Archiv der Kategorie: Touren 2017

Touren 2107 überall

Schitour Fotscher Windegg, 2.577m

Bereits eine der längeren Schitouren beginnt im Fotschertal an der Eisbrücke auf 1.100m und führt über 1.477Hm auf das 2.577m hohe Fotscher Windegg. Diese Tour ist gekennzeichnet von nicht zu steilen Hängen (< 30°) und daher eine mögliche Wahl bei entsprechender Lawinensituation, wobei natürlich entsprechende Kenntnis selbiger nötig ist und immer auf alle Anzeichen von Lawinengefahr geachtet werden muß, vor allem bei der Abfahrt.

der Autor am Fotscher Windegg nach dem Gipfelschnaps in Silvesterlaune

Zunächst startet die schöne Tour, die einen hohen Anteil an Abfahrten auf Wegen aufweist, am Rodelweg zum Gasthaus Bergheim. Die Strecke dorthin ist lang und zieht sich über 3,3km und 350Hm bis zur Abzweigung unter dem Gasthaus.

kurz nach der Abzweigung unterhalb Gasthaus Bergheim

Dort geht es rechts weiter und zwar nicht auf dem Forstweg, sondern über einen als Schiroute markierten Weg weiter ins Fotschertal hinein, bis eine weitere Markierung die Schiroute rechts in den Wald hinein führt.

unterhalb der Almindalm auf ca. 1.500m

Weiter geht es nach der Akademikerhütte wieder auf den Forstweg zur Almindalm und weiter bis zum höchsten Punkt des weiter hinauf (nordwärts) führenden Forstweges. Kurz vor der Almindalm befindet sich die Bergrettungshütte Fotsch. Hier zweigt auch die Tour auf den Roten Kogel ab.

Almindalm

Der Aufstieg taucht spätestens unterhalb der Almindalm in die Sonne ein, verläßt man den Parkplatz Eisbrücke gegen 8:30 Uhr im endenden Dezember. Daher eignet sich dieser Aufstieg auch gut im kalten Hochwinter.

am Weg nordwärts zum Scheitelpunkt des Almweges

Am höchsten Punkt des Forstweges zweigt links, bergwärts (westlich) die Schitour auf das Fotscher Windegg über die Hänge der Axamer Kälberalm ab.

Abzweigung am höchsten Punkt des Weges

Der Schnee ist bis dort hinauf und noch etwas weiter bis auf ca. 2.000m von einer spürbaren dünnen gefrorenen Schicht an Regenniederschlag der vergangenen Nacht überzogen. In den Hängen darüber fehlt diese Schicht, dort herrschte Schneefall des Nächtens.

und nach wenigen Minuten bewuchsfreies Almgelände der Axamer Kälberalm

Zunächst führt die Tour durch rasch lichter werdenden Wald bevor sie nach kaum 10min in offenes Almgelände mit kaum bis keinem Baumbewuchs übergeht. Die Route zieht sich hangneigungsschonend hinauf und kreuzt dabei in einem langen Rechtsbogen den Ostrücken des Gipfelaufbaues des Fotscher Windegg auf seine Nordseite.

das Gelände flach genug für sichere Verhältnisse

Dort zieht aus dem Almgelände der Seigesalm (Seigesgrube in der AV-Karte) ein kleiner Rücken herauf, der erreicht wird und an dessen Ende sich der Tourverlauf über eine lange Strecke nach Osten wendet und an der Nordflanke des Fotscher Windegg mit mäßiger Steigung Richtung Sattel zwischen dem wesentlich niedrigeren Gamskogel im Norden und dem mächtigeren Fotscher Windegg hinaufzieht.

die Seigesgrube in voller Ausdehnung

Am Ende der Querung erfolgt der weitere Aufstieg in einer breiten karartig ausgebildeten Muldung zum Verbindungsrücken Fotscher Windegg und Gamskogel.

knapp unterhalb des Rückens noch unterhalb des Sattels

Steht man am Gratrücken erblickt man das Ziel der Begierde in kurzer Entfernung von etwa 550m, allerdings mit einem Höhenunterschied von immer noch gut 100m.
Am breiten Rücken werden einige apere (abgeblasene) Stellen umgangen bevor das Schidepot in einer Mulde mit Gegenhang erreicht wird.

Aufstieg vom Schidepot auf das Fotscher Windegg

Der Gipfelanstieg war heute komplett abgeblasen und wahrscheinlich ist dies öfters der Fall, als daß der Aufstieg mit Schi bis zum Gipfel möglich ist.

Gipfel Fotscher Windegg

Also entledigt man sich der Schi im etwas windgeschützen Schidepot und macht sich auf die letzten ca. 50Hm zum Gipfel des Fotscher Windegg zu Fuß zurückzulegen.

Stefan und Clemens am Fotscher Windegg

Den Gipfel ziert ein Stahlkreuz ausgerichtet nach Nordost über die Seigesalm.

nach Osten gen die grandiosen Kalkkögel

Ein kurzer Gipfelaufenthalt wurde für einen grandiosen Rundblick von den schroffen Kalkkögeln im Südosten über die Giganten der Stubaier im Süden bis Westen und im Nordosten das gesamte Karwendel genutzt.

Blick Richtung Südwesten – Lisenser Fernerkogel und rechts Hoher Seeblaskogel

Das prächtige Wetter ermöglichte eine tolle Fernsicht.

Ausgang Sellrain mit dem gesamten Karwendel im Hintergrund

Zur Abfahrt wählten wir die schönen Hänge in die Seigesgrube und weiter rechts von der gleichnamigen Alm zur Sattelalm. Dies erschien uns schöner als die Abfahrt entlang der Aufstiegsrichtung.

Stefan während der Abfahrt

Beiden Abfahrten ist allerdings gemein, daß sie einen recht hohen Anteil an Alm/Forstweg dabei haben und die schönen Hänge nur einen Teil der Abfahrt bis zum Weg in das Fotschertal ausmachen. Insgesamt, rechnet man den Weg ins Fotschertal mit, beträgt der Anteil an Wegabfahrt gut die Hälfte der 1.477m Aufstieg bzw. Abfahrt.

Rückblick zum Fotscher Windegg von der Seigesalm

Allerdings ist die Strecke von der Eisbrücke bis zur Seigesalm mit 770Hm und knapp 7km in ihrem derzeitigen Zustand eine perfekte Rodelbahn.

die schlafende Sattelalm

Während der Abfahrt haben wir auch einige Tourengeher gesehen, die den Aufstieg von der Rodelbahn aus schon  vor der Verzweigung Gasthaus Bergheim begangen haben.

ein letzter Rückblick vor der langen Abfahrt am Almweg

Hierzu kommt die Wegabzweigung zur Sattelalm bei der Luderskaserlalm rechts (unsere Abfahrt, wie oben beschrieben) in Frage. Die Wegstrecke bis zum Fotscher Windegg ist über diesen Aufstieg aber deutlich länger.

Schitour Fotscher Windegg

Stefan, Clemens und ich haben für die Tour gesamt 5 1/4 Stunden benötigt, wobei der Aufstieg mit 4:10 Stunden bewältigt und am Gipfel 15min Pause eingelegt wurden. Diese Tour ist es wert begangen zu werden, auch wenn sie recht frequentiert ist.

Mils, 31.12.2017

 

 

 

 

Schitour Morgenkogel, 2.607m

Zwischen Viggar- und Arztal gelegen bietet der Morgenkogel vom Parkplatz Hinterlarcher aus eine tolle mittellange Schitour mit ausgeprägten Wald- und Hochgebirgspartien. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Strecke, die zu Fuß in die Gegenrichtung vom Parkplatz zurückgelegt werden muß, um zum Startpunkt zurückzukommen. Dies ist den Platzverhältnissen an dem schönen Sonnenhang in Oberellbögen geschuldet – der Parkplatz (Kleingeld!) befindet sich ca. 600m weiter entfernt und immerhin 50Hm höher gelegen.

Morgenkogel, 2.607m

Möglicherweise ist dies mit ein Umstand warum diese Tour nicht so oft begangen werden soll und in manchen Beschreibungen einen sogenannten Geheimtipp darstellt (ich darf bei Verwendung dieses Begriffes bei Touren rund um das mittlere Inntal immer etwas schmunzeln).

Parkplatz „Hinterlarcher“ gegen 9 Uhr

In unserem heutigen Fall jedoch stürmten Tourengeher förmlich aus allen Richtungen (sie kann auch vom Ortsteil Mühltal aus über das Viggartal begangen werden) herbei und während den 15min Gipfelaufenthalt befanden sich weit mehr als ein Dutzend Bergsteiger dort, zugegeben höchstwahrscheinlich vorwiegend Ellbögener.

nach 5min ab dem Start taucht der Forstweg in den Wald ein

Vom Startpunkt aus – man erkennt ihn am links abzweigenden Forstweg und an der gelben Tafel „Ochsenalm“ (Profeglalm) – führt die Route in einem sehr langen Rechtsbogen durch den Wald, bis man tief im Viggartal eine flache Abzweigung vorfindet. Nach den ersten paar Minuten Anstieg wird der Forstweg zwecks Abkürzung in einer Kehre verlassen und auf einem Hohlweg weiter aufgestiegen.

nach ca. 20min erreicht man von der Abkürzung den Forstweg wieder

Da die Abkürzung  durch ein paar Rinnsale führt, während des Anstieges Licht und Schattenwechsel auftreten und heute strenge Temperaturen vorherrschten, sollte das Fellwachs gegen Eis bzw. Aufstollen im Rucksack nicht fehlen.

Blickfang – beleuchteter Patscherkofel im Norden

Lange zieht sich der Weg bis zu vorgenannter Verzweigung unterhalb der Ochsenalm hin. Bei der Verzweigung führt die Aufstiegsroute etwa 20m auf einem Weg leicht links weiter bevor sie abrupt in den Wald wechselt und gegen eine Lichtung hin steil bergan führt. Dies ist die schöne Waldpartie über 130Hm zur Ochsenalm.

bei der Verzweigung links

Eine umgestürzte große Fichte nimmt man besser links als rechts und vermeidet somit ein unten durchkriechen ein paar Meter weiter oben.

durch den Wald steil bergauf zur Ochsenalm

Der Aufstieg führt durch eine Baumgasse, die jedoch teilweise recht dicht besäumt ist, sodaß bei Neuschnee einige Zweige lästiger weise Neuschnee abladen, wird das Genick nicht geschützt.

kurz vor der Ochsenalm im dichten Wald

Nachdem das Almgelände erreicht wurde lichtet sich der Wald zusehends, Lärchen und Zirben sorgen für einen wesentlich lichteren Bewuchs, bei dem die Orientierung auch ohne die anfänglich noch häufigen gelben Schilder „kleine Überschreitung“ noch gut möglich ist.

hinter der Ochsenalm (Profeglalm)

Weitere 15 bis 20min nach der Alm wird auf ca. 1.950m die Baumgrenze erreicht. Die Anstiegsroute dreht etwas nach rechts, Schneestangen und niedere gelbe Wegweiser sind am bewuchslosen Hochgebirgsgelände noch sichtbar.

nahe der Baumgrenze

Der weitere Aufstieg erfolgt in Gelände mit Hangneigungen unter 30°, also mit günstiger Neigung bei zweifelhaften Lawinenverhältnissen.

endlich im Bereich der Sonnenhänge – die Finger klamm wie lange nicht mehr

Nun ein Tipp zur Strecke unterhalb des Rückens vom Morgenköpfl bzw. Überfallgründl zum Morgenkogel: bei wenig Schnee (erkennbar an den Steinbrocken auf und nahe der Rückenoberkante  bleibe man möglichst in den Mulden unterhalb der Rückenhöhe und steige auch noch am Gipfelaufschwung der Nordflanke des Morgenkogels entgegen.

