Archiv der Kategorie: Bergtouren Sommer

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Schitour Roßkopf, 2.576m

Im nordwärts ziehenden Kamm vom Rastkogel, in den Tuxer Alpen, befindet sich der Roßkopf, der auch als krönende Talbegrenzung von Hochfügen aus, von den obersten Almflächen des Pfundsalm-Mittellegers im hintersten Finsinggrund, wahrgenommen wird. Der Aufstieg von Hochfügen kann auf der südlichen Talseite im hintersten Finsinggrund, oder, bei günstigen Schneebedingungen und mäßiger Lawinengefahr, über die schönere und sonnigere Nordwestseite und über die weite gestufte Hochfläche und über den interessanten Gratkamm erfolgen.
Die Gratkammbegehung vom Pfundsjoch zum Gipfel ist das Sahnehäubchen und verleiht letzterer Variante zum Schluß noch alpinen Touch mit einer schönen Linie am Grat und zwischen den Felsen.

Rosskopf vom Gratrücken im Norden gesehen

Der Roßkopf kann auch von Innerst über das Nurpenstal begangen werden und ist nicht so frequentiert als der Kleine Gilfert. Diese Variante trifft mit der Route von Hochfügen am Pfundsjoch zusammen (Anm. d. Verf.: Pfundsalm <> Pfundsjoch).

die Talstufe vom Pfundsalm-Mittelleger überwunden – herrlicher Blick auf den Rosskopf und seinem weitläufigen Aufstiegsgelände

Trotz den riesigen Parkflächen des Schigebiets Hochfügen sei man aus mehreren Gründen ein früher Vogel. Zum einen zieht sich die Fahrt von Fügen bis zum Parkplatz über 14km Bergstraße, zum anderen kann man dort hinter Reisebussen verhaftet sein und zuguterletzt kennt man die berüchtigten Staus vom Achensee ins Zillertal und auch wenn Fügen gleich am Talanfang liegt kann die Fahrt, zu spät über die Autobahn angereist, vom Inntal bis Fügen durchaus gute 20min Zeit verschlingen. Es empfiehlt sich am Wochenende also gut vor 7:30 Uhr durch den Brettfalltunnel zu fahren und das dürfte dem Tourenfreund nicht schwerfallen.

Start auf der Rodelbahn zur Pfundsalm

Auf 1.580m, hinter der letzten Kabinenbahn (Zillertal Shuttle) startet der angenehm steile und stille Aufstieg auf der der Rodelbahn zur Pfundsalm, deren kleine Almgebäude nach etwa einer Viertelstunde erreicht werden.

Rückblick auf die Pfundsalm

Anschließend bleibt die Route auf der westlichen Talseite. Bei unserer Begehung mußten wir zahlreiche hartgefrorene Nassschneelawinenreste, die in der Woche zuvor abgegangen sind, mit ruppigen Stellen gespickt, überwinden. Die Hänge oberhalb der westlichen Talseite des Finsinggrundes sind bei entsprechender LWS nicht zu unterschätzen und vor der Kurve mit der Wendung des Tales nach Südwesten erreichen sie ihre höchste Steilheit.

am Weg zum hinteren Finsinggrund

Noch während die Kurve sich dahinzog konnten wir beide Seiten des Tales beurteilen und die Westseite mit dem schön besonnten steilen Hang oberhalb des Pfundsalm-Mittellegers erhielt von uns den Zuschlag der Begehung, obwohl die Planung aufgrund erheblicher Lawinengefahr (LWS 3) die schattige Ostseite vorsah.

Nassschneelawinenreste am steilsten Stück des Hangs, kurz vor dem Pfundsalm-Mittelleger

Der Südosthang war von vielen Spuren, vom Pfaffenbichl herunter, bereits vollständig zerfahren und auch die Lage eines bereits abgegangenen kleinen Schneebretts im Steilsten des Hanges vermittelte uns, daß von diesem Hang keine Gefahr mehr ausgehen würde.

Talende im Finsinggrund – die Entscheidung welcher Aufstieg gewählt wird muß hier fallen

Nach wenigen Minuten unter Sonnenbestrahlung am Südosthang mußten wir uns von aller Winterbekleidung entledigen und erfreut stiegen wir mit ein paar Spitzkehren auf eine merkliche Abflachung, auf etwa 2.000m auf und konnten von dort aus erstmals den Gipfel erblicken, der von dort aus noch weit entfernt erscheint, dessen schöne Hänge aber auch gleich ins Auge fallen.

Beginn des Aufstiegs auf der Westseite

Am Hochpunkt der Talstufe angekommen öffnet sich im Nordwesten die Mulde hinauf zum Kleinen Gilfert, das Gipfelkreuz konnten wir durch den geringen Höhenunterschied von kaum 400Hm gut sehen.

zerfahrener Hang und altes Schneebrett oberhalb im Hangsteilsten

Der Kegel aus der Mulde zum Kleinen Gilfert vermittelt den besten Blick auf den Roßkopf und seine Mulden und Stufen vor dem Gipfelaufbau. Flach geht der Kegel auf die nächsten Kuppen im Südwestanstieg über und am Ende des Übergangs, bei dem sogar einige Höhenmeter eingebüßt werden, befindet sich der vielfach abgelichtete Bauwagen, der den Almleuten als Wetterunterkunft dient.

Autor vor dem Rosskopf

Kurz nach diesem erreichten wir eine Gabelung der Spur, die offenbar kurz vorher angelegt wurde. Links (südöstlich) könnte man über günstig liegende Kuppen im Aufstieg auf den Kamm vom Sidanjoch her wechseln, rechts, bzw. geradeaus legten Einheimische eine Spur entlang des Sommerweges auf das Pfundsjoch an.

der bekannte Bauwagen

Wiederum entschieden wir die weitere Route so, daß die rechte Talseite, die sonnige und südwestlich ausgerichtete, unsere Sympathie erhielt und dem Sommerweg weiter gefolgt wurde.

Bildmitte im Hintergrund – das Sidanjoch

Diese Entscheidung erwies sich später als goldrichtig und bot uns einen phantastischen Abschluß im Aufstieg.

