Archiv der Kategorie: Touren 2012

Touren 2012 überall

Fiechterspitze, eine kleine feine Tour

Die Fiechterspitze ist der abschließende, letzte Gipfel der Hinterautal-Vomper Kette, mit dem Gipfel auf knapp 2.300m, als kleinere Tour mit rund 1.400Hm von der Karwendelrast, eine Erholungstour  und nach meiner gestrigen Rosskopf Südostgrat Besteigung genau lang genug.
Der lange Anstieg im Wald war gerade richtig mit Schatten versetzt, nachdem ich am Vortag, nach dem kräfteraubenen Roßkopf, mit meinen alten Nachbar in Pirchat ein ausgiebiges Festl gefeiert habe und erst weit nach Mitternacht mit dem Radl nachhause gekommen bin. Daher der Anstieg  erst ab 11:30 bei ca. 30°C.

Mühsam quälte ich mich den Wald hinauf, vorbei an der Waldhorb Alm mit drei jungen Haflingern, die einzige Wasserstelle am Anstieg.
Weiters vermied ich auf die Uhr zu sehen, die Schande über den Zustand und die schlechte Steiggeschwindigkeit ob der Nachwehen des Festes wollte ich nicht bewußt gemacht bekommen.
Schlußendlich, am Einstieg der Kletterei angekommen, konnte ich nicht widerstehen und maß 2,5 Stunden für die schätzungsweise lächerlichen 1.200Hm.

Nun der schöne Teil der Tour.
Knapp nach dem Einstieg würde man eher in der Fallinie weiterklettern, was aber falsch ist. Es geht links nach der Felskante des Einstieges weiter (siehe Foto mit Markierung) und dies ist auch logisch, wenn man dann, einige Meter oberhalb, den Rückblick entscheiden läßt.

Diese Stellen und die darauffolgende Rinne mit ähnlich schwierigen Partieen sind zugleich der schwierigste Teil der Kletterei. Entgegen dem AV-Führer würde ich diesen ca. 40-50Hm bis zum Ende der Rinne eine Bewertung von eher II als III geben, und die IIIer Bewertung auf einige kleine Passagen begrenzen.

Weiter geht es dann am Ende der Schlucht mit einer ca. 75° und mehr steilen Wand in gutem festen Fels, die oben, nach ca. 20Hm mit einem kleinen Grat endet. Von dort weniger steil, aber durchaus den Gebraucht der Hände erfordernd, ca. 50-80Hm empor zum Südgrat von dem aus es in wenigen Minuten zum Gipfel führt. Das Ende bildet ein fast horizontaler kleiner Grat.

Ich staunte nicht schlecht als ich die GB-Eintragung unserer Erstbegehung suchte. es war Anfang 2007, ich dachte, daß es einige Jahre früher gewesen wäre.

Die Fernsicht war wieder genauso traumhaft wie gestern am Roßkopf und irgendwie hätte es mich gereizt, die Mittagsspitze und den Schneekopf mitzumachen, jedoch warteten die Stöcke unten am Einstieg und ich war eigentlich schon recht fertig. Ein anderes Mal, vielleicht mit Manuel.

Der Abstieg gestaltete sich nach dem Ende der Kletterei recht mühsam, je näher zum Tal, desto höher die Temperatur.
Nach schlechten fünfeinhalb Stunden erreichte ich das Auto an der Karwendelrast. Nie wieder lange feiern vor dem Bergsteigen…

 

Mils, 20.08.2012

 

Kleine Stempeljochspitze

Trainingstour:

Die Kleine Stempeljochspitze ab Parkplatz Sprungschanze/Besinnungsweg ab 7:40 bis 10:39; leicht geschwindelt, ein guter Bekannter hat mich – auf der Straße keuchend – mit seinem blauben Pickup mitgenommen von der Sunnseitenbrücke bis zur 3. Ladhütte.

Weiter ging es dann über den Hirschbadsteig ins Issjöchl und das Stempelkar auf das Stempeljoch.
Zweifelhaftes Wetter zu Beginn, jedoch wußte ich schon zuhause vom Barometer, daß es, hinsichtlich des Wetters,  ein stabiler Tag werden würde.

Roßkopf Südostgrat

Die Nebel zogen derart schnell, daß man alle Arten von Impressionen schnell durchlebte. Absolut klares Licht wechselte innerhalb von wenigen Minuten zu einer „Waschküche“ mit Sichtweiten von nur 50m.

Blick ins Stempelkar mit Wildangerspitze

Der Gipfel mit aufgelassenem Kreuz:

Kleine Stempeljochspitze (die südlichere oder vordere)

Dieser Trainingstag hatte die Besonderheit eines Zeitlimits. Tochter Nina wollte um 13 Uhr zum Schwammerlsuchen aufbrechen und ich hatte versprochen, daß ich um 13 Uhr zuhause wäre.
Nun hatte ich alle Mühe um 10:39 meinen Apfel am Gipfel schnellstens wegzubringen, zu vertilgen, um noch bei Werner ein isotonisches Getränk einzunehmen zu können und dann, Nina nicht brüskierend, trotzdem um 13 Uhr zuhause zu sein (wir Tunnelbauer lernen solche Aktionen ganz zu Beginn unserer Karriere, dort heißt es Meter, Meter, Meter…), alles muß erledigt werden.

Am Rückweg, motiviert von dem guten Trainingstag und wenig bergerfahrenen Einheimischen, die mir innerhalb des mittlerweile arg mitgenommenen Steiges durch das Stempelkar erklärten, daß beim Reisenlaufen Steinschlag andere, heraufkommende Bergsteigerkollegen gefährdet werden und ich desswegen ganz langsam bergab steigen solle, redete ich mir noch zusätzlich den Steig am Karteller ein. Da ich diesen nicht kannte kostete mich diese Aktion gute 20min Extrazeit, vor allem, um aus den Felsen nahe der tief untenliegenden Herrenhäuser wieder emporzukommen. Ja, ich habe mich am kleinen Karteller verstiegen…

Nina empfing mich mit der Aussage: „Papa, du bist drei Minuten zu spät“, es war exakt 13:07 und wir sollten seit 3min im Auto auf den Wattenberg sein. Gottseidank hatt die Mama die Suppe erst aufgestellt und so konnte ich noch eine gute halbe Stunde auskühlen bevor es in das Schwammerlparadies losging.