Aufstiegstraum

Erst ca. 100Hm unterhalb des Gipfels ergibt sich auf der Westflanke eine mittelbreite Fläche, die weniger mit Gesteinsbrocken durchzogen ist und in der der Aufstieg günstig ist.

lange unterhalb des Gratrückens bleiben!

Erreicht wird diese rinnenartige Fläche über zwei Spitzkehren am Gipfelaufbau.

Rückblick von oben: zu weit links am Gratrücken ist ein Aufstieg unmöglich; er erfolgt im Gelände am rechten Bildrand deutlich unterhalb der Rückenhöhe (aus der Richtung aus der der Tourengeher in Bildmitte kommt)

Wir haben die Beschreibung für den Aufstieg „leicht links des Rückens“ zu wörtlich genommen, sind in zu steiniges Terrain vorgedrungen und mußten die Schi über den Vorkopf zur Gipfelrinne über mühsam steiniges Gelände tragen, um die rinnenartige Fläche zu erreichen.

letzter Anstieg zum breiten Gipfel; genügend Schnee in diesem Bereich

Der Gipfel ist nach der rinnenartigen Fläche über flacher werdendes Gelände rasch erreicht. Es ziert ihn ein schönes großes, sorgsam abgespanntes Gipfelkreuz.
Aufgrund der beißenden Kälte und dem Rummel am Gipfel fiel der Aufenthalt recht kurz aus, was auch im Versäumnis des Gipfelbucheintrages endete.

Gipfel Morgenkogel nach Durchzug eines Tiefs mit mäßig ergiebigem Schneefall

Bei der Abfahrt bis in die tieferen Mulden unterhalb des zuvor beschriebenen Rückens kraschelte es auf der Schiunterseite einige Male so, daß es durch Mark und Bein fuhr.

umwerfend: Blick auf Kreuzspitze, Rosenjoch und Grünbergspitze, weit hinten Gr. Möseler, Olperer und Fußstein

Auf den flacheren unbewachsenen Hängen bis zur Ochsenalm und eigentlich bis zum Startpunkt hin lag genügend Schnee, sodaß hier momentan keine Schäden an den Schi auftreten.

rechts geht es auf die schönen Hänge

Die Abfahrt über die schönen Hänge, durch den Wald und am langen Forstweg erfolgt im Wesentlichen auf der Aufstiegsroute.

ab hier leichtes Abfahrtsgelände

Wir haben lediglich von der Ochsenalm bis zur 130m tiefer gelegenen Wegverzweigung dem Almweg den Vorzug vor der Waldpassage gegeben und mußten auf dem fast unberührten Weg ordentlich anschieben – das Waldstück wäre also auszuprobieren.

Abfahrtsfreuden

Die Gesamtzeit der Tour ab Parkplatz und zurück betrug knapp 5 Stunden über 1.330m und der Anstieg betrug knapp 3 1/4 Stunden.

Rückkehr zum Ausgangsort

Interessant wäre die Variante der Kombination der Abfahrt bis zum Meissnerhaus und den Aufstieg nach Boscheben, bzw. auf den Patscherkofel. Die ist bei Abfahrt über den Signalkopf möglich.

Mils, 29.12.2017

 

 

Schitour Hippoldspitze, 2.642m

Der Start der Schitour auf die Hippoldspitze erfolgt am Parkplatz vor der Kaserne Walchen. Links der Brücke über den Lizumbach führt die Route unterhalb der Stieralm vorbei in den Wald und auf dem breiten Aufstiegsweg (er dient auch der Abfahrt) bis zu einem Flachstück.

Hippoldspitze, 2.542m

Bei der Wegverzweigung am Flachstück hält man sich links, dem Wegweiser am Baum „Hippoldspitze“ folgend.

knapp nach der Abzweigung Richtung Hippoldspitze; Zeichen für den Wetterumschwung am Himmel

Über die recht einfache Schitour auf die Hippoldspitze, oder den Hippold, wie er von den Einheimischen genannt wird, gibt es mehrere Berichte und – wie so oft bei den professionellen Internetblogs – durchwegs wenige Fotos, die zur Orientierung nicht mit einer Beschriftung kommentiert sind.

unterhalb der Außerlannalm-Niederleger

Nach ein paar Kurven nach der Richtungswende von Südost nach Nordost wird der Niederleger der Außerlannalm sichtbar, noch vor einem Brunnen, der für den Winter nicht stillgelegt wurde.
Durch das Gelände in direkter Richtung, oder über den Almweg führt die Tour zum Niederleger hinauf und passiert diesen mittig zwischen den Almgebäuden.

Stimmung zwischen Niederleger und Hochleger

Hinter dem Niederleger führt die Route in einem leichten Linksbogen zum Außerlannalm-Hochleger empor, das Gelände ist ab dort schon etwas steiler als vorher.

Außerlannalm-Hochleger

Am heutigen Tag war die Aufstiegsspur vom Vortag durch auffirnen und frieren in der Nacht recht rutschig und so fand ich nach ein paar kraftraubenden Rückrutschern besseren Halt in der wesentlich griffigeren Stöckespur links und rechts davon.

das Tagesziel erstmals im Blick

Der Hochleger wird an seiner Südseite passiert und unmittelbar dahinter führt eine Rechtskurve zu einer einzeln stehenden Zirbe mit Rastbank dahinter empor. Ein netter Blickfang an einem Aussichtsköpfchen.
Oben am Köpfchen wendet der Aufstieg wieder durch eine ebenso rechtwinkelige Linkskurve und gibt den Blick frei auf den restlichen Aufstiegshang mit schönen Kupierungen. Die Hippoldspitze befindet sich nun dauerhaft rechts der Aufstiegsspur.

Bewölkung schiebt sich über die Tuxer

Die gegenüberliegende Seite des Wattentales lädt zu ein paar Fotos und ob ihrer weißen Pracht zum Innehalten ein. Die starken Föhnböen im bisherigen heutigen Aufstieg schliefen  überraschend schnell nach dem Hochleger ein und es stellte sich auch kräftige Sonnenbestrahlung ein.

das Gipfelkreuz der Hippoldspitze bereits sichtbar

Somit erstarkte die Hoffnung nach einer einigermaßen windarmen Tour im sichtbar abgeblasenen Gipfelbereich, so wie ich sie gestern auf die Mölser Sonnenspitze erleben durfte.
Der Traum einer windarmen Tour währte bis zur Verzweigung der Route Hippoldspitze / Krovenzspitze auf ca. 2.380m wo ich wieder in die Föhnzone eintauchte, dieser deutlich kälter wurde und durch die Aufstiegsrichtung ausschließlich der rechte Körperteil Abkühlung erfuhr.

noch ein herrlicher Tag – Blick in die Wattener Lizum

Die schönen gemuldeten Hänge enden auf dem flacher werdenden Bergrückenbereich, es wird etwas felsiger und das Krovenzjoch ist in leicht südöstlicher Richtung ersichtlich.
Die heutige Bezeichnung des Joches mag offensichtlich sprachlich verwandt mit der auch üblichen Bezeichnung Grafennsjoch (von der Grafennsspitze) sein und möglicherweise durch unterschiedliche Sprechweise im Wattental bzw. am Kolsassberg, oder durch Konkurrenzdenken der Almen, die eigene ortsübliche Bezeichnung durchzusetzen, entstanden sein. In alten Karten findet man anstelle der Krovenzspitze vorwiegend die Bezeichnung Grafennsspitze (2.619m).
Dieses Joch wird angepeilt, die Tour zur Hippoldspitze zweigt in etwa auf vorgenannter Höhe rechts ab und strebt dem Joche (2.450m) zu.

schöne Hänge ziehen zum Krovenzjoch hinauf; vor den Felsköpfchen befindet sich die Verzweigung

Die Abzweigung trennt die Tour auf den Hippold vom Anstieg auf die Krovenzspitze (2.619m), die bei den vorherrschenden Verhältnissen mit recht abgeblasenen Kuppen und Vorsprüngen, schitechnisch die bessere Variante darstellt und daher meistens der Hippoldspitze der Vorzug gegeben wird.

vor dem Joch wendet sich der Aufstieg der Flanke zu

Am ebenfalls abgeblasenen und dadurch recht steingen Jochbereich vorbei kann die schmale, steile Schneise als einziger Winteraufstieg erkannt werden. Der Steilhang liegt genau quer zur Windrichtung des Föhns und bot heute daher einige Passagen mit recht wechselnden Bedingungen, vom festgepressten Harsch, in den man die Schikanten regelrecht einschlagen muß, um Halt zu bekommen, bis hin zu Triebschneelöchern, in denen der Aufstiegswinkel schwer zu halten ist. Die richtige Route zu finden war unter diesen Verhältnissen nicht einfach, ließ aber dafür die vom kalten Föhn klammen Finger vergessen.

Steilflanke der Hippoldspitze

Nach dieser Passage, die sich über etwa 60 bis 80Hm erstreckt, wird flacheres Gelände erreicht über dieses der letzte Anstieg über zwei abgerundete Kuppen zum breiten flachen Gipfel führt.

Rückblick auf den Anstieg – das Krovenzjoch gut sichtbar

Am östlichen Ende der Hippoldspitze befindet sich ein felsiger Nebengipfel mit Vermessungszeichen, der rein optisch noch um ein paar Meter höher ist, als der kofelartige Gipfel auf dem das Gipfelkreuz (aus 1985) errichtet wurde.

Hippoldspitze, 2.542m

Öfters bereits wurde ich angesprochen warum ich denn so selten ein Foto mit Menschen drauf schieße. Nun, es kommt mehr auf die Berge und Landschaften an meine ich. Damit ich aber allen Wünschen zumindest ansatzweise gerecht werde nachstehend ein Foto von meiner Ankunft am Gipfel, das mein Kollege Michael von der Eiskarspitze angefertigt hat. Darauf kann man auch schön den zweiten Gipfel der Hippoldspitze sehen.

meine Ankunft auf der Hippoldspitze von der Eiskarspitze aus aufgenommen

Die untrüglichen Zeichen des bevorstehenden Wetterwechsels konnten heute am Blick nach Süden erkannt werden. Erste dichte Bewölkung hat sich über Nacht über die Zillertaler Alpen geschoben und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch das Inntal bedeckt sein wird.

Blick nach Süden mit Eiskarspitze im Vordergrund

Die nahegelegene Eiskarspitze mit nur 850m Abstand zur Hippoldspitze war heute ebenfalls Ziel der Begierde von Kolleginnen und Kollegen und man konnte sie auf dem schmalen Gipfelchen mit dem idyllischen Kreuz deutlich erkennen.

Blick auf den Kolsassberg und nach Weer

Der Gipfelblick erlaubt auch einen Einblick auf den Kolsassberg mit der hochgelegenen Grafennsalm, wobei selbige am Foto in der Anlage aber nicht sichtbar ist. Hierzu hätte der Nebengipfel erklommen werden müssen, was ich jedoch aufgrund der nicht warm zu kriegenden Finger unterließ.

Wattener Lizum

In Richtung Krovenzspitze tummelten sich bereits jede Menge Tourengeher, die wahrscheinlich gerade ein halbes Stündchen nach mit in Walchen gestartet sind und auf den Hippold folgten mir auch eine Handvoll Bergsteiger, die dem Wind trotzten und die ich just in der Steilrinne bei der Abfahrt antraf.

Gipfelkreuz Hippold

Die Abfahrt in und unterhalb der Steilrinne bescherte mir noch ein paar merkbare Kratzer mehr in den geschundenen Tourenschi. Ab den schönen Gipfelhängen wurde es dann besser – genügend Schneeauflage und auf manch exponierten Flächen sorgte Almbewuchs für zerstörungsfreies Gleiten.

Rückblick bei der Abfahrt

Die Abfahrt erfolgt nach Gutdünken links oder rechts des Aufstieges, die Hänge sind breit genug, daß jeder ein Stück unberührten Hang erwischt. Erst unterhalb des Hochlegers sammeln sich die Abfahrtsspuren und der Frosttauwechsel des perfekten gestrigen Tages bescherte ein wenig Zähneklappern am harten zerfurchten Untergrund.

Bereich des Außerlannalm-Hochlegers

Ab dem Beginn des Waldweges (Aufstiegsroute) bis Walchen ist derzeit kein aperes Stück zu beklagen.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Gelände der Innerlannalm nutzt man noch den restlichen Hang unterhalb der Gebäude auf der Anhöhe und fährt unten am Ende des Almgeländes nach Überqueren des Weges das Flachstück zur Abzweigung im Aufstieg hinaus, anstelle der Aufstiegsroute durch die schmale Waldpassage zu folgen.

Schitour Hippoldspitze

Zeitbedarf gesamt 4 1/2 Stunden mit einer knappen halben Stunde am Gipfel. Der Höhenunterschied auf der Uhr zeigte 1.230Hm.

Mils, 26.12.2017

Schitour Mölser Sonnenspitze, 2.496m

Die Schitour zur Mölser Sonnenspitze, wenn sie als Rundtour um den Mölser Berg unternommen wird, ist nochmals reizvoller, schöner und vielfältiger, als sie nur von einer der beiden möglichen Seiten zu besteigen und die Anstiegsroute abzufahren.

Hochebene mit der Mölser Sonnenspitze im Hintergrund

In beiden Fällen befindet sich der Start – wie für alle der Schitouren im südlichen Teil des Wattentales – der Parkplatz von der Kaserne Walchen. Nachdem man sich über Schießübungen im Übungsgebiet informiert hat und sicher ist, daß diese für den Tourentag unterbleiben wird vor der Brücke über den Lizumbach linkerhand aufgestiegen.

Brücke über den Lizumbach links davon geht es entlang – bereits Sonne Richtung Malgrübler

Zunächst beginnt der Anstieg unterhalb der Stieralm, jedoch bereits nach ca. 10min verschwindet die Route im Wald.

unterhalb der Stieralm

Etwa nach einer halben Stunde Aufstieg (dieser Weg ist auch die Abfahrt aus der Lizum) wird der Weg flacher und öffnet sich bei der Lannalm, die lange gezogen an der Innerlannalm endet.

in der Innerlannalm angelangt

Am Wasserschloss entscheidet man sich für den Winterweg (markiert mit Skiroute), oder für den Sommerweg, der hinter der Innerlannalm weiter in das sich verengende Tal führt. Der Sommerweg ist im Winter keine offizielle Route zur Lizumerhütte. Ich habe diesen gewählt, um ihn zu bei entsprechend mäßiger Lawinengefahr zu erkunden und mußte dreiviertel der Stecke spuren.

nach dem Jägerhochsitz verzweigt sich die Route; steil bergauf geht es über die Zirmachalm zur Torspitze, gerade aus weiter geht es über den Sommerweg zur Lizumerhütte

Kurz vor seinem Ende, vor der höher gelegenen Ebene des Truppenübungsplatzes und der Lizumerhütte, quert der Sommerweg  einen entsprechend der Lager der Lawinengefahr einzuschätzenden Steilhang. Hiefür benötigt es entsprechendes Einschätzungsvermögen und Kenntnis der Lawinenkunde. Wer dies nicht mitbringt, nimmt den Sommerweg nicht.

Rückblick über den kritischen Teil des Sommerweges zur Lizumerhütte

Auf dem Hochplateau angekommen taucht man im endenden Dezember erstmals in die Sonne ein, wenn der Start um 8:30 am Parkplatz erfolgt ist.

Das Gelände der Lizumerhütte und des Truppenübungsplatzes

Es gilt, die andere Talseite zu erreichen und das gibt bei dem fast bilderbuchartigen Tag mit warmen -5°C am Parkplatz und ungetrübt blauem Himmel den gesamten Tag über, besseren Antrieb als ein roter Bulle.

wenig unterhalb des Schleppliftes

Rechts neben dem immer Ruhetag habenden Schlepplift geht es über Schotteben von 1.980m am Hochplateau mit all den Militärgebäuden auf gut 2.200m hinauf, wo sich nach der Kuppe mit den letzten malerischen Holzhütten eine atemberaubende Hochlandschaft auftut, die – an meiner Erstbegehung – alle Register gezogen hat mich vollends zu verzücken, ja mit offenem Mund in der Landschaft stehen ließ, um blitzartig zur Kamera zu greifen.

die Mölser Sonnenspitze im Fokus – die Zeit bleibt stehen

Alleine der Anblick der total mit Weiß überzogenen Landschaft lähmt den bis dorthin herausgeforderten Vortrieb der Beine und diktiert förmlich lang ungenutztes Wissen in das Vordere des Menschenhirns zurück  – Faustens berühmter Ausspruch in der Verführung: „oh Augenblick verweile“.

von Hirzer bis Eiskarspitzen

Wer den Zauber dieser Landschaft erleben will, der muß diese Tour bei wolkenlosem Wetter unternehmen; ein Bild vermag die gesamte Komposition des Anblickes nicht genügend wiederzugeben.

von Eiskarspitze bis Graue Wand

Nachdem ich mich etwas gefangen habe und die Konservierung des Unkonservierbaren sicher auf mein Telefon (ja ich habe immer noch keine g’scheite Spiegelreflex gekauft – hadere immer noch mit der Größe des Apparates) gebannt hatte, setzte ich den Aufstieg im Schatten der mächtigen Tarntaler Köpfe fort.

Anstieg zur Unbenannten Scharte

Dabei mußte ich einmal mehr spüren wie vergänglich winterliche Sonnenstrahlen für die Gesamttemperatur sind sobald sie ausbleiben. Heute war nämlich bereits ab dem Parkplatz eine hervorragende Schneequalität, weil zwar bestrahlte Oberflächen ungewöhnlich warm wurden, nicht aber die Schneedecke. Auf der gesamten Tour konnte ich keinerlei Tau feststellen, auch nicht von den dunklen Dächern der Hütten.

nun zieht es sich etwas

Vom Betreten der Hochebene bis zur „Unbenannten Scharte“ benötigte ich nochmals eine gute dreiviertel Stunde. Der Anschein eines flachen, schnellen Anstieges verblasste rasch durch meine völlig dahin geschmolzene Kondition in den letzten Wochen und den zusätzlichen 7 kg Gepäck, die in Nordamerika sich bei viel Sitzen und üppigen Mahlzeiten einschlichen und in den heimischen Weihnachtsfeierlichkeiten seinen Höhepunkt fand.
Kein Schaden ohne Nutzen – den tollen Anblick der Winterlandschaft hatte ich dadurch länger.

noch 10min bis zur Scharte

Von der Unbenannten Scharte aus zieht ein zuerst recht steiler Gratrücken gen Gipfel der Mölser Sonnenspitze. Dieser Rücken ist zuweilen etwas schmal für Lehrbuchspitzkehren und so erlebt man bei abgewehter Schneelage einige Passagen, bei denen jugendliche Gelenkswinkelbereiche von Vorteil sind, aber alles in allem ist der Aufstieg unter Schi keine große Sache, die ernsthafter Fähigkeiten bedarf. Wer bis zur Scharte kommt, kommt ganz hinauf – Schneelage vorausgesetzt.

Aufstieg zur Mölser Sonnenspitze

Für jene, die sich den Anstieg nicht zutrauen hat die Natur das sogenannte „Schispitzl“ gegenüber der Unbenannten Scharte aufgetürmt. Das Schispitzl ist ein wesentlich mildere Erhebung andernseits der Scharte, jedoch in seiner geodätischen Höhe gar nicht so viel unterlegen und es ziert ein gut sichtbares Holzkreuz, wie es auch ein solches auf der Mölser Sonnenspitze gibt. Der Aufstieg von der Mölser Sonnenspitze aus gesehen ist mit ein paar harmloseren Spitzkehren als auf die selbige erledigt (habe es nicht bestiegen, nur von der Mölser Sonnenspitze aus betrachtet).

Aufstiegsgelände zur Mölser Sonnenspitze

Steht man auf dem schmalen flachen Gipfelpodestchen der Mölser Sonnenspitze, so genießt man in alle Himmelsrichtungen eine phänomenale Tiefe.

Mölser Sonnenspitze, 2.497m

Im Osten beginnend findet sich da jede markante Erhebung im Wattental, im Nordosten beginnend mit dem Koloss des Hirzers, mit 2.725m ein wichtiges Ziel der Winterbesteigungen in den Tuxern, über den Hippold und die eigenartig, so gar nicht in das Bild der Bergkette passende Felserhebung der Eiskarspitzen (die örtliche Geologie ist meinerseits hier noch zu studieren), über die Torspitze, Graue Wand bis zu den Felswänden an Tor- und Kalkwand, eine imposante Kette.

Blick zurück auf die Aufstiegsroute

Im Süden versperren die zuvor erwähnten Tarntaler Köpfe die Sicht auf den 2.886m hohen Lizumer Reckner – eines Königszieles der Schitouren in der Wattener Lizum.

