendjoch

Unsere Umrundung setzt jedoch jenseits der Grubascharte fort und führt südwestwärts hinab zum Krahnsattel, zum Fuß der Haidachstellwand. Da das Wetter entgegen der Prognose immer noch gut hält, entschieden wir, daß die Haidachstellwand noch mitgenommen werden soll.

Abstieg zum Krahnsattel

Der Steig zum Krahnsattel verläuft im Mittelteil über zig Kürvchen und Stolperstellen durch den karstig anmutenden Untergrund. Links und rechts des Steiges können äußerst verwegene Erosionsformen am Oberräthkalk bestaunt werden.

Haidachstellwand

Der Krahnsattel, auf genau 2.000m gelegen, bildet den leichten Normalaufstieg auf die Haidachstellwand. Hätte das Wetter nicht gehalten, wäre der Abstieg zur Schermsteinalm auch hier möglich gewesen.

schmalblättriges Wollgras (eriophorum angustifolium) am Krahnsattel – bevorzugt kalkarme Böden, seltsam nicht?

Wir haben uns für die knappen 200 m Aufstieg des tollen Panoramas wegen und angesichts und der noch stabilen Wetterlage gerne entschieden und er war nicht zum Nachteil wie die Bilder bestätigen.

 

Manuel und das massive Gipfelkreuz auf der Haidachstellwand auf 2.192 m

Als ersten Teil führt der Aufstieg großteils über feste Erdschichten mit Schottereinlage, der zweite Teil nach dem Erreichen des Gipfelhangs, der nordwestlich geneigt und erstmals auf unserer Runde in dieser Höhe mit Latschen bewachsen ist, führt über felsig durchsetzte Bergwiesen und mit geringer Steigung auf den flachen Gipfel.

der Dalfazerkamm in seiner vollen Länge – auch hier auf diesem Blog nachzulesen

Eines der massivsten Gipfelkreuze auf all den Besteigungen des Autors, ziert die Haidachstellwand. Die Gipfelbuchschachtel wurde geschickt in die Konstruktion eingebunden und die Öffnung ist der Wetterseite abgewandt.

tief unten die Schermsteinalm und die Schihütte des WSV Wiesing bei der die Bergmesse gefeiert wurde

Man hat also an alles gedacht um das Buch möglichst zu schützen und angesichts der touristischen Bedeutung dieses Gebietes ist das auch notwendig, denn von völlig durchnässten Büchern wegen offener Deckel der Gipfelbuchschachteln bis hin zu Gipfelbüchern, die auf den Nylonsack platziert werden anstatt in diesen hinein erlebt man so einiges auf Gipfeln, die nicht nur von Bergsteigern besucht werden. Sogar ein Schreiberhalter findet sich in der Konstruktion und zu diesem komfortablen Arrangement auf einem Gipfel muß man gratulieren.

Ausblick ins Zillertal, leider etwas durch die dunstige Luft getrübt

Während der kurzen Gipfelpause konnten wir durch die akustische Wirkung des Talkessels unterhalb die Lieder der Bergmesse mithören und unter den Blasmusikklängen des Kaiserjägermarschs fand unser – selten so toll begleiteter – Abstieg statt.

die nordöstlichen Rofangipfel von Roßkopf über Rofanspitze zum Sagzahn

Der Rest der Runde bestand im Abstieg vom Krahnsattel zur Schermsteinalm. Dieser Steig führt durch steile Wiesenflächen und ein paar Schuttrinnenquerungen in einer Runde um den Felsstock der Gruabalackenspitz herum und endet im Gelände der malerischen Schermsteinalm mit den vielen Rassen von Galtvieh.

Steig hinab über Wiesen und Schuttrinnen

Die ältesten Almgebäude wurden direkt mit der hinteren Stirnwand an die senkrechten Felsen gebaut und sind ein echter Blickfang. Zufällig trafen wir den Roli in seiner Hütte und verbrachten mit ihm bei einem Bier eine gute Stunde mit viel interessanten Geschichten über die Alm.

am Steig zur Alm an der Schihütte vorbei

Der Roli ist in Pension und war schon als Bua auf der Alm heroben. Entsprechend viel hat er miterlebt und zu erzählen.

Galtvieh in den Schuttreisen der Schermsteinalm

Wir haben von ihm auch erfahren daß die Kühe beim Aufspielen der Musik hinauf zu den Felsbrocken geflüchtet – was die Kuh nicht kennt mag sie eben nicht.

Schermsteinalm, 1.855 m

Der Rückweg von der Schermsteinalm zum Parkplatz in Wiesing entspricht dem Aufstieg, ist daher klar und braucht nicht weiter beschrieben zu werden.

tolle Lage des Almgebäudes direkt am Fels

Die Tour erstreckt sich über gut 20 km, 1.745 m Aufstieg und wir haben incl. der langen Pause auf der Alm 8 ¼ Stunden benötigt. Wir empfehlen für die gesamte Tour 9 Stunden zu planen.

Rückblick vom Schotterweg unterhalb des Burgaukopfs auf eine grandiose Runde – das Wetter hat gehalten

Unser Abstecher zur Haidachstellwand kann mit einer Stunde bewertet werden, sodaß bei Entfall dieser die Runde in 8 Stunden machbar ist (ausgehend von der o. g. Empfehlung).

Mils, 01.09.2019

Dreitorspitzen, 2.682m – Überschreitung aller

Von Nord nach Süd aufsteigend überschritten bieten die vier Dreitorspitzen eine feine und leichte Grattour, die, bei perfektem Wetter, bilderbücherliche Aussichten beschert und dem Gratkletterfreund viel Freude in zumeist festem Fels des Wettersteingebirges bietet.

etwas abspreizen um die Reibung zu unterstützen hilft hier

Die Eindrücke zusammengefasst muß der Grat als ein Geschenk betrachtet werden. Teilweise recht scharf und doch leicht zu begehen, mit schöner Anfangsflanke auf den ersten Gipfel mit ein paar klassischen Stilelementen der Kletterei – als befände man sich in einem Klettergarten. Kleine Prüfungen im schmalen Teil des Überganges und ein leichter Übergang auf den Endpunkt, die Leutascher Dreitorspitze, den höchsten der vier Gipfel.

direkter Steig neben dem Puitbach

Ja, die Dreitorspitzen sind auf der Karte betrachtet eigentlich vier Spitzen und ganz streng genommen kann man bei kritischer Betrachtung aus der Erscheinung der südlichsten, der Leutascher Dreitor-, oder Karlspitze, noch mehr und zwar in Summe sechs Spitzen herauslesen.

Puitalm gegen Söllerpass

In natura können in der Leutascher Dreitorspitze ein Hauptgipfel, ein südlich vorgelagerter niedrigerer Vorgipfel und während der Überschreitung spürbar, ein nördlich gelegener und die brüchige Rinne bildender Nordgipfel erkannt werden.
Somit wären da: die Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze, die Mittlere Partenkirchner Dreitorspitze, die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze, und die drei Gipfelerhebungen der Leutascher Dreitorspitze mit der mittleren als Kreuzgipfel.

Morgentau im Spätsommer

Wie auch immer die Nomenklatur ihren Niederschlag auf die ewigen Gipfel gefunden haben mag, die Überschreitung des sich nordöstlich bis südwestlich erstreckenden Teils des Wettersteinkamms ist ein bleibendes Erlebnis. Im Durchschnitt gesehen wird im zweiten Grad geklettert, mit ein paar kurzen Zügen die am dritten Grad kratzen oder ihn darstellen, je nach Aufstiegsvariante.

die Morgenstimmung im Puittal erinnert schon an den nahenden Herbst

Von Parkplatz Puitbach aus nahmen wir diesmal das Steiglein direkt neben dem Bach, orografisch links (vom Parkplatz aus die Landesstraße links queren, nicht rechts zum Bauernhof). Der Steig mündet in den Verbindungsweg von Lehner und führt, nach einem Gatter, fast direkt zum Wegkreuz ins Puittal. Dadurch wird ein knapper Kilometer eingespart.

am Söllerpass angelangt

Der Aufstieg durch den Wald zum Puitegg und auf die Alm kann beim Bericht vom Öfelekopf nachgelesen werden.

Nordteil der Überschreitungstour – rechts die Meilerhütte

Mit bestem Wetter erreichten wir das Gelände der Puitalm und zweigten am Fels nach rechts zum Söllerpass ab. In einer Wasserrinne im oberen Teil des Aufstiegs zog uns ein sonderbar unangenehmer Geruch in die Nase dessen Ursache wir beim Abstieg unweit unterhalb des Steiges als abgestürztes Schaf erkannten. Offenbar lag es schon Tage dort und beim Abstieg bemerkten wir ein paar Raben, die darum kreisten.

Lichtspiele im Karwendel, vom Söllerpass, links der Öfelekopf

Am Leutascher Platt angekommen folgten wir den linken Markierungen weiter, obwohl das Platt zu eigenen Pfaden einladen würde. Daß es gut ist der Markierung zu folgen merkt man erst spät drüben am Fels unterhalb des Bayerländerturms, denn eine Route weiter rechts hätten wir einen zwar nur kleinen aber unnötigen Abstieg bei einer großen Vertiefung am Platt mitmachen müssen.

Leutascher Platt gegen Bergleintal

Der Steig nach links führt an die später in die andere Richtung überschrittenen Grate der Dreitorspitzen heran und im letzten Teil vor der Meilerhütte gibt es einen kurzen versicherten Steig über steil abbrechende Felsen.

Steig zur Meilerhütte in der Wand vom Bayerländerturm (mit Seilsicherung)

Im frischen thermischen Wind des Joches der Meilerhütte leisteten wir uns die Füllung der Flaschen. Die Meilerhütte liegt auf 2.366m wo es in den Kalkalpen kein Wasser mehr gibt. Marschwasser gibt es also nur aus Mineralwasserflaschen, deren Verpackung nach dem Umfüllen von der Hüttenwirtin entsorgt wird.

erster Teil der Überschreitung – Aufstieg zur Nordöstlichen Partenkirchner Dreitorspitze über den Signalkopf

Die Meilerhütte (benannt nach dem Tiroler Stifter Leo Meiler aus Leutasch) hat eine interessante Geschichte. Sie wurde von der DAV-Sektion Bayerland vor gut 100 Jahren erbaut und war zuerst eine sehr kleine Hütte auf Tiroler Seite, ehe sie im Bergsteiger boom der Dreißigerjahre allmählich zur heutigen Größe, wenige Meter entfernt auf der bayerischen Seite, ausgebaut wurde.

Aufstieg im Detail mit erkennbarer Rinne (Kamin) mit den Klemmblöcken

Ihr Aussehen von Norden und Westen ist interessant, sie ähnelt einer Burg.
Von der Meilerhütte hat man den Aufstieg zur Nordöstlichen Partenkirchner Dreitorspitze fast völlig im Blick und kann die Route über die Rinne mit den beiden Klemmblöcken erahnen.

neue und ursprüngliche Meilerhütte

Die tolle Überschreitung beginnt mit dem Aufstieg auf die Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze, vorbei am Bayerländerturm. Der Einstieg in die Gratflanke befindet sich am Joch, der Hütte gegenüber beim Windrad.

die Grenze zwischen Tirol und Bayern zieht sich genau durch die beiden Hütten

Über die wiesenbewachsene Flanke erreicht man in wenigen Minuten den zunächst wenig scharfen Grat, der gut 100Hm zum Signalkopf hinaufführt.

anregende leichte Kletterei auf den Signalkopf

Anschließend wird etwa 20Hm zur Verbindung von Bayerländerturm und Nordöstlicher Partenkirchner Dreitorspitze abgestiegen und über den kurzen Sattel in die Nordostflanke der Dreitorspitze eingestiegen.

Abstieg zum Verschneidungspunkt Signalkopf/Bayerländerturm/Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze

Die Flanke steigt sich wunderbar und bereits in der Hälfte kann die Route zum Klemmblock erahnt werden. Der Klemmblock liegt zwischen zwei grundsätzlich glatten Felsen, die durch die häufige Begehung auch noch recht speckig wurde und wenig Reibungsflächen sowie Griffe bietet.

Aufstiegsgelände – die Klemmblöcke wieder sichtbar

Die Überwindung der Stelle ist nicht sehr schwer, wenn der Ringhaken der Bergrettung als Griff dient. Im anderen Fall, durch „piazen“, ist die Stelle etwas mühsamer (der Zug vielleicht III) aber auch noch keine echte Schwierigkeit.

mit Reibung geht es mühsam über den Block

Oberhalb des ersten Klemmblockes geht es aufrecht im Kamin weiter bis unter den zweiten Klemmblock durch und dahinter in eine Scharte mit ringsum Rissen zwischen Kaminen und Türmen hinauf. Der Fels erfreut durch seine Festigkeit.

schöne Fortsetzung durch schluchtartigen Fels bis zu einer Scharte

Wir entschlossen uns in einer Rinne südwärts weiterzusteigen und erreichten einen Haken mit Bandschlinge, bevor wir das Gipfelgelände betraten und über eine letzte Kletterstelle das Gipfelkreuz erreichten. Ein sehr schöner Aufstieg bis zur Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze der das Herz erfreut.

von Türmchen und Nadeln bestimmtes weiteres Aufstiegsgelände – knapp rechts oberhalb von Simon die Bandschlinge

Die Aussicht ist phantastisch, besonders jene nach Westen auf die Zugspitze und ihren eindrucksvollen sie begrenzenden Graten. Aber auch in die Gegenrichtung, zum Musterstein hin, tritt der atemberaubende Wettersteingrat so richtig in Erscheinung – eine beeindruckende Schneide, die unbedingt einer Erkundung bedarf.