Vorab: wir haben (erwartungsgemäß) nicht viel mehr an Schwammerln gefunden als die Jahre zuvor. Das Gebiet ist dermaßen überlaufen, daß selbst bei Passagen im Wald, wo mir das dürre Geäst der kleinen Fichten die Brille herunterriss, Fußspuren zu sehen sind und nur die 8mm großen Eierschwammerln, oder, deren noch kleinere Brüder kaum stehengelassen werden.

Dafür haben wir aber ein (un)typisches Bild einer Schwammerltour herzuzeigen, ein Smiley an Nina, verursacht vor allem durch dürres, sprödes Kleinholz aus, vor Jahren voraus gegangener Holzschlägerei:

PS: wir haben doch genug für ein deftiges Essen gefunden! Hier der Sack von Nina abgelichtet; Maurice und Papa haben aber auch viel gehabt…


Rainer Antretter, 11.08.2012

Hochnisslspitze Brudertunnel Lamsenhütte und Stallental

Hochnisslspitze Brudertunnel Lamsenhütte und Stallental zurück zur Karwendelrast
Dokumentationstour: 9 Stunden gesamt incl. 1 Stunde Lamsenhütte und 1/2 Stunde Stallenalm

Unsere lieb gewonnene Hochnisslrunde über den Grat und die kleinen Spitzen bis ummi zum Brudertunnel mit folgendem schlußendlichen Mittagessen in der Lamsenhütte und das Stallental mit nachfolgendem Alpsteig bis zurück zum Auto bei der Karwendelrast.

Leider kann ich die Katze nicht aus dem Sack lassen und stelle euch nur ein paar Fotos zum Trost hinein. Die Runde ist eine Überraschung, die wir mit den Schiclubmitgliedern des SC-Mils im Herbst machen werden.

Bis dorthin…

Die Dawald (zuweilen auch „Tawald“) Jagdhütte ~1300m, hierher ist Manuel bereits im Jahre 2000 auf eigenem Fuß gekommen und hat nie gemeckert wie anstrengend es wäre Berg zu steigen:

Dawald Jagdhütte

den Grat zum Hochnissl auf ca. 2.400m erreicht, Blick ins Paradies – die Stallenalm:

der letzte mächtige Gipfel der Hinterautal – Vomper Kette: der Hochnissl, 2.546m

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Hochnisslspitze

die Steinkarlspitze, jetzt geht das Abenteuer los:

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Steinkarlspitze

Rückblick auf den Hochnissl und dem anregenden Grat bis zur Steinkarlscharte, einer der Höhepunkte der Tour:
 

der Brudertunnel (richtig: Lamstunnel), ein geologisch interessantes Naturphänomen und  ein toller Klettersteig:

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Brudertunnel (Lamstunnel)

Blick in die Gramei nach dem Brudertunnel am beginnenden Klettersteig, rechts die Lamsenhütte:

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Lamsenhütte vom Klettersteig Brudertunnel aus

der Klettersteig nach dem Brudertunnel, leichter Nervenkitzel vor dem Mittagessen in der Lamsenhütte:
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Am unteren Ende des Kletterasteiges, bereits im Zustiegsgelände, plötzlich fernes Gepolter, das sich aber nach einer ausgewachsenen Steinlawine anhörte; gerade noch konnte ich die Kamera aus dem Rucksack hervorkramen:

Wenn man die Entfernung der Staubwolken kennt, oder einzuschätzen vermag, dann erkennt man die Größenordnung des Spektakels; leider ist das Video dazu nicht von optimaler Stelle aus gedreht worden.
Ein Foto, das ich von dem Naturschauspiel im Absteig nach der Hütte gemacht habe, ist in der Bildergalerie enthalten. Meiner Schätzung nach – Länge und Breite des Schuttkegels über den Daumen gepeilt – müssen es einige Hundert Kubikmenter Fels gewesen sein die da laut donnernd innerhalb von knapp zwei Minuten in das Tal brausten.

Nun bereits nach Selchfleisch mit Knedl und Kraut auf der Lamsenhütte; im Hintergrund die Lamsenspitz, bergsteigerischer Reibestein für alles Bayrische was Bergschuach hat und selbige zur Höchstleistung zwingen will; mein Dialekt ist fast fremd am 26.7.12 zwischen allen Gästen aus eher Nord und weniger aus Süd:

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Lamsenspitze mit Lamsenhütte im Vordergrund

bereits rund 600Hm tiefer in der Stallenalm, eine der ganz Urigen die was zu erzählen hat…:

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Stallenalm

Fachleute haben vor Jahrhunderten ein Haus in einer Gegend erbaut, in der ein Haus der heutigen Architekten keine 50 Jahre überleben würde, die Stallenalm. Auch dem Herrgott wurde ein erlesener Platz gewidmet und vielleicht lebt sie deswegen heute noch, oder die Buden der heutigen Architekten nimmer lang?

Man betrachte das Farbenspiel an einem Julitag:
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talauswärts geht es durch ein schier unglaublich kitschig schöne Landschaft, die Talgründe um die „Stallen“; das Herz geht einem auf und es fehlt dem Mensch an nichts mehr. Wir bedürfen der Karibik nicht wirklich…:

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Die letzte Ruhestätte eines -für heutige Dimensionen – unrühmlichen menschlichen Meilensteines; der letzte freilebende Bär wurde hier im Jahre 1875 – wie immer, was jagdliche Großtaten anbelangt – „fürstlich“ erschossen:

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Bärendenkmal am Eingang des Stallentales