Panorama gegen Südosten

Gen Südwesten bis Nordwesten ranken sich die zentralen Zillertaler über die südlichen Staubaier bis hin zu den parallelen Bergrücken des Voldertales, die sich ebenso mit formschönen vorwiegend Glimmerschiefer, aber auch gneisführenden Riesen im Inntal in der Höhe entladen, ein gewaltiger Stellvertreter dafür fast im Norden gelegen, der Malgrübler mit 2.749m Höhe.

Panorama gegen Südwesten

Die milden Temperaturen und der leicht böige, aber nicht kalte südwestliche Jochwind veranlaßten mich zu einem besonders langen Gipfelaufenthalt und die gerade verstreichende Mittagsstunde erlaubte auch ein Schäferstündchen im übertragenen Sinn für die Betrachtung der Schönheiten rund um den Aufenthaltsort, ohne einen Gedanken das lichte Tagesende verschwenden zu müssen. Ein zweites faustisches Erlebnis an diesem unvergesslichen Tag.

Panorama gegen Nordwesten mit Naviser Sonnenspitze

Daß die Windeinflüsse der letzten Tage trotzdem beachtlich waren konnte ich an den deutlich sicht- und spürbaren Aufstiegsspuren und den dazugehörigen Gipfelbucheinträge der letzten Tage feststellen. Hier möchte ich vorwegnehmen, daß keiner der Gipfelbucheingetragenen offenbar in das Mölsertal abgefahren ist, da über die traumhaften Hänge keine Spuren vorhanden waren. Alle der acht Bergsteiger von 23.12. bis heute mußten also über den schönen Nordhang, den ich auch teilweise benutzt habe, wieder Richtung Lizumerhütte abgefahren sein.

Gipfelhang der Mölser Sonnenspitze

Meine Abfahrt fand über unberührte Sonnenhänge zum Mölser Hochleger statt und davon gibt es in der Bildergalerie noch mehr Fotos. Man sollte allerdings – und hier möchte ich zu Ernsthaftigkeit mahnen – nicht die Abfahrt einer Besteigung  zum Höhepunkt machen, sondern auf dem Boden der Tatsache bleiben.

Abfahrtsgelände unterhalb der Scharte

Die Schi sind Mittel für Auf- und Abstieg, das Ziel ist immer der Berg bzw. der Gipfel, nicht die Abfahrt. Die Abfahrt ist meist nett und anregend, aber doch nur Beiwerk des Alpinismus. Vielleicht bedarf es einer gewissen Distanz zur Jugendlichkeit, um diese Erkenntnis zu erlangen, in jedem Fall aber ist es die logische Entwicklung.

nach 2min Fahrt

Nun stand ich an diesem wunderschönen Tag vor dem schönen Nordhang am Gipfel und erfreute mich an den ersten Schwüngen darin, den ich bei der großen Steilheit nach drei, vier Schwüngen schon verlassen mußte, um nicht unterhalb der Unbenannten Scharte zu gelangen.

nach 8min Abfahrt

Mein Rat für die Abfahrt ist daher den Steilhang zu benutzen, wenn der dies zuläßt. Die Abfahrt über die gepresste, abgeblasene Windkante des Gratrückens ist sicher keine sinnvolle Alternative zur Leeseite des Nordhanges. der Nordhang der Mölser Sonnenspitze läßt sich auch gut fahren, er ist immer im Schatten und erleidet sicher wesentlich weniger Frost/Tauwechsel mit ausgeprägtem Harschdeckel als Folge.

oberhalb des Mölser Hochlegers

Ab der Unbenannten Scharte zwischen Mölser Sonnenspitze und Schispitzl waren, wie erwähnt, heute die Hänge unberührt. Kurz vor dem Mölser Hochleger mischten sich von rechts Spuren in den Hänge, die von der Mölser Scharte herunterzogen.

Mölser Hochleger 1

Ab dem Mölser Hochleger folgt man dem Weg, auch wenn er nicht gespurt ist. Tut man das – so wie ich kopflos der Einzelspur gefolgt bin – nicht und folgt der einzigen Abfahrtsspur von der Mölser Scharte herunter, dann erlebt man nochmals ein aufregendes „Training“ über steile Hänge und Staudenwerk, über einen schmalen Sommersteig (der erst einmal erkannt werden muß) bis hinab in den Talgrund.

einer Spur nachgefahren, nicht den Weg benutzt…

Nach einem aufregenden Ritt, den ich nur Spezialisten empfehlen kann, warten am Talgrund dann eine Bachüberquerung, die es in sich hat, wenn man zu voreilig ist und ein guter Kilometer Flachstrecke in denen man pro hundert Längenmeter an die zwei Höhenmeter verliert. Gottseidank befindet sich der gebeutelte Schitourengeher dort immer noch auf 1.800m und die Wahrheit ist gewiss, daß noch gute 300Hm Abfahrt bevorstehen, die ohne brennenden Trizeps Muskeln vonstatten gehen werden.

ein Steiglein soll zur Abfahrt dienen

Bevor dies allerdings Wahrheit wird zum ungewollten Langläufer. Es entschädigt die Landschaft und es beunruhigt die gegenüber, vom Malgrübler abgegangenes Grundlawine, eine respektable Gleitschneelawine, deren unteres Ende man in nur ca. 200m Abstand antrifft.

nun beginnt das Oberarmtraining

Nachher überquert man eine Brücke und das darunterliegende Wasserschloss markiert wieder den Beginn der Zivilisation und alsbald erreicht man die Hütten am Ende der Rodelbahn. Ein aufregendes, schweißtreibendes Stück Tour, das ich nachträglich nicht missen möchte, es aber eben nur dem Unerschrockenen empfehlen kann. Der Normalgeher bleibt in sozialistischer Manier besser am Weg vom Mölser Hochleger bis zur Kaserne in Walchen.

netter Abschluß der Sonderfahrt

Im Rückblick gesehen durfte ich heute die schönste und vielfältigste meiner wenigen Schitouren erleben; vielleicht auch weil ich alleine unterwegs war und – außer einem knappen „Guten Morgen, Servus“ zu einem Jungdiener auf Morgenrundgang mit Schneeschuhen am Truppenübungsplatz – keine Menschenseele angetroffen habe und das Wetter so ideal wie kaum war. Höchstwahrscheinlich war es die Mischung aus allem.

Ende der Rodelbahn – Mölser Niederleger

Die Tourenzeit – anhand der Fotos leicht ersichtlich – betrug gut fünf dreiviertel Stunden mit einem knapp dreiviertelstündigen Gipfelaufenthalt.
Die Strecke betrug gut 16km und die reine Aufstiegszeit drei dreiviertel Stunden.

Mils, 25.12.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schitour Kellerjoch 2.344m

Mit dem Ausgangspunkt längs der Straße auf gut 1.300m bei Grafenast ist die Schitour auf den „Kellner“ – wie die Einheimischen zum Kellerjoch sagen eine eher kurze, am Ende allerdings eine interessante Schitour.

Aufstieg im Wald nach der ersten Querung der Piste

Das Ticket mit der moderaten Parkgebühr längs der Straße zum Lift auf Grafenast bezieht man am Automat in der Kurve und knapp danach führt der Weg mitten durch ein paar Ferienhäuschen und durch den Wald unterhalb des Liftes. Von dort wird zu Beginn über die Wege und Pisten der Bergbahnen, oder auch im Wald links neben der Piste – etwas moderater in der Steigung –  aufgestiegen.

Oberhalb des Gasthaus Hecher am Weg zum Arbeserkogel

Ab der ersten Flachstelle wechselt der Aufstieg dann dauerhaft ins Pistengelände, das am Tag unseres Aufstieges gerade für die Wintersaison präpariert wurde. In Aufstiegsrichtung links neben der Piste steigt man bis zum Gasthaus Hecher auf 1.887m weiter.
Dieses wird im Aufstieg zunächst links liegen gelassen und in wenigen Minuten der Gipfel des Arbeserkogel auf 2.026m erreicht.

traumhafte Landschaft am breiten Rücken Richtung Kellerjoch

Am Arbeserkogel beginnt ein nettes Stück am langen Sattel zum Gipfelaufbau des Kellerjoches hin. Die Aufstiegsroute zieht sich durch einen anregenden Teil am breiten Rücken mit kleinen Einschnitten, die mit der überraschend kräftigen Vormittagssonne im frühen Dezember ein bezauberndes Licht und Schattenspiel bieten. Recht flach verläuft der erste Teil des Anstieges bis zur Weggabelung vor dem Gipfelaufbau.

der Anstieg recht flach zwischen niederen Geländestufen

Im folgenden steileren Anstieg werden Gratschrofen abwechselnd nordost- und südwestseitig bewältigt, bis die Route dauerhaft südostseitig zur Kellerjochhütte emporzieht.

zum Wegkreuz hin wird es etwas steiler

Am Tag unserer Begehung herrschte kein bis wenig Wind, aber es ist vorstellbar, daß der freistehende Vorsprung auf dem die Kellerjochhütte erbaut wurde, kein besonders wirksamer Schutz gegen Wind aus allen Richtungen darstellt, wie auch die Außenwände der Hütte selber. Allerdings ist ebenso gut vorstellbar, daß es sich bei entsprechendem Wetter stundenlang dort zubringen läßt, denn wie auch beim Gasthaus Hecher befindet man sich mitten im Inntal, ohne die Sonneneinstrahlung trübende Bergketten und – meines Erachtens – der besonderen Lage wegen ein begnadeter Ort mit dem längsten Sonnentag in Tirol.

Aufstieg am Gipfelaufbau

Die Kellerjochhütte ist weiters – als Highlight für Tourengeher – zum Jahresende von 29.12. bis 31.12. untertags geöffnet, so entnimmt man diese freudige Besonderheit dem Internet.

Rückblick knapp unterhalb der Kellerjochhütte

Einer der Kollegen aus unserer viereinhalbköpfigen Gruppe beschloss sein Knie zu schonen und bei der Hütte auszuharren bis wir restlichen drei mit Veit, dem Tourenhund den kurzen Abstecher zur Knappenkapelle, sozusagen dem Gipfelkreuz des Kellerjochs, bewältigt hatten. Für dieses Unternehmen empfiehlt es sich die Schi bei der Hütte zu belassen und den kurzen aussichtsreichen schmalen Grat als eine natürliche Abwechslung anzunehmen.

am Weg zur Knappenkapelle – die Flanke gleich nach der Hütte

Der Grat kann natürlich für jenen, der es erzwingen will auch mit den Tourenschi bewältigt werden, jedoch erscheint das Vergnügen nur das halbe zu ein, denn abgewehte Felsköpfchen erzwingen akrobatische Bewegungen und das Auf und Ab am Grat mit Fellen, nur zum Zwecke die letzten 200m die Schi partout nicht ablegen zu wollen, erscheint mir auch keine besonders begehrenswerte bergsteigerische Leistung darzustellen.

ein nettes Gratstück

Wie auch immer, der kurze leichte Grat ist die Abwechslung und der Gipfelkopf mit der Knappenkapelle das lohnende Ziel. Knapp 30min brauchten wir dafür von der Hütte aus in etwas mehr als knietiefem Schnee.

am Grat zum Kellerjoch

Von phantastischer Rundsicht geprägt ragt der rundlich geformte Gipfel auf und trotzt das kleine Kirchlein auf 2.344m den Naturgewalten. Und weil sich Bergsteiger immer die Zeit nehmen geschichtliche Fakten ihre Ziele zu erfahren staunt man nicht schlecht über den unbeugsamen Willen der Bevölkerung die oftmalige Wiedererrichtung der Holzkapelle im Laufe von knapp fünf Jahrhunderten in Angriff zu nehmen.