Freude über den herrlichen Aufstieg am Gipfelübertritt

Der Blick zur etwa 250m tiefer liegenden Meilerhütte zeigt ihre verwegene Lage sehr deutlich – als müßte sie sich wegen Wilderei verstecken; ein interessanter Stützpunkt.

grandiose Aussicht nach Westen

Das Gipfelbuch ist am Einband vergoldet bedruckt und weist darauf hin, daß es sich um den Nordostgipfel (2.606m) handelt.
Im weiteren Gratverlauf erscheint der Mittelgipfel der Partenkirchner Dreitorspitze sehr nahe. Unweigerlich ist man versucht die Route ausfindig zu machen, sieht sie aber bei der Erstbegehung nicht wirklich. Das Ziel, die Leutascher Dreitorspitze scheint noch weit entfernt zu sein.

Rückblick auf den Aufstieg von der Meilerhütte

Angetrieben von der noch vor uns liegenden Überschreitung gönnten wir uns nur eine kurze Pause nach vier Stunden Aufstieg zum ersten Gipfel.

am Ende des Grates die Leutascher Dreitorspitze – Ziel unser Überschreitung

Der Abstieg über den Schuttpfad südlich des Gipfels endet bald leicht ausgesetzt in einer steilen Flanke und führt über ein zwei Rippen auf ein bald sichtbares Felsband, das teilweise begrünt ist, in eine Mulde zum Mittelgipfel heran.

der Autor am Band

Nach der Mulde führt aufwärtsgerichtetes Gehgelände auf ein kurzes Gratstück und über leichtes Klettergelände weiter auf den Mittelgipfel; das Band bleibt die einzige kleine Prüfung bis zum rundlichen Gipfel, der nur von einem Gipfelsteinmann geziert wird. Der Übergang dauerte nur etwa 20 min.

Gehgelände nach dem Band zur Mittleren Dreitorspitze

Der Übergang von der Mittleren auf die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze beginnt zunächst mit einem kurzen Abbruch, der in festem Fels leicht geklettert werden kann und man direkt am tiefer liegenden Grat fortsetzt.

Rückblick vom Mittelgipfel auf den Nordostgipfel

Eine etwas schärfere Gratstelle folgt am aufsteigenden Grat, der Rest ist meist Gehgelände mit kurzen Passagen mit Einsatz der Hände. Der Übergang dauert kaum eine Viertelstunde.

Abstieg auf einen schmalen Gratabschnitt mit kurzem Stück mit Fußbreite

Die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze ist die meistbesuchte der drei Spitzen. Ein versicherter Steig, der Barthsteig, führt von den Schuttreisen unterhalb des Grates über ein paar Kehren auf diesen Gipfel und somit die Westliche auch die einfachste aller Partenkirchner Dreitorspitzen.

Rückblick vom Westgipfel der Partenkirchner Dreitorspitze auf den Mittelgipfel

Im Kletterfieber und angeregt von dem tollen Grat genehmigten wir uns lediglich eine Trinkpause auf der Westlichen Dreitorspitze, da jetzt der interessanteste Gratabschnitt vor uns liegen sollte.

Fortsetzung der Überschreitung nach dem Verlassen des Barthsteiges

Am Barthsteig etwa 50 m abgestiegen passiert jener unterhalb der gelben Felsen (im Rückblick) den Gratverlauf und man verläßt ihn am breiten schuttigen Grat in Richtung Süden, während er sich nach Norden fortsetzt.

nach dem ersten Gratbuckel im Abstieg

Am Grat steigt man nun über Stufen abwärts bis zu einer leichten Scharte als Tiefpunkt und auf diesem Teil sind die interessantesten Kletterstellen im Abstieg zu begehen. Sie sind alle durchwegs leicht, eine schlecht einsehbare Stelle sind wir im Zickzack auf einem schuttigen Band auf der Westseite umgangen.

Abstieg zu einer netten Kletterstelle

Der Abstieg beginnt im Gehgelände und führt am breiten Grat über den ersten Kopf auf die nächst tiefere Scholle hinab. Am Ende bricht  die Scholle mit leichtem Abstieg auf die nächste Ebene ab und führt über ein paar kleine Erhebungen auf einen größeren Kopf mit großem Steinmandl. Am Weg dorthin eine schöne Kletterstelle über gelben, aber festen Fels hinab.

Abkletterstelle hinter dem Block

Anschließend erfolgt der Abstieg zur tiefsten Einschartung am Grat und dort folgen die schönsten Teile am Grat.

die interessantesten Stellen der Überschreitung liegen nun voraus

Gleich am ersten Abbruch fand Simon die Umgehung des direkten Gratstückes über etwa vier Meter Höhe als einfacher und wählte den Weg über das Band im Zickzack hinab.

die erste Stelle nehmen wir über ein Umgehungsband

Im Rückblick gesehen wäre auch der direkte Verlauf gut möglich gewesen. Manchmal brechen Stellen leicht negativ ab, d. h. der nächste Tritt bleibt dem Auge verborgen und Suchen mit dem Vorderfuß ist angesagt. Dieses Spielchen ersparten wir uns an dieser Stelle.

Simon am Band

Die nächste interessante Stelle folgt sogleich und man nimmt sie auf ihrer Ostseite. Etwa fünf Meter sind dabei im festen Fels abzuklettern und das Gelände findet sich dort an beiden Seiten etwas ausgesetzt, eine schöne Stufe für den Gratkletterfreund.

diese Stelle begeht man etwas ausgesetzt auf ihrer Ostseite

Unterhalb dieser Stelle müssen noch ein paar Meter abgeklettert werden, dann ist der tiefste Punkt erreicht und über einen zunächst schärferen Teil führt Grat in allmählich sich ausbildenden Gehgelände auf den nächsten runden Gratbuckel hinauf.

die etwas ausgesetzte Stelle im Rückblick

Wir haben den schmalen Teil auf einem Band auf der Ostseite genommen. Nach kurzer Strecke bedarf man auch der Hände nicht mehr.

schmaler Grat im Tiefpunkt des Grates, dahinter leichter Anstieg auf den runden Kopf im Gehgelände

Am Gratbuckel befindet sich wieder ein großer Steinmann, so wie überhaupt auf der gesamten Strecke dann und wann ein kleinerer zu finden ist. Die Hilfe der Steinmandeln am direkten Grat ist zum allergrößten Teil nicht wirksam, weil die Route ohnehin logisch ist.

am runden Kopf mit Blick auf die Einsattelung und der letzten Kletterstelle auf der Südseite des Kopfes vor dem Bergstock der Leutascher Dreitorspitze

An diesem Punkt beginnt der leichteste Teil der Überschreitung, der, bis auf eine Stelle nach der sofort folgenden Einsattelung, eigentlich nur mehr Gehgelände darstellt. Bei der Flanke auf den nördlichen des Doppelgipfels der Leutascher Dreitorspitze benutzt man zwar noch die Hände, eine Kletterei im eigentlichen Sinn erfolgt dort aber nicht.

Rückblick über den bisher zurückgelegten Teil; die interessantesten Stellen befinden sich leicht links des Bildmittelpunktes

Jenseits der Einsattelung führt ein Vorkopf mit schrägen Platten auf den Hauptkopf hinauf, der an seiner Südseite steil über plattiges Gelände abbricht. Die Stelle wird über etwas kleingriffiges Gelände im festen Fels abgestiegen und war sozusagen die letzte Kletterei vor der Leutascher Dreitorspitze. Man könnte sie an ihrer Ostseite auf schuttigem Band umgehen aber wir fanden, daß sie oben herum schöner zu begehen war.

bereits am nördlichen Vorgipfel zur Leutascher Dreitorspitze

Etwa 60Hm sind von dort auf der Nordflanke des ersten der Doppelgipfel noch aufzusteigen. Am Hochpunkt besteht ein guter Überblick über die gesamte Überschreitung. Zum Kreuzgipfel der Leutascher Dreitorspitze hin trennt eine Einsattelung von der auch die berühmte brüchige Rinne auf das Platt hinunterzieht, über die auch unser Abstieg erfolgte.

hinter Simon der Aufstieg zum Kreuzgipfel der Leutascher Dreitorspitze

Wir verweilten nicht lange am nördlichen Gipfel sondern stiegen zum Kreuzgipfel auf, der anstelle Leutascher Dreitorspitze auch „Karlspitze“ genannt wird. Welche Bewandtnis dieser Alternativnamen hat, konnte der Autor noch nicht ergründen.

der brüchigen Rinne zwischen den beiden Leutascher Dreitorspitzen oberer Teil

Die Leutascher Dreitorspitze ist mit 2.682 m die höchste aller Dreitorspitzen und bereits vom Tal aus ein markanter Punkt im Wettersteinzug.

Autor am recognosciren der abgeschlossenen Überschreitung; rechts unten die Meilerhütte

Leider fehlt das Gipfelbuch, dafür wurde der Versuch unternommen die Kreuzabspannung als Faradayschen Käfig auszubilden und das Erdungsband ist nicht (mehr) im Fels verankert – es hat bessere Zeiten gesehen.

Überschreitung der Dreitorspitzen im Detail

Allseitig besteht ein toller Ausblick auf die Umgebung und bis weit in das Karwendel hinein. Am unserem Tag konnte mit Leichtigkeit und freiem Auge das Überschalljoch erkannt werden und durch die Falkengruppe hindurch die Hochiss im Rofan in immerhin fast 49km Entfernung.

Blick von der Leutascher Dreitorspitze auf den tollen Öfelekopf und die Arnspitzen im Osten, dahinter das Karwendel und – wer sehr gut sieht – bis ins Rofan

Richtung Südwesten ein spektakuläres Bild mit dem nahegelegenen Schüsselkarbiwak, das als roter Punkt am Grat eindrucksvoll wirkt und dahinter die Miemingerkette sowie weiter westlich der fortführende Wettersteingrat bis hin zum Zugspitzmassiv.

Schüsselkarbiwak mit Miemingerkette im Hintergrund

Die beiden markanten Spitzen link neben dem Wettersteingrat sind die Ehrwalder Sonnenspitze und dahinter die Namloser Wetterspitze (37,5 km entfernt). Mit dem Glas konnten wir direkt hinter dem Grünsteingipfel den Muttekopf bei Imst bzw. die Feuerspitze im Arlberggebiet der Lechtaler, in 62 km Entfernung erkennen.

phantastische Aussicht zur Zugspitzregion und bis zum Arlberggebiet

Die Überschreitung könnte noch um den letzten Gratteil vom Gipfel Richtung des südostseitig weiterführenden Grates erweitert werden. Hierzu muß in die Scharte mit einem weiteren Vorgipfel abgestiegen werden.

Fortsetzung der Überschreitung mit Abstieg über den Südostgrat der Leutascher Dreitorspitze – der obere Teil für uns nicht „koscher“ genug

Das Gelände hinab zur Scharte wies einige junge Brüche auf und erschien uns wenig erstrebenswert, ebenso das abschüssige Band, das wir, weil mit viel Schutt gefüllt, ebenfalls nicht als einen sonderlich erstrebenswerten Abstieg empfanden.

Simon ist schon durch die brüchige Rinne hindurch und wartet am Schuttkegel den wir in direkter Linie auf das Platt abfahren

Über die brüchige Rinne nördlich vom Kreuzgipfel abzusteigen war zwar auch kein Vergnügen, aber so schlimm wie sie in so manchem Bericht dargestellt wird erschien sie nicht. Natürlich geht einiger kleinstückiger Schutt mit, aber der Großteil der Rinne (im schmalen Teil) weist festen Untergrund auf und die Seitenflanken sind kaum brüchig.

Mittelteil des Grates und Mittelgipfel in Bildmitte

Unten am Schuttkegel wählten wir den direkten Abstieg in der Reise und weiter zur Abbruchkante in das Puittal. Die Strecke ins nicht markiert, dann und wann trafen wir auf Steigspuren und auch auf ein nochmals aufsteigendes Gratstück mit einer Schönen Aussicht auf das Puittal.

Rückblick von der Kante zum Puittal auf die Leutascher Dreitorspitze

Unweigerlich begegnet man dann dem Steig vom Söllerpass zur Meilerhütte, bzw. auf den Söllerpass direkt und steigt den Steig nach Leutasch ab.

der schöne Öfelekopf mit seiner Nordwestkante, die einen tollen Aufstieg bietet

Die Grattour über die Dreitorspitzen erstreckt sich über 14,5 km Strecke, 1.790 Hm im Anstieg und wir benötigten dafür achteinhalb Stunden.