Man könnte sich zur Bärengeschichte in Erinnerung rufen, daß die Tiroler – gleich dem letzten Bären – immer stolze freilebene Menschen, Bauern und Bürger, waren. Niemals in deren Geschichte einem Lehensherren verpflichtet, sondern selbstverteidigend; trotzdem immer loyal ihrem Landesherrn – und vor allem sich selber – gegenüber.
Man könnte sich zusätzlich vorstellen, daß der Tiroler – so wie der Bär es wäre – neuzeitlichem Einfluß gegenüber, beispielsweise gesetzeskriecherischem, wendehälsischem Lawyertum, von fremden Kulturen importiert, gegenüber, abgeneigt und damit in seinem Herzen nicht einverstanden wäre. Er – der Tiroler – führt deshalb auf seinen emails keinen Disclaimer ein; er braucht ihn nicht, weil er der Welt gegenüber nicht mit Argwohn begegnet.
Und er wird sich wehren juristisch erschossen zu werden.
Leider ist er aber auch Jahrhunderte lang erzogen worden zu zelebrieren, was Administration und Geistlichkeit vorgegeben haben. Es bleibt zu hoffen, daß der Tiroler seinen Menschenverstand immer vor dem Import von fremdländischem Rechtsempfinden stellen wird und die Verantwortung des Individuums als das Maß der Dinge betrachtet. Das könnte seine Rasse im Niedergang der westlichen Kulturen erhalten.

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Von der Bärenrast bis zum Auto bei der Karwendelrast nimmt man den Alpsteig.

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Abzweigung Alpsteig bei der Bärenrast

Der Alpsteig ein ca. 5km langer Forstweg mit ein wenig auf und ab, aber nach der Rodelhütte am Vomperberg nicht g’scheid beschrieben, sodaß man leicht den Weg zur Waldhorb Alm nimmt und dann, wenn man nicht gut bei einer unauffälligen Abzweigung aufpaßt, nach fast 25km Tagestour, gerade weitergeht und am Ende zur Pension Astner wieder 150Hm absteigen muß.

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Finale bei der Karwendelrast, eine unbeschreiblich schöne Tour, man muß sie verdient haben, 17:04 Uhr

 

Mils im endenden Juli 2012,
Rainer Antretter

Das Halltal im Frühsommer 2012

Liebe Halltalfans,

wenn man dieser Tage auf verschiedenen Pfaden dem Talende zustrebt, dann fällt einem auf, daß sehr viel weniger Wanderer, Bergsteiger und Erholungssuchende anzutreffen sind als in allen Jahren zuvor.
Man trifft stets die hartgesottenen, eingefleischten einheimischen “Halltaler” und weit weniger zufällige Pilger oder Interessierte an dieser einzigartigen Naturkulisse.

Möglicherweise ist auch der Anteil an Bikern – ich meine hier nicht die propagierte E-Bikerschaft – die sich auf der teilweise leeren Straße hinaufquälen nicht abgesunken, aber ganz sicher auch nicht angestiegen ist. Die E-Biker, die es in dieser kapazitätsraubenden Gegend (noch) gar nicht gibt und deren Aufenthalt im Halltal, aus heutiger Sicht, für die Zukunft höchst fraglich ist, werden hier nicht angesprochen.

Ob die anzutreffenden Naturbegeisterten glücklicher sind als vor der Depression der Straßensperrung ist mir nicht klar. Ich, als einer jener der seit Jahren das Halltal sehr ausgiebig besucht – oder nutzt – bin es jedenfalls ganz und gar nicht.
Hat man sich vom Verkehr auf der früher mehr befahrenen Halltalstraße belästigter gefühlt als jetzt in der neuen Situation? Es ist nicht leicht zu glauben daß es so ist, denn es wird wahrscheinlich niemanden unter den Besuchern dieses Kleinodes geben, der sich stundenlang auf der Straße aufgehalten hat und dem der Ärger über die schätzungsweise hundert Fahrzeuge, die durchschnittlich am guten Wochenende im Halltal gefahren sind, hochgestiegen ist.
Nimmt man den Durchschnitt dieser geschätzten hundert Fahrzeuge über fünf Stunden der Anreise, sagen wir von 9 Uhr vormittags bis 14 Uhr, dann fährt jede 3. Minute ein Fahrzeug den Berg hinauf. Das wäre zugegeben durchaus störender Verkehr in der Natur.
Wie oft jedoch hat eine solche Frequenz wirklich stattgefunden? Hat man eine solche Lawine als Kenner dieser Gegend in Erinnerung? Ich behaupte, daß eine solche Situation an maximal 10 Tagen im Jahr -bzw. in der Saison –  zugetroffen haben kann (abgesehen von den wenigen, viel umworbenen Veranstaltungen). Wahrscheinlich waren es durch die gesamte Saison hindurch keine 50 Fahrzeuge täglich an den Wochenenden. Geschweige denn unter der Woche. Ich kann mich seit 2005 jedenfalls an keinen Verkehrsinfarkt im Halltal erinnern.

 

Schätze im Halltal

Die gesellschaftliche Situation jedoch, die ein primärer Faktor für die Belebtheit (Beliebtheit?) einer Region oder eines Landstriches ist, hat sich allerdings in diesen wenigen Wochen seit der Amputation der Halltalstraße von der Bevölkerung schon grundlegend geändert.
Das kann man jetzt schon mit dem sensiblen Blick des Kenners der Gegend ganz deutlich erkennen.
Hier und dort holt sich die Natur schon Raum zurück; Pfade werden enger, Wellen im nicht befahrenen Asphalt deuten auf beginnenden Verfall hin und die beharrliche Weigerung den  Fluchtsteig herzurichten (Anm.: was nun ab 17.7. endlich in Angriff genommen wurde) deutet auch auf den gesellschaftlichen Rückzug der Verantwortlichen aus der Region hin.

Frauenschuh im Halltal

 

Weit schlimmer und ausgeprägter ist aber, nach Beobachtung des Kenners der Gegend, momentan, die Erstauswirkung dieser weitreichenden und schlecht überlegten Entscheidung aus Menschenhand: die Gastwirtschaft im Halltal leidet den schnellsten und intensivsten Aderlaß wahrscheinlich seit der kommerziellen Erstnutzung der Gegend seit hunderten von Jahren.
Es ist schlicht und einfach “nichts mehr los” in den wenigen Labestationen oben und unten im Tale und man fühlt auf leeren Bänken deutlich mit den angestrengten Unternehmern. Der Niedergang ist angelaufen und es ist eine Frage kurzer Zeit, bis das Angebot tot sein wird. Ob St. Magdalena weiterleben wird ist sehr fraglich.