Am Kellerjoch bei der Knappenkapelle

Von der Kapelle bietet sich auch eine Abfahrt zum Gasthaus Schellenberg an der Hochfügenstraße an.

Blick in die Zillertaler

Mittig zwischen den Giganten der Zillertaler mit der markanten Reichenspitzgruppe, über das nur im Tiefsten grüne Inntal bis zu den bizarren Spitzen des Karwendels reicht das Auge von Süden bis zum Norden und im Osten zum Greifen nahe das markante Kaisergebirge.

das Karwendel

Zurück bei der Hütte fanden wir einen Fahrbereiten Kollegen wieder, der mittlerweile über kalte Zehen klagte und zur Abfahrt aufrief. Man beachte die lange Zeitspanne für Zurückbleibende, wenn man als Teilgruppe den Aufstieg zur Kapelle unternimmt, speziell bei kaltem Wind.

am Rückweg zur Kellerjochhütte

Unser Vorhaben über die Südwestseite nach Naunz abzufahren konnte an diesem herrlichen Tag mit jeder Menge Pulverschnee und keinerlei Feindkontakt unter dem Belag zur allgemeinen Freude umgesetzt werden. Hiervon zeugen auch die Bilder in der Galerie.

knapp vor der Hütte am Rückweg

Gegen Ende der Abfahrt mußte für Veit, den Hirtenhund eine Mitfahrgelegenheit her, denn nachdem er den Aufstieg ungefähr viermal zurückgelegt hat, um uns alle zusammenzuhalten und er sich bei der Abfahrt im Tiefschnee über den Sonnenhang restlos verausgabt hatte war er in Naunz völlig geschafft.

am Sonnenhang nach Naunz

Wichtig ist es den richtigen Weg zum Lift zu finden und nicht zu tief zum Loasweg abzufahren, denn sonst ist ein abschließender Aufstieg über die Asphaltstraße zum Parkplatz nötig.

im Almgelände des Naunzer Hochlegers

Man nimmt daher den vom Naunzer Niederleger aus gesehen oberen Weg (Weg der Sinne) und schafft mit recht flacher Abfahrt und teilweise Anschieben den Schluß zum Lift, bzw. zum Waldwegelchen, das wieder durch die Häuser zur Straße hinunter führt.

etwas Gestrüpp konnte die schöne Abfahrt nicht trüben – eine Alternative hierzu wäre der Weg durch die Stauden

Eine private Einladung mit phantastischer Gerstensuppe am Hochpillberg in toller Kulisse mit den letzten Sonnenstrahlen lange nach halb vier sorgte für Hochstimmung zum gelungenen Tourenabschluß.

mit dem Veit im Arm hinab auf den Weg zum Lift

Die gesamte Aufstiegszeit bis zur Knappenkapelle betrug 2,5 Stunden incl. 10min Pause auf der Kellerjochhütte (die Normalzeit die angegeben wird beträgt 3 bis 3,5 Stunden) für die ziemlich genau zurückzulegenden 1.000Hm und man rechne je nach eigenem Leistungsvermögen mehr oder weniger.

rot = Aufstiegsroute / blau = Abfahrtsroute

Mils, 02.12.2017

 

Stanser Joch 2.102m – Überschreitung über Kaserjoch nach Pertisau

Das Stanser Joch, von Einheimischen „Staner Joch“ genannt erhebt sich mit auffallend glatter Flanke über das Inntal und bietet einen langen, kraftraubenden Aufstieg ab Stans.

Stanser Joch Gipfel, 2.102m

Die direkte Route bis zum Mittelgebirge ist für den ortsunkundigen mittels der AV-Karte leicht zu finden und führt vom Parkplatz vor der Wolfsklamm (570m) rechts davon, über die auslaufende Siedlung, in einem auffälligen Graben zur netten Kirche Maria Tax östlich der Wolfsklamm.
Beim Kirchlein Maria Tax wendet sich der Anstieg westlich wodurch man auf den Heuberg gelangt.

am Heuberg angekommen

Auf der Asphaltstraße am Heuberg, nach rund 300m weiteren Marsches nach Westen, befindet sich die Abzweigung zum Stanserjoch. Zuerst geht es gut 100Hm auf dem Schotterweg weiter, bevor bei ca. 1.000m Höhe ein Steig direkter als die Almstraße den langen Rücken bergauf führt. Dort beginnt nach bereits zurückgelegten 450Hm der fast 1.000Hm Aufstieg zur Stanser Alm.

die alte Stanser Alm

Von der Stanser Alm kann man dem weiteren Steigverlauf folgen, oder, zwecks Einsparung von Weglänge zuerst auf einem Schotterweg zu den Lawinenverbauungen gefolgt werden, um dann etwas höher und weiter östlich querfeldein auf Almwiesen den langgezogenen Gipfel zu erreichen.

Stanser Alm mit Hochnisslkamm im Hintergrund

Das imposante Gipfelkreuz – errichtet 1964 – markiert den höchsten Punkt, jedoch ist der gesamte Gipfelbereich westlich davon kaum niedriger, während er östlich davon gleich zum schmäleren Rücken abfällt.
Die Verbauungen gegen den Wind auf der nördlichen Seite prägen das Bild des Gipfelbereiches stark und er bildet keine Bereicherung für Fotos in den Achenseeraum.

Achensee bis Gerntal

Bis zum Gipfel habe ich 2 3/4  Stunden benötigt, mit einer kurzen Pause auf der Alm.
Nun beginnt ein langer Teil am Rücken der Kette mit alleine 3,8km Luftlinie bis zum Kaserjoch. Die Auf- und Abstieg sind zwar nicht besonders hoch, dennoch empfand ich diesen Teil der Überschreitung als recht anstrengend im Schnee.

Lawinenschutz über Stans

Die Schneedecke präsentierte sich überraschend hart gefroren, wodurch es möglich war ohne Gamaschen zu gehen. Eingebrochen bin ich nur auf steileren Hangstrecken – wie üblich – mit entsprechend stumpfem Winkel zur Sonne.

Pkt. 2.136m

Am Abstieg vom Ochsenkopf ändert sich das Gestein. Nach dem Gipfelbereich des Stanser Joches gebildet aus Wettersteinkalk fielen mir nun Muschelkalk, Rauhwacke und Brekzien auf. Ab dort ändert sich das Gestein häufig und ist von der Reliefüberschiebung geprägt.

Abstieg vom Ochsenkopf mit Bilderbuchaussicht nach Westen

das Gipfelgelände des Ochsenkopfes ist aus Muschelkalk gebaut.

Muschelkalk am Ochsenkopf

Brekzien tauchen in einem Gelände auf an dem sie nicht gebildet worden sein können. Ein Indiz für die Reliefüberschiebung.

Brekzie am Ochsenkopf

Das weite Schneekarl macht derzeit seinem Namen alle Ehre, die Schneeauflage ist dort im oberen Teil schon fast durchgehend vorhanden.

in der Flanke des Schneekarls

Zwischen Gamskar- und Kaserjochspitze wird ein Abstieg über ca. 50m zum Verbindungsweg notwendig. Er kreuzt hier Murenrinnen.

phantastischer Blick in die Nauders Alm mit der Lamsenspitze dahinter

In diesem Teil des Kamms befanden sich die meisten Gämsen, an die zehn Gruppen mit fünf oder mehr Tieren bekam ich über und unter mir zu sehen.

die dominierende Rappenspitze am Kamm, am Fuße das Kaserjoch

Am Kaserjoch beschloss ich eine kurze Rast. Zwei Bergsteiger befanden sich am Südabstieg von der Rappenspitze und ein dritter kam den selben Weg hinter mir auf das Joch. Eine seltsame Begegnung mit Gleichzeitigkeit im abgeschiedenen, teilverschneiten Karwendel im November.

der kühne Hauptdolomitbau der Rappenspitze

Im Nordhang der Rappenspitze war der Schnee auch am frühen Nachmittag bock hart gefroren was einen komfortablem Abstieg ins Nauderer Karl ermöglichte. Ab dort galt es den Anstieg für die Schitour auf die Rappenspitze zu erkunden.

vom Kaserjoch in das Nauderer Karl geschaut

Der oberste Hang nach dem Karl bedarf aufgrund seiner Steilheit wirklich guter Schneeverhältnisse, um die Schitour sicher ausführen zu können.

Stimmung am Nauderer Karl an einem Novembernachmittag

Selbst bei den momentanen Schneeverhältnissen steigt man lieber neben den ausgetretenen, gefrorenen Steigspuren, um nicht ins Rutschen zu kommen. Das Tiris zeigt Geländeneigungen von durchgehend 30-35° und Stellen, unten bei der Querung des Steilkars unterhalb der aufsteigenden Wände mit 40°.

Der Steilhang unterhalb des Nauderer Karls

Unterhalb der Felswände führt der Steig mit mäßigem Gefälle quer zum Schutthang zu einem Wiesenhang weiter.

Querung unterhalb der Abbrüche von der Kaserjochspitze

Nach der Querung Richtung Nordost geht es flacher durch den Wiesenhang weiter.

Abstieg am Hang zum Verbindungsgrat

Der Steig trifft dann weiter unten rechterhand an die Felsen des Verbindungsgrates zum Dristlköpfl und hier wir das Gelände teilweise wieder steiler.
In der Flanke des Hanges führt der Steig mit Anstieg auf den Verbindungsgrat und weiter über schätzungsweise 40-50Hm auf das Gelände der Dristlalm.

unterhalb der Felsen zum Verbindungsgrat, der Steig führt wieder aufwärts

Es stellte sich hier die Frage wie diese Passage im Winter begangen wird, hier ist ein zweimaliger Höhenunterschied zu absolvieren, der wohl Abfellen im Aufstieg und Auffellen in der Abfahrt bedeutet.

Rückblick vom Rand des Almgeländes auf den Verbindungsgrat

Über das konstant fallende Almgelände erreicht man die malerische Dristl Alm auf 1.645m. Von allen umrahmenden Seiten betrachtet würde man das Gelände dieser Alm nie so groß einschätzen wie es wirklich ist, ein abgeschiedener toller Rastplatz.

die Dristlalm mit dem Hintergrund des Sonnjochkammes

Der restliche Abstieg erfolgt über das untere Almgelände und anschließend durch das Legertal bis zur Falzthurnalm.

unteres Almgelände der Dristlalm mit wunderbarem Blick zur Roten Wand und der Hohen Gans

Ich konnte es wieder nicht lassen zu erkunden und stieg auf 1.200m nicht zur Falzthurnalm ab, sondern folgte dem Weg talauswärts weiter, der nach einigen Hundert Metern endet. Allerdings sah ich am Ende einen kaum sichtbaren Wildsteig weiterziehen und folgte diesem  teilweise weglos bis zur Kreuzung bei dem die Straße über die Brücke auf die orografisch rechts Talseite quert und die asphaltierte Fußgängerstraße nach Pertisau beginnt.

Blick zurück Richtung Dristlalm

Diese Abkürzung sei nur demjenigen empfohlen dem Tannenadeln im Nacken und hindurch schlüpfen zwischen Ästen nichts ausmacht. An die 150Hm Abstieg sind so zu bewältigen.

diese Fortstraße führt nicht bis zum Talboden

Der Rest der Tour bis Pertisau erfolgt fast strafweise auf der für Fußgänger asphaltierten Straße bis knapp nach der Mautstelle. Dort befindet sich die Bushaltestelle des Postbusses, der den Bergsteiger um 5,40.- Euro zum Bahnhof Jenbach fährt (an Samstagen zu jeder Stunde, jeweils ein paar Minuten nach voller Stunde und über VVT im Internet per Handy abrufbar). Vom Bahnhof Jenbach erreichte ich eine S-Bahn nach Stans (1 Station) um 2,90.- Euro und ab Pertisau benötigte ich dafür 1 1/4 Stunden. So komfortabel hätte ich mir die Rückreise nach Stans nicht vorgestellt.

Stanser Joch im Rückblick von Pertisau

Weil noch etwas Zeit bis zum Bus blieb gab es noch ein Bier am See und da der Bus auch am Bootshaus hält konnte ich dort bequem einsteigen.

Die Gesamtdauer der Tour betrug 7 1/4 Stunden und die Bergsteigeruhr zeigte genau 1.800Hm. Die Streckenlänge der Tour, über Outdooractive ermittelt, beträgt 20km.

Mils, 04.11.2017

 

 

Rofanspitze, 2.259m

Ideal für den Herbst, wenn die Schneeauflage über 2.000m schon dauerhaft vorhanden bleibt, ist eine leichte Tour jene auf die Rofanspitze. Alternativ mit der Seilbahn ab der Erfurterhütte, oder, wie in unserem Fall, von Maurach aus. Die Zeitangabe auf der Beschilderung des TVB’s beträgt 2,5 Stunden, wir haben es in 1,5 Stunden geschafft.
Das Rofan ist ein äußerst interessantes Gebiet, wenn es um geologische Entdeckungen geht.

Manuel auf der Rofanspitze, 2.259m

Der Steig zur Erfurterhütte beginnt am Ende der Schiabfahrt (nach den Parkplätzen der Seilbahn) und führt in der Schlucht des Madersbaches bis zu einer Naturfreundehütte hinauf, wo er dann, teilweise am Rand der Schipiste, durch das Gelände des ehemaligen Niederlegers der Mauritzalm weiter bis zur Bergstation der Seilbahn und der Erfurterhütte führt.
Die Zeitangabe von der Erfurterhütte bis zur Rofanspitze beträgt 2 Stunden.

auf der Mauritzalm

Weiter bergan wird nach wenigen Minuten die Mauritzalm erreicht. Hinter dieser tut sich ein schönes Hochplateau auf dessen hintere (leicht nordöstl.) Begrenzung von den dort dominierenden Oberrhätkalkwänden (geologisch Übergang von Trias zu Jura ~208-201Mio Jahre) gebildet wird. Die homogenen, von Furchen durchzogenen, verwitterten Oberflächen sind schön anzusehen und begleiten uns am Weg über die Geländestufe „Grubastiege“ weiter in das nächste und weit größere Hochplateau Gruba mit dem kleinen See Grubalacke.

Oberrhätkalkwand auf der Grubastiege

Der Weg dorthin führt durch mehrere Einengungen. An der obersten kann die schöne Oberfläche des Oberrhätkalkes sehr nahe bestaunt werden. Von der Grubastiege geht es nun einige Meter leicht abwärts in eine Senke an der die zuvor besprochenen oberrhätischen Kalke nochmals eingehend studiert werden können.

Wegweiser am Ende der Grubastiege

Dieses Gestein weist auch eine ganz interessante Erscheinung auf und zwar mitten in den mächtig gebankten Wänden tauchen einige wenige, jedoch zweifelsfrei sichtbare rote Einschaltungen auf. Diese stellen Einlagerungen von Rotkalken und für den Interessierten, der sich diese nicht erklären kann sein gesagt, daß die Entstehung solcher Einlagerungen durch Spaltenfüllung und/oder Sedimentation am Meeresboden entstanden sind. Interessant dabei ist, daß die Füllungen bzw. die Sedimentationen erst durch tektonische Veränderungen am Meeresboden Jahrmillionen nachher entstanden sind.

die Gruba von der Grubastiege aus gesehen

Am Ende der Senke steigt das Gelände wieder sanft an und führt so, nördlich an der Grubalacke vorbei, bis zur Grubascharte. Am Weg dorthin begegnet man so manch interessanter Ausbildung von Gesteinsoberflächen.

Sedimente auf Oberrhätkalk

An der Grubascharte wird nach Osten der schön geschichtete Aufbau der mächtigen Vorderen Sonnwendjoches und des Sagzahnes sichtbar. Links (nördl.) davon der im Gegensatz zu den Felsbänken auf der Gegenseite sanfte, begrünte Hang der Rofanspitze. Dieser Blick lädt einige Minuten zum Verweilen ein und bei dieser Gelegenheit kann – auf der Suche nach einem trockenen Sitzplatz – auch erkannt werden, daß sich die Geologie wieder geändert hat, der Sitzplatz besteht aus der speziellen Rofanbrekzie die jünger ist, als andere Brekzien in der nächsten Umgebung in den Nördlichen Kalkalpen.

auf der Grubascharte

Der Steig zum Gipfel der Rofanspitze ist nun deutlich vorgegeben, er zieht sich am mittelsteilen Hang entlang, steigt unversehens über Serpentinen auf den Grat an und führt ca. 300 Meter auf diesem entlang bis zum Gipfel.

Rofanspitze von der Grubascharte aus gesehen

Bei seiner unteren Abzweigung vom Hauptsteig befindet sich ein Wegweiser und rund um diesen konnten wir auf der aperen Stelle schön die Rofanbrekzie sehen.

Abzweigung zur Rofanspitze

Diese präsentierte sich in abgewitterter Form, wobei die Komponenten – vorwiegend aus Oberrhätkalk – im Laufe der Zeit teilweise freigelegt wurden.

Rofanbrekzie II

Das Gipfelbuch – obwohl an die 40mm dick – ist in etwa ein gutes Jahr alt und war bereits vor einigen Wochen vollgeschrieben. Soviel zur Beliebtheit der Rofanspitze.

Sagzahn und im Hintergrund die Vordere Sonnwendjochspitze vom Gipfel der Rofanspitze gesehen

Der Blick am Gipfel eröffnet freie Sicht auf die beiden Unnütze und den Guffert im Norden, das Inntal und das Kaisergebirge im Osten, den Sagzahn und die Vordere Sonnwendjochspitze im Süden und die mit 2,6km Länge gewaltige Nordwandkette bis zum Streichkopf im Westen. Für den gesamten Aufstieg auf die Rofanspitze benötigten wir geringfügig mehr als 3 Stunden.

Blick von der Rofanspitze nach Norden auf die Unnütze und den Guffert

Tief unter dem Gipfel befindet sich der kleine Grubasee an dem, so wie vorwiegend an der Grubalacke und auch am Ziereinersee östlich der Rofanspitze, mittelsteinzeitliche Produktion von Waffenteilen stattfand. Vor rund 9.600 Jahren wurden an diesen Plätzen aus Radiolarit und Hornstein Speerspitzen und andere Werkzeuge gefertigt.

Die Nordwand der Rofangipfel im Detail

Die beiden Gesteine sind oberjurassischen Ursprungs und der Horizont befindet sich oberhalb des roten Liaskalks, was damals wahrscheinlich auch der leichteren Auffindung diente.
Das Rofan war damals auch ein Jagdgebiet für die Steinzeitlichen Jäger, die durch die Wiederbewaldung nach Abklingen der Eiszeit lernen mußten Standwild in den Wäldern zu jagen.

Blick von der Rofanspitze nach Osten auf den Rest der Brandenberger Alpen und das Inntal

Am Abstieg viel uns im Schutthang von dem gewaltig aufragenden Turm des Rosskopfes noch ein junger Abbruch von rötlichem Kalkgestein auf, der näher untersucht werden mußte.

Crinoidenkalk am Fuße des Rosskopf

Es zeigte sich, daß das Gestein des Abbruches einen sogenannten Crinoidenkalk darstellt. Dieser ist ein durch Sedimentation am Meeresboden entstandener Kalkstein, der aus den versteinerten Resten von Seelilien und Haarsternen (Crinoidea) besteht. Man erkennt diese mit freiem Auge durch kleine weiße Einlagerungen (Durchmesser meist <1mm, mit einem Loch in der Mitte, auch Ruhpoldinger Marmor).

Oberrhätkalk mit Liaskalkeinschluß (rot Bildmitte und links)

Beim Abstieg, bei weniger diffusem Licht als am vormittäglichen Aufstieg, durch die Gruba konnten wir die Rotkalkeinlagerungen im Oberrhätkalk noch einmal gut betrachten und unten im Almgelände fiel uns noch ein extra aufgestellter Liaskalkfelsbrocken auf, der auffällige Einlagerungen in Muschelform enthält. Er ist nicht ohne Grund aufgestellt worden, allerdings konnten wir noch keine Bestimmung für die Einlagerungen finden.

Felsbrocken aus Liaskalk mit Einschlüssen II (Eisen-Mangan?)

Den Abstieg haben wir über die Bucheraueralm gewählt.

Buchaueralm

Am weiteren Weg fällt bei ca. 1.220m ein Einschnitt einer Kehre der Almstraße auf, der eine schräge Bank an Rotkalk enthält.

Rotkalk auf 1.220m in einer Kehre

In dieser Meereshöhe erscheint das Vorkommen von Rotkalk sonderbar, denn beim Aufstieg erschienen die ersten roten Bereiche auf ca. 1.650m knapp oberhalb und nordwestlich des Schichthals orografisch links in den Felsen neben der Schipiste.

Mils, 02.11.2017

Hohe Gans 1.951m – auf erdgeschichtlich interessanten Pfaden

Bei gut einer Hand tief relativ frische Schneedecke bereits unterhalb der 2.000m Marke und das auf Südhängen erscheint am Nationalfeiertag eine höher angelegte Bergtour nicht besonders passend, vor allem nass und rutschig, wenn es einen nicht gerade auf einen Nordhang verschlägt.

Die Rote Wand am Fonsjoch im Morgenlicht, dahinter die Hohe Gans

Also kam eine Erkundung eines, gegenüber vom Plumssattel aus recht auffällig sichtbaren, roten Felsabsturzes am südlichen Rande des Grates des langgezogenen Fonsjoches in Frage, sowie der Grat selber. Natürlich nicht ohne Vorbereitung, was denn wohl dieser, in der Abendsonne tiefrot leuchtende Abbruch interessantes zu bieten habe. Rote Kalkfelsen im Karwendel – ein sonderbar Ding – und da ich bereits immer wieder ein wenig mit der Geologie kokettiere, erwies sich, nach dem Studium einiger Facharbeiten im Internet, meine Vermutung als richtig, daß es sich um jurassische Schichten handeln müsse.

die Rote Wand am Fonsjoch im Zoom vom Weg zum Schleimssattel gesehen

Darüber hinaus erbrachten die angestellten Nachforschungen, daß es sich sogar um äußerst fossilreiche Gesteinsschichten handelt, wenngleich auch der eigentlich reichlich verfügbaren aber ungemein mühsam zugänglichen Literatur zu entnehmen ist, daß das Auffinden von Ammoniten in diesem Gebiet heutzutage nur mehr Zufälle darstelle und nur bei Ereignissen wie Hangrutschungen die Chance auf interessante Funde bestünde.

am Schleimssattel, rechts zur Schleimsalm, links zur Montscheinspitze

Ammoniten? Es handelt sich dabei um Meerestiere, die besonders im Erdmittelalter weltweit verbreitet waren, seit der Kreidezeit aber ausgestorben sind. Ihr Name „Ammoniten“ oder „Ammonshörner“ rührt von der ägyptischen Gottheit Ammon her, dessen Widderkopf immer mit gewundenen Hörnern dargestellt wurde. (Quelle.: Wolfgang Voigtländer, Die Ammoniten vom Fonsjoch im östlichen Karwendelgebirge).
Ammoniten, auch Kopffüßler, „Cephalopoden“ genannt, gehören zu den Tintenfischen. Ihre Bedeutung für die Bestimmung des Erdalters ist beträchtlich, deshalb spielen sie in der Geologie und Paläontologie eine wichtige Rolle. Hier wird jedoch nicht näher darauf eingegangen, aber es sei erwähnt, daß erst in den letzten 20 Jahren in den USA eine neue Spezies entdeckt wurde, Psiloceras spelae, dessen Unterart, Psiloceras spelae tirolicum n. ssp, just hier in unserer aufregenden Bergwelt des Karwendel, am Kuhjoch, 5km entfernt vom Fonsjoch gefunden wurde.
In der Galerie befinden sich zwei Grafiken mit den Bezeichnungen der Körper- und Schalenteile eines Ammoniten.

vor der Überschüssalm

Die Hohe Gans war eigentlich nicht als primäres Ziel der Tour geplant aber es sei an dieser Stelle erwähnt, daß sich ihre Ersteigung vom Rundblick her lohnt. Wer nicht an den Ammonitenfunden, sondern an der Hohen Gans interessiert ist der lese weiter unten beim Kartenausschnitt weiter.

Hervortreten des Liaskalkes am Sattel der Roten Wand, darüber jüngere Schichten arg aufgeworfen

Zunächst erfolgt der Aufstieg vom Parkplatz nach der Pletzachalm über die Almstraße auf den Schleimssattel und nordöstlich davon zur Überschüssalm auf 1.640m.
Bereits auf ca. 1.450m kann das Gebiet der Begierde, die ausstreichenden Abbrüche der Roten Wand, in vortrefflich rötlicher Farbe im Morgensonnenlicht eingesehen werden.

Schichtenabfolge am Kamm der Roten Wand im Detail (Kössener Schichten, „Oberrhätischer Grenzmergel“?)

Von der Überschüssalm habe ich zunächst den Anstieg mehr oder weniger dicht an der Geländekante über das weglose Almgelände genommen.  Bald wird dort die scharfe Abbruchkante erreicht, über die das Felsengelände teilweise eingesehen werden kann.

Am Kamm zwischen Roter Wand und Pasillalm

Wegen der Schneeauflage verzichtete ich auf einen Einstieg in den Fels sondern stieg bis zum Gratrücken auf, in der Hoffnung dort einen einfachen Abstieg zu finden. Tatsächlich bot eine mannshohe Rinne auf der Westseite einen komfortablen Abstieg, in meinem Falle jedoch in knietiefem Schnee.
Unten angekommen muss ca. 20Hm zurück auf den Gratrücken gestiegen werden, um auf die begehrtere Ostseite dieser Liaskalkfelsen zu gelangen.

Blick zum Juchtenkopf

Dort erkennt man gleich die schönen gelblich bis roten Felsen mit fester, blockiger Bauweise, aufragend aus dem steil abschüssigen, teils erdigen Gelände mit vielen, teils Kubikmeter großen Trümmern darin. Seit weit über 100 Jahren – so meine spätere Recherche aus Fachartikeln im Internet – befaßt man sich paläontologisch sehr detailliert mit diesem kleinen Stück Erde. Das Fonsjoch ist neben dem Kuhjoch eine der wenigen Fundstätten von speziellen Ammoniten (Psiloceras planorbis) die eine wichtige Zeitkartierung darstellen.

Blick vom Sattel über die Rote Wand hinab

Steigspuren gibt es keine ersichtlichen, was nicht gerade auf reges Interesse an der geschichtsträchtigen Felsenfront hindeutet. Also stieg ich an den Felsen hinab und versuchte sie vom Fuße bis in eine überblickbare Höhe auf Spuren von Ammoniten ab. Leider wurde ich bis weit den Steilhang hinab nicht fündig, weshalb die größeren Brocken in der weichen Steilrinne in die engere Wahl meiner laienhaften Untersuchung kamen.

Graben mit erdigem Material vor der Roten wand

Ich kann hier vorwegnehmen, daß es sich kaum bis gar nicht gelohnt hat einen Hammer und einen Meißel mit hierher zu nehmen, denn bei der Härte der Kalke ist die Spaltung eines verdächtigen, signifikant großen Brockens nicht möglich. Weiters muß man nicht glauben, daß ohne eine – zumindest geringe – Vorbildung in der Fossiliensuche einerseits die richtigen Felsbrocken auswählen und andererseits die richtige Art der Zerlegung durchführen kann. Somit kam ich mir ziemlich verlassen und erfolglos mit den Werkzeugen in der Hand vor und packte diese rasch wieder in den Rucksack.

tonig mergelige Lagen im Graben vor der Roten Wand, im Vordergrund der harte Liaskalk

Ungeduldig streifte ich mit vom schmelzenden Schnee in der Erde verdreckten Bergschuhen von Felskante und erdiger Steilrinne hin und her und hatte knapp vor der Hälfte der Steilrinne die Hoffnung aufgegeben, daß etwas brauchbares gefunden werden könne, bis sich in der Steilrinne ein besonderer Blick auftat.

erster Fund – gleich ein Abdruck eines sehr großen Tieres

Dort trat ein markanter, in seiner Höhe horizontal gespaltener Felsbrocken mit ca. 50x50cm ebener Fläche aus dem Hang herausragendem Teil, der – so schien es mir – fachmännisch gespalten wurde und ein wunderschönes Bild eines Negatives eines ca. 25cm im Durchmesser über die Wohnkammer (siehe Erklärung weiter unten) messenden Ammoniten freigelegt zeigt.

links daneben kleinere Abrücke und ein sehr kleiner Ammonit noch unzerstört (links vom Hammerschaftbeginn)

Neben dem großen befinden sich zwei Negative von kleineren Ammoniten (etwa 10cm Durchmesser) und ein freigelegter kleiner Sektor von einem unzerstörten Miniexemplar von etwa 3 bis 4 cm Durchmesser. Der Anblick ließ natürlich das Herz höher schlagen und ich versuchte die Fläche mit Tee aus dem Proviant etwas abzuspülen, um bessere Ablichtungen zu erhalten. Dies jedoch mit mäßigem Erfolg wegen der Menge Tees die ich bereit war zu opfern und Schnee half nicht, weil er nicht rasch zerschmolz.

erster Fund aus anderer Perspektive, nach Teiltrocknung der Oberfläche

Nachdem ich bis zum Zurückspringen des Meißels vorher vergeblich versucht habe den tiefer roten festen, homogenen und sehr kompakten Liaskalk zu knacken, war mir nun zumindest die optische Erscheinung des Trägermaterials bekannt, die potentiell diese Geheimnisse in sich birgt. Erfahrung lehrt eben – allerdings konnte ich den Scherflächten dieses festen Liaskalk-Gesteines auch etwas abgewinnen und zwar hexagonalen Kristallwuchs – bei weitem nicht so klar wie ein Bergkristall, aber auch nicht so matt wie üblicherweise der im Kalk sehr heimische Calcit. Dieser Kristall muß noch untersucht werden, weswegen ich eine Probe abgeschlagen habe.

Kristallbildung am beinharten Liaskalkfelsen

Zur Auffindung von Ammoniten mußte also nach gelblich-ockerfarben und rotem bis tiefrotem Gestein Ausschau gehalten werden, das teilweise auch durch graue bis dunkelgraue runde Farb-Einschaltungen (m. E. Peripherieformen oder Versteinerungsprodukte der Körper von Muscheln) durchzogen war (Schöll Fm.?). In jedem Fall mußte es ein Felsband sein, daß keine homogene Farbe aufweist, sondern eben die geschilderte fleckige Erscheinung zeigte.

viele kleine Zeugen der Zeit fest eingespannt

viele kleine Zeugen der Zeit fest eingespannt

Mit dieser Erkenntnis ausgestattet kam ich im Trümmerfeld der Steilrinne zu zahlreichen interessanten Entdeckungen, jedoch geprägt von weniger Ammoniten – und wenn, dann nur von sehr kleinen (<30mm)  Exemplaren – als von Fels mit Muschel an Muschel, wie am Teller im Restaurant am Meer. Eine unheimliche Anzahl an Tieren muß vor rd. 200Mio Jahren im Sediment verendet sein.

Rote Wand etwa von mittiger Längsausdehnung

Zurück zu markanten gelblichen Stellen am Fels fand ich nun mehr von dem weswegen ich die Begehung unternommen habe. Wahrscheinlich auch durch den geologischen Wechsel der Gesteinsschichten ist ein Fund aus dem Hettangium (Zeitabschnitt der Epoche „Lias“ aus der Periode „Jura“ und damit die älteste Stufe des Juras 196,5 +/- 1,0 bis 199,6 +/- 0,6 Mio. Jahre) erst in dieser Zone der Roten Wand möglich.

einzigartiger Fund mitten im Fels

Die Zone mit Funden direkt am Fels erstreckt sich schätzungsweise über 30-40Hm und liegt, beginnend in etwa knapp nach der Hälfte der Steilrinne abwärts, in einer über einheitliche Richtung abgerissenen Felsflanke bis zu deren unterem Verlaufwechsel, von oben aus gesehen.

Ammonit an eindrucksvoller Stelle in der Roten Wand

Ein markanter und riesiger Ammonit (nach Größenvergleich mit dem Hammer hat dieser gut 30cm Durchmesser über die Wohnkammer) tritt plötzlich in ca. 2m über der Geländeoberkante am Fels in Erscheinung.

Schnitt- oder besser Rissführung schräg durch das Fossil hindurch – der untere Teil noch als Fossil vorhanden

Dieser gewaltige, wunderschöne Fund ist dadurch gekennzeichnet, daß der Riss bei der Spaltung des Felses direkt aber leicht schräg durch die Schmalseite des Tieres erfolgte – was die Freilegung in seiner gesamten Dimension überhaupt erst möglich machte – und daß der Körper sozusagen schräg abgelöst wurde. Somit ist im unteren Teil der Körper noch vollständig im Fels erhalten  und auf der anderen Seite (Wohnkammer), noch die konkave Rundung als Negativ des herausgerissenen Körpers sichtbar.

muschelführendes Band im Fels

Die vorgenannten Bänder in denen Muscheln und Ammoniten vorkommen ziehen im fossilienführenden Teil der Wand schräg nach links und rechts nach oben, für mich – ohne entsprechendes geologisches Wissen – jedoch nicht klar und logisch, also konnte ich sie nur bis zur Änderung des Felses entlang verfolgen, wenn sie in Erscheinung traten, jedoch nicht gezielt  sichten.

schönes Fossil mit ca. 12cm Durchmesser

Ein weiterer schöner Fund war ein Ammonit (ca. 12cm im Durchmesser), der quer zu seiner Spiralachse im Fels abgebrochen ist. Deutlich ist der flachere, in der Spirale dünnere Teil des Tieres zu sehen und die seitliche Begrenzung des Panzers zum dickeren weiter außen liegenden  Teil der Spirale. In der Mitte, Versteinerung mit anderer Farbe.

quer abgerissenes Ammonitenfossil – deutlich der Schnitt durch das dünne Gehäuse sichtbar, die inneren Teile im roten Kalk hellgelb versteiner

Im unteren Teil der Roten Wand konnte ich wiederum keinerlei Sichtungen von Fossilien machen, obwohl ich sie erst nach dem Übergang des Felsabbruches in den schroffigen Wiesenhang verließ und sehr steil wieder auf die Abbruchkante hinaufklettern mußte.

Negativabdruck eines Ammoniten

Eine überaus interessante, lehrreiche, fast dreistündige Erkundung war somit zu Ende und mit einem Schatz aus Fotos kehrte ich auf das Almgelände zurück, am frühen Nachmittag der Hohen Gans einen Besuch abzustatten.

fast 200Mio Jahre trennen diese beide Leben – bestaunbar mitten in der Heimat!

Es bleibt in weiteren Begehungen zu klären, ob am „Fonsjoch gem. AV-Karte“ tatsächlich auch Ammonitenfossilien gefunden werden, denn jener Teil der in der Literatur immer als Fonsjoch (in sehr alten Publikationen Pfonsjoch) bezeichnet wird, ist – zumindest nach der AV-Karte – nicht mehr dem Fonsjoch (in der Karte Fansjoch) zugehörig. Es erhebt sich die Frage ob die Publikationen oder die Karte fasch sind, denn einerseits könnte man in den Publikationen die Gegend mit „Rote Wand“ bezeichnen, andererseits könnte die Karte den Schriftzug (Fansjoch) bis zur Roten Wand hin gezogen haben. In der Karte endet die Bezeichnung 870m nördlich der Roten Wand.

rot _ Anstieg Hohe Gans
grün – Runde durch die Rote Wand auf Ammonitensuche

Der Sporn der Hohen Gans ist zwar kein Gipfel in der Art wie wir sie hier normalerweise pflegen zu veröffentlichen, er hat jedoch auch eine überraschende Besonderheit und verdient deshalb eine nähere Beschreibung.

Im Almgelände Richtung Hohe Gans

Vom Almgelände aus versuchte ich ohne viel schneebedeckte Passagen über die steilen Hänge an die Grathöhe zu kommen, um in den Genuß der Gratbegehung zu kommen.

Aufstieg zur Hohen Gans über Almgelände

Tatsächlich erreichte ich den Grat auf weglosem Almgelände an der letzten südlichen Einsattelung vor dem Gipfel und das Graterlebnis war kurz. Der Gipfelaufbau stellt an seiner Südkante eine ungemein steile Wiese dar (schätzungsweise über 50° Hangneigung), die sich ungefähr über 40Hm erstreckt und vor einem Latschenfeld endet, das den Gipfelbereich im Süden abgrenzt. Das Latschenfeld wird unten einige Meter umgangen, bis ein Durchschlupf auf den latschenfreien Gipfel leitet.

Seebergspitze im Osten von der Hohen Gans aus gesehen

Das nette kleine Gipfelkreuz ist für den Erstbegeher in die falsche Richtung gerichtet, wurde 2007 errichtet und hat zwei fleißige Erhalter, die oft im Jahr aufsteigen. Wenn man das Gipfelbuch studiert findet man den Hinweis über die Aufstellungsrichtung darin, daß sich die Errichter in der Pasillalm befinden, zu der die Vorderseite gerichtet ist.

Hohe Gans, 1.951m

Zuerst fällt – neben der generell großartigen Aussicht am Gipfel der Hohen Gans – der lange Grat nach Norden auf – nach der AV-Karte das eigentliche Fonsjoch (Fansjoch), beginnend an dem markanten Köpfchen in ca. 740m Entfernung (Pkt. 1.930m). Dieser Grat ist ebenfalls eine geologische Besonderheit, die hier jedoch nicht beschrieben wird.

Grat über das Fonsjoch zur Schreckenspitze

Der Grat zur Schreckenspitze ist in etwa 3km lang und, nach den im Internet zu findenden Berichten, bergsteigerisch ein leichter, jedoch zum großen Teil ein richtiger Kampf mit  Unterholz. Dichter Latschenbewuchs macht das Ausweichen in die teilweise ungangbare Ostseite und auch signifikante Passagen mit Abstiegen in der Westseite notwendig. Ein herausforderndes Ziel für das nächste Jahr.

Überschüssalm mit Zentralkarwendel

Der Rundblick beginnt im Nordwesten mit dem Guffert und den Hochunnützen, über die gegenüberliegenden Gipfeln Seekar- und Seebergspitzen, im Süden die Hochebenen des Stanserjoches und der Sonnjochkamm, im Westen die mit vertikal aufgerichteten Felsplatten toll ausgeformte Montscheinspitze mit den Karwendelriesen dahinter, und im Nordwesten die eher sanft abklingenden Hügel der Karwendelvorberge.
Ein Gipfel der mit 1.951m nicht hoch, aber durch seine Lage zum längeren Bleiben einlädt.

Blick zum Rether Horn und auf die Almen im Tal nördlich der Montscheinspitze

Für den Abstieg glaubte ich einen Pfad finden zu müssen, der hinter dem ich vom Almgelände aus sichtbaren Rücken zu liegen vermutete. Es war mir klar, daß mein Aufstieg nicht den Normalaufstieg darstellte, da ich ja unvermittelt im Gelände damit begann. Für den Abstieg jedoch wollte ich es nicht wahrhaben, daß mir trotz geschultem Orientierungssinn und einigem geschärften Spürsinn für die Pfadsuche dieser nicht und nicht über den Weg kam.

Montscheinspitze

Also stieg ich vorsichtig über die teilweise schneebedeckten Steilflächen wieder weglos ab und möchte an dieser Stelle warnen, die Hohe Gans bei nassen Verhältnissen zu begehen. Das hohe Gras und Nässe oder Schnee ist eine gefährliche Mischung, die man dem Steilhang der Hohen Gans auf den ersten Blick nicht ansieht. Eine Rutschung über den Hang kann böse enden, denn nach wenigen Metern vergeblich versuchten Haltes an Grasbüscheln ist eine nicht mehr zu bremsende Geschwindigkeit erreicht. Man unterschätze diesen Hang also nicht und lasse sich von den Fotos nicht irreleiten, der Hang ist wesentlich steiler als er aussieht.

Rückblick auf den weglosen Abstiegshang

Ich habe eine Abstiegsroute oberhalb eines mittig liegenden Latschenfeldes genommen, das unten in einem Bereich endet an dem die Steigung des Hanges wieder gefahrlos zu begehen ist. Somit schritt ich das Latschenfeld im Schnee an seiner nördlichen Begrenzung ab, immer die Latschen als Bremsmöglichkeit in Fallrichtung zu haben.

Grat von der Roten Wand zur Hohen Gans

Bald endet das Stück größter Steilheit und es ging über bereits freigeschmolzene Wiesen entlang eines schwachen Rückens gegen die Alm weiter, die in wenigen Minuten erreicht war.

Rückblick auf die Hohe Gans

Oberhalb der Alm befand sich durch die Schneeschmelze eine recht lettige Passage bei der eine Entscheidung über die sofortige Querung der Quelle, oder eine weit seitlich zu wählende Route besser erscheint. Jedenfalls im Aufstieg dieser Tage ab hier das „Aus“ für Turnschuhe.

Überschüssalm 1.640m

Für den Aufstieg vom Parkplatz bis zur Überschüssalm habe ich etwa eine Stunde benötigt. Von der Alm zur Roten Wand ca. 25min und wenn man von der Alm direkt auf die Hohe Gans weitergeht benötigt man etwa 30 bis 40min, je nach Route.

Rote Wand von der Überschüssalm aus

Die Alm – bereits im Winterschlaf – verließ ich nach einer Rast auf der empfehlenswerten Bank knapp nach dem Weg abwärts begonnen hat. Von dort aus ist das gesamte Gerntal mit seinem Knick einzusehen. Wunderbares Karwendelgelände.

Gerntal in kompletter Länge

Mils 26.10.2017

 

Versuch der Zuordnung meiner Funde an der Roten Wand zu wissenschaftlichen Artikeln:

Fig 12a,b: Quelle: Axel von Hillebrandt and Kurt Kment 2015, Psiloceratid ammonites from the Lower Hettangian of the Karwendel Mountains (Northern Calcareous Alps, Austria) and their biostratigraphic significance

Fig. 12a,b Psiloceras Strongolum – Calliphyllum

 

Fig 3, Quelle: RAKÜS (1999), Lower Liassic (Hettangian) Ammonites from Zlambach Graben near Bad Goisern, Upper Austria

Fig. 3: Psiloceras calliphyllum (Neumayr, 1879), juvenile specimen with radiate to rursiradiate ribs, Lower Hettangian, loc. Pfonsjoch,
Austria, 0,5x.

Fig. 3 Psiloceras Calliphyllum