Leutascher Dreitorspitze am Parkplatz an der Grenze zwischen Oberleutasch und Unterleutasch

Alternativ kann über das schöne Bergleintal abgestiegen werden, eine Beschreibung davon ist beim eingangs gesetzten Link vom Öfelekopf zu finden. Die Tour wird damit um etwa eine dreiviertel Stunde länger.

Mils, 31.08.2019

Laliderer Falk, 2.427m

Der höchste Gipfel in der Falkengruppe, der Laliderer Falk, ist durch seine nicht ganz mühelose Besteigung ein eher einsames Ziel und sie kann als eine schöne Runde ausgeführt werden, mit einer rassigen Kletterei zu Beginn der Tour.

Laliderer Falk, 2.427m

Ausgehend vom Parkplatz P6 im Risstal wird zur Begehung als Rundtour über das Laliderertal in das Blausteigkar eingestiegen und von diesem über die Sprungrinne auf den Gipfel. Der Abstieg erfolgt über den Nordgrat und die Flanke des Turmfalken hinab in das Falkenkar mit Vollendung der Runde über einen bereits recht unbegangenen, halb verfallenen Steig um die nordöstlichen Waldhänge der Falkengruppe herum zurück zu P6.

links die runde Kuppe des Laliderer Falk, mittig Turmfalk und rechts Totenfalk

Wegen des wieder früh am Tag gewitterträchtig vorausgesagten Wetters starteten wir kurz nach sieben Uhr vom Parkplatz zum Steig in das Laliderertal, der Risstalstraße gegenüberliegend.
Das Laliderertal beginnt mit einer kleinen Geländestufe von etwa 100 m zum Risstal und der Steig führt auf den Fahrweg zur Lalidersalm. In der Morgenstimmung erscheinen die imposanten Laliderer Wände als mächtiger, unüberwindbarer Talabschluß im Morgenlicht.

auf dem Almweg ins Laliderertal einwärts

Nicht ganz auf halbem Weg zur Lalidersalm führt der eher flache Weg über zwei Kurven hinab in die Talsohle und östlich davon wieder mit leichter Steigung taleinwärts. Rechterhand öffnet sich mit zunehmender Einsichtigkeit eine Schlucht hinter der bis dorthin uneinsehbaren Flanke, die den Marchgraben bildet.

das Blausteigkar oben wird sichtbar, der Einstieg noch nicht

Über den Bachlauf oder dem begrenzenden südlichen Schuttkegel wird zum Beginn der Schlucht aufgestiegen.

die imposanten Laliderer Wände im Morgenlicht

Massive Reste des ungewöhnlichen Winters 2018/19 konnten wir selbst im späten August noch bestaunen. Gebrochene und abgerutschte Eisschneebrocken im
Bachlauf mit Dimensionen von Wohnzimmern nebst meterhohen Lawinenresten schafften eine Atmosphäre wie am Gletscher auf etwa 1.300 m – im Karwendel.

Anstieg zum Marchgaben

Die Schlucht zwingt zur Besteigung auf der rechten Seite im Aufstiegssinn und hier treten auch bereits die schwierigsten Abschnitte der gesamten Tour deutlich hervor.

gewaltige Dimensionen der Brocken

Wir hielten uns recht nahe am Bach und konnten die eine etwas ausgesetzte Stelle genau feststellen, die der Beschreibung des AV-Führers mit III- entspricht. Das restliche Gelände mit Bewertung II haben wir ebenfalls so empfunden.

Einstieg im Marchgarben

Möglicherweise könnte weiter entfernt vom Bach, bzw. von der Grabenverschneidung, über die begrünten Partien leichter aufgestiegen werden.

nach der Schlüsselstelle

In unserem Aufstieg waren vor und nach der Dreierstelle allerdings zwei alte Haken erhalten, die für die Wahl unserer Route als Normalaufstieg in der nordöstlichen Grabenflanke sprachen.

Schlüsselstelle

Nach Überwindung der ersten Steilstufe betritt man nach wenigen Minuten weiteren Aufstieges eine Flachstelle des Bachbettes, von der aus das folgende Gelände um den Bach weniger steil fortsetzt. Rechts im Aufstiegssinn muß jedoch noch eine unangenehme, eher griffarme Plattenfläche erklommen werden, bevor leichteres Gelände erreicht wird.

flacherer oberer Teil des Marchgrabens

Der AV-Führer spricht hier von einem Wechsel auf die linke Seite und der Fortsetzung des Aufstiegs in einem Rechtsbogen bis unter die Latschen.

Blick auf die Felsflanke gemäß Aufstieg AV-Führer

Gleich nach dieser Stelle trafen wir auf die nächsten Lawinenreste, die in ihren Dimensionen recht beeindruckend wirkten, nimmt man geodätische Höhe und Jahreszeit ins Kalkül. Dieser obere Bereich im Graben mutet an als könnte er gerne von beachtlichen Schneemassen gefüllt werden, die möglicherweise manchen Sommer überleben. Angesichts der heuer im späten August noch signifikant vorhandenen Massen jedenfalls den heurigen.

das einsame Kar beherbergt eine heute seltene Alpenblume

Mit unserer Entscheidung rechts vom Lawinenrest anzusteigen erkauften wir uns auch eine Querung der Flanke vom Laliderer Falken herunter. Oberhalb der Schlucht mit steilte die Flanke auf, bot aber guten Wettersteinfels zur Querung nach Osten in das unters Blausteigkar.

Erkundung einer Querung in die gegenüberliegende Flanke ohne Aussicht auf Erfolg

Ein Steinmandl inmitten der Querung ließ und wissen, daß nicht nur die Route des Führers, die unterhalb der Lawinenreste bereits die Flanke gewechselt hätte, sondern auch unsere Route eine öfters begangene Route sein sollte.

Querung oberhalb der Latschen beschlossen

Am Weg durch den eher abwärts geschichteten Fels in der Flanke lösten wir einige lose Partien aus, die mit dem typischen Geruch organischen Materials auf die Lawinenreste talwärts sausten und rasch verstummten. Ein Zeichen, daß der Anstieg ins Blausteigkar doch nur wenig frequentiert wird.

Querung durch die Felsflanke (Stellen II)

Wie noch jede wenig sympathische Querung endete auch jene mit dem positiven Gefühl anschließend erstrebenswerteres Aufstiegsgelände zu erreichen. Tatsächlich setzte sich der weitere Aufstieg in einer bewachsenen Steilflanke mit gutem Untergrund und Gamssteigspuren fort, bevor wir das Gelände, im Ansatz zum eigentlichen Blausteigkar hin, noch mit – für das Karwendel – untypischem und sehr großem Blockwerk gefüllt vorfanden.

Rückblick am Ende der Querung

Die Strecke durch das Blockwerk war mit etwa weniger als 100 Hm allerdings auch kurz und am Neigungswechsel zum Kar hin verschwand dieses auf knapp oberhalb von 1.900 m sehr rasch wieder.

am Ende der Querung

Das Blausteigkar erscheint nicht als typisches Karwendelkar, bei dem alle begrenzenden Flanken ihre Schuttreisen in das Kartiefste abladen.

daher der Name Blausteigkar?

An seiner Nordostbegrenzung, zur Sprungrinne des Laliderer Falken hin begrünt, vom Süden des Steinfalk herunter mit mächtigen Reisen beladen und im Westen mit einer fest erscheinenden und ebenfalls begrünten Flanke auf den Verbindungsgrat zwischen dem Pkt. 2.317 m und dem Steinfalken hin eher flach anmutenden Flanke erscheint es atypisch, vor allem bei der Begehung von unten.

im blockgefüllten Teil des unteren Blausteigkars

Die Sprungrinne, vom begrünten Schuttkegel aus gut einsehbar, erfordert vom Tiefsten des Blausteigkars aus noch einen kurzen mühsamen Aufstieg durch die Schuttreisen unterhalb ihres Endes.

die Sprungrinne erstmals sichtbar

Mag die erste Einschätzung der Sprungrinne von ihrem unteren Ende aus für das Auge recht undeutlich die linke Begrenzung als die geeignete erscheinen lassen, so wird noch weit vor Erreichen der ersten hundert Aufstiegsmeter klar, dass die rechte die richtige Wahl ist.

die Sprungrinne erreicht

Beide Flanken der Rinne neigen sich bald leicht gegen Osten und der Plattenfels der rechten Begrenzung tritt klar als die bessere Aufstiegsroute hervor.

Beginn der Kletterei in der Sprungrinne

Leicht zu klettern und weg von der uneinsehbaren, teils beklemmenden Rinnenverschneidung steigt es sich in der rechten Flanke der Sprungrinne komfortabel bis zur Verschmälerung, etwa nach zwei Drittel des Gesamtaufstieges zum Grat.

Rückblick auf das Blausteigkar

An dieser Stelle tritt der geologische Wechsel zwischen Muschelkalk und Wettersteinkalk – wie uns ein Altmeister der Geologie Tirols, Otto Ampferer, lehrt – deutlich zutage und sogar dem Laien muß die Andersartigkeit der Felsflächen westlich und östlich der Sprungrinne ins Auge fallen. Der Autor nimmt an, daß die Bezeichnung „Sprungrinne“ mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung von dem von Ampferer beschriebenen „Sprung“ der geologischen Abfolge abgeleitet ist.

guter Fels rechts der Rinnenverschneidung

Im Aufstiegssinn rechts der Sprungrinne klettert man also auf (etwa ein paar Millionen Jahre) jüngerem Wettersteinkalk und die Unterschiede der beiden Rinnenseiten treten auch topografisch deutlich zutage.

Rückblick auf die ersten 50Hm Kletterei

Im Mittelteil folgt dem gutgriffig steil geschichteten Fels eine interessant kletterbare Plattenfläche, durchzogen von feinen bis groben Rissen, die in verschiedenen Schwierigkeitsstufen geklettert werden kann.

schöner Plattenkalk über etwa 40Hm

Die Verschneidung dieser (offenbar die Scherfläche des Sprungs) Fläche mit dem links (westlich) anlagernden Muschelkalk erwies sich in der Kletterei nicht so fein als die offene glatte Fläche, sodaß Holger nach anfänglichem Probieren auch auf die Platte wechselte.

Holger versucht in der Verschneidung zu klettern – quert dann auf die Platte

Gegen das obere Ende der Platte hin wird wieder gegen die Verschneidung hin gequert. In dieser Querung befanden sich bei unserer Begehung ein zwei kurze Züge, bei denen wir zwischen Feuchtflächen über die Platte herab auf Reibung angewiesen waren, die man durchaus als etwas anspruchsvoller (II bis -III) empfunden könnte.

rassige Stellen auf der Platte

Die Querung erfolgt zu einem schwarzen Schlund aufsteigend, der rechts liegen gelassen wird (leider hat der Autor verabsäumt die höhlenartige Vertiefung näher zu inspizieren) und an dessen Westseite durchaus steil zu einer gelblichen Störzone mit viel jungem Bruch weiter aufgestiegen wird.

unterhalb des Seitenwechsels

Wenig oberhalb der gelben Stellen verschwindet die schlechte Geologie wieder und die Rinne verbreitert sich. Unter viel Schutt als Füllung der flachen oberen Partie der Rinne wird die Scharte zwischen dem südwestlichen Vorgipfel und dem Hauptgipfel des Laliderer Falk erreicht.

durch die Störzone in den obersten Teil der Rinne

Über eher glatten jedoch genügend strukturierten Fels kann nun kurz vor der Scharte in leichter Kletterei östlich auf den Gipfelkamm, oder von der Scharte nordöstlich ohne Kletterei direkt zum Gipfel aufgestiegen werden.

Rückblick auf den Seitenwechsel

Den Gipfel des Laliderer Falk ziert kein Kreuz, obwohl er die höchste Erhebung in der Falkengruppe darstellt. Das Gipfelbuch wird im üblichen Gipfelsteinmandl verwahrt.

Jürgen und Holger oberhalb der Scharte – links von ihnen geht es auf Steigspuren zum Gipfel

Der Tiefblick auf die Ausgangsstelle im Laliderertal – dem Marchgraben –  erscheint vom Laliderer Falk in besonders eindrucksvollem Winkel von 50° zur Horizontalen, den man mit dem großen Höhenunterschied von 1.300 Hm nicht sehr häufig im Karwendel in dieser Dimension vorfindet.

den Gipfel des Laliderer Falk erreicht

Natürlich mit Ausnahme der naheliegenden Laliderer Wände, die zwar über einen weit steileren Winkel, allerdings nicht über einen dermaßen großen Höhenunterschied zur Basis verfügen.

beeindruckender Tiefblick auf den Ausganspunkt Marchgraben

Glücklicherweise schien uns das Wetter hold zu bleiben. Die umliegenden Gipfel waren zwar teilweise von Nebeln gesäumt, besonders eindrucksvoll das sieben Kilometer und 40 m höhere Sonnjoch im Osten.