Nun könne man meinen, daß die Entwicklung für das Wohle der Natur ja eine paradisische sei, denn in der heutigen Welt klänge es wie ein Märchen aus dem “Gutenachtgeschichten-Buch” von Greenpeace, wenn sich irgendwo in diesen Tagen,  inmitten der Zivilisation,  die Natur wieder vollständig und ungehindert ausbreiten könne und alle schädlichen Bemühungen des Menschen zurückgenommen werden.
Weit gefehlt meine ich, denn diese Landschaft besitzt die Eigenschaft, daß sie nicht wieder – ungestraft für ihren Eroberer – in die Freiheit entlassen werden kann, zu viel ist hier in über 700 Jahren kultiviert und verändert worden, als daß es möglich wäre, das Tal sich jähe selbst zu überlassen und ohne frühere oder spätere Folgen, für jenen der eng am Fuße dieses Tales siedelt, befürchten zu müssen.
Gleichzeitig jedoch ist mit steigender Tendenz zu beobachten, daß die mögliche Belastung der angestammten Kapazitäten der Landschaft durch extremer werdende Wettersituationen überschritten wird und es zu häufigeren Kollapsen kommt als es durch viele Dekaden hindurch beobachtet werden konnte. Auch dies hat zweifelsfrei schädliche finanzielle Auswirkungen die nicht negiert werden dürfen. Nutznießende Kommunen, ja mit Sicherheit das Land als Ganzes, hätte jetzt hier eher einzuschießen woran es sich viele Jahrhunderte lang laben konnte als sich mit Almosen davon zu stehlen. So sollte die moralische Verpflichtung aus vergangenen Zeiten lauten und die Politik hätte die Fahne dieses Legates voran zu tragen.

Daß die Befahrbarkeit erhalten bleiben muß ist klar, es gibt eindeutige wirtschaftliche Aufträge die im hintersten Tal zu erfüllen sind. Umso logischer ist es, daß eine Möglichkeit geschaffen werden muß, die individuelle Befahrbarkeit auch für die Masse zu erhalten und die Aktivitäten im Tal und über seine Jöcher hinaus zu fördern. Seien es rein gastwirtschaftliche, landwirtschaftliche oder sportliche Aktivitäten. Zusperren und abtrennen ist der falsche Weg.

Warnung vor Torheit!

 

Aus touristischem Blickwinkel betrachtet muß man sich die Frage stellen, ob der Slogan auf der Regions-Homepage “Den Bergsommer entdecken & genießen” nur für die besten Wanderer und Bergsteiger gewählt wurde und vor allem die Gäste vorgenannter Region, von denen die Wenigsten diesen Gruppen zuzuzählen sind, nicht ein klein wenig von einer Mitgliedsgemeinde der Region gefoppt werden indem man ihnen den Zugang zum Bergsommer jäh abschneidet. Sehen sie sich doch spätestens beim Hackl einer neuen Situation ausgeliefert derer sie nicht Herr werden, wissen sie doch über die verbal und medial gestreuten Aufforderungen ein Taxi zu rufen in keinster Weise Bescheid (abgesehen davon, daß Touristen immer und überall auf der Welt die Telefonnummern der örtlichen Taxiunternehmen parat haben und selbstverständlich annehmen, daß man bei Fahrverbot im Heiligen Land einfach eines rufen muß).

auf 2.200m im Juni

 

Zurück zum Anwohner dieser herrlichen Gegend, der die neu verordneten Gepflogenheiten gleichsam einer Befehlsausgabe mühsam über allerlei Tageszeitungen und Gemeindeblätter erfahren muß: er ist zumindest aufgrund des Rummels durch vorgenannte Informationsquellen alarmiert, daß in seiner Heimat etwas nicht mehr stimmt. Daß man über ihn hinweg apodiktisch Tatsachen schafft die ihn beschneiden, die ihn kränken und die, hoffentlich, das Tirolerherz schneller schlagen und nicht mehr los  lassen werden.

Er erhält als Entschädigung für die Zwangs-Amputation einen wunderschönen Parkplatz den er nicht angefordert hat und der seine Lebensqualität nicht fördert. Er erhält am Zugang zu seinem Lokalparadies ein Denkmal, eine Brücke, die jetzt schon einen unvergeßlichen Spitznamen trägt, die “Golden-Gate-Bridge” und damit ihre Proponenten hochleben läßt. Oder zumindest die Absicht jener zum Ausdruck bringt?

Der Anwohner wird also nunmehr aufgefordert vor seinem Paradies zu parken und wird, je nach Leistungsfähigkeit seiner Gruppe eines oder mehrere seiner Ziele erreichen, oder auch nicht. Das erste Ziel einer Durchschnittsfamilie wäre ein ehemaliges Kloster, das sich, wie den Kundigen der Region Hall-Wattens gut bekannt ist, ja fast auf den Meter genau 500 Höhenmeter höher befindet, das Talende mit den Herrenhäusern gar 800 Höhenmeter. Man darf nun seiner Phantasie freien Lauf lassen welche Durchschnittsfamilie diese Herausforderung meistern wird. Ist es jene mit zwei Kindern unter zehn Jahren und sportlichen Eltern in den frühen Dreißigern die die Kinder eher früher als später am Weg dorthin schultern werden , oder jene mit Kindern als Teens mit denen deren Eltern immer noch mithalten können und mit Oma und Opa  knapp vor den Siebzigern die umdrehen, oder gibt es gar eine Idealfamilie in der niemand die Schwäche zeigt, den  Aufstieg der gesamten Strecke zu verweigern.
Aus den Erfahrungen meiner Bergsteiger- und Familienvaterpraxis bezweifle ich, daß von zehn der genannten Personengruppen mehr als fünf den Aufstieg in der Weise bewältigen, daß er als ein gelungener Wochenendausflug in bleibender Erinnerung abgespeichert wird. Wahrscheinlich schaffen aber vielleicht sogar dreiviertel aller genannten Gruppen den Aufstieg, jedoch wird er in einer Weise dem Unterbewußtsein übergeben, um in die Schublade: zu anstrengend, mühsam, zu lange- abgelegt zu werden und somit zum Garant für die Ausklammerung einer Wiederholung zu erhärten. Die Zukunft wird es weisen, aber es ist unvorstellbar und mit bloßen Auge in diesen drei Monaten Saison bereits sichtbar, das Halltal wird einen drastischen Besucherrückgang erleiden.
Dazu können die fünfundzwanzig schneeweißen Benze mit edlem Design, dem glänzenden Schwaben-Stern und dem gelbschwarzen Kästchen auf überspannender Dachreling leider nichts positives beitragen, auch wenn es am Saisonsende vielleicht achtundachtzig davon waren (Anm.: und allemal Vorsicht: ist bei Regen ist die Rückfahrt nicht gesichert?).

