Archiv der Kategorie: Zillertaler Alpen

Schitour Kleiner Kaserer, 3.093m

Einer gewaltigen Mauer sieht man sich am Parkplatz beim Gasthaus Kasern gegenüber, wenn man die Schitour auf den Kleinen Kaserer über den Kasererwinkel begeht. Diese riesige Mauer wird immer mächtiger, während die lange Strecke durch den Kaserer Winkel zurückgelegt wird.

Kleiner Kaserer, Großer Kaserer, Falscher Kaserer und Olperer

Der steile und anspruchsvolle Aufstieg beginnt erst ganz hinten im Tal; ab dort müssen gut 1.100Hm durch sehr steiles Gelände in Spitzkehren zurückgelegt werden, bevor über einen nicht minder steilen runden Kopf der kurze mittelbreite Grat, mit steilen Abbrüchen zu jeder Seite, beginnt und auf den Gipfel des Kleinen Kaserer führt – eine Schitour die in Erinnerung bleibt.

Start frühmorgens beim Gasthof Kasern

Mitten im flach scheinenden Tal, beim einst bedeutenden Tuxer Joch – der Aufstieg und der Einschnitt des Joches selbst, während dem monotonen Gehen im Tal zur Linken gut sichtbar – wechselt die Gebirgseinteilung von den Tuxer zu den Zillertaler Alpen. Hintertux gehörte bis 1926 zur Gemeinde Schmirn und über das Tuxer Joch wurden früher auch die Verstorbenen nach Steinach gebracht. Wer sich näher dafür interessiert dem sei diese tolle Broschüre empfohlen.

Im Kaserer Winkel

Am Ende des Kaserer Winkel und vor dem Aufsteilen der Mauer wurden – man glaubt es nach geringen Anstrengungen bis dorthin kaum  – bereits 400Hm zurückgelegt und das Bangen, daß bei der Abfahrt kräftig angeschoben werden muß, kann an dieser Stelle bereits verneint werden.

Kasererwinkel im Rückblick – bereits auf 2.000m

Selbst zu Anfang April findet der Aufstieg gegen 7 Uhr morgens bis auf 2.850m im Schatten statt und die Morgenthermik vom Gipfel herab zwang uns zu Winterhandschuhen. Die Lichtverhältnisse im engen Tal und auf den ersten steilen Passagen sind eher schlecht für Fotos, an denen Geländeform und markante Aufstiegspunkte erkannt werden können.

Aufstieg über die ersten Hänge zur Überschreitung des Baches

Die Schitour dürfte wegen ihres eingangs beschriebenen selektiven Charakters vorwiegend nur vom versierteren Tourengeher begangen werden. Die Hänge im oberen Teil, am – im Kartenwerk noch so geführt – Kaserer Ferner Gelände und beim Hinausqueren auf die Nordflanke des runden Kopfs treten Hangneigungen von mehr als 40° auf, denen nur teilweise ausgewichen werden kann, z. B. durch kluges Anlegung der Spur, wie es drei starke Südtiroler Burschen, die uns weiter unten überholt hatten, perfekt vorführten.

westlich des Bacheinschnittes geht es weiter

Der Aufstieg von unten begann bei unserer heutigen Begehung mit einer recht hartgefroren Schneedecke, die gleich auf den ersten steilen Hängen fast die Harscheisen gerechtfertigt hätte. Sie kamen aber erst später zum Einsatz.

bei der Überschreitung des Bacheinschnittes – in diesem Muldental geht es gut 600Hm im Schatten nach oben

Die Rippe, die durch den Bacheinschnitt vom Ferner herab die oberen Hänge jenseits des Baches vom unteren Aufstieg trennt führt etwa bis 2.150m hinauf. Anschließend umgeht man diese Rippe nach Osten und betritt eine schmale steile Talmulde, die nach oben hin noch steiler wird und den Großteil des Gesamtaufstieges bildet. Die Talmulde ist unten etwa 150 bis stellenweise oben nur 100m breit und von links im Aufstiegssinn kamen, nach der durchgezogenen Störungsfront von Süden vorgestern, kleine Nassschneerutschungen bis knapp zum Aufstiegsband herab.

die flotten Burschen haben uns überholt

Der lange Anstieg durch die Mulde findet durchgehend in vielen Spitzkehren statt und im Mittelteil befindet sich die einzig flachere Stelle, etwa auf 2.650m. Ungefähr 200Hm nach der Flachstelle dreht die Mulde von Süd gegen West.

mühsamer, langer und Steiler Aufstieg

Dort befinden sich die steilsten Abschnitte und die Rutschungen des talseitigen Schis in der Spur wurden mehr – durch die Wetterfront kein besonders wünschenswerter Untergrund. Die gute Nachricht ab etwa 2.700m war Pulverschnee in dieser Nordmulde.

Rückblick ins Tal

In der perfekten Spur der Sterzinger Mander traten wir nach knapp 3 Stunden, um 10 Uhr die sonnenbeschienene Querung auf den Nordrücken, der sich oben zum Nordgrat ausbildet.

die letzte Steilstelle vor dem Übergang

Unterhalb des Nordrückens wird auf 2.900m zuerst eine Flachstelle erreicht, die für eine Trinkpause und Übersicht auf die letzten 200Hm Aufstieg genutzt werden kann.

am Übergang auf 2.850m – endlich Sonne!

Der Restaufstieg ist von dort gut einsehbar, bis auf den westseitigen Hang am Nordrücken nach der Steilstelle beim Übergang auf denselben. Dieser ist noch nicht sichtbar und er überraschte bei der Abfahrt auch durch mehrmaligen Felskontakt mit dem Schibelag.

Rückblick in die Talschaft

Über den Nordrücken gehen die Spitzkehren bei Hangneigungen von 35° weiter, bevor besagter Westhang erreicht wird, in dem es deutlich flacher wird und der am Grat endet.

der steile Nordhang in voller Pracht

Am Kopf des Nordhangs angelangt kann das Gipfelkreuz am Ende des Grates in schierer Nähe erblickt werden.

Eindrücke von der Hangneigung am Nordhang

Der leicht überwächtete Grat hatte bei unserer Begehung heute eine etwas prekäre Stelle mit einer hervorstehenden Felskante zu bieten, über die hinwegzukommen ein wenig Akrobatik erfordert, oder die links, nahe des Steilabbruches zum Kaserer Ferner hin auf steilem Untergrund umgangen werden kann. Alternativ trägt man den Schi darüber. Bei der Abfahrt ist sie auch zu beachten, jedoch weniger tragisch.

Grat zum Kleinen Kaserer

Der Gipfel des Kleinen Kaserers wurde heute vom Normalaufstieg über die Höllscharte mehrfacher besucht als von den insgesamt sieben Tourengehern aus dem Kaserer Winkel.

Schigebiet mit dem mächtigen Olperer

Von der Höllscharte wird ohne Schi angestiegen und nach den Berichten der Tourengeher vom Wildlahnertal herauf waren die Schneeverhältnisse ähnlich schlecht, jedoch im Gegensatz zu unserem Anstieg auch im oberen Teil, in dem uns immerhin etwa 400Hm Pulver beschieden war.

unser Anstiegsgrat im Zoom

Trotz des Schigebietes genossen wir die wunderbare Aussicht auf den Olperer und Fußstein, sowie die Gefrorene Wand Spitzen im Süden und Südosten.

Freude nach dem tollen Aufstieg am Kleinen Kaserer

Im Südwesten befinden sich gleich eine ganze Reihe von tollen Gipfeln, als Schitour oder Bergtour bestens geeignet, als da südwestlich des Olperers wären: Fußstein, Schrammacher, Hohe Wand im fernen Hintergrund, Sagwandspitze und weiter südwestlich der Kraxentrager. Leider nicht sichtbar durch die dicke Wolkendecke im Südteil des Landes, der Wolfendorn.

die fleißigen jungen Kollegen aus Sterzing – über ihnen Fußstein, Schrammacher, Hohe Wand im fernen Hintergrund, Sagwandspitze und weiter südwestlich der Kraxentrager

Nordseitig kann der Aufstieg zum großen Teil eingesehen werden und die Steilheit der Felsmauer aus dem Kaserer Winkel herauf kommt hierbei gut zur Geltung.

eindrucksvoller Tiefblick auf das 1.100m tiefer liegende Tal

Natürlich wurde es von uns nicht unterlassen Höhenmedizin an unsere Mitstreiter, die den Aufstieg  gespurt haben, auszuschenken. Im Gegenzug gab es einen Schluck Rotwein aus der Glasflasche mit Korken – Tiroler Selbstverständnis und lustiger Luxus auf 3.093m!

Kleiner Kaserer, 3.093m Nordansicht

Zur Abfahrt gerüstet verließen wir nach fast einer Stunde gegen halb zwölf Uhr den schönen Gipfel des Kleinen Kaserer. Der etwas rumplige Grat konnte gut befahren werden, die Stelle mit der Felskante wurde rechts umfahren. Am Westhang des Nordrückens fanden wir gute Pulverschneebedingungen vor und hatten, bis auf die Stellen mit Felskontakt, eine schön zu schwingende Abfahrt über den steilen Rücken.

eine kleine prekäre Stelle am Grat

Nach der Querung auf den Kaserer Ferner waren die Verhältnisse bis etwa 2.700m so wie oben mit bäriger Abfahrt im Pulver. Nach unten hin, bis auf 2.200m wirkte sich der Bruchharschdeckel mit der harten Kruste schweißtreibend aus.

Abfahrt vor der Flachstelle

Ganz unten befanden sich die Hänge noch nicht so lange in der Sonne, sodaß wir auf gut zu fahrendem harten Harsch bis zum Talende fahren konnten.

ein Traum die Abfahrt – steil und kräftezehrend

In Kaserer Winkel selber fanden wir erstmals gute Firnverhältnisse vor, die fast bis zum Talausgang anhielten und kurz vor dem Talende in Sulz übergingen, der auf den letzen paar hundert Metern Anschieben erforderlich machte.

und immer noch im Pulver…

Die selektive Schitour nahm incl. aller Pausen 5:20 Stunden in Anspruch.

Rückblick auf die rassige Schitour auf den Kleinen Kaserer, die Aufstiegsroute sollte nach dieser Beschreibung gut zu erkennen sein

Die Höhenmessung zeigte 1.500Hm. Die Track-Aufzeichnung in der Bildergalerie zeigt nur den Aufstieg. Die Abfahrt findet auf der Aufstiegsroute statt.

Idylle beim Gasthaus Kasern

Siehe Aufstiegsaufzeichnung und Hangneigungskarte, sowie Ausblicksmarkierung vom Gipfel des Kleinen Kaserer mit wichtigen sichtbaren Gipfeln in der Bildergalerie.

Blick von Nordosten – Aufstiegsroute rechtes Bildviertel

Mils, 06.04.2019

 

Schitour Wolfendorn, 2.776m – vom Gasthaus Wolf

Einer der Klassiker unter den Schitouren in den Brennerbergen, der Wolfendorn, ist wahrlich ein lohnend Ziel, bietet er doch einen netten Waldaufstieg zu Beginn,  eine steilere Passage oberhalb der Waldgrenze, ein weites schön gestuftes Hochkar und eine bilderbuchhafte Steilflanke zum Gipfel.

Wolfendorn, 2.776m

Darüber hinaus bestechen der rasche Zugang zu den schönsten Teilen und die Länge der Tour. Der Aufstieg bis zur Waldgrenze ist etwa in 70min, zum Beginn der aussichtsreichen Gipfelflanke bei zügigem Aufstieg in gut zwei Stunden geschafft (Gh. Wolf 1.380m – Beginn Gipfelflanke 2.580m).

Start beim Gasthaus Wolf

Der Parkplatz beim Gasthaus Wolf ist klein (etwa 15 Fahrzeuge) und der Wolfendorn ist sehr beliebt – wie man auch auf den Fotos der Abfahrt erkennen kann – also empfiehlt es sich zeitig in der Früh dort einzutreffen, im Fall der heutigen Begehung war das 7:45 Uhr wobei der Parkplatz fast leer vorgefunden wurde.

gut beschildert bis zur Luegeralm

Zwischen dem allgegenwärtigen Getöse der Autobahn freut man sich über Vogelgezwitscher beim Aufstieg zur Luegeralm über den gut beschilderten Waldhang. So manche Abkürzung führt durch dichten Wald und hin und wieder wird der Almweg überschritten.

Luegeralm

Rasch wird an Höhe gewonnen wodurch der Verkehrslärm verstummt und Ruhe eintritt. Schon weit vor der Alm befindet sich der Wald in Stille. Der Aufstieg ist im Durchschnitt steil, zumindest wenn entlang der Abfahrtsspuren im Wald angestiegen wird. Das freie Gelände der Luegeralm betritt man am tiefsten Ausschnitt und durchschreitet es in direkter Linie.

Aufstiegsgelände bis zur steilen Rinne einsehbar

Der Wolfendorn wird von den Italienern, die etwa 130km südlich davon leben, „spinnater (verrückter) Lupo“ genannt. Warum sie sich just hier eines Tiroler Dialektwortes bedienen ist nicht bekannt. Möglicherweise hat das fast hundertjährige schmerzvolle Zusammenleben mit Tirolern Befruchtung in diese Richtung gezeitigt.

durch einen schönen Lärchenwald hinauf

Oberhalb der freien Almfläche führt der Aufstieg im schönen alten Lärchenwald weiter. Ein Zeichen, daß die Lawinentätigkeit durch die folgende steile Rinne nicht so ausgeprägt sein kann. Dir Rinne beginnt oberhalb der Waldgrenze des Lärchenwaldes. In mehreren Spitzkehren wird über die zunächst mittelbreite Rinne angestiegen bevor sie enger wird und der Anstieg über die rechte Flanke in flacheres Gelände hinaus quert. In diesem Bereich ist sie am steilsten (35-39° lt.  OpenSlopeMap).

steile Rinne über der Baumgrenze

Auf der Rippe nach der Flanke angekommen kann das Ziel, der Wolfendorn eingesehen werden. Sogar das Gipfelkreuz ist sichtbar, obwohl den Bezwinger noch etwa 650m Aufstieg davon trennen.

Rückblick in der Rinne

Die rechte Begrenzung des herrlich anzusehenden weiten Hochkars, das mit der Querung auf die Rippe betreten wurde bildet die imposante Flatschspitze (2.566m) mit ihren steilen Rampen und deren senkrechten Abbrüchen.

Wolfendorn mit sichtbarem Gipfelkreuz

Mittlerweile, etwa um viertel nach Neun zu Anfang März, steht die Sonne bereits so hoch, daß der weitere Aufstieg bis zum Gipfel durchgehend beschienen wird, sofern die Wetterlage entspricht, was bei der heutigen Begehung Gottseidank der Fall war, obwohl wesentlich schlechter prognostiziert.

tolle Mulden im Kar

Es geht nun flacher weiter, zunächst sogar einige Meter über die Rippe abwärts, bevor, fast an einen Aufstieg über einen Gletscher erinnernd, ein langes Stück leicht steigend aber bretteben dahingeht, der nächsten Geländekante zustrebend.

Rückblick auf das Hochkar

Die rund 400Hm durch das Hochkar bieten wunderbare Abfahrtshänge, da sie zum Großteil der Sonne abgewandt sind. Auch der Aufstieg durch die weiten Mulden ist ein Genuß, immer die markante Gipfelflanke im Blickfeld. Je weiter gegen diese Flanke angestiegen wird, desto imposanter dringt sie ins Empfinden und je näher sie kommt, desto klarer wirkt die gewaltige Hangneigung (siehe Hangneigungskarte aus Tiris in der Bildergalerie).

letzte Geländestufe vor dem Gipfelhang

Etwa bis 2.660m bleibt die Hangneigung unter 35°, über die letzten 100Hm jedoch steigt sie stetig an. Dies war die Grenze ab der Harscheisen vonnöten waren. Der Schnee war hart, jedoch nicht harschig oder richtig eisig.

etwa dort wo die Kollegen stehen wird der Hang steiler

Ab 2.700m befinden sich etwa 40Hm Aufstieg im Neigungsbereich von über 40°, in dem auch Spitzkehrentechnik gefragt ist. Der Autor weicht den gymnastischen Spitzkehrenübungen immer durch einen Fersentritt auf den Schi aus, der dann in die gewünschte Höhe schnellt und er die Drehung auf diese faule Weise auch hinbringt. Gottseidank filmt das nie jemand.

etwa von 2.600m aus Richtung Gipfel geblickt – die steilen Passagen schon erkennbar

Durch Abfahrtsspuren der vergangenen Tage, sowie durch Stapfspuren befand sich just das steilste Stück in einem rippigen Zustand quer zum Schi bei dem speziell die mittig angeordneten und unerlässlichen Harscheisen kaum Gripp  bekamen – eine Situation für die erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich war, um nicht ins Leere zu treten.

die Steilheit anhand der Spitzkehren der schnelleren Kollegen erkennbar

Die letzten 40Hm flachen dann wieder stetig ab, das Gipfelplateau ist nahezu eben. Die Aufstiegszeit von etwa 2.550m bis zum Gipfel – das sind lediglich ca. 200Hm wurden incl. Harscheisen anlegen 35min benötigt; dies zur Verdeutlichung der Steiggeschwindigkeit am Gipfelhang.

im steilsten Stück

Über den Gipfel des Wolfendorn blies mäßiger Nordwestwind. Der Anraum am Gipfelkreuz jedoch deutete auf den Süden als vorherrschende Wetterlage während des letzten Niederschlags.

Gipfelkreuz

Von Glück konnte man beim Rundblick in die Umgebung reden, daß ausgerechnet ein Kreis um den Wolfendorn heute von Nebel verschon blieb. Im Osten und von Südwesten bis Nordosten zeigten sich die höheren Berge in Nebel eingeschlossen.

Kamm mit Flatsch-, Roll- und Amthorspitze und

Imposant und immer wieder schön anzuschauen erscheinen die Pfunderer Berge im Süden gegenüber mit der Wilden Kreuzspitze (3.132m) und Grabspitze (3.059m).

westliche Pfunderer Berge mit Wilder Kreuzspitze

Ganz im Osten, leider heute im Nebel verborgen blieb der Hochfeiler (3.509m) im Südosten.

östliche Pfunderer Berge mit Grabspitze und ganz links Hochfeiler (nicht sichtbar)

Die Abfahrt über den harten Steilhang präsentierte sich ein wenig als Rutsch- und Zähneklapperpartie im oberen Teil.

Richtung Schmirntal

Aufgrund der plötzlich zahlreichen Nachsteigenden konnten nur wenig Schwünge ausgeführt werden, da sie ja gleich ordentlich Tempo verursachten.
Im unteren Teil entpuppte sich die Abfahrt im weicheren Altschnee aber als recht genussvoll.

Andrang auf den Wolfendorn

Hinausgequert auf den Verbindungssattel zwischen Wolfendorn und Flatschspitze erwischte man auch noch einen schönen Hang mit Pulverauflage. Da dieser Hang der Sonne abgewandt ist konnte in den wenig zerfahrenen Hang neue eigene Spuren eingeschnitzt werden.

schöner Abfahrtshang ins Hochkar

Unten im Hochkar, an der Kuppe zur Steilstufe probierte der Autor eine Abfahrtsvariante ganz links im Abstiegssinn, fast bei den Felsen der Rippe zur Flatschspitze (siehe Routenaufzeichnung).

Rückblick auf die Abfahrt vom Sattel

An sich wäre das ein schöner sehr steiler Hang zum Abfahren, jedoch an diesem Tag etwas hart und gestört durch ein kleines Lawinchen Tage zuvor. Man konnte den Hang vernünftig befahren, aber eine Empfehlung ist er nicht.

Kuppe vor der Steilstufe

Wahrscheinlich ist der Hang neben der mittig in der Steilstufe liegenden Rippe eine bessere Abfahrtsempfehlung (siehe Foto in der Bildergalerie).

umfahrene Felsstufe

Durch den Wald bis zum Alm bieten sich unzählige Möglichkeiten im Slalom um die Lärchen abzufahren.

dort wäre sehr wahrscheinlich die bessere Abfahrt gewesen

Das freie Gelände der Luegeralm wieder an der Aufstiegroute durchfahren und unterhalb in den Fichtenwald eingetaucht werden die Schwünge aufgrund des steileren Geländes zwangsläufig enger und enger. Etwa 200Hm geht es im dichten Wald bis zur Lichtung oberhalb des Gasthauses Wolf hinab, wo die Tour ihr Ende findet.

am unteren Ende der Luegeralm

Zum Abschluß lege man den Heimfahrtsstress ab und besuche den netten alten Wirt des Gasthauses Wolf – der gerne betont, daß er der Jägerei frönt – auf dessen Grundstück man schließlich parkiert. Er bietet ein paar kleine Speisen und seine Erscheinung, sowie die urige Stube mit seinen selbst erlegten Jagdtrophäen wie auch die wunderschönen Kohlestiftzeichnungen seiner Urgroßeltern muß man erlebt haben.

urige Gaststube Gasthaus Wolf

Der Zeitbedarf für den Wolfendorn betrug knapp 4 Stunden und hängt in gewissem Maße von den Schneeverhältnissen und der Versiertheit im Steigen am Steilhang ab – empfohlen  werden 5 Stunden ins Kalkül zu nehmen.

Aufzeichnung Schitour Wolfendorn

Der Gipfelaufenthalt mit moderatem Nordwind beschränkte sich auf ein paar Hände voll Studentenfutter, Apfel, Höhenmedizin und ein paar Fotos.  Bei der Rückkehr am Gasthaus Wolf zeigte die Uhr exakt 1.400Hm und die Aufzeichnung errechnete 5km reine Aufstiegsstrecke.

Mils, 09.03.2019

Schitour Wildlahnerscharte – Falscher Kaserer, von Schmirn

Eine klassische Frühjahrstour führt vom kostenlosen Parkplatz Toldern/Schmirn auf die Wildlahnerscharte und den Falscher Kaserer, wie sich der kleine Gipfel neben der Bergstation des Schleppliftes der Hintertuxer Gletscherbahnen nennt.

Gipfel Falscher Kaserer, 3.254m

Um gleich allen falschen Angaben im Internet zu entgegnen, der Parkplatz liegt auf 1.515m, der Falsche Kaserer hat eine Höhe von 3.254m und die Route weißt kaum einen einzigen Meter Zwischenabfahrt auf. Der Höhenunterschied beträgt also 1.739m.

Tragestrecke ab dem Parkplatz Toldern

Das Wildlahnertal ist ähnlich kupiert wie die klassischen Talaufstiege im Stubai, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. So erfreut man sich nach den ersten 380Hm nach der kleinen Hütte eines ausgedehnteren eher flachen Stückes bevor es westseitig durch eine Rinne in der nächsten steilere Stufe zum sich weitenden Tal empor geht.

grandioses Panorama unterhalb der Hütte

Am heutigen Tag  in diesem außergewöhnlich schlechten Winter um – 7:35 gestartet – war ab dem Parkplatz eine ca. 100Hm messende Tragestrecke erforderlich. Man steckt sie allerdings leicht weg. Weiter oben mußte man nur noch weitere ca. 25m abschnallen und tragen. Die Abfahrt am Weg ist allerdings schon nur mehr die Pflugbreite der Schi breit, eine weitere Woche wird das weißgraue Bandl aber nicht mehr halten.

nach der Hütte das komplette Wildlahnertal zu Füßen – rechts steig man auf

Ab der kleinen Hütte herrschen aber noch tief winterliche Bedingungen, die Schneequalität ist gut, von rechts (westlich) sind schon ein paar ältere Lawinen abgegangen, die bei der Talausfahrt nicht übel zu queren sind. Übrigens präsentierte sich der Gesamte Aufstieg ab dem Anschnallpunkt als gefroren und fest.

zur Abwechslung die zweite Steilstufe – Rinne mit einer alten Lawine

Nach der zweiten Steilstufe empfing man heute leichte bis mittelstarke Windböen mit abwechselnder Windstille dazwischen, also ein recht angenehmer Aufstieg für die eigene Vorstellung nach dem unglücklichen Wetterbericht.
An Sonne allerdings mangelte es kräftig, das wäre für den Vormittag auch anders vorausgesagt gewesen. Dafür wiederum profitierte man hinsichtlich der Lawinenwarnstufe. Keine Sonneneinstrahlung ließ den oberen Teil der Tour (ab ca. 2,200m) nicht zu Firn auftauen und im unteren Teil waren die Verhältnisse bei der Abfahrt vor13 Uhr schon perfekt frühjahrsartig „schmierig“.

Rückblick auf ca. 2.100m

Eine große Anzahl an Tourengehern verließ den Aufstieg zur Linken, um den Kleinen Kaserer zu besteigen und so befand ich mich mitten im weiten oberen Wildlahnertal total alleine und genoss die Stille. Der Aufstieg ist mir von Blicken hinab vom Sommer vom Valsertal auf den Olperer bekannt und ich freute mich aufs Wiedersehen – der Olpererferner ist immer eine Freude anzusehen.

die Szenerie – links der falsche Kaserer, mittig im Nebel Olperer, rechts der gewaltige Fußstein

Quer von Osten herab zieht der Wildlahnergrat und wenn man ihn von der Kuppe aus, an dem der unterste Teil des Gletschers beginnt ansieht, dann kann man sich vorstellen warum die Namensgebung so bizarr ausfiel – wilde Lahnen mögen hier durchaus herabstürzen.

der Olpererferner von unten mit dem begrenzenden Wildlahnergrat

Der Gletscher wird im Winter eher in seiner Mitte begangen, die Aufstiegsspuren waren teilweise sichtbar und die logische Route konnte man bereits von unten erkennen. Von links, eben vom Wildlahnergrat sind über den Winter einige unangenehm zu gehende Lawinen heruntergegangen, wogegen die Mitte des kleinen Gletschers eine breite gut zu begehende Zunge bildet.

Rückblick vom oberen Teil des Olpererferners, rechts der Wildlahnergrat

Man möge seine Harscheisen nicht zuhause vergessen, die Steilheit und die Oberflächenbeschaffenheit der Schneedecke mitten im Gletscher sind prädestiniert auch Hartgesottene weich zu klopfen, wenn sie ohne Harscheisen aufsteigen und nach bereits gut 1.300m Aufstieg kann doch durchaus es auch etwas bequemer sein (vielleicht werde ich auch nur alt?).

der Saum des oberen Teiles des Gletschers

Der Gletscher stellt die dritte, steilste und längste Steilstufe dar, sie haben sich sozusagen von Beginn an selber gesteigert. Weiters ersehnt man am oberen Saum des Gletschers die vermeintlich „flache“ Strecke zur Wildlahnerscharte. Aber weit gefehlt, der Saum pflanzt sich nach dem Hauptteil des Gletschers weiter fort und endet nach lange nicht dort, wo man ihn immer wieder  vermuten möchte.

Gletscherbruch vom Olperer herab – Teilweise Felsbrocken über hunderte Jahre eingeschlossen

Endlich aber taucht nicht nur optisch die Antriebsstation des Schleppliftes auf, sondern auch das ab dort durchgehende und mit der Annäherung lauter werdende Surren des Elektromotors.
das einzig Gute an dieser Station ist, daß man hinter dem Liftwart eine vor den Windböen etwas geschützte Position in den Bauten der Station einnehmen kann, um die Felle zu verstauen und sich für die letzten ca. 30Hm ab der Wildlahnerscharte auf den Falschen Kaserer auf 3.254m vorzubereiten.

Die Wildlahnerscharte in Sicht

Ein freundlicher Wink zum Liftwart – wenn er sich denn einmal aus der Konzentration löst und hinter sich blickt – signalisiert den Freund und ein Danke für den Schutz (man dürfte dort nicht stehen…).

Blick vom Gipfel des Falschen Kaserer zum Großen Kaserer – er ist um 9m höher

Der Rundumblick war heute eben nicht so berauschend, aber nach der weiten Tour, satt über 3.000m erfreute er mich heute trotzdem. Dem zunächst freundlichen, dann zweifelhaften Wetter getrotzt, Vorhaben durchgezogen.

Rückblick auf den kompletten Aufstieg – das Wildlahnertal

Nicht wenige Bergsteiger wollten doch tatsächlich auf den komplett und dauerhaft in Nebel gehüllten Olperer, mich konnte er heute in keiner Weise locken. Viele Versuche wurden aber auch am Übergang vom Gletscher zum Fels abgebrochen wie ich während des kurzen Aufenthaltes beobachten konnte.

Olperer Nordgrat gegenüber

Die Abfahrt über den Gletscher mußte ich ob der diffusen Verhältnisse sehr bedacht ausführen, Nebel zog auch kräftig durch – der April hat soeben begonnen. In fast  Schrittgeschwindigkeit mußten manche Passagen befahren werden, besser wurde es ab dem Ende des Wildlahnergrates.

Rückblick auf den Falschen Kaserer knapp unterhalb des Wildlahnergrates auf 2.700m

Die weitere Abfahrt war sehr akzeptabel und wie bereits erwähnt mit leichtem Firn auf meist tragfähigem Untergrund, ideal zum Hinabschwingen wie im Buche.

vom Gasthaus Olpererblick mit Bier und Knödel

Die Aufstiegszeit bis zum Lift auf der Wildlahnerscharte betrug 3 3/4 Stunden, von dort zum kreuzlosen Gipfelchen des Falschen Kaserers knapp 10min. Höhenmeter: 1.738
Gesamtzeit mit Pausen und Abfahrt: 5 1/4 Stunden.

Mils, 01.04.2017