Sonnjoch im Osten mit Nebelhaube, rechts Gamsjoch

Leider erlaubte die Bewölkung auch keine sonnenbeschiene Aufnahme der grandiosen Gratüberschreitung vom Kleinen Falk zum Risser Falk, die wir wenige Wochen zuvor mit großem Vergnügen durchgeführt haben.

Risser Falk und Kleiner Falk gegenüber – dazwischen die tolle Gratüberschreitung

Die weitere Planung – falls das Wetter halten sollte – bestand in der Erweiterung der Tour zur Runde über die Scharte zwischen Laliderer und Turmfalk, sowie dem Abstieg durch die Westflanke des Turmfalks (im Bild vom Risser Falk aufgenommen und mit Abstiegsroute) und diese gingen wir nach einer moderaten Gipfelpause an.

Abstieg über die Westflanke am Turmfalk

Zunächst muß vom Hauptgipfel des Laliderer Falk einige Dutzend Meter abgestiegen werden, um die Verbindungsscharte mit dem vorgelagerten Nordgipfel zu erreichen.

Abstieg über Rinnen vom Hauptgipfel bis zur Querung zur Verbindungsscharte mit dem Nordgipfel

Der Abstieg ist zum Teil mit Steinmandln gekennzeichnet, es bedarf jedoch guter Augen, um jene von oben immer auszumachen.

Querung zur Scharte

Aber auch ohne diese wird der Weg in der Nordwestflanke gefunden. Bei einem etwas größeren Schuttfeld nach dem Abstieg in kurzen Rinnen wird gegen Nordosten gequert und mit einigen Aufstiegsmetern die Scharte erreicht.

Querung in die Scharte

Jenseits derselben steigt es sich vorzüglich über ein gewendeltes schuttiges Band, das vom Hauptgipfel au gut auszumachen ist, bis zur Ostkante des Nordgipfels. Über diese steigen wir dann hinab auf den breiten schuttigen Nordostrücken des Laliderer Falk.

Scharte

Am Rücken hielten wir uns in Gratnähe zum Abbruch ins Laliderertal hinab (der Abstieg direkt auf der zentralen Fläche am Rücken wäre der Mühlviertlerweg) und über die grasigen Hänge in Schartennähe zum Turmfalk hin querten wir wieder auf diese zu.

erste Abstiegsmeter auf der Nordseite

Beim Anblick des Turmfalken von der Scharte aus reifte die Idee eines weiteren Abenteuers, aber dieses wird später einmal beschrieben werden.

phantastisch anzusehender Nordgrat mit Turmfalk und Totenfalk

Der Abstieg über die Nordostflanke ist kein sonderlich schwieriger, jedoch erfordert er eine gute Portion Orientierungsvermögen. Die Hangneigung ist groß und über die gesamte Strecke von oben uneinsehbar.

Vorbereitung auf den Abstieg

Kommt man also erstmals im Abstieg auf den teilweise vorhandenen Steig, so ist man sehr auf die Steinmandln und eben auf eigenes Orientierungsvermögen angewiesen.  In unserem Fall erwies sich das „Recognosciren“ von der Gegenseite – einige Wochen vorher, vom Risser Falk aus – als vorteilhaft für das Vorhaben.

Abstieg von der Scharte aus gesehen

Im Prinzip folgt der Abstieg im oberen Teil einem langen, abfallenden Band, das eine Trennfläche im Gebirgsaufbau darstellt. An der entscheidenden Stelle, in der man das Band verläßt und über eine Rinne in der Falllinie weiter absteigt, fehlt die Markierung durch ein Steinmandl – höchstwahrscheinlich aufgrund der ungünstigen Geländeform, die eine dauerhafte Markierung erschwert.

Rückblick auf die Nordostflanke des Laliderer Falk

Die Steigspuren verschwinden in grobem Kies und auf dem gewachsenen Fels in der Rinne, sodaß wir zunächst vor der Situation standen, am schrägen Band, dem wir so lange gefolgt sind, schon auf der nächst folgenden flacheren begrünten Rippe plötzlich keine Steinmandln und Steigspuren mehr vorzufinden und andererseits den Abzweig nach links in die Rinne aber auch nicht klar als Fortsetzung des Abstieges zu erkennen.

Rückblick auf den ersten Teil des Abstieges am abfallenden Felsband

Zunächst suchten wir vergebens auf der nächsten Rippe in etwa 200 m Entfernung eine Markierung mittels Steinmandl zu entdecken. Diese nächste Rippe ist leicht erkennbar, da sie vollflächig mit Latschen bewachsen ist und somit einen markanten Punkt darstellt.

typischer Steigverlauf über Rippen hinweg mit Steinmandln

Etwas irreführend sind die Steigspuren durch die Latschen, die wahrscheinlich nur Gamsspuren sind.
Damit lag also relativ klar auf der Hand, daß das lange abwärtsführende Band an dieser Stelle zu verlassen und in die Rinne vor der begrünten Rippe auf der wir standen einzusteigen ist.

an dieser Stelle im Steig zieht sich eine breitebegrünte Rinne bis zur Scharte zwischen Totenfalk und Turmfalk – das ist noch nicht die Abstiegsrinne

Als zweite Möglichkeit kam die breitere Rinne nördlich voraus in Betracht und ehe wir alle einig waren welche wir nehmen sollten steig Simon zur Erkundung nördlich voraus hinab.
Wir drei nahmen nun die Rinne am Ende der Steigspuren vor der Rippe auf der wir standen und entdeckten einige Dutzend Meter tiefer wieder Steinmandln – die Entscheidung war also richtig.

Ausblick auf die noch bevorstehenden Rippen

Weiter unten, etwa 100 Hm, sahen wir dann auch schon Simon beim rückwärtsqueren zur Rinne, in der wir uns befanden.

weiterer Abstieg durch steiles Gelände zur nächsten Rippe; unten sieht man die nächste Rippe vor der man ohne Steigspuren links in die Falllinie dieser Rinne absteigt

Die Rinne wird bis zu einer größeren Latschenfläche abgestiegen und dort wendet sich die Route im Abstiegssinn nach links (südlich) und quert recht flach zum Falkenkar hinaus.

Holger im Abstieg; hinten sieht man die letzte Rippe, die nicht mehr überschritten wird

Die Querung umgeht quasi noch einen letzten Steilabbruch und mündet in einen Schuttkegel sanft auf die Karwiesen ein. Das Falkenkar wird etwa auf einer Höhe von 1.780 m erreicht.

der Ausgang aus der Westflanke zeichnet sich ab

In der Frontalansicht vom Risser Falk gegenüber sieht die gesamte Route durch die Westflanke des Turmfalk logisch aus, die Tücke bei der Erstbegehung von oben ist aber, daß jeweils recht wenig des Abstieges einsehbar ist und über den Großteil der Westflanke im untersten Teil ungangbare, oder nahezu ungangbare Abbrüche warten, die man im Abstieg nicht herausfordern muß.

unten quert Simon zurück

Der restliche Abstieg über das malerische Falkenkar erfolgt bis zur Forststraße auf etwa 1.130 m auf gut sichtbarem, schmalem Jagdsteig mit einigen Quellen zum Nachtanken. Eine Beschreibung davon ist hier zu finden.

Ausgang aus der Westflanke ins Falkenkar

Um von der Forststraße möglichst auf kurzem Wege zurück zu P6 zu kommen, wählten wir auf der AV-Karte einen Steig um das nordöstliche „Eck“ der Falken, um den in der Karte benannten „Äuerlstuhl“ herum, der unweit des Parkplatzes in die Rißtalstraße einmündet.

Rückblick auf den Steig – zwischen den Latschen in der linken Bildhälfte wird bis zur unteren rechte Bildecke abgestiegen

Der Steig wird über die Forststraße erreicht, über die mit leichter Steigung bis zu ihrem Ende angestiegen wird. Kurz vor dem Ende befindet sich ein Jägerstand und durch den Wald sieht man auf der dahinterliegenden Bergwiese einen kleinen Felssporn, der vom Ende des Weges aus im Abstieg erreicht wird.

oberhalb des mit Latschen bewachsenen Kopfes in der unteren Bildhälfte wird von links nach rechts gequert

An diesem Felssporn beginnt der halb verfallene Steig, der sich lange sehr höhenparallel durch den Wald zieht, bevor er in einen Forstweg einmündet und fallend zur Rißtalstraße ausläuft. Von dort zurück zu P6 über kaum 10 min entlang der Straße.

Ansicht vom Holzplatz auf das untere Falkenkar; links oben befindet sich die Rippe, die schon nicht mehr begangen wird, auf der Rippe vorher wird abgestiegen

Somit benötigten wir vom Holzplatz im Falkenkar (1.130 m) bis zu P6 nur 50 min, kürzten somit signifikant ab und entkamen dem einsetzenden Regen bei Bier und Kuchen in der Garberlalm.

verfallener Steig um den Äuerlstuhl herum

Die gesamte Tour erstreckt sich über 1500 Hm Aufstieg und 8 ¼ Stunden Gehzeit incl. Pausen. Die Länge der Strecke beträgt etwa 12,5 km.
Anmerkung: Wenn der Abstieg nach Norden nicht bekannt ist und aus Wettergründen (Nebel?) ein zügiger Abstieg zurück durch die Sprungrinne erforderlich erscheint, kann auch der klettertechnisch einfachere Weg über den Kamm, der das Blausteigkar westlich bildet und die Grüne-Rinn-Scharte ins Auge gefasst werden. Allerdings erfordert diese Variante einen weiteren Aufstieg aus dem Blausteigkar bis auf den Kamm (etwa 250m), sowie die Überschreitung der Erhebungen bis vor die Flanke des Risser Falk mit weiteren Aufstiegsmetern. Jeder Rückzug aus dem Blausteigkar ist also mit nicht zu unterschätzendem Aufwand verbunden – ins Laliderertal mit einem bei Nässe unangenehmen bzw. gefährlichen Abklettern in den Marchgraben und über die Grüne-Rinn-Scharte mit weiterem Aufstieg sowie erheblich größerem Zeitbedarf.

Mils, 25.08.2019

 

Hochiss, 2.299m und Dalfazerkamm-Überschreitung

Die Runde über die Dalfazalm zur Hochiss und zurück über den Dalfazerkamm bietet einen abwechslungsreichen Anstieg und im zweiten Teil, am Abstieg über den Kamm, tolle Blicke im Rofan und auf die Umgebung.

auf der Hochiss, 2.299m – Richtung Dalfazerkamm geblickt

Der Dalfazerkamm wurde zu einem markierten Steig ausgebaut und bietet dem Gratkletterfreund kaum Freuden im Fels. Das Gros der Strecke führt westseitig unter den Graterhebungen vorbei, die Aufstiege auf das Dalfazerjoch und die Erhebung südlich gegenüber dem Steinrigen Mann’l mit dem Gipfelkreuz liegen abseits des Steiges und lediglich der Aufstieg auf den Dalfazer Roßkopf führt durch ein paar Meter steilen Fels – seilversichert.
Der einzige kurze Aufstieg auf das die Steinrige Mann’l mit dem Gipfelkreuz bietet einen Hauch von Kletterei, wenn auch nur etwa über etwa 20m.

Start nach dem Kinderhotel in Buchau / Maurach

Touren im Rofan sind aufgrund des eher geringen Höhenunterschiedes vom Ausgangspunkt Maurach bis zum jeweiligen Gipfel ideale Tagestouren bei vorausgesagtem Schlechtwettereinbruch am Nachmittag, oder wenn nicht genügend Zeit vorhanden. In zweieinhalb bis drei Stunden ist die höchste Erhebung, die Hochiss, mit einem geodätischen Höhenunterschied von 1.370m erreicht.

Wasserfall Dalfazbach

Den Startpunkt bildet der Parkplatz bei dem neuen Schwimmbad oder jener beim Kinderhotel in Buchau. Die Parkgebühren sind enorm und für den Bergsteiger gibt es intelligenterweise die Wahl zwischen vier Stunden um 5.- oder 24 Stunden um 8.-.

auf der Teisslalm

Gleich hinter dem Hotel führt der Weg bergan und kurz nach dem Schranken und der ersten Kehre führt der Steig links weg bald neben dem Dalfazbach durch den Wald fast bis zum Wasserfall hinauf. Fast deshalb, weil die letzte Strecke nicht mehr ausgeschnitten wurde und es sich morgens bei Tau empfiehlt in der Kehre zurück auf den Weg zu wechseln und diesen bis zum Ende am Wasserfall zu nehmen.

Dalfazalm Richtung Überschreitung geblickt

Der Wasserfall ist es wirklich erblickt zu werden, die Stufe ist schätzungsweise gut 50m hoch und es gibt eine Aussichtsplattform.
Weiter führt nun ein fortwährend breiter Steig durch den restlichen Wald bis zu den Wiesen der Teisslalm (1.310m) und weiter bis zur Dalfazalm auf 1.697m.

