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Touren im Karwendel nur Winter

Schitour Birkkarspitze, 2.749m

Dieser Karwendelklassiker wird vorzugsweise im Frühjahr unternommen und die eher anspruchsvolle Tour auf die Birkkarspitze stellt schon fast mehr als nur einen Hauch von Triathlon dar. Einzig die Schwimmdistanz entfällt, dafür bietet die Tour mehr oder weniger Tragestrecke.

Birkkarspitze, 2.749m

Bei meiner Begehung war eigentlich die gesamte Reibn geplant, jedoch ließen das – im Alleingang und an einem sehr einstrahlungsreichen Tag nach einer grenzwertig genügend klaren Nacht mit Regen noch am späten Abend – die Schneeverhältnisse nicht mehr eindeutig zu. Also wurde das Vorhaben mit der Ersteigung der Birkkarspitze abgeschlossen und auf die nächste Saison verlegt. Man muß umdrehen können.

Restnebel im hinteren Karwendeltal

Leicht spät, knapp nach halb sechs mit dem Radl (kein Stromradl!) in Scharnitz gestartet war ich eh schon unter den letzten Triathleten im Aufbruch. Ein netter Kollege aus Bayern wechselte mir den unglaublich großen Zwanziger, nachdem ich wegen des ausspuckenden Parkautomaten festgestellt habe, daß man mir tags zuvor als Münze keinen Zweier herausgegeben hatte, sondern eine osteuropäische Münze, täuschend ähnlich dem Zweier, jedoch um einen knappen Millimeter kleiner im Durchmesser.

Blick ins Marxenkar

Solche Momente braucht man um diese Tageszeit eher nicht – ein schieres Wunder, daß ich den Mann noch gerade neben mir sein Radl bepacken sah. Leider war er schnell dahin und aufgrund meines Radldepots war ich sicher weit mehr als eine Stunde später am Gipfel. Ich konnte ihm dort leider keinen Schnaps mehr anbieten aber meist trifft man sich ja im Leben zweimal.

Karwendeltal am frühen Morgen

Nun, die Radlstrecke zu beschreiben ist hier nicht besonders ergiebig für den Interessenten an diesem Bericht. Jener, der diese Tour oder die Reibn machen will weiß darum, daß ab dem Parkplatz bei der Brücke in Scharnitz bis zur Wildfütterung gute 10km und gut 300Hm (für die gesamte Reibn) und bis zum Wasserwerk unterhalb des Karwendelhauses knapp 15km und 600Hm (für nur die Birkkarspitze) damit zurückgelegt werden müssen.

Abzweigung zum Wasserwerk

Nachdem ich die Reibn geplant hatte war mein Radldepot auch klar an der Wildfütterung fixiert. Dies ist der Punkt an dem man aus dem Neunerkar herunter ankommt und die Ausfahrt aus dem Tal wieder mit dem Radl antritt. Also war meine Tragestrecke nicht für die Birkkarspitze bemessen und um gut 4,5km länger (bis zum Wasserwerk) als geplant.

Beginn des Aufstieges vom Wasserwerk; zunächst noch eine längere Tragestrecke

Beachtlich ist die Zeit, die für die Bewältigung der Tragestrecke von der Wildfütterung bis zum Wasserwerk benötigt. Ich habe (mit Tourenschuhen) für die 4,6km und 300Hm gut ein einviertel Stunden dafür benötigt die man, mit nur dem Ziel der Birkkarspitze allein, mit dem Radl als Tragestrecke vermeiden kann.

der malerische Schlauchkargraben

Am Wasserwerk angelangt mußte ich feststellen, daß die jüngsten Berichte über die Reibn nicht gelogen hatten und weit und breit keine größere Schneefläche durch den Schlauchkargraben hinaufzog.

im Schlauchkargraben

Also bleib ich zunächst recht weit unten und erklomm dann nach und nach die steile schrofendurchzogene Wiesenflanke so, daß der Kontakt mit nassen Latschen ein Minimum betrug (die Tourenhose mußte nach dieser Tour trotzdem in die Waschmaschine).
Mit Schi am Rucksack und Tourenschuhen ein echtes Abenteuer die Flanke bis hinauf zur Wasserleitung.

am Steig neben der Wasserleitung

Die Wasserfassung am Ansatz des Schlauchkares nach einer dreiviertel Stunde erreicht, dürften endlich die Schi vom Rucksack und der Beginn der eigentlichen Schitour brachte somit eine deutliche Erleichterung für die Schultern. Dies nach noch einem Kilometer und wieder 300Hm Tragestrecke (ab der Wildfütterung somit 5,6km und 600Hm Tragestrecke).

kurz vor der Wasserfassung

Keineswegs verzagt ob der langen Anreise trat ich nun bei mittlerweile unerwartet gutem Wetter in die Schitour ein.

an der Wasserfassung – Beginn der Schitour

Das Schlauchkar gibt sein Dimensionen erst nach und nach im Aufstieg preis und wer es nicht kennt ist nach Überwindung der ersten Steilstufe durchaus beeindruckt über die Dimensionen nach dieser Stufe und den steiler werdenen Flanken bis zum dann gut sichtbaren und gut über 700Hm entfernten Gipfelkreuz der Birkkarspitze. Alleine das Kar ist die Reise wert.

toller Start in der Sonne

Frohen Mutes betrat ich nach der Wasserfassung die ab dort geschlossene unnachgiebige Schneedecke. Sie war um halb neun vormittags vollkommen hart gefroren, eigentlich weit härter als ich das nach der mittelmäßigen Nacht erwartet hätte.

unterer, eher flacher Teil des Schlauchkares

Kaum eine Kantenspur verblieb nach einem Schritt in der bockharten Oberfläche und so folgte ich wegen fehlender Spuren nicht dem Herdentrieb und der Spuren der Bergsteiger vor mir, sondern kreuzte deren hauchfeine Kantenabdrücke im rhythmischen Spitzkehrentakt, der so oft im Winter für die einzige Abwechslung im Trott des Aufstieges sorgt.

in der Fortsetzung steiler bis zur Kurve im Kar

Selbst eine Stunde später um halb zehn, als der logische Aufstieg den mittig im Kar liegenden Felsriegel zu dessen Linken leitete war noch kaum Erweichung der Schneedecke spürbar. Das Kar liegt recht lange am Vormittag im Mai im sehr flachen Sonnenwinkel, wodurch dieser nicht unangenehme Aufstieg möglich ist – allerdings mit Harscheisen.

die volle Dimension des oberen Teiles des Kars und den Gipfel der Birkkarspitze im Blickfeld

Harscheisen sind nach dieser Passage (ca. auf 2.500m) in jedem Fall nötig, denn die Hangneigung des Kares erreicht dann zwischen 35 und 40°, an Stellen, laut Tiris über 40°.

Hangneigungen Schlauchkar

Das obere Schlauchkar wird im steilen Aufstieg westlich durchquert und ich entschied mich für die weite Querung bis zum Schlauchkarsattel, weil ich ja die Reibn als Ziel hatte.
Je näher ich dem Grat kam desto weicher wurde der Schnee und zwar drastisch.

Oberer, sehr steiler Teil und Blick zum Schlauchkarsattel

Die Spuren am Sattel in Richtung Östliche Ödkarspitze waren in der Schneeoberfläche am Grat bereits recht aufgearbeitet, ein Zeichen, daß mehrere Tage keine Begehung mehr stattgefunden hat. Der markante Felskopf am Grat war bereits großflächig ausgeapert.

Oberer, sehr steiler Teil und Blick zum Schlauchkarsattel

Mit diesen nicht so guten Aussichten wendete ich mich dem Grat zur Birkkarhütte zu, um den Gipfel zu ersteigen.

Blick zur Birkkarspitze

Natürlich habe auch ich das angekettete Kinderradl fotografiert und einen Blick in den mäßig aber doch verschmutzten Unterstand geworfen.

Birkkarhüttchen – Notunterkunft

Der Aufstieg zum Gipfel war großteils in aperem Gelände möglich. Der Vortagsregen hinterließ einige leicht angeschneite und in der Sonnenbestrahlung tauende Passagen. In den Winkeln manche Stellen noch winterlich schneegefüllt, aber alles in allem der Aufstieg – sowie das gesamte Gipfelplateau – ziemlich aper.

Aufstieg zur Birkkarspitze

Der Blick rundum vom Gipfel erstaunte schon ein bisschen. Mit Mitte Mai waren selbst Grate, Kare und Hänge mit weit über 2.000m Erhebung bereits fast vollständig ausgeapert.

Selbstbildnis auf der Birkkarspitze

Die Erklärung liefert eine aufschlussreiche Grafik des Tiroler Lawinenwarndienstes, die in der zweiten Hälfte April veröffentlicht wurde und zeigt, daß durch den geringen bis fehlenden Neuschneezuwachs ab Mitte Februar mit den darauf folgenden warmen Wochen (die warmen Wochen zeigt die Grafik nur indirekt, aber man weiß, daß es so war, wenn man an den extrem warmen April zurückdenkt) der Schneedecke einen fast jähen Tod beschieden hatte. Die Grafik gilt generell nur für Obergurgl, sie ist übergeordnet jedoch mit Sicherheit für das gesamte Bundesland bezeichnend. Dabei stellt die rosa Ganglinie die heurige Aufzeichnung dar, die graue die Mittelung der Messwerte seit 1961 und der graue Bereich die gesamten Messwerte in jedem Aufzeichnungsjahr.

Schneehöhen 2017/18 Obergurgl (Quelle: Tiroler Lawinenwarndienst)

Deutlich kann der raschen Rückgang der Schneehöhe ab Ende März bis Mitte April erkannt werden, ein kontinuierlicher Absturz, ohne Neuschneezuwachs, wesentlich steiler als die gemittelte graue Kurve.
Im Kopf trägt man die Frühjahrsverhältnisse jedoch anders, vor allem dann, wenn man sich nebenbei auch noch mit seiner Arbeit und anderen Dingen beschäftigen muß und so kommt man heuer für manches Vorhaben, das geplant gewesen wäre, leider einig Wochen zu spät. Höchstwahrscheinlich bin ich nicht der einzige mit dieser Erkenntnis.

das Schlauckkar

Der Ausblick entschädigte die triste Situation mit den noch verbleibenden Möglichkeiten doch sehr und dafür keimte auch die Hoffnung einer rasch beginnenden Bergsaison in dem so sonnig begonnen Jahr.

Die Kaltwasserkarspitze mit noch wenig Restschnee sah aus, als wenn sie schon als Bergtour zu erreichen wäre und im fernen Hintergrund der Grat der Grubenkarspitze völlig schneefrei.

