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Schitour Alpeiner Scharte, 2.959m

Ohne Gipfel muß eine Bergtour auf ein sonstiges Ziel schon etwas Besonderes hergeben, damit man sie unternimmt – und genau das leistet die hochalpine Schitour zur Alpeiner Scharte zwischen dem Fußstein und dem Schrammacher in den Zillertaler Alpen. Sie ist nicht nur die mittig liegende, trennende Scharte im 29km langen Tuxer Hauptkamm, sondern auch ein wichtiger Übergang zwischen den südlichen Zillertaler und den nördlich gelegenen Tuxer Alpen und bietet eine phantastische Aussicht auf viele Dutzend beeindruckende Gipfel des Zillertaler Hauptkammes und gerade noch ein paar Gipfel in den Dolomiten.
Dieser Bericht möchte den Leser nicht nur auf eine großartige Tour, sondern auch auf ein wenig interessante und berührende Landesgeschichte entführen.

Autor im stürmenden Föhn auf der Alpeiner Scharte

Die Alpeiner Scharte wird vom Valsertal aus begangen. Sie zeichnet sich neben der atemberaubenden Kulisse im Talkessel unterhalb der umgebenden Dreitausender auch als eine Schitour mit einer langen nordseitig gelegenen Abfahrt aus, wodurch sie auch nach einer langen Schönwetterperiode noch wenig umgewandelte Schneeverhältnisse bietet, mit dementsprechendem Abfahrtserlebnis in Pulverschnee.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Steilhang, von etwa 2.850m bis zur Scharte, weist Geländeneigungen von durchaus 40° auf und kann bei abgewehten Bedingungen, etwa ab der Hälfte, komfortabel nur mehr ohne Schi begangen werden, da auch die Abfahrt in der verbleibenden Rinne zwischen den Felsbrocken auch kein sonderliches Vergnügen bietet. Dies war auch bei unserer Tour der Fall. Bis zum Schidepot (obere Stahlseilverankerung im Felsblock und Wegmarkierung sichtbar) sind Harscheisen immer die Basisausrüstung.

Start am Weg zu den Almen

Der Anstieg ist lang, von dem kleinen Parkplatz beim Gasthaus Touristenrast (nur sommers bewirtschaftet), beträgt die direkte Aufstiegslänge 7km (mit Serpentinen dürften es durchaus 9km werden). Allerdings steigen gut 3,5km der Strecke bis zur hinteren Altererau nur mäßig an.

Gelände Altereralm

Zunächst geht es recht flach vom Gh. Touristenrast dem Weg zur Geraerhütte entlang. Ein unspektakulärer Beginn und gut für als Aufwärmstrecke für den – im Jänner – vollkommen schattigen Anstieg.

an der Alm

Der Rechtsbogen, den das Tal beschreibt öffnet nach und nach den Blick auf die gewaltigen Felsmauern von Olperer, Fußstein und Schrammacher. Die Lage der Alpeiner Scharte kann bereits gut eingesehen werden. Bei der Altereralm wird der gesamte Talkessel sichtbar und auch die beeindruckenden Geschieberippen, die der Alpeiner Bach durch seine energiereichen Wasser ausgeformt hat. Dieses Gelände mit seinen weißen Kuppen und kleinen Tälern wird später zum abschließenden Abfahrtsspaß.

Aufstieg durch die Altererau

Allmählich wird das Gelände steiler, die erste Talstufe beginnt am Ende der Au. Durch lichten jungen Lärchenbewuchs steigt die Route nun an, wobei sie auf einer der Hangrippen eher am rechten Rand der Talstufe beginnt mit dem Alpeiner Bach knapp zur Rechten, in Aufstiegsrichtung gesehen.

Sonnenaufgang über dem Fußstein und Trinkpause

Zweimal im Anstieg quert die Route eine Rippe nach links (östlich), die beste Hangneigung verfolgend. Das Gelände erreicht im steilsten Abschnitt 35° Neigung und bis zur Kuppe oben werden viele Spitzkehren notwendig.
Mehr als eine dreiviertel Stunde benötigten wir für diesen Abschnitt, der sich aber auch, durch den lichten Bewuchs und der zunehmenden Höhe als optisch recht reizvoll einprägt.

das Gelände führt über die Steilstufe hinauf

Anschließend an die Talstufe (etwa auf 2.200m) verflacht das Gelände ein wenig bis signifikant, die genaue Route bleibt zunächst aber wenig erkennbar, da hohe Geländekuppen die Sicht verstellen.

bäriges Aufstiegsgelände

Bald auf einer Rippe und folgend durch Mulden geht es etwa bis etwa 2.500m im rechten Teil des Hochkars bergauf, nahe am einstigen Alpeiner Ferner, von dem rein gar nichts übrig geblieben ist.

Britta vor der Westflanke des Fußstein

Dieser Teil der Tour ist geprägt von einzigartigem Licht- und Schattenspiel, wenn die aufgehende vormittägliche Jännersonne die Südostflanke des Fußsteins beleuchtet und die eigene Position im Talkessel gegen diesen reizvollen Hintergrund magisches Schattentheater über eine Leinwand von nahezu tausend Höhenmetern Mächtigkeit in der klirrend kalten Bergwelt bietet.

am Ende der Steilstufe vor der gewaltigen Kulisse der Schrammacher Nordwände

Ab der Talstufe verstärkte sich der kalte Wind von der Scharte herab zusehends, und die kräftigsten Böen, die wir zu spüren bekamen, kamen knapp an die Qualität heran das Gleichgewicht bei den Spitzkehren zu beeinflussen. Ab 2.500m bis etwa zum Fuß des Steilhangs auf 2.800m hatte niemand Lust auf eine Pause und jedes Foto wurde zum Wettlauf mit halbwegs spürbaren Fingerkuppen nach einigen Minuten wieder im Handschuh.

über Mulden und Kuppen geht es dahin

Der Hang zur letzten kleinen Talstufe, etwa von 2.600m auf 2.750m ist geprägt von einem den Blick magisch anziehenden Stahlgerüst, das zunächst völlig verwundert, kennt man die Hintergründe nicht.

auf etwa 2.400m

Übergroß und in gewisser Weise bedrohlich von Gestalt thront das ehern Zeugnis von Ohnmacht und Unvernunft über dem langen steilen Hang am Felsansatz des Fußsteins Gipfelaufbaues links unterhalb der Alpeiner Scharte.

Ende der steileren Strecke

Seine Geschichte ist eine grundsätzlich unglückliche, wurde es doch einzig ins Leben gerufen, um Grundstoff für Vernichtung zu liefern. Sehr wahrscheinlich war es ihm deshalb verweigert diesem abwegigen Zwecke nicht mit einem einzigen Erzkorn aus Mutter Erdes Schoß zu dienen.

das Monstrum der Umlenkstütze vom ehemaligen Molybdänbergwerk in direkter Aufstiegslinie

Der bedeutende Tiroler Kartograf Peter Anich hat im 18. Jhdt. in seinem „Atlas Tyrolensis“ die Gegend vom „Alpeiner Ferner wo Christall zu finden“ beschrieben und bei seinen Vermessungsarbeiten auch den Fund des bleigrau glänzenden Molybdänsulfids (Molybdänitsulfid MoS2) unterhalb der Alpeiner Scharte, genauer, unterhalb des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes, erstmals erwähnt.

Peter Anich, Atlas Tyrolensis

Das Metall Molybdän wird als Legierungsbestandteil von Stählen verwendet, es verbessert ihre Eigenschaften in Härtbarkeit und Warmfestigkeit und zwar – das ist entscheidend für die Beurteilung der Lagerstättenwirtschaftlichkeit – in bereits sehr geringem Verhältnis von 0,4 bis etwa 2% Massenanteil. Diese Eigenschaften spielen in der technischen Anwendung unter anderem bei Kriegswaffen eine entscheidende Rolle.

der steilere Hang im Rückblick

Im Zweiten Weltkrieg war das Deutsche Reich weitgehend abgeschlossen von diesem Metall, aber seine Rüstungsindustrie sehr darauf angewiesen. Nicht zuletzt die Wendungen der Kriegserfolge Anfang der 1940er Jahre verstärkten die Suche nach dem Metall.

Flex schon bald auf der Karfläche angelangt

Da das Vorkommen am Fuße des Alpeiner Ferners bekannt war gab die Wehrmacht in Berlin eine Untersuchung über die Ertragsmöglichkeit der Lagerstätte in Auftrag, die der bekannte Tiroler Geologe Oskar Schmidegg 1939 ausführte (sein Gutachten liegt in der Geologischen Bundesanstalt, Wien auf). Die im Gutachten errechnete Menge an Erz die hereingewonnen werden könnte wurde allerdings als viel zu groß ausgewiesen, wie sich durch geologische Untersuchungen Jahrzehnte später herausstellte (Anm. d. Verf.: die Angaben in der Literatur,  siehe die Links unten, schwanken von Hunderten bis Zehntausenden Tonnen derart beträchtlich, darum werden hier keine Zahlen angegeben).

ebener Karboden beim ehemaligen Molybdänbergwerk – rechts von Martin die Fundamente des Barackenlagers

Die Erschließung der Lagerstätte wurde unter dem Aspekt der Rohstoffverknappung schlußendlich für würdig befunden und 1941 mit dem Vortrieb, sowie mit dem Bau von technischen Einrichtungen, v. a. die Seilbahn für die Talförderung begonnen.

stummer Zeitzeuge vor toller Alpinkulisse

Die Arbeiten wurden vor allem von osteuropäischen und russischen Zwangsarbeitern ausgeführt, aber auch von gegnerischen Kriegsgefangenen. Als Stützpunkt für die Unterkunft diente die Geraerhütte, mit dem täglichen Anmarsch über mehr als 400Hm. Die wahnwitzige Ironie für den Bergsteiger besteht in der Durchführung der Vortriebsarbeiten auch im Winter! Die Strapazen und Leiden der Arbeiter kann man sich neben der ohnehin unwürdigen Behandlung wahrscheinlich gar nicht schlimm genug vorstellen.

am unteren Teil des Steilhanges zur Alpeiner Scharte

In der Folge war der zu erwartende Erfolg der Gewinnung immer wieder fraglich und es gab nie einen ersten Seilbahnkübel mit Erz, der zu der heute nicht mehr besichtigbaren Aufbereitungsanlage nahe dem Gasthaus Touristenrast zu Tale gefördert worden wäre.

Harscheisen waren ab hier empfehlenswert

Selbst nach einem verehrenden Lawinenunglück im November 1944, bei dem die mittlerweile errichteten Arbeiterwohnbaracken nahe der Stollen durch eine Staublawine völlig zerstört und Dutzende Arbeiter (Anm. d. Verf.: auch hier gehen die Angaben in der Literatur auseinander, daher keine Zahlenangabe) getötet oder verletzt wurden, gab man die Arbeiten nicht auf und führte sie bis in den Mai 1945 fort, bis Innsbruck durch die Alliierten besetzt wurde und den erfolglosen Bemühungen, vor allem aber dem leidvollen Missbrauch der Zwangsarbeiter an der Alpeiner Scharte ein Ende gesetzt wurde.

Blick aus dem Steilhang in die Stubaier

Wer bei derart unwirtlichem Wind – wie er bei unserer Begehung herrschte – die verbliebenen baulichen Zeugnisse der damaligen Anlagen durchschreitet, kann sich den Irrwitz des Winterbetriebes einigermaßen vorstellen.
Man nehme sich die Zeit und besuche die u. a. Links mit teilweise sehr interessanten und auch bedrückenden Recherchenergebnissen über die Errichtung eines Bergwerkes in unzähmbarer alpiner Gegend. Der Autor hat versucht die Links nach seinem subjektiv empfundenen Informationsgehalt zu reihen, beginnend mit dem gehaltvollsten.

Christian hat das Schidepot ohne Harscheisen bezwungen

Auf dem etwa 2.750m hoch liegenden Karboden unterhalb des Steilhanges zur Scharte und leicht rechts (westlich) des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes finden sich, rechts des Aufstiegs, Reste der Fundamente der Wohnbaracken. Dieser Platz eignet sich gut für eine letzte Pause vor dem Steilhang, ggf. auch zum frühen Montieren der Harscheisen. Linkerhand die Umlenkstütze der Bergstation mit den Stollenmundlöchern zum Bergwerk oberhalb.

am Schidepot – unten die Fundamente des ehem. Barackenlagers zu sehen, eine denkbar ungünstige Lage

Zwischen der Westflanke des Alpeiner Schartenkopfes und dem mittigen Moränenhügel führt die Aufstiegsroute an den Steilhang heran, der mit ein paar Spitzkehren bis in die steilste Neigung begangen wird. Die meisten verwendeten dafür die bequemen Harscheisen, Flex und Christian bewiesen sich ohne diese Hilfe auszukommen.

den Sommerweg durch die Felsblöcke zur Scharte

Beim oberen Fixpunkt einer Seilsicherung, von der nur der letzte Meter auf den Verankerungsfels aus der hartgepressten Schneedecke herausstand, machten wir dann mangels Schneeauflage Schidepot und schritten / stapften die letzten etwa 50Hm zur Scharte. Einzig Bergziege Hilli, der es sich nicht nehmen ließ, die etwa 5m breite Schneeschneise mit vielen Spitzkehren bis fast zur Scharte mit Schi aufzusteigen.

oben wird der Hang zur Scharte flacher, Hilli kämpft in der schmalen Rinne

Nach genau vier und ein Viertel Stunden Aufstieg tauchten wir auf der windigen Alpeiner Scharte erstmals an diesem Tag in wärmendes Sonnenlicht ein. Dies allerdings für gerade einmal zehn Minuten, da die Sonne um den Jahreswechsel hinter den westseitigen Grattürmen zum Schrammacher hinauf bereits verschwindet und man zunehmend auf den Gegenhang zum Alpeiner Schartenkopf aufsteigen müßte, wollte man sie länger nutzen.

letzte Meter zur Alpeiner Scharte

Der Ausblick auf die Gipfel des Zillertaler Hauptkamms ist von der Alpeiner Scharte aus phänomenal und deshalb haben wir eine Ansicht mit den bedeutendsten Gipfelnamen in der Bildergalerie erstellt.

Alpeiner Scharte 2.959m

Zweifellos die beeindruckendsten Gipfel im Südosten gegenüber sind – der höchste Zillertaler Gipfel – der 9,4km entfernte Hochfeiler (3.510m), der etwas weiter südöstlich gelegene Große Möseler (3.479m) in 11,2km Entfernung, mit den leicht links aufragenden Pyramiden von Turnerkamp (3.420m) und Großer Greiner (3.201m), sowie der Schwarzenstein (3.369m) mit seinem flachen, weiten Gletscher.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Weiter im Osten der Große Löffler (3.378m) und als Highlight der Großvenediger (3.666m) in 54km Entfernung. Den Abschluß an Dreitausender bildet die Reichenspitze (3.303m) in 37km ostnordöstlicher Entfernung.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Talblick beinhaltet ein kleines Stück Schlegeisspeicher unterhalb des unberührten Schrammacherkars im schönen Zamsergrund.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Leider war unser Aufenthalt auf der unwirtlich böig-windigen und zunehmend schattigen Scharte nur von kurzer Dauer und wir verließen sie kaum eine Viertelstunde nach unserer Ankunft wieder.

Tiefblick nach Süden ins Schrammacherkar

Die Abfahrt über den Steilhang erwies sich unerwartet besser als vermutet. Schwünge über die Windgangln waren komfortabel möglich und man brach nicht ein.

Rückweg zum Schidepot

Weiter unten, etwa auf Höhe des ehemaligen Bergwerks, ging die hartgepresste Schneedecke zusehends in weichere Partien über und die gewaltigen Hänge unterhalb des ehemaligen Alpeiner Ferners ließen sich einigermaßen bequem fahren.

Abfahrt unter dem ehemaligen Alpeiner Ferner

Die flacheren Hänge vor der Talstufe in die Altererau boten dann allmählich den Übergang zum wahren Pulververgnügen, der Schnee wurde immer weicher.

Abfahrt unterhalb gewaltiger Wände des ehemaligen Alpeiner Ferners

Ab der Kante zur Steilstufe fanden wir dann wirklich bärige Rinnen mit Pulverbedingungen vor, die Spuren zeugen vom Vergnügen.

Flex im Steilhang

Selbst der Flachteil in der Altererau bot mit seinen strauchbesetzten Rinnen und Mulden eine tolle Abfahrtskulisse und am Weg nach der Alm konnten wir in der Jännersonne noch ein schönes Abschlussfoto schießen.

ab hier Pulververgnügen

Die ca. 9km Aufstiegslänge ziehen sich über 1.614Hm wofür wir 4:15 Stunden benötigten. Gesamt waren wir 5:30 Stunden unterwegs.

die Aufstiegsspur im Steilhang

Die Schitour könnte man sogar mit der Bahn von Innsbruck oder Brenner und mit der Buslinie 4144 unternehmen.

Truppe nach getaner Arbeit vor Olperer und Fußstein

Morgens und nachmittags gibt es auch am Wochenende fast jede Stunde einen Bus von/nach St. Jodok (Bahn: 6:49 Ibk – 7:15 St. Jodok, Bus 4144: 7:40 – 7:56 Vals + 1,6km Gehstrecke bis Gh. Touristenrast; 15:26 oder 16:56 zurück; Stand: Jänner 2020)

Mils, 02.01.2020

Links zur Geschichte und Technik des Molybdänbergwerks Alpeiner Scharte:
http://www.retrofutur.org/retrofutur/app/main

https://www.zeit.de/2010/29/A-Bergwerk (hierzu muß eine Registrierung mit Passwort beantragt werden – der Bericht lohnt die kleine Mühe)

https://www.bergsteigerdoerfer.org/202-0-St-Jodok-Schmirn-Vals-Alpingeschichte.html (generell sehr interessante Broschüre zum Download – „Molybdänbergbau im Valsertal“ Seiten 74 – 81)

https://wipptalblog.tirol/de/das-molybdaen-bergwerk-im-valsertal/

http://www.sagen.at/doku/bergbau/Bergwerk_Alpeiner_Scharte.html

https://tirv1.orf.at/stories/456498

Fundstücken von Molybdänverbindungen im Bereich der Alpeiner Scharte:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=2931,2568,1

Schitour Hohe Warte Wintergipfel, 2.470m

Während der Gipfel der Hohen Warte im Schmirntal ein selektives Ziel darstellt, ist Ihre Namensschwester im Navis ein eher einfaches, aber ebenso ein reizvolles Ziel als Schitour auf ihren Wintergipfel. Sie liegt im Schafseitenkamm1 zwischen dem Schmirn- und Navistal.

Autor am Wintergipfel der Hohen Warte – dem „Steinmandl“

Man begeht von Navis über das Lange Tal den vielfach genannten, südwestlich gelegenen „Wintergipfel“ genauso wie den geografischen Gipfel der Hohe Warte, 2.398m (nordöstlich ab der leichten Einschartung am Kamm). Der Wintergipfel wird Silbersattel genannt und das den Silbersattel südwestlich abschließende Spitzl ist mit 2.455m (gemessen mit einer Druckmessuhr) höher als die eigentliche Hohe Warte, erscheint – zumindest bei den momentanen Schneeverhältnissen –  lohnender und bietet die bessere Übersicht über den gesamten Kamm in beide seiner Erstreckungen.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kirchenwirt in Navis (Gemeindeparkplatz, 2019 keine Gebühren) ab dem man gleich hinter der Kirche ins Lange Tal aufsteigen kann. Alternativ kann neben dem Weirichbach aufgestiegen werden und der dortige, kleinere Parkplatz in Anspruch genommen werden. Die Parkplätze liegen etwa 100m auseinander.

Almweg durch das Lange Tal

Zunächst geht es bei jeder Variante bergauf durch den Wald und nach etwa 20min Aufstieg treffen beide Varianten im Langen Tal aufeinander und die erste Variante benötigt durch die 600m längere Strecke etwa 8min mehr Zeit.

Bildmitte: Blasigleralm; rechts davon zur Scheibenspitze, links zur Hohen Warte

Ab der Vereinigung der Wege führt die Tour in das schöne Lange Tal hinein und passiert dabei Almen und Jagdhütten bis zur Blasigleralm, bei der rechts ins Tal auf den Hochleger und weiter auf die Scheibenspitze aufgestiegen werden kann.

Aufstieg zur Blasigleralm

Bei der Blasigleralm scheidet sich die Route zur Hohen Warte direkt an der Alm – links (östlich) führt die Tour zur Hohen Warte und zur Naviser Kreuzspitze weiter taleinwärts.

am Weg zur Stoffenalm

Oberhalb der Alm, mit ein zwei Spitzkehren den Höhenunterschied überwunden, mündet der Anstieg in den Weg zur Stoffen- und Möslalm ein und führt hoch über dem Weirichbach weiter in den weiten hinteren Talkessel.

unterhalb der Stoffenalm

Der offene Talkessel wird in wenigen Minuten über den Weg erreicht und ebenso bald darauf befindet man sich – zwischen beiden Almen – bei der Abzweigung einerseits weiter talein zur Möslalm und zur Naviser Kreuzspitze, andererseits, in Falllinie direkt weiter angestiegen, zur Hohen Warte.

Naviser Kreuzjöchl gegenüber im Osten

Die Abzweigung befindet sich bei einer auffällig ausgeformten Rinne unweit östlich der Stoffenalm, die durchstiegen wird, wobei man sich dort schon auf Höhe der Hohen Warte (geografischer Gipfel), bzw. im Kar unterhalb befindet.

über die schönen Schihänge oberhalb der Stoffenalm geht es bergan

Die Route dreht im direkten Aufstieg anschließend mehr und mehr nach rechts (westlich), steigt über leichte Geländeausformungen stetig bergauf bevor sie sich ein weiteres Mal zur direkten Falllinie wendet (südlich) und, nach einer hohen Kuppe, abermals rechts (westlich) sich wendet.

Rückblick über den Anstieg oberhalb der Stoffenalm

Nach Überschreitung der Kuppe wird im Flachteil bald ein Hüttchen sichtbar, das links liegen gelassen und die folgende Kuppe überschritten wird.

herrliches Schigelände

Mit einigen Metern Höhenverlust dreht die Route dann zum letzten hohen Aufstiegshang, der Hang zum Gratrücken, von etwa 2.150m bis auf 2.350m. Die 200Hm werden mit ein paar Serpentinen begangen.

letzte flache Passage vor dem Gipfelhang

Am Gratrücken oben muß entschieden werden, ob links (östlich) der relativ unspektakuläre geografische Gipfel der Hohen Warte bestiegen werden soll, oder rechts (westlich) der sogenannte Wintergipfel (für den keine offizielle Bezeichnung im Kartenwerk zu finden ist und der im TIRIS mit „Silbersattel 2.420m“ benannt wird) begangen wird.

Anstieg Gipfelhang zum Sattel

Klassischerweise wäre der Sattel nicht der Hochpunkt sondern die Vertiefung des Kammes darunter, die nach dem langen Nordhang im Aufstieg erreicht wird.

ein prachtvoller Tag mit bereits viel Sonne auf den Naviser Südhängen

Der Bergsteiger weiß solche – meist historischen und auch durch die Überführung der Dialektsprache bedingten – Ungenauigkeiten zu deuten. Beispielsweise hat sich bei der Recherche zu diesem Bericht ergeben, daß sowohl die Hohe Warte vor knapp 150 Jahren in der Bevölkerung eine völlig andere Bezeichnung als heute gehabt haben muß.

am Kamm mit Gehrichtung Ost zum Wintergipfel

Der verdiente altösterreichische k. u. k. Militäroffizier Carl Albrecht Sonklar, Edler von Innstädten, unter anderem Geograph und Landvermesser, hat bei seinen noch heute interessant zu lesenden Arbeiten in den Zillertaler Alpen nicht nur dem Schafseitenkamm eine exakte Benennung gegeben, sondern diesen auch ab dem Naviser Kreuzjöchl vermessen und die Gipfelerhebungen – dem imperialistischen Diktat folgend, das Urmeter war schon längst Realität – in der einst üblichen Maßeinheit W.F. (=Wiener Fuß = 12 Wiener Zoll = 0,316081 m) dokumentiert.

das Spitzl südwestlich des Silbersattels (Wintergipfel der Hohen Warte)

Dabei war er natürlich vor allem bei den weniger bekannten Erhebungen auf die Flurbezeichnungen der örtlichen Bevölkerung angewiesen, denn ein allgemein gültiges Standardwerk über alle Gipfelnamen hat es nicht gegeben.

Rückblick vom Weg zum Spitzl

Beim Studium seiner Publikation1 fallen die „SW“ (südwestlich) des Naviser Kreuzjöchls gelegenen Gipfel auf. Die „Mösellehne“ mit 7591,8 W.F. (=2.389 m) entspricht geodätisch exakt der heutigen Hohen Warte, wenn die Genauigkeit der Messinstrumente (anno 1872) und der Berechnungen der Winkel mit ins Kalkül genommen werden.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Auf diese Weise erhalten wir auch flugs einen Namen für unsere Frage der Bezeichnung des „Wintergipfels“ der Hohen Warte.

Vermessung Schafseitenkamm durch Sonklar – darunter Ermittlung der damaligen Messgenauigkeit

Das kleine Spitzl südwestlich des Plateaus des Wintergipfels bzw. des im Tiris benannten Silbersattels zeigte bei unserer Begehung auf der Uhr eine Höhe von 2.455m (Durchschnitt zweier verschiedener Uhren). In Sonklars Tabelle über die vermessenen Höhen im Schafseitenkamm finden wir weiters die Bezeichnung „Steinmandl“ mit 7770,0  W.F., welche wiederum umgerechnet genau 2.456m entsprechen und unser Spitzl somit einmal diesen Namen getragen haben muß.

die Radlfahrertruppe am Wintergipfel der Hohen Warte

Rechnet man stichprobenartig die wichtigsten acht anderen Erhebungen im Kamm rück und setzt sie ins Verhältnis mit den Höhenangaben im TIRIS oder der AV Karte, so erhält man eine erstaunliche Genauigkeit von 0,17% oder nur 4m Abweichung im Durchschnitt der acht und erkennt somit die bemerkenswerte Arbeit vor langer Zeit.
Der Name des Wintergipfels der Hohen Warte (aber nicht des Plateaus „Silbersattel“ sondern des Spitzls südwestlich davon) war damals also „Steinmandl“ und die Bezeichnung „Mösellehne“ für die Hohe Warte hängt offensichtlich mit der Möslalm als Namensträgerin zusammen.

Olperer, Fussstein, darunter das Wildlahnertal und der Spitz ist die Schmirner Hohe Warte (Hogerspitze)

Am Silbersattel also hielten wir unsere Gipfelpause ab. Der Ausblick von ihr ist weitreichend, besonders im Süden öffnet sich ein gewaltig Bild der Zillertaler Gletscherwelt.

Bildmitte: Scheibenspitze, rechts die Schafseitenspitze

Einen tollen Tiefblick auf Obern und den Kaserer Winkel im Schmirntal bietet sich ins Tal hinab. Am Ende des Kaserer Winkels steilt ein kühnes Kar auf die Nordflanke des Kleinen Kaserer auf, das eine sehr interessante, schwere Schitour auf den Nordwestgrat und den Gipfel bietet.

toller Tiefblick nach Obern und in den Kaserer Winkel

Die beherrschenden und höchsten Erhebungen in den Tuxern, der Lizumer Reckner (2.886m) und der Geier (2.857m) finden sich im Osten der Hohen Warte zum Greifen nahe und doch sind sie gut 5,5km entfernt.

leicht rechts der Bildmitte im Kamm der Hohe Warte Gipfel, dahinter Naviser Reckner, Lizumer Reckner und Geier

Dank dem sonnenabgewandten Nordhang versprach die Abfahrt zum großen Teil in immer noch lockerem Pulverschnee zu erfolgen und dies traf auch zu.

Abfahrt über schon harte Flächen am Nordhang

Der Kammbereich präsentierte sich – wie gewöhnlich nach einer langen Schönwetterperiode – mit bereits stark umgewandelter Schneedecke, zum Glück nicht mit Bruchharsch, aber bereits ab der Hälfte verbesserte sich die Schneedecke rasch und bescherte uns bis unter die Stoffenalm ein paar tolle Schwünge.

bereits weichere Schneeverhältnisse unterhalb des Kamms

Unterhalb der Stoffenalm kann man eine raue (die wirklich blöde neue Rechtschreibung erfordert leider die Kastration des Adjektivs „rauh“) Variante über den Bachgraben bis unter die Blasigleralm abfahren, die allerdings über einen steilen Hang und durch den engen Graben mit jeder Menge Gestrüpp führt.

bärige Kulisse

Herwig hat sich diese Variante angetan, der Rest der Gruppe entschied sich mit ein paar Meter Aufstieg zum Almweg zurückzusteigen und die Normalvariante zu fahren.

Andrea, Rico, Chrissi und atemlos die Spur herab der Charly

Über den Almweg fuhren wir durch das Lange Tal hinaus und nahmen nicht die Abzweigung weiter neben dem Weirichbach, sondern den Weg weiter über eine kurze Schiebestrecke.

ein weiterer Pulverhang – diesmal mit dem Autor und dem Oliver im Hintergrund

Diese Variante hat den Vorteil, daß sie direkt zum Parkplatz bei der Pfarrkirche führt, zum Endpunkt unserer Tour. Momentan ist der Weg nach der Schiebestrecke akzeptabel zu befahren, einige kurze Strecken sind durch die Schneeräumung leider schon aper, man kann ihnen derzeit jedoch noch gut ausstellen.

Rückblick auf das schöne Lange Tal mit dem Schafseitenkamm in der Nachmittagssonne

Das Highlight und eine unbedingte Empfehlung nach der Tour ist die Einkehr beim Kirchenwirt, direkt am Parkplatz. Sein Angebot ist nicht besonders groß, aber oho! Er besticht mit originellen Suppen und das – oder besser – „die“ Schnitzel lassen keinen Hunger offen. Und dies auch noch zu wirklich kundenfreundlichen Preisen.

Der Zeitbedarf für die schöne Schitour auf den Wintergipfel der Hohen Warte betrug 4:32 Stunden incl. aller Pausen. 1.115Hm sind zu bewältigen, die Hangneigung bleibt unter 35°.

Mils, 06.01.2020

1 Sonklar, 1872: Die Zillerthaler Alpen
Anm. d. Verf.: die von Sonklar gewählte Bezeichnung für den Gebirgskamm ist eine topografisch bestimmtere als jene in der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE1984) genannte Bezeichnung „Südgrate“

 

Schitour Hohe Warte (Hogerspitze), 2.687m – von Toldern

Hogerspitze wird die Hohe Warte in der einheimischen Bezeichnung genannt und die Schitour von Toldern ist – mit dem krönenden Abschluß der Gratbegehung – eine wahrlich phantastische, weil sie durch den nördlich ausgerichteten Aufstieg zumeist auch nach einer längeren Schönwetterperiode eine Abfahrt in großteils weichem Schnee bietet, abgesehen von der Gratstrecke und dem obersten kammnahen Hangteil.

Herwig auf der Hohen Warte

Im unmittelbaren Bereich der Hogerspitze gibt es zwei weitere Hohe Warten, und zwar eine für Schitouren unbegehbare, die Hohe Warte (2.943m) am Kamm zur Sagwandspitze im Valsertal und fast 180° gewendet die Hohe Warte (2.398m) im Navistal, eine beliebte, leichte Schitour von Navis aus.

Autor vor toller Kulisse

Der generell durchgehend steile Aufstieg stellt allerdings bei entsprechender LWS eine Gefahr dar, die nicht unterschätzt werden darf. Im Wald, auf der Steilstufe nach der Waldgrenze und im oberen kammnahen Hangteil werden Passagen von gut über 35° Hangneigung durchschritten, die beachtet werden müssen.

Parkplatz Toldern, 1.535m

Am Grat selber bestehen einige Passagen mit noch größerer Hangneigung, wenn diese auch zumeist vom Schidepot aus zu Fuß begangen werden. Bei Verhältnissen, die erwarten lassen, daß die Schneedecke in dieser Höhe sehr weit durchgefroren ist empfehlen sich Steigeisen für die letzten, von der Steilheit her, nicht zu unterschätzenden 230Hm zum Gipfel.
Die Gefahr durch Wechten ist an einigen Gratstücken nicht zu vernachlässigen und ihr gedankenlos zu folgen, auch wenn eine vorhandene Spur den Aufstieg  vorgeben mag.

Blick ins Wildlahnertal

All diese würzigen alpinen Zutaten krönen diese leicht mittellange Schitour zu einem Hochgenuss, wie auf den folgenden Bildern unserer Begehung erkannt werden kann.
Es mag auch möglich sein fast, oder ganz bis zum Gipfel mit Schi aufzusteigen und über die Südostflanke wieder zum Gratsattel abzufahren, bei den momentanen Verhältnissen (Gleitschneegefahr auf steilen Wiesenhängen) ist jedoch davon unzweifelhaft abzuraten. Der Gratkamm ist in jedem Fall sicherer.

Abzweigung zur Hohen Warte

Gegen 7:45 waren wir diesen tags die ersten am Parkplatz am Ende von Toldern Richtung Wildlahnertal auf 1.530m und das sollte glücklicherweise auch bis zum Gipfelkreuz so bleiben.

Aufstieg teils im Wald, teils auf Freiflächen

Die Tour folgt zunächst gut zwanzig Minuten bis auf 1.700m dem Almweg zur Geraerhütte, taleinwärts in Wildlahnertal. Eine minimale Abkürzung durch den Wald, vor den beiden Serpentinen des Wegs, kann genutzt werden.

Rückblick Aufstieg

Beim Wegweiser in der Linkskurve zieht die Route in den Wald hinein und wird gleich steiler.
Über schöne Waldpassagen gemischt mit ein paar durch Staudenwerk bewachsenen Freiflächen geht es teilweise steil hinan.

Aufstieg auf einer Freifläche

Unerwartet führt die Route nach einer knappen Stunde ab dem Parkplatz (etwa 1.850m) in eine flache Passage mit kurzem Steigrichtungswechsel von Südwest nach Nordwest, um gleich darauf wieder zur ursprünglichen Steigrichtung zurückzukehren – inmitten von alten Lärchen ein idealer Platz für eine Trinkpause.

Flachpassage

Bald nach dieser Passage ist der Waldrand zu einer großen freien Mulde erreicht. Rechterhand ziehen sehr steile Hänge auf den Rauhen Kopf (2.150m) und den Hohen Napf (2.247m) beliebte leichte Schitourenziele von Schmirn aus, hinauf.

Ende des Waldaufstiegs

Die folgende Freifläche wird mittig durchschritten, an einem großen Felsblock vorbei, und die links sichtbar werdende Rippe angesteuert.

freie Fläche unterhalb Hoher Napf

Der Aufstieg auf der Rippe ist lawinentechnisch ideal, die steilen Hänge zu vorgenannten Erhebungen werden dadurch sicher umgangen. In einigen Spitzkehren wird der breitere Rücken auf der Ripper erobert, der zur vollständigen Baumgrenze hinaufführt (etwa 2.150m) – auch die jungen Lärchen verschwinden vom Gelände mit der Höhe zusehends.

Spitzkehren auf der Rippe

Gegenüber im Wildlahnertal grüßen Riepenkopf, Schönlahnerspitze, die turmartig gebauten Schöberspitzen mit ihrer interessanten Geologie des Tauernfensters und der Kleine Kaserer, eine schwere, unvergesslich schöne Schitour vom Kaserer Winkel aus.

Riepenkopf, Schönlahnerspitze und Schöberspitzen

Die Rippe gleitet am Ende in eine Mulde aus und linkerhand zieht eine nächste leichte Rippe heran, die erstiegen wird. Am Ende dieser leitet das Gelände zur Ostflanke der Hohen Warte herab über und wird flacher – ebenfalls ein  idealer Platz für eine Trinkpause (etwa 2.200m). Dort ist der tiefste Punkt im Grat, der nächste Festpunkt der Schitour, erstmals erkennbar.

Rückblick auf die erste Rippe

In der Flanke wird über einige Serpentinen immer steiler werdend angestiegen und gleichzeitig nach rechts oben (südöstlich) gequert. Voraus besticht das beindruckende Panorama des Tuxer Hauptkamms, sozusagen die westlichen Zillertaler Alpen, nicht zu verwechseln mit den Tuxer Alpen, die im Norden angrenzen.

zweite Rippe

Gut 20min dauerte unser Aufstieg in der Flanke bis zur Gratscharte. Wie überall in diesen Tagen befand sich die Schneedecke im kammnahen Bereich in fest gepresstem Zustand, teilweise durch die Umwandlung sehr hart, sodaß an manch abgefahrener Spurstelle dir Kanten fest gesetzt werden mußten, um nicht zurück zu rutschen. Harscheisen waren jedoch nicht nötig, obwohl es sich im heurigen Winter bis jetzt empfiehlt sie mit dabei zu haben.

Beginn des oberen Teils des Aufstiegs

Die etwas abgeblasene breite Gratscharte wird an einer Engstelle durch felsigen Untergrund betreten. Steinkontakt gab es keinen, aber die Durchschlupfstelle ist schmal. Kurz vor der Grathöhe kann das Gipfelkreuz der Hohen Warte noch von der Ostseite erstmals eingesehen werden.

Herwig in der Ostflanke

Der Grat wird auf einer Höhe von etwa 2.450m betreten, der restliche Aufstieg beträgt 237Hm.
Wahrscheinlich nicht nur bei unserer Begehung sondern generell, wird man nach einer längeren Schönwetterphase auf der nun südwestseitig zu begehenden Flanke grundlegend andere Schneeverhältnisse vorfinden.

steilste Partie im Oberen Teil zur Scharte

Wir hatten es – auch aufgrund der tageszeitlichen und Bewölkungssituation mit einem oberflächlich sehr unangenehm rutschigen, vereisten Schmelzdeckel zu tun, der für die kurze Strecke bis zum logischen Schidepot vor dem ersten aufsteilenden Gratzacken fast Harscheisen erzwungen hätte, um sich nicht zu sehr plagen zu müssen.

Blick vom Kamm zum Olperer

Man sollte den Zeitbedarf von einer dreiviertel Stunde für die Strecke am Grat nicht unterschätzen. Der Gipfel sieht nahe aus, aber immerhin sind vom Schidepot bis zum Gipfel mehr als 200Hm zu bewältigen und am selbigen weilt man ja auch ein paar Minuten für Fotos, Trinkpause u. dgl.

Autor in der Scharte

Der erste Buckel war rasch überschritten. Tritte teilweise stufenartig angenehm zu begehen, teilweise bis zur Wiese durchgetreten und entsprechend rutschig am vereisten Untergrund am Vormittag. Auf ein paar kurzen Anstiegsteilen haben wir deshalb hangseitig eine zweite Stapfstrecke eröffnet und uns somit angenehmeres Steigen ermöglicht.

Grat zur Hohen Warte im Überblick

Alles in Allem bedeutete jedoch die gesamte Gratbegehung keine Schwierigkeit. Steigeisen wären nicht nötig gewesen, aber viel härter hätte es auch nicht sein dürfen, um in zweifelhafte Situationen zu kommen.

erste steile Graterhebung nach dem Schidepot

Wie bereits erwähnt gibt es auf der Gratstrecke einige kurze Passagen bei denen nicht mit Sicherheit eingesehen werden kann, ob man sich noch auf der Luvseite der Wechte, bzw. noch auf der Felsseite des Grates befindet und der Spur ist hier nicht bedingungslos Vertrauen zu schenken, da man ja nicht weiß wie gut die Geländekenntnis des Spurenden war.

Grat zur Hohen Warte

Betrachtet man die Felswand der Ostflanke beim Aufstieg so können kaum Stellen mit übergroßen Wechten erkannt werden, jedoch ist das keine zuverlässige Methode sich ein Bild zu verschaffen, Umsicht und Abstand sind sicherer. Wie erwähnt beschränkt sich die Gefahr aber nur auf wenige Meter des gesamten Grates, diese aber sind unter Umständen die entscheidenden.

letzter Teil Grat und Gipfelaufbau der Hohen Warte

Einige Meter unterhalb des Gipfels fanden wir vereiste Wiesenflecke vor, deren Umgehung wir am steilen Gipfelhang einige Meter weiter westlich wählten.
Gerade rechtzeitig vor einer westlich heranziehenden Schlechtwetterfront erreichten wir den kühnen Gipfel der Hohen Warte.

letzte Meter mit vereisten Stellen

Für den anstrengenden Aufstieg ab dem Schidepot wird man auf der Hohen Warte mit einem tollen Rundumblick belohnt. Alles dominierend fast genau im Osten der Olperer (man möchte es nicht glauben, Peilung 102°!), links davon Kleiner, Großer und Falscher Kaserer und genau dort wo man Süden nicht vermuten möchte befindet sich der Kraxentrager.

Autor auf der Hohen Warte, 2.687m

Im Westen die Stubaier Alpen mit dem Habicht (genau auf 270°) und links davon die Kühne Spitze des Pflerscher Tribulauns und weiter links genau vor der Hohen Warte der Verlauf des Valser Kammes mit der über die Jeneweinrinne phantastisch zu begehenden Gammerspitze.

Eintrübung aus Richtung Westen

Im Norden die noch unbedingt zu begehende Schafseitenspitze, sowie rechts davon die Scheibenspitze, eine kleine schöne Tour von Navis, ziemlich genau im Norden der Große Bettelwurf und im Nordosten die höchsten Gipfel in den angrenzenden Tuxer Alpen, der Lizumer Reckner und der Geier.

Innerschmirn mit tollen Tourenzielen, auch von Navis

Nach Genuss des Ausblicks räumten wir das Gipfelplateau, um am Schidepot eine Rast einzulegen. Die Sonne versprach sich zusehends hinter Wolken zu verstecken und der angekündigten Niederschlagsfront zu weichen, was unsere Entscheidung zum Rückzug erleichterte.

Gipfelhang Hohe Warte von oben

Am Abstieg begegneten wir etwa zehn weiteren Tourengehern und während der Abfahrt nochmals fünfen, was einer nicht hohen Dichte für diese schöne Tour entspricht, was aber auch der Selektivität der Tour entspricht.

oberer Gratteil zur Hohen Warte

Die Abfahrt am kurzen verbleibenden Gratrücken nach der Rast zeichnete sich durch einen immer noch harten Schmelzdeckel aus, der kein sonderliches Fahrgefühl erweckte. Also die Schi weit mit hinaufzunehmen, wie es einige der Nachkommenden praktizierten, hielten wir – zumindest bei den herrschenden Bedingungen – für nicht erstrebenswert.

Gammerspitze im Valserkamm gegenüber

Auf der Nordostflanke der Hohen Warte tauchten wir nach den gepressten Kammlagen anschließend in weichen Pulverschnee ein.

Abfahrt in die Pulverhänge

Die Wahl der Abfahrt fiel zugunsten der Aufstiegsroute aus. Eine vielleicht noch schönere Variante mit kaum Waldstrecken wäre die direkte Abfahrt ins Wildlahnertal gewesen, die wir für eine nächste Begehung ins Auge fassten.

tolle Verhältnisse in den weiten Mulden

Mit entsprechend herrlichen Fahrgefühl konnten wir ebenfalls noch wenig verspurte Hänge über die Aufstiegsroute hinab genossen werden.

und in den steileren Passagen

Während der gesamten Abfahrt kam es nicht zu Steinkontakt, der Pulverschnee hat sich unten im Bereich des Weges mehr gesetzt, also etwas schwerer zu drehen, aber kein Harschdeckel war vorhanden.

Waldabfahrt

Die Gesamtzeit für die Tour incl. aller Pausen und Abfahrt betrug 4:17 Stunden, die Aufstiegshöhe 1.157m. Die Strecke ist durch die Steilheit mit etwa 4,5km relativ kurz.

Mils, 03.01.2020

Schitour Silleskogel, 2.418m mit Gipfel

Im Ortsteil Padaun, oberhalb des Talkessels des Valsertales bietet sich eine nette kleine Schitour mit Gipfelsteilflanke auf den Silleskogel an. Die Tour ist zum Großteil hier schon beschrieben worden – wir mußten damals jedoch aus Wettergründen vor dem Gipfel abbrechen und haben deshalb die Tour ordnungsgemäß mit Gipfel nachgeholt und Fotos, die dem netten Aufstieg und der grandiosen Aussicht Rechnung tragen, angefertigt.
Auf nähere Details zum Aufstieg wird hier verzichtet, diese bitte im alten Bericht nachzulesen.

Silleskogel, 2.418m, mit Gipfelmarkierungsstein

Über den Ausgangspunkt bitte ebenfalls im alten Bericht nachlesen, hier ein Bild unseres diesmaligen Parkplatzes, den wir gegen 7:30 erreichten und diese Uhrzeit hiermit empfohlen wird – jedenfalls nicht viel später.

Aufstieg auf den Gipfelhang des Silleskogels

Einige Minuten am Almweg entlang zweigt die Aufstiegsspur direkt zum freien Gelände der Sillalm ab (die Alm selber liegt rechts der Freifläche).

Parkplatz Padaunerstraße

Oberhalb der „Sillpuite“ – wie der Flurname laut Karte im Gh. Steckholzer richtig lautet – weicht der Wald nach einem kurzen und engen Steilstück einer weiteren Freifläche und zum folgenden Aufstieg benutzt man eher die rechte Seite des Grabens.

Aufstieg zur nächsten Waldpassage

Diese Freifläche, nun mit mehr Hangneigung, nennt sich „Isse“. Ihr folgt ein schmalerer und steilerer Graben als das Gelände zuvor ausgebildet war.

im steilen Teil des Grabens

In diesem Graben fallen die mächtigen Lärchen links und rechts des Aufstiegs schön ins Auge. Das Gelände wird zusehends steiler und erreicht an einer kurzen Stelle über 35° Hangneigung.

Rückblick auf die „Isse“

Am Ende dieser Passage wendet sich der Anstieg leicht nach links (südöstlich) und das ab dort vollkommene freie Gelände der „Roßgrube“ kann erahnt werden (etwa 1.900m).

Übergang zur Rossgrube

Das kleine Felsspitzl am Grat, das dort weit rechts im Blickfeld gesichtet wird ist schon der Gipfelaufbau des Silleskogels. Im weiten Kessel der Roßgrube geht es nun über leicht kupiertes Gelände in wenigen Serpentinen zunächst eher südwärts hinauf gegen den Steilhang der vom Silleskogel herunterzieht. Dabei wird einmal ein kurzes Geländestück mit einer Neigung von 35° passiert.

im unteren Teil der Roßgrube

Im oberen Talkessel wendet sich der Aufstieg etwas mehr nach Südost und quert den Hang zwischen Rossgrubenkofel und Silleskogel.

das weite Talende der Rossgrube – Gipfelspitz des Silleskogels schon sichtbar

Die Aussicht auf die nördlich gegenüberliegende Seite, zu den Tourenbergen im Schmirntal öffnet sich mehr und mehr bis zum Ende des Talkessels hin. Weiter geht es mit ein paar Spitzkehren auf den Gegenhang mit dem „Geierschnobel“ hin und die Hangneigung steigt wieder merkbar an.

Rückblick auf die Rossgrube

Im weiten Bogen nähert sich der Aufstieg nun dem bogenförmigen Grat zwischen Geierschnabel und Silleskogel. Die steile Gipfelflanke tritt in das Sichtfeld und weiter im Westen spiegelte bei unserer Begehung das Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels das Sonnenlicht, der noch tief stehenden Dezembersonne wider.

Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels

Die Route dreht nun leicht nach Südwest, hin zum Gipfelaufbau des Silleskogels und weg vom Geierschnabel, der als Ausweichziel bei unserer ersten Begehung dienen hätte können, hätten wir es gewusst.

auf dem Gegenhang zum Silleskogel

Die steile Gipfelflanke mit über 35° Neigung hatten wir diesmal gut im Blickfeld, dadurch stellte der Aufstieg bis zum fast ebenen Plätzchen unterhalb der Gipfelflanke kein Sichtproblem dar. Etwas abgeblasen erfordern die die letzten Meter sauberes Steigen.

the bros – vor dem Gipfelaufbau des Silleskogels

Die kleine Fläche vor den Felsen bildet ein wunderbares Schidepot, wenn auch nur für wenige Personen nutzbar. Mit zwei nachkommenden Kollegen war die Fläche nach unserer Rückkehr vom Gipfel schon an der Kapazitätsgrenze.

der Gipfelhang des Silleskogels

Vom Schidepot geht es zunächst leicht westwärts querend in die Flanke hinein und dann einige Meter in direktem Anstieg hinauf, bevor die Stapfspuren in einer weniger stark steigenden Querpassage westwärts weiter zum Gipfelplateau hinauf führten.

am Gipfelplateau angelangt

Der Hang weist lt. Hangneigungskarte (TIRIS) eine max. Steilheit von über 40° auf. Steigeisen waren bei unserer Begehung nicht nötig, der hartgepresste Harsch ließ gute und sichere Tritte zu. Im Extremfall – bei vereister Schneedecke und fehlender Ausrüstung – mag auf diesem Gipfelhang ein Abrutscher über weit mehr als 100Hm erwartet werden.

Christian und Herwig am Silleskogel, 2.418m

Die Aussicht im Süden über die Zillertaler Alpen ist grandios.

gewaltige Mauer im Südosten – Olperer bis Hohe Wand (das weiße Spitzlein ist die Hohe Kirche und dahinter die besonnte Valser Hohe Warte)

Gegenüber dem Silleskogel befindet sich die eindrucksvolle Steilflanke der Saxalmwand – ebenfalls ein Gipfel, der bei unserer Begehung wegen wetterbedingtem Abbruch noch auf sich warten läßt.

Aufstieg Sumpfschartl und Saxalmwand im Detail

Weiter im Süden erkannt man das weite Kar des Sumpfschartls, ein lohnender Aufstieg gemeinsam mit der Saxalmwand ein ebenfalls auf dem Verbindungsgrat zum Kraxentrager gelegen.

Panorama westliche Zillertaler Dreitausender

Im Südosten das gewaltige Massiv des Olperers und Fußstein mit der Verbindung über die Sagwandspitze bis zur Hohen Wand.

Wolfendorn im Südwesten

Im Südwesten der dominierende Wolfendorn in den Brennerbergen und im Westen die südlichen Stubaier Alpen am Vormittag schön von Südost im Sonnenlicht zu bewundern.

südliche Stubaier hinter dem Rossgrubenkofel

Im Westen links neben dem Rossgrubenkofel besticht der Pflerscher Tribulaun und rechts davon der gewaltige Habicht.

nordwestliche Stubaier

Im Norden liegen die Tuxer Alpen mit ihren vielen tollen Schitourenzielen.

die zentralen Tuxer im Nordosten – der eindrucksvolle Schmirner Hohe Zahn rechts der Bildmitte

Im Osten fallen oberhalb des langen Grates von der sehr eindrucksvollen Hohen Warte (ein tolles Schitourenziel im Schmirntal, es gibt aber auch eine Hohe Warte im Valsertal, siehe Bildergalerie) zum Steineren Lamm hin relativ genau mittig zwei kühne Spitzen auf, die man in dieser eindrucksvollen Erscheinung nicht erwarten würde. Es handelt sich dabei um die Schöberspitzen mit einer Entfernung von rd. 8km.

Aussicht nach Osten – die Schöberspitzen über dem Grat sehr eindrucksvoll

Alleine wegen der Aussicht lohnt sich die kurze Tour auf den Silleskogel und eventuell wäre der winterliche Übergang auf den Rossgrubenkofel und weiter auf die Vennspitze einmal eine Überlegung wert.

Schidepot unterhalb Gipfelfelsen

Bei der Abfahrt, die wir fast direkt unter dem Gipfelhang starteten mußte zunächst der etwa 100Hm windgepresste Teil etwas ruppig aber nicht unangenehm bewältigt werden, bevor im flacher werdenden Teil der weichem Tiefschnee erreicht wurde.

Abfahrt vom Gipfelhang

Über tolle Hänge an der Westseite des Tals (Kessler, Kogleben, Seabler, Nock – siehe Flurnamen in Bildergalerie) erreichten wir den Sillbach, der an geeigneter Stelle übersprungen wurde und im schmalen Tal nun orografisch links des Sillbaches ging es durch ein schmales Tal kraftraubend hinab zur Isse – alles in weichem Tiefschnee.

etwa 100Hm unterhalb des Grates bereits Tiefschnee

Ab der Sillpuite hatten wir teilweise leicht verfestigte Passagen, die sich aber nicht mit viel mehr Kraftaufwand befahren werden konnten als der obere Teil. Die gesamte Strecke liegt schattseitig und daher günstig betreffend Umwandlung und ohne Schmelzdeckel.

Kulisse ins Valsertal

Für die schöne haben wir gesamt 3:20 Stunden benötigt (incl. Pausen und Gipfelaufenthalt), Die gemessene Höhendifferenz beträgt  925m.

Rückblick auf den Gipfelhang

Bei entsprechend frühem Aufbruch zur Tour bleibt Zeit noch kurz bevor mittags der Rummel in Padaun beginnt einem Stakeholder der Gegend, dem nett eingerichteten Gasthaus Steckholzer einen Besuch abzustatten und die Tagesempfehlung, oder eine deftige, schmackhafte Knödelsuppe einzunehmen, die wir sehr empfehlen können. Durch den kostenlosen Parkplatz am Tourenstart geht sich dann auch noch eine Nachspeise aus.

Tiefschneevergnügen

Den Gipfelbereich des Silleskogels sollte man nicht unterschätzen, wenn die Verhältnisse es nicht zulassen oder bei einer eventuellen Vereisung die Ausrüstung für die Gipfelflanke fehlt.

Abfahrt neben dem Sillbach

Nachträglich gesehen sahen wir unseren Abbruch bei der ersten Begehung im Nebel bestätigt, daß wir den Gipfel nicht erzwungen haben.

Mils, 31.12.2019

 

Schitour Hohe Kreuzspitze, 2.743m

Der höchste südlich gelegene Berg in den Stubaier Alpen ist die formschöne Hohe Kreuzspitze in der Botzergruppe in Südtirol. Der Ausblick von ihr ist phantastisch und als Schitour erlebt man einen wirklich abwechslungsreichen, hochalpinen Aufstieg über 1.320Hm mit zwei Steilpassagen. Ein Vorteil der Tour liegt in der Ausweichmöglichkeit auf die Kleine Kreuzspitze, sollte das Wetter oder die Lawinenwarnstufe es erzwingen.

der Autor auf der Hohen Kreuzspitze, 2.743m

Vom Start aus die Hohe Kreuzspitze nicht im Mindesten einsehbar beginnt der Aufstieg im Ratschingser Ortsteil Flading, den man von Sterzing aus in etwa in 25min erreicht. Der Parkplatz an der kleinen Kapelle hat eine gute Kapazität und als wir gegen 8:15 Uhr eintrafen, war die Hälfte der Parkplätze noch frei. Gebühren werden nicht eingehoben, freiwillige Spenden in eine Kassabox an der Brücke sind erwünscht.

der weiße, sonnenbeschienene Gipfel ist die Hohe Kreuzspitze

Nach der Überquerung der Brücke kann über den Forstweg im Bogen nach rechts aufgestiegen werden, oder, etwas kürzer wie unsere Route, über ein aufsteilendes freies Feld mit einem niedergebrochenen Zaun an der Waldgrenze.

Start bei der Kapelle in Flading

Im Wald wird dem Weg gefolgt, der gleichzeitig Abfahrt ist. Entsprechend ist er – wie alle schmalen Schitourenwege – mit Wannen und Kuppen durch Schwünge gekennzeichnet. Knapp 15min lang steigt man am Weg aufwärts bis sich eine Lichtung öffnet, die rasch in freies Almgelände übergeht.

Rückblick auf den Parkplatz Flading

Bald wird das Gelände auch steiler, einige Spitzkehren werden im Mittelteil durch die Felsenpassage und darüber hinaus notwendig. Mit uns keine kleine Schar von Tourenhungrigen, von denen später allerdings ein großer Teil zur Kleinen Kreuzspitze abzweigt.

am Ende des Waldwegs

Nach etwa einer Stunde Aufstieg erreichen wir etwa 50m unterhalb der Klammalm die aufgehende Sonne, was zu ersten guten Fotos und allgemeiner Freude in der Gruppe gereicht.

freie Almflächen breiten sich aus

Deutlich kann man am Bild der Klammalm erkennen, daß die ersten Herbstschneefälle den Süden bevorzugt haben, schätzungsweise liegt dort die doppelte Menge gegenüber dem Norden des Alpenhauptkamms.

kurzes steileres Stück zwischen den Felsen unterhalb der Klammalm

An der Klammalm und kurz nachher wird das Gelände etwas flacher und biegt nach links (südlich) in ein Tal ein, das durch die beiden Kreuzspitzen gebildet wird.

die malerisch gelegene Klammalm, 1.940m

Im Laufe der Kurve wird das schöne Ziel, die Hohe Kreuzspitze,  sichtbar und am Ende der Biegung auch die leichtere und um 225Hm niedere Kleine Kreuzspitze östlich der höheren Schwester. An dieser Stelle befindet sich auch die Verzweigung der Anstiege.

in der Kurve nach der Klammalm kurz vor der Abzweigung, dahinter das Stauwehr, das überschritten wird

Wir setzten auf der Dammkrone eines Stauwehrs über den Bach in Richtung auf die andere Talseite an der das Gelände zunächst flach, jedoch in Richtung Butsee hinauf bald steiler wurde. Der Aufstieg über die Flanke hinauf zur ersten Steilpassage dreht im oberen Teil nach rechts wodurch die gut 150Hm Steilhang vom Bereich des Stauwehrs aus noch nicht eingesehen werden können. Etwa 100Hm höher, auf 2.120m wird der Steilhang sichtbar.

Trinkpause – im Hintergrund von Stefan die Kleine Kreuzspitze

Die steile gemuldete Strecke liegt zwischen den Schrofen des Gratausläufers der Zermaidspitze und einem Felskopf eingebettet.

die Steilstufe nun sichtbar, ca. 2.150m

Die Hangneigung erreicht nach der – leider unbefriedigend – aufgelösten OSM Hangneigungskarte auf beiden Passagen Neigungen zwischen 35 und 39°, siehe Bildergalerie. Bei entsprechenden Schneeverhältnissen und der Lawinenwarnstufe drei ist die Tour auf die Hohe Kreuzspitze also nicht mehr sicher ausführbar. Wichtig ist auch die Beachtung der Exposition – der untere Steilhang ist ein Osthang, der obere ein Westnordwesthang.

in der ersten Steilstufe, sie führt zum Butsee

Am Ende der Steilstrecke ist der Butsee erreicht (der im Winter natürlich nicht sichtbar ist). Das Gelände dort ist flach, der weitere Tourenverlauf führt zunächst sogar mit einigen Metern Verlust gegen die schön kupierte und moderat steiler werdende Landschaft hin.

Rückblick von der Hälfte der Steilstufe

Rechts, westlich, bei den Seen zieht eine schöne breite Rinne in Richtung Zermaidspitze hinauf – das Wasser rann bei ihrem Anblick in Flexens Mund zusammen, er wäre höchst angetan gewesen sie als zweites Tagesziel zu befahren.

die Gefahr von dieser Flanke soll bei dementsprechenden Verhältnissen nicht unterschätzt werden

Als Ziel muß sie generell recht beliebt sein, denn leider war sie bei unserer Rückkehr schon weitestgehend zerfahren, sodaß der nicht mehr jungfräuliche Hang das Interesse schwinden ließ – allein die Lehre blieb die Reihenfolge nächstens umzukehren.

Flex vor der tollen Rinne zu einem unbenannten Joch

Am Butsee befindet sich ein Baumstamm mit einer schönen Schnitzerei die eine mittelalterliche Jagdszene nachstellt (Jäger mit Armbrust, seine Hunde und ein mächtiger Hirsch). Diese Szene wurde an den Endpunkt des sog. Pfeifer-Huisele-Wegs gesetzt, der am Butsee endet.

Endpunkt des Pfeifer-Huisele-Weges mit geschnitzter Jagdszene des

Sagenmeister Pfeifer Huisele war eine in Flading ansässige Südtiroler Sagengestalt über die mehrere leicht unterschiedliche Berichte im Internet zu finden sind.  Wie immer steckt auch ein Teil Wahrheit in den Sagen, die sich um „es“ – das Pfeifer Huisele (oder auch Huisile) – ranken. Den geschichtlich vermutlich besten Bericht haben wir hier verlinkt, er ist als Denkstoff bei der phantastischen Schitour bestens geeignet, verbindet er doch die dortige Natur mit ein bisschen heimischer Geschichte.

Rückblick auf den Butsee, rechts davon hinter der Kuppe die Steilstufe

Weiter führt das interessante Gelände ab dem Butsee auf 2.340m über schöne Kuppen und Mulden mit Licht- und Schattenspielen, hervorgerufen durch die nieder stehende Dezembersonne, in das weite Kar vor dem Steilhang am Gipfelaufbau auf etwa 2.620m.

abwechslungsreiches kupiertes Gelände

Bevor die Route jedoch auf das Kar hinauf biegt vollzieht der Aufstieg einen Halbkreis bei dem der westlich begrenzende Kamm zwischen der Hohen Kreuzspitze und der Zermaidspitze, der an dieser Stelle nur etwa 100Hm höher ist als der Aufstieg, tangiert wird.

über eine leichte Senke führt die Route im Bogen an die rechte Geländebegrenzung heran

Erwähnenswert ist diese Passage aufgrund der Tatsache, daß sich bei unserer Begehung Tourengehrer auf der Kammhöhe befunden haben, unsere Gruppe ziemlich gleichzeitig darunter im Kar und die ersten aus unserer Gruppe ums Haar an der unteren Begrenzung eines mittleren Schneebretts flüchten konnten. Es reichte bis zum Hangfuß mit einer Anrissbreite von gut 100m aber nur geringer Anrissmächtigkeit und Anrisslänge.

Schneebrett vom Hang der rechten Geländebegrenzung herab – unmittelbar vor dem Foto unhörbar abgegangen

Glücklicherweise befand sich die Aufstiegsspur weit genug am Rand des Hangfußes, sodaß die Kollegen mit einem Warnschrei flüchten konnten. Der Autor als Nachkommender, der den Warnschrei hörte, fand bei seiner Ankunft, etwa zwei Minuten später, eine vom Schneebrett verlegte Aufstiegsspur vor und staunte nicht schlecht. Zu hören und zu sehen war zum Zeitpunkt des Abgangs rein gar nichts obwohl die Entfernung vielleicht 200m betragen hat.

bei der Abfahrt das Schneebrett nochmals betrachtet – unten rechts die Aufstiegsspur

Alles in allem eine Situation, die glimpflich ausgegangen ist. Ob die Leute am Kamm in die Auslösung involviert waren konnte nicht festgestellt werden. An diesem Tag herrschte für dieses Gebiet die Stufe 2 (über der Waldgrenze) mit „leicht auslösbaren Triebschneeansammlungen…die Gefahrenstellen mit der Höhe zunehmend…und allseitiger Exposition“.
Jedenfalls sei jedem geraten unter diesem Hang bei entsprechender Beschreibung im LLB mit Vorsicht zu queren.

die zweite Steilstufe zur Scharte vor der Hohen Kreuzspitze

Nach dieser Erfahrung knapp unterhalb des steilen Hangs stiegen wir auf den Karboden auf, der ein kurzes Stück flach zum zweiten Steilhang der Tour überleitet.
Der zweite Steilhang ist etwas kürzer, schätzungsweise etwa 100Hm und wie schon beschreiben ein Westnordwesthang, der im Dezember keine Sonnenbestrahlung abbekommt und wahrscheinlich kaum den Winter über.

Stefan am Karboden auf etwa 2.600m, links dahinter das Schneebrett am Gegenhang

Daß auch dieser Hang bei entsprechenden Verhältnissen ein nicht unproblematischer sein kann zeigt ein Bild von Almenrausch (Bildergalerie Tour vom Passeiertal auf die Hohe Kreuzspitze). Die Tour übrigens vom Passeiertal muß auch eine ganz tolle sein, für Nordtiroler allerdings eine Weltreise.

in der Scharte oberhalb des Steilhangs; man sieht Tourengeher vom Passeiertal über die Scharte aufsteigen

Bei unserer Begehung war der Hang von den Vortagen jedoch völlig verspurt und hart gepresst, keine Gefahr durch Schneebretter also.

Hohe Kreuzspitze von der Scharte aus gesehen, Abstand kaum 200m

Am Grat angelangt sticht sofort das Ziel ins Auge – das vorübergehend nach dem Butsee aus dem Blickfeld verschwindet – die Hohe Kreuzspitze befindet sich etwa 150m südöstlich und ist durch einen Graben von der Gratscharte entfernt – ein imposanter Anblick.

die kurze Strecke die abgefahren werden muß – unten Kollege Martin mit Gattin, die bereits auf deren Rückweg angetroffen wurden

Zum überqueren des Grabens muß schätzungsweise 20Hm abgefahren werden. Mit Fellen war das – wie immer bei solchen Aktionen – ein akrobatischer Akt mit schlechten Haltungsnoten, die aber nur über wenige Höhenmeter notwendig sind und kein Abfellen rechtfertigen.

die Schrofen unten müssen unterfahren werden, aufgefellt gut machbar

Der Restaufstieg zur Hohen Kreuzspitze über die Einsattelung durch den Graben ist eine Angelegenheit von kaum zehn Minuten. Ein schönes Edelstahlgipfelkreuz erwartete uns auf 2,743m und ein gut besuchter, aber nicht vollends überfüllter Gipfelbereich.

letzte Höhenmeter zur Hohen Kreuzspitze

Ein atemberaubender Blick vom Südwesten bis zum Nordosten eröffnet sich auf der Hohen Kreuzspitze.

Flex auf der Hohen Kreuzspitze

Von der Hochwilde (3.482m), gemeinsam mit dem Similaun (3.606m) der südlichste Punkt Nordtirols bis über die hohen Ötztaler im Nordwesten –

Blick gen Südwesten – Bildmitte Hochwilde (3.482m)

Über die Stubaier mit dem Zuckerhütl, der Sonklarspitze und dem Botzer im Norden –

Blick auf die zentralen Stubaier im Norden – rechtes Bilddrittel zeigt das Zuckerhütl (3.507m) und weiter rechts den Botzer (3.251m)

über die Tribulaune im Nordwesten –

der Nordosten – von Botzer links bis zur senkrechten unverschneiten Südwand des Pflerscher Tribulauns (3.097m) rechts

die Pfunderer Berge und dahinter die hohen Zillertaler im Osten –

im Osten die Pfunderer Berge mit den hohen Zillertalern dahinter

die Dolomitengruppen im Südosten –

die Dolomitengruppen im Südosten

und die Brentagruppe im Südwesten hinweg (siehe auch Bildergalerie).

Blick gen Süden und Südwesten – links das Passeiertal nach Meran, Bildmitte und rechts davon die Brentagruppe

Unmittelbar im Osten führt der Grat von der Hohen auf die Kleine Kreuzspitze, ein leichteres Schitourenziel und im Sommer eine interessante Gratüberschreitung, wie Roman von Hikalife schreibt.

der unmittelbar nächste Gipfel unter der Hohen Kreuzspitze ist die Kleine Kreuzspitze (2.518m) in knapp 1.400m Entfernung

Nachdem Stefan eingetroffen ist, Höhenmedizin verteilt wurde, Fotos angefertigt und wir zur Abfahrt gerüstet hatten ging es auf dem durchaus angenehm zu fahrenden Gipfelhang zurück zur Scharte gegenüber.

Stefan auf der Hohen Kreuzspitze

Das Tretteln über die wenigen Höhenmetern war wie immer unangenehm, aber auch der Rückweg rechtfertigt keine andere Fortbewegungsweise, sofern der Aufstieg rampenartig präpariert ist und man nicht im Schnee versinkt. Der Steilhang war passabel zu fahren angesichts der Massen, die ihn vorher schon bearbeitet hatten.

gegenüber links bis Bildmitte in 1.800m Entfernung die Zermaidspitze (2.798m) und in 2.300m Entfernung der Ratschinger Weißen (2.822m), beide mit Gipfelkreuz

Nach dem Flachstück im Karboden inspizierten wir nochmals das Schneebrett bevor wir über die nun schön im unverfestigten Altschnee ohne nennenswerten Harschdeckel zum Butsee abzufahren. Dieser Teil der Abfahrt war auch durch wenig Spuren am breiten Hang ein bäriges Erlebnis.

links die neu angelegte Spur, etwa drei Meter neben der Originalspur

Das Steilstück nach dem Butsee war natürlich sehr verspurt, dennoch aber akzeptabel abzufahren und auf der folgende flachere Passage bis zum Stauwehr herrschten wieder dieselben guten Verhältnisse wie im oberen Teil bis zum Butsee.

der Gipfelsteilhang mit der Scharte gegen mittags – wenig Sonne dürfte hier den Winter über einstrahlen

Nach der Klammalm querten wir weit nach Osten, fast bis zum orografisch rechten Rand der Almfläche, und fanden dort im oberen Teil noch gut fahrbare unverspurte Flächen vor, die aber rasch in Bruchharschgelände übergingen.

über die Dammkrone des Stauwehrs am Rückweg

Im Wald hieß es nochmals alle Künste der Technik auf der Steilkurvenbahn am Weg auszuspielen, um nicht hinauskatapultiert zu werden. In Summe eine schöne Abfahrt mit tollem Beginn und kraftraubendem Ende.

die malerische Klammalm – im Hintergrund die Hohe Ferse (2.669m)

Die Schitour mit 1.320Hm und 5,7km Länge haben wir in 4:36h bewältigt.

Erläuterung zu den Panoramabildern Südwest bis Nord – Entfernungen vom Gipfel der Hohen Kreuzspitze:

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Westsüdwest auf die Grenzberge der Ötztaler

Hochwilde 17,8km
Hochfirst 10,7km
Ramolkögel 19,2km

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Nordwest auf die zentralen Ötztaler und die zentralen Stubaier

Wildspitze 26,7km
Timmelsjoch 10,5km
Zuckerhütl 13km
Botzer 8,6km

Mils, 15.12.2019

Schitour Praxmarer Grieskogel, 2.712m

Durch den hoch gelegenen Start in Praxmar ist der Praxmarer Grieskogel ein begünstigtes Ziel im Frühwinter und vom Höhenunterschied her auch ein nicht zu hoch gestecktes. Im Firn des Frühjahres bietet er ebenfalls eine tolle Abfahrt auf einem mittelsteilen, 800Hm hohen und sonnenbeschienenem Hang, der sich im unteren Drittel zu einer etwas flacheren Mulde ausformt, bevor über eine Skiroute zum Ausgangspunkt gequert wird.

Autor am Praxmarer Grieskogel, 2.712m

In der AV-Karte findet man die Bezeichnung Praxmarer Grieskogel etwas zu weit nordöstlich vor, eher beim Punkt 2.707m anstatt beim Punkt 2712m und da er kein Gipfelkreuz trägt bleibt im Aufstieg zunächst ungewiss, ob man bei der ersten erreichten Spitze schon auf ihm steht, oder den Aufstieg am Grat noch etwas fortsetzen muß und wer den Praxmarer Grieskogel nicht schon vom Ausgangspunkt, oder vom Übergang zum Kühgrübl aus beobachtet hat, wird damit überrascht, daß nach der ersten Graterhebung noch einige Minuten Gratstrecke zu Pkt. 2.712m bewältigen sind.

Start in Praxmar

Praxmar im Lüsenstal, auf rd. 1.680m gelegen ist mit einem großen Parkplatz (4.-/Tag) ausgestattet, der auch früh am Morgen einmal voll sein kann. Vorbei am praktischen LVS-Checkpunkt öffnen sich mehrere, zum Teil sehr beliebte, Schitouren auf den Kamm der zu den Südwestlichen Sellrainer Bergen zählt.

eine der Querungen der Rodelbahn

Der Aufstieg wendet sich sofort nach dem Anlegen der Schi mit der Zufahrt zum kleinen Schlepplift nach rechts (westlich) und führt einige Minuten über ein Stück präparierter Piste in den schönen, lichten Zirbenwald hinein, mehrmals die präparierte Rodelbahn überquerend. Wer im Dezember gegen neun Uhr startet der erlebt den Sonnenaufgang im Zirbenwald.

Aufstieg durch den schönen Zirbenwald zur Koglalm

Bis über den Zirbenwald hinauf haben der Praxmarer Grieskogel und die Lampsenspitze einen gemeinsamen Anstieg. Während das Gros der Tourenhungrigen der Lampsenspitze zustrebt ist man mit dem Praxmarer Grieskogel unter wesentlich weniger Publikum unterwegs.
Kurz vor der Koglhütte zweigt der Anstieg der Lampsenspitze bergwärts ab und zum Praxmarer Grieskogel  folgt man rechts (nördlich) dem Weg zur Koglalm.

zum Schluß vor der Koglalm noch eine etwas steilerer Hangteil

Dieser Teil des Anstiegs ist flacher, er folgt kurz einer Rodelpiste bis etwa zum Kreuz auf der Erhebung nach der Koglalm, bevor es – einen steileren Hang querend – abseits der für Wintersportaktivitäten adaptieren Flächen auf die Hänge in Richtung Praxmarer Grieskogel geht.

zunächst ein Stück auf der präparierten Rodelpiste

Nach der Querung folgen ein paar Spitzkehren hinauf zum Übergang ins Kühgrübl – ein stark ausgemuldetes Kartal, das an seiner linken hinteren Begrenzung mit den Steilwänden der Tagweidköpfe begrenzt wird und rechts eine mittelsteile Rippe entsendet, deren südliche Flanke den Normalanstieg auf den Praxmarer Grieskogel darstellt.

Querung oberhalb des Kreuzes nach der Koglalm

Geradeaus geblickt öffnete sich am Tag unserer Begehung ein schöner und weniger direktem Winkel sonnenbeschienener Hang als jener des Normalanstiegs zum Praxmarer Grieskogel, der mit etwa 15 zu zählenden Spitzkehren begangen werden konnte und der uns aufgrund der besseren Schneequalität für den Aufstieg angenehmer erschien.

am Übergang ins Kühgrübl

Erst oben bei der Querung nach rechts (nördlich) erkannten wir einen – wenn auch nur kleinen – Nachteil von etwa 20 Meter Höhenverlust durch eine kleine Gratsenke zwischen unserem und dem Normalanstieg.

am breiten Band ins Tal von links nach rechts querend

Zunächst jedoch folgt der Einstieg ins Kühgrübl mit etwas Abwechslung durch das Auf und Ab des Geländes auf einem breiten Band von links kommend mit etwas Höhenverlust auf die rechte Seite  des Tales hinüber.
Im Tiefsten der Mulde geht es dann einige Minuten taleinwärts.

mitten im Kühgrübl

Am Talende mußten wir uns dann für den Anstieg entscheiden und das schöne Kar mit den Spitzkehren wurde der Rippenflanke des Normalanstiegs vorgezogen.

Steigungsverhältnisse optimal

Am Grat oben verzauberte uns dafür die restliche Strecke – fast ausschließlich am Gratkamm verlaufend – mit einer gewaltigen Aussicht auf die kürzlich in Weiß verwandelte Landschaft im Westen – das bärige Gleirschtal mit seinen Gipfeln.

Blick zur Rippe – Normalaufstieg

Während alle anderen Gruppen die Scharte zum Ziel erklärten querten wir in der schönen Kulisse hinüber zum Praxmarer Grieskogel, unserem bergsteigerischen Ziel an diesem Tag. Der Übergang ist recht steil, jedoch einwandfrei zu begehen, sofern man Abstand zur trügerischen Grathöhe läßt.

 

Robert am Grat hinüber zum Praxmarer Grieskogel

Eine kurze Abfahrt in die zuvor beschriebene Gratsenke mit noch etwa 50Hm restlichem Aufstieg bis zum Gipfel das Praxmarer Grieskogels leitete uns unserem Ziel zu. Der leichte Umweg von der Normalstrecke mag etwa zehn Minuten gekostet haben.

 

mit etwas Höhenverlust am schönen Grat entlang

Lediglich zwei andere Tourengeher befanden sich am Gipfel als wir dort ankamen. Diese haben wir bereits vom Kühgrübl aus in der Rippenflanke gesehen und deren Aufstieg war auch mit ausschlaggebend für unsere Wahl, kamen sie mit dem oberen Teil nicht so gut zurecht wie uns schien.

 

kurz vor der ersten Graterhebung am Weg zum Gipfel des Praxmarer Grieskogels

Unter kühlem Föhn erstiegen wir aus der vorgelagerten Mulde die letzen Meter zum Gipfel und genossen für ein paar Minuten die Aussicht, vor allem in das lange Gleirschtal mit der Neuen Pforzheimer Hütte und den beiden Roßkogeln, leicht rechts der Bildmitte der Gleirscher, rechts davon der um nicht ganz 100m höhere Zwieselbacher Roßkogel, 3.082m, leicht erkennbar an der Doppelspitze.

 

Eindrücke vom Gleirschtal mit dem Zwieselbacher Roßkogel

Näher und bei dieser Ansicht als imposante Pyramide ausgebildet findet die Rotgrubenspitze ihren Platz und den Abschluß am rechten Rand bildet die Haidenspitze.

Praxmarer Grieskogel – Blick gen Süden

Im Süden dominiert die Hohe Villerspitze vor den Alpeiner Bergen mit dem Lüsener Fernerkogel als Abschluß rechts im Bild.

Blick nach Praxmar hinab – der schöne Hang unterhalb des Gipfels ist der Abfahrtshang

Schräg nach Süden ins Lüsenstal hinabgeschaut, findet sich Praxmar mit dem Parkplatz wieder und dazwischen ein gewaltig langer Hang der bei guten Verhältnissen eine bärige Abfahrt darstellt.

Stefan am Praxmarer Grieskogel – Blick gen Norden

Bei genügend Schnee kann er direkt vom Gipfel aus befahren werden. Wir mußten etwas zurück auf den Ansatz der Aufstiegsrippe queren, da die Schrofen direkt unter dem Gipfelpunkt noch sichtbar waren.

Räuhenkar mit Scharte, rechts daneben der Rotkogel, weiter rechts Gaiskogel und die nördlichen Kühtaier Berge

Die Abfahrt war natürlich geprägt von den letzten Tagen mit viel Sonnen- und Windeinfluß. Im obersten Teil fanden wir Bruchharsch vor in dem jedes Drehen natürlich ein entsprechender Kraftakt darstellte.

Abfahrt unterer Teil

Im Mittelteil, mit etwas abgeschirmter Ausrichtung gegen Sonne und Wind durch die Aufstiegsrippe waren die Verhältnisse auch durch die bereits sehr zerfahrenen Partien leicht besser, erforderten jedoch alle etwa zehn Schwünge eine kurze Pause.

Rückblick auf den Abfahrtshang

Im unteren Teil, der wieder flacher ist, war die Schneedecke durch noch flächigere Abdeckung im Schatten großteils akzeptabel mit Lockerschnee (in Mulden deutlich spürbar tiefer Triebschnee) und wenig Bruchharsch.
In Summe gesehen waren die 800Hm auf dem an sich phantastischen Hang diesmal mehr dazu geeignet sein Können zu verbessern und weniger Tiefschneegenuß.

bessere Schneeverhältnisse im unteren Teil

Unten, auf etwa 1.900m am Waldrand, fädelt man in einen Almweg ein, der hangquerend zum Niederleger der Koglalm zurückleitet. Wir haben dort möglichst freie Flächen gesucht, über die die lichten Waldpartien mit dem schweren Bruchharsch möglichst angenehm fahren ließen.

bei guten Verhältnissen ein Traumhang

Die direkte Abfahrt auf der Rodelbahn haben wir zugunsten einer möglichst hohen Querung zur Vermeidung einer Tragestrecke gesucht und als Abschlußhang ein lichtes Waldstück gefunden, das zum Abschluß einen Holzzaun zum Übersteigen bereithielt.

am Ende des Abfahrtshangs auf etwa auf 1.920m angelangt

Von dort kann über freie Wiesen in die Siedlung Praxmar abgefahren werden.

durch die lichten Flächen kommt man zum Koglalm Niederleger

Mit 1.050Hm (durch die Abweichung von der Normalvariante am Grat etwa 20Hm mehr) als Schitour eine kurze, haben wir sie in etwas mehr als vier Stunden bewältigt, incl. aller Pausen.

den Hang hinter dem Zaum nahmen wir um hoch zu bleiben

Unsere Aufstiegszeit betrug drei Stunden und die Länge des Aufstiegs beträgt 5,5km.

Praxmarer Grieskogel Hangneigungen

Mils, 08.12.2019

Schitour Gammerspitze, 2.537m

Über die sogenannte Jeneweinrinne führt ein schöner Anstieg auf die Gammerspitze, der im Frühjahr bei gutem Wetter auch einen sonnigen Aufstieg im oberen Teil darstellt.

Herwig auf der Gammerspitze – links neben dem Kreuz kann der südliche Teil der Wattentalreibn eingesehen werden

Die Jeneweinrinne ist recht steil und deshalb nur bei sicheren Verhältnissen ratsam. Die Eigenheit und auch der Reiz der Tour besteht im direkten nordseitigen Aufstieg in Richtung Süden, ohne jegliche Richtungsänderung des Geländes bis zum Gipfel. Das Gipfelkreuz sowie die Tour im Überblick – abgesehen von den Oberseiten der Geländestufen – können von unten eingesehen werden.

Scheibenspitze auf der nördlichen Talseite in der Morgensonne

Den Aufstieg nahmen wir mangels eines anderen Parkplatzes ab einem kleinen Häuschen jenseits der Brücke über den Schmirnbach in der Siedlung zwischen Antritt und Aue in Angriff. Gerade noch reichten die Schneefelder, um direkt vom Auto aus im Tourenmodus loszumarschieren, doch bald nach dem ersten kurzen Waldstück wurde die Schneedecke besser und die Vorausschau auf die beste Möglichkeit durch die apern Stellen hindurch zu zirkeln erübrigte sich.

Aufstieg in der breiten unteren Schneise der Jeneweinrinne – oben eine kurze Schmalstelle

Die breite Schneise – es wird sich auch im unteren Teil um die Jeneweinrinne handeln – muß durch Lawinen gebildet worden sein, da es keinerlei Almgebäude gibt, die auf menschliches Zutun zur Formung der Landschaft hindeuten würden. Über lange und breite Wiesenflächen streckt sich der untere Teil des Aufstiegs dahin.

Jeneweinrinne oberer Teil nach der Schmalstelle

Der Schnee befand sich in gefrorenem Zustand, ideal für den mühelosen Aufstieg unter dem typisch frühjährlichen Geklapper der Ausrüstung, das auch mit Bemühen kaum vermieden werden kann.

Schmalstelle

Bis zum lichten Lärchenwäldchen im unteren Steilabschnitt lag unser Aufstieg noch völlig im Schatten und fast schon hätte man zur Erleichterung der Harscheisen bedurft da erreichten wir etwas weicheres Gelände unterhalb der Kuppe zu dem so plötzlich auftauchenden interessanten Hochtalkessel unterhalb der fächerartigen Flanken zum Gipfel.

das Gelände wird steiler und die Geländestufe im Hintergrund wird sichtbar

Da bei unserer Begehung keine durchgehenden und markant sichtbaren Aufstiegsspuren mehr auffindbar waren mußten wir den Aufstieg selbst wählen. Ein leichtes Unterfangen bei dem zuvor beschriebenen Charakter des Geländes. Kaum eine wirkliche Richtungsänderung findet statt, lediglich ein paar kurvige Stellen der Lichtungen bilden Kurven.

Rückblick auf den schönen Aufstieg

Oberhalb des ersten Hanges taucht durch Bäume hindurch eine Lichtung auf die bald breiter wird und über einen Forstweg hinweg in die wirklich breite Jeneweinrinne mündet. Zuerst stieg diese bis zu einer schmaleren Waldstelle kaum an, sie wird erst allmählich steiler und nach längerem Aufstieg dann wirklich steil.

Bis weit nach der schmaleren Waldstelle am Ende des unteren Teils kann in direkter, schneller Route aufgestiegen werden. Das Gelände ist leicht kupiert, wird schon weit vor dem leichten Lärchenwald stetig steiler und erfordert somit bald ein paar Spitzkehren.

in der steilen Geländestufe – der Normalaufstieg wäre wohl etwas weiter links (westlich) zu suchen, zwischen den jungen Lärchen steigt sich’s aber malerisch

Da wir die Strecke nicht kannten legten wir den Aufstieg durch den Lärchenwald. Es wäre auch möglich gewesen links davon den unbewaldeten Hang zu nehmen, wie wir bei der Abfahrt entdeckten.

Rückblick mitten in der Steilstufe – im April beginnt hier der sonnige Teil

Durch die jungen Lärchen fanden wir leicht hindurch, jedoch zwang uns die Steilheit im Verein mit dem sehr harten Harschdeckel kurz vor der Geländekante oben zur Querung nach links, hinaus aus dem Wäldchen, um die Prozedur der Verwendung der Harscheisen zu vermeiden.

bevor das Gelände Harscheisen erzwang querten wir links auf die Geländekante hinaus

Gleich hinter der Geländekante flacht das Gelände extrem ab und die Sonne erfreute uns. Hand in Hand mit der Neigungsänderung geht auch die Sichtbarkeit des Aufstiegs.

oberhalb der Steilstufe Aufstieg in tollem und freiem Gelände

Das weite kesselartige Gelände im oberen Teil der Schitour ist wenige Aufstiegsminuten nach der Kante voll einsehbar und beeindruckt mit seiner Mächtigkeit, die man nach dem vorangegangenen Gelände nicht in dieser Dimension vermutet hätte.

gegen 9:30 liegt der halbe Aufstieg unter Sonnenbestrahlung

Für den Aufstieg fanden wir trotz der Einstrahlung weiterhin einen pickelharten Harschdeckel vor, der Sonnenwinkel reicht selbst im April noch nicht das dortige Gelände rasch aufzutauen. Allerdings änderte sich die Lage positiv, je steiler der Aufstieg nun wurde – wie bei so vielen Nordhängen im besonderen heurigen Winter ging auch bei diesem ab einer gewissen Neigung der Harschdeckel in lockeren Altschnee über und die Schneefälle der letzten Tage obendrauf verstärkten diese.

das Kar oberhalb der Jeneweinrinne – ein tolles Tourengelände

Entlang einer nun deutlich ausgeprägter Aufstiegsspur folgten wir in einigen Spitzkehren dem Aufstieg von mittig nach eher rechts im Talkessel. Hierbei wird ein Felskopf beschritten, der für etwas Abflachung auf dem zuletzt sehr stark steigenden Hang sorgt.

ein weiter Karboden mit mäßiger Steigung leitet zum steilen Aufstieg über die Nordhänge über

Ab diesem Felskopf sind noch sehr steile etwa 100Hm bis zum Gratrücken zurückzulegen und weiter auf den Gipfel weitere etwa 50Hm. Der Übergang von der steilen Flanke auf den Grat präsentierte sich in unserem Fall als etwas heikel, da die Überwehungskante nordseitig mehr als einen Meter hinab in die Flanke gefroren war und Stufen nicht befriedigend geschlagen werden konnten.

Querung auf die rechte Talseite (im Aufstiegssinn) in Richtung des von unten bestmöglichen Übergangs auf die Gratrippe

Seitlich den harten Übergang schneidend, mit abgelegten Schi war die Stelle jedoch halbwegs sicher begehbar. Oberhalb verläuft das Gelände am breiten Rücken mit moderater Steigung zum Gipfel hin.

kurz vor dem Übergang auf den Grat – Hangneigung auf die letzten Meter knapp unter 40°

Das schöne Gipfelkreuz der Jungbauernschaft Landjugend Vals, in Holz und Edelstahl erst vor kurzer Zeit errichtet, macht wirklich etwas her. Es diente uns, um einen letzten Bergsteigergruß an die noch jungen und großen Tiroler Bergsteiger und deren Amerikanischen Partner zu richten, die dieser Tage in Canada durch eine Lawine zu Tode gekommen sind.

kurzes Stück auf der breiten Gratrippe vor dem Gipfel

Im Valser Kamm, die bereits in den Zillertaler Alpen liegt, bildet die Hohe Warte den höchsten Punkt und der Kamm führt weiter bis zum Fuß des Olpererferners.

Gammerspitze, 2.537m

Südlich der Gammerspitze fällt der Blick auf große und schöne Gipfel der Gebirgsgruppe und der Kamm nennt sich etwas verwirrend Tuxer Hauptkamm. Der Anstieg auf den Olperer über das Valsertal und die Geraer Hütte zählt zu einem der schönsten Gletscheranstiege in den westlichen Zillertalern und die Route ist von der Gammerspitze aus fast zur Gänze einsehbar.

Rückblick über den Aufstieg der Tour

In der Folge der Gipfel nach Westen befindet sich der Fussstein, der mit seiner Kletterroute über die Nordflanke berühmt ist, dann der Schrammacher, der eine tolle Schitour von Südtirol aus bietet und die Sagwandspitze mit ihrem Gratrücken nach Norden, die eine tolle Schitour auf die Hohe Kirche bietet.

Hohe Warte (im Kamm, links), ab Bildmitte – Kleiner Kaserer, Großer und Falscher Kaserer, Olperer und Fussstein

Weiters folgt etwas südlich versetzt die Hohe Wand, ebenfalls ein Schitourenziel, dann, mit einigem Abstand und knapp nach der Pfitscher Scharte gelegen der Kluppen als ein unscheinbarer Gipfel und ein rassiges Schitourenziel.

Fussstein, Schrammacher und Sagwandspitze

Mit etwas Abstand zum Kluppen folgt dann der Kraxentrager, eine lange, schwere Schitour aus Venn und schließlich ganz rechts im Bild der Wolfendorn, eine schöne Schitour mit steilem Gipfelhang im Grenzgebiet auf südtiroler Seite.

Kluppen (nach dem langen Sattel von links), Kraxentrager und Wolfendorn (rechts, darüber Wolken)

Der Valser Kamm von der Gammerspitze nach Westen beherbergt noch das niedrigere Tourenziel der Ultenspitze, auch Oltenspitze genannt, und dieser Kamm ist auch die Alternative zur Gammerspitze im Falle von zweifelhaften Schnee-/Lawinenbedingungen über die Jeneweinrinne.

Blick über den äußeren Valser Kamm mit Riepenspitze (rechts) und Ultenspitze (tiefer, links, bereits weitgehend schneefrei)

Nordöstlich des Gipfelkreuzes befinden sich in 10,5km Entfernung einige der höchsten und lohnendsten Touren rund um den Geier sowie den Lizumer und Naviser Reckner und der südliche Teilabschnitt der Wattentalreibn kann gut eingesehen werden.

schöne Abfahrt mit Lockerschnee oben im steilen Teil und mittlerweile aufgefirntem Harschdeckel gegen die Karmulde hin

Die Abfahrt bot nach den winterähnlich ausgeprägten Schneeverhältnissen am Steilhang gleich unterhalb der Kammhöhe eine tolle Firnabfahrt bis zum letzten Waldteil, etwa 100Hm oberhalb des Ausgangspunktes.

Rückblick über das schöne Kar

Von der Strecke her ist die Tour auf die Gammerspitze recht kurz mit dreieinhalb Kilometer Strecke und einem Zeitbedarf vom Parkplatz und zurück mit kaum dreieinhalb Stunden mit einem knapp 30 minütigen Gipfelaufenthalt. 1.175 m im Aufstieg werden bewältigt.

Abfahrt in die Jeneweinrinne

Mils, 19.04.2019

 

Schitour Sulzkogel, 3.016m

Nach Schluß der Schisaison und Beendigung des Rummels im Kühtai bieten sich Frühjahrsschitouren von 2.000m Ausgangshöhe immer an – und wenn das Wetter makellos ist, dann lockt die leichte Tour auf den Sulzkogel umso mehr.

Hilli am Sulzkogel

Ideal ist alleine der Ausgangspunkt der Parkplatz beim Alpenrosenlift. Kaum Fahrzeuge anzutreffen, obwohl das Kühtai im Mai immer noch das Mekka der Schitouren im mittleren Inntal darstellt.
Vom Auto geht es ohne Fußmarsch direkt auf die immer noch bestens erhaltenen Schipisten gen Süden, der Staumauer des Kraftwerks Sellrain-Silz entgegen.

Ausgangspunkt Parkplatz Alpenrosenlift

Wir bildeten bei unserer Begehung eine ansehnliche Truppe die sich am Abend tags zuvor mittels what Sepp geschmiedet hatte. Das Wetter war perfekt, der Himmel ohne Trübung, im Schatten jedoch ganz schön kalt von den beginnenden Wetterkapriolen im Mai dieses denkwürdigen Winters 2018/19 geprägt. Es hat während der Woche vor dem Feiertag Neuschnee gegeben, weswegen die Lawinenwarnstufe nicht mehr gespannt, dennoch aber nicht unbedenklich ausfiel.

Aufstieg nach Piste auf Zugangsstraße Staumauer

Über die Pisten rasch in Richtung Graf Ferdinand Haus aufgestiegen passiert man jenes mit etwas Abstand zur asphaltierten Straße zur Staumauer hin, die im Mai bereits schneefrei und sichtbar, nach etwa 20min erreicht und überquert wird.

Blick von Dammkrone in Richtung Stausee und Finstertaler Scharte

Ab der Annäherung zur Staumauer konnten wir den trotz allem Sonnenschein noch vorhandenen Winter in dieser Höhe spüren, es wurde in der Abdeckung durch den Neunerkogel bitter kalt im Schatten. Der Schatten reicht im Verlauf der Tour bis hinter den Stausee auf die ersten Anstiegsmeter bis zur Verzweigung des Anstiegs zur Finstertaler Scharte, über die eine phantastische Rundtour zur Kraspesspitze unternommen werden kann.

kurze Aufwärmpause am einzig sonnigen Platz bis zum Beginn des Hauptaufstiegs

Auf der Staumauer angekommen erheischten wir gegen halb neun vormittags eine Mütze voll Sonnenstrahlen, die just an dem kleinen Plateau mit der Infotafel auf eine kleine Fläche auftraf, bevor wir die Querung der Westflanke der Neunerspitze den See säumten.

Querung der Steilflanke des Neunerkogels

Die Querung wäre ohne die Lawinenbauten bei entsprechender Schneelage durch deren Steilheit etwas prekär, jedoch ist sie durch dieselben entschärft. Es droht bestenfalls ein kurzer Rutscher in die Verbauung hinab.

in Bildmitte die Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Nach der Querung wird der Hang recht flach und säumt den im Winter unter niederem Wasserstand gehaltenen Stausee in beträchtlicher Höhe und selbst am Tiefpunkt der Halbumrundung, am südlichen Ende des Stausees, befindet man sich trotz ca. 20Hm Höhenverlust weit vom Wasserspiegel entfernt. Die Westseite des Stausees bietet keinen Vorteil und ist keine Option, hier ist das Gelände felsig, kaum begehbar sowie meist höchst lawinengefährdet.

Rückblick Richtung Staumauer

Vom Tiefpunkt der Halbumrundung wird in wenigen Spitzkehren in eine weite Talmulde (Schafleger) aufgestiegen, in der, wenige Minuten nach Aufstiegsbeginn, der Anstieg zur Finstertaler Scharte abzweigt. Die Route zum Sulzkogel verläuft der Talmulde folgend nach Westen weiter.

an der Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Mittlerweile erfreuten wir uns – dank ungetrübter Sonneneinstrahlung – wieder angenehmer Temperaturen, die sich durch die steiler werdende Talmulde zur schweißtreibenden Bestrahlung wandelte.

in der Steilstufe nach dem eher flachen Anstieg nach der Abzweigung

Bald nach der Talmulde, etwa nach einer guten Viertelstunde, erreicht man eine kurze Steilstufe, die in wenigen Spitzkehren überwunden wird.

Rückblick auf den flachen Anstieg

Nach dieser wird das Gelände wieder etwas flacher und etwa nach 100Hm weitern Aufstiegs gibt den Blick auf eine Mulde frei, die südlich unterhalb des Aufstiegs einen See birgt – leider zu dieser Jahreszeit noch gänzlich vom Schnee verborgen.

nach der Steilstufe am flacheren Teil beim See (nur im Sommer sichtbar), im Hintergrund Neuerkogel, dahinter der Rietzer Grießkogel und in Bildmitte der Pockkogel, rechts davon der Gaißkogel

An dieser Stelle dreht die Route nach Westen in das schmale Hochtal mit den Resten des  Gamezkogelferner an dessen Ende die Südflanke des Sulzkogels und die Nordflanke des Gamskogels den Talkessel bilden.

Gelände kurz unterhalb der Flachstelle

Etwa in der Hälfte des recht flach steigenden Tals kann der gesamte restliche Aufstieg bis zum trennenden Sattel zwischen den beiden Gipfeln eingesehen werden.

Weiter im Hochtal mit zunächst flacher Route

Ein toller Hang führt vom Talende auf rund 2.800m über ca. 140Hm auf den Sattel unterhalb des Gipfelaufbaues des Sulzkogels und wird in einem Dutzend Spitzkehren begangen.

Hochtal unter vollem Einblick knapp nach dessen Beginn

Knapp oberhalb des Sattels legten die meisten Tourengeher an diesem Tag ihr Schidepot an.

Sulzkogel – stark besuchtes Ziel bei diesem Prachtwetter

Wir trugen sie bis zum Gipfel hinauf, da es weiter oben die Möglichkeit gab in die Südflanke einzufahren und, was wir noch nicht wussten und sich später herausstellte (siehe Foto in der Galerie), es gab auch die Möglichkeit über einen sehr steilen Hang direkt ostwärts abzufahren.

Blick von der Kraspesspitze links über Rotgrubenspitze (etwa mittig), Gleirscherfernerkogel (Beginn letztes Drittel) bis zurück zum Strahlkogel rechts

Der restliche Aufstieg von gut 50Hm vom Schidepot erfolgte in weniger deckender Schneeauflage, teilweise zwischen Felsen hindurch über die steile Westflanke bis zum Gipfelkreuz des Sulzkogels. Ein sicherer Tritt ist hier ratsam.

Rückblick auf den Sattel zwischen Sulz- und Gamskogel

Nach dem Schidepot gibt es einen Aufstieg eher direkt zur langgezogenen Gipfelrippe und einen nördlich ausgerichteten zum hinteren Ende des Gipfels. Wir nahmen letzteren, da dort weniger Personen aufstiegen.

Das Gros der Gruppe am Schidepot

Das Panorama am Sulzkogel ist sehenswert. Besonders gut kann die rassige Schitour auf den Hochreichkopf im Südwesten eingesehen werden.

Herrliche Blicke nach Westen – in Bildmitte der Hochreichkopf

Links vom Hochreichkopf befindet sich die Hohe Wasserfalle und rechts von ihm der Wechnerkogel mit der steilen Wechnerscharte, sowie in der Gruppe der eindrucksvolle Acherkogel und der niedrigere Manningkogel.

Nahezu der gesamte Verlauf des Aufstiegs auf den Hochreichkopf, über die steile Querung bis zum Sattel und die steile Flanke bis zum Grat, der noch über einige Meter begangen werden muß, ehe der Gipfel erreicht wird, liegen voll ersichtlich vor dem Auge des Betrachters.

Anstieg über die westliche Gipfelflanke

Die letzten Höhenmeter auf den Sulzkogel finden über die recht steile Westflanke des Gipfelaufbaues statt. In unserem Fall waren die Verhältnisse gut, meist im Schnee, weniger auf Fels folgten wir der bereits recht ausgetretenen Spur.

Sulzkogel, 3.016m – Jasi entsprechend entzückt

Das kleine schöne Gipfelkreuz aus Edelstahl huldigt mit einer Bronzegußtafel einem Bergsteiger Sulzberger, die entweder durch die Ironie des Schicksals oder absichtlich am Sulzkogel aufgestellt wurde.

Kühtai und in Bildmitte der Rietzer Grießkogel

Im Nordosten beeindruckt der Rietzer Grießkogel, im Westen Neunerkogel, Gaißkogel und Pockkogel, sowie die Kraspesspitze und fast im Süden der Zwieselbacher Rosskogel.

Welch Ausblick – von Schöllekogel bis zum Zwieselbacher Rosskogel, dahinter die Kalkkögel und wieder dahinter die Zillertaler

Der Sulzkogel ist für Schitouren der einzige leicht erreichbare Dreitausender ab Kühtai. Entsprechend beliebt ist sie daher und während wir die umliegenden Gipfel betrachteten trafen schon die nächsten Tourengeher ein.

Evi am Sulzkogel

Die noch tief verschneite Szenerie war für einen ersten Mai schon außerordentlich zu betrachten, jedoch wurde es bald enger auf der kurzen Gipfelrippe.

Fortunato am Gipfel angelangt

Die verfügbare Fläche zum Verweilen am schmalen Gipfel ist klein und durch vermehrten Andrang von Nachkommenden hielten wir uns nicht sehr lange am Gipfel auf.

Rüsten zur Abfahrt auf der steilen Gipfelrippe

Das weiter vorne (südlich) am Gipfel aufgestellte zweite Gipfelkreuz besuchten wir gar nicht mehr, sondern stiegen gleich wieder durch die Felsen zu einer Stelle ab, an der es auch möglich schien in die Schi einzusteigen, ohne Gefahr daß sich dieselben verabschiedeten.

Im Südhang mit nun deutlich weichem Sulz

Wider Erwarten war der oben steile Hang nur teilweise angenehm zu befahren, weil schon recht aufgeweicht. Zudem bildete angefrorener Schnee aus der Gipfelflanke eine dicke Auflage am Belag des Autors, sodaß dessen Schi unerklärlicherweise unfahrbar wurden.

Mühsames Unterfangen mit aufgestolltem Belag Figur zu machen

Eine neue Erfahrung die – weil unbekannt – über den gesamten Hang für Ärger über die plötzliche Situation und für Verwunderung sorgte und erst beim Ablegen und Wenden der Schi entdeckt wurde.

Südhang gegen mittags

Nach der Panne und dem Säubern des Belags war der Lapsus auf der Ausfahrt aus dem schmalen Tal schnell vergessen. Die Verhältnisse waren besser als weiter oben und die Schneebedingungen so gut wie sie im Hochwinter sein können.

nach der Flachstelle beim See gequert – ein Nordhang verspricht pulverigen Schnee

Über die Steilstufe hinab gab es teils Pulver, teils Harsch und bis unten hin oberhalb des Stausees eine durch kleine Rutschungen verursachte knollige Steilflanke aber alle verschiedenen Schneearten erwiesen sich als recht gut fahrbar.

jedoch mit leichtem Harschdeckel im unteren Teil – dennoch gut fahrbar

Der flachere Teil oberhalb der Verzweigung ließ sich wieder mit leichten Schwüngen fein abfahren.

Abfahrt über den unten flacheren Teil unterhalb der Steilstufe

An der Verzweigung – Schafleger – angelangt versuchten wir so hoch wie möglich in das Flachstück neben dem See einzufahren. Jene, die die höchstmögliche Position befuhren schafften am Ende nur etwa 50m Strecke weiter als jene, die recht mittig durch den Hang querten – wieder etwas dazugelernt.

bei der Verzweigung zur Finstertaler Scharte angelangt

Zur Rückkehr auf das Niveau der Staumauer war ab der Querung erneutes Auffellen notwendig. Der Höhenunterschied ist zwar gering, jedoch geht es nicht mit Anschieben zurück. Die Stecke ist etwa 1.200m lang und in kaum 20min zu bewältigen.

am Auffellpunkt oberhalb des Seeufers

Am kleinen Plateau an der Staumauer wird abgefellt und der letzte Blick auf die Tour und den Sulzkogel gerichtet.

Querung über die Steilflanke oberhalb der Hangverbauung

Über die Nordseite der Staumauer geht es zurück in Richtung, Graf Ferdinand Haus das aber mit den Liften ebenfalls geschlossen wird. Über die Piste des Alpenrosenliftes konnten wir noch ein paar schöne Schwünge im Firn erleben.

an der Dammkrone angelangt – Hilli strahlt über die traumhafte Schitour

Der Zeitbedarf vom Parkplatz und zurück betrug vier Stunden mit einem knapp 30 minütigen Gipfelaufenthalt.
Die Strecke betrug sechs Kilometer bei 1.000m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit etwas mehr als drei Stunden, die Gesamtzeit viereinviertel Stunden

Mils, 01.05.2019