Dalfazalm, 1.697m

Durch die malerische Dalfazalm führt der Steig weiter in Richtung Kotalmsattel und weiter zum Streichkopfgatterl. Ein Weidezaun ist in der Alm zu übersteigen, das einzige Hindernis im Gelände.

in der Dalfazalm Richtung Kotalmjoch

Nach dem Kotalmsattel steilt der Weg zum Kamm hinauf etwas auf und das eher flache Almgelände endet. Links nach Nordwesten geblickt befindet sich der Kamm mit dem Kotalmjoch, im Winter vom Achenseehof eine tolle Schitour.

am Kotalmsattel

Die 200Hm vom Kotalmjoch auf das Streichkopfgatterl, bzw. den Beginn des Dalfazerkammes führen im Mittelteil durch zwei Felsen und oberhalb wieder durch Bergwiesen. Rasch ist man oben am Streichkopfgatterl.

weiterer Steigverlauf auf den Kamm

Die Kammüberschreitung könnte hier schon beginnen, jedoch sollte für den grandiosen Blick auf den Dalfazerkamm und auch wegen der leichten Erreichbarkeit auf der Runde die Hochiss bestiegen werden, die sich hinter dem Streichkopf im west/östlich verlaufenden Hauptkamm des Rofan versteckt und diesen Gipfel mitnehmen. Der geringe Höhenunterschied von etwa 120m und die kurze Strecke von etwa 550m lohnen sich allemal und je früher am Vormittag man dort ist, desto mehr hat man den Gipfel für sich alleine. Zeitbedarf ab dem Streichkopfgatterl hin/zurück mit kleiner Pause etwa 40min.

am Dalfazerkamm angelangt

Am Gipfelsteig, der ein Ausläufer vom Normalweg ist, kommt man den Nordabbrüchen nahe und sollte entsprechend vorsichtig sein.

Blick nach Osten Richtung Hochiss (nicht sichtbar)

Von der Hochiss bietet sich ein guter Überblick über das Rofangebirge. Im Osten kann man zwischen  Spieljoch und Seekarlspitze hindurch den Roßkopf und leicht links davon den majestätisch aufragenden Sagzahn in weiterer Entfernung sehen.

Hauptkamm des Rofan mit Spieljoch, Seekarlspitze, Roßkopf und Sagzahn

Ebenfalls im Osten endet der Hauptkamm mit der Rofanspitze und Rofanturm, bevor der Felsaufbau in die flachen Bergwiesen des Sonnwendjochs übergeht.

die Überschreitung im Zoom

Gen Norden geblickt finden sich noch die beiden Unnütze und der mächtige Guffert, bevor die Brandenberger Alpen Richtung Nordosten abebben.

Unnütze und Guffert

Zurück am Streichkopfgatterl, dem nördlichen Ausgangspunkt der Dalfazerkamm-Überschreitung, beginnt der Kamm, der seine leichte Hangseite im Westen hat, mit dem Abstieg in einen langen Sattel.

Beginn der Dalfazerkamm-Überschreitung

Der etwa 50Hm hohe Aufstieg vom Tiefsten im Sattel auf das Dalfazer Joch erfolgt nicht – der Steig schwindelt sich um den flach ausgeprägten Gipfelaufbau an seiner Westseite herum und trifft den eigentlichen Gratverlauf erst wieder an dessen Südseite.

Dalfazer Joch – der Steig führt rechts (westlich herum)

Wer das Dalfazer Joch dennoch besteigen will, folgt kurz vor dem Gipfelaufbau einem noch gut erkennbaren Steig nach links oben und erreicht das Steinmandl am begrünten Rücken. Besonders ausgeprägt ist dieser flache Gipfel mit 2.243m Höhe nicht.

Dalfazer Joch Gipfel

An seiner Südseite kann recht unbequem auf schrägem Plattenfels ein paar Meter zum Steig abgeklettert werden.

die Steinrigen Mann’ln im Süden und der interessante namenlose Sporn dahinter

Weiter geht es zu den Steinrigen Mann’ln, die zwischen dem Dalfazer Joch und der nächsten Erhebung liegen und wovon jenes, das dem Steigverlauf näher liegt, ein kleines Alu-Gipfelkreuz trägt.

Steinrige Mann’ln

Natürlich mußte der Autor die Gelegenheit sofort wahrnehmen und das Mann’l erklimmen. Dies geschah über einen tiefen Kamin an seiner Südseite, sowie nach dem Ende dieses, über ein paar Meter Grat und noch ein paar Meter auf den Gipfelkopf.

auf dem Steinrige Mann’l nach Norden geschaut

Der Aufstieg im Kamin ist leicht, er ist etwa einen Meter breit und hat durch den eigenartigen Plattenfels, der im Rofan sehr charakteristisch ist, jede Menge Tritte und Griffe die schmale Vorsprünge bilden.

weiterer Kammverlauf

Die Aussicht von diesem Turm auf den im Süden thronenden namenlosen Gipfel ist beeindruckend und man fragt sich, ober dieser an seiner Nordseite bestiegen werden kann (um es vorwegzunehmen: Es scheint ein undeutlich zu erkennender Steig zu den Gipfelfelsen hinauf abzuzweigen, der Autor hat es bei dieser Erstbegehung jedoch nicht versucht).

Grandios ist auch der Blick auf den Achensee und das dahinterliegende Karwendel.

toller Blick auf den Achensee und in das Karwendel

Gleich anschließend am Steig folgt die schön anzusehende Schuppe, die wiederum an ihrer Westseite umgangen wird, die jedoch auch von der Südseite über eine üppige Wiesenfläche erstiegen werden kann. Am Hochpunkt kann der südseitige Kamin des Steinrigen Mann’ls mit dem Gipfelkreuz eingesehen werden, sowie auch der weitere Aufstieg bis zum Gipfelplateau.

das erklommene Steinrige Mann’l – auf der Südseite sieht man den Kamin gut

Von dieser Schuppe führt der Steig nun etwas tiefer hinab, zuerst durch Wiesen, dann durch Latschen bis zu einer Scharte, die an der Nordwand des Dalfazer Roßkopfes endet.

Dalfazer Roßkopf im Süden

Der Aufstieg ist mit zwei Seilstrecken versichert, würde aber auch ohne diese keine besonderen Fähigkeiten erfordern. Oben am grünen Plateau des Dalfazer Roßkopfes (2.143m) befindet sich eine Windmessstation und gleich fällt der schöne Tiefblick zum Achensee auf.

die Scharte und die Aufstiegswand des Dalfazer Roßkopfes

Die letzte Etappe der Überschreitung, der Steig zum Rotspitz, liegt fast völlig einsehbar vor dem Betrachter.

das letzte Etappenziel – der Rotspitz

Hinab über Wiesen bis zu einer Latschenstrecke, die einmal den atemberaubenden Blick über die Dalfazer Wände hinab und den steilen Schuttkaren darunter freigibt, zieht sich der Steig in eine Einsattelung, um jenseits über wenige Aufstiegsmeter bis zur Grathöhe zu gelangen.

Rückblick auf den Sporn im Norden

Von der Grathöhe aus kann der scheinbar gegenüber dem Grat nach Osten versetzte Turm des Rotspitzes bewundert werden. Bei genauer Betrachtung erkennt das geschulte Auge, daß der gesamte Grat sich dort ostwärts abwinkelt und in Richtung Erfurter Hütte ausläuft.

Rofan Richtung Nordosten

Durch den Sattel ist man schnell am Rotspitz Gipfelaufbau und am Gipfelkreuz angelangt.
Von dort können die eindrucksvollen Dalfazerwände und ein großer Teil der Überschreitung eingesehen werden.

Rotspitz Gipfel

Ebenfalls fällt das rote Band von Felsen im Hochtal sofort ins Auge und wer dessen Verlauf nach Norden folgt erkennt, daß es just oben westlich vom  Streichkopf endet, wo man vorher, am Weg zur Hochiss, durch den engen Riss auf und abgeklettert ist.

ein letzter toller Blick nach Südwesten

Dieses rote Gestein ist Jurakalk, der zwischen den triassischen grauen und festen Oberräthkalken durch Überschiebungen sichtbar wurde.

Rückblick auf die Dalfazerkamm-Überschreitung

Auf dem kühnen Sporn des Rotspitz endet die Überschreitung des Dalfazerkammes. Ein häufig rutschiger steiler Steig führt hinab zum Verbindungsweg zwischen der Erfurter Hütte und der Dalfazalm. Bei diesem Teil des Steiges ist Vorsicht wegen der Rutschgefahr angeraten, wenn es an den Vortagen Niederschlag gegeben hat.

kühner Zacken – Rotspitz

Der leicht fallende Verbindungsweg führt über etwa einen Kilometer zur gut besuchten Dalfazalm zurück und dort wird über den Aufstieg nach Maurach abgestiegen.

Abstiegsgelände zum Verbindungsweg – die rutschigen Partien liegen in den Latschen

Die Runde ist etwa 13km lang, benötigt 1.550m Aufstieg gesamt und kann in fünf dreiviertel bis sechseinhalb Stunden bewältigt werden (incl. moderat kurze Pausen).

Mils, 15.08.2019

Öfelekopf Westgipfel 2.469m

Die kühne Gestalt der beiden dolomitisch gebauten Gipfel aus allen Richtungen machen vor allem den Ostgipfel, aber auch den Öfelekopf Westgipfel im wilden Wettersteingebirge zu einem hehren Ziel, das im Repertoire eines Bergsteigers nicht fehlen darf und – der Westgipfel ist trotz seiner gegenteilig aussehenden Ansicht vom westlich gelegenen Söllerpass in feiner und leichter Kletterei zu erreichen.

und der Ausstieg auf die quadrigen Brocken

Der Anstieg vom Parkplatz Puitbach erfolgt ärgerlicherweise über den Normalweg im Spitz zur „Tumeslucke“ und zurück zur Gabelung im Puitfeld sofern man wegen Quatschens und morgendlicher Unkonzentriertheit, wie wir, den direkten Zugang neben dem Bach nicht sucht und somit die Touristenstrecke nimmt. Der Umweg ist verkraftbar und eine Sache von wenigen Minuten, die Schande für den Autor, des Kartenlesens nicht mächtig zu sein bleibt.

Parkplatz Puitbach – Blick gegen Öfelekopf

Bei der Weggabelung mit dem Weg zum „Lehner“ (den in AV-Berichten im Internet öfters zu findenden Ausgangspunkt – heutzutage gleichzusetzen mit einem Parkplatz – im Ortsteil Lehner sucht man vergeblich nach einem Parkplatz und das ist auch gewissermaßen ärgerlich) geht es am breiten Steig nach wenigen Hundert Metern gleich ordentlich steil bergauf durch Laubwald. In unserem Fall mit vielen nassen Stellen vom labilen, schauerträchtigen Wetter des Vortages.

erste Ansicht zum Öfelekopf am Puitegg, nach lichten des Nebels

Der Steig ist breit, gut gepflegt und durch dichten Wald lichtgeschützt, wobei bei unserer Begehung die Sonne erst nach der Steilstufe beim „Puitegg“ in der Alm merkbar wurde. Ab dort dafür bis in die Wände unter dem Söllerpass kräftig. Der frühe Startzeitpunkt ist im Sommer daher ratsam.

das schöne Puittal

Das Gelände der Puittal Alm erfreute uns nach dem dunklen Aufstieg im Wald mit dem prächtigem Talkessel und den neugierigen Pferden sehr.

Felsspitzl Wegverzweigung zum Söllerpaß

Beim markanten Felsspitzl mit den Wegweisern schlugen wir die gebotene nordwestliche Richtung ein, die direkt in die Latschen führt und nach wenigen Minuten durch eine lange, immer steiler steigende Bachrinne bis an den unteren Rand der Felsschrofen führt.

Aufstieg in der Bachrinne zu den Schrofen zum Söllerpass – rechts gut erkennbar die Scharte zwischen Vorsporn und  Gipfelmassiv

In den Schrofen überrascht zunächst der für Kalkfels in der Region bemerkenswerte Anteil an rundgeschliffenen Oberflächen. Entweder waren die formenden Kräfte derer dauerhafte Abflußgebiete von Gletschern über extrem lange Zeiträume, oder ein Gletscher selber, mit entsprechenden Drücken. Das „Platt“ über dem Anstieg zum Söllerpass und die Vorstellung von überquellenden Abflüssen mächtiger Vergletscherung dürfte eher der ersten Variante Ursache bilden.

interessante Bänder am Aufstieg in den Felsen

Steil und den Schrofen angepaßt führt der Steig über interessante schräge Plattenflächen nach oben und er lädt zum Nachdenken darüber ein, ob ein solch selektiver Steig in der heutigen Zeit wohl noch errichtet werden würde. Der feinfühlige Beobachter des ungebremsten Importes fremdländischer Empfindungskultur über „sicher“ und „unsicher“ würde den Steig – wenn überhaupt – als Klettersteig der unteren Kategorie zulassen, in jedem Fall aber einen Steig, so wie er seit Jahrzehnten besteht, ablehnen. Die generelle Entwicklung wird die Bergsteigerei künftig noch viel extremer in autobahnähnlichen Massenpfade mit Kostenpflicht und verfallende, nicht mehr beschriebene und gepflegte Einzelsteige spalten.