Blick nach Osten, im Vordergrund Kaltwasserkarspitze

Im Westen der Grat über die Ödkarspitzen, der den schwierigeren Teil der Reibn darstellt auch an vielen Stellen bereits schneefrei und mit den Tourenschuhen kein besonderes Vergnügen mehr und im Hintergrund die Nordöstlich ausgerichtete Flanke aus dem Marxenkar zur Großen Seekarspitze allerdings noch voll eingeschneit. Dort drüben wäre die Reibn noch einwandfrei im Schnee machbar.

Route der Karwendelreibn, ganz hinten links der letzte Gipfel der Reibn, die Große Seekarspitze

Die Feuchtigkeit des nächtlichen Regens gut zu erkennen im Blick nach Nordwesten über das Karwendeltal hinaus, über das Bäralpl in die Soierngruppe.

in den Nordwesten geschaut: Karwendeltal mit Bäralpl und gleich dahinter die Soierngruppe

Gen Süden, über das Lafatscher Joch zu den Tuxern noch hohe Restbewölkung sichtbar. Interessant hier, selbst die fast völlig sonnengeschützten Kare und Schuttböden über den höchsten Erhebungen des Gleirschkammes kaum mehr mit nennenswert Schnee belegt – ein Zeichen für das warme Frühjahr.

Gleirsch-Halltalkette 1. Bild

Nach dem Abstieg von der Birkkarspitze zum Schlauchkarsattel ein letztes Innehalten, ob ich denn die Tour doch fortsetzen solle. Aber allein die lange Felsstrecke mit Tourenschuhen bestätigte meine eigentlich schon getroffene Entscheidung der Umkehr.

Abstieg von der Birkkarspitze

Einigermaßen betroffen rüstete ich zur Abfahrt. Verblüffend wieder der extreme Wechsel der Schneekonsistenz vom Grat, in dem der Schnee mittlerweile – es war mittags geworden – völlig aufgefirnt und schmierig war und knappe 50Hm tiefer im nordseitig ausgerichteten Schlauchkar immer noch eine bockharte Piste.

Anstieg auf die Östliche Ödkarspitze

Allemal ein Vergnügen war die Abfahrt etwas weiter unten mit abnehmender Hangneigung und – für das Auffirnen – besserem Sonneneinstrahlungswinkel.

im Schlauchkarsattel, Blick auf den Schlauchkarkopf 2.500m

Nach einer tollen Abfahrt erreichte ich die Wasserfassung wieder und hatte nun die Aussicht auf knappe sechs Kilometer Tragestrecke bis zur Wildfütterung. Das war sozusagen die Belohnung für den Abbruch der Karwendelreibn.

Abfahrt im Schlauchkar

Nun, angesichts der Temperaturen und den klobigen Tourenschuhen war diese Strecke sicher kein wiederholenswertes Vergnügen, aber so schlimm waren die gut eineinhalb Stunden auch wieder nicht. So mancher phantastischer Blick entschädigte.

herrliche Abfahrt im unteren Schaluchkar

Abgestiegen bin ich diesmal direkt über den Steig neben der Wasserleitung bis knapp oberhalb des Wasserwerkes und dann dem breiten Weg folgend bis zum Hauptweg zum Karwendelhaus sowie diesem dann gut vier Kilometer folgend zum Radldepot.

Hochalmkreuz oberhalb dem Beginn des Schlauchkares

Nach zeitraubendem Umziehen und Beladen des Radls ging es die gut 10km in angenehmem Tempo talauswärs zum Parpklatz, den ich gegen 15 Uhr erreichte und eine sagenhaft schöne Tour endete.

ein letzter Rückblick auf die Ödkarspitzen

Zusammengefasst: 2x10km Radlstrecke, Aufstieg ohne Radl 1.460m, Gesamtaufstieg ab Parkplatz 1.770m, gesamter Zeitbedarf knapp neuneinhalb Stunden.
Die Gesamtzeit kann noch signifikant verkürzt werden bei der Anfahrt mit dem Radl bis zum Wasserwerk, was jedoch – wie erwähnt – nicht mein Ziel war.

Mils, 11.05.2018

Schitour Rappenspitze, 2.223m

Im letzten Abdruck der Saison sollte der schon lange gehegte Wunsch, die Schitour auf die Rappenspitze, unternommen werden. Die Rappenspitze stellt eine der anspruchsvolleren Schitouren von Pertisau aus dar. Zum Zwecke der Erkundung als Schitour habe ich sie bereits im Herbst als Bergtour von Stans aus überschritten.

Rappenspitze, 2.233m

Gegen Ende April findet sich bis auf 1.250m kein Schnee mehr, weshalb ab dem Parkplatz am Eingang ins Karwendel bis weit über die Falzthurnalm Schi und Tourenschuhe getragen werden müssen.
Als Hilfe könnte man die rund 3km bis zur Falzthurnalm mit dem Radl fahren, was den Anstieg schon um eine halbe Stunde verkürzen würde. Ich habe allerdings die Tragevariante gewählt.

ohne Radl muß die Ausrüstung bis zum Schnee geschultert werden

Durch den ausgeprägten Nordhang hatte ich die Schneegrenze etwas tiefer eingeschätzt, die außergewöhnlich waren Temperaturen duch den April hindurch hatten jedoch ganze Arbeit geleistet und ich erschrak förmlich, als ich von unten bis weit hinauf ins Legertal keine durchgehende Schneefläche erblicken konnte.

endlich Schnee auf ca. 1.250m

Durch den Waldweg bei der Falzthurnalm hinauf konnten Spuren des wütenden Winters beobachtet werden – nicht nur kleinere Bäume wurden sein Opfer, selbst große alte Nadelbäume wurden entwurzelt und blockierten den Waldweg.
Oberhalb der Forststraße im oberen Teil des Waldes tauchten dann plötzlich Schneeflecken auf, die immer größer wurden und sich bald zu einer gangbaren Gesamtheit ausbildeten, auf einer Höhe von 1.250m.

Aufstieg neben der Lawine

Vor mir muß schon lange niemand mehr aufgestiegen sein, denn es gab kaum Anzeichen einer Aufstiegsspur und keinerlei Abfahrtsspuren. Im Aufstieg links befanden sich nicht besonders alte Reste einer Grundlawine, die teilweise gut die Breite des halben Tales beanspruchten.

der schöne Kamm über die Schneeköpfe zum Falzthurnjoch

Oben, am Übergang in die flacheren Almwaldpassagen nahm ich die mittelbreite Rinne zum Aufstieg, nicht den durch Lawinenreste verlegten Sommerweg. Die Rinne hat eine ähnliche Gefälleausprägung wie eine Sprungschanze und ist in der Abfahrt schön zu fahren.

Im Almgelände der Dristlalm

Durch etwas flachere und recht lichte Waldpassagen mit naturbelassenem Baumbestand und daher teilweise recht altehrwürdigen Nadelhölzern wird die Freifläche der Dristlalm erreicht.

es wird ein schöner Tag

Ein verstecktes Kleinod auf 1.645m. Die Alm mit ihrer wenig flachen Almfläche ist eingebettet zwischen Hirschensteigkopf, Dristkopf und Dristlköpfl im Übergangsgrat zu den Hochflächen der Naudersalm, einem augenscheinlichen Gebiet der Reliefüberschiebung des Karwendels.

Dristlalm auf 1.645m

Oberhalb der Dristlalm führt der Aufstieg bis auf rund 1.750m durch einen lichten Lärchenwald zum Dristlköpfl, der in der Abfahrt wunderbar zu durchfahren ist. Der Dristlköpfl mit 1.827m wird allerdings nicht erreicht, vorher geht es schon wieder abwärts.

Aufstieg zum Hochpunkt der Vorberge – im Hintergrund die Rappenspitze bereits sichtbar

Nach dem Hochpunkt wird das Almgelände verlassen, der Verbindungsgrat zur Kette wird betreten. Ungefähr 40Hm Abstieg (bzw. Abfahrt bei genügend Schnee) zum Brunntal stehen auf genügend breitem Gratrücken bevor.

das Brunntal mit dem steilen Kar – Schlüsselstelle der Tour

Der Übergang vom Ende des Abstieges bis zu den freien Flächen des Brunntales erfolgt unterhalb der Felsen durch lichten Baumbestand.

kurzer Abstieg am Verbindungsgrat

Der Übergang besteht aus einem leichten Auf und Ab, er ist teilweise recht steil aber dafür nicht besonders lang.

Aufstieg im Kar im Brunntal

Am Ende des Überganges wartet das Brunntal gleich mit einer steilen Freifläche auf, in der Tage zuvor Gleitschneelawinen (wie ich später identifizieren konnte) abgegangen sind. Ich durchquerte die bereits verfestigten Lawinenreste und versuchte an deren Rand so hoch wie möglich aufzusteigen, um den Hang möglichst weit oben zu queren. Die Schneequalität war grenzwertig, trotz klarer Nacht hatte es auf 1.850m nur oberflächliche nächtliche Verkrustungen der Vortagesschmelze gegeben.

sie schattigen Teile habe ich für den Aufstieg ausgesucht

Mein Ziel war es den freien Hang so rasch als möglich zu durchqueren und die Felspartien im Süden, die noch weitgehend im Schatten lagen, zu erreichen sowie knapp unterhalb dieser aufzusteigen.
Das Vorhaben gelang ohne große Zwischenfälle, jedoch ließ wider Erwarten die Schneequalität knapp unterhalb der Felsen nach. Also stieg ich einige Meter tiefer in gut 35° geneigtem Gelände mit etwas angespannter Stimmung weiter auf den höheren Teil des Kares zu und erreichte wieder bessere Schneequalität für den folgenden Abschnitt.

Aufstieg im Kar im Rückblick

Der Neigungsschatten des kleinen Felssporns mittig im Kar wurde unterhalb für Spitzkehren genutzt und oberhalb wieder zum Hinausqueren auf die noch schattigen Hangpartien zum Nauderer Kar hinauf.

der obere Teil des Kares

Oben, im Nauderer Kar hatte die Sonneneinstrahlung und Tageserwärmung den Schnee bereits völlig aufgeweicht und alle flachen Partien wurden zum schweißtreibenden Erlebnis. Dies veranlasste mich auch den Rücken zum Larchkarlkopf ab dem Übergang vom Kar für den weiteren Aufstieg zu nehmen, anstelle durch das Nauderer Kar zur Ostflanke des Rückens weiter zu gehen. Ich vermutete dort bessere Bedingungen als im flachen Nauderer Kar und der völlig sonnenzugewandten Flanke auf den Rücken zum Gipfelaufschwung.

bereits im flachen Nauderer Kar

Der Aufstieg über den harmlos aussehenden Aufschwung auf den Rücken war aber alles andere als eine Besserung der Verhältnisse, im Gegenteil. Durch die exponierte Lage erwies sich der Aufstieg, der auch wesentlich steiler ist, als er von unten aussieht, dermaßen weich, daß auf manchen Schritten der Schi bis zum Knöchel versank. Ganz oben am Übergang mußte ich stapfen, da kaum Fortkommen möglich war.

sehr warm schon und weicher Schnee

Der Mühe Lohn bestand in dem gut gangbaren flachen Teil des Rückens bis zum Gipfelaufschwung, bei dem ich Schidepot machte, denn die Ostflanke der Rappenspitze war völlig aper und trocken. Von dort stehen noch ca. 100Hm zum Gipfel an.

eindrucksvolle Wechten immer noch vorhanden

Über den ausgeaperten Sommerweg ging es hinauf zum Gipfel, den ich um 11:10 erreichte.

die Rappenspitze – man sagte mir Fotos mit Personen müssen sein…

Der phantastische Frühlingstag lies wieder einmal in ein prächtiges Panorama schauen. Im Westen die im Sommer und Herbst schöne Überschreitung vom Staner Joch bis zur Rappenspitze mit Blick – rechts im Bild – zur Glocknergruppe.

Blick nach Osten zum Staner Joch

Im Süden der gewaltige Grat von der Fiechterspitze bis zum Hochnissl und links dahinter die Zillertaler mit dem Olperer als höchsten Gipfel, alles traumhafte Touren, hier am Blog zu finden.

der Süden – Auslauf der Vomperkette von Fiechterspitze bis Hochnissl

Die höchsten und verstecktesten Karwendelgranden an diesem Tag sehr scharf zu sehen im Westen. Vom viel besuchten Kletterberg der Lamsenspitze über den anspruchsvollen Skitourenberg des Hochglück, die schöne Grubenkarspitze im Tiefsten des Roßloches, die gewaltig schwarzen Laliderer Wände, der Birkkarspitze und der noch schöneren spitzen Nachbarin, der Kaltwasserkarspitze bis zum imposant freistehenden Sonnjoch ganz rechts reichte der Blick.

Nauderer Kar mit Dristkopf und Achensee im Hintergrund

Nach Norden ein farblich krasser Gegensatz mit dem weißen Nauderer Kar zu Füßen der Rappenspitze, dahinter die schon angeaperte Dristlalm sowie in naher Ferne der grüne Achensee.

Gipfelaufbau der Rappenspitze

Angetrieben durch die Verschlechterung der Verhältnisse im Brunntalkar gönnte ich dem Auge keinen längeren Blick auf die Alpenschönheiten, sondern machte mich nach gut einer Viertelstunde wieder auf den Rückweg. Um halb zwölf war es höchst an der Zeit von 2.100m abzufahren.

Abfahrtsspuren über die Flanke vom Rücken und im Kar zu sehen; man beachte die bereits eingeebnete Aufstiegsspur rechts

Die Flanke in das Nauderer Kar hinab war schon sehr tief aufgeweicht und unten wurde es schwer auch weiter angelegte Schwünge zu drehen.
Mit so viel Schwung als möglich versuchte ich dem Gehen im flachen Kar zu entrinnen was weitgehend gelang. Nur wenige Meter bis zum Übergang ins steile Kar benötigten Grätschschritte.

spannende Abfahrt ins steile Kar

Die sinnvollste Route über das steile Kar hinab erschien die Aufstiegsspur zu sein. Also legte ich die Schwünge entsprechend und die Verhältnisse hielten sogar dem Druck der Schwünge stand, sodaß der erste Teil der Abfahrt fast wie eine optimale Firnabfahrt zu werten war.

die Querung – hier hätte ich besseren Schnee erwartet

Die Querung unterhalb der Felsen von der Kaserjochspitze herab erfolgte dann wieder in wenig tragfähigem und aufgelockertem Schnee. Die Einflüsse durch Tropfwasser von den Felsen oberhalb dürfte der Grund für die schlechte Schneequalität gewesen sein.

am Ende der Abfahrt im Kar im Brunntal angekommen – man beachte den trügerischen Wiesenhang

Unterhalb der Querung, im freien Wiesenhang, den ich am meisten fürchtete, wurde der Schnee aber wieder besser und die Konsistenz ließ schöne Schwünge in der Falllinie zu.

Rückblick auf den ersten Teil der Querung zum VerbindungsrückenNach der Gleitschneelawine und dem restlichen Teil des steilen Hanges war ich doch recht froh am Weg zur Querung angelangt zu sein und die Wiesenhänge hinter mir gelassen zu haben. Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen waren im heurigen Winter eine der Gefahrenquellen Nummer eins.

Querung unterhalb der Felsen

Gegen Ende der Querung erschien es praktisch die Schi am Rucksack zu tragen und zu Fuß die aperen und die zwar schneebedeckten, aber schlecht gangbaren Stellen zu überqueren. Ebenfalls am teilweise ausgeaperten Gratrücken zum Hochpunkt des Überganges zur Alm.

Verbindungsrücken zur Dristlalm

Hinab durch die herrlichen Lärchen zur Alm konnte noch halbwegs gut gefahren werden, wenngleich Schwünge schon einiges an Kraftanstrengung kosteten und vornehmlich im Steilen angelegt wurden. Eine Rast auf der Alm kam daher wie gerufen.

Rückblick auf die Abfahrt

Zwei junge Burschen ohne Gamaschen saßen schon mit recht durchweichten Bergschuhen auf der Bank vor der Alm denen ich einen Gipfelschnaps ausgab. Man unterhielt sich bevor ich versuchte auf der Bank einzudösen.

Gelände der Dristlalm

Die Einstrahlung war jedoch so groß, daß das Vorhaben wegen durchnässtem Leibchen und dem Interesse an den Lockrufen der Kröten nach zehn Minuten aufgegeben wurde.

die Amphibien erwachen

Das befinden sich doch glatt auf 1.650m Höhe eine Unzahl an Kröten in den kleinen Pfützen rund um die Alm und nicht nur dort, weit ab von Wasser, auf Schneeflächen tummelte sich das Getier, zu einer kleinen Dokumentation anregend:

So schön die Stunde auch war, nach einer dreiviertel Stunde brach ich wieder zur Abfahrt auf – der Weg zum Parkplatz war noch lange und es gab noch weiteres zu tun.

Herzl oder Afrika?

Als schönsten Teil der Abfahrt durch das Legertal empfand ich die Rinne und die folgenden 100Hm. Zum einen war dort schöner Firn und lichter Wald mit großen freien Flächen.

die Rinne zum Legertal

Weiter unten mußten die engen Waldpassagen bedient werden, wobei die Kombination aus Geschwindigkeit und Drehvermögen im weichen Nassschnee die übliche anfängerische Figur machte. Immer wieder abruptes Abbremsen und wenden fast im Stehen wurde notwendig.

von der Rinne ins Legertal geblickt

Einigermaßen angestrengt erreichte ich wieder die Stelle, an der die Abfahrt plötzlich nicht mehr möglich war und suchte nach den deponierten leichten Bergschuhen im Gebüsch.

fast am Ende der Abfahrt

Mit den nun am Rucksack verstauten Schi und Schuhen ging es hinab zur Falzthurnalm und den langen Weg hinaus zum Parkplatz, gesamt in etwa 300Hm und knapp eineinhalb Stunden, wie auch für den Aufstieg bis dorthin.

so geht es den langen Weg hinab zum Parkplatz

Der Zeitbedarf incl. den Fußmärschen vom Parkplatz zur Falzthurnalm und zurück betrug gut sieben Stunden mit einem viertelsündigem Gipfelaufenthalt und einer Dreiviertelstunde auf der Dristlalm.
Die Strecke betrug sieben Kilometer bei 1.350m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit dreieinhalb Stunden.

Mils, 21.04.2018

 

Schitour Juifen, 1.988m

Der Juifen erscheint vom Tal näher am Achental als er tatsächlich ist. Die mit wenig mehr als 1.100Hm gerade einmal im unteren Bereich mittellange Schitour liegt 5,5km vom Ausgangspunkt an der Achentalstraße entfernt. Der durchwegs leichte, flache Aufstieg der Schitour auf den Juifen hat daher einiges an Schönheiten der Landschaft zu bieten und ebenso gut für eine Partnertour geeignet wie die Hochplatte. Nach meiner gestrigen Rückkehr aus Canada eine entspannte Schitour um den Bewegungsapparat wieder zu aktivieren.

Juifen, 1.988m

Der Aufstieg vom Parkplatz auf der Bundesstraße (beim Gh. Tirolerhof), von Innsbruck kommend knapp nach der Abzweigung der Steinbergstraße links bis zur Falkenmoosalm ist hier nicht beschrieben, hierzu bitte den Bericht der Schitour zur Hochplatte ansehen, dort ist die Abzweigung zum Juifen beschrieben.

Anstieg nördlich des bereits aperen Weges in diesem Teil

Sobald die Lichtung nach dem etwas steileren Anstieg nach der Falkenmoosalm erreicht ist hält mach sich eher rechts durch die Lichtung und trifft auf die Abzweigung mit einem etwas zu niedrigen und daher versteckten gelben Wegweiser. Allerdings kann die Abzweigung kaum verfehlt werden, sie mündet in einen recht breiten Weg zum Großzemmalm.

Abzweigung von der Route zur Hochplatte – rechts der Weg zum Juifen

Ab dem Teil des Almgeländes der Falkenmoosalm, bei dem der dichte Wald verlassen wird, erfolgt der Aufstieg zum Juifen durchwegs komplett der Sonne ausgesetzt, nach der Almfläche der Falkenmoosalm und am kurzen Verbindungsweg  von der Abzweigung bis zum Almgelände der Großzemmalm hängt die Sonnenbestrahlung von Datum und Tageszeit ab. Dieser Tage ist es des Vormittags auch auf diesen kurzen Passagen kaum mehr schattig.

Almgelände der Großzemmalm mit Kafell mittig und Marbichlerspitze rechts

Nachdem die Abzweigung eingeschlagen wurde führt der Weg noch einige Minuten hauchzart bergauf, um dann ebenso hauchzart bis zum Almgelände der Großzemmalm zu fallen. Die für die Abfahrt unangenehme Strecke beträgt in etwa 300m und je nach Schneeverhältnissen kann sie ohne einzusinken begangen werden ohne aufzufellen oder der Armumfang beträgt gut 40cm, oder man muß  eben einmal mehr auffellen.

Anstieg auf das Marbichler Joch auf der anderen Talseite

In jedem Fall beeindruckt der Talkessel um und hinter der Großzemmalm dermaßen, daß diese für die Abfahrt kleine unangenehme Stelle in den Hintergrund tritt und in diesem Bericht eigentlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden muß, weil sie angesichts der fabelhaften Natur lediglich  Jammern auf hohem Niveau wäre.

nach der Großzemmalm etwas steilere Passagen zu durchqueren

In einem weiten, eher flach steigendem Bogen, führt der Anstieg um die nahezu komplett eingeschneite Großzemmalm herum, um auf der anderen Talseite in deutlich steilerem Gelände an einem weiteren Hüttchen vorbei östlich ansteigend, dem Marbichler Joch zuzustreben.

das Tagesziel der Juifen vom Marbichler Joch aus

Es mag ab der Großzemmalm gewiss weitere Anstiegsmöglichkeiten geben, die leichteste Route führt unterhalb des Schrofengeländes bis zum Hüttchen nördlich durch, bevor sie dann ostwärts dreht und die Richtung zum Marbichler Joch einnimmt.

Flanke von der Marbichlerspitze, muß gequert werden

Direkt am Joch befindet sich auf 1.700m die letzte, die Lämpereralm – sie wird umgangen bevor die Route den recht steilen Nordosthang quert und in Hangmitte direkt einschneidet. Diese Querung muß bei zweifelhaften Schneeverhältnissen und kritischen Einstufungen der Lawinengefahr gut überlegt werden.

Blick nach Süden vom Sattel nach dem Marbichler Joch

Die Querung endet am nächsten Sattel, bevor ein breiter Kamm den letzten Anstieg von moderaten 270Hm Juifen führt. Zunächst ist noch eine steilere Stufe zu nehmen, innerhalb deren Flanke der Firn bereits leichte Abrutscher von der Spur verursacht. Die steilere Strecke ist in ein paar Minuten überwunden.

moderate Steilstufe vor dem Kamm zum Juifen

Es folgt eine weitere Kupierung mit einer deutlichen Wächte an der Oberkante. Wäre keine bestehende Aufstiegsspur vorhanden, könnte sie leicht durch einen spitzen Anstiegswinkel durchstiegen werden.

Rückblick nach der ersten steileren Stufe

Oberhalb der Kuppe zieht dann der Kamm flach dahin mit einem sichtbar deutlich steileren Gipfelhang.

Anstieg über den flachen Kamm

Ich habe den Gipfelhang mangels Schnee an seiner Wächtenseite – rechts vom Zaun – im Schnee bestiegen und befand mich sozusagen vollends auf der Wächte, die bereits deutlich von der Abrisskante entfernt ist, also kurz vor dem Abriss steht.

Gipfelaufbau mit Wächte rechts neben der Abrisskante

Ein nicht ungefährliches Unterfangen von dem vor allem im Frühjahr abgeraten werden muß. Das Schidepot befindet sich dort wo die Abrisse erstmals sichtbar sind und ein Steig führt die letzten ca. 60Hm zum Gipfel. Man sollte diese Variante nehmen.

Am Juifen angelangt

Der flache Gipfel des Juifen bietet einen schönen Jausenplatz und angesichts der Tatsache, daß er in dieser Gegend neben Guffert und Demeljoch der höchste Gipfel gen Norden ist, bietet sich auch ein weitläufiger Blick dorthin – allerdings heute zu dunstig zum fotografieren.

Blick gen Osten mit Guffert links und Rofan rechts

Die Szenerie von Osten bis Westen ist grandios. Der bereits erwähnte Guffert markiert die hohen Tiroler Gipfel im Osten, der Rofanstock begeistert im Südosten und im heutigen diffusen Hintergrund ragen die Dreitausender des Zillertales auf.

Blick nach Süden mit den Gipfeln des Achentales

Gegen Süden erfreuen die Gipfel der westlichen Achenseeseite das Bergsteigerherz und im Südwesten die weißen, monumentalen und schroffen Gipfel des Zentralkarwendels, dem vielfältigsten Gebirge der Heimat.

Blick Südwest ins Zentralkarwendel

Ganz im Westen klingen die Karwendelgipfel ab, weiter hat es die Plattentektonik in unseren Tagen (noch?) nicht geschafft nach Norden vorzudringen.

Ansicht der Aufstiegsroute nach dem Marbichler Joch

An diesem so wundervollen Tag macht die Abfahrt unterhalb der Lämpereralm bis zum Auffellplatz Spaß. Teil in Firn, in der Senke unten in den letzten Pulverpartien geht es rund 350Hm hinab, bevor für den weiteren Rückweg nochmals für ca. 10min und ca. 80Hm aufgefellt werden muß.

Abfahrt unterhalb des Marbichler Joches

Ab dem Erreichen des Marbichler Joches gleitet man auf tollem Firn bis zur Großzemmalm hinab, bevor nach dieser der oben erwähnte leichte Gegenanstieg zur Falkenmoosalm genommen wird.

Am Marbichler Joch mit Lämpereralm

Die restliche Abfahrt nach der Falkenmoosalm erfolgt zum Großteil auf dem Forstweg und im gerodeten Teil schöner auf der jung gepflanzten Fläche, immer sorgsam um die Bäumchen herum, ohne Beschädigungen derselben.

letzter Blick zum Juifen

Gesamt habe ich für die schöne Tour 4 1/2 Stunden benötigt, davon recht genau 3 Stunden für den Aufstieg. Insgesamt wurden 1.150Hm im Aufstieg zurückgelegt.

Mils, 25.03.2108

 

 

Schitour Große Seekarspitze

Im ersten Drittel in der Karwendelhauptkette unternimmt man einen Klassiker der Karwendelschitouren auf die Große Seekarspitze und dies Abenteuer wird im Frühjahr erst richtig zum Genuß, wenn die Schneeverhältnisse bis zum Neunerkar ideal dafür sind.

Große Seekarspitze

Ideal sind sie dann, wenn der Aufstieg über den netten Jagdsteig durch den Wald ohne Schnee und mit Bergschuhen möglich ist, Schi und Tourenschuhe am Rucksack verstaut sind und für die rund 600Hm bis zum Beginn des Neuenerkars getragen werden müssen.
Ab dem Neunerkar auf ca. 1.800m wird die Plagerei dieser Tage mit einem traumhaften Aufstiegsgelände in zauberhafter Umgebung belohnt.

Jagdsteig zum Neunerkar; Tagesbeginn im Karwendel um 7 Uhr Ende Mai

Um 5:20 Uhr ging es vom Parkplatz in Scharnitz los und die sechs Euro für das Tagesticket ist wohl ein Hohn für die Bergwelt in die eingetaucht werden darf. Eigentlich sind es ja nur 4 Euro, denn es gibt zum Ticket einen zwei Euro Gutschein dazu mit dem man später in Scharnitz sein Bier mitfinanziert und so für die Leute etwas tut, die dort die Masse ertragen müssen.
Los geht es mit dem Radl, denn zunächst gilt es fast 11km Talweg zu meistern. Der komplette Anstieg dieser Strecke beträgt rund 350Hm und so mancher ist hier mit einem Stromradl gut beraten.

Abzweigung nach der Wildfütterung, rechts beim Marterl geht es ab zum Karwendelbach

Je nach Kondition wird der Ausgangspunkt für den alpinistischen Aufstieg nach einer bis eineinhalb Stunden Radfahrt beim Wegkreuzchen kurz nach der Wildfütterung erreicht, siehe Foto. Hier rechts ab ein paar Hundert Meter und über die Holzbrücke über den Karwendelbach.

Holzbrücke über den Karwendelbach

Jenseits des Baches sucht man sich ein Radldepot und – wenn man so wie ich kein Schloß besitzt wirft man es in ein Baumdickicht – findet sofort den Steig in den Wald.
Mit der schweren Last auf den Schultern dünkt der moderat steile Beginn des Steiges angenehm und leitet über in den richtigen Aufstiegs-Rhythmus. Ebenso beschäftigt einem die Frage warum die Schaufel, die Sonde und das Pieps auch mit mußten, ist dies um diese Jahreszeit bei dem total gesetzten Firn doch recht schräg – aber es doch beruhigend und wird akzeptiert.

hier rauf geht es ins Neunerkar, 600Hm Aufstieg mit schwerem Rucksack

Am Aufstieg gibt es zwei Bäche und eine lustige Quelle auf rd. 1.400m die hörbar oberhalb des Steiges zu sein scheint, den Steig aber nicht quert, weil sie vorher wieder versickert. Einige Minuten später erscheint sie rechts neben dem Steig und den Spuren nach labten sich in den letzten Wochen daran eine Vielzahl an Aufsteigenden.

markante Felsstufe Richtung Osten, hinten die Bockkarlspitze

Dutzende gekreuzte Spinnenfäden im Gesicht auf dem Aufstieg verrieten mir, daß ich heute zumindest der erste war und bei solchen Erlebnissen kokettiert man sofort damit, ob man vielleicht auch der Einzige bleiben würde. Letzeres war nicht vorgesehen und mit den Nachfolgenden und Dazugestoßenen ergab sich am Gipfel dann eine nette Unterhaltung beim Jausnen. David aus München hat mit mir sogar die Abfahrt angetreten und mit mir den Parkgutschein zu erquickendem Hopfensaft verwandelt.

Felsriegel hinauf zum Neunerkar, rechts wird aufgestiegen

Einen Tipp mag ich hier geben: die Aufstiegszeit bis zum Neunerkar beträgt eine Stunde oder vielleicht ein wenig mehr, je nach individuellem Vermögen, und in dieser Zeit habe ich den Rucksack nie abgenommen, man mag ihn dann wahrscheinlich kaum mehr wieder aufnehmen.

die Sonne geht über dem Neunerkar auf

Der unbeforstete Ur-Wald mit seinen riesigen Ameisenhaufen, Felsklippen und sonstigen Blickfängen lenkt auch dermaßen ab, sodaß der Aufstieg rasch vorbeigeht. Übrigens, beim größten Ameisenhaufen geht es links weiter, der Steig rechts führt in das Riedlkar.

steiles Schneefeld, im Winter bei gefrorenen Verhältnissen mitunter heikel

auf ca. 1.650m wird eine recht markante Felsstufe erreicht, die den Beginn des Anstieges in das Neunerkar bildet. In der Mitte der aufziehenden Felsen befindet sich eine kleine Höhle, die im Fall von Gewitter des Sommers auf ihren letzten eineinhalb Meter zumindest halbwegs Schutz bietet.

flacher werdendes Gelände in Richtung Neunerkar

Nach der Felsrippe führt der Steig in die steileren Passagen des Felsriegels unterhalb des Neunerkars und die Plagerei erreicht durch Schutt am Steig ihren Höhepunkt. Von dort sind es etwa 100Hm über eine im Winter bemerkenswert steile Flanke im Schnee bis der Steig wieder flacher wird und die Abrundung des beginnenden Kares erreicht wird.
Auf diesem Aufstiegsteil können bei hartgefrorenen Bedingungen heikle Situationen auftreten, nicht mehr aber im Mai und ich wage sogar zu behaupten auch nicht mehr im April.

im Neunerkar angekommen, Auffellpunkt

Ich mußte keine Stufen schlagen, so wenig von der Flanke war noch mit Schnee bedeckt. Der Steig führt auch sofort linkerhand (östlich) in Latschengelände und wird dann – nach Überschreitung des Schmelzwasserbaches – auch gleich wieder flacher.

Neunerkar kurz nach 8 Uhr

Wenig später wird das Gelände flach und das Neunerkar ist erreicht. Schluß mit dem schweren Rucksack, exakt hier wird heute angefellt und es beginnt  der Aufstieg mit Schi in das weitläufige Kar.

Aufstieg im Neunerkar erster Teil

Der Blick auf die schon fast sichtbare Breitgriesskarscharte täuscht mächtig, da steht man nicht innerhalb kaum einer Stunde oben, mich nahm das hinten nicht unwesentlich steil werdende Neunerkar eine Stunde zwanzig in Anspruch.

hinten geht es rechts hinauf

Die Lawinensituation kann am heutigen Tage eigentlich als gebannt angesehen werden. Die von Großer Riedlkarspitze und Bockkarlspitze herabziehenden Schluchten und Reisen sind weitestgehend vom Schnee geleert und anhand der Lawinenreste kann angenommen werden, daß dies innerhalb des letzten Monats passiert ist. Auch ein Grund diese Tour im fortgeschrittenen Mai anzutreten.

Aufstieg rechts (westlich) unterhalb der Steilstufe; Schnee im Gegenhang schon weitgehend aufgefirnt

Um knapp neun Uhr früh ist der Schnee im oberen Kargelände von der starken Maisonne bereits dermaßen erwärmt, daß man – als Tipp – eher besser die östliche Karseite, die um diese Tageszeit auch kaum noch bestrahlt wurde, für den Aufstieg auswählt.

Rückblick auf das Neunerkar oberhalb der Steilstufe

Liegt das weite Kar mit dem stetig steiler werdenden Anstieg einmal hinter einem, wendet sich das Muldengelände zur Breitgriesskarscharte östlich und in dem nun recht flachen Winkel konnte die Sonne nach neun Uhr noch nicht das ihre tun, um den Schneeoberfläche unangenehm aufzuweichen. Vielleicht deshalb die Bezeichnung Neunerkar – jedenfalls eine Eselsbrücke für die Zeitplanung.

Mulde zur Breitgriesskarscharte

In der Breitgriesskarscharte versuchte nicht nur ich vergebens die Biwakschachtel zu finden, als ihr einziges Lebenszeichen räkelte sich allein der Blitzableiter gerade 10cm über die Schneeoberfläche heraus.

kurz vor der Breitgriesskarscharte auf 2.300m sieht man das Ziel, die Große Seekarspitze, erstmalig

Traumhaftes Panorama tut sich hier auf, Blicke in das Breitgriesskar und in die Seefelder Kette erfreuen nach dem Kessel in dem der bisherige Aufstieg erfolgte.

die Biwakschachtel tief eingeschneit

Und natürlich die schön geformte, ja fast symmetrische Pyramide des Zieles, der Großen Seekarspitze erfreut mächtig. Fast sieht es aus, als wären es nicht mehr knapp 300Hm bis zum Gipfel sondern mehr.

Breitgriesskarscharte, Rückblick in das Neunerkar

Der weitere Aufstieg beginnt nun recht flach mit einer gewaltigen Hangquerung, die bei falschen Schneeverhältnissen sicher wesentlich heikler sein kann als die Stellen unterhalb des Neunerkars.

bevorstehende Hangquerung; rechts hinten unterhalb der Schrofen mußte ich die Harscheisen zu Hilfe nehmen

Gequert wird der gesamte Gratausläufer von der Großen Seekarspitze über die Kleine Seekarspitze bis hin zum Übergang in das Seekar und zur Breitgriesskarscharte. Auf dieser Querung waren im – von der Sonne unerreichten – östlichsten Teil des Kessels Harscheisen von Vorteil, allerdings mußten diese dort innerhalb einer unangenehmen Steigung angelegt werden und hier sollte man – als Tipp – vorher überlegen und dies in der flachen Breitgriesskarscharte erledigen, obwohl die Schneeoberfläche dort schon weich ist.

steiler Gipfelhang der Großen Seekarspitze

Am Ende erreicht man die Einsattelung zwischen Großer und Kleiner Seekarspitze. Diese hab ich für den weiteren Aufstieg genommen, weil es schon von unten bequemer aussah, als die gewaltig in das Breitgriesskar abstürzende Gipfelflanke der Großen Seekarspitze mit Spitzkehren zu nehmen.

in der Einsattelung zwischen Kleiner und Großer Seekarspitze

Am Grat zwischen den beiden Seekarspitzen waren dann die Verhältnisse wieder völlig anders, weil seit Sonnenaufgang bestrahlt. Weichster Mulz vor allem in Gipfelnähe zwangen zu einem Schidepot ca. 30-40Hm unterhalb des Gipfels und den Rest per pedes zu nehmen.

Schidepot unterhalb des Gipflaufbaues

Um 10:20 Uhr, exakt 5 Stunden nach dem Aufbruch in Scharnitz stand ich am Gipfel der Großen Seekarspitze. Zunächst wehte kaum ein Lüftl an diesem außergewöhnlich schönen Tag Ende Mai. Später wurde aber doch eine Jacke nötig, nachdem die Thermik zunahm.

Große Seekarspitze, 2.677m

Rundum alle Gipfel der Karwendelhauptkette noch in überwiegend weißem Kleid, der Frühling ist hier oben noch nicht angekommen. Schätzungsweise reicht der Juni kaum aus, um Sommerbesteigungen auf die wichtigsten Gipfel möglich zu machen.

von links Ödkarspitzen, Birkkarspitze und Kaltwasserkarspitze

David, den ich von der Einsattelung zwischen den Seekarspitzen sah und der die Reibn unternahm traf mittlerweile am Gipfel ein und berichtete über teilweise überraschend weiche Verhältnisse im oberen Schlauchkar.

Autor auf der Großen Seekarspitze

Die Reibn ist insgesamt aber noch gut machbar und ein Blick ins Marxenkar bestätigt dies.

Marxenkar

Die Nordhänge und -kare der Hinterautal-Halltalkette sind bei weitem nicht mehr so schneegefüllt wie man das erwartet hätte. Ein Blick auf das Lafatscher Joch bestätigt dies.

Bettelwürfe bis Kaskarspitze, mittig das Lafatscherjoch

Die Abfahrt über die Gipfelflanke war von ändernden Oberflächenbeschaffenheiten geprägt, jedoch erquickender Lohn für die langen Aufstieg. David und ich fuhren zusammen ab und teilten die Freude.

Große Seekarspitze im Rückblick bei der Abfahrt

In der Mulde nach der Breitgriesskarscharte und im Neunerkar waren die Verhältnisse noch besser, es hatte gut 10cm aufgefirnt und der Schnee in den Hängen war recht homogen.

Ab dem Ende des Neunerkares wurde die Tourenausrüstung wieder geschultert und im Gespräch vergingen die rd. 600Hm Abstieg wie im Fluge.

letzter Blick nach der Kante ins Neunerkar

Zum Schluß wurden die Schi wieder auf das Rad gebunden und die meiste Strecke konnte hinausgerollt werden, sieht man vom moderaten Gegenanstieg unter den Wänden der Brunnsteinspitze ab.

die letzten Abstiegsmeter mit toller Kulisse

Die Bergsteigeruhr zeigte 1.750m Aufstieg und 8:30 Stunden Gesamtzeit. Davon brachte ich eine gute Stunde am Gipfel zu und weiter unternahm ich nur unwesentliche Trinkpausen sowie Ausrüstungswechsel.

Mils, 28.05.2017

 

 

Schitour Grubenkarspitze, 2.663m

Inmitten des Herzens des Karwendels, im Roßloch, thront die Grubenkarspitze als östlichste Umrandung des Kessels, den das Roßkar bildet. Es gibt dort mehrere einsame Schitouren, wobei jene auf die Grubenkarspitze einen besonderen Reiz ausstrahlt, ist doch der letzte Gipfelanstieg im Frühjahr wahlweise als leichte Kletterei, oder über einen gut 40 Grad messenden Steilhang erreichbar, dem ein relativ langer, unschwieriger Gipfelgrat folgt.

Grubenkarspitze, 2.663m

Die Grubenkarspitze bildet  die höchste Erhebung im Roßloch und ihr Gipfelgrat ist bereits von weit außen im Hinterautal sichtbar Links, nördlich der Roßlochspitze kann man sie bereits kurz nachdem die Abzweigung der Straße ins Gleirschtal mit dem Radl geschafft ist erblicken. Diese Abzweigung, die Gleirschhöhe, stellt auch den Hochpunkt der Fahrt ins Hinterautal dar, rund 100Hm wurden bis dorthin von den Parkplätzen überwunden.

Anfahrt ins Hinterautal zur Grubenkarspitze

Daß die Strecke allein in die Nähe der Grubenkarspitze lang ist merkt man dann, wenn man um kurz nach 6 Uhr früh – ein späterer Aufbruch rächt sich mit ungünstigen Schneeverhältnissen bei der Abfahrt, allenfalls mit steigender Lawinengefahr, eher bricht man eine halbe Stunde früher auf – mit dem ungefederten alten Radl die ersten 10km hinter sich gelassen hat und – als Nichtmountainbiker – des Sitzens am harten Sattel überdrüssig wird. Die unangenehme Fahrt erstreckt sich aber zu Beginn des April 2017 bis ca. 1km vor die Kastenalm und somit über rd. 13km und gesamt gut 300Hm, weil nach der Gleirschhöhe eine Abfahrt von rd. 50Hm folgt.

Roßlochspitze, Bildmitte, mit unverkennbarem Grat und links der Anstieg auf die Grubenkarspitze

Mit fortschreitender Jahreszeit, wenn die Sonne den Talboden vom Schnee befreit hat kommt man mit dem Radl noch ca. 4km weiter auf den sogenannten „Hinteren Boden“ dem Talabschluß des Roßloches auf 1.440m.

knapp vor dem „Hinterer Boden“

Im April mußte ich jedoch knapp nach der Kastenalm aufgeben das Radl durch die immer wieder über längere Strecken auftretenden Schneefeldern auf der Straße durch zu schieben und erkannte erst bei der Ausfahrt, daß der Versuch so weit wie möglich zum Roßloch vorzudringen für die Ausfahrt keinen Vorteil brachte. Der Tipp ergeht also hier bei den ersten längeren Schneefeldern – i. d. Regel noch einige Hundert Meter vor dem Bachbett aus dem Birkkar – das Rad abzustellen und ab dort die Tragestrecke zu eröffnen.

Rückblick am Talende angelangt

Hat man diese ersten eineinhalb Stunden Radfahrt überstanden und wurde von vermummten, nichtgrüßenden E-Bikern mit echter Federung überholt, befindet man sich bereits voll im Tageslicht und kann sich anfangs April gegen dreiviertel acht Uhr am flach gehaltenen Weg ins Tiefste des Roßloches mitunter für ein paar Minuten direkter Sonnenbestrahlung erfreuen. Sofort aber endet das Vergnügen mit einem Hauch von ansteigendem Aufstieg bis zu einem kleinen Waldstück, nachdem die Route auf eine weite flache Ebene einmündet an deren Ende das Tal jäh zu Ende ist und gewaltige Lawinenreste von links und rechts herabgestürzt sind. Ein schauerlicher Anblick, selbst noch zwei, drei Wochen danach.

erster Aufstieg über Lawinenreste, Harscheisen sind bis auf 2.000m vorteilhaft

Ab dort, auf ca. 1.440m beginnt der anstrengende Aufstieg über gut 1.200m bis zum Gipfel der Grubenkarspitze.
Zunächst steig man auf der rechten Talflanke über Latschen und teilweise anstrengende, lockere Lawinenreste bis auf ca. 1.630m und kann – je nach Schneelage – den Abzweig des Steiges in das Bockkar (Ausgangspunkt für die Schitour auf die Lalidererspitze) ausmachen. Auf der bereits aperen Gegenseite, einem Südhang, zeichnet sich der Steig durch die Latschen gut ab.

die beiden Aufstiegsrinnen im ersten und letzten Drittel des Bildes gut auszumachen

Nach weiteren knapp 100Hm Aufstieges in der rechte Flanke sichtet man zwei Rinnen durch die Latschen wobei sich beide für den Aufstieg eignen, die südliche, höher gelegene aber auch für die Abfahrt. Wegen der besseren Einsicht von unten habe ich im Aufstieg die erste, schmalere, nördlichere Rinne genommen und mußte in der Hälfte die Schi in die Hände nehmen, so schmal wird die Latschengasse nach oben hin. Wahrscheinlich verhält es in der anderen Rinne für den Aufstieg nicht anders, für die Abfahrt, besser für das Abrutschen, ist sie jedoch breit genug und mißt an der schmalsten Stelle in etwa zwei Schilängen.

der unteren Rinne oberster Teil

Oberhalb der Schmalstellen steht man bereits auf 1.800m und kann in einer gewissen Erfreutheit auf das zwar anhaltend steile, aber dafür umso schönere untere Roßkar blicken, tolle Hänge die nun etwas rechts (südlich) haltend über eine als logisch erscheinende Route durch eine auffallende Rinne erstiegen werden.

oberhalb der Rinne – nun lacht das Herz

Nach weiteren gut 100hm taucht der begeisterte Bergsteiger in dauerhafte Sonnenbestrahlung und die zurückgelassenen kraftraubenden 450Hm  verschwinden aus dem Gedächtnis.

weiters Aufstiegsgelände – hier ca. auf 1.950m

Eindrücke, die sich nun in der wunderbaren Winterlandschaft des Roßkares auftun können in Wahrheit nur mit der Wortgewalt eines Dichters beschrieben werden, um ihnen Genüge zu tun.
Wohlgeformte weiße Kuppen tauchen in sanften Kurven ineinander und verbinden sich dazwischen im Absturz ihrer Seiten im Extremfall zu einem deutlichen und selbst in gleißendem Weiß farblich abhebenden Loch – eine schneebedeckte Doline, die klassische Karsterscheinung mit der jeder Karwendelgeher bestens vertraut ist.

die Scharte zur Roßlochspitze und links der Grat auf die Grubenkarspitze

Durch solcherart Blicke angeregt werden die letzten 500Hm bis zur Scharte zwischen der südlich gelegenen Roßlochspitze, deren Grat während des Aufstieges dauerhaft angesteuert wurde, und dem links, nördlich, abzweigenden Steilhang oder bereits aperen Grat zur Freude, auch wenn die Kräfte langsam abnehmen und die Sonnenbestrahlung zwischen 10 und 11 Uhr zu Trinkpausen zwingt.

Rückblick im kurzen Schatten der Roßlochspitze (ca. 10:30)

Auf der Scharte, auf 2.507m habe ich bereits entschieden, daß der  bereits apere Felsgrat in Angriff genommen wird, der Steilhang erschien mir um diese Tageszeit schon recht anstrengend angesichts der Kollegen vor mir und das Klettern liegt mir ohnehin, auch mit den aufgeschnallten Schi am nun schweren Rucksack.

der Steilhang, Neigung >40°

Der ca. 75m hohe erste Teil des Grates sieht unten leichter aus als er sich oben am Ende präsentiert wobei die Schwierigkeit unten kaum signifikant über den ersten Grad hinausgeht.

mittig am Grat, unterer Teil griffig

Im oberen Teil besteht die Schwierigkeit lediglich im Umstand, daß die Tourenschuhe für die glatten Platten nicht geeignet sind und es zum Spiel von Trittchen und Griffchen wird, um die letzten 10Hm bis zur Schneegrenze zu meistern. Ein kurzer Sprung nach links bescherte mir am Ende oben wieder guten Halt auf den letzten Metern. Einem Abrutschen könnte dort durch sofortiges Flachlegen begegnet werden.

oberer Teil des ersten Grataufschwunges, wenig griffig; das Rissl nach links genommen, am Ende ein kleiner Sprung über eine glatte Stelle

Am Ende der ersten Kuppe des Grates zum Gipfel befindet sich eine Steinschlichtung, vermutlich eine Art Wintergipfel, jedenfalls Schidepot.

Schidepot, ca. 2.583m

Der folgende Grat bis zum Gipfelkreuz ist keineswegs kurz und nimmt mindestens weitere 15min in Anspruch; trotzdem schaffte ich es um 10 vor 12 Uhr das noch tief eingeschneite Gipfelkreuz zu erreichen.

langer Grat zum Gipfel

Ein besonderes Erlebnis ist es die Gipfel der Roßlochumrahmung optisch abzugreifen, ein Zirkel mit gewaltigen 1,5km Radius und von Nördlicher Sonnenspitze bis zur Hochkanzel im Südosten 3,75km messend.

der nördliche Teil der Roßlochumrahmung

Im nördlichen Teil der Umrahmung thronen Bockkarspitze, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze, letztere beiden weitere lohnende Tourenziele im Roßloch und herrlich anzusehen mit ihren weißen Mützen auf den Gratschultern.

Roßkar mit Roßloch 1.200m tiefer

Dazwischen das Bock- und das Roßkar, herrlichste Hochgebirgslandschaft noch immer tiefwinterlich weiß überzogen mit wenigen aperen schwarzen Stellen.

Grubenkar, unten das Ende des Vomperloches

Im Osten das Grubenkar einer weißen Zunge aus dem Schlund des endenden Vomperloches heraufschnellend gleich und im Süden die furchtbaren Abstürze des Grates von der Trattenspitze (mit dem Olperer im Hintergrund) über die Hohe Fürleg, die Fallbachkartürme über den König Bettelwurf bis zur Speckkarspitze.

Trattenspitze mit vorgelagertem Bockkarlturm bis zu den Fallbachkartürmen und dahinter der Olperer

Die trennenden Ketten zwischen den nördlichen Karwendeltälern, Johannestal, Laliderertal und die Eng sind bereits viel weniger von weißer Pracht bedeckt und der Nordhang zum Hochglückkar dürfte noch wenige Wochen als Schitour begehbar sein.

die Eng

Zurück vom Grat am Schidepot bei der Steinschlichtung lernte ich beim Gipfelschnaps Rainer und Peter kennen – zwei Kenner der Gegend – und trat mit den Kollegen bis zur Einkehr im Gh. Wiesenhof den Rückweg an.

der südliche Teil der Roßlochumrahmung – Hochkanzel bis Gamskarspitze, dahinter der Grat zwischen Speckkarspitze und Kl. Bettelwurf, dahinter die Stubaier…

Zunächst der Steilhang – für mich überraschend gut zu fahren – oben etwas aufgefirnt, unten etwas mehr und unter der Scharte um knapp 13 Uhr bereits etwas sehr weich aber tiefer wieder besser werdend.

des Steilhanges Mitte mit Grat ab der Scharte links unten

Das weite schön geformte Roßkar war teilweise recht gut zu fahren und man erahnte während der Abfahrt die weniger nach Süd geneigten Flächen der dünenartigen Landschaft, sodaß wir eine großteils tolle Abfahrt bis zu den Latschen hatten.

Abfahrtsgelände

In der steilen Rinne blieb ich mit dem Talschi hängen und vollführte einen tollen Salto mit dem Verlust des besagten Schis.

Als ich mich wieder aufraffte und aufsteigen wollte um den Talschi wieder anzuschnallen riefen mir die Kollegen von ca. 50Hm tiefer zu, daß ich an falscher Stelle suche. Gottseidank war ich nicht alleine, ich hätte den Schi dort oben mit Sicherheit noch lange gesucht; er sauste derart schnell hinunter, daß ich diese Blitzreise nicht vermutet hätte.

Blick auf lohnende Tourenziele, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze

Im folgenden weichen Sulz unterhalb 1.800m machte jeder von uns Bekanntschaft mit dem nassen Schnee, teilweise durch fehlendes Drehvermögen der Bretter im schweren Sulz, teilweise durch einhakeln in Latschenbrücken, die, tückisch wie eine Schlinge, aus dem Schnee herauslugten und die Abfahrt auf den unrhythmisch geformten Lawinenresten, die wie eine erstarrte stürmische Meeresoberfläche sich zerzaust präsentierten bescherte uns eine schweißtreibende letzte Abfahrt zum Talboden.

obere Rinne perfekt zum abrutschen

Der Rest an Abfahrt bis zur Kastenalm besteht aus viel Schiebearbeit, die nach den Oberschenkeln beim Aufstieg nun die Schultermuskeln heiß werden ließen.

Peter im Latschenslalom

Mit einer ausgeklügelten Aufhängemethode schnallte ich Schi und Tourenschuhe auf das Radl und lediglich die Oberfläche des Schis der stramm mit der Sattelstütze verzurrt war erlitt durch die Vibrationen der langen Fahrt einen speziellen „Karwendelschliff“ bis zu unteren Schichten hinab und hat jetzt was zu erzählen. Vermeiden könnte man dies – als Tipp für alle, die ihre Schi nicht am Rucksack befördern wollen – mittels eines alten Fetzens als Trennschicht.

Rückblick auf ein gewaltiges Abenteuer

Die Freude über die gelungene Tour bei bestem Wetter und das mittlerweile brennende Antlitz bleiben bei der gemütlichen Ausfahrt aus dem frühlingshaften Hinterautal wohlerhalten und in dieser Stimmung erreichten wir gegen 15:30 die Labestelle, das Gh. Wiesenhof.

das Tourenziel in Bildmitte bereits in weiter Ferne

Aufstiegszeit ab Ankunft am Parkplatz knapp 6 Stunden, Gesamtzeit für die Tour ca. 9 1/2 Stunden, wobei der Abstieg und die Ausfahrt gemütlich absolviert wurde.
Gesamtstrecke mit dem Radl zwischen 26km und 34km, je nach Schneelage, Rest mit Schi.
Gesamter Höhenunterschied mit Gegenanstieg bei der Ausfahrt knapp 1.800m.

ein Vorschlag…

Der beste Zeitraum für die Tour dürfte April bis Mitte Juni sein, wobei gegen Ende Mai der Teil der Abfahrt schon zu leiden beginnen wird.

Mils, 09.04.2017

 

 

 

 

Schitour Mannlscharte 2.324m – vom Parkplatz Canisiusbrünnl

Der offene, sonnenzugewandte Südhang im Sommer ein schweißtreibender und sehr mühsamer Aufstieg über die Arzler Reise bis zur Arzler Scharte und weiter zum Grat der Mannlscharte ist im Winter – bei entsprechend günstigen Bedingungen ein Schitourengenuß.

auf der Mannlscharte unterhalb der Roßzähne

auf der Mannlscharte unterhalb der Roßzähne

Ende Jänner herrschen meist noch erbarmungslose Temperaturen, wenn der Schitourenliebhaber zuhause aufbricht und bis die Sonne im mittleren Inntal die Tuxer Kette überwunden hat sind die Finger zuweilen schon nicht mehr spürbar.

kurz nach dem Poschenhof

kurz nach dem Poschenhof

Wir sind um 9:30 am Parkplatz oberhalb des Canisiusbrünnels gestartet und die zunächst die Rodelbahn aufgestiegen, bevor wir dann, über den Poschenhof und einen malerischen Hohlweg, in dem sich die Haselnußstauden vor der Last des Schnees nur so bogen und ein tolles Wintererlebnis zauberten, wieder auf die Rodelbahn trafen .

im Hohlweg

im Hohlweg

Ein paar Kehren auf der Rodelbahn weiter erreichten Christian, Doris und der Verfasser dann den Abzweig am Weg 218, der zur Hungerburg führt und nahmen diesen zum Treffpunkt mit Bene, einem weiteren Kollegen, der über die Hungerburg zum Fuße der Arzler Reise aufgestiegen ist.

Abzweigung auf Weg 218 zur Arzler Reise

Abzweigung auf Weg 218 zur Arzler Reise

Es ist ebenso möglich noch ein Stück zur Rumeralm weiterzugehen und knapp vor dieser die Abzweigung zur Arzler Reise zu nehmen (so spart man sich ca. 40-50Hm Abfahrt am Weg 218 zum Ausgangspunkt des Aufstieges über die Arzler Reise.

Aufstieg vom Fuße der Arzler Reise

Aufstieg vom Fuße der Arzler Reise

Nach Verstärkung des Teams mit Bene starteten wir recht genau um halb elf vom Weg 218 über die Arzler Reise gen den begehrten Grat hoch oben, Weg 217 in der AV-Karte.

oberhalb der Latschen, Engstelle der Reise oben zu sehen

oberhalb der Latschen, Engstelle der Reise oben zu sehen

Begleitet von Unterholz, das zahlreiche Richtungsänderungen vorgibt, stiegen wir zunächst ca. 15min auf bevor die Latschen enden und Reise auf ca. 1.500m eine Einschnürung in der Breite erfährt.

auf ca. 1.750m

auf ca. 1.750m

Nach dieser öffnet sich der Blick bis weit hinauf zum mittig in der Reise gelegenen Felsgelände, das entweder links oder – unsere Wahl wegen der noch etwas weniger befahrenen Geländes- rechts umgangen wird.

rechts unterhalb des Felsgeländes

rechts unterhalb des Felsgeländes

Die Verhältnisse müssen schon passen, um diesen Anstieg anzugehen. Die Geländeverhältnisse sind derart, daß nur mittig der Reise eine Hangneigung unter 30° vorherrscht, die Flanken zur beiden Seiten sind deutlich steiler und im Tiris farblich gut auszumachen.

Hangneigung Arzler Reise

Hangneigung Arzler Reise

Die Verhältnisse heute waren gut, die Schneedecke hat sich durch die Sonneneinstrahlung der letzten Tage nach dem Schneefall bereits weitgehend konsolidiert, allerdings mit oberflächlich leichtem Schmelzdeckel, der sich in den letzten Tage ausgebildet hat und unterhalb von ca. 1.900m die Oberschenkel bei der Abfahrt doch einigermaßen gefordert hat.

Aufstieg oberhalb des Felsgeländes

Aufstieg oberhalb des Felsgeländes

Oberhalb des Felsgeländes – im wieder flacheren Gelände – stollte es im Temperaturwechsel der Aufstiegsspur um die Mittagszeit teilweise unangenehm auf. Allerdings stoppten wir nicht, um die Felle zu wachsen, da nach einer Kuppe in der Arzler Scharte die Aussicht auf die Mannlscharte nach einigen Minuten auftauchte und keinen weiteren Stopp wollten.

von der Arzler Scharte auf die Mannlscharte

von der Arzler Scharte auf die Mannlscharte

Ab der Arzler Scharte erfrischte uns ein leichtes Lüftl dermaßen, daß weit unten abgelegte Kleidung gerne wieder ausgepackt wurde, auch wenn das Ziel nur mehr kaum 100Hm vor uns lag.

Rastplatz auf der Mannlscharte

Rastplatz auf der Mannlscharte

Die Mannlscharte erreicht, genossen wir unterhalb der Rosszähne den kurzen Aufenthalt mit den phantastischen winterlich starren Blicke in die zweite Kette des Karwendels mit den dortigen Giganten an Gipfeln. Mit Phantasie könnte man meinen man wäre im Himalaya…

Blick in das Mannltal

Blick in das Mannltal

Ein weiterer bekannter Kollege, Klaus, kam vom Hafelekar und rastete bereits auf der Scharte, er schloss sich dann für die Abfahrt uns an.

die Roßzähne im Hintergrund

die Roßzähne im Hintergrund

Ein paar wenig verspurte Pulverhänge konnten wir im westlichen Teil der breiten Arzler Scharte noch erheischen, sie bescherten uns jeweils rund ein Duzend weiche Schwünge wenngleich sie aber auch kaum eine unsaubere Fahrt zuließen.

Einfahrt auf den Weg zur Rumeralm

Einfahrt auf den Weg zur Rumeralm

Wie erwähnt ist die Schneedecke unterhalb des Felsgeländes (unterhalb von ca. 1.900m) mittlerweile schon anstrengend zu fahren und nach einer weiteren Verschärfung der Probe des Könnens in einer Naturabfahrt – in den Latschen – erreichten wir den östlich abzweigenden Weg zur Rumeralm auf der eine Einkehr mit viel Sonne um drei Uhr nachmittags den tollen Tag abrundete.

Stilleben im Schnee

Stillleben im Schnee

Die Abfahrt auf der Rodelbahn ist derzeit ohne jegliche apere Stelle möglich.
Für die gut 1.500Hm haben wir im Aufstieg knapp 3 1/2 Stunden benötigt.

Blick zurück auf die Nordkette, die Arzler Scharte von Lärchen verdeckt

Blick zurück auf die Nordkette, die Arzler Scharte von Lärchen verdeckt

Mils, 21.01.2017

 

Großer Bettelwurf, 2.726m – Sylvester 2016

Liebe Leser,

leider nichts Neues, die Jahreszeit eignet sich – trotz des perfekten Wetters – nicht wirklich für noch nicht beschriebene Touren, die Tage sind zu kurz und oberhalb von 2.000m muss immer mit Eis am Grat gerechnet werden, ganz sicher auf der Nordseite jeden Grates.

Großer Bettelwurf, 2.726m am 31.12.2016

Großer Bettelwurf, 2.726m am 31.12.2016

Also begnügen wir uns derzeit mit der multiplen Besteigung des Zunterkopfes, um ein wenig im Training zu bleiben.
Für heut jedoch habe ich mir das Ziel des Großen Bettelwurfes gesetzt und diesen in schlappen 3:45 erreicht.

das Zeil nach 8 Uhr im Morgenlicht beleuchtet

das Ziel nach 8 Uhr im Morgenlicht beleuchtet

Vorweg sei gesagt, daß ich die Eisen umsonst hinaufgeschleppt habe, sie sind nicht notwendig. In den harten Schneefeldern wurde gut gespurt und eigentlich ist es von der Abzweigung am Weg zur BW-Hütte bis zum Eisengatterergrat fast rutschiger als oberhalb, dort wo man es erwarten würde.

die Bettelwurfhütte schläft über dem Halltal

die Bettelwurfhütte schläft hoch über dem Halltal

Die Südhänge bei uns zulande sind derzeit eine Wucht was die Temperatur anbelangt. So konnte ich mich ab dem Sonnenaufgang (derzeit ca. 10min nach der Katzenleiter bei Start um 8 Uhr am Hackl) bis zum Gipfel in nur einem langärmeligen Shirt bewegen, die 20min ab der Abzweigung bis zum Eisengatterergrat ausgenommen, wo der fehlende Bewuchs Thermik entstehen ließ und der sehr spitze Winkel der Sonne um Gelände keine ausreichende Erwärmung zustande brachte.

Anstieg vom Eisengatterergrat aus gesehen

Anstieg vom Eisengatterergrat aus gesehen

Ab dem Stöckedepot (ca. 2.300m) besteht innerhalb der Rinne durchwegs griffiger Schnee und an Kuppen und Abbrüchen Eisbildung, jedoch ungefährlich, wenn man etwas aufpaßt. Eisen wären eher hinderlich.

Passage innerhalb der Rinne

Passage innerhalb der Rinne

Kurz vor dem Gipfel gehe ich immer nur rechts weg, um unterhalb des trigonometrischen Punktes aufzusteigen. Diese Route war nicht gespurt, jetzt ist sie es, jedoch ist dort so wenig Schnee, daß es auf ein paar geschlagene Tritte nicht ankommt, man steht fast durchwegs am Fels.

150m unterhalb des Gipfels

~150m unterhalb des Gipfels

Am Gipfel kein Lüftl, Wolken auf der gesamten Rundumsicht nicht auszumachen und warm genug um im sommerlichen Windstopper wieder abzusteigen.

Das Gipfelbuch verrät, daß in den Weihnachtsferien doch einige Bergsteiger am Gipfel waren. Kein Wunder bei den guten Bedingungen für diesen Gipfel.

am Gipfel des Großen Bettelwurfes am 31. Dezember 2016

am Gipfel des Großen Bettelwurfes am 31. Dezember 2016

Sicht weit über 100km, von den fernen Lechtalern bis zum Glockner, die fehlende Gesamtfeuchtemenge in der kalten Luft macht’s möglich.

Glocknergruppe vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Glocknergruppe vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Allen wäre wahrscheinlich lieber, wenn die Schneelage eine Besteigung des Großen Bettelwurfes gar nicht zulassen würde, aber wir müssen uns damit abfinden, daß die Tourenschi noch länger im Keller warten müssen. Ein Traumtag wie der heutige entschädigt aber vollauf und man lasse die Bilder wirken!

Fallbachkartürme vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Fallbachkartürme vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Berg Heil und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017!

Rainer
31. Dezember 2016

 

 

Schitour Pleisenspitze, 2.569m

Brasilien hätte mir heute nicht mehr bieten können, als der Anstieg durch den Wald zur Pleisenhütte mir bot, bevor es ohne Regenwald zur Pleisenspitze weiterging.

Pleisenspitze, 2.569m Hier auch der Verfasser mit dem Gipfelkreuz abgelichtet, damit Rügen entfallen man sähe ihn nie auf seinen Touren

Pleisenspitze, 2.569m
Hier auch der Verfasser mit dem Gipfelkreuz abgelichtet, damit Rügen entfallen man sähe ihn nie auf seinen Touren

Diesen Klassiker der Karwendelschitouren bin ich heute sehr spät angegangen, um 10:45 verließ ich erst den leeren letzten Parkplatz vor dem Fahrverbot in die die Karwendeltäler.

Hoher Gleirsch in der Vormittagssonne mit Restbewölkung

Hoher Gleirsch in der Vormittagssonne mit Restbewölkung

Der Wetterbericht war zwar richtig, jedoch stellte sich der Abzug des Nebels und blauer Himmel im Inntal erst gegen 9 Uhr ein. So begann die Tour erstmals sehr spät am Vormittag, dafür ohne Nebel im Anstieg.
Wenig überraschend, wegen der Wetterlage und höchstwahrscheinlich auch wegen der Schneelage im unteren Teil des Weges zur Hütte, waren an diesem Tag nur eine wirkliche Handvoll Schitourengeher und eine fast so große Hand voll Schneeschuhgeher unterwegs zur Pleisenspitze.

ab ca. 1.250m genug Schnee für den rest der Tour

ab ca. 1.250m genug Schnee für den Rest der Tour

Bis man die Schi wirklich anziehen konnte mußte man heute Schi und Schuhe gute 40min lang tragen, erst nach dem Rutschhang nach der Bachquerung auf ca. 1.200m konnte man in den Tourenmodus wechseln. Und das auch nur weil es des Nächtens zuvor doch recht viel geschneit hat.

Pleisenhütte erreicht

Pleisenhütte erreicht

Zur Pleisenhütte war ich zwei Stunden unterwegs. Anschließend folgte im flacheren Teil in den Latschen eine Strecke mit mehreren Spuren und ich nahm möglicherweise nicht die beste Route, hielt mich aber immer in Richtung zum Graben, durch dem der Sommeraufstieg auch durchführt. In diesem Teil ist es auch eigentlich egal wie mir schien.

die Pleisenspitze noch im Restnebel

die Pleisenspitze noch im Restnebel

Im Graben, bei dem man den weiteren Aufstieg gut ahnen kann, nahm die Route zuerst einen vom Sommerweg wegführenden Verlauf nach links (westlich), jedoch wahrscheinlich nur um der Steilheit etwas zu begegnen. Im Vorderkar angekommen führte die Route wieder zurück zum Sommerweg, also sehr östlich und über die steile Partie hinauf bis zum oberen Ende der Latschen.

das Aufstiegsgelände im mittleren Teil der Latschen

das Aufstiegsgelände im mittleren Teil der Latschen

Dort beginnen „die Pleisen“, der lange Rücken, zuerst mit einem noch ca. 100Hm recht steilen Anstieg und dann etwas flacher, aber doch anstrengend genug, am westlichen Teil des langen breiten Rücken dahin.

Aufstiegsgelände zwischen den oberen Latschenbeständen

Aufstiegsgelände zwischen den oberen Latschenbeständen

Wenn die Sonne dieser Tage ungehindert strahlt, dann ist der Aufstieg dieser Tage Ende März schon auch ein schweißtreibender. Jedoch lohnt der sich, denn unvermittelt tauchen atemberaubende Blicke nach Ost und Süd auf.

am Pleisenrücken angelangt

am Pleisenrücken angelangt

Der breite Parallelrücken der Larchetkarspitze gibt nach und nach herzerfreuende Blicke frei und gleiches widerfährt dem Alpinisten mit der zweiten Karwendelkette, der Gleirsch – Halltalkette. Auf ca. 2.300m kann man die Kette bis fast zu ihrem geodätischen Höhepunkt, dem Großen Bettelwurf, einsehen. Wenn durch restliche Nebelschwanden nicht dort, dann spätestens am Gipfel.

Die Pleisenspitze mit dem abziehenden Restnebel, von hier eine dreiviertel Stunde

Die Pleisenspitze mit dem abziehenden Restnebel, von hier eine dreiviertel Stunde

Diesen erreicht man dann auch recht rasch, wenn man ihn vom flach werdenden Teil vor dem Gipfelaufbau aus erblickt. Ein letzter Aufschwung mit einer Kehre nach Westen und oben wieder nördlich weiter, schon ist er nur mehr 50Hm entfernt.

die Hänge des Gipfelaufbaues schifahrerisch fast jungfräulich

die Hänge des Gipfelaufbaues schifahrerisch fast jungfräulich

Der Gipfel war trügerisch verschneit. Trügerisch, weil die Schneeauflage doch gut 30cm stark war, darunter aber absolut aperer Fels anstand. Diese Situation habe ich falsch eingeschätzt und prompt war mir ein 5cm langer Kratzer bis zum Gewebe im rechten Schi beschieden. Die letzten 15Hm empfehle ich daher, zumindest für den Restwinter heuer, eher zu gehen, als zu fahren.

am Gipfel angelangt das zentrale Karwendel mit Riedelkarspitze, Breitgrießkar- und Seekarspitze

am Gipfel angelangt das zentrale Karwendel mit Riedelkarspitze, Breitgrießkar- und Seekarspitze

Der Ausblick von der Pleisenspitze ist immer grandios, heute, nach viel nächtlichem Niederschlag aber war er besonders klar und rein. Die Bilder in der Galerie zeigen dies schön deutlich.

die Gleirsch - Halltalkette nun bis zu den Bettelwürfen hin klar sichtbar

die Gleirsch – Halltalkette nun bis zu den Bettelwürfen hin klar sichtbar

Zusammengesellt mit Anita, mit der ich zuvor am Parkplatz ein paar Worte wechselte und die min in den Pleisen wieder einholte, bildeten wir ein Abfahrtsduo.

Anita rüstet sich zur Abfahrt

Anita rüstet sich zur Abfahrt

Mittlerweile, es war doch schon fast halb vier Uhr nachmittags, war der Schnee noch feuchter und pappiger als beim Aufstieg geworden. Zusammen mit der immer noch starken Sonneneinstrahlung eine recht schweißtreibende Angelegenheit.

das Abfahrtsgelände von der Pleisenspitze

das Abfahrtsgelände von der Pleisenspitze

Trotzdem genossen wir die freie Abfahrt über die fast unberührten Hänge bis zu den Latschen. In diesen wurde das Drehen der Schi nochmals eine zusätzliche Übung für die Oberschenkel.

der Spaß beginnt; leider mit einer Gewaltsschramme am Belag

der Spaß beginnt; leider mit einer Gewaltsschramme am Belag

Siggi’s Pleisenhütte kam nach diesem Ritt willkommen und ein Bier und eine Knödelsuppe mußten nachgetankt werden.

nach all den schönen Eindrücke von der Pleisenhütte aus noch ein weiterer

nach all den schönen Eindrücke von der Pleisenhütte aus noch ein weiterer

Da es doch schon dreiviertel fünf war, als ich die letzte Ansicht auf die in Frühabendsonne getauchte Pleisenspitze festhielt machte auch ich mich auf den Weg, denn die Tragestrecke vermutete ich durch das Tauen untertags noch viel weiter oben als am Vormittag.

der letzte Rückblick zur Pleisenspitze

der letzte Rückblick zur Pleisenspitze

Zu meiner Überraschung war die Abfahrt am Weg noch fast bis zur Brücke „Wasserlegraben“ auf ca. 1.180m möglich, mit ein paar kurzen Abschnitten von 20 bis 100m Tragestrecke. Dies setzte sich nach der Jagdhütte noch einige Hundert Meter so fort, bis rechter Hand die weiten Felder begannen.

Hoher Gleirsch in der Abendsonne ohe Restbewölkung; diesmal hat der Wetterbericht gepaßt...

Hoher Gleirsch in der Abendsonne ohne Restbewölkung; diesmal hat der Wetterbericht gepasst…

Dort war Schluß mit lustig, Schi und Schuhe mußten geschultert werden und mit Turnpatschen ging es gute 2,5km bis zum Auto, das ich um genau 18 Uhr erreichte. Man unterschätze die Strecke nicht, nach einem langen Tag im Karwendel.

Für die Tour habe ich 7 1/4 Stunden gebraucht und davon ca. 15min am Gipfel und gute 30min in der Pleisenhütte zugebracht.

Mils, 26.03.2015