Darf dieser kritische Versuch nun in der Hoffnung geschlossen werden , daß es auf die Frage: Halltal: quo vadis- eine positive Antwort geben wird, oder ist das Schicksal dieser geschichts- und kulturträchtigen Landschaft durch seine demokratisch ernannten Beherrschenden bereits mit dem Daumen nach unten besiegelt worden; malte uns schon jemand derer im stillen Dunkel des Winters in der Gemeindestube das Joch “Oh’ du wildes Halltal, R.I.P” ?

Gipfelkreuz Großer Lafatscher, Juli 2012

 

Mils, im Juli 2012
Rainer Antretter

Speckkarspitze, Gratüberschreitung Großer Bettelwurf

08.07.2012: Speckkarspitze, Gratüberschreitung, Signalkopf, Kl. und Großer Bettelwurf ab Parkplatz Ferdinand und zurück bis Magdalena in 8:04Stunden (mit Mittagessen auf der Bettelwurfhütte und Magdalena Aufenthalt).

Eigentlich begann der Aufstieg zuhause mit dem Radl. Beim Parkplatz Sprungschanze platzte jedoch der schon länger aufgerissene Mantel bei Manuels Radl. Also per pedes weiter und ab BW-Bründl bis Parkplatz Ferdinand mit dem Auto weiter (leichtes Schwindeln als zugegeben, ca. 30min Abkürzung für diese gut 300Hm).
In Summe dennoch 2.300Hm und dabei die ständigen Aufschwünge der Gratwanderung bzw. eher -kletterei nicht mit eingeschlossen.

Eine Traumtour mit einigen prickelnden Übergängen und atemberaubenden Blicken in das Roßloch hinunter. Wer die Überschreitung zur ersten Mal macht – so wie wir – der hält bei einigen Passagen etwas inne, um den rechten Weg zu finden. Es ist oft spannend hinter Platten, Rippen und Köpfen retour zu schauen, ob man doch den richtigen Übergang gewählt hat, womit extrem Zeit vergeht.
Trotz der Führerangabe Speckkarspitze bis Kl. Bettelwurf in 3 Stunden, haben wir die Tour nicht bis Kl. BW sondern bis GK Gr. BW in 2:45 Stunden absolviert. Der Grund für die Hetze war weniger der Trainings- oder Gipfelstürmergedanke als vielmehr das ständig wechselnde Wetter zwischen Zugspitze und Zillertaler Gletschern, mit manchmal grauschwarzen Wolken recht nahe über der Nordkette.
Fronten, teilweise mit Regen über dem Habicht und heranziehenden mächtigen Wolkentürmen aus Nordwest bis Süd erforderten bei jedem Meilenstein dieser Tour eine Entscheidung. Klar, daß wir es, ob der leichten Fluchtmöglichkeit über’s Kar hinunter zur Hütte, ausreizten. Umdrehen oder abbrechen ist immer schwerer als der Gipfelsieg wie man weiß…

Der Morgen präsentierte sich vor dem Haus bei der Abfahrt um 7:15 in seiner ganzen Pracht und verhieß einen Wahnsinnstag:

von zuhause aus gesehen, ein lange gehegter Wunsch…

Was man hier nicht sehen kann ist das Gustostück der Tour, der Aufstieg auf den Kl. Bettelwurf (in etwas dort wo der zweite grün markierte Abschnitt beginnt).

Bald nach dem Ferdinand, am Weg zum Issjöchl stellt sich Temperatur ein und ein kräftiger Schluck mit Füllen der Flaschen oben am Brunnen beim Wasserbergstollen, bis ein „Gupf“ drauf war, tat not (die neue Rechtschreibung, ein Wahnsinn für jeden Mitvierziger!) an diesem Tag.

Die Autobahn auf das Lafatscher Joch, nach dem Issjöchl, nehmen wir nunmehr immer über die feine Reise die den großen Bogen zu Beginn abschneidet, auch aufwärts. Sie ist überraschend fein zu gehen, kaum Rückrutscher, da man immer neben der Reise, oder auf seit langem verdichtetem und eher grobem Schotter gehen kann. So sind wir recht zügig unterwegs und stehen, ab dem Joch begleitet von genau derselben heftigen Thermik als die Woche zuvor auf die Lafatscher, um 10:46 am Gipfel der Speckkarspitze.

Mit dem Fernglas suchen wir, mit dürftigem Erfolg, in der ostseitigen Mulde, windgeschützt, nach den Highlights die der Führer (Kl. AV Karwendel. Klier 1996) angibt. Man kann eine lange Strecke, aus der AV-Karte messe ich nachträglich eine Luftlinie von ca. 1,7km, leider auch nicht mit einem Fernglas so einsehen, daß die kleinen, im Führer genannten markanten Wendepunkte der Route zweifelsfrei erkennbar sind, mußten wir feststellen.

Der Einstieg, in die schräg und steil aufsteigenden Rippen, nach Verlassen des Gipfelterrains (nach ca. 10m Höhenverlust) mutet auf den ersten Blick denkbar schwierig an, mit etwas vergleichen ob der besten Taktik entscheidet man sich jedoch eindeutig richtig für die Nordseite, die sich einem zuerst rein instinktiv sperrt und die man nicht automatisch wahrhaben will.
Nachträglich gesehen sind diese ersten Minuten Gratkletterei eigentlich schwieriger, als manch andere im Führer mit II zitierte Stelle dieser gesamten Route. Mag sein, weil die schräg aufsteigenden Rippen sich einem gleichsam Speeren anmutend entgegenstellen, mag sein, weil es doch die ersten nach Norden recht ausgesetzten Stellen sind.

Einstiegsszenario:

Bis man den Tiefpunkt erreicht, von dem es dann meist auf breitem Weg weitergeht, vergeht so doch eine gute halbe Stunde. Dann jedoch kann man bis zum Signalkopf gut „Meter machen“ und erreicht diesen nach ca. 2/3 der linearen Strecke von Speckkarspitze bis Kl. Bettelwurf.

Allerdings möchten wir nicht darüber hinwegtäuschen, daß die klassische Gratroute recht anstrengend ist. Wir versuchten zügig am Maximum zu gehen, dunkelgraue Wolken im Rücken.

Der ostseitige Abstieg am Signalkopf erfolgt zur Hälfte wieder nordseitig, genau wie der Führer empfiehlt. An der Scharte erachteten wir es entgegen der Beschreibung jedoch als einfacher südseitig die Rinne etwas hinabzusteigen und dann auf auch nicht bequemen aber gangbaren Plattenrissen bis zur nächsten Scharte an der dann allmählich das Gustostück der Route beginnt.

Frontalansicht Aufstiegswand Kl. Bettelwurf:

Aufstieg zum Kleinen Bettelwurf nach dem Signalkopf

Auf diesem Foto sieht man den Aufstieg zur ersten der beiden Schlüsselstellen, das ist oben die ausgesetzte Stelle mit einer scharfen Platte über die man auf das im Führer erwähnte schmale Band kommt (bis zum Ende der Markierung ist es leicht und nicht ausgesetzt):

erste Schlüsselstelle nordseitig und südseitig:

die Lage des Geländes stimmt, die Routenführung täuscht die Schräglage vor

Danach das erwähnte schmale Band (mit viel Schutt bedeckt und somit wird man unvermeidlich zum „Laninger“) und die Scharte (beides unproblematisch leicht). Kurz vor dem Abstieg zum Sattel noch ein kalter Luftzug aus einem Fenster das wir niemandem vorenthalten möchten:

Manuel in der Scharte am Einstieg in den im Führer erwähnten Kamin und ich ca. 10m darüber im Kamin an oberster Stelle:

Der Kamin ist oben zwar nicht überhängend wie im Führer beschrieben, aber, da ein Brocken darin verklemmt ist, versperrt und man muß diesen Brocken in recht griffarmen Terrain überklettern. Anschließend ist diese Schlüsselstelle gemeistert und es bietet sich ein toller Rückblich auf ca. 20-30m Klettergelände:

Deutlich sieht man oben rechts die ausgesetzte Stelle über die man nordseitig heraufkommt, dann das schmale Band und den Abstieg zur Scharte. Der Kamin ist fast senkrecht und von Manuel verdeckt.

Von dort leicht zum hintern Gipfel des Kl. Bettelwurf und so weiter zum Gr. Bettelwurf.

Hier ein Rückblick mit hinten links der Speckkarspitze:


Weiter zum Großen Bettelwurf:

Übergang vom Kleinen Bettwelwurf zum Großen Bettelwurf

Eine letzte kleine Kletterei:

Klettersteig zum Großen Bettelwurf

Geschafft und am Zielgipfel, Wetter (man sieht es nicht gut) von Süden her immer bedrohlich:

letzer Gipfel der Gratüberschreitung Großer Bettelwurf

Hier noch ein Überblick über die gesamte Gipfelroute der Gratüberschreitung:

langer roter Pfeil: Ausgangsgipfel Speckkarspitze, kleine rote Pfeile: hinterer und vorderer Gipfel des Kleinen Bettelwurf

Der Heimweg führte uns über die Bettelwurfhütte und nach deftigem Essen weiter über den Jagasteig zur Magdalena und Werner’s gutem Bier. Dann zu Fuß zum Parkpklatz das defekte Radl mit dem Auto holen und heimbringen.
Zuhause angekommen war im zweiten Radl auch noch ein Patschen…

Kleiner und Großer Lafatscher, Überschreitung

01.07.2012: Kleiner Lafatscher und Großer Lafatscher ab Parkplatz Sprungschanze in 7:30Stunden (ohne Knappenhäusl und Magdalena Aufenthalte)

Die erste kleine Überschreitung heuer und knappe 2.000Hm in Summe.
Nach der Asphaltstraße rechts über die Bücke durch den Urwald bis zum Hirschbadsteig und über den Issanger auf das Lafatscher Joch.
Dort füllten wir am letzten Firnfeld links des Weges die Trinkflaschen. An diesem tag waren um die 27° prognostiziert und unser Trinkvorrat war am Joch bereits nur mehr der halbe.
Am Grat zum Kleinen Lafatscher herrschte eine besonders kräftige Thermik. Wenn man nicht ständig in Bewegung war, dann fühlte es sich schon recht kalt an den Nieren an, schätzungsweise blies es mit 50kmh bergauf.

So präsentiert sich der Große Bruder des kleinen Lafatscher vom Gipfelkreuz des letzteren aus gesehen:

Ein mächtiger Gipfel und die Frontalansicht des Gipfelaufbaues vermittelt – wie immer – einigen Respekt vor den vermuteten Schwierigkeiten. Ein Trugschluß, der uns schon oft vor recht einfachen Klettereien erschaudern lies, die sich dann bei der Begehung als wenig gefährlich herausgestellt haben. Daß sich dem, in diesem Fall, auch so verhält zeigt die folgende Routenbeschreibung.