Pfundsjoch voraus

Die Stimmung war perfekt und die Mühen des Aufstiegs traten angesichts der einzigartigen Landschaft mit der Erwartung des Gratkamms in den Hintergrund.

letzte Meter auf das Pfundsjoch

Am Pfundsjoch angelangt ahnten wir aufgrund seiner Beschaffenheit, daß der Gratkamm noch einige tolle Passagen bieten würde.

der schöne Gratkamm zum Rosskopf

Nach kurzer Pause und Betrachtung des langen Nurpenstales, von Innerst bis zum Rastkogel misst die Strecke der Schitour gut 10km, setzten wir den Weg auf dem Gratrücken fort und erreichten nach wenigen Minuten gleich eine schmale Stelle, die etwas ausgesetzt in den Kessel unterhalb, aus dem wir angestiegen sind, hinabstürzt. Die Stelle ist jedoch harmlos zu begehen.

die erste interessante Stelle am schmäler werdenden Grat

Gleich darauf folgt eine steile Flanke über etwa fünf Meter, mit westlicher Ausrichtung. Wir konnten sie dank guter Schneeverhältnisse gerade noch abrutschen.

der westseitige Abstieg

Im Fall, daß sie aper angetroffen wird, empfiehlt sich zur Überwindung das Abschnallen der Schi.

herrlich alpines Gelände

Die folgenden kurzweiligen Graterhebungen wurden rechts und links umgangen und nach einigen Minuten der Gipfelaufbau des Rosskopfs erreicht.

Querung nach Osten unterhalb der Felsen

Dort taucht die Route in den einzigen Schattenbereich seit dem Pfundsalm-Mittelleger ein und dieser – von kurzer Dauer über die untere Steilflanke empor – begleitete uns etwa 15 Minuten bis vor das Plateau oberhalb.

kurzzeitig größte Hangneigung bei der Querung nach Osten

In dieser Strecke liegen die schwierigsten Stellen des Aufstiegs. Zuerst wird knapp unterhalb der Felsen ein Steilhang südöstlich gequert, bei dem als Nordosthang die LWS beachtet werden muß. (Anm. d. Verf.: dieser Hang kann auch abgefahren werden kann – will man vom Gipfel auf das Pfundsjoch und weiter ins Nurpenstal – wobei hier von der Senke östlich unterhalb des Pfundsjochs wieder aufgefellt werden muß)

Aufstieg auf schmalem Hang nach der Ostquerung hinauf zur Westquerung

Anschließend dreht die Route auf schmaler Stelle mit einer Spitzkehre oberhalb eines Felssporns und führt in toller Kulisse zwischen Felsrippen und zwei Spitzkehren noch einige Meter hinauf.

durch Schmelzdeckel vereister Teil der Querung nach Westen

Nun quert die Route wieder nach Westen den gesamten Hang zurück. Dieser schattige Teil bescherte uns auf einem Teil einen äußerst harten Schmelzdeckel, auf dem die Kanten kräftig gesetzt werden mußten, um Rutscher zu vermeiden.

zwei Rippentäler werden durchquert

Nach der Querung zweier anschließender talwärts ziehenden Rippen tauchte die Spur hinter einem Felsvorsprung hervor, die Route lag wieder in der Sonne sowie das Gipfelkreuz wurde sichtbar.

bevor nach einer Linkswendung eindrucksvoll plötzlich Rosskopf und Rastkogel auftauchen

Von dem Plateau, das gleich nach der Wendung der Route in die Sonne anschließt, zieht sich der restliche, gut einsehbare Aufstieg auf den Gipfel des Rosskopfs. Er bietet keine schwierigen Passagen mehr und ist in zehn Minuten erreicht.

Restaufstieg auf den Rosskopf

Der kleine Gipfelbereich wird von einem mittelgroßen Holzkreuz aus 1983 geziert, auf dem der Spruch „nichts Gutes tun ist Böse genug“ eingeschnitzt wurde. Dieses deutsche Sprichwort kann – nach Nachforschung des Autors – niemandem in der Geschichte direkt zugeordnet werden, stellt also (vermutlich mit den Wurzeln in der Religion) allgemeines Volksgut dar.

Schidepot wenige Meter unterhalb Gipfelplateaus

Während wir die Gipfelpause hielten, sowie die Rundumsicht genossen stieg eine große Gruppe über das Sidanjoch her auf. Vermutlich jene, die wir im Schatten im Bereich des markanten Gebäudes (eher keine Alm) in halber Höhe am Hang auf der Ostseite sehen konnten.

Rosskopf, 2.590m

Der Rundblick am Rosskopf bietet einige interessante Gipfel in den Tuxern, aber auch im Karwendel und in den Zillertaler Alpen.

Blick vom Gipfel Ostnordost; im Vordergrund der Kamm vom Sidanjoch herauf (Normalanstieg)

Genau östlich gegenüber befindet sich der Kraxentrager, der Marchkopf und die Wetterkreuzspitze. Alle drei liegen im auslaufenden Kamm der Tuxer als Erhebungen, die für den Schitourenfreund von Belang sind. Am Bild kann die Rastkogelhütte auf dem Südhang unterhalb des Sidanjoches erkannt werden.

die Ostgrenze der Zillertaler Alpen und der Großvenediger Richtung Ostsüdost

Fast im Osten gelegen, genau auf OSO liegen weit im Hintergrund der Großvenediger in den Hohen Tauern und rechts davon die Reichenspitzgruppe in den östlichen Zillertaler Alpen.

im Südosten die zentralen Zillertaler Alpen mit der markanten Spitze des Großen Löfflers links der Bildmitte; rechts der Rastkogel

Weiters finden wir in Richtung SSO den markanten Großen Löffler und den Schwarzenstein, der schon fast hinter dem gegenüberliegenden Felsrücken verdeckt ist. Zum Abschluß – bevor das Rastkogelmassiv die Zillertaler Alpen verdeckt finden sich noch Hornspitze und Ochsner.

rechts neben dem Rastkogel der Olperer in der Ferne, im rechten Bilddrittel Geier, Lizumer Reckner und Reckner und Lizumer Sonnenspitze

Direkt im Süden liegt der die Gegend beherrschende Rastkogel, der ein tolles Tourenziel aus allen Richtungen darstellt. Wir haben eine Traumtour über das Nafingtal mit Überschreitung zum Rastkogel von der Halslspitze aus unternommen, siehe Link oben.  Natürlich sticht im Hintergrund König Olperer heraus.

im linken Bilddritten der weit entfernte Schrankogel, im Vordergrund mit dunkler Nordostflanke der Hippold, rechts davon die höchste Erhebung der Hirzer genau im Westen; rechts davon Einblicke bis weit ins Oberland

Im Westen ist sogar der Schrankogel in den westlichen Stubaier Alpen in 53km Entfernung zu sehen. Im Vordergrund dominieren Hippold, Grünbergspitze, Malgrübler und Hirzer. Der für das Auge noch halbwegs sichtbar und weitest entfernte Gipfel im Nordwesten ist die schöne Heiterwand in 78km Entfernung.

rein ins Pulververgnügen!

Die sichtbaren Gipfel im Karwendel und im Rofan, die der Autor als Schitour beschrieben hat, wären die Rappenspitze und das Kotalmjoch, jeweils links und rechts des Gilfert im Norden.

genügend Raum für schönes Schwünge

Mit zunehmender Überlastung des Gipfelplateaus rüsteten wir zur Abfahrt über die schönen Nordosthänge. Hierbei hatten wir ein wenig Vorsicht walten lassen, da wir das Gelände nicht kannten und den Spuren der beiden Einheimischen folgten, die perfekt zwischen den Felsköpfen durchzirkelten.

auf eine Flachstelle vor dem zweiten steilen Hangteil hin

Natürlich fanden wir auf dem nur mit sehr spitzem Winkel beleuchteten Hängen tolle Pulverschneeverhältnisse vor.

herrliches Gelände

Die Abfahrt führt lt. TIRIS durchwegs über Gelände mit einer Hangneigung bis 35° und im untersten Teil mit knapp 40°. Alle Passagen sind wir einzeln abgefahren.

Ansicht des Aufstiegsgrates von Südosten

Nach den tollen steilen Hängen wird das Gelände im Kessel sehr flach und es reichte gerade für ein wenig Fahrt des ungewachsten Schis.

vielleicht der steilste Abschnitt

Bis zum Bauwagen ging es ohne Schiebaufwand dahin. Am Bauwagen hat man mit wenigen Metern Gegenaufstieg die Wahl zwischen der Aufstiegsroute links vor dem markanten Felskopf, oder der Talstufe rechts von demselben.

der Autor brauste hinab und fand Gefallen am Hang

Wir beschlossen die Variante nach rechts zu nehmen, da die Spuren verrieten, daß wir über diesen Weg auch nach unten kommen würden und andererseits die wenigen Höhenmeter auf der Aufstiegsroute nicht mehr aufsteigen mußten.

an der letzten Talstufe vor dem steilsten Stück des Tages

Die Variante rechts führt über schmale steile Hänge hinunter und hat auch ihren eigenen Reiz. Bei entsprechender LWS ist hier jedoch Vorsicht geboten, die Hangneigung beträgt lt. TIRIS im steilsten Stück mehr als 40°, siehe auch die Bildgalerie.

die größte Hangneigung kurz nach der Einfahrt

Unten angekommen quert man wieder zum Pfundsalm-Mittelleger hinaus, etwas oberhalb an der Stelle an der die Entscheidung für den ost- oder westseitigen Aufstieg fallen muß.

der Hang im Rückblick

Auf der weiteren Strecke im hinteren Finsinggrund hatten wir versucht so hoch als möglich zu bleiben und konnten bis zur Brücke über den Finsingbach ohne Schieben abfahren. Die Schiebestrecke war dann etwa 200m lang und der Höhenunterschied beträgt vielleicht zwei Meter – also verkraftbar.

der letzte Steilhang im Rückblick

Über die Rodelbahn ab der Pfundsalm ging unsere Tour wieder hinaus zum Parkplatz Hochfügen.

gute Laune an der Pfundsalm

Als Einkehrstation empfiehlt sich das Gasthaus Schellenberg auf der Straße nach Fügen. Die Terrasse bietet ab Februar in der Nachmittagssonne einen tollen Tourenabschluß und die Qualität der Speisen kann sich sehen lassen (Schmankerl: Kasknödelsuppe mit Graukas!).

Ausklang auf gemütlicher Terrasse vor dem Gasthaus Schellenberg

Für diese Tour benötigten wir gesamt mit Pausen 5:02 Stunden. Der Aufstieg vollzieht sich über 1.110m (gemitteltes Log – Aufstiegsmeter/Abfahrtsmeter) und ausgiebigen 7,3km Strecke. Schitourenwissen und alpinistische Erfahrung mit Gratbegehungen sollten für den Schlussteil ab dem Pfundsjoch zumindest vom Verantwortlichen einer Gruppe mitgebracht werden. Ab Februar Fellwachs nicht vergessen!

Mils, 08.02.2020

Schitour Saxalmwand, 2.635m

Die vom Westen, vom Venntal aus, geometrisch imposante, massive Berggestalt der Saxalmwand bietet eine ansprechend abgestufte, edle Schitour vom Valsertal aus – sie empfiehlt sich hinsichtlich der Hangneigung dem fortgeschrittenen Geher.

Querung nach Südwesten unterhalb des Fels- und Schrofengürtels – ein bäriger Hang!

So wenig spektakulär wie die Nordflanke der Saxalmwand – des Sommers vom Venn aus betrachtet – wirkt, so außergewöhnlich ebenflächig und selektiv ist ihr Nordhang bei der Begehung als Schitour vom Valsertal aus des Winters. Die Hangneigung – dem TIRIS entnommen – weist durchaus Werte zwischen 35 und 40° auf und bestimmt daher die generelle Inangriffnahme des Gipfelhangs bei entsprechender Lawinenwarnstufe, siehe Neigungskarte in der Bildgalerie.

Start am Parklpatz auf der Straße von Vals zum Gh- Touristenrast

Der untere Teil des Anstiegs auf die Saxalmwand  teilt sich jenen mit dem Anstieg auf das weiter südlich liegende Sumpfschartl, das im Grat zum Kraxentrager liegt. Der gemeinsame Anstieg besteht vom Ausgangspunkt bis auf etwa 2.000m, wo sich, in der aufweitenden Karlandschaft zwischen dem Kamm der Langen Wand und der Saxalmwand, die Routen trennen. Die originäre Quelle der Bezeichnung „Saxalm“ für die Gipfelschuppe der Saxalmwand konnte im Zuge der Recherchen zu diesem Bericht nicht ergründet werden.

Rückblick vom ersten Hang zur Bloaderalm

Ein im Aufstieg aus nächster Nähe zu bestaunendes Detail besteht im geologischen Aufbau der Saxalmwand als auch dem Kamm der Langen Wand Teil. Beide bilden einen Teil der Hochstegenzone (aus Kalkmarmor1 bestehend) und ihr Südende (gegen den Kraxentrager hin) stellt auch die Trennung zwischen der Hochstegenzone und der Wolfendorndecke jenseits des Sumpfschartls im Süden dar.

bäriges Panorama – Olperer und Fussstein im Osten

Am Anstieg über die Talstufe nach der Bloaderalm kann diese Gesteinsserie der Hüllgesteine des Tuxer Kerns, mit ihrer interessant matt schimmernden Oberfläche, im Steilaufstieg am offen angewitterten Fels im Detail aus nächster Nähe beobachtet werden (Foto weiter unten).

vor der Bloaderalm

Durch das diesig trübe Wetter am Vortag wurde unsere Anreise ins Valsertal verzögert, da wir Gewissheit über einen klaren Himmel haben wollten und die Dämmerung abwarteten. Dadurch erreichten wir die wenigen teilgeräumten Parkplätze auf der Straße zum Gh. Touristenrast erst gegen 8:30 Uhr, dafür aber bei prächtigem Wetter und, weil eben wegen der Eintrübung tags zuvor wenig Tourengeher unterwegs waren, als ziemlich die ersten nach Markus und Astrid, die wir zufällig getroffen haben.

die 1921 erbaute Bloaderalm

Gemeinsam stiegen wir zu viert auf der gegenüberliegenden Talseite zur Bloaderalm auf. Der Schnee, trotz milder Temperaturen recht hart und nach der langen Schönwetterperiode bereits ziemlich zerfahren.

oberhalb der Bloaderalm im Lärchenwald – noch auf der rechten Seite im Aufstiegssinn

Am Waldrand führt die Spur über den steilen freien Hang bis zum Fahrweg zur Bloaderalm hinauf. Etwa 250m bleibt man am Weg bevor er aus dem kurzen Waldstück in freies Almgelände mündet.

es wird etwas steiler

Bereits an der Bloaderalm kann die eindrucksvolle Saxalmwand mit ihrem beeindruckenden nordwestseitig sehr kontinuierlich pyramidenartigen Aufbau und dem südostseitigen Steilabbruch mittig im Tal eingesehen werden, fast wie ein gestelltes Motiv.

die Talstufe die zu überwinden ist wird nach links (östlich) gequert

Noch vor dem Zaun wird der Weg rechts verlassen und neben dem Zaum, außerhalb der Almwiesen aufgestiegen. Dabei passiert man die malerischen Almgebäude (siehe Aufschrift „1921“), die sich nach 100 Jahren in erstaunlich gutem Zustand befinden.

Querung nach links zum Aufstieg neben den Felsen

Am beginnenden Hang führt die Route anschließend in den Lärchenwald und weiter zum Talende ostwärts auf die andere Talseite, einen steilen Hang querend, der bei der Abfahrt auch befahren werden kann.

Herwig am herrlich anzusehenden Kalkmarmor

Auf der gegenüberliegenden Talseite leitet der Anstieg über den Normalweg mit Serpentinen nahe den oben beschriebenen prächtigen Kalkmarmorfelsen, deren augenfällig zuckerkörnige Oberfläche unübersehbar ins Blickfeld gerät, über die Talstufe hinauf zur nächsten flacheren Passage.

mit ein paar Spitzkehren

Oberhalb der Talstufe wendet sich die Route wieder südwestwärts in einen zunächst breiten Graben, der mit der Höhe schmaler wird und sich, gegen sein Ende hin, zum breiten Hochkar zwischen Langer Wand und Saxalmwand ausbildet.

und oberhalb der Talstufe

Auf etwa 2.120m trennen sich die Anstiege der Touren, wobei die Route zur Saxalmwand rechterhand, westwärts abzweigt und die Route zum Sumpfschartl geradeaus nach Süden aufsteigt.

mitten in der Mulde

An dieser Stelle betrachte man den hoch aufragend trotzenden, kühn posierenden Doppelstamm einer Zirbe inmitten der Hochfläche, einige Hundert Meter entfernt, auf der Route zum Sumpfschartl. Diese Zirbe mag im ersten Moment nur als Baum wahrgenommen werden, mit etwas Einfühlungsvermögen über ihre Lebensbedingungen jedoch wandelt sie sich aber zum Naturschauspiel, zum lebendigen Juwel.

Blick Richtung Sumpfschartl

An dieser Stelle trennten sich unsere Wege. Für uns ging es in der schönen Mulde Richtung Niedervennjöchl während unser Bergkollegenpaar  die Marschrichtung beibehielt und über die kurzweilig wechselnde Hochfläche weiter gegen den Hauptkamm zum Kraxentrager aufstieg.

nach der Abzweigung zum Niedervennjöchl

Beide Ziele sind übrigens 1.050m Luftlinie voneinander entfernt und unterscheiden sich lediglich in 31m Höhe zugunsten des Sumpfschartls mit 2.666m. Das Sumpfschartl liegt etwa mittig auf fast einer Geraden zum Kraxentrager, kann aber vom Gipfel der Saxalmwand nicht eingesehen werden.

 

Rückblick auf die Verzweigung

Der kurze Graben zum Niedervennjöchl verengt sich gegen die Jochhöhe hin und in gleichem Maße steilt er auf.
Die Jochhöhe wird nicht betreten, etwa 30 bis 40 Höhenmeter vorher führt die Route vor dem Felssporn über steiles Gelände auf eine Abflachung mit der Höhe von recht genau 2.300m.

steil auf die Flachstelle hinauf

Vor dieser Abflachung lag nun der breite, steile und  ebenmäßige Hang der die Saxalmwand ausmacht und der mit Freude, aber auch mit gewissem Respekt in Angriff genommen werden sollte.

die Stubaier Berge jenseits des Niedervennjöchls

Für uns war es Zeit die kleinen Rutscher, die uns durch einen leichten Flaum nächtlichen Schneefalls auf der Spur schon viel weiter unten zu ärgern begonnen haben, endlich mit dem Einsatz von Harscheisen zu beenden.

der Steilhang beginnt

Ihre Verwendung zögert man generell gerne hinaus und das hat wahrscheinlich nicht nur beim Autor psychologische Gründe. In gewisser Weise fühlt man sich ja mit Harscheisen – in nicht absolut ihren Einsatz erzwingendem Gelände – irgendwie so wie ein zwölfjähriger mit Schwimmflügeln im See.

Steilhang mittlerer Teil

Nun, nach Dutzenden von lästigen und auch kraftraubenden Rutschern in der Spur befanden wir an dieser Stelle genügend weichgeklopft worden zu sein, um sie montieren. Vor allem aber rechtfertigte die beeindruckende Hangneigung in Verbindung mit den – wie wir später noch merken mußten – teilweise schon sehr gepressten Schneeverhältnissen ab der Flachstelle ihren Einsatz zusätzlich.

schöne Szenen im Steilhang

Nach ein paar wenig sympathischen Metern im flachen mit den Eisen empfand der Autor auf den harschig verhärteten Inseln am Hang endlich Genuß beim Aufstieg mit den Halt bietenden Krokodilen unterm Schuh.

Ansicht nach Osten im Steilhang

Eine recht angenehm ansteigende Spur zog sich über den gut 150Hm messenden Teil des steilen Gipfelhanges. Die Winkeländerung zur Verflachung des Hangs im oberen Teil kann bereits von unten, von der Flachstelle aus, erkannt werden. Diese besteht aus einer Linie mit kleinen Erhebungen von Fels- und Schrofenpartien, die sich quer über den einsehbaren Teil des Hangs zieht und die nicht durchschritten, sondern umgangen wird.
Unmittelbar unterhalb dieser Linie weist der Hang die größte Neigung auf, die im TIRIS mit einer Neigung von 40° und mehr gekennzeichnet ist, in natura aber nicht ganz so spektakulär wirkt.

es wird wieder flacher

Nach ein paar recht langen Abschnitten zwischen den Spitzkehren – eben durch die angenehme Steigung der Spur –  erreichten wir die Zone mit den Felsbrocken und folgten der nun unterhalb weit nach Südwesten hinausquerenden Spur. Dieser Teil der Route kann von der Flachstelle unten nicht eingesehen werden.

der Gipfel – bzw. der Gratkopf der Saxalmwand – rückt näher

Sie wird zusehends flacher und dreht in weitem Linksbogen nach Südosten auf den Gipfel zu. Die Felsbrockenzone verschwindet mit zunehmender Höhe und die Hangneigung wird merklich geringer – lt. TIRIS unter 30°.

Herwig am Gipfel der Saxalmwand

Von Südwesten her zeigte sich der Gipfelschlußhang bei unserer Begehung recht abgeblasen, wodurch wir am direkten Hangbuckel blieben und in Serpentinen dem kleinen Gipfelkreuz zustrebten, das man schon eine ganze Weile sieht, bevor man es erreicht.

Gipfelkreuz Saxalmwand, 2.636m

Das Gipfelkreuzchen auf der Saxalmwand ist ein kleines Holzkreuz, mit Kabelbindern an eine Vermessungsstange gebunden – es erfüllt seinen Zweck. Gipfelbuch gibt es keines.

Rückblick auf den Gipfelhang

Die Sicht am Gipfel der Saxalmwand war just mit unserem Erreichen des Gipfelbereiches durch plötzlich herziehenden Nebel fast völlig eingeschränkt. Im Laufe der Gipfelrast verbesserte sich die Sicht in Richtung Südwesten und Nordosten, verwehrt blieb uns aber der Blick im weiter verlaufenden Kamm zum Kraxentrager.

Blick vom Gipfel nach Süden zur Landshuterhütte

Der nahe Wolfendorn mit seiner Gipfelpyramide aus Hochstegenmarmor (jurassisch) zeigte sich erst kurz vor der Abfahrt wieder – ein eindrucksvolles Foto von diesem schönen Berg blieb uns verwehrt.

der ästhetische Wolfendorn in Bildmitte

Die Abfahrt im oberen Teil des Gipfelhanges erfolgte durchwegs auf windgepresster Oberfläche mit wenigen Windgangln.

Blick in das Valsertal – die insgesamte Steilheit der Tour kann hier gut erkannt werden

Der Teil im Steilhang war durchwachsen mit härter gepressten Inseln und weicheren Teilen, die einige nette Schwünge zuließen. Richtig fesch durch weichen Schnee fanden wir in der Talmulde unterhalb des Niedervennjöchls bis fast hinab zum Verzweigungspunkt mit der Route auf das Sumpfschartl.

am Beginn des Steilhanges – Hoffnung über dem Autor

Ab der Rinne unterhalb des weiten Tals herrschte vorwiegend ein Harschdeckel über weichem Schnee vor – mit entsprechendem Kraftaufwand zum Drehen.

auf in den Genuß!

Am Ende der Rinne kann man – im Talblick gesehen – links über eine Kuppe haltend über einen schönen Steilhang die Talstufe überwinden. Diese Variante dürfte schöner zu fahren sein als nach der Mulde rechts (im Abfahrtssinn) und die Talstufe durch den Felsdurchschlupf hinab zu überwinden, der augenfällig schon beim Aufstieg links neben dem Bach mit den schön blau gefrorenen Wasserkaskaden ins Auge sticht.

noch einmal die schöne Bloaderalm

Nach der Talstufe vereinigen sich die beiden o. g. Varianten wieder und über etwa 100Hm im lichten Wald hinab erreicht man bald die freien Flächen Bloaderalm. Über den Weg und den Schlußhang geht es zurück ins Tal.

Rückblick auf die Saxalmwand

Der Zeitbedarf für die schöne Tour betrug 4:23 gesamt mit Pausen. Die Streckenlänge ist durch die generelle Steilheit der Route mit knapp 4,5km relativ kurz,  den Höhenunterschied zeigte uns der Höhenmesser der Uhr mit 1.350m.

 

Mils, 26.01.2020

eine sehr interessante Arbeit über die Geologie in diesem Gebiet ist hier zu finden.
Anm. d. Verf.: im Venntal befindet sich an den Südwestabbrüchen der Saxalmwand auf 1.560m Höhe ein 1984 aufgelassener Steinbruch an dem plattige, feinkörnige Gneise und die darüberliegenden ebenfalls plattigen Hochstegen-Kalkmarmore als Bausteine gewonnen wurden

 

Schitour Kraxentrager, 2.425m Hochfügen

Ungleich einfacher als ihr Pendant in den Zillertaler Alpen ist die Schitour auf den kreuzlosen Kraxentrager von Hochfügen in den Tuxern. Mit 925m Aufstieg kann sie als Familientour beschrieben werden, oder als eine Trainingstour für den Vormittag.

auf der Gratrippe, dahinter der Gipfel des Kraxentragers

Am Ende des Schigebiets Hochfügen folgt die Rodelbahn auf die Pfundsalm im hinteren Finsinggrund. Wer die Anfahrt bereits vor dem Rummel, der etwa kurz vor 8 Uhr in Fügen Ort beginnt (man fährt von Fügen gut 20min bis Hochfügen, vorausgesetzt man ist noch vor den Bussen), hinter sich gebracht und auf dem großen Parkplatz der Lifte Hochfügen angekommen ist, der strebt dem letzten Lift – dem Zillertal Shuttle (1.500m) – zu und erreicht zwischen der Talstation und dem Finsingbach (überbauter Durchgang) die Rodelbahn, dem Startpunkt der Schitour.

Start auf der Rodelbahn zur Pfundsalm

Der Aufstieg über die Rodelbahn bis zum Pfundsalm Niederleger (1.650m) führt zunächst entlang des Finsingbaches bevor sich das Tal etwas weitet und nimmt knappe 20min in Anspruch. Hinter dem Almdorf endet die Rodelbahn und beginnt die Schitourenspur recht flach über eine Kuppe auf eine Brücke über den Finsingbach, über die man links (östlich) die Talseite wechselt.

kurz vor der Pfundsalm – das Ziel schon im Blickfeld

Östlich beginnt der Aufstieg in moderater Steigung zu den Gebäuden des Viertelalm Niederlegers (1.740m), die bald erreicht werden und von denen aus man schon einen ersten tollen Blick auf das Talende des Finsinggrundes und des dahinter aufragenden Rosskopfs (2.576m), der den Talabschluß bildet und am Kamm zum Rastkogel (2.762m) liegt.

Rückblick auf den Pfundsalm Niederleger

Weiter führt die Route in Richtung Viertelalm Hochleger und bald gibt es eine Verzweigung, falls sie gespurt ist.

Aufstieg zum Viertelalm Niederleger

Es besteht dort die Möglichkeit weiter über den Viertelalm Hochleger anzusteigen und in einer weiten Rechtskurve im Kar unterhalb der Einsattelung zwischen dem Gipfel (der Berg heißt so) und dem Kraxentrager aufzusteigen, oder, an der Verzweigung rechts (südlich) weiter, eine breite flache Mulde durchquerend und auf eine schwach ausgeprägte Rippe direkt unterhalb des Kraxentragers, sowie auf dieser zum Gipfel.

an der Viertelalm wir der Rosskopf sichtbar

Die zweite Möglichkeit ist vielleicht im oberen Teil etwas steiler, jedoch landschaftlich lohnender als durch das Kar oberhalb des Hochlegers. Es ist aber auch möglich  auf jeder der beiden beschriebenen Seiten abzufahren und so die andere Möglichkeit anzusehen. Dieser Bericht beschreibt in der Folge die zweite Möglichkeit über die kurze Gratrippe.

kurz vor der Verzweigung

An der Verzweigung (etwa auf 1.860m) führt der Aufstieg also rechts (südlich) zunächst ein paar Meter in eine Bachverschneidung hinab und jenseits davon mit mäßiger Steigung auf eine kleine Baumgruppe zu.

Rückblick; die Verzweigung etwa in Bildmitte

Hinter dieser folgen ein paar Spitzkehren auf den steiler werdenden Hang hinauf, bis man oben auf die breite Gratrippe gelangt. Von dort hat man gleich bei der Ankunft zunächst einen Blick auf den direkt darüber liegenden runden Gipfel des Kraxentragers.

direkt unterhalb des Kraxentragers, rechts die Gratrippe

Man hat aber auch einen bärigen Blick auf den Rosskopf und auf den Rastkogel, dem fünfthöchsten Berg in den Tuxern, der sich weiter südwestlich vom Rosskopf befindet und von dort gesehen, die weit und breit höchste Erhebung bildet. Bis hierher benötigt man knapp eineinhalb Stunden.

auf der Gratrippe angelangt; der Kraxentrager direkt oberhalb

Nun geht es mit schönen Blicken auf die Umgebung und ein zwei Seitenwechsel ein kurzes Stück auf der Gratrippe entlang, bevor die Rippe über ein Couloir endet, das mit zwei drei Spitzkehren durchstiegen wird.

bäriger Blick auf das Talende im Finsinggrund

Am Ende des Couloirs beginnt der Gipfelaufbau des Kraxentragers. Zunächst führt der Anstieg auf den Gipfelhang zwischen Fels und Wiesenflächen hindurch, bevor er steiler wird und Spitzkehren notwendig werden.

die beiden voraus befinden sich bereits im Couloir nach der Rippe

Vom Aufsteilen weg sind noch knapp 150Hm zu bezwingen. Bei der heutigen Begehung fand der Autor die Spur im steilsten Stück mit einer sinnlos steilen Steigung vor, bei der jeder Schritt mit Rückrutschen verbunden war. Also wurden kurzerhand ein paar kleine Umgehungen als Spitzkehrenstrecke gespurt, um den restlichen Aufstieg angenehm zu halten.

unterhalb der steileren Passage des Gipfelhangs

Am Ende dieser etwa 50Hm langen steileren Strecke quert die Route recht flach auf die Einsattelung unterhalb des Gipfels zu. Bevor diese erreicht wird (sie liegt etwas tiefer), wendet sich die Spur scharf nach rechts, etwa 40Hm unterhalb, auf den flachen Gipfel zu.

Querung zur Einsattelung; der Gipfel des Markopfes nun zu sehen

Der Gipfel des Kraxentragers äußert sich als ein unscheinbarer runder Kopf, etwas abgeflacht und ohne jegliche Zier, auch nicht mit einer Schneestange versehen. Die nahsten Nachbargipfel stellen der 500m entfernte Gipfel (2.445m, der Berg heißt wirklich so) und der imposant anzuschauende Marchkopf (2.499m) in 1.440m Entfernung im Nordosten dar.

der Kamm nach Nodosten – Gipfel und Marchhkopf

Dem Kamm folgend, im Südwesten breitet sich der runde Rücken des Sidanjoches aus, hinter dem im Süden – nicht sichtbar – die Rastkogelhütte verborgen ist. Der Kammrücken nach dem Sidanjoch führt schlußendlich an das dominierende Massiv des Rastkogels heran, der vom Kraxentrager eine Entfernung von 5.3km aufweist.

am Gipfel des Kraxentragers angelangt; Blick auf Hochfügen

Der Aufstieg zum Gipfel des Kraxentragers dauerte gut zwei Stunden. Die Sicht war durch den Störungseinfluß leider sehr beschränkt und die Gipfelfotos vermögen wegen der diffusen Lichtverhältnisse allesamt leider nicht die wahre Schönheit der Gegend herauszuschälen.

der Kamm nach Südwesten – Sidanjoch und aufragend der Rastkogel, links die hohen Zillertaler im Nebel

Im Westen, rechts neben dem Rastkogel sind noch zwei höhere Gipfel, der Hippold (2.642m) und der Hirzer (2,725m) im Wattental in gut 10,5km Entfernung zu erkennen.

Anstieg vom Kreuzjoch, dahinter – nicht sichtbar – die Rastkogelhütte

Der Süden gab wenig her, obwohl vom Kraxentrager aus fast der gesamte Zillertaler Hauptkamm zu sehen wäre. Gerade noch auszumachen im Nebel waren die Nestspitze (2.966m) und links davon die Mittlere Grinbergspitze (2.867m).

Gilfert – rechte Bildhälfte

Die Abfahrt führt über leichtes abwechslungsreiches Gelände und bot nach den Schneefällen eine Woche zuvor recht vernünftige Schneequalitäten, wobei verblüffender Weise dir Mulden nicht unbedingt begünstigter von oberflächlicher Umwandlung zur bereits festeren Schicht waren. Allerdings bildete sich glücklicherweise über das Gros der Abfahrt noch keine ausgeprägte Harschoberfläche aus.

Rückblick auf den Anstieg der nun gut besucht ist

Im unteren steilen Teil, südlich der Viertelalm Niederleger und in der Abfahrt gesehen links vom Bach, ist der Schnee bereits stark verfestigt sowie verspurt und nur mehr mit entsprechendem Kraftaufwand zu befahren.

schön gestuftes Abfahrtsgelände

In normalem Tempo mit einigen Foto-, Trink- und Gipfelpause kann die Tour in etwas mehr als drei Stunden bewältigt werden.

Rückblick auf die nette Tour auf den Kraxentrager

Sie führt über 965m (rein geodätisch zwischen Parkplatz und Gipfel sind es 925m), die die Bergsteigeruhr angezeigt hat. Die Strecke ist mit etwas mehr als 4km relativ kurz, die Hangneigung durchwegs nicht steiler als 35° (nur kurze Partien und der beschriebene Gipfelhang mit der Höchststeigung).

Mils, 25.01.2020

Schitour Alpeiner Scharte, 2.959m

Ohne Gipfel muß eine Bergtour auf ein sonstiges Ziel schon etwas Besonderes hergeben, damit man sie unternimmt – und genau das leistet die hochalpine Schitour zur Alpeiner Scharte zwischen dem Fußstein und dem Schrammacher in den Zillertaler Alpen. Sie ist nicht nur die mittig liegende, trennende Scharte im 29km langen Tuxer Hauptkamm, sondern auch ein wichtiger Übergang zwischen den südlichen Zillertaler und den nördlich gelegenen Tuxer Alpen und bietet eine phantastische Aussicht auf viele Dutzend beeindruckende Gipfel des Zillertaler Hauptkammes und gerade noch ein paar Gipfel in den Dolomiten.
Dieser Bericht möchte den Leser nicht nur auf eine großartige Tour, sondern auch auf ein wenig interessante und berührende Landesgeschichte entführen.

Autor im stürmenden Föhn auf der Alpeiner Scharte

Die Alpeiner Scharte wird vom Valsertal aus begangen. Sie zeichnet sich neben der atemberaubenden Kulisse im Talkessel unterhalb der umgebenden Dreitausender auch als eine Schitour mit einer langen nordseitig gelegenen Abfahrt aus, wodurch sie auch nach einer langen Schönwetterperiode noch wenig umgewandelte Schneeverhältnisse bietet, mit dementsprechendem Abfahrtserlebnis in Pulverschnee.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Steilhang, von etwa 2.850m bis zur Scharte, weist Geländeneigungen von durchaus 40° auf und kann bei abgewehten Bedingungen, etwa ab der Hälfte, komfortabel nur mehr ohne Schi begangen werden, da auch die Abfahrt in der verbleibenden Rinne zwischen den Felsbrocken auch kein sonderliches Vergnügen bietet. Dies war auch bei unserer Tour der Fall. Bis zum Schidepot (obere Stahlseilverankerung im Felsblock und Wegmarkierung sichtbar) sind Harscheisen immer die Basisausrüstung.

Start am Weg zu den Almen

Der Anstieg ist lang, von dem kleinen Parkplatz beim Gasthaus Touristenrast (nur sommers bewirtschaftet), beträgt die direkte Aufstiegslänge 7km (mit Serpentinen dürften es durchaus 9km werden). Allerdings steigen gut 3,5km der Strecke bis zur hinteren Altererau nur mäßig an.

Gelände Altereralm

Zunächst geht es recht flach vom Gh. Touristenrast dem Weg zur Geraerhütte entlang. Ein unspektakulärer Beginn und gut für als Aufwärmstrecke für den – im Jänner – vollkommen schattigen Anstieg.

an der Alm

Der Rechtsbogen, den das Tal beschreibt öffnet nach und nach den Blick auf die gewaltigen Felsmauern von Olperer, Fußstein und Schrammacher. Die Lage der Alpeiner Scharte kann bereits gut eingesehen werden. Bei der Altereralm wird der gesamte Talkessel sichtbar und auch die beeindruckenden Geschieberippen, die der Alpeiner Bach durch seine energiereichen Wasser ausgeformt hat. Dieses Gelände mit seinen weißen Kuppen und kleinen Tälern wird später zum abschließenden Abfahrtsspaß.

Aufstieg durch die Altererau

Allmählich wird das Gelände steiler, die erste Talstufe beginnt am Ende der Au. Durch lichten jungen Lärchenbewuchs steigt die Route nun an, wobei sie auf einer der Hangrippen eher am rechten Rand der Talstufe beginnt mit dem Alpeiner Bach knapp zur Rechten, in Aufstiegsrichtung gesehen.

Sonnenaufgang über dem Fußstein und Trinkpause

Zweimal im Anstieg quert die Route eine Rippe nach links (östlich), die beste Hangneigung verfolgend. Das Gelände erreicht im steilsten Abschnitt 35° Neigung und bis zur Kuppe oben werden viele Spitzkehren notwendig.
Mehr als eine dreiviertel Stunde benötigten wir für diesen Abschnitt, der sich aber auch, durch den lichten Bewuchs und der zunehmenden Höhe als optisch recht reizvoll einprägt.

das Gelände führt über die Steilstufe hinauf

Anschließend an die Talstufe (etwa auf 2.200m) verflacht das Gelände ein wenig bis signifikant, die genaue Route bleibt zunächst aber wenig erkennbar, da hohe Geländekuppen die Sicht verstellen.

bäriges Aufstiegsgelände

Bald auf einer Rippe und folgend durch Mulden geht es etwa bis etwa 2.500m im rechten Teil des Hochkars bergauf, nahe am einstigen Alpeiner Ferner, von dem rein gar nichts übrig geblieben ist.

Britta vor der Westflanke des Fußstein

Dieser Teil der Tour ist geprägt von einzigartigem Licht- und Schattenspiel, wenn die aufgehende vormittägliche Jännersonne die Südostflanke des Fußsteins beleuchtet und die eigene Position im Talkessel gegen diesen reizvollen Hintergrund magisches Schattentheater über eine Leinwand von nahezu tausend Höhenmetern Mächtigkeit in der klirrend kalten Bergwelt bietet.

am Ende der Steilstufe vor der gewaltigen Kulisse der Schrammacher Nordwände

Ab der Talstufe verstärkte sich der kalte Wind von der Scharte herab zusehends, und die kräftigsten Böen, die wir zu spüren bekamen, kamen knapp an die Qualität heran das Gleichgewicht bei den Spitzkehren zu beeinflussen. Ab 2.500m bis etwa zum Fuß des Steilhangs auf 2.800m hatte niemand Lust auf eine Pause und jedes Foto wurde zum Wettlauf mit halbwegs spürbaren Fingerkuppen nach einigen Minuten wieder im Handschuh.

über Mulden und Kuppen geht es dahin

Der Hang zur letzten kleinen Talstufe, etwa von 2.600m auf 2.750m ist geprägt von einem den Blick magisch anziehenden Stahlgerüst, das zunächst völlig verwundert, kennt man die Hintergründe nicht.

auf etwa 2.400m

Übergroß und in gewisser Weise bedrohlich von Gestalt thront das ehern Zeugnis von Ohnmacht und Unvernunft über dem langen steilen Hang am Felsansatz des Fußsteins Gipfelaufbaues links unterhalb der Alpeiner Scharte.

Ende der steileren Strecke

Seine Geschichte ist eine grundsätzlich unglückliche, wurde es doch einzig ins Leben gerufen, um Grundstoff für Vernichtung zu liefern. Sehr wahrscheinlich war es ihm deshalb verweigert diesem abwegigen Zwecke nicht mit einem einzigen Erzkorn aus Mutter Erdes Schoß zu dienen.

das Monstrum der Umlenkstütze vom ehemaligen Molybdänbergwerk in direkter Aufstiegslinie

Der bedeutende Tiroler Kartograf Peter Anich hat im 18. Jhdt. in seinem „Atlas Tyrolensis“ die Gegend vom „Alpeiner Ferner wo Christall zu finden“ beschrieben und bei seinen Vermessungsarbeiten auch den Fund des bleigrau glänzenden Molybdänsulfids (Molybdänitsulfid MoS2) unterhalb der Alpeiner Scharte, genauer, unterhalb des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes, erstmals erwähnt.

Peter Anich, Atlas Tyrolensis

Das Metall Molybdän wird als Legierungsbestandteil von Stählen verwendet, es verbessert ihre Eigenschaften in Härtbarkeit und Warmfestigkeit und zwar – das ist entscheidend für die Beurteilung der Lagerstättenwirtschaftlichkeit – in bereits sehr geringem Verhältnis von 0,4 bis etwa 2% Massenanteil. Diese Eigenschaften spielen in der technischen Anwendung unter anderem bei Kriegswaffen eine entscheidende Rolle.

der steilere Hang im Rückblick

Im Zweiten Weltkrieg war das Deutsche Reich weitgehend abgeschlossen von diesem Metall, aber seine Rüstungsindustrie sehr darauf angewiesen. Nicht zuletzt die Wendungen der Kriegserfolge Anfang der 1940er Jahre verstärkten die Suche nach dem Metall.

Flex schon bald auf der Karfläche angelangt

Da das Vorkommen am Fuße des Alpeiner Ferners bekannt war gab die Wehrmacht in Berlin eine Untersuchung über die Ertragsmöglichkeit der Lagerstätte in Auftrag, die der bekannte Tiroler Geologe Oskar Schmidegg 1939 ausführte (sein Gutachten liegt in der Geologischen Bundesanstalt, Wien auf). Die im Gutachten errechnete Menge an Erz die hereingewonnen werden könnte wurde allerdings als viel zu groß ausgewiesen, wie sich durch geologische Untersuchungen Jahrzehnte später herausstellte (Anm. d. Verf.: die Angaben in der Literatur,  siehe die Links unten, schwanken von Hunderten bis Zehntausenden Tonnen derart beträchtlich, darum werden hier keine Zahlen angegeben).

ebener Karboden beim ehemaligen Molybdänbergwerk – rechts von Martin die Fundamente des Barackenlagers

Die Erschließung der Lagerstätte wurde unter dem Aspekt der Rohstoffverknappung schlußendlich für würdig befunden und 1941 mit dem Vortrieb, sowie mit dem Bau von technischen Einrichtungen, v. a. die Seilbahn für die Talförderung begonnen.

stummer Zeitzeuge vor toller Alpinkulisse

Die Arbeiten wurden vor allem von osteuropäischen und russischen Zwangsarbeitern ausgeführt, aber auch von gegnerischen Kriegsgefangenen. Als Stützpunkt für die Unterkunft diente die Geraerhütte, mit dem täglichen Anmarsch über mehr als 400Hm. Die wahnwitzige Ironie für den Bergsteiger besteht in der Durchführung der Vortriebsarbeiten auch im Winter! Die Strapazen und Leiden der Arbeiter kann man sich neben der ohnehin unwürdigen Behandlung wahrscheinlich gar nicht schlimm genug vorstellen.

am unteren Teil des Steilhanges zur Alpeiner Scharte

In der Folge war der zu erwartende Erfolg der Gewinnung immer wieder fraglich und es gab nie einen ersten Seilbahnkübel mit Erz, der zu der heute nicht mehr besichtigbaren Aufbereitungsanlage nahe dem Gasthaus Touristenrast zu Tale gefördert worden wäre.

Harscheisen waren ab hier empfehlenswert

Selbst nach einem verehrenden Lawinenunglück im November 1944, bei dem die mittlerweile errichteten Arbeiterwohnbaracken nahe der Stollen durