Archiv der Kategorie: Karwendel

Touren im Karwendel nur Sommer

Hochkanzel, 2.575m

Die Hochkanzel ist der Eckpfeiler im Roßlochkamm bei der sich der Grat von seiner West-/Ostrichtung in die Süd-/Nordrichtung wendet und erreicht wird sie von der Gamskarspitze aus in phantastischer Gratkletterei. Nach ihr folgt die Roßlochspitze als zentraler Gipfel im Roßloch, hoch über dem Roßkar.

Hochkanzel, 2.575m

Wer sich für die gesamte Gratstrecke bis zur Hochkanzel interessiert der möge vorher den Bericht zur Brantlspitze lesen. In gegenständlichem Bericht werden nur neu erlebte, besondere Passagen der ersten Etappe zwischen Gamskarspitze und Brantlspitze beschrieben und die Überschreitung zur Hochkanzel im Detail.

Blick vom Lafatscher Joch auf den auslaufenden Roßlochkamm, dahinter Südliche Sonnenspitze

Als Tagestour gesehen – die wegen der großen Entfernung vom Startpunkt beim Hackl im Halltal in Frage kommt stellt die Hochkanzel, zumindest für den Verfasser, das äußerste Ziel dar, das erreichbar ist. Eine Begehung des gesamten Grates über die Hochkanzel hinweg bis zur Roßlochspitze würde vorzugsweise mit einem Abstieg in das Roßloch und mit Rückweg über die Kastenalm zu wählen sein.

Almauftrieb in den Halleranger, dahinter Jochreisen und Lafatscher Roßkopf

Bei einem solchen Unternehmen muß im Übrigen, nach all der bisherigen Erfahrung mit dem nicht unerheblich zeitraubenden Grat bis zur Hochkanzel, die Begehung in umgekehrter Reihenfolge empfohlen werden, da die genussvollen Gratstücke lieber im Aufstieg genommen werden.

die Raiblerschichten vor dem Burattipfeiler, dahinter die Gamskarspitze

Möglicherweise stellt die oben angedachte Runde eine abschließende Erkundungstour in diesem Gebiet dar und je mehr beim Verfassen dieses Berichtes darüber nachgedacht wird, desto mehr – so muß der Schreiber bei Niederschrift dieser Zeilen feststellen – manifestiert sich dieser Gedanke.

Lafatscherverschneidung

Den durchaus ernst zu nehmenden Gratabschnitten im Roßlochkamm wohnt ein eigener Zauber inne, vielleicht aufgrund der nicht so sehr dramatischen Höhenunterschiede zwischen den Scharten wie in den gewaltigen Girlanden der Gleirsch- Halltalkette und somit für einen alten Mann durchaus schmeichelnd in der konditionellen Herausforderung.

scharf getrennt, schlechter Fels und fester Fels an den Schnittlwänden

Auch wenn hier scheinbar Werbung für ein selten begangenes Kleinod im Karwendel entsteht, so möge der wenig erfahrene Gratkletterer und der vor Ausgesetztheit und Brüchigkeit Scheue auf die weitere Lesung des Berichtes verzichten. Wir sprechen von einem Terrain das gefährlich ist und Klettertechnik, Erfahrung sowie Entschlossenheit voraussetzt – vom Glück, daß allzeit sämtliche lockeren Gratpartien im Verbund halten mögen ganz abgesehen.

Am Aufstieg zur Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Trotz der klettertechnisch nicht sehr schwierigen Partien – die generelle Einstufung in den zweiten Grad (manchmal vielleicht ein sehr oberer „Zweier“) trifft gut zu – sind die begleitenden Umstände am und zu beiden Seiten des Grates zur Hochkanzel eben die Zutaten für ein eher heikles Unternehmen. Hat man einen Partner mit so niemals einen dessen Kletterkünste und Resistenz im Ausgesetzten man nicht genau einschätzen kann.

die Inschriften von Tützscher und Wechner am Beginn der Felsstrecke zur Gamskarspitze

Nun genug der Gefahrenhinweise, all jene die die Begehung der Hochkanzel von der Gamskarspitze ernsthaft in Erwägung ziehen sind sich ihrer Eigenverantwortung bewußt. Als echter Bergsteiger würde man niemals jemand anderen für sein Unglück verantwortlich erklären, dies ist Fremden vorbehalten.

Die wenig dampfgesättigte klare Luft am so herrlichen Junimorgen erlaubte selbst für die mittelmäßige Bildleistung eines Telefons phantastische Aufnahmen während der langen Anreise vom Hackl zum Halleranger. Die Schnittlwände mit dem wurstradlgleich abgeschnittenen Burattipfeiler (vor knapp vier Jahrzehnten von Udo und dem Verfasser als schwierigste Klettertour ever in dessen Karriere bezwungen) hinterm Joch machen Fotos der Heimat zu einem Blickfang an dem alle Ansichten von Südseeinseln verblassen.

am Grat zur Gamskarspitze

Brüchige und deshalb rasch vergängliche Raiblerschichten von hochfestem Wettersteinkalk über Jahrmillionen in der Aufschiebung vorne hergeschoben, senkrecht aufgerichtet, zerschartet und von Wind und Wetter gerichtet können im Abstieg zum Halleranger bestaunt werden. Phantastisch skurrile Anblicke und wie Aristoteles in einem Aphorismus treffend erkannt hat: „Die Natur schafft immer von dem, was möglich ist, das Beste“.

alle Gipfel des heutigen Tages; von re. n. li.: Gamskarspitze, Brantlspitze, Hochkanzel

Nach dem Auftanken von Trinkwasser an nicht ultraviolett behandeltem und daher keimbehaftetem, kristallklarem und wohlschmeckendem Bergwasser an den Quellen im Halleranger galt es, wie alle Jahre wieder, beim Aufstieg zur Gamskarspitze den kleinen Kampf mit den Latschen auszufechten.

das nächste Ziel, die Brantlspitze

Der kleine Kampf besteht in der Suche nach dem effizientesten Aufstieg durch die Zunternfelder (Latschenfelder) nach der großen Wiesenfläche mit den markanten Nadelbäumen an seinem Saum. Hier verliert sich der breite Steig, der von der Lärche schräg oberhalb der Hallerangeralm in Richtung Hallerangerspitzen angestiegen wird in zig einzelne Gassen, die aber meist nur Gamsspuren sind und keine gut gangbaren Aufstiege.

Grubenkar- und Dreizinkenspitze über dem weiten Roßkar

Ein Tipp für all jene denen die Gassen zwischen den sichten Latschen nicht so geläufig sind besteht darin, daß die Almwiesenfläche einfach bis zu einer Wasserrinne ostwärts aufgestiegen wird und dann über den teilweise recht schroffigen aber dafür latschenfreien Einschnitt des Wasserlaufes über die Latschen hinausgestiegen wird.

Karwendelhauptkamm

Damit kommt man etwas weiter östlich der Ideallinie an und muß steil weitersteigen, vermeidet aber den kleinen Kampf und spart Zeit ein. Oben trifft man auf die Rippe mit den Schrofen, die sich zu oberst zum Grataufbau hinziehen und den Weg zur Gamskarspitze auch ohne Markierungen weisen.

Tützscher und Wechner haben sich zu Beginn der folgenden Felsstrecke – wie es deren Brauch gebot – vor mehr als 120 Jahren mit schwarzer Farbe auf glattem Fels verewigt und noch heute ist an den gut erhaltenen Buchstaben erkennbar, daß dies sogar mit hoher Präzision in der Glyphologie geschah (Wechner war Lithograph). Diese Markierungsart von vollendeten Touren als Erstbegehung seien dem alpingeschichtlich interessierten Leser hier nicht vorenthalten (die beiden Paradebergsteiger waren Mitglieder in einer der ersten und berühmtesten Bergsteigervereinigung in Tirol, der „Wilde Bande“, die von 1878 bis Ende der 1930er Jahre existierte; sollten die beiden gemeinsam unterwegs gewesen sein, dann muß es vor 1884 gewesen sein – Wechner starb in diesem Jahr, Tützscher 1897).

von der Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Bald nach dem Ende der Wiesenhänge und dem Beginn der Gratzone ist die Gamskarspitze zuerst über einen Schutthang, sodann weitgehend am Grat und zuletzt in der südlichen Gipfelflanke erreicht.
Bisher ein leichtes Ziel und bis oben hin mit Stöcken zum Gipfel begehbar. Kurz vor dem Gipfel können über einen kurzen Bereich am Grat alle drei Gipfel der nun folgenden Überschreitung bis zur gleichzeitig eingesehen werden – Gamskarspitze, Brantlspitze, die Zwischenerhebung nach der Brantlspitze und zuletzt die heute begehrte Hochkanzel.

Der Rückblick auf den Halleranger und der Halltalkette vor dem nun langen Weg ausschließlich auf Fels ist unersetzlich und deshalb hier eine Ablichtung.
Zu Beginn der Gratkletterei zur Hochkanzel findet sich im Bereich der Gipfelbuchschachtel erneut eine verwitterte Markierung von Wechner am Fels, leider aber auf den folgenden Gipfeln keine mehr. Möglicherweise wegen der dort kaum vorhandenen ebenflächigen Blöcke im Gipfelbereich, denn es ist schwer vorstellbar, daß ihn der Grat nicht unwiderstehlich gereizt hat.
Zum Gipfelbuch und den Gipfelbüchern auf Brantlspitze und auf der Hochkanzel sei ein Lob und Dank an die beiden Betreuer gerichtet. Sie haben sich sogar die Arbeit angetan die letzten Einträge des alten Gipfelbuches zu übertragen, nachdem dieses durch Feuchtigkeit unbrauchbar geworden ist. Leider habe ich die Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel in genau der Stellung vorgefunden – liegend! -, die eine Durchnässung geradezu perfekt möglich macht – sapperlot Herr Pfarrer!

die Gegend um das Knappenhüttl unterhalb des Überschalljoches

Im Wissen über die zeitraubende Gratstrecke wurde diese nach hastigem Verzehr einer kleinen Portion Studentenfutter ohne großen Aufenthalt auf der Gamskarspitze um 11:15 aufgenommen.

Tiefe Konzentration am schmalen bis schneidigen Grat läßt die Zeit wie im Fluge verstreichen. Ab und zu ein nachdenkliches Innehalten nach einer brüchigen Partie ist durchaus kein seltenes Erlebnis an dieser interessanten Kante sowie der Wechsel zwischen anregenden scharfen und leichten breiten Gratteilen lassen den Geist vollends in die Arbeit eintauchen und betäuben das Zeitgefühl. An einem Tag an dem es mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Gewitter geben wird, ein hemmungslos auszukostendes Erlebnis.

kleine Störzone mit leichtem Übergang wenige Minuten nach dem Start am Grat

Drei Stellen mit Störzonen im Übergang zur Brantlspitze wurden neu abgelichtet.
Die erste kleine Einschartung kurz nach dem Start des Überganges ist in Richtung Brantlspitze leicht durch Umgehung links (nördlich) zu umgehen, auch wenn es nicht so aussieht. Dass man sich vor dem Abstieg auf einer Störzone bewegt erkennt man erst im Rückblick.

zweite brüchige Scharte

Die zweite Stelle – durch eine größere und unangenehmere Störzone – stellt die tiefe Scharte kurz vor der Brantlspitze dar und ist ebenso leicht zu begehen. Im Abstieg kann ein sinnvoller Schwenk nach links (nördlich) zu einem spitzen Türmchen erkannt werden, der im brüchigen Material einem Hauch von Rampe gleicht. Vom Türmchen zurück zur Scharte auf geneigter Fläche auf einigermaßen trittfestem Untergrund.

Abstieg in die Scharte, links die logische Route

Die dritte Stelle stellt der Ostrücken zur Brantlspitze dar. Im Aufstieg ist er leicht, ja sogar erfreulich anregend zu nehmen und die eher nicht mehr bombenfesten Partien am schmalsten Teil fallen wenig auf. Im Abstieg erschien mir dieser Teil mit der anderen Körperhaltung als recht brisant und veranlasste mich in die Nordflanke unterhalb abzusteigen und in dieser zur Scharte zu queren.

Rückblick mit erkennbarer Abstiegsroute

Das Gelände dort ist zwar schuttbedeckt und unangenehm für eine Querung, aber doch etwas sicherer als der besagte Gratteil. Wir sprechen von ca. 25m Gratlänge zwischen den losen Partien unten (deutlich sichtbar und rechts, südlich, leicht zu umgehen) und der ebenso deutlich sichtbaren Verschneidung an der Gratschneide oben.

letzter Aufstieg auf die Brantlspitze jenseits der Scharte – im Abstieg den Mittelteil des Grates gemieden

Auf der Brantlspitze angekommen begann die Neuerkundung zur Hochkanzel – das erwartete Abenteuer für das die lange Anreise von 6:30 Uhr bis knapp vor 12 Uhr mittags in Kauf genommen wurde.

Rückblick von der Brantlspitze zur Gamskarspitze

Der Übergang findet auf einer abgewinkelten Gratstrecke ab, die zwar auch nicht vollkommen, so doch viel besser eingesehen werden kann, wie jene von der Gamskarspitze zur Brantlspitze. Vorweggenommen kann festgestellt werden, daß für die Erkundung mit dem Glas eigentlich nur der Ostrücken der Hochkanzel interessant erscheint. Dies deshalb, weil alle anderen Abschnitte ohne jede Schwierigkeit für den erfahrenen Gratkletterer begangen werden können.

der Grat zur Hochkanzel im Überblick

Zunächst erfolgt der Abstieg in die erste der beiden tiefen Scharten, am Weg zum Mittelkopf, der innerhalb der Gratlinie im Roßlochkamm eben einen Knick darstellt. Dieser ist leicht und kann als eine Erholungsstrecke angesehen werden, an der die eindrucksvolle Umgebung unter Betrachtung genommen werden kann, beispielsweise Details des Überganges von der Roßlochspitze zur Hochkanzel.

gewaltige Schlucht hat sich durch eine abgerutschte Platte gebildet; sie zieht – schön anzusehen – vom Grat steil hinab

Eine gewaltige Schlucht, gebildet aus dem Abrutschen einer der brüchigeren gratbildenden Platten zieht sich im Abstieg zur Scharte durch den kompletten Hochkanzelstock und hinterläßt einen gewaltigen Eindruck, der die Ausprägung der weiter unten aufragenden Hochkanzeltürme so richtig zur Geltung bringt. Durch die Hochkanzeltürme führt laut Klier ein Anstieg im IIIer Gelände auf die Hochkanzel und auch diese Route ist ein lange gehegter Wunsch, jedoch muß dieser unbedingt mit Partner erfolgen, zu kühn sieht das Gelände vom Knappenhüttl her aus.

Gratverlauf zum Mittelkopf

In der ersten – halbtiefen – Scharte leitet ein „Häutchen“ an Felsverbindung auf den Anstieg zum Mittelkopf über. Es ist halbwegs fest im Verbund und gut begehbar, aber auch nordseitig umgehbar. Der weitere Aufstieg zum Mittelkopf findet auf breiter Rampe statt.

kleines Grathäutchen im tiefsten Bereich der Scharte zum Mittelkopf

Nun bietet sich erstmals der Blick auf den westseitigen Abstieg in recht brüchigem Gelände. Die verschiedenen Plattenqualitäten haben hier verschiedene Verwitterungsformen hinterlassen und zum Glück derart, daß der Abstieg wesentlich leichter erfolgt als auf den Fotos mit Frontalansicht von der Hochkanzel aus.

die Flanke zur tiefen Scharte im Übergang ist zuerst brüchig, dann fester

Im Abstieg links müssen zuerst ca. 20Hm unangenehmen Schuttgeländes überwunden werden, bevor der Fels fester wird und gleich darauf in eine links hinab führende runde Nische überleitet.

Rückblick auf den gewählten Abstieg, die Nische oben erkennbar

Dieser Nische folgt eine Abstiegsrinne, die durch eine weichere schuttbedeckte Platte gebildet wird und der wiederum einige Dutzend Höhenmeter gefolgt werden kann, bevor abermals linkerhand eine Art Band weiter in die Flanke hinab leitet und erneut in einer vertieften schuttigen Platte bis knapp vor die tiefste Scharte abgestiegen werden kann.

Abstieg in der schuttigen Rinne

Der gesamte Abstieg mag auch auf dem messerscharfen sich abzeichnenden Grat rechts der oben beschriebenen Route möglich sein und das vielleicht sogar in festerem Fels, mir erschien jedoch die beschriebene Route für den Abstieg als sinnvoll, die Handflächen innen bereits einigermaßen vom ungeheuer schneidenden Fels gezeichnet.

Ansicht vom Grat, links davon die gewählte Absteigsroute

Die somit erreichte tiefe Scharte ist jene aus der die Besteigung der Hochkanzel aus dem Kar der Schneepfanne erfolgt. Der Blick in die Rinne und auf die unten ausgebreitete Schneepfanne zeigt, daß die Schneepfanne auch noch Mitte Juni ihrem Namen ganze Ehre zeigt, der Firn reicht durchgehend von unten immer noch bis zur Scharte herauf.
Ein Notabstieg könnte hier erfolgen.

beeindruckender Aufstieg zur Hochkanzel jenseits der Scharte

In der bisher erlebten Manier, möchte man meinen, ginge es nun am Grat weiter. Der Felskopf jenseits der Scharte mit den losen Trümmern am Band ist rasch erklommen und bevor man sich einer schönen weiteren Gratstrecke erfreuen kann wird am Felskopf oben angelangt der jähe, senkrechte Abbruch auf der Westseite des Kopfes erblickt.

an der tiefen Scharte angelangt; gegenüber der Felskopf mit dem senkrechten Abbruch an seiner Hinterseite

Möglicherweise ist er gangbar, mir erschien das Abenteuer aber sofort als unnötig herausfordernd und veranlasste mich zur Rückkehr in die Scharte.

kurzer Abstieg in die Südflanke

Umgesehen nach einer Alternative konnte sofort ein südseitiger Abstieg über eine auffällig „gebrauchte“ Schuttreise erkannt werden. Die Abstiegstiefe beträgt geschätzt 15Hm und nach einer leichten Linkskurve befindet man sich komplett in der plattigen Südflanke der Hochkanzel mit perfektem Ausblick auf die wilden Türme über dem Lochhüttl.

in der Südflanke – Platten mit etwa 70/75° Neigungswinkel

An der imposanten Flanke den sofortigen Aufstieg zum Grat wieder gesucht, kann der Westabbruch des zuvor begangenen Kopfes betrachtet werden und mit dem geistigen Ausruf eines „Halleluja“ geschieht die nachträgliche Zustimmung zur Entscheidung, gar nicht erst über den Abstieg desselben nachgedacht zu haben.

leichte Rückkehr von den Platten in der Flanke auf die Grathöhe

Nun, die Rückkehr aus der etwas bedrückenden Versenkung zum begehrten Grat erfolgt wenige Meter nach dem zuvor beschriebenen Abbruch von der Stirnfläche einer der mächtigen Platten in der Flanke aus über wenige Meter in festem Fels. Der Rückblick zeigt die Situation recht treffend.

die ersten Meter des Grataufstieges im Rückblick

Hiermit sind die leichten Schwierigkeiten im Gratübergang zur Hochkanzel auch schon Geschichte.
Mit einem gewissen Gefühl der Befreiung wird der mäßig schwierige Grat weiter emporgestiegen und nach wenigen Minuten ist der feste Fels des mittelbreiten Grates vollkommen erklommen und schuttiges Gelände leitet in den Gipfelbereich über.

am Ende des Aufstiegsgrates auf den Gipfelaufbau der Hochkanzel

Nach wenigen Dutzend Metern und noch weniger Höhenmeter ist das Ziel, die Hochkanzel, erreicht.

Gipfelplateau der Hochkanzel

Den gesamten Gratverlauf gesehen ist dieser Übergang leichter als jener von der Gamskarspitze zur Brantlspitze, aber er bietet auch einige leicht knifflige Passagen, die abwechslungsreich und in gewisser Weise geistig herausfordernd, aber leicht zu klettern sind.

Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel – bitte niemals so platzieren!

Der Ausblick auf die Umgebung an diesem markanten Eckpunkt des Roßlochkammes ist natürlich wieder phänomenal. Von Westen bis Norden der gewaltige Kessel des Roßloches mit den Gipfeln oberhalb berühmter Kletterrouten wie die Laliderer Wände und den folgenden Gipfeln in der Vomper Kette wie die Spritzkarspitze oder die Plattenspitze, die nur noch von wenigen Idealisten wie Juergen aufgesucht wird und eine noch entbehrungsreichere Anreise voraussetzt, wie die Tagestour vom Hackl auf die Hochkanzel. Die Begehungen dieser Gipfel hat eine Frequenz die an den Fingern einer Tischler-Hand pro Jahr abgezählt werden kann. Unbedingt zu empfehlen!

Vomperkette mit Platten- und Spritzkarspitze sowie Hochglück

Im Osten beeindruckt der Ausblick über das archaische Vomperloch, und wer dasselbe nicht kennt dem sei seine Durchquerung ans Herz gelegt. Eine solche Wildnis inmitten ausgeprägtester Zivilisation – wo gibt es das schon?

die bizarren Hochkanzeltürme – ein Anstieg führt über sie herauf und läßt nicht los…

Der Hausberg Bettelwurf mit seiner reizvollen Überleitung über die Fallbachkartürme auf Hohe Fürleg und die Trattenspitze bietet eine kolossale Felsenfront im Süden und dieser Mauer nach Westen folgend bildet das schöne Hinterautal zwischen Gleirschkette und Karwendelhauptkamm den Abschluß im Panorama.

schreckliche Anblicke aber Nichtbergsteiger stehen drauf mußte ich lernen

Dem Gipfelbuch – leider recht unfachmännisch im Steinmandl verwahrt wie das Bild zeigt – entnahm ich, daß einer, dem Kanzeln gar nicht fremd sind, der Verursacher für die der Haltbarkeit unzuträglichen Verwahrung des neuen und nett gestalteten Büchleins gewesen ist. Zwei Tage vor mir, sagt sein Eintrag, habe er den Gipfel besucht….seither hat es nicht geregnet. Es sei ihm verziehen – aber Herr, gib ihm ab jetzt die Gabe solche Werke von nun an wettergeschützt zu verstauen.

bereits am Rückzug – der schöne und feste Grat wird wieder abgeklettert

Ein halbes Stündchen konnte der Gipfel genossen und der Aufstieg von der Roßlochscharte beäugt werden bevor die Hast den Rückweg einzuschlagen den Augenblick, der nicht verweilen darf, beendete.

Gelände zur Scharte; habe dort Steinmandl errichtet- Haltbarkeit fraglich

Was den Rückweg und die damit verbundene neue Erfahrung der Kletterstellen anbelangt, so sei eigentlich nur die kurze, wenig vertrauenerweckende schlanke Platte in der kleineren Scharte nach der tiefsten Scharte erwähnenswert. Diese ist vom Osten nach Westen unangenehm aber auch sehr kurz und auch nicht schwierig. Ich habe nördlich eine Umgehung unternommen.

in der Flachstrecke zurück zum Mittelkopf; das dünne Felshäutchen in der Scharte erschien mir am Rückweg unangenehm locker und zu umgehen

Der Aufstieg zum Mittelkopf erschien auch von unten auf gleicher Route des Abstieges am sinnvollsten und alle anderen Partien bis zur Brantlspitze konnten ohne nennenswerte Hirnleistung nach Gutdünken gewählt werden.

Erwähnenswert ist die Dauer der Überschreitung von der Hochkanzel bis zur Gamskarspitze, sie betrug recht genau 1 1/2 Stunden und der Abstieg zur Hallerangeralm weitere 70min.

eine phantastische Reise liegt hinter mir

Nach einer deftigen Knödelsuppe bei Evi und Horst auf der Hallerangeralm über’s Joch zurückgeeilt – und weil auf 2.000m noch Sonne – beschloss ich ein abschließendes Training zur Bettelwurfhütte zu unternehmen, also nochmals an die 300Hm dazu zu hängen.

der berühmte Herzelfelsen

Bei einem Abschlußbier bei Christine und Ralf auf der Bettelwurfhütte konnte dann der Sonnenuntergang im Tal verfolgt werden und den Parkplatz beim Hackl erreichte ich an dem lang hellen Junitag in der Dämmerung nach 14 Stunden gegen 20:45 Uhr.

die letzten Sonnenstrahlen Richtung Bettelwurfhütte

Die Bergsteigeruhr zählte insgesamt 3.020Hm und die Messung anhand der Karte in Outdooractive beträgt 29km.

Mils, 16.06.2018

 

 

Figln im Halltal

Ist die Zeit der Schitouren vorbei, keimt gleich der Wunsch auf die letzten Relikte des Winters – und hier vor allem die ordentlich steilen – in einer Kombination aus Bergsteigen und Schifahren zu nutzen. Figln – eine spaßige Sache gepaart mit Nervenkitzel in steilen Rinnen.

Schnappschuss getroffen fast wie ein Gemälde Egger Lienz‘

Das Halltal bietet eine Vielzahl von Figlmöglichkeiten. Zwei wohlbekannte Klassiker und zwei eher anspruchsvollere und weniger bekannte Figltouren sollen hier vorgestellt werden.

Figln durch die Nordrinne der Wildangerspitze:

Dies ist die kürzeste der Touren, sie ist auch leichteste vom Anstieg her. Vom Eingang ins Halltal beim Hackl werden ca. zweieinhalb Stunden bis zur Wildangerspitze benötigt. Der Steig auf das Törl sei plötzlich gefährlich geworden und ist deshalb –wie plötzlich so vieles im Halltal –  gesperrt. Es wird hier nicht näher auf Sinn und Unsinn dieser Maßnahme eingegangen, im Vordergrund stehen heutzutage immer nur mehr rechtliche Aspekte, die in atemberaubender Geschwindigkeit in unser Land importiert und das Zusammenleben zunehmend unbefriedigender werden lassen.

Wildangerspitze, 2.153m

Alternativ zum gesperrten Normalaufstieg auf das Törl steht der Anstieg über die Steinbergreise zur Verfügung. Man rechne dafür ein halbes Stündchen mehr und entscheide selbst welchen man nehme. Auch über die Thaurer Alm ließe sich zum Törl aufsteigen.

Christians jungfräuliche Geräte

Vom Törl zur Wildangerspitze sollte man bei klarem Wetter auch im Mai nicht zu spät am Vormittag unterwegs sein, da der Aufstieg auf einem Südhang erfolgt. Zum figln eignet sich die Nordrinne meist aber auch etwas später am Tag, da sie weitgehend sonnengeschützt ist.

über das Lafatscher Joch zum Roßloch geblickt

Während der Rast auf dem bequemen Bankl beim Gipfelkreuzchen können tolle Aussichten gen Nord und Süd genossen werden. Im Süden das frühlingshafte Inntal von Tuxern und Stubaiern begrenzt, im Norden die Gleirsch-Halltalkette mit ihrem mächtigsten Ausläufer nach Süden, der den Roßkopf – eine besonders schöne Felsgestalt im Halltal – trägt.

prächtige Verhältnisse im Bachofenkar

Genau so schön präsentiert sich dann die Abfahrt vom kleinen Schärtchen leicht westlich unterhalb der Wildangerspitze. Christian mit seinen „originalen“ Figln und ich mit den zufällig passenden Snowblades, die eigentlich für Schischuhe gemacht sind machten uns auf zur Abfahrt.

die Figler vor der Abfahrt

Weil meine schweren Bergschuhe einen Miniabsatz zwischen der Gummizehenkappe und der Sohle haben, rastet der Klappbügel der Bindung zufällig ein und bildet deshalb eine unbeabsichtigte Einheit. Massive Schläge hält die Paarung allerdings nicht aus und darum kommt es manchmal vor, daß mir ein Snowblade davon fliegt. Und weil ich schon einmal in der Pfeis einen 200Hm Abstieg zum wieder Einfangen eines solchen Ausreißers hinter mir habe, verwende ich seither Fangriemen aus Draht (die Verwendung von „Alpindraht“ habe ich vom Absamer und Besitzer des Knappenhäusls Karl Obleitner, einem versierten Erfinder rund um das Thema figln, gelernt).

Eröffnung der Nordrinnenfiglerei

Trotz fortgeschrittener Stunde ließ sich die Nordrinne wunderbar abfahren, vor allem der steile obere Teil war gut zu befahren.

mit viel Geschick

Den Anfang eröffnete ich auf Wunsch von Christian, der ein paar Fotos schießen wollte, die auch gelungen sind. Ich blieb dann in dem mir als steilsten Bereich erschienenen Abschnitt mittig stehen und bannte seine Gleichgewichtskünste auf Fotos. Wer selbst schon einmal auf originalen Figln gestanden ist weiß wie sehr ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn dafür notwendig ist. Da sind mir meine in etwa doppelt so langen Brettchen bei weitem lieber. Er machte seine Sache gar nicht so schlecht, stand gut auf den Aluprofilen drauf und landete nicht ein einzig Mal im Schnee.

wedelt Christian die Rinne hinab

Natürlich tat ich mich etwas leichter und vor allem die im Sommerschnee so ausgeprägten und lästigen kleinen Einbuchtungen in der Schneeoberfläche (Kryokonitlöcher bzw. Ablationsformen des Schnees) überfahren sich mit längeren Schi wesentlich besser als mit kurzen Figln.

im Mittelteil der Nordrinne

Wir konnten die gesamte Rinne bis in den tiefsten Karboden abfahren, ein letztes schmales Band an Schnee war sogar noch im latschenbewachsenen Teil der unteren Stempelreisen vorhanden. Gut 400Hm beträgt die Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis bzw. Issanger.

Genau zehn Tage später, bei der Figltour auf die Hintere Bachofenspitze zeigt sich die Rinne bereits bis weit hinauf schneefrei.

die Nordrinne vom Bachofenkar aus 10 Tage später

 

Figln im Stempelkar mit Anstieg über Latten-/Pfeiserspitze:

Der Klassiker im Halltal und eine sehr schöne und in der Abfahrt nicht so steile Figltour führt über die Lattenspitze und weiter über den teilweise versicherten Steig zur Pfeiserspitze, sowie über den leichten Grat hinab ins Kar oberhalb des Stempeljoches, von dem aus zum Stempeljoch abgefahren wird.

erste Figlabfahrt vom Grat der Pfeiserspitze zum Stempeljoch

Der Anstieg zur Lattenspitze erfolgt im unteren Teil wie bei der vorgenannten Figltour auf die Wildangerspitze auf normalem Steige. Nach der Abzweigung des kurzen Anstieges zur Wildangerspitze muß eine meist sehr lange im Frühjahr schneegefüllte Rinne durchschritten werden. Dieses einzige Highlight des Anstieges bis zur Lattenspitze kann mit mehreren Möglichkeiten überwunden werden.

schneegefüllte Rinne im Anstieg zur Lattenspitze

Der begeisterte Schneerinnengeher schlägt sich in der Direttissima mittig der Rinne seine Stapfspur bis oben hin, der Felsgeher packt sie rechts an der aperen schrofendurchsetzten Geländewand und der ängstlichere oder ökonomisch gehende Figler schlägt – wenn sich der ängstliche traut – seine Stapfspuren die schneegefüllte Rinne im unteren steilen Teil die wenigen Meter quer zur Rinne um die äußere, fast immer apere Begrenzung in Fels und Wiesenboden aufzusteigen. Alle Arten sind möglich, die erste ist nicht wirklich gefährlich. oben ein Foto der Rinne aus dem letzten Jahr.

Schlußhang zur Lattenspitze

Nach der Lattenspitze geht es über ein paar Gratrippen weiter zur Pfeiserspitze, die mit eine Luftlinienentfernung von 270m fast in Griffweite liegt.
Der Schöne Steig dorthin ist im Frühjahr oft noch mit Restschneefeldern gefüllt wobei diese manchmal etwas Geschick erfordern gequert zu werden, ohne hüfttief einzusinken oder etwas abzurutschen.

Blick von der Pfeiserspitze in Richtung Lattenspitze

Um die Rippe zur letzten Scharte gibt es ein neues Fixseil dessen man nicht unbedingt bedarf. Der Aufstieg nach der Scharte zum Gipfelkreuz der Pfeiserspitze ist nochmals ein kleiner Klettergenuß. Das Gipfelkreuz wurde zwecks besserem Fundament vom scharfen Grat etwas weiter nördlich verlegt, was erklärt, warum die Gipfelbuchschachtel einige Meter weiter südlich am Grat befestigt ist.

die Pfeis noch im Winterschlaf

Hinab ins Kar führt der neu versicherte Steig zunächst am leichten Grat, dann durch eine zunehmend brüchigere Rinne und zum Schluß durch splitterige Türmchen bis zum Ansatz des Schnees auf der Nordseite. Eine nette Passage.

Sodann erfolgt das erste kurze Figlstück, im besten Fall bis in die Nähe der  Stempeljochscharte, im späteren Frühjahr aber nur bis zum Weg aus der Pfeis herauf.

Blick vom Stempeljoch auf die Abfahrt durch das Stempelkar

Unterhalb der Stempeljochscharte befindet sich im Lee des Felskopfes darüber meist ein fast ebener Anschnallplatz, der auch eine gute sicht über die gesamte Abfahrt bietet.
Alternativ kann bereits oberhalb, beim Normalweg angeschnallt und abgefahren werden, dieser Einstieg ist noch einen Deut steiler als der vorher beschriebene. Ich nehme diesen aber nie, da ich weiß ob nicht Stahlstifte von der Wegbefestigung herausstehen.

Rückblick auf das Stempeljoch

Die Abfahrt durch das Stempelkar ist wirklich ein Highlight, es ist breit und bis zum Ende immer einsehbar und die Spur kann nach Belieben ausgewählt werden. Hier ein Video aus dem letzten Jahr:

Halltalrunde; über Hochmahdkopf, Zunterköpfe, Latten- und Pfeiserspitze zum Stempeljoch und abgefiglt.7 Stunden, 1.800Hm#halltal #karwendel #figln

Gepostet von Bergtouren Tirol am Freitag, 26. Mai 2017

Gesamt 500Hm Figlspaß bis zur Grube über dem Issanger und bei genügend Schnee sogar in diesen noch hinein. Beide Abfahrten bei dieser Tour sind weniger steil als von der Wildangerspitze.

 

Figln in den Jochreisen im Kar des Lafatscher Roßkopfs mit Anstieg über den Kleinen Lafatscher:

Anspruchsvoller als die vorher beschriebenen Figltouren. Der Anstieg auf den Kleinen Lafatscher ist weit schöner als das Kar unter Schnee hinauf zu stapfen. Diese Figltour erfordert etwas Klettergewandtheit und etwas Einfühlungsvermögen für die Routenwahl im Abstieg zur Scharte bzw. zum Joch im Grat vom Lafatscher Roßkopf zum Kleinen Lafatscher.

ein imposanter Blick auf die Speckkarspitze

Am Eckpunkt des Grates, der vom Lafatscher Joch heraufzieht und sich fast auf Gipfelhöhe des Kleinen Lafatscher nach Westen dreht zieht der Grat zum Lafatscher Roßkopf hinunter. Der Höhenunterschied beträgt gut 100Hm.

die Einsattelung zwischen Lafatscher Roßkopf und dem Grat zum Kleinen Lafatscher

In der AV-Führerbeschreibung kommt der Aufstieg mit einer Bewertung von III- weg, ich bin jedoch der Ansicht, daß diese kräftig überzogen ist. Selbst im Abstieg käme mir vor, ich hätte nie ernsthaft klettern müssen.

der heuer noch unberührte Kleine Lafatscher, 2.636m

Die oberste schräge schuttbedeckte Platte wird mit Bedacht auf Reibung abgestiegen und in der Folge werden einige Zacken und Türmchen eher westseitig umgangen bzw. abgeklettert. Zu achten ist auf Schutt bei Tritten. Richtig ausgesetzt ist es nie. Nach meiner Einschätzung würde ich II- vergeben, bestenfalls II.

Grat zur Einsattelung in die sogleich abgestiegen wird

In der Einsattelung thront eine sehr mächtige Wechte, deren Dimensionen erst sichtbar werden, wenn man im ausgeaperten Gang zwischen ihr und der gelblichen Felswand bequem hindurch marschiert, um karseitig zum Anschnallplatz zu kommen. Schätzungsweise war die Wächte an ihrer Vorderkante 5-6m hoch.

kleinere Kletterpassagen am Grat hinab

Sich zwischen Fels und Schnee anzuschnallen war etwas mühsam, da die weggeaperten festen Schneepartien weiter außen lagen als ich die Schrittweite bemessen habe. Karls Alpindrahtfangriemen anzubringen war ganz schön anstrengend auf der schmalen Firnbank.

Rückblick auf den Grat vom Sattel aus

Nachträglich gesehen hätte ich die andere Seite der Wächte im Sattel nehmen sollen, dies wäre um einiges bequemer gewesen, weil ich dann direkt vom Grat abfahren hätte können.

die Höhe der Wechte nicht komplett erwischt, sie muß mehr als 5m hoch gewesen sein

Mit Respekt vor der übermächtigen Wechte ging es nun im Kar über die Jochreisen hinab und die Abfahrt war über ein paar alte, kleine Lawinen sehr gut möglich. Über knapp 500Hm beste Firnverhältnisse und erst in der flachen Mulde nördlich des Lafatscher Joches etwas Bremswirkung durch faulen Schnee.

gerüstet zur Abfahrt

Die Speckkarspitze gegenüber sieht aus der Perspektive in der Hälfte der Jochreisen recht imposant aus – dieser Blickwinkel mußte festgehalten werden.

der Wechte Vorderansicht

Täuschend immer die Zeit für die Abfahrten. Inclusive Rüsten für die Abfahrt habe ich bis zur Ankunft in der Senke vor dem Lafatscher Joch lediglich 20min benötigt. Die Intensivität der Erlebnisse von Natur und figln jedoch vermitteln einen wesentlich längeren Eindruck des Erlebnisses.

mitten in der Abfahrt

Die obersten 100Hm der Abfahrt dürften die Steilheit der Wildanger Nordrinne besitzen, anschließend wird es deutlich flacher.

Rückblick auf die Abfahrt über die Jochreisen

 

Figln in der Rinne zu den Bachofenspitzen und im Bachofenkar mit Anstieg auf die Hintere Bachofenspitze:

Für mich die Königstour im Halltal ist die Rinne zu den Bachofenspitzen. Sie ist lang und schwer, Klettererfahrung ist weniger erforderlich, sehr steile Aufstiege mit Steigeisen sollte man jedoch bereits absolviert haben. Die Rinne, die sich in etwa ab 2.400m leicht nordöstlich hinaufzieht trennt die beiden Bachofenspitze mit einer kleinen Einschartung östlich der schon im Bachofenkar drei markanten Felsköpfe und ist an die 150Hm hoch und unter Schnee teilweise an die 45° steil. Sie bildet auch den Sommeranstieg auf die Hintere Bachofenspitze aus dem Bachofenkar.

die Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen

Momentan – per 31.05.2018 – liegt im Bachofenkar noch genügend Schnee für ein schätzungsweise ein bis zwei weitere Wochen durchgehenden Figlvergnüges bis knapp zum Wilde Bande Steig herab. Im Bachofenkar selber schätze ich wird man noch mindestens drei Wochen figln können.

das traumhafte Bachofenkar erwacht aus dem Winterschlaf

Die sehr steile Rinne ist beim ausapern. Ihre momentan obere Begrenzung liegt bei der Engstelle, bei der im Sommer ein beherzter Kletterschritt über die 1,50m hohe Schluchtstufe vonnöten ist, also etwa 30Hm unterhalb der Scharte. An der Engstelle darunter ist sie noch ca. 1,50m breit mit Firn gefüllt.

Abschluß im Bachofenkar

Im Aufstieg habe ich gerne die Eisen benutzt, obwohl der Aufstieg auch rechts im Felsgelände möglich gewesen wäre. Schnee vor brüchigem Fels.

die halbe Rinne erklommen

Die im Sommer ungeliebten letzten Meter vor der Scharte im Schutt blieben mir aber auch nun nicht erspart und so hantelte ich mich im rutschenden Schutt linkerhand bis zur Scharte hoch.

Abschluß der Schneeauflage in der Rinne

Der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze ist bis auf ein 25m breites Schneefeld vor dem Gipfelaufbau bereits völlig schneefrei.

Gipfelaufbau der Hinteren Bachofenspitze

Bärige Aussichten auf die Halltal-Gleirschkette sowie den mächtigen Rosskopf und die weite Pfeis gen Süden, sowie auf den Karwendelhauptkamm sind bei gutem Wetter immer garantiert am Gipfel der Hinteren Bauchofenspitze.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Diesmal aber, vielleicht wegen der klaren Sicht hinab,  hat mich auch der Blick auf die schon lange gehegte Erkundung der Hochflächen im Norden der Gleirschkette besonders fasziniert. Dieses aufgeschobene, zum Teil aus Raiblerschichten gebildete Pendant zum Mittelgebrige im Inntal muß unbedingt heuer erkundet werden.

das Vorgebirge im Hinterautal

Abgestiegen bin ich bis etwa 40m unterhalb des oben beschriebenen momentanen Schneeansatzes, also knapp über der Hälfte der Rinne. Dies um die Engstelle zu vermeiden, die mir aus einer brüchigen Schneedecke zu bestehen schien und in deren Bereich ich einen Sturz vermeiden wollte.

der breite untere Teil der Rinne

Ab der Hälfte allerdings war die Rinne gut zu befahren, sie machte Spaß und das Krascheln der Schi durch die Steinschläge war auszuhalten. Der untere Teil präsentierte sich weniger ruppig zum Fahren als der obere, weniger weiche Stellen waren zu durchfahren.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Bachofenkar angekommen bot sich ein imposanter Rückblick auf die Abfahrt in der Rinne. Durch die rasch wechselnde Bewölkung mußte ich einige Minuten warten um die Abfahrtsspuren halbwegs fotografisch in Sonnenlicht aufnehmen zu können.

Rückblick im Bachofenkar

Die weitere Abfahrt über die beiden größeren Steilstufen im Bachofenkar war traumhaft und so konnte ich ein kleines Video nicht lassen:

Am Ende des Kares kommt man dem „offenen Bach“ (daher der Name des Kares und der Gipfel) direkt nahe. Ich realisierte erst, daß ich gerade einmal 20cm verhärteten Firn zwischen mir und dem tosenden Schmelzbach hatte, als ich die Schistöcke einrammte und der linke der beiden durch die Firndecke ins Leere und einen halben Meter tiefer in das Bachbett stieß. Wie von der Tarantel gestochen verließ ich die Schneefläche, durchnässte Bergschuhe konnte ich nicht bauchen, die Abfahrt ging ja weiter.

Blick auf die Abfahrt im Bachofenkar

Direkt am Wilde Bande Steig angekommen marschierte ich rund eine viertel Stunde taleinwärts bis knapp vor das Stempelkar, um dort noch ein durchgehendes Schneeband vom Kälberkar herunter bis zu den Stempelreisen abzufahren und um wieder am bereits beschriebenen Issanger zu landen.

traumhafte Rinne in die Stempelreisen

Diese schöne und lange Figltour bietet eine gesamte Abfahrtsstrecke über rund 900Hm, 500m im Bachofenkar und 400Hm im Stempelkar.

Rückblick auf die steile Rinne aus dem Kälberkar

in jedem Fall sollte man bei dieser Figltour Steigeisen mit dabei haben. Der Steilheit wegen.

restliche Abfahrt zum Issanger

Der Zeitbedarf vom Hackl bis zum Gipfel betrug viereinviertel Stunden, der Rückweg ist in etwas mehr als drei Stunden machbar. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.940m.

Schnappschuß auf Werners Flieder – ein Segelfalter mit bereits abgebrochenen Hinterflügelenden

Zu jeder beschriebenen Tour gibt es noch mehr Fotos in der Galerie.

Mils, 01.06.2018

Stanser Joch 2.102m – Überschreitung über Kaserjoch nach Pertisau

Das Stanser Joch, von Einheimischen „Staner Joch“ genannt erhebt sich mit auffallend glatter Flanke über das Inntal und bietet einen langen, kraftraubenden Aufstieg ab Stans.

Stanser Joch Gipfel, 2.102m

Die direkte Route bis zum Mittelgebirge ist für den ortsunkundigen mittels der AV-Karte leicht zu finden und führt vom Parkplatz vor der Wolfsklamm (570m) rechts davon, über die auslaufende Siedlung, in einem auffälligen Graben zur netten Kirche Maria Tax östlich der Wolfsklamm.
Beim Kirchlein Maria Tax wendet sich der Anstieg westlich wodurch man auf den Heuberg gelangt.

am Heuberg angekommen

Auf der Asphaltstraße am Heuberg, nach rund 300m weiteren Marsches nach Westen, befindet sich die Abzweigung zum Stanserjoch. Zuerst geht es gut 100Hm auf dem Schotterweg weiter, bevor bei ca. 1.000m Höhe ein Steig direkter als die Almstraße den langen Rücken bergauf führt. Dort beginnt nach bereits zurückgelegten 450Hm der fast 1.000Hm Aufstieg zur Stanser Alm.

die alte Stanser Alm

Von der Stanser Alm kann man dem weiteren Steigverlauf folgen, oder, zwecks Einsparung von Weglänge zuerst auf einem Schotterweg zu den Lawinenverbauungen gefolgt werden, um dann etwas höher und weiter östlich querfeldein auf Almwiesen den langgezogenen Gipfel zu erreichen.

Stanser Alm mit Hochnisslkamm im Hintergrund

Das imposante Gipfelkreuz – errichtet 1964 – markiert den höchsten Punkt, jedoch ist der gesamte Gipfelbereich westlich davon kaum niedriger, während er östlich davon gleich zum schmäleren Rücken abfällt.
Die Verbauungen gegen den Wind auf der nördlichen Seite prägen das Bild des Gipfelbereiches stark und er bildet keine Bereicherung für Fotos in den Achenseeraum.

Achensee bis Gerntal

Bis zum Gipfel habe ich 2 3/4  Stunden benötigt, mit einer kurzen Pause auf der Alm.
Nun beginnt ein langer Teil am Rücken der Kette mit alleine 3,8km Luftlinie bis zum Kaserjoch. Die Auf- und Abstieg sind zwar nicht besonders hoch, dennoch empfand ich diesen Teil der Überschreitung als recht anstrengend im Schnee.

Lawinenschutz über Stans

Die Schneedecke präsentierte sich überraschend hart gefroren, wodurch es möglich war ohne Gamaschen zu gehen. Eingebrochen bin ich nur auf steileren Hangstrecken – wie üblich – mit entsprechend stumpfem Winkel zur Sonne.

Pkt. 2.136m

Am Abstieg vom Ochsenkopf ändert sich das Gestein. Nach dem Gipfelbereich des Stanser Joches gebildet aus Wettersteinkalk fielen mir nun Muschelkalk, Rauhwacke und Brekzien auf. Ab dort ändert sich das Gestein häufig und ist von der Reliefüberschiebung geprägt.

Abstieg vom Ochsenkopf mit Bilderbuchaussicht nach Westen

das Gipfelgelände des Ochsenkopfes ist aus Muschelkalk gebaut.

Muschelkalk am Ochsenkopf

Brekzien tauchen in einem Gelände auf an dem sie nicht gebildet worden sein können. Ein Indiz für die Reliefüberschiebung.

Brekzie am Ochsenkopf

Das weite Schneekarl macht derzeit seinem Namen alle Ehre, die Schneeauflage ist dort im oberen Teil schon fast durchgehend vorhanden.

in der Flanke des Schneekarls

Zwischen Gamskar- und Kaserjochspitze wird ein Abstieg über ca. 50m zum Verbindungsweg notwendig. Er kreuzt hier Murenrinnen.

phantastischer Blick in die Nauders Alm mit der Lamsenspitze dahinter

In diesem Teil des Kamms befanden sich die meisten Gämsen, an die zehn Gruppen mit fünf oder mehr Tieren bekam ich über und unter mir zu sehen.

die dominierende Rappenspitze am Kamm, am Fuße das Kaserjoch

Am Kaserjoch beschloss ich eine kurze Rast. Zwei Bergsteiger befanden sich am Südabstieg von der Rappenspitze und ein dritter kam den selben Weg hinter mir auf das Joch. Eine seltsame Begegnung mit Gleichzeitigkeit im abgeschiedenen, teilverschneiten Karwendel im November.

der kühne Hauptdolomitbau der Rappenspitze

Im Nordhang der Rappenspitze war der Schnee auch am frühen Nachmittag bock hart gefroren was einen komfortablem Abstieg ins Nauderer Karl ermöglichte. Ab dort galt es den Anstieg für die Schitour auf die Rappenspitze zu erkunden.

vom Kaserjoch in das Nauderer Karl geschaut

Der oberste Hang nach dem Karl bedarf aufgrund seiner Steilheit wirklich guter Schneeverhältnisse, um die Schitour sicher ausführen zu können.

Stimmung am Nauderer Karl an einem Novembernachmittag

Selbst bei den momentanen Schneeverhältnissen steigt man lieber neben den ausgetretenen, gefrorenen Steigspuren, um nicht ins Rutschen zu kommen. Das Tiris zeigt Geländeneigungen von durchgehend 30-35° und Stellen, unten bei der Querung des Steilkars unterhalb der aufsteigenden Wände mit 40°.

Der Steilhang unterhalb des Nauderer Karls

Unterhalb der Felswände führt der Steig mit mäßigem Gefälle quer zum Schutthang zu einem Wiesenhang weiter.

Querung unterhalb der Abbrüche von der Kaserjochspitze

Nach der Querung Richtung Nordost geht es flacher durch den Wiesenhang weiter.

Abstieg am Hang zum Verbindungsgrat

Der Steig trifft dann weiter unten rechterhand an die Felsen des Verbindungsgrates zum Dristlköpfl und hier wir das Gelände teilweise wieder steiler.
In der Flanke des Hanges führt der Steig mit Anstieg auf den Verbindungsgrat und weiter über schätzungsweise 40-50Hm auf das Gelände der Dristlalm.

unterhalb der Felsen zum Verbindungsgrat, der Steig führt wieder aufwärts

Es stellte sich hier die Frage wie diese Passage im Winter begangen wird, hier ist ein zweimaliger Höhenunterschied zu absolvieren, der wohl Abfellen im Aufstieg und Auffellen in der Abfahrt bedeutet.

Rückblick vom Rand des Almgeländes auf den Verbindungsgrat

Über das konstant fallende Almgelände erreicht man die malerische Dristl Alm auf 1.645m. Von allen umrahmenden Seiten betrachtet würde man das Gelände dieser Alm nie so groß einschätzen wie es wirklich ist, ein abgeschiedener toller Rastplatz.

die Dristlalm mit dem Hintergrund des Sonnjochkammes

Der restliche Abstieg erfolgt über das untere Almgelände und anschließend durch das Legertal bis zur Falzthurnalm.

unteres Almgelände der Dristlalm mit wunderbarem Blick zur Roten Wand und der Hohen Gans

Ich konnte es wieder nicht lassen zu erkunden und stieg auf 1.200m nicht zur Falzthurnalm ab, sondern folgte dem Weg talauswärts weiter, der nach einigen Hundert Metern endet. Allerdings sah ich am Ende einen kaum sichtbaren Wildsteig weiterziehen und folgte diesem  teilweise weglos bis zur Kreuzung bei dem die Straße über die Brücke auf die orografisch rechts Talseite quert und die asphaltierte Fußgängerstraße nach Pertisau beginnt.

Blick zurück Richtung Dristlalm

Diese Abkürzung sei nur demjenigen empfohlen dem Tannenadeln im Nacken und hindurch schlüpfen zwischen Ästen nichts ausmacht. An die 150Hm Abstieg sind so zu bewältigen.

diese Fortstraße führt nicht bis zum Talboden

Der Rest der Tour bis Pertisau erfolgt fast strafweise auf der für Fußgänger asphaltierten Straße bis knapp nach der Mautstelle. Dort befindet sich die Bushaltestelle des Postbusses, der den Bergsteiger um 5,40.- Euro zum Bahnhof Jenbach fährt (an Samstagen zu jeder Stunde, jeweils ein paar Minuten nach voller Stunde und über VVT im Internet per Handy abrufbar). Vom Bahnhof Jenbach erreichte ich eine S-Bahn nach Stans (1 Station) um 2,90.- Euro und ab Pertisau benötigte ich dafür 1 1/4 Stunden. So komfortabel hätte ich mir die Rückreise nach Stans nicht vorgestellt.

Stanser Joch im Rückblick von Pertisau

Weil noch etwas Zeit bis zum Bus blieb gab es noch ein Bier am See und da der Bus auch am Bootshaus hält konnte ich dort bequem einsteigen.

Die Gesamtdauer der Tour betrug 7 1/4 Stunden und die Bergsteigeruhr zeigte genau 1.800Hm. Die Streckenlänge der Tour, über Outdooractive ermittelt, beträgt 20km.

Mils, 04.11.2017

 

 

Hohe Gans 1.951m – auf erdgeschichtlich interessanten Pfaden

Bei gut einer Hand tief relativ frische Schneedecke bereits unterhalb der 2.000m Marke und das auf Südhängen erscheint am Nationalfeiertag eine höher angelegte Bergtour nicht besonders passend, vor allem nass und rutschig, wenn es einen nicht gerade auf einen Nordhang verschlägt.

Die Rote Wand am Fonsjoch im Morgenlicht, dahinter die Hohe Gans

Also kam eine Erkundung eines, gegenüber vom Plumssattel aus recht auffällig sichtbaren, roten Felsabsturzes am südlichen Rande des Grates des langgezogenen Fonsjoches in Frage, sowie der Grat selber. Natürlich nicht ohne Vorbereitung, was denn wohl dieser, in der Abendsonne tiefrot leuchtende Abbruch interessantes zu bieten habe. Rote Kalkfelsen im Karwendel – ein sonderbar Ding – und da ich bereits immer wieder ein wenig mit der Geologie kokettiere, erwies sich, nach dem Studium einiger Facharbeiten im Internet, meine Vermutung als richtig, daß es sich um jurassische Schichten handeln müsse.

die Rote Wand am Fonsjoch im Zoom vom Weg zum Schleimssattel gesehen

Darüber hinaus erbrachten die angestellten Nachforschungen, daß es sich sogar um äußerst fossilreiche Gesteinsschichten handelt, wenngleich auch der eigentlich reichlich verfügbaren aber ungemein mühsam zugänglichen Literatur zu entnehmen ist, daß das Auffinden von Ammoniten in diesem Gebiet heutzutage nur mehr Zufälle darstelle und nur bei Ereignissen wie Hangrutschungen die Chance auf interessante Funde bestünde.

am Schleimssattel, rechts zur Schleimsalm, links zur Montscheinspitze

Ammoniten? Es handelt sich dabei um Meerestiere, die besonders im Erdmittelalter weltweit verbreitet waren, seit der Kreidezeit aber ausgestorben sind. Ihr Name „Ammoniten“ oder „Ammonshörner“ rührt von der ägyptischen Gottheit Ammon her, dessen Widderkopf immer mit gewundenen Hörnern dargestellt wurde. (Quelle.: Wolfgang Voigtländer, Die Ammoniten vom Fonsjoch im östlichen Karwendelgebirge).
Ammoniten, auch Kopffüßler, „Cephalopoden“ genannt, gehören zu den Tintenfischen. Ihre Bedeutung für die Bestimmung des Erdalters ist beträchtlich, deshalb spielen sie in der Geologie und Paläontologie eine wichtige Rolle. Hier wird jedoch nicht näher darauf eingegangen, aber es sei erwähnt, daß erst in den letzten 20 Jahren in den USA eine neue Spezies entdeckt wurde, Psiloceras spelae, dessen Unterart, Psiloceras spelae tirolicum n. ssp, just hier in unserer aufregenden Bergwelt des Karwendel, am Kuhjoch, 5km entfernt vom Fonsjoch gefunden wurde.
In der Galerie befinden sich zwei Grafiken mit den Bezeichnungen der Körper- und Schalenteile eines Ammoniten.

vor der Überschüssalm

Die Hohe Gans war eigentlich nicht als primäres Ziel der Tour geplant aber es sei an dieser Stelle erwähnt, daß sich ihre Ersteigung vom Rundblick her lohnt. Wer nicht an den Ammonitenfunden, sondern an der Hohen Gans interessiert ist der lese weiter unten beim Kartenausschnitt weiter.

Hervortreten des Liaskalkes am Sattel der Roten Wand, darüber jüngere Schichten arg aufgeworfen

Zunächst erfolgt der Aufstieg vom Parkplatz nach der Pletzachalm über die Almstraße auf den Schleimssattel und nordöstlich davon zur Überschüssalm auf 1.640m.
Bereits auf ca. 1.450m kann das Gebiet der Begierde, die ausstreichenden Abbrüche der Roten Wand, in vortrefflich rötlicher Farbe im Morgensonnenlicht eingesehen werden.

Schichtenabfolge am Kamm der Roten Wand im Detail (Kössener Schichten, „Oberrhätischer Grenzmergel“?)

Von der Überschüssalm habe ich zunächst den Anstieg mehr oder weniger dicht an der Geländekante über das weglose Almgelände genommen.  Bald wird dort die scharfe Abbruchkante erreicht, über die das Felsengelände teilweise eingesehen werden kann.

Am Kamm zwischen Roter Wand und Pasillalm

Wegen der Schneeauflage verzichtete ich auf einen Einstieg in den Fels sondern stieg bis zum Gratrücken auf, in der Hoffnung dort einen einfachen Abstieg zu finden. Tatsächlich bot eine mannshohe Rinne auf der Westseite einen komfortablen Abstieg, in meinem Falle jedoch in knietiefem Schnee.
Unten angekommen muss ca. 20Hm zurück auf den Gratrücken gestiegen werden, um auf die begehrtere Ostseite dieser Liaskalkfelsen zu gelangen.

Blick zum Juchtenkopf

Dort erkennt man gleich die schönen gelblich bis roten Felsen mit fester, blockiger Bauweise, aufragend aus dem steil abschüssigen, teils erdigen Gelände mit vielen, teils Kubikmeter großen Trümmern darin. Seit weit über 100 Jahren – so meine spätere Recherche aus Fachartikeln im Internet – befaßt man sich paläontologisch sehr detailliert mit diesem kleinen Stück Erde. Das Fonsjoch ist neben dem Kuhjoch eine der wenigen Fundstätten von speziellen Ammoniten (Psiloceras planorbis) die eine wichtige Zeitkartierung darstellen.

Blick vom Sattel über die Rote Wand hinab

Steigspuren gibt es keine ersichtlichen, was nicht gerade auf reges Interesse an der geschichtsträchtigen Felsenfront hindeutet. Also stieg ich an den Felsen hinab und versuchte sie vom Fuße bis in eine überblickbare Höhe auf Spuren von Ammoniten ab. Leider wurde ich bis weit den Steilhang hinab nicht fündig, weshalb die größeren Brocken in der weichen Steilrinne in die engere Wahl meiner laienhaften Untersuchung kamen.

Graben mit erdigem Material vor der Roten wand

Ich kann hier vorwegnehmen, daß es sich kaum bis gar nicht gelohnt hat einen Hammer und einen Meißel mit hierher zu nehmen, denn bei der Härte der Kalke ist die Spaltung eines verdächtigen, signifikant großen Brockens nicht möglich. Weiters muß man nicht glauben, daß ohne eine – zumindest geringe – Vorbildung in der Fossiliensuche einerseits die richtigen Felsbrocken auswählen und andererseits die richtige Art der Zerlegung durchführen kann. Somit kam ich mir ziemlich verlassen und erfolglos mit den Werkzeugen in der Hand vor und packte diese rasch wieder in den Rucksack.

tonig mergelige Lagen im Graben vor der Roten Wand, im Vordergrund der harte Liaskalk

Ungeduldig streifte ich mit vom schmelzenden Schnee in der Erde verdreckten Bergschuhen von Felskante und erdiger Steilrinne hin und her und hatte knapp vor der Hälfte der Steilrinne die Hoffnung aufgegeben, daß etwas brauchbares gefunden werden könne, bis sich in der Steilrinne ein besonderer Blick auftat.

erster Fund – gleich ein Abdruck eines sehr großen Tieres

Dort trat ein markanter, in seiner Höhe horizontal gespaltener Felsbrocken mit ca. 50x50cm ebener Fläche aus dem Hang herausragendem Teil, der – so schien es mir – fachmännisch gespalten wurde und ein wunderschönes Bild eines Negatives eines ca. 25cm im Durchmesser über die Wohnkammer (siehe Erklärung weiter unten) messenden Ammoniten freigelegt zeigt.

links daneben kleinere Abrücke und ein sehr kleiner Ammonit noch unzerstört (links vom Hammerschaftbeginn)

Neben dem großen befinden sich zwei Negative von kleineren Ammoniten (etwa 10cm Durchmesser) und ein freigelegter kleiner Sektor von einem unzerstörten Miniexemplar von etwa 3 bis 4 cm Durchmesser. Der Anblick ließ natürlich das Herz höher schlagen und ich versuchte die Fläche mit Tee aus dem Proviant etwas abzuspülen, um bessere Ablichtungen zu erhalten. Dies jedoch mit mäßigem Erfolg wegen der Menge Tees die ich bereit war zu opfern und Schnee half nicht, weil er nicht rasch zerschmolz.

erster Fund aus anderer Perspektive, nach Teiltrocknung der Oberfläche

Nachdem ich bis zum Zurückspringen des Meißels vorher vergeblich versucht habe den tiefer roten festen, homogenen und sehr kompakten Liaskalk zu knacken, war mir nun zumindest die optische Erscheinung des Trägermaterials bekannt, die potentiell diese Geheimnisse in sich birgt. Erfahrung lehrt eben – allerdings konnte ich den Scherflächten dieses festen Liaskalk-Gesteines auch etwas abgewinnen und zwar hexagonalen Kristallwuchs – bei weitem nicht so klar wie ein Bergkristall, aber auch nicht so matt wie üblicherweise der im Kalk sehr heimische Calcit. Dieser Kristall muß noch untersucht werden, weswegen ich eine Probe abgeschlagen habe.

Kristallbildung am beinharten Liaskalkfelsen

Zur Auffindung von Ammoniten mußte also nach gelblich-ockerfarben und rotem bis tiefrotem Gestein Ausschau gehalten werden, das teilweise auch durch graue bis dunkelgraue runde Farb-Einschaltungen (m. E. Peripherieformen oder Versteinerungsprodukte der Körper von Muscheln) durchzogen war (Schöll Fm.?). In jedem Fall mußte es ein Felsband sein, daß keine homogene Farbe aufweist, sondern eben die geschilderte fleckige Erscheinung zeigte.

viele kleine Zeugen der Zeit fest eingespannt

viele kleine Zeugen der Zeit fest eingespannt

Mit dieser Erkenntnis ausgestattet kam ich im Trümmerfeld der Steilrinne zu zahlreichen interessanten Entdeckungen, jedoch geprägt von weniger Ammoniten – und wenn, dann nur von sehr kleinen (<30mm)  Exemplaren – als von Fels mit Muschel an Muschel, wie am Teller im Restaurant am Meer. Eine unheimliche Anzahl an Tieren muß vor rd. 200Mio Jahren im Sediment verendet sein.

Rote Wand etwa von mittiger Längsausdehnung

Zurück zu markanten gelblichen Stellen am Fels fand ich nun mehr von dem weswegen ich die Begehung unternommen habe. Wahrscheinlich auch durch den geologischen Wechsel der Gesteinsschichten ist ein Fund aus dem Hettangium (Zeitabschnitt der Epoche „Lias“ aus der Periode „Jura“ und damit die älteste Stufe des Juras 196,5 +/- 1,0 bis 199,6 +/- 0,6 Mio. Jahre) erst in dieser Zone der Roten Wand möglich.

einzigartiger Fund mitten im Fels

Die Zone mit Funden direkt am Fels erstreckt sich schätzungsweise über 30-40Hm und liegt, beginnend in etwa knapp nach der Hälfte der Steilrinne abwärts, in einer über einheitliche Richtung abgerissenen Felsflanke bis zu deren unterem Verlaufwechsel, von oben aus gesehen.

Ammonit an eindrucksvoller Stelle in der Roten Wand

Ein markanter und riesiger Ammonit (nach Größenvergleich mit dem Hammer hat dieser gut 30cm Durchmesser über die Wohnkammer) tritt plötzlich in ca. 2m über der Geländeoberkante am Fels in Erscheinung.

Schnitt- oder besser Rissführung schräg durch das Fossil hindurch – der untere Teil noch als Fossil vorhanden

Dieser gewaltige, wunderschöne Fund ist dadurch gekennzeichnet, daß der Riss bei der Spaltung des Felses direkt aber leicht schräg durch die Schmalseite des Tieres erfolgte – was die Freilegung in seiner gesamten Dimension überhaupt erst möglich machte – und daß der Körper sozusagen schräg abgelöst wurde. Somit ist im unteren Teil der Körper noch vollständig im Fels erhalten  und auf der anderen Seite (Wohnkammer), noch die konkave Rundung als Negativ des herausgerissenen Körpers sichtbar.

muschelführendes Band im Fels

Die vorgenannten Bänder in denen Muscheln und Ammoniten vorkommen ziehen im fossilienführenden Teil der Wand schräg nach links und rechts nach oben, für mich – ohne entsprechendes geologisches Wissen – jedoch nicht klar und logisch, also konnte ich sie nur bis zur Änderung des Felses entlang verfolgen, wenn sie in Erscheinung traten, jedoch nicht gezielt  sichten.

schönes Fossil mit ca. 12cm Durchmesser

Ein weiterer schöner Fund war ein Ammonit (ca. 12cm im Durchmesser), der quer zu seiner Spiralachse im Fels abgebrochen ist. Deutlich ist der flachere, in der Spirale dünnere Teil des Tieres zu sehen und die seitliche Begrenzung des Panzers zum dickeren weiter außen liegenden  Teil der Spirale. In der Mitte, Versteinerung mit anderer Farbe.

quer abgerissenes Ammonitenfossil – deutlich der Schnitt durch das dünne Gehäuse sichtbar, die inneren Teile im roten Kalk hellgelb versteiner

Im unteren Teil der Roten Wand konnte ich wiederum keinerlei Sichtungen von Fossilien machen, obwohl ich sie erst nach dem Übergang des Felsabbruches in den schroffigen Wiesenhang verließ und sehr steil wieder auf die Abbruchkante hinaufklettern mußte.

Negativabdruck eines Ammoniten

Eine überaus interessante, lehrreiche, fast dreistündige Erkundung war somit zu Ende und mit einem Schatz aus Fotos kehrte ich auf das Almgelände zurück, am frühen Nachmittag der Hohen Gans einen Besuch abzustatten.

fast 200Mio Jahre trennen diese beide Leben – bestaunbar mitten in der Heimat!

Es bleibt in weiteren Begehungen zu klären, ob am „Fonsjoch gem. AV-Karte“ tatsächlich auch Ammonitenfossilien gefunden werden, denn jener Teil der in der Literatur immer als Fonsjoch (in sehr alten Publikationen Pfonsjoch) bezeichnet wird, ist – zumindest nach der AV-Karte – nicht mehr dem Fonsjoch (in der Karte Fansjoch) zugehörig. Es erhebt sich die Frage ob die Publikationen oder die Karte fasch sind, denn einerseits könnte man in den Publikationen die Gegend mit „Rote Wand“ bezeichnen, andererseits könnte die Karte den Schriftzug (Fansjoch) bis zur Roten Wand hin gezogen haben. In der Karte endet die Bezeichnung 870m nördlich der Roten Wand.

rot _ Anstieg Hohe Gans
grün – Runde durch die Rote Wand auf Ammonitensuche

Der Sporn der Hohen Gans ist zwar kein Gipfel in der Art wie wir sie hier normalerweise pflegen zu veröffentlichen, er hat jedoch auch eine überraschende Besonderheit und verdient deshalb eine nähere Beschreibung.

Im Almgelände Richtung Hohe Gans

Vom Almgelände aus versuchte ich ohne viel schneebedeckte Passagen über die steilen Hänge an die Grathöhe zu kommen, um in den Genuß der Gratbegehung zu kommen.

Aufstieg zur Hohen Gans über Almgelände

Tatsächlich erreichte ich den Grat auf weglosem Almgelände an der letzten südlichen Einsattelung vor dem Gipfel und das Graterlebnis war kurz. Der Gipfelaufbau stellt an seiner Südkante eine ungemein steile Wiese dar (schätzungsweise über 50° Hangneigung), die sich ungefähr über 40Hm erstreckt und vor einem Latschenfeld endet, das den Gipfelbereich im Süden abgrenzt. Das Latschenfeld wird unten einige Meter umgangen, bis ein Durchschlupf auf den latschenfreien Gipfel leitet.

Seebergspitze im Osten von der Hohen Gans aus gesehen

Das nette kleine Gipfelkreuz ist für den Erstbegeher in die falsche Richtung gerichtet, wurde 2007 errichtet und hat zwei fleißige Erhalter, die oft im Jahr aufsteigen. Wenn man das Gipfelbuch studiert findet man den Hinweis über die Aufstellungsrichtung darin, daß sich die Errichter in der Pasillalm befinden, zu der die Vorderseite gerichtet ist.

Hohe Gans, 1.951m

Zuerst fällt – neben der generell großartigen Aussicht am Gipfel der Hohen Gans – der lange Grat nach Norden auf – nach der AV-Karte das eigentliche Fonsjoch (Fansjoch), beginnend an dem markanten Köpfchen in ca. 740m Entfernung (Pkt. 1.930m). Dieser Grat ist ebenfalls eine geologische Besonderheit, die hier jedoch nicht beschrieben wird.

Grat über das Fonsjoch zur Schreckenspitze

Der Grat zur Schreckenspitze ist in etwa 3km lang und, nach den im Internet zu findenden Berichten, bergsteigerisch ein leichter, jedoch zum großen Teil ein richtiger Kampf mit  Unterholz. Dichter Latschenbewuchs macht das Ausweichen in die teilweise ungangbare Ostseite und auch signifikante Passagen mit Abstiegen in der Westseite notwendig. Ein herausforderndes Ziel für das nächste Jahr.

Überschüssalm mit Zentralkarwendel

Der Rundblick beginnt im Nordwesten mit dem Guffert und den Hochunnützen, über die gegenüberliegenden Gipfeln Seekar- und Seebergspitzen, im Süden die Hochebenen des Stanserjoches und der Sonnjochkamm, im Westen die mit vertikal aufgerichteten Felsplatten toll ausgeformte Montscheinspitze mit den Karwendelriesen dahinter, und im Nordwesten die eher sanft abklingenden Hügel der Karwendelvorberge.
Ein Gipfel der mit 1.951m nicht hoch, aber durch seine Lage zum längeren Bleiben einlädt.

Blick zum Rether Horn und auf die Almen im Tal nördlich der Montscheinspitze

Für den Abstieg glaubte ich einen Pfad finden zu müssen, der hinter dem ich vom Almgelände aus sichtbaren Rücken zu liegen vermutete. Es war mir klar, daß mein Aufstieg nicht den Normalaufstieg darstellte, da ich ja unvermittelt im Gelände damit begann. Für den Abstieg jedoch wollte ich es nicht wahrhaben, daß mir trotz geschultem Orientierungssinn und einigem geschärften Spürsinn für die Pfadsuche dieser nicht und nicht über den Weg kam.

Montscheinspitze

Also stieg ich vorsichtig über die teilweise schneebedeckten Steilflächen wieder weglos ab und möchte an dieser Stelle warnen, die Hohe Gans bei nassen Verhältnissen zu begehen. Das hohe Gras und Nässe oder Schnee ist eine gefährliche Mischung, die man dem Steilhang der Hohen Gans auf den ersten Blick nicht ansieht. Eine Rutschung über den Hang kann böse enden, denn nach wenigen Metern vergeblich versuchten Haltes an Grasbüscheln ist eine nicht mehr zu bremsende Geschwindigkeit erreicht. Man unterschätze diesen Hang also nicht und lasse sich von den Fotos nicht irreleiten, der Hang ist wesentlich steiler als er aussieht.

Rückblick auf den weglosen Abstiegshang

Ich habe eine Abstiegsroute oberhalb eines mittig liegenden Latschenfeldes genommen, das unten in einem Bereich endet an dem die Steigung des Hanges wieder gefahrlos zu begehen ist. Somit schritt ich das Latschenfeld im Schnee an seiner nördlichen Begrenzung ab, immer die Latschen als Bremsmöglichkeit in Fallrichtung zu haben.

Grat von der Roten Wand zur Hohen Gans

Bald endet das Stück größter Steilheit und es ging über bereits freigeschmolzene Wiesen entlang eines schwachen Rückens gegen die Alm weiter, die in wenigen Minuten erreicht war.

Rückblick auf die Hohe Gans

Oberhalb der Alm befand sich durch die Schneeschmelze eine recht lettige Passage bei der eine Entscheidung über die sofortige Querung der Quelle, oder eine weit seitlich zu wählende Route besser erscheint. Jedenfalls im Aufstieg dieser Tage ab hier das „Aus“ für Turnschuhe.

Überschüssalm 1.640m

Für den Aufstieg vom Parkplatz bis zur Überschüssalm habe ich etwa eine Stunde benötigt. Von der Alm zur Roten Wand ca. 25min und wenn man von der Alm direkt auf die Hohe Gans weitergeht benötigt man etwa 30 bis 40min, je nach Route.

Rote Wand von der Überschüssalm aus

Die Alm – bereits im Winterschlaf – verließ ich nach einer Rast auf der empfehlenswerten Bank knapp nach dem Weg abwärts begonnen hat. Von dort aus ist das gesamte Gerntal mit seinem Knick einzusehen. Wunderbares Karwendelgelände.

Gerntal in kompletter Länge

Mils 26.10.2017

 

Versuch der Zuordnung meiner Funde an der Roten Wand zu wissenschaftlichen Artikeln:

Fig 12a,b: Quelle: Axel von Hillebrandt and Kurt Kment 2015, Psiloceratid ammonites from the Lower Hettangian of the Karwendel Mountains (Northern Calcareous Alps, Austria) and their biostratigraphic significance

Fig. 12a,b Psiloceras Strongolum – Calliphyllum

 

Fig 3, Quelle: RAKÜS (1999), Lower Liassic (Hettangian) Ammonites from Zlambach Graben near Bad Goisern, Upper Austria

Fig. 3: Psiloceras calliphyllum (Neumayr, 1879), juvenile specimen with radiate to rursiradiate ribs, Lower Hettangian, loc. Pfonsjoch,
Austria, 0,5x.

Fig. 3 Psiloceras Calliphyllum

Falzthurnjoch, 2.150m – Überschreitung zur Bettlerkarspitze

Der nordöstliche Ausläufer des Sonnjochkammes, der sich zwischen Gerntal und Falzthurntal erhebt trägt das Falzthurnjoch, weniger Joch als ein Gipfel. Er wird über die Vorgipfel der Schneeköpfe von der Gütenbergalm aus angestiegen. Die Tour ist eher eine kurze und für goldene Herbsttage bestens geeignet.

neues Gipfelkreuz am Falzthurnjoch, 2.150m

Zusammen mit der Überschreitung von der Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze, stellen diese Unternehmen großartige Bergfahrten im östlichen Karwendel dar.

Der gewählte Ausgangspunkt des Anstieges ermöglicht eine reizvolle Rundtour mittlerer Länge um das Plumskar und bietet eindrucksvolle Ansichten auf die südwestlich gegenüberliegenden Gipfel der geologisch wichtigen, überschobenen Hochlandschaft der Rauhen-Knöll-Verzweigung im Dreieck Dristkopf- Rappenspitze – Stanser Joch Spitze.

Anstieg zum Falzthurnjoch von Maurach aus; nordseitig auf den Gütenberg, anschließend am gesamten Kamm bis zum Gipfel des Falzthurnjoches und weiter bis zur Bettlerkarspitze (nicht sichtbar)

Nach der Überquerung des Bachbettes aus dem Bärental wird das kleine Kraftwerk der Gernalm erreicht, bevor die wilden Abbrüche im eingespannten Hauptdolomit der östlich gegenüberliegenden Brandlklamm im Bärental enden und es steiler im Wald des Rehtales weitergeht. Die von den Schneeköpfen herabziehenden Reisen sind von schlechter Felsqualität und formen den Talabschluß entsprechend mit Murenrinnen und Hangrutschungen.

Straße zum Plumsjoch gegenüber

Bald ist auf 1.610m der Übergang zur Gütenbergalm erreicht und für einen Moment war ich geneigt die nun folgenden 100m Höhenverlust  zur Abzweigung des Steigleins auf den Aschenlahner mit einem direkten Anstieg durch die – noch – Nordseite zum Gratrücken abzukürzen. Das Gelände und die Latschengassen erschienen ersteiglich.
Nachdem ich aber das Gelände oberhalb nicht gut einsehen konnte fiel die Entscheidung zugunsten der orthodoxen Variante.

am Gütenbergsattel 1.610m

Auf dem Fahrweg unterhalb der Gütenbergalm zweigt rechts in steil aufsteigendes Gelände ein Trampelpfad des Weideviehs ab, den ich als Anstieg genommen habe. Es dauerte eine Weile bis ich den undeutlich sichtbaren Steig ziemlich am Ende des Waldes, der offenen Fläche gegen den Bärenziechgraben zugeneigt, auf ca. 1.580m fand.

ca. 50Hm über der Abzweigung vom Weg zur Gütenbergalm

Zur Orientierung blicke man immer nach oben und suche den direkten Zustieg zu einer Lärchengruppe am Rande des sich öffnenden Abbruchhanges (siehe Fotos auch in der Galerie).

am Ende der Hangrutschfläche kurz vor dem Aschenlahner

Ist der Rücken mit dichtem Latschenbewuchs erreicht erblickt man eine breite gut ausgeschnittene Latschengasse, die fast bis zum Gratrücken des Kammes hinaufführt.

Blick auf den Gütenberg; am Ansatz des Weges kommt man vom Gütenbergsattel herunter

Der Aufstieg ist durchgehend steil und innerhalb der Latschen gepaart mit Sommerhitze sicher über die Maßen anstrengend.

Aufstieg in steilem Gelände

Der Aschenlahner ist ein Steilhang mit ungewöhnlich hohem Gras – Nährboden für gewaltige Lawinen im Winter.

am Gratrücken angelangt

Unterwegs gibt es die Möglichkeit, daß man auf die dem Abbruch zur Alm zugeneigte Seite steigt. Dies wurde mir erst oben am Gratrücken bewußt, an einem Punkt wo sich der Aufstieg über den Aschenlahner und dem hinter der Latschenseite liegenden Alternativaufstieg auf ca. 1.850m wieder vereinen. Welcher Weg der bessere ist konnte ich nicht erkunden.

nordseitige Latschengasse zum Gratrücken

Ab dort beginnt der Anstieg direkt am Grat, der bis auf fast 2.000m noch länger nur ein wiesenbewachsener Rücken bleibt.

erstes Köpfchen innerhalb der Latschen begangen

Das gestufte Gelände wird meist direkt am Grat begangen, durch einen stark latschenbewachsenen Aufschwung führt eine ausgeschnittene Gasse hindurch.

nun etwas schroffiger weiter

Anschließend geht es nochmals in breitem Gelände weiter.
Ein erster schroffiger Kopf auf in etwa dieser Höhe läutet die kurze Kletterei über einen immer schärfer werdenden Grat ein und die Stöcke werden verstaut. Der Kopf endet in einem nur mehr mäßig ansteigenden Grat.

leichtes Klettergelände

Der folgende Abschnitt am Grat ist in der gesamten Überschreitung der ausgesetzteste Teil. Er ist nicht schwierig zu begehen, die scharfen Abschnitte nimmt man linkerhand mit guten Griffen auf der durchwegs festen Gratschneide und guten Tritten unterhalb jener, zwischen Latschenbewuchs hindurch. Eine anregende Strecke, die Freude bereitet.

Überblick über den scharfen Grat bis hin zum Gipfelaufbau des ersten Schneekopfes

Am Ende dieses Abschnittes türmt sich der erste Schneekopf fast senkrecht empor und ein plötzlich sichtbares Steiglein – ein Gamswechsel – erscheint als weiterführender Weg an der steilen Wand des Schneekopfes entlang.

toller Gratübergang

Dieser schmale Steig leitet mit wenig Höhengewinn entlang der mächtig aufragenden Flanke des Schneekopfes auf den Rücken eines nach Osten entsandten Ausläufers. Der schmale Steig führt direkt an dessen Verschneidung mit dem Schneekopf heran und die Verschneidung wird bis zum oberen Ende des grasbewachsenen Rückens hochgeklettert.

bereits in der Ostflanke des ersten Schneekopfes, das Steiglein gut sichtbar

Schwierigkeiten am Steiglein sind keine vorhanden, ein fester Tritt und Sicherung an Griffen, die sorgsam gewählt werden sollten, sind ausreichend, Kletterei – und zwar nur leichte – erfordert lediglich die Verschneidung selbst.

Verlauf des Steiges

Am schmalen Steiglein empfiehlt es sich schuttige Partien bei Bedarf etwas auszuräumen, damit der sichere Tritt gewährleistet ist.

Rückblick

Nach dem Erklimmen der Verschneidung – ich habe die obere Rinne in festerem Fels genommen – kann wiederum mit Stöcken der restliche Aufstieg in reinem Gehgelände zum ersten Schneekopf erfolgen.

hinten die Verschneidung sichtbar, ich habe die rechte, steilere in festem Fels genommen

Ein Steinmann ziert den Schneekopf und gleich danach erfolgt wiederum ein Abstieg zur Einschartung sowie jenseits dieser, der lange Aufstieg zum Falzthurnjoch, das seit einem Monat ein fesches Gipfelkreuz ziert, gestiftet und errichtet vom Hockey Club Pertisau.

Falzthurnjoch vom ersten Schneekopf aus

In der AV-Karte ist hier ein Fehler enthalten. Das Falzthurnjoch mit 2.150m ist nicht die zweite Gipfelerhebung von Nordosten am Kamm, es ist die erste. Ob die zweite Erhebung im Grat ebenfalls die Höhe von 2.150m hat darf bezweifelt werden. Ein nivellierender Blick auf diese fällt mit dem Ergebnis einer um einige Meter niedrigeren Höhe aus (siehe Foto vom Rückblick).

neues Gipfelkreuz am Falzthurnjoch, 2.150m, im Hintergrund die Bettlerkarspitze

Nach dem Eintrag ins junge Gipfelbuch und einer Jause geht es wenig spektakulär am breiten Grat weiter, eben zur Erhebung, die lt. AV-Karte das Falzthurnjoch darstellen soll.
Eine weitere Girlande mit einem markanten Kopf und darauf folgend ein flacherer Teil im Gratverlauf folgen, bevor es klettertechnisch wieder etwas interessanter wird.

Grat zur Bettlerkarspitze

Damit ist bereits mehr als die Hälfte des Kammes begangen. Nun folgt eine Abfolge aus zinnenartig angeordneten Grattürmchen, die in leichtem Winkel zum Gratverlauf stehen, den Flügeln eines Ventilators gleich.

interessanter Gratteil knapp nach der Mitte der Überschreitung

Am besten steigt man die großen Türmchen jeweils nordwestseitig ab und begeht die kurze Scharte dazwischen auf der Südostseite des Grates, gefolgt vom Wiederaufstieg auf die Oberkante des nächsten Köpfchens. Ein Schmankerl und willkommene Abwechslung auf dem einfach zu gehenden Grates.

in den Zinnen die wie Ventilatorflügel dastehen

Die Freud über die Naturschönheit währt nur kurz, sie endet rasch. Dafür wird die Flanke mit der Steilrinne der Bettlerkarspitze deutlicher sichtbar.

noch eine Partie davon

Hinter dem letzten Gratkopf in der zuvor beschriebenen Abfolge erschrak ich mindestens ebenso wie der Herr über dieses Gebiet, ein stattlicher junger Steinbock in nächster Nähe erblickte mich und stieß einen hellen Warnschrei aus, der – nach dem ersten Schreck für mich bei all der majestätischen Erscheinung des Tieres lustig weiblicher klang als es sein viel kleinerer Genosse Gamsbock hervorzubringen vermag.

die Zinnen im Rückblick

Ein Steinbock im Stimmbruch, die Vorstellung brachte mich zum schmunzeln.

der Steinbock – Gesell für die nächsten 10min

Nun blieb das Tier trotz Fluchttier – wie es seine menschlichen Artgenossen, die in diesem Tierkreiszeichen geboren – standhaft am Grat stehen und, obwohl mir das Treiben von Wild widerstrebt – mußte ich ihn durch die Notwendigkeit des Vorankommens vor mit hertreiben.

der junge Mann in voller Schönheit, kaum 15m entfernt

Im Bestreben vor allem jetzt im Herbst die Kräfte des Tieres nicht zu sehr zu beanspruchen mäßigte ich meinen Schritt und er trabte mit Pausen des Umblickens gemütlich und lautlos vor mir her, nahm die Köpfchen mit einer eleganten Leichtigkeit, als wären sie bloß Gehsteigkanten. Ein Moment an dem ich fühlen könnte, daß er in diesem Gelände König ist und gegen ihn der Mensch ein unbedarfter Eindringling. Trotz seiner überlegenen Erscheinung mußte die Verfolgung einigermaßen stressig auf ihn wirken, da er reichlich Losung während der paar Minuten Feindkontakt verlor. Ich konnte mir die filmische Festhaltung dieser Szenen trotz Sturzgefahr nicht verkneifen. Also stolperte ich am breiten Grat entlang und versuchte ein Video des stolzen Tieres.

Leider blieb das Ego des Tieres bis zum Ende des Sattels, an dem der hohe Nordostabsturz der Bettlerkarspitze dem Grat ein Ende setzte erhalten wo es aber endlich in die Flanke auswich in der die Gämsen vor dem mächtigen Onkel die Flucht ergriffen.

einen letzten Gratrücken einfach über den Riss abgestiegen

Am Ende des Sattels, wo der Anstieg zur Bettlerkarspitze über einen immer steiler werdenden Schutthang hinaufzieht und linkerhand die ansetzenden Felsen den Blick verwehren, war ich froh aus dem Blickfeld des Steinbockes zu sein. Allerdings dauerte es keine zwei Minuten in denen ich den Schutthang empor keuchte, der sich an seinem oberen Ansatz zur dunklen steilen Schlucht ausbildet, bis der stolze Bock den Grat wieder erobert hatte und – den Kopf ja nicht weit genug gedreht – verächtlich aus den Augenwinkeln heraufsah.

Anstieg zunächst über Steigspuren

Nun mußte ich aber das Abenteuer mit dem Tier bleiben lassen und mich der bedrohlichen Schlucht widmen. Steinschlag durch handtellergroße Brocken lagen im Schnee der letzten Wochen und daraus kann man unschwer schließen, daß ein Aufstieg hier bei regem Betrieb auf der Bettlerkarspitze wohl auch mit Kletterhut ein Risiko bleibt.

Herr Steinbock hat den Grat wieder erobert

Kontaktaufnahme ist von unten zwar mit jenen am Gipfel möglich, jedoch kaum mit jenen, die über den Normalweg auf der Westseite des Nordgrates ansteigen und den Grat knapp unterhalb der seilversicherten Stelle erreichen. Somit war ich froh, daß die beiden anderen Bergsteiger vor mir den Gipfel verlasen habe, als ich noch den halben Grat vom Falzthurnjoch vor mir hatte.

die Schlucht zwischen Gipfelaufbau und Nordgrat – brüchiges Gelände zu beiden Seiten, der Fels in der Schlucht ist im Mittelteil fest

Die Rinne verjüngt sich oben fast zum Kamin, jedoch muß gar nicht in diesen Bereich vorgedrungen werden. Die Führerbeschreibung spricht von 30m ab dem Beginn der Schlucht und man tut gut daran, diese Anleitung mittels Bergsteigeruhr, oder gutem Einfühlungsvermögen, einzuhalten. Mehrfach gehen rechterhand schräge Bänder weg, die zum Aufstieg verleiten würden, denn diese Schlucht möchte man gerne schnell verlassen. Die 30m Marke kann auch gut dadurch erkannt werden, als daß knapp unterhalb eine auffällige Verjüngung den vollen Klettereinsatz zur Überwindung nötig macht (allerdings ist das keine IIIer Stelle sondern einfacher). Genau oberhalb sind die 30m Aufstieg erreicht und es geht rechts auf mittelbreitem Band weg.

bereits die 30m Aufstieg absolviert und am Weg über das Band – von rechts kommt man daher

Das Band verschwindet nach ein paar Meter und somit ist man dem steilen, brüchigen aber doch einigermaßen trittfestem Gelände ausgeliefert, das der Geübte im Normalfall meidet, jedoch in der Lage sicher zu begehen ist. Mit Bedacht und Einsatz beider Hände gelangt man nach wenigen Metern Höhengewinn knapp unterhalb der auffällig orangen Stelle an der das Seil am Nordgrat in so mancher Beschreibung die sogenannte „IIIer Stelle entschärft“. Wer es bis hierher geschafft hat, der bedarf des Seiles nicht.

am Nordgrat an der Stelle mit dem Seil angelangt

Von dort führt der noch kurze Nordgrat weiter zum Gipfel der Bettlerkarspitze. Dabei passiert man den Ausstieg aus der Schlucht, die oben Kamin ist. Oberhalb des auffällig breiten Schneefeldes unten in der Schlucht geht es in Aufstiegsrichtung rechts weg auf das Band.

Aufstiegsrinne vom Nordgrat aus – oberhalb des breiten Schneefeldes etwa mittig der Schluchthöhe geht es seitlich weg

Weil im Aufstieg das Dokumentieren nicht möglich war hier ein Blick vom Gipfel auf die im Aufstieg rechte Flanke der Schlucht, die zur orangefarbenen Stelle führt.

knapp oberhalb des untersten Schneefleckes kommt das Band aus der Schlucht herüber, nach oben links wird weggestiegen

Ein wenig Spannung fällt am Gipfel ab und natürlich darf die gelungene Überschreitung des Kammes mit dem Falzthurnjoch am Gipfel der Bettlerkarspitze nochmals überblickt und ausgekostet werden.

Gratüberschreitung vom Falzthurnjoch von der Bettlerkarspitze aus

Insgesamt gesehen ist diese Tour als leichte, angenehme und wenig begangene Grattour mit phantastischen Aussichten einzustufen, die empfohlen werden kann. Große Teile können als Wanderung bezeichnet werden.

der Grat hoch über dem Plumssattel im Überblick

Als Alternative zur letzten Schlucht am Gipfelaufbau der Bettlerkarspitze beschreibt der AV-Führer den Abstieg über das Plumskar, um weiter unten auf den Nordgrat zu gelangen.

erster Teil mit Anstieg auf Gütenbergsattel, Schneeköpfe und Falzthurnjoch

Eine Beschreibung des Abstieges von der Bettlerkarspitze entfällt in diesem Bericht, der interessierte möge den Aufstieg zu jener hier nachlesen.

zweiter Teil mit Falzthurnjoch und Grat zur Bettlerkarspitze

Der Zeitbedarf für die gesamte Runde betrug 6 1/2 Stunden. Dabei wurden 1.430Hm Aufstieg zurückgelegt und drei Pausen mit jeweils in etwa 15 bis 20min Dauer.
Es plane eine Stündchen mehr, wer im Klettern nicht besonders geübt.

Mils, 21.10.2017

Ergänzung per 26.11.2017:
Durch den Neuschnee am 26.10.2017 konnte ich eine möglich Alternative zur Begehung am Grat erkennen. Es scheint, als ob es am Grat eine Abzweigung in die Ostflanke der Schneeköpfe unterhalb des Grates gibt, siehe Foto. Dies wird auch der Steig sein den die Mander vom Hockeyclub Pertisau genommen haben (siehe Facebook „Hockeyclub Pertisau“) und wahrscheinlich der Normalanstieg.
Die Abzweigung dieses Anstieges vom Grat habe ich nicht erkannt, aber auch nicht wissentlich gesucht.

grün = Route über den Grat
rot = Alternative (vielleicht Normalanstieg?)

 

 

 

 

 

Schaufelspitze 2.308m – Überschreitung von der Bettlerkarspitze

Im zentralen Teil des Sonnjochkammes gelegen, kann  die Schaufelspitze im leichten Gratübergang von Nordosten über die Bettlerkarspitze erreicht werden.

der schöne Gratübergang von der Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Rückblick

Die Grattour ist ein lohnend Ziel für die landschaftlichen Schönheiten im östlichen Karwendel, erlaubt aber auch tiefe Blicke auf die Giganten im zentralen Karwendel und sein Ausklingen im Norden. Sie kann als Rundtour durchgeführt werden mit Zustieg, wie erwähnt, über die Bettlerkarspitze und Abstieg über den Nordwestgrat sowie zurück auf den Plumssattel, meinem Ausgangspunkt für den Anstieg.

Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Hintergrund

Als Zustieg zum Plumssattel wählt jener, der aus dem Inntal anreist, die Gernalm (von Pertisau aus über die bemautete Straße erreichbar) und jener, der aus Bayern bzw. dem Risstal anreist die Hagelhütten am Beginn des Enger Tales.

der Vorgipfel der Bettlerkarspitze – heute leider schon besetzt

Die Beschreibung des Aufstieges zur Bettlerkarspitze kann dem hinterlegten Link entnommen werden. Zur groben Einschätzung sei hier nur erwähnt, daß der Aufstieg etwas leichter ist, als der letzte Teil Gratüberschreitung.

Gratübergang von Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Überblick

Wegen des Wahlsonntages konnte die Tour – entgegen meiner Gewohnheit – erst recht spät am Tag begonnen werden, der Start am Parkplatz bei der Gernalm erfolgte um 10:20 was bei wolkenlosem Himmel am beleuchteten Hang mit der Straße zum Plumssattel trotz fortgeschrittenem Oktober bereits für eine schweißtreibende Aktion sorgte. Im Sommer sollte man hier also zeitig dran sein.

Etwas kühler erfolgte dann der Aufstieg über die steile Nordflanke, in alten Beschreibungen als hervorragende Schitour dargestellt, und ab dem Köpfchen auf 2.075m (das ist nicht der Vorgipfel!) wurde es wieder sonniger.

am Gipfel der Bettlerkarspitze 2.287m

Alleine am Gipfel bei herrlichem Wetter und eine aussichtsreiche leichte Überschreitung als nächstes Ziel, was will man mehr. Unter „leicht“ verstehe man nicht, daß sie wie eine Wanderung begangen werden kann. Im letzten Teil gibt es einige Stellen, die mittels leichter Kletterei (in etwa II-) bewältigt werden müssen und – das sei dem weniger routinierten Bergsteiger geschildert – die auch recht abschüssig bzw. teilweise etwas ausgesetzt sind, besonders die letzten ca. 40-50m auf der Gratschneide vor der letzten Einschartung die den Grat vom Gipfelaufbau der Schaufelspitze trennt. Alles in allem aber mit geringen Schwierigkeiten ohne Sicherung – und für jenen, der sich geübt und versiert am Grat bewegt, und großteils ohne Einsatz der Hände – begehbar.

Rückblick auf den Anstieg zur Bettlerkarspitze

Die Überschreitung beginnt in breitem Gratgelände auf regelrecht einem Steig bis zum nächsten Gratkopf, im Abstieg zu Beginn nach Verlassen des Gipfels der Bettlerkarspitze rechts in schotterigem Gelände.

Rückblick vom ersten Gratkopf

Der Aufstieg auf der Gegenseite erfolgt über einen breiten Grasrücken. Jenseits nähert man sich einem Steilabbruch, der auch gleich instinktiv zur Auffindung einer Alternative in einer Wendung nach links über die schroffige, aber gut gangbare Ostflanke des Rückens führt.

der erste Gratkopf im Rückblick; rechts unter dem Schneefleckchen geht es leicht abwärts

Dort zwei Dutzend Meter hinab und durch leichte Kletterei in kaminartigen Schroffen ein paar Meter an die Basis des Kopfes zu wiederum leichtem Gehgelände hinab.

kurz nach Verlassen der Bettlerkarspitze am Gratrücken

Es folgt ein langgezogener abfallender Sattel, der auf breitem Rücken begangen wird. Der nächste Gratkopf wird über seine Ostflanke, jedoch in Gratnähe leicht überwandert – auch jenseits – und anschließend erfolgt eine erste kurze Kletterstelle an einem etwas felsigerem Gratköpfchen.

zweiter Gratkopf im Rückblick, rechts kommt man herunter

Am schönsten erschien mir die direkte Überkletterung (zumal auch ein Steinmann am Hochpunkt diese Variante weist), die durch die blockige Ausbildung der Kletterstelle mit guten Griff- und Trittmöglichkeiten ohne Schwierigkeiten gemeistert werden kann.

erstes schärferes Köpfchen, direkt zu überklettern

Anschließen wird der Grat etwas schärfer, abschüssiger, teilweise ausgesetzt, jedoch immer breit genug, um ihn leicht zu begehen, inne zuhalten und links und rechts die Schönheiten des Karwendels zu betrachten.

der schöne Gratübergang von der Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Rückblick

Die Schaufelspitze wird nun immer mächtiger vor Augen und bevor sie erreicht wird, stellt sich noch ein weiterer Kopf am Grat entgegen, der mit seinem plattigen Aufbau so ganz anders als alle Formen davor aufwartet.

Tiefblick ins Falzthurntal

Über schotterbedeckte Platten geht es aufwärts und bevor man die direkte Ersteigung über eine recht schwierige Verschneidung als Normalroute erkennen zu glaubt fällt rechts (nordwestseitig davon) ein Steinmann ins Auge.

plattiger Turm am Grat

Er ist die Weisung, den schwierigen restlichen Teil in äußerster Steilheit rechts zu umgehen. Auf der Hinterseite des Bandes, auf das der Steinmann leitet, steigt dieses mit großer Steilheit und schuttbedeckt zur Grathöhe an (Steinmann am Hochpunkt).

Steinmann rechts am Umgehungsband

Begangen wird es am besten entweder nahe am Fels zum sicheren Halt oder weiter davon entfernt in wiesendurchsetztem, festerem Gelände ohne Schutt.

Umgehung westseitig

Von diesem Hochpunkt aus (2.242m in AV-Karte) öffnet sich nun nordöstlich ein guter Überblick über die zurückgelegte Strecke und südwestlich der Abstieg zur letzten Einschartung vor dem von dort ca. 80m hohen Aufstieg in der Nordostflanke der Schaufelspitze.

Rückblick über den zurückgelegten Grat zur Schaufelspitze

Vor der letzten Einschartung erfolgt noch einmal ein etwas schärferer Grat, jedoch nur ca. 40-50m, der durch festen Fels führt und jede Menge gute Abstiegsmöglichkeiten bietet.

letztes Gratstück vor dem Gipfelaufbau der Schaufelspitze

Hier das letzte Gratstück vor der Flanke zur Schaufelspitze im Detail:

letzer Gratteil vor der Schaufelspitze

Rückblick von der Einschartung vor der Flanke zur Schaufelspitze:

letzer Gratteil vor der Schaufelspitze im Rückblick

Die steile Flanke zum Gipfel der Schaufelspitze nimmt man in wiesendurchsetztem Gelände durchwegs ein paar Meter rechts (nun nördlich, weil sich der Grat zunehmend gedreht hat) neben dem Gratrücken. Hinweis zur Steilheit – ich habe hierfür bereits wieder die Stöcke verwendet.

Gipfelaufbau der Schaufelspitze, letze ca. 80Hm bis zum flachen Gipfelgrat

Oben angekommen führt ein kurzes Gratstück in drei Minuten fast eben zum Gipfel der Schaufelspitze auf 2.308m.

Gipfelgrat der Schaufelspitze

Phänomenale Aussicht bietet sich hier und das ist wahrscheinlich auch der Grund warum der entbehrungsreiche Aufstieg über den Nordgrat – in der Folge mein Abstieg – aus dem Enger Tal auf sich genommen wird.

Am Gipfel der Schaufelspitze, 2.308m

Die Schaufelspitze stellt am Sonnjochkamm einen Endpunkt für die meisten Bergsteiger dar, die nicht absolut sattelfest in sehr schwieriger Kletterei sind und im Abstieg zum Bärenlahnersattel würde ich die Flanke zum Sonnjoch hin erstmalig nicht durchführen wollen.

Absturz zum Bärenlahnersattel

Umso mehr erfreute mich die exponierte Lage der Schaufelspitze mit der gewaltigen Aussicht auf die gewaltige Nordflanke des um genau 150m höheren Sonnjochgipfels und auf die kühnen Spitzen von Hochglück bis Dreizinkenspitze, die das Enger Tal begrenzen.
Weiter südwestlich schließen die schwierigsten Kletterberge des Karwendels mit ihren bis zu 1.000m hohen Nordwänden an; die beiden optisch markantesten Gipfel davon, die auch Grate nach Süden entsenden, sind die Sonnenspitzen und die Kaltwasserkarspitze ehe sich der Gipfel des Gamsjoches ins Bild schiebt und rechts daneben, in 13km Entfernung noch gerade die Birkkarspitze den Abschluß bildet.

Blick von Hochglück bis Dreizinkenspitze und weiter über Sonnenspitzen und Kaltwasserkarspitze bis zur Birkkarspitze

Westlich ist in 47km Ferne der Höllentalferner unter der Zugspitze erkennbar, der Fernblick möglich durch die vermindert wassergesättigte Luft im Herbst.


Weiter nordwestlich die Falkengruppe und die hohen Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, bevor nach der Soierngruppe die mächtigen Gipfel des Karwendels im Rundblick in die  milden, niedrigen Vorkarwendelberge abebben.

der gewaltige Sonnjochgipfel, Namensgeber des Kammes

Nach einer Rast mit Fotodokumentation der außergewöhnlichen Szenerie und einer teilweise möglichen Rekognoszierung des Abstieges über den Nordgrat machte ich mich kurz nach 14:00 auf den Weg, den schönen, nach Norden vollkommen freistehenden Grat abzusteigen.

Nordgrat der Schaufelspitze – Abstiegsgrat

Deutlich vom Gipfel aus erkennbar der Kopf an dem der Abstieg durch Latschen beginnt, Pkt 1.986m. Von dort aus benötigt es einiges Orientierungs- und Einfühlungsvermögen, will man den breiten und nach Nordosten steil abfallenden Waldrücken erreichen, denn nicht überall sind die Steinmänner so dicht aufgestellt, daß der Abstieg ohne Orientierungsnotwendigkeit erfolgen kann.

Das Risstal mit den Hagelhütten

Im Mittelteil glaube ich gibt es mindestens zwei Latschengassen die man absteigen kann und die beide am selben Endpunkt enden, so empfand ich den Blick vom Pkt. 1986m aus.

Blick auf den letzten Teil der Gratüberschreitung zur Schaufelspitze, im Hintergrund Pertisau

Zunächst jedoch erfolgt der Abstieg schräg nordostwärts in der Flanke der Schaufelspitze (das Gipfelkreuz befindet sich nicht auf dem Hochpunkt an dem der Nordgrat endet, sondern etwas südwestlich davon) indem man vom tiefsten Punkt der Einsattelung zwischen Gipfel und Hochpunkt des Nordgrates schräg abwärts über Schutt zum Grat hinabquert.

zu querender Hang zum Nordgrat – viel Schotter in der Flanke

Am Grat geht es auf breitem Rücken mit raschem Höhenverlust abwärts bis ein kleiner Felskopf, dessen Ersteigung nicht lohnt, links, westseitig umgangen wird, um nachher rasch wieder zum Grat zurückzukehren. Über ein paar recht nett abzuschreitende schärfere Gratpassagen nähert man sich fast flach dem Punkt 2.140m, bei dem sich der Abstieg für eine kurze Strecke nach Westen ändert und in etwas schroffigeres Gelände überleitet.

kurz vor Pkt. 2.149m

Nach ein paar Dutzend Höhenmetern führt der Abstieg wieder zurück auf des Rücken breite Mitte und wird am Ansatz der Latschen wieder flach. Durch die Latschen geht es links oder rechts, ich entschied mich für die sonnenbeschienene linke (westliche) Seite.

weiters Abstiegsgelände nach Drehung der Route nach Westen

Diese endet allerdings bald und durch den einigermaßen dichten Latschengürtel konnte ich wieder auf den Rücken zurückkehren (wahrscheinlich wäre die Ostseite etwas günstiger gewesen).

in der Latschengasse zu Pkt. 1.986m

Am Punkt 1.986m angelangt (Steinmann) wendet sich der Abstieg abermals nach links (westlich) um am unteren Ende der breiten Gasse erneut scharf nach rechts (nördlich) abzubiegen und in eine schmale Gasse einzutauchen, die unten wieder breiter wird und am unteren Ende in einem zunächst schwer ersichtlichen Durchschlupf mit Steigspuren in der Schotterreise mündet.

am Pkt. 1.986m

Nach dem Durchschlupf befindet man sich in steilem Wiesengelände, das instinktiv nach rechts (nordöstlich) begangen wird, weil das Ziel ja der Wald- und Latschenrücken bleibt. Hier habe ich keinen Steinmann gesehen, er sollte erst etwas weiter rechts auftauchen.

von Pkt. 1.986m hinabgeschaut; am Ende der Gasse geht es scharf rechts weiter

Ein phänomenaler Rückblick auf die Schaufelspitze

Rückblick auf den schöne Gipfel und dem wilden Abbruch zum Bärenlahnersattel

Nach dem Durchschlupf zurückgeblickt:

nach dem Durchschlupf – von links oben (etwa Bildmitte) kommt man daher

Am Steinmann hat man nun die Wahl ob links oder rechts davon (so zumindest mein Eindruck und Blick nach unten zu einer Stelle an der beide Gassen wieder zusammenkommen) und ich entschied mich  für die dem Rücken nähere rechte Gasse.

vom Steinmann die weitere Abstiegsroute erkundet (tief unten eine gelbe Lärche)

Unten angekommen der nächste Steinmann, unter dem sich nach ein, zwei Minuten Abstieg nun eine deutliche Rinne ausformt, der man weiter folgt. Das Gelände sehr steil, also ein mühsamer Aufstieg in Gegenrichtung.

am Ende der Latschengasse bei einer ab dort deutlichen Ausbildung einer Rinne

Nun verpasse man folgende Geländeausprägung nicht: das Gerinne (in der AV-Karte auszumachen) in dem abgestiegen wird erreicht nach wenigen Minuten einen breitere, flache Stelle im Latschengürtel. An dieser Stelle (Höhe ungefähr 1.730m) wurde mittig im Gerinne ein Steinmann errichtet (Foto), und hier muß dann rechts aufwärts durch eine Gasse aufgestiegen werden in der ebenfalls deutlich Steinmänner zu sehen sind.

markanter Punkt und Rechtswendung des Abstieges in einen kurzen Aufstieg (Steinmann etwa mittig im Bild)

Knapp oberhalb dieser Stelle befindet sich eine im Herbst auffällig gelb gefärbte Lärche, die bereits von weit oben (Steinmann mit Wahl zwischen links oder rechts) gesichtet werden kann und die somit die generelle Richtung weist. Im Rückblick links der Lärche drei kleinere Tannen, die – zwar nicht so markant – aber ebenfalls schon von oben auszumachen sind.

Etwas oberhalb dieser Stelle traf ich auf zwei Burschen, die ich überholt habe und die den Weg kannten. Nachdem ich an der flachen Stelle zu weit links ankam übersah ich den Steinmann und stieg noch ca. 20m in Latschendickicht ab, das nicht weiterführte. Wieder zurück waren die beiden natürlich nun vor mir und daher einer davon in der ansteigenden Abzweigung zu sehen.

nach ca. 30m Aufstieg angekommen am Abbruch in den Sulzgraben – Rückblick (rechts endet der kurze Aufstieg)

Der aufwärtsgerichtete Latschengasse folgt man ca. 30Hm bis zu einer Flachstelle, die gleichzeitig den Abbruch zum Sulzgraben darstellt, einem geologisch sehr interessanten Gebiet.

blockgefüllte Senke

Nach dieser markanten Stelle, die auch von weit oben bereits ansatzweise erahnt werden kann, führt der Abstieg in eine sonderbare, urwaldähnliche, mit großen überwucherten Felsblöcken gefüllte Senke, die links, in offeneres Gelände wieder verlassen wird.

Von dort geht es etwas weit links nun in Wald hinab, Latschenbestände verflüchtigen sich rasch und nach einer Wendung nach rechts übersteigt man einige morsche Wetteropfer an großen Bäumen, die bereits Jahrzehnte lang den Steig überqueren.

in etwa drei Minuten unterhalb der blockgefüllten Senke

Im naturbelassenen Wald führt der Steig nun meist spürbar am Rücken hinab. Eine Detailbeschreibung erübrigt sich hierzu. Falls der Steig einmal nicht gut sichtbar sei und man zu weit in die linke (östliche) Flanke abdriften würde versuche man wieder auf den Rücken zurückzukehren, siehe auch Fotos in Galerie von markanten Gegebenheiten.

Baumstämme queren den Steig

Nordöstlich erblickt man zeitweise mit etwas Wehmut ob des enormen Höhenverlustes den Plumsalm Niederleger, der im Aufstieg zur Plumsjochhütte rechts liegengelassen wird, wenn nicht der Fahrstraße gefolgt, sondern am Steig angestiegen wird.

Ankunft auf der Fahrstraße zum Plumssattel auf 1.275m

Auf 1.275m wird die Fahrstrasse zum Plumssattel erreicht und es beginnt ein abschließender knapp 400m Aufstieg zum Plumssattel, der die schöne Rundtour würdig abschließt und einige bärige Fotomotive bereithält.

der gesamte zurückgelegte Grat zwischen Bettlerkarspitze und Schaufelspitze

Bei wunderschönem Herbstnachmittagslicht und einer deftigen Stärkung endet die Runde bei Johann auf der Plumsjochhütte. Der Abstieg über 500m zur Gernalm nimmt nochmals eine halbe Stunde in Anspruch.

Herbstlich am Spätnachmittag am Plumssattel

Für die gesamte Tour habe ich ab und bis zur Gernalm 8 Stunden benötigt und es fielen 1.720Hm an. Dabei sind ca. 1 1/4 Stunden Rast im Gesamten enthalten.
Wer von den Hagelhütten aufsteigt wird in etwa 40 Minuten und 300Hm gegenüber der beschriebenen Route sparen.

Mils, 15.10.2017

 

 

 

 

Bettlerkarspitze, 2.268m

Von der Gernalm aus ist die Bergtour auf die Bettlerkarspitze eine eher kurze Angelegenheit, jedoch, ihrer Lage zwischen den höchsten und den abklingen Vorgipfeln des Karwendel wegen, ein lohnendes Ziel. Wenn die Bettlerkarspitze allerdings mit einem der abzweigenden Grate verbunden wird, dann kann eine bemerkenswerte Tagestour, mit vielfältigen Landschaftsreizen daraus werden.

Blick von der Bettlerkarspitze auf den Grat zum Falzthurnjoch

Genau richtig für den Wetterbericht am 9. September 2017 erschien sie mir Tage zuvor, als ein Programm für das Wochenende geschmiedet werden wollte. Am Gipfel kann die Entscheidung fallen, ob der Grat zur Schaufelspitze angehängt oder der Rückzug angetreten wird.

Bettlerkarspitze in herbstlichen Morgenlichte, Hauptgipfel hinten links

Kurz vor 8 Uhr begann, bei bereits herbstlich kühlem Fallwind von den Hängen im hintersten Gerntal, vom Parkplatz der Gernalm, der Aufstieg auf der Schotterstraße, die eine alte Militärstraße sei.

auf der Straße zum Plumsjoch

Im unteren Teil durch Wald im oberen Teil durch den splitterigen Hauptdolomit in Raibler Formationen abenteuerlich schmal gewordenen Straße geht es zunächst auf den Plumssattel, einem tollen Aussichtsplateau und wichtigem Knotenpunkt von Nord-Süd-Graten und West-Ost-Übergängen inmitten des Plums Alm Hochlegers.

Bettlerkarspitze und Schaufelspitze vom Plumssattel aus

Am Sattel wendet sich der Aufstieg nach links gegen Süden, um in der bis auf 1.850m latschenbewachsenen Nordflanke des Vorgipfels – „Vordere Bettlerkarspitze“ entnimmt man dem Gipfelbuch – anzusteigen.

Gamsjoch links und Falkengruppe rechts

Nach der Obergrenze des Latschengürtels, der vorwiegend in Hauptdolomit erstiegen wurde, beginnt scharf abgegrenzt der Gipfelaufbau im Wettersteinkalk. Dies jedoch mit einer recht brüchigen Oberfläche mit allerlei geologisch interessanten Einlagerungen. Beim Aufstieg können links und rechts des oft in Querrichtung doppelt angelegten Steiges zahlreiche Fossilien erblickt werden, solange das Auge im Aufstieg dem schrägen Hang nahe genug kommt. Im Abstieg ist es viel schwieriger die Naturschönheiten wiederzufinden, wie sich später herausstellen sollte.
Der Aufstieg über die Flanke erfolgt unter konstanter, bedeutender Steilheit auf brauchbarem Steig, hin und wieder mit weniger griffigen Tritten durchzogen.

die Nordflanke der Bettlerkarspitze

Rasch nach dem Latschengürtel ist ein vorgelagertes Köpfchen am Grat (2.075m) erreicht, das zu einem Rundblick einlädt. Nach dem Blick vom Plumssattel gibt dieser Platz wieder erstmalig die Sicht auf die Bettlerkarspitze frei, die beim Aufstieg von der Alm über die Nordflanke nicht sichtbar war.

die Bettlerkarspitzen von Pkt. 2.075m aus gesehen

Knapp oberhalb des wiesenbewachsenen Köpfchens erscheint der markante Vorgipfel der Vorderen Bettlerkarspitze unwesentlich höher als das Köpfchen zuvor. Der Grat dorthin ist zunächst flach steigend, breit und in kurzer Zeit erstiegen.
Gipfelkreuz und Gipfelbuch für manch jenen, der sich im Internet über die Tour informiert hat und dessen Wahl des Endes der Tour deshalb auf diesen Vorgipfel fällt, so wahrscheinlich zwei Bergsteigerinnen vor mir, die ich am Vorkopf überholte. Im Internet finden sich einige überzeichnete Beschreibungen der Schwierigkeiten des Anstieges zum eigentlichen Gipfel. So wird über eine Stelle III berichtet, die mittels eines Seilstückes „entschärft“ wurde. Diese Stelle, knapp unterhalb des Gipfels, ist gerade einmal 2m hoch und bietet einwandfreie Griffe und Tritte, sodaß auch das Abklettern keine besonderen klettertechnischen Fertigkeiten erfordert.

Der Grat von Pkt. 2.075m zur Vorderen Bettlerkarspitze

Nach dem Vorgipfelchen muß knappe 10m abgestiegen werden. Der Grat wird in der Folge zum großen Teil auf einem kleinen Steig, der nicht schwer zu verfolgen ist, auch wenn er dann und wann etwas schwach ausgeprägt ist, auf der Westseite umgangen.

die Bettlerkarspitze vom Vorgipfel aus

Herrliche Bänder ziehen sich unterhalb des Grates empor, die Teile des Steiges bilden, der in nun wesentlich längeren Abschnitten als die Route bis zum Vorgipfel markiert ist. Ab dem Vorgipfel finden sich verwitterte gelbe Markierungen; ein untrüglich Zeichen, daß dieser Steig nicht von einem Wegerhalter gepflegt wird. Warum das so ist mag sich jeder unter der Vorstellung der krankmachenden, allerorts um sich greifenden Haftungspflicht in der ursprünglich fremdländischen, hier jedoch so rasch adoptierten Lawyerwelt selbst beantworten.

herrliche Bänder, das Vergnügen leider nur von kurzer Dauer

Ein Blick nach links erfüllt mit Verlangen nach dem leicht anmutenden Grat vom Falzthurnjoch zur Bettlerkarspitze herüberziehenden Grat. Er sieht nach wenig Höhenunterschied aus, wer jedoch häufig Gratüberschreitungen ausführt, der weiß wir sehr man sich am bloßen Anblick der Schneide täuschen kann.

der leichtfüßig anmutende Grat vom Falzthurnjoch zur Bettlerkarspitze

Nach kurzer Zeit führt ein auslaufendes Band in einen kleinen Kessel, der sich vom Grat bis zum Steig herunterzieht. Diesen Kessel ersteigt man in Schutt an seiner linken (nördlichen) Seite, um wieder auf Grathöhe zu kommen. Sodann erblickt man den Gipfel der Bettlerkarspitze mit dem schönen hölzernen Gipfelkreuz.

kurz vor dem kleinen Kessel unterhalb der Bettlerkarspitze

Über wiesendurchsetzte Schrofen geht es steil mit gut gestuften Tritten den Steig empor, bis der Grat abermals rechterhand (westlich) verlassen wird, um der direkten Gratlinie zu entweichen und über eine leichte, schräge Rinne zur oben erwähnten „schwierigen“ Stelle zu gelangen.
Diese Stelle ist zwar etwas ausgesetzt, jedoch nicht so schwierig zu meistern wie angenommen. Es gibt links am Abbruch einen spitzen Kopf zum draufsteigen und oberhalb des vorstehenden Blockes genügend Griffe. Sodann unter einmal über den Block.

der letzte Teil des Grates mit einer kleinen Stelle Spannung

Die letzten Meter zum Gipfel führen wie ein U um einen großen Kamin herum. Auf der Gegenseite, fast in gleicher Höhe, das kleine Plateau mit dem Gipfelkreuz. Es wurde in zweieinviertel Stunden ab dem Parkplatz der Gernalm erreicht.

Bettlerkarspitze 2.268m

Eine wahrhaft phantastische Aussicht nach allen Seiten bietet die Bettlerkarspitze mit ihrem, nach Nordosten ausgerichteten Gipfelkreuz.
Das Karwendel kann Gegen Westen sozusagen „seitlich“ in seiner Süd-Nord Ausdehnung betrachtet werden, von den Hauptketten im Südwesten bis zu den Ausläufern und Vorgebirgen im Nordwesten, alle Höhenstufen im Schnitt, den Übergang von Inntaldecke (Linie Lamsenspitze-Sonnenspitze-Birkkarspitze-Pleisenspitze) und Karwendelschuppenzone (Linie Plumssattel-Risser Falk-Wörner) auf die nördlich gelegene Lechtaldecke, die im fernen westlichen Teil noch die Soierngruppe mit erheblichen Gipfelhöhen birgt.

das schöne Holzkreuz der Bettlerkarspitze

Gegen Osten und Nordosten gibt es einen wunderbaren Blick auf den schönen Grat vom Falzthurnjoch herüber, sowie in der Ferne dahinter vom Achensee mit dem dahinter liegenden Rofanstock bevor weiter nordöstlich die letzte bedeutende Erhebung über 2.000m, der Guffert mit knapp 2.200m, nicht zuletzt wegen seiner mächtigen, im Grün der Karwendelvorberge markant hervortretenden, hellen Südabbrüche beeindruckt.

Im Süden beeindruckt das gewaltige Muschelkalkdach des Sonnjochgipfels als mächtiger runder Rücken und höchste Erhebung in der Kette. Es versperrt die Aussicht auf einige Wichtige Gipfel in der Karwendelhauptkette, so sind nach dem gerade noch sichtbaren Hochnissl die Lamsenspitze und der Hochglück verdeckt und erst die Eiskarlspitze kann oberhalb der Verschneidung von Westrücken Sonnjoch und östlichem Gipfelaufbau der Schaufelspitze eingesehen werden.

das massive Sonnjoch und rechts die Schaufelspitze

Ein besonderes Schmankerl ist auch die kleine Vergletscherung unterhalb der Eiskarlnordwand (die sog. Eiskarln, von denen die Spitze mit Sicherheit ihre Namensgebung verdankt), die ein wenig aus der vorgenannten Verschneidung der beiden Flanken herausragt und wirklich eindrucksvoll nur mit einem Fernglas betrachtet werden kann.

die Schaufelspitze mit Ungemach darüber; in der Verschneidung Sonnjoch Westgrat/Schaufelspitze Ostgrat die Vergletscherung der Eiskarln

Die Schaufelspitze im Süden, bzw. der Grat dorthin wäre auch das insgeheime Ziel der heutigen Tour gewesen. Der meist ebenfalls von Haftungsgedanken beeinflusste Medienbericht vom Vortag, sowie die rasche Wetterentwicklung während des 40 minütigen Gipfelaufenthaltes, jedoch, hielten meinen Erfolgsdrang, nach nun einigen aufeinanderfolgenden Wochenenden mit intensivem Gebrauch der Regenjacke und der Heimfahrt in nassen Shorts, recht fest im Zaum.
Zusätzlich erschien eine Gratüberschreitung mit wenig Sonnenlicht und viel schwarzgrauem Gewölk, mit direkter Zugrichtung, rasch sich nähernd, für die Dokumentation nicht dem Wunsche entsprechend, die Schönheit dieser Tour entsprechend einfangen zu können.

Falzthurnjoch mit Achensee

Um es vorweg zu nehmen, das Wetter hätte gehalten, die Überschreitung wäre möglich gewesen.
Allerdings ist das Vorhaben im Herbst immer noch möglich und eingeplant.

Also beschäftigte ich mich auf diesem für die Einschätzung des gegenständlichen Gebirges bedeutsamen Gipfel mit ausgiebigem „recognosciren“ mit dem Fernglas, um in der Sprache der Pioniere dieses Gebirges zu bleiben.

Dabei konnte festgestellt werden, daß der Karwendel-Führer (Klier) in der Aussage, die Bettlerkarspitze wäre vom Plumsjoch (der Plumssattel ist gemeint) aus nicht sichtbar, falsch liegt. Wahrscheinlich soll die Aussage lauten, daß sie von der Plumsjochhütte aus nicht sichtbar ist, denn neben dem Gipfelkreuz platziert kann der Plumssattel in der Tiefe wunderbar eingesehen werden, also auch in Gegenrichtung.
In direkter Blickrichtung auf die höchste Erhebung am Sattel (Abzweig zur Montscheinspitze auf Schotterstraße, Rastbank) vom Hauptgipfel aus liegt das Gipfelkreuz des Vorgipfels fast auf gleicher Linie (siehe auch Karte mit gesamter Strecke von der Gernalm in der Bildergalerie).

Rauer Kranzenzian, man beachte die unterschiedliche Anzahl an Blütenspitzen

Die Flora, die dem Karwendelfreund auf seinen Touren stets ins Auge fällt verrät, daß die Bettlerkarspitze schon eher dem Norden des Karwendels zuzuzählen ist; es findet sich dort eine Enzianart zuhauf – es dürfte sich um den Rauen Kranzenzian handeln, auch wenn die Bestimmung anhand der verfügbaren Bilder für den Laien nicht eindeutig durchzuführen ist – die, bei genauer Betrachtung des Bündels in dem sie auftritt, sowohl vierblättrige als auch fünfblättrige Blüten aufweist und im südlichen Teil des Karwendels nicht anzutreffen ist, zumindest nicht merkbar häufig.

Schneeköpfe mit Rofangebirge dahinterliegend

Für den Abstieg an diesem so jungen Tag machte ich mir das oberflächlich sichtbare Vorkommen von geologischen Besonderheiten und Fossilien in diesem tektonisch so bedeutsamen Gebiet zur Aufgabe.

Muschelfossilien

Dabei mußte ich die bereits oben erklärte logische Feststellung machen, daß im Abstieg Feinheiten auf Gesteinsoberflächen weit weniger gut sichtbar sind als im Aufstieg. Der Blickwinkel mag das seine dazu beitragen. Dennoch konnten einige schöne Stücke gesichtet werden.

Rauhwacke

Die Nordflanke der Bettlerkarspitze stellt sozusagen die vorderste Stirn der Reliefüberschiebung des Karwendels dar und ist somit die nördlichste Front der Inntaldecke, die der Lechtaldecke kurz vor dem Plumssattel aufgeschoben wurde. In solchen Gebieten ist geologisch meist „viel los“.

Breccie

Schöne Rauhwacken (Zellenkalk mit ausgelaugten Hohlräumen) mit ebenflächiger Unterseite (auf eine Gleitbahn hinweisend?) deuten auf eine Haselgebirgseinlage zwischen dem Hauptdolomit und der überschobenen Wettersteinkalkdecke hin.

Kalkbreccie; rechts oben – siehe Detailaufnahme

Wunderschöne Kalkbreccien mit ungeheuer festem Verkittungsmaterial (calcitisch?), ein Zufallsfund knapp neben dem Steig.

Detailaufnahme der Kalkbreccie

Wurmförmige tierische Einschlüsse in Kalk? mit ungewöhnlicher rosa Färbung.

wurmartige tierische Einschlüsse

Die Tour abschließend, das Wetter von sicherer Stelle der Plumsjochhütte aus beobachtend, gab es noch eine hervorragende Speckknödelsuppe vor der Plumsjochhütte, bis schneidig kalte Böen zum Aufbruch übers Joch anregten.

Stimmung oberhalb der Plumsjochhütte

Die gesamte Tour bedurfte fünfeinhalb Stunden, wobei die Rasten am Gipfel und in der Hütte in etwa eineinhalb Stunden dem Studium der Landschaft und der Energieaufnahme dienten.

Peilung Gipfel Bettlerkarspitze – Plumssattel

Foto mit Peilung der Sicht; der Vorgipfel ist in der AV-Karte mit einiger Übung erkennbar, siehe rote Pfeilmarkierung.

Mils, 09.09.2017

Kuhljochspitze, 2.297m – über Südgrat

Imposant vom Solsteinhaus aus anzusehen thront die Kuhljochspitze als westliche Begrenzung des Talkessels über der Solenalm hoch über Zirl.

Kuhljochspitze, 2.297m

Neben der Erlspitze stellt die Kuhljochspitze ein lohnendes Ziel in der Erlspitzgruppe, dem westlichen Teil der Nordkette, dar. Ihre Ersteigung am Normalweg ist leicht, erfolgt jedoch über weite Teile im brüchigem Fels des Hauptdolomites mit seinen ungeordneten, strukturlosen Felsköpfen mit bis zu mehreren Dutzend Meter Mächtigkeit, unterbrochen von Schluchten, mit kleinen Schartenübergängen und vielen Schutthängen. Zwischen diesen Felsformationen finden sich Schrofen und Türmchen, unterbrochen von Wiesenflächen und jähen Abbrüchen.

Südgrat zur Kuhljochspitze. oberste Graterhebungen

Ein Felsbau, den man im Karwendel nur im westlichen Teil der Nordkette, eben von der Furche beim Solsteinhaus bis nach Seefeld findet.

Rückblick auf die Solenalm

Die Ersteigung am Normalweg vom Solsteinhaus über die Kuhljochscharte ist von steilen Steigen mit teilweisen Seilversicherungen geprägt und es geht auf den nicht weithin einsehbaren Steigen munter auf und ab, sodaß eine Entfernungseinschätzung, oder Abschätzung der Gehzeit, dem Kundigen dieses Geländes vorbehalten ist.

Rücken auf den aufgestiegen wird, im Hintergrund die Kuhljochspitze

Besser einzuschätzen hinsichtlich der Gehzeit ist die Ersteigung von der Solenalm aus. Auf dieser Route ist der Weg von weithin sichtbar abzuschätzen, folgt er doch dem langen freien, zunternbewachsenen Gratausläufer, da sich bis zum Kreuzjöchl hinaufzieht und mit wenig weiterem Höhengewinn an die Hauptkette anschließt.

knapp unterhalb des Kreuzjöchls

Der Steig von der Solenalm herauf erreicht den Freiungen Höhenweg im Westen des Gratausläufers und zwar ca. 25m unterhalb der Scharte (manche bezeichnen die Scharte als Kreuzjöchl) und zum Einstieg in den Südgrat müssen ca. 15Hm zusätzlich angestiegen werden.

erster Felskopf am Südgrat, unter der Höhle geht es quer hinauf

Den Einstieg bildet ein zurückgesetzter Absatz der Hauptwand, die auf ca. 25 bis 30m Höhe eingesehen werden kann. Von unten betrachtet, steigt die Route unterhalb einer dunklen Höhle nordwestlich an.

Andi bereits über der Höhle in Richtung zum Wiesenfleck

Im Fels wird rasch klar, daß die logische Route leicht links auf eine Rippe führt und von dieser in leichter Kletterei in direkter Linie über eine griffige aber schuttbedeckte Fläche zum Ausstieg auf eine Wiesenfläche führt.

Aufstieg zum Wiesenfleck

Diese abwechselnden Partien von schroffem brüchigen Fels und oberhalb dieser Wiesenflächen, die in Schärtchen oder Kamine führen sind auch typisch für den Felsbau in der Erlspitzgruppe.

Rückblick unterhalb des wiesenfleckes

Nach der Wiesenfläche erreicht man über eine brüchige Flanke ein Schärtchen, zu dem herauf die im Führer beschriebene Variante zur Vermeidung des ersten Wandkopfes her führt. Man muß diese Rinne mit viel rutschendem Schutt nicht nehmen, der erste Felskopf ist leicht genug um ihn zu erklettern.

das Schärtchen voran und sogleich der nächste Felskopf

Jenseits des Schärtchens warten wieder splittrige, brüchige Felsen auf, die jedoch ebenfalls ohne große Schwierigkeiten überklettert werden und diesmal ist der Ausstieg ein Schuttband das auf eine kleine zunternbewachsene ebene Fläche führt.

Querung zum Schärtchen in sehr brüchiger Flanke

Nach dieser Fläche bricht der zweite Felskopf wieder jäh ab, wobei auf einem schmalen kurzen Felsband in eine weitere Scharte abgeklettert wird.

Beginn des zweiten Felskopfes

Nach diesem Felskopf zieht sich der Hang mit einer langen wiesenbewachsenen Passage bis unter die Gipfelgratfelsen hinauf. Diese könnten an ihrer Westseite in leichtem Gehgelände bis zum nahen Gipfel gemeistert werden, uns reizte jedoch deren direkte Überkletterung bis zum Gipfelkreuz der Kuhljochspitze.

mitten im zweiten Abschnitt

Eine nette kurze Kletterei im II. Grad mit ordentlicher Brüchigkeit, die in jedem Fall einiges an Konzentration erfordert. Er ist jedoch schöner als der brüchige, ausgetretene Normalweg.

eine lange Wiesenpartie erreicht, sie zieht sich bis knapp unter den Gipfel

Am kleinen Gipfelplateau der Kuhljochspitze hat man eine phantastische Aussicht und einstimmig beschlossen wir gleich, daß nächstens der Übergang auf die Erlspitze dazu gehängt werden muß.

letzte Meter zum Gipfel am Südgrat der Kuhljochspitze

Der Aufstieg am Südgrat wird in ca. 35 bis 40min bewältigt, der gesamte Aufstieg von Hochzirl beträgt gut 1.400m.

Kuhljochspitze mit Südgrat vom Solsteinhaus aus

Als Abstieg wählten wir den Normalweg zum Solsteinhaus, um dort in aussichtsreicher Kulisse reichlich und gut zu speisen.

Kreuzjöchl bis Kuhljochspitze

Den gesamten Aufstieg vom Bahnhof in Hochzirl bis zum Gipfel bewältigten wir in 2 3/4 Stunden, der Führer gibt am Normalweg (über die Kuhljochscharte) 4 Stunden an.

Mils, 30.07.2017