 

Den Anblick des Überganges haben wir vom GK des Kl. L. aus schon recht oft gesehen, aber auch die orangebraunen Bänder die sich in der Gipfelwand des Gr. L. zweimal horizontal durchziehen und vom Gipfel des Kl. L. aus barrierenhaft aussehen. Zumindest erschienen uns diese Bänder als die Herausforderung der bevorstehenden Überschreitung. Weiters gibt es gratseitig einen deutlich erkennbaren Überhang, der sich dann auch als mächtig herausstellte und die Route nach links, südlich, eigentlich erzwingt:

Mit der grün markieren Route die wir dann genommen haben erscheinen diese Bänder nicht so schlimm, das eigene Auge aber schätzt die Situation vom Kl. L. aus schlechter ein.

Die Route ist, wenn man sie erstmalig geht eigentlich sehr logisch und besteht aus kleinen Rinnen und an den Übergängen immer auf festen hellen Fels orientiert. Es ist, so könnte man sagen die logische Route die man instinktiv wählt.
Allerdings muß man sich die Zeit nehmen innezuhalten und auszuwählen. Man möchte aber auch nicht zu lange an einem Punkt verweilen, denn die Felsoberfläche verrät, daß man sich ohne Helm eher sputen soll (wir empfehlen den Helm an dieser Stelle ausdrücklich, auch wenn bei uns kein Steinschlag auftrat, denn wenn sich mehrere Gruppen in dieser, von unten nicht einsehbaren, Route befinden, dann kann das risikoreich werden).

Bis man aber dort eintrifft wo die Markierung im Foto oben beginnt, muß macht man eine anregende leichte Gratkletterei teils im festen, teils im brüchigen Fels mit. Man erreicht schätzungsweise auf halbem Weg dann eine Scharte, an der man sich nicht so recht entscheiden kann ob links oder rechts. Der Steinmann wäre eher rechts der Scharte und da scheint auch ein Band als Weg in den Nordteil des Grates zu führen, aber wir wissen nun, daß es definitiv links über die braungefärbte kleine erdige Rinne hininter geht und unten gleich um eine Ecke sieht man dann den nächsten Steinmann.
In dieser Weise verliert man recht viel Höhe, man kommt also immer weiter nach unten und anhand der Steinmänner erreicht man einen Tiefpunkt, der zum dortigen Grat sicher 100Hm entfernt ist und ca. 150Hm vom immer einsehbaren GK des Kl. L.

vom Tiefpunkt aus geht es dann über geröllbedeckte Rippen dorthin wo die grüne Linie des Fotos beginnt.

Der Rest im oberen Teil des Gipfelaufbaues am südöstlichen Ausläufer ist leicht und ohne Kletterei zu begehen:

Hier Rückblick mit dem nun deutlich sichtbaren leichten und breiten Band über das man zum südöstlichen Ausläufer quert:

Der Weg hinten mit Gratkletterei und der „Scharte der Entscheidung“ nach dem es abwärts geht.

Am Gipfel des Großen Lafatscher

Fazit: sieht schwieriger aus als es ist, aber lohnend allemal, weil man vom Gr. L. über Schuttreisen abwärts schonender unterwegs ist als vom Kl. L..

bemerkenswerte Schneeverhältnisse Bachofenkar 1.7.12

Zu unserer Jahreszeit fanden wir am glatten Hang des Gr. L. sogar noch ein paar Firnfelder die wir nutzen konnten. Und weil es so toll war abzufigeln nahmen wir auch noch den W. Bandesteig bis ins Stempelkar und konnten fast unterbrechungsfrei bis in die Halltaler Pfeis abfigeln.

 

 

Figln im Bachofenkar

Um halb acht des 26. Juni 2012 starteten wir von Karls geliebten Knappenhäusl aus zum Figeln im Bachofenkar.

Es sollte – nach Meinung der lokalen und nationalen Fernsehwetterfrösche – an diesem Tag eigentlich recht schön werden, nachdem am Vortag jede Menge Regen kräftig abgekühlt hat und in der Früh viel Nebel hinterließ, der den ganzen Tag bis ca. 15 Uhr nicht so recht wußte, ob er verschwinden oder uns weiter pflanzen solle.

Wolfgang, Christian und Karl am Abzweig Wilde-Bande-Steig

Nach dem Bandesteig machten wir uns auf ins Bachofenkar und nach nicht einmal 100Hm konnten wir hocherfreut sehen, daß durchgehende Schneefelder unterbrechungsfreies Figln bis fast zum Bandesteig hinunter zulassen werde.

Aufstieg in das Bachofenkar – Karl trägt die Schi klassisch

Die ersten beiden Steilstufen waren recht rasch in Serpentinen erklommen und hie und da machte es den Anschein, daß der Nebel verschwinden würde, was aber nicht dauerhaft eintrat.
Am hintersten aperen Fleck, am Ende der Zunge des Kars, ab dem steil die Reißen bis unter die Felsen aufsteigen, beschloß Karl, daß es hier schön sei und er nicht weiter aufsteigen werde. Er machte es sich gemütlich und genoß seinen Tabak.

Karls Rastplatz im Kar

Christian, Wolfgang und ich beschlossen weiter aufzusteigen und ich hatte den Gipfel längst im Kopf, als ich die Rinne nördlich der letzten großen Brocken erreichte, die im Sommer eine letzte Biegung nach rechts markieren (siehe hier unser Herumirren, weil wir zu weit talauswärts schon rechts abgebogen sind, beschrieben im Bericht vom 25.09.2011).

Nun war ich schon weit voraus gegangen und hörte meine beiden Kameraden kaum mehr, als sie ihr Ziel, den Einstig zur Rinne zum Sattel erreichten. Dort war es noch angenehm „figlbar“, die Rinne mit ihrer Steilheit und teilweise Enge wäre nicht so leicht gewesen und selbst ich, der es gewohnt ist mit den Bergschuhen abzufigeln, habe im oberen Teil beim Abstieg zuerst vorsichtig probiert, ob es nicht holterdipolter abwärts gehen würde, im teilweise 45 bis 50° steilen Gelände.
Im Wissen, daß sie nicht auf das Zusammenwarten herauf ruften, da ich sie nicht mehr verstehen konnte, hastete ich weiter zur Scharte hoch, die die Vordere von der Hintern Bachofenspitze trennt.
Der Aufstieg war genau so wie ich ihn am 25.09.2011 vermutet habe und zwar sehr angenehm zu steigen, da die Rinne fast völlig bis oben hin mit Firn ausgelegt war und man leicht Stufen schlagen konnte. Im oberen Teil aper und etwas unangenehm mit Geröll durchsetzt, aber keine Gefahr mehr für die Kollegen, die unten natürlich seitlich der Falllinie rasteten.

Wolfgang im unteren Teil der Rinne zum Bachofengrat

Wolfgang am Einstieg in die Rinne und ein kaum sichtbarer roter Punkt links in der Rinne, meine Wenigkeit:
Dann die Gratpartie bis zum Gipfelkreuz, ein schneller Eintrag ins GB mit gewissen Erwähnungen die mir wichtig sind und eben dort, nicht hier, nachzulesen sind.

Gipfel Hintere Bachofenspitze

Ein Schluck Wasser und ein Apfel, Fotos vom Rundblick und ab in die Rinne um runterzufigln. Dies funktionierte prächtig und ich glaube in Erinnerung zu haben, daß die gesamte Abfahrt bis zum Rastplatz von Karl kaum 10min gedauert hat.
Ich wollte schnell dort sein, da ich wußte, daß die armen Mander im Nebel und bei nicht gerade feinen Temperaturen am Ende des Juni warten mußten.

Blick ins Bachofenkar

Blick vom Gipfel in das zufällig nebelfreie Kar:

Während ich nich dem Gipfel näherte waren Christian und Wolfgang schon figlmäßig unterwegs vom Einstieg in die Rinne bis hinunter zu Karls Basislager:

Vorbereitung zur Abfahrt

Christian startbereit für den Figlspaß

Bei den Kollegen unten angekommen erhielt ich zunächst einen Pflichtschluck aus Karls Flachmann und obendrauf einen ebenfalls nicht zu verschmähenden Schluck aus seiner Sigg Weinbouteille. Wein, stark gewässert, das war der isotonische Durstlöscher der Urväter des Alpinismus, Hermann von Barth und später der Wilde Bande. Karl weiß noch um das Geheimnis dieser Mischung, die meisten Bergsteiger wissen dies heute nicht mehr.

zurück vom Gipfel – Gipfelschluck mit Karl

Karl beim Anschnallen seiner Geheimwaffe – Figl aus Eigenproduktion

Nun ging es los mit den Figln runter zum Bandesteig, ich hatte nur die Bergschuhe und figelte etwas voraus, um einen kleinen Film der Kollegen zu drehen.

Am Ende der figlbaren Strecke oberhalb des Wilde-Bande-Steiges angekommen

Eine feine Sache der Ritt über die etwas ruppigen Schneefelder. Noch ein Teilstück wurde angesteuert; über den Bandesteig ganz hinein bis zu dem langen Schneefeld im Stempelkar, das bis zur Halltaler Pfeis rausgeht.

Abstieg über Wilde-Bande-Steig und Stempelkar

Dort endete die Figlerei mit einer weiteren Staffel aus Flachmann und Weinbouteille.

Grande Finale

Nach Rückkehr zum Knappenhäusl wurde noch ein netter Nachmittag zelebriert.

Auf geht die Musi!

Gute Stimmung in der Truppe und Karl voll in seinem Element.

Der Tag im Zeitraffer:

Ein schöner Tag mit spitzenmäßigen Kameraden.

 

Großer Bettelwurf Trainingstour

Großer Bettelwurf Trainingstour, 16.06.2012
ab Mils, 6:30Uhr

Das zweite Training heuer mit über 2.000Hm, genau müßten es incl. Jagasteig 2.200Hm gewesen sein, auf den König im Halltal Großer Bettelwurf. Leider keine Aufzeichnungen darüber, weil Manu mit seinem Suunto Vector nicht mit dabei war. Dafür hatte ich die Pulsuhr dabei und mit dieser 3:35h für die Ersteigung von Mils 630m bis Bettelwurf Gipfelkreuz gemessen. Für Freaks sei erwähnt, daß die Pulsuhr incl. Abstieg zur Bettelwurfhütte 4.180kcal errechnet hat, ohne weiterem Abstieg über den Jagasteig. Die Reise am Ende versuchte ich diesmal gleichzeitig mit einem sehr fitten jungen Burschen aus Mils abzulaufen, hatte Mühe mitzuhalten und verlor ihn im unteren Teil. Dokumentiert per Uhr beim Reisenlaufen mit einem Puls-Spitzenwert von 181.

Details am Aufstieg: Am beginnenden Eisengatterergrat (der neue Teil) fand ich auf ca. 2.200m eine tolles Szene. Inmitten eines großen Blumenpolsters frühstückten Schmetterlinge. Dieser Anblick muß geteilt werden:

Der weitere Gratsteig ist bereits nahezu vollkommen schneefrei. Ein kleines Schnneefeld muß man auf ca. 2.450m überqueren (ca. 15Hm), dieses, schätze ich, wird nächste Woche weg sein. Der Gipfel ist noch mit viel Schnee umrahmt und unten beim Eisengatterergrat kann man parallel zum Weg auf den Schuhen abfigeln, da hat sich auf der Leeseite des Grates (ostseitig) ein mächtiger Schneekeil erhalten, der im Winter Wächte war. Sieht toll aus, links und rechts davon blüht es und mittig der 3-4m breite und schätzungsweise immer noch 2m hohe Schneekeil. Er ist, daumengepeilt, 200-300m lang und beginnt knapp nach dem Blumenpolster mit den Schmetterlingen.

Da ich um 16 Uhr in Namlos sein mußte (Markus‘ Geburtstag) konnte ich mich nicht lange aufhalten und genoss ein schnelles Bier auf der Bettelwurfhütte (liebe Hüttenwirtin danke für die Einladung, ich komm wieder), schlug den unvermeidbaren Absteig über den Jagersteig ein und genehmigte mir ein noch schnellers Bier bei Werner und ab mit dem Radl nach Mils ab 2. Ladhütte.