Öfelekopf unterhalb des Söllerpasses

Der einhergehende enorm steigende Verantwortungsdruck auf die Wegerhalter wird diese Entwicklung exponentiell beschleunigen und niemand – auch nicht der juristisch geführte AV – traut sich heutzutage auch nur ansatzweise drüber, den für Bergwege völlig ungeeigneten und nicht gedachten Grundsatz nach § 1319a (ABGB) aufzulösen, bzw. für die heutigen Erfordernisse der Widmung derselben anzupassen. Steinmandln werden im einstig kühn gewesenen rot-weißen Land bleiben, wenn überhaupt.

Öfelekopf vom Söllerpass aus

Nun, die ärgerliche „Weiterentwicklung“ der Gesellschaft verraucht über den imposanten Steig zum Söllerpass spätestens aus dem Kopfe des Aufsteigers, wenn die flachere Stelle etwa 120m unterhalb des Passes beschritten wird und ein interessanter Blick auf den Westgipfel des majestätischen Öfelekopf sich auftut. Daß der schönste Teil der Kletterei dabei voll sichtbar ist, ahnt der Erstbegeher beim flüchtigen Blick auf sein Ziel noch nicht so wirklich.

im Tiefsten am Zustieg; der erste Turm – vom Söllerpass in seiner Dimension noch nicht richtig sichtbar – hebt sich deutlich vom Berg ab

Am Söllerpass tritt das riesige Platt zwar noch nicht in voller Größe ins Blickfeld des Betrachters, aber ein erster Eindruck über die knapp 2km² große, geneigte und so fremd anmutende Felsfläche mit ihrer interessanten Oberfläche entsteht.
Später, am ersten Turm vor dem Massiv der Öfeleköpfe wird die Dimension spürbar und vom Gipfel aus kann die nicht ungefährliche Oberfläche bestaunt werden.

Leutascher Platt mit Meilerhütte

Der pyramidenartige Aufbau des Westgipfels mit der grünen Zustiegsrampe beeindruckt vom Söllerpass allemal und sogleich sucht man einen möglichen Anstieg. Mit der fehlenden Tiefenperspektive von dort aus kann der westlich vorgelagerte massive Turm nur dann einigermaßen eingeschätzt werden, wenn man beim Aufstieg aufgepaßt und seine Gestalt im Kopf behalten hat. Er ist das nächste unbekannte Ziel nach dem Anstieg am begrünten Grat.

Aufstieg auf den vorgelagerten Turm

Zunächst erfolgt ein etwa 40m tiefer Abstieg in die Einsattelung zwischen dem Pass und der Westflanke des Öfelekopfes. Jenseits leiten bald beginnende Steigspuren zum Ende der Begrünung, an der die leichte Kletterei auf den Vorsporn beginnt. Leicht nördlich des Scheitels leiten Steinmandln über den Sporn in dessen Ostflanke und steil hinab zu einer kleinen halbtiefen Scharte – der Übertritt auf das Massiv der Öfeleköpfe.

Abstieg auf der Ostseite des Turms – leichtes Gelände

Die Kletterei beginnt leicht und setzt sich in dieser Art auch nach dem Schärtchen so fort. Zwischendurch folgt Gehgelände mit viel Schutt, jedoch zumeist mit derart festem Untergrund, sodaß mühsame Rückrutschungen die Ausnahme zum festen Felsgelände bilden.

jenseits der Scharte weiterhin leichter Kletterfels mit Gehgelände

Eine längere Gehstrecke mündet in eine steilere felsige Mulde mit dem fühlbaren Ausstieg links oberhalb.

die Mulde im unteren Teil – reines Gehgelände

Steinmandln sind auf der gesamten Route bis zum Gipfel nur allzu reichlich vorhanden, aber auch ohne sie würde der versierte Bergsteiger den Ausstieg aus der steilen Mulde finden und von unten sogar das breite komfortable Felsband, das vom Vorplatz nach dem Ausstieg aus der Mulde nach rechts oben (südwestlich) zieht.

Simon am flachen Platzl oberhalb der Mulde

Dem einladenden Band gefolgt und mit einer Wende an dessen Ende vor dem Abbruch in eine Schuttrinne wird der Bereich mit der schönsten Kletterstelle des gesamten Aufstieges erreicht.

am Band nach rechts unterhalb auf die Flachstelle zu gequert

Unterhalb eines markanten kleinen Felsdaches wird abermals gewendet – Irrtum durch die Felsgestalt ausgeschlossen – und auf eine kleine Flachstelle auf den sich ausbildenden Grat aufgestiegen.

Simon unterhalb der schönen Kletterstelle auf die Flachstelle zu

An der Flachstelle kann die schöne Kletterei auf den oben scharf anmutenden Grat in seiner vollen Länge eingesehen werden. Solide Griffe, Tritte und Verschneidungsrisse von Finger- bis Handgröße lassen dieses feste und ein wenig ausgesetzte Gelände zur tollen Kletterei werden.

die schöne Kletterstelle im Überblick

Oben am schmalen Grat folgen quadrige Blöcke mit fast technischen Formen, leicht und angenehm zu überschreiten, horizontale Trittflächen und vertikale Risse.

Überstieg auf die Quader

Die Kletterschwierigkeit beschränkt sich trotz des spektakulären Geländes an diesem Grat nur auf den zweiten Grad, das leicht luftige Erlebnis jedoch erfreut als wäre es eine gute Stufe mehr.

oben etwas luftig aber toll zu klettern

Anschließend folgt eine leichte plattige Stufe mit einigen Metern Höhe, bevor das schmale Gratgelände der Gratrippe wieder in das breitere Massiv übergeht

im flacheren Teil vor dem Gipfelaufbau

Der eingangs beschriebene dolomitähnliche Bau der Öfeleköpfe wartet nach dieser Steilstufe mit einer fast flachen Passage zum nächsten schräg gelagerten Felskopf auf, an dessen Westseite ein Band, so breit wie ein Gehsteig in der Stadt gesichtet wird.

Simon am Weg zum letzten Pyramidenteil zum Gipfel des Östlichen Öfelekopfes

Erstiegen wird es über die selbe geologische Trennfuge, die über schmalere und brüchigere Passagen in reinem Gehgelände dorthin führt – sozusagen in der selben Sedimentationszeit des Ladiniums vor etwa 240 Mio. Jahren.

das schöne breite Band zur Westseite des Aufstiegs

Mit grandiosem Tiefblick auf der Klippe am Ende des Bandes nach unten in das Puittal folgt der restliche Aufstieg einem schmalen kurzen Grat bis zur leicht schrägen Gipfelplatte mit dem völligen Abbruch in die Schluchten der Südseite des Westgipfels.

den Westlichen Öfelekopf erreicht

Der Öfelekopf Westgipfel wird schlussendlich über eine schmale Passage auf der Gipfelplatte nach kaum 100m Gehgelände unschwierig erreicht.

Gipfelbuchschachtel am Westlichen Öfelekopf

Das malerische 87 Jahre alte Gipfelkreuz, das den Öfelekopf Westgipfel ziert, zaubert mit seiner einzigartigen Gestalt und der, über die Jahrzehnte sich eingestellten leichten Schrägstellung einen zarten Hauch von Melancholie der Alpingeschichte. Die vom Kreuz oder der Gipfelbuchschachtel abgefallene Herrgottsfigur wurde in ein Drahtgeflecht unter der Schachtel gesteckt und trotzt seither dort den Wettern geduldig – Stillleben der Berge in Reinkultur.
Bemerkenswert am eindrucksvollen Ort ist seine Unberührtheit, kein selbstklebender Egoismus, keine Schmiererei stört die Idylle.

der Autor am Westlichen Öfelekopf beim recognosciren der nördlich gelegenen Grate

Unweigerlich fällt der Blick auf den östlichen Brudergipfel und ebenso sucht das Auge sofort die Verbindung – zwei Türme, denen man die Ablehnung bezwungen zu werden förmlich anzusehen glaubt.

der bizarre Östliche Öfelekopf

Bei näherem recognosciren des Überganges stellt der Gratkletterer zumindest fest, daß die Nordflanke des Ostgipfels halbwegs machbar aussieht, aber was liegt dazwischen? Hierzu war unser Plan eine kleine Erkundung vorzunehmen.

Meilerhütte und Musterstein hinter dem Leutascher Platt

Das labile Wetter wartete mit zunehmender Sonnenenergie auf die vom Vortag regennassen Hänge mit Walzen von thermisch aufsteigenden Nebeln auf und ein Abwarten des Endes von Nebel wollte nicht eintreten.

Ansicht in die Südwände des Westlichen Öfelekopfes

Wir beschlossen daher zunächst einmal die nördliche Kette mit dem Glas zu erkunden und mußten uns über die zur Mittagszeit noch auf die Mittlere Partenkirchner Dreitorspitze aufsteigenden Bergsteiger im Nordwesten wundern. Andererseits ist sie von Bayern aus eine lange Tour.

wie lange er es hier wohl schon aushält?

Die Einrahmung des Leutascher Plattes wird von lauter schön und kühn aussehenden Gipfeln und Graten gebildet. Der Grat zum Musterstein sah, vom Süden aus betrachtet, fantastisch aus. Eine steile Scharte dürfte es aber in sich haben – der Grat wurde geistig aufgenommen und wird auch einmal erkundet werden. Ebenso die Dreitorspitzen.

Marienstatue am Westlichen Öfelekopf

Die Verbindung bzw. die Erkundung der Machbarkeit des Ostgipfels war weiteres Ziel der Tour. Da eine Überschreitung auf Grathöhe schon vom Öfelekopf Westgipfel ausgeschlossen erschien, machten wir uns auf die erste Plateaustufe abzusteigen und in die Nordwand einzuqueren.

Übergang zur Scharte zwischen den beiden Grattürmen der beiden Öfeleköpfe

Die Brüchigkeit in diesem Gelände ist selbst für einen erfahrenen Karwendelfreund beachtlich und unterhalb der Gipfelfelsen strebten wir nach Osten, vorbei an einer auffallenden noch jungen, gelben Abbruchstelle, die in ihrer Erscheinung abstoßend wirkte.

Steinmandl in der Scharte zwischen den beiden Öfeleköpfen

Etwa 50m nach dieser Stelle war das schuttige und überaus rutschende Band zu Ende und für den Autor ein Signal, daß sich seine Abenteuerlust, zumindest an diesem Tag und vor dem abstoßenden Gelände im Verein mit den tristen Nebelfetzen, wie von selbst verflüchtigte.

Aufstieg in der Verschneidung zwischen Gratturm und rechts Gipfelaufbau des Westlichen Öfelekopfes

Simon aber, unerschütterlich, wollte unbedingt die Scharte und das Dahinter erkunden. So stieg er, mit Getöse von Schutt in die Nordwand, einige Meter ab und querte weiter auf schmalem Band in die Scharte sowie in den Riss dahinter, der direkt zum Aufstieg auf den Ostkopf führt.

Schuttfläche zur Verschneidung und zum weiteren Aufstieg

Einige Minuten war er von der Nordflanke aus nicht mehr sichtbar und fertigte Fotos an, die den Aufstieg auf den Ostgipfel im unteren Teil zeigen (siehe Bildergalerie).

Rückblick (nach Westen) auf die Scharte zwischen den Öfeleköpfen

Wieder zurück in der Nordflanke und bei kurzer Betrachtung der Bilder resümierten wir, daß dieser Aufstieg besser gesichert begangen werden sollte und keinesfalls an diesem Tag.
Eine Viertelstunde später waren die beiden Gipfel schon wieder kurz in Nebel verpackt.

Schmalstelle des schuttigen Bandes zur Scharte zwischen den Öfeleköpfen

Am Abstieg genossen wir nochmals die schöne Stelle an der pfeilerartigen Rippe, wenn auch in die Gegenrichtung. Über den hohen Gratspitz nach dem Schärtchen erreichten wir wieder die steilen begrünten Hänge, die wir in Richtung Leutascher Platt und Bergleintal verließen.

Übersicht über den Kernteil am Abstieg

Das Leutascher Platt mit seiner sehenswerten Oberfläche ist eine Begehung wert. Zur Karstfläche geworden muß das Platt jedoch noch mehr geologische Umbrüche durchgemacht haben. Wasserrinnen, ungewöhnliche Vertiefungen, Rippen und löcherartige Vertiefungen deuten auf viele Tausend Jahre Formung durch Wasser hin – eine toll anzusehende Kalkoberfläche.

Rückblick auf den Hauptteil des Aufstieges (die weiße Platte links unten im Vordergrund täuscht, sie gehört zum vorgelagerten Turm)

Bald erreichten wir den Weg zum Mustersteinhaus bzw. zur Meilerhütte im Bergleintal, den wir durch immer noch blühende Almrosenflächen talauswärts wanderten – dieser Weg erlebten wir ebenfalls als eine Schönheit für sich.

Leutascher Dreitorspitze

Mit tollem Rundblick auf die die umgebenden Felsgestalten geht es zuletzt über eine Steilstufe hinab, die überraschenderweise von reinem Laubwald gekennzeichnet ist, der auch mit Latschen durchsetzt ist. Eine seltene Paarung in den Nördlichen Kalkalpen.

im Bergleintal

Nach der gewaltigen Klamm und dem anschließenden Schwemmgelände, die einen phantastischen Blick auf die Arnspitzgruppe im Osten bietet, führte uns die Rundtour etwas ansteigend durch Waldstrecken „um die Ecke“ der Südosthänge der Öfeleköpfe wieder zurück zum Parkplatz Puitbach.

Schwemmfläche im Bergleintal – dahinter die Arnspitzgruppe

Die Aufstiegsdifferenz betrug genau 1.500Hm und die Strecke der Runde 12km (horizontal gemessen).

Öfeleköpfe im Rückblick

Zeitbedarf incl. der knappen Stunde Gipfelpause am Öfelekopf Westgipfel: gut sieben Stunden.

Mils, 04.08.2019

 

Kleiner Falk 2.190m – mit Überschreitung zum Risser Falk

Bereits kurz vor der Ortschaft Hinterriß am Weg von Norden ins Karwendel läßt den Bergsteiger und Gratkletterer der kühne Anblick der Falkengruppe – sichtbar ist der Kleine Falk und der Grat zum Risser Falk – nicht mehr los.

Sequenz Schlüsselstelle 4 – man achte auf die Tritte

Die Reifung die Tour zum Kleinen Falk und die Gratüberschreitung zum Risser Falk im neu auserkorenen Arbeitsgebiet des Autors zu unternehmen dauerte keine Woche – sie mußte unbedingt kurz nach der tollen Tour auf den Risser Falk begangen werden; das nachstehende Foto ist von dieser schönen und eher leichten Tour entlehnt und grundsätzliche Details über Hinterriß, das Falkenkar und dem Abstieg vom Risser Falk können auf diesem Link nachgelesen werden.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Dieser Beitrag behandelt den Aufstieg zum Kleinen Falk, die Gratüberschreitung zum Risser Falk und nur übersichtshalber einige Hinweise zum Abstieg über die Grüne-Rinn-Scharte und das Falkenkar.

Kleiner Falk vom Parkplatz P4 aus gesehen – die Aufstiegsroute direkt einzusehen

Der schöne und lohnende Gratübergang wird mit einem etwas abenteuerlichen Aufstieg in kniehohem Gras über steiles und wegloses Gelände eingekauft, in dem auch Intuition nötig ist, der Falkenstuhl wird aber jedenfalls gefunden. Ausweichen und Umgehen von morschen Baumriesen aus Windbruch ist weiter oben im lichten Wald ein schweißtreibendes Unternehmen und Scharen von Bremsen unterstützen im schwülen Hochsommer die Abwehr des Berges Klettertouristen zu empfangen.

Aufstieg im lichten Wald in knietiefem Gras

Die Redewendung der Lateiner „per aspera ad astra“ hat am Gipfel des Kleinen Falk seine uneingeschränkte Gültigkeit.

typisches Aufstiegsgelände zum Falkenstuhl

Umso mehr schätzt der Pflanzenfreund unter den Bergsteigern die Vielfalt und Dichte an Alpenblumen am Kreuzgipfel des Kleinen Falk – von der Orchidee bis zum Edelweiß darf er auf Wohnzimmerfläche in etwa 2.070m Höhe ein halbes Dutzend Arten schauen.

Rückblick unterer Teil

Vom Ausgangspunkt für Touren aus dem Norden in die Falkengruppe, dem Parkplatz P4 der Mautstraße, wird die Rißbachbrücke überquert, die gleichzeitig den Zugang zum Johannestal und der Falkenhütte darstellt.

zwischendurch erfreut der Blick zur Birkkarspitze

Noch in der Ebene am südlichen Ufer, etwa 200m am Weg nach dem Überschreiten der Brücke, wird vom Schotterweg in den Wald abgebogen und wiederum nach kaum 100m die sofort ansteigende Böschung des Waldes erreicht. Über hohes Gras wird nun in teilweise von Forstarbeiten geprägtem Gelände intuitiv aufgestiegen. Nach etwa 150Hm wird eine Geländestufe erreicht, die recht flach den nächsten, langen und steilen Abschnitt einleitet.

Gelände vor dem Falkenstuhl

Fehl kann kaum angestiegen werden, denn zur Linken ist das Aufstiegsgelände mit wenig einladenden Schrofen durchzogen und zur Rechten würde man sofort an der Felsgestalt des Kleinen Falk erkennen, daß man zu weit in Richtung der Falkenstuhlrinne geraten ist. Auch bildet sich weiter oben eine Art Verschneidungsbuckel aus, dessen Höhe von der aufgehenden Sonne von den dünkleren Waldpartien westlich davon geschieden wird. Diesem Verschneidungsbuckel folgten wir bis er oben in der Nähe des Falkenstuhles verschwand.

Forsttätigkeit am Falkenstuhl

Zu unserer Überraschung gab es am Falkenstuhl vor Jahren – wenn man sich die Schnittflächen der Bäume ansieht – jede Menge Forsttätigkeit und die Frage wohin das Schnittgut abgeführt worden ist blieb offen. Mit dem Wissen des Geländes am Ende des Weges zum Unteren Falkenkar aus der Begehung der letzten Woche konnte der Autor allerdings vermuten, daß der Abtransport dorthin stattfand.

Falkenstuhl gen Norden

Mittels Seilbahn könnte es jedenfalls dorthin abtransportiert worden sein; kein unbedeutendes Unternehmen von oben aus betrachtet, denn einen Weg gibt es auf den Falkenstuhl nicht.

Hirschbad am Falkenstuhl

Das etwas sumpfige Plateau des Falkenstuhles auf 1.500m scheint anhand der massenhaften Tierspuren ein wahres Wellnessgebiet für das Wild zu sein, gibt es doch dort zwei große mit Wasser gefüllte Lacken, die dem parasitengeplagten Waldbewohner, sei es Reh oder Rotwild, Abkühlung und Schutz verschafft.

Aufstiegsgelände durch eine bewaldete Steilstufe zu den Schrofen

Nach diesen ersten gut 500Hm ging es zwar etwas anders, nicht im Mindesten aber vegetationsärmer weiter. Eine erste ansteigende Stufe nach dem Falkenstuhl leitete durch eine geschickt gefundene Latschengasse zu einer alten Tanne, auf der nun erstmals eine Wegmarkierung zu sehen war – die Relikte eines Steiges, von woher er auch immer gekommen sein mag (auch die AV-Karte verrät keine alten Details, keine Steigspuren sind dort zu sehen).

plötzliche Markierung nach dem Falkenstuhl

Die Markierung links liegen gelassen und der Latschengasse gefolgt sieht man sich im Nu inmitten von dichten Latschen, die es zu durchqueren gilt. Nach dieser Übung wird eine nächste Gasse mit Steinmandln erreicht, bevor das Gelände beachtlich aufsteilt, sodaß die Stöcke am besten verstaut und die Hände im felsig erdigen Gelände zu Hilfe genommen werden.

bereits wieder eingewachsene Latschengasse im weiteren Aufstieg – oberhalb in den Felsen eine kaum sichtbare rote Markierung

In dieser Art wird der schon von unten sichtbare Kopf in der Nordflanke des Kleinen Falk erklommen, dessen Oberkante durch glücklicherweise sehr niedrige junge Latschen erreicht wird und an deren Übergang zum Fels ein Steinmandl zum Überlegen über die Fortsetzung der Route zwingt.

Latschengasse oberer Teil vor dem Schrofengelände

Kurzes Erkunden der Lage führt zurück zum Steinmandl, zum Abstieg über etwa vier bis fünf Meter und zur Fortsetzung der Route in einem Trichter, der, unweit oberhalb der nächsten zwei Felsköpfe, sich zur Mulde formt und deren oberes Ende in eine Steilstufe mündet, das am besten mittels echter Felskletterei an der linken Flanke bezwungen wird. Die Stelle befindet sich etwa auf 1.700m.

Aufstiegsgelände mit Engstelle oben (im Schatten)

Nach der engen Steilstelle weitet sich das Gelände karartig und die Latschen stellen kein solches Hindernis mehr dar, daß die richtige Gasse erwischt werden müßte.

Engstelle am oberen Ende der Schuttreisen – linksseitige Umgehung leichter

Steil und mühsam geht es im Schrofengelände aufwärts. Wir steuerten zwei Felsköpfe an, die durch eine Öffnung zur Pforte unterbrochen wurden, einem Eingang gleich.

der Autor beim Umgehen der Engstelle

Hinter dieser Stelle folgten wir dem beachtlich steilen Gelände westlich bis zur Unterkante der Felslinie nahe dem Gipfelbereich und kreuzten unterhalb der Felsen östlich zu einer eher flacheren Stelle, die zu einer schräg nach oben ziehenden Rinne führte.

den Durchschlupf oberhalb haben wir genommen, danach rechts und wieder links unter die Felsen

Das Gelände talseitig der Rinne ist recht angenehm zu begehen – Wiesenflecken durchziehen die Schrofen in recht festem Gelände.

talseitig entlang der schrägen Rinne aufwärts

Der Rinne, die bald im Felsgelände auftaucht folgten wir an ihrer Flanke in südöstliche Richtung und sie führte direkt zum Kreuzgipfel des Kleinen Falk auf etwa 2.070m.

Kreuzgipfel Kleiner Falk, 2.190m (diese Stelle mit etwa 2.070m allerdings niedriger)

Das Überbleibsel aus glanzvolleren Tagen des Kreuzgipfels besteht aus einer abgebrochenen verwitterten Gipfelstange, noch am Sockel befestigt und inmitten des umgebenden Steinmandls das die Gipfelbuchkasette birgt. Das Gipfelbuch, in etwa in DIN A5 Größe, ist schön anzuschauen, gleich vier Jahrzehnte lang hat man sich bis heute darin verewigt und die letzten Seiten sind noch nicht erreicht. Wie in allen alten Gipfelbüchern üblich verwendete man in der Jugend des Buches einen Bleistift – ein Schreibgerät, das immer funktioniert im Gegensatz zum Kuli.

eine Freude die Blumenpracht

Wie schon anhand der Vegetation erwähnt wohnt diesem Platz eine eigenartig erlesene Stimmung inne, die zum Verweilen einlädt. Bezeichnende aber seltene Alpenblumen, die anderswo vergeblich gesucht werden, fühlen sich dort zu Dutzenden heimisch und der Blick gen die gewaltige Mauer im Süden sowie der hoch aufragende Grat zum Risser Falk, bildet eine kolossale steinerne Umrahmung des kultigen Platzes.

Kohlröschen – eine Orchidee

Die Vorhersagen der Wetterentwicklung zwangen uns nur allzu schnell den wirklich verdienten Platz gleich wieder zu verlassen. Zwar war die Hauptwetterrichtung im Westen von kaum getrübter Wolkenpräsenz, jedoch schien das Geschehen im Osten stattzufinden. Über dem Rofan und von Nordosten türmten sich zwar zunächst nur moderate, jedoch beständig wachsende dunkle Wolken in die Höhe. Unsere Einschätzung, das kann vorweg genommen werden, war richtig, wir setzten zur Überschreitung an, auf der im Ernstfall es keine echten Deckungsmöglichkeiten gäbe.

Grat zum Risser Falk – zweiter, höherer Teil vom Kleinen Falk aus

Zunächst folgt der Grat dem Aufstieg auf den geodätisch echten Gipfel des Kleinen Falk auf 2.190m. Dieser Teil ist in etwa zehn Minuten zu begehen, nicht ausgesetzt und erfordert kaum Kletterfähigkeit. Ein Steinmandl ziert das Gipfelplateau.

Kleiner Falk, geodätischer Gipfel 2.190m

Im Anschluß zum Kleinen Falk folgt ein Gratstück mit zwei drei leichten Felsköpfen zu denen man etwas absteigen muß.

Simon am Kleinen Falk, 2.190m

In der Folge steilt dann erstmalig ein etwas rassigerer Kopf auf, der in direkter Kletterei im wunderbar festen Fels begangen wird und dessen jenseitige Verbindung zum Hauptmassiv zurück mit einer netten schmalen Gratpassage zum Balancieren belohnt wird.

die Gratköpfe im Übergang vom niedrigen Teil des Grates zum hohen Teil – der rechte Gratkopf stellt eine erste schärfere Kletterei dar

Der Gratverlauf leitet nun in den zweiten, hohen Teil der Überschreitung über und wartet zunächst mit einer steilen Gratstufe auf höheres Niveau auf.

Simon im schmalen Übergang

Die bisher moderaten Kletterschwierigkeiten – etwa bis II – bleiben im Wesentlichen erhalten, aber es gibt in diesen Teil der Überschreitung Passagen (nur kurze Stellen), die mit III zu bewerten sind.

Aufschwung zum hohen Teil des Grates

Allerdings sind diese Stellen meist nur auf die jenseitige Fortführung des Gratverlaufes nach Schärtchen beschränkt, die natürlich aufsteilen und ein klein wenig mehr Anspruch an die Kletterkünste erheben – wie gesagt aber nur kurze Stellen und wir empfanden die durchgehende Bewertung des AV-Führers (Klier, 1996) mit Gesamtbewertung III als leicht überzogen.

direkt am Grat im zweiten Teil – teilweise etwas ausgesetzte Passagen

Der vorletzte und der letzte Aufschwung auf den Gratkopf beginnen mit einer Passage nach dem Schärtchen, der mit III bewertet werden kann. In beiden Fällen ist der jenseitige Verlauf sehr steil.

gut erkennbar der erste schärfere Gratkopf in der linken Bildhälfte vom Rückblick

Beim Anstieg zum letzten Gratkopf leitet eine absolut feste aber griffarme Wand leicht nach rechts (westlich) auf eine leichtere Plateaufläche und hierbei muß man für einen einzigen Zug mit etwas ausgedrehtem Oberköper das Gleichgewicht halten. Wie gesagt, sehr kurz und für den geübten Gratgeher nichts Schwieriges.

Simon oberhalb der Stelle die mit verdrehtem Oberkörper schräg nach rechts oben begangen wird

Die letzte Erhebung am direkten Grat leitet auf der Rückseite – nach dem zweiten ihrer beiden Kamelbuckel – an einen sonderbar westlich stehenden Felszacken hinaus, der zunächst – ob seiner seitlichen Position –  nicht zum Gratverlauf zu gehören scheint.

weiter im Gehgelände

Klar wird die Situation dann, wenn man den sich den direkten Gratverlauf ansieht, der plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein scheint.

vor dem letzten und höchsten Grataufschwung

Dort wo er seinen Verlauf hätte stürzt eine plötzlich auftauchende tiefe Schlucht gähnend in das Falkenkar hinab, die beim ersten Anblick zunächst zurückschrecken läßt. Deshalb der seitlich stehende Gratturm.

die beiden Kamelbuckel der höchsten Graterhebung voraus – teilweise gibt es am Grat wenig notwendige Steinmandln

Wir wechselten westlich hinüber und erstiegen den Turm auf logischem Weg durch den breiten schuttigen Einschnitt der Nordseite und stiegen auf seiner Westseite bis zu einem Felsabbruch auf der Südseite ab (mehr Bilder in der Galerie).

Situation nach dem zweiten Kamelbuckel – der Grat spaltet sich in einen ostseitigen, nicht zu begehenden Teil und einen westseitig stehenden Gratturm, auf dem die Route weiterführt; mittig die schauerliche Rinnenschlucht ins Falkenkar

Von dort konnten wir etwa zwei Meter unterhalb ein breites Felsband erkennen, das um die Südseite herum auf die Ostseite führt und den weiteren Verlauf des Abstieges beschreibt.

dahinter geht es westseitig steil hinunter auf ein schmales Gesimse – dort wo Simons linker Fuß ruht befindet sich die beschriebene Griffleiste zum Ablassen auf das erkennbare breite Band darunter

Wie bisher bestanden auch diese Steilstellen am Gratturm aus absolut festem Fels und daher war es uns ein Leichtes mit guten Griffen für die Hände die glatte Felswand, die ohne Tritte ausgestattet ist, mit den auf ihr abrutschenden Schuhspitzen bis zum Band hinab zu gleiten.

die Stelle im Rückblick mit der Griffleiste im untersten Bilddrittel

Das Ganze erfolgt schräg, d. h. man greift mit beiden Händen in die feste Leiste an der oberen Wandkante und läßt sich pendelnd nach unten wobei die Arme das gesamte Körpergewicht halten und läßt die Griffe bei durchgestrecktem Körper los (ein wenig sympathischer Zug, den jeder Kletter kennt und ungerne ausführt). Klettertechnisch keineswegs korrekt, die Schwindelei aber über die kurze Distanz von etwas mehr als zwei Metern mit den bombenfesten Griffen an der kurzen Wand jedoch allemal vertretbar und sicher.

Rückblick auf das Band – hinten ist es komfortabel breit

Am zuerst breiten Band unten wendet sich die Route nun direkt nach Osten und dabei wird das Band schmaler, jedoch immer noch so, daß die Passage in die leichtere begrünte, sowie tritt- und griffreiche Ostflanke zum Abstieg in die Scharte gut möglich ist – leichtes Klettergelände über wenige Meter im steilen Schrofenfels mit einwandfreien Griffen und Tritten.

das schmaler werdende Band – Simon ist schon darüber hinweg und am Weg in die ostseitigen Schrofen

Der Autor hat seinen Kletterpartner Simon beim Abstieg fotografiert und jener hat dasselbe dann im Gegenzug von der Scharte aus bei allen wichtigen Positionen beim Abstieg des Autors durchgeführt. Für alle, die sich diese vielleicht schwierigste aller Passagen ansehen wollen  gibt es die Detailfotos in der Galerie (Bilder benannt mit „Sequenz Schlüsselstelle 1 bis 16“).

ostseitig gelegener Riß im Schrofengelände zum Abklettern in die Scharte

Die Schwierigkeit dieser abwechslungsreichen Passage am Gratturm bis zum Abstieg in die Scharte stuft der Autor in Summe mit II+ ein. Oberhalb der Wandstelle befinden sich eine Bandschlinge und ein alter Haken (siehe Bild oben) als Abstiegshilfe über die glatte Wand. Diese technische Hilfe ist jedoch für den versierten Gratkletterer wirklich nicht nötig.

Simon bereits fast unten im Schrofengelände

Für die Stelle der glatten Wand ohne Trittmöglichkeit mögen kleine Personen, die u. U. auch mit ausgestreckten Armen nicht die Reichhöhe haben das Band mit wenig Luft zwischen den Schuhen und der Standfläche zu erreichen und oben schon los lassen müssen, bevor sie unten stehen, schwieriger einstufen.

dieser breite Tritt gleicht einer kleinen Wanne, reicht für beiden Füße und wird zum leichteren Passieren der Engstelle am Band benutzt, um in den ostseitigen Riss bzw. Schrofen zu gelangen

Ein Größenvergleich mag hier die Höhe der Wandstufe verdeutlichen. Die Stelle ist in wenigen Minuten abgeklettert und die Scharte erreicht.

Sequenz Schlüsselstelle 1 – man achte auf die Tritte

Der letzte kurze Abschnitt von etwa 20min bis zum Gipfel (die Angabe der Gesamtzeit für die Überschreitung von drei Stunden im AV-Führer ist nach Ansicht des Autors viel zu lange bemessen) findet in der Nordflanke des Risser Falk statt und ein einziger Gratturm, der im Anblick von Norden nach Süden nicht als solcher erkannt wird, bietet nochmals ein paar schöne Kletterstellen und einen abwechslungsreichen Verlauf über eine Minischlucht, um die Scharte zur Nordflanke zu erreichen.

Anblick der Gegenseite vom schmalen Band aus – daß es sich um einen vorgelagerten Turm handelt ist nicht erkennbar

Nach kurzem Gehgelände am breiten Grat wird in eine immer steiler werdende Wand eingestiegen, die jedoch gut griffig nach oben leitet.

steile und feste Passage im mittleren Teil

Hier ist eine Stelle drin, die mit III bewertet werden könnte, jedoch kaum auffällt. An der steilsten Stelle bestand die Entscheidungsmöglichkeit einen senkrechten Riss mit wenig Aussicht auf Haltemöglichkeiten rechts, oder einen kleinen Felszacken mit uneinsehbarer Hinterseite zu wählen und wir entschieden uns für die Route links.

dahinter leichter einige Meter weiter

Die Hinterseite erwies sich leichter als der vorderseitige Aufstieg. Sie leitet auf die Grathöhe des nicht erkannten Gratturmes.

alternative Minischlucht westseitig

Dort hat man die Möglichkeit eine steile, unten wenig bis nicht einsehbare Wand zur letzten Scharte abzusteigen, oder von der Grathöhe westlich etwa drei Meter abzusteigen und über eine Minischlucht schräg zur Scharte zu übersetzen.

Gegenseite der Scharte – unser Aufstieg nach dem Übertritt

Wir entschieden uns für die zweite Variante, weil sie voll einsichtig schöner erschien. Tipp für jenen, der die Minischlucht nicht mag: im Rückblick konnten wir erkennen, daß der direkte Abstieg auch gut gangbar gewesen wäre.

Simon beim Übersetzen, kurz vor der Scharte, hinter ihm die Mini-Schlucht

Jenseits dieses letzten Turmes – der eigentlich schon auf der Flanke des Gipfels steht und kein Gratturm mehr ist – führt leichtes Klettergelände in etwas mehr als 5min zum Gipfel des Risser Falk und die wirklich schöne Gratstrecke ist abgeschlossen.

nach der letzten Scharte nochmals leicht ausgesetzt aus der Flanke…

Zunächst wird nach der Scharte leicht in die ostseitige Flanke des Gipfelaufbaues ausgewichen und nach wenigen Metern wieder auf die Grathöhe zurückgeklettert und dem Gipfel entgegen gestiegen.

leichtes Klettergelände am Ende auf den Risser Falk

Wir haben aufgrund der Wetterprognose am Grat eher Gas gegeben und für die Strecke vom Kleinen Falk zum Risser Falk 85min benötigt. Das ist sicher keine Richtzeit für eine Erstbegehung, aber die drei Stunden im Führer empfinden wir als auch nicht nötig; zwei bis zweieinhalb Stunden sollte man je nach Kondition und Fotopausen einplanen.

Übersicht über die Gratüberschreitung vom Kleinen Falk bis zum Risser Falk

Der Ausblick auf dem Risser Falk ist phänomenal, er war bei unserer Begehung leider durch Nebel und Wolken getrübt und wer Bilder mit den einzelnen zu bestaunenden Gipfeln sehen möchte findet diese – nebst Beschreibung und auch die Beschreibung des Anstieges zum Risser Falk vom Falkenkar –  im eingangs zu vorliegendem Bericht gesetzten Link.

Rast am Risser Falk

Im Abstieg durften wir dann noch eine seltene Begegnung mit einer Gruppe Jungsteinböcken erleben. Dies just vor der engsten Gratschneide, auf die wir die Gruppe leider aus Mangel an Alternativen mit äußerster Vorsicht und mit dem Versuch der Lautlosigkeit hintreiben mußten.

bereits im Abstieg zur Grünen-Rinn-Scharte

Die Gruppe bestand aus etwa fünf Tieren, wobei uns vorkam, daß das älteste etwa vier bis fünf Jahre alt sein müßte und das jüngste ein Jährling war.

aber auch die anderen in einer Mischung voller Angst und Neugierde

Das Jüngste ergriff auch rasch die Flucht über den äußerst steilen Grat und die Sicherheit, die bereits ein solch junges Tier im etwa 75° steilen Gelände (nordseitig ins Falkenkar) an den Tag legte war phänomenal anzusehen. In einigen Sekunden erreichte es eine Tiefe von etwa 50m unter uns.

und so stieben sie trotz unserer Vorsicht auseinander und die Felsen hinab

Über die Gratscharte am Hauptgrat und dem dort nötigen 40-50Hm Abstieg erreichten wir die Grüne-Rinn-Scharte (Details im Link oben) und das obere Falkenkar.

Simon in der Grünen-Rinn-Scharte

Das Wiesenband zur Grünen-Rinn-Scharte mag bei Nässe oder Schnee wohlüberlegtes Steigen sein. Das Band wird nach oben zur Rinn hin breiter, hat aber unten schmale Stellen, siehe Rückblick.

Rückblick – vor der Grünen-Rinn-Scharte

Die Rinn selber kann bei Nässe oder Schnee nicht minder prekär werden. Sie ist zwar nicht sehr steil, bietet aber wenig Haltemöglichkeiten.

Abstieg in der Grünen-Rinn

Der im Aufstieg nette Jägersteig durch die Falkenkare erwies sich als etwas rutschig, dennoch aber als tolle Abstiegshilfe durch den Latschengürtel.

Zum Abschluß der Tour erreichten wir das beeindruckende Gelände der Wandstufe zwischen unterem und oberem Falkenkar mit dem schönen Wasserfall.

malerischer Wasserfall am Ende des Steiges durch das Falkenkar

Von dort benötigten wir über den Schotterweg etwa 25min zum Parkplatz P4.

Wasserfall aus dem Falkenkar

Die Gesamtzeit der Tour betrug etwas mehr als sieben Stunden. Zweidreiviertel Stunden zum Kleinen Falk und ein Gipfelaufenthalt am Risser Falk von knapp einer halben Stunde.
In Summe wurden genau 1.500Hm Aufstieg absolviert und die Gesamtstrecke betrug nach Simons Navi-Aufzeichnung 9km.

Mils, 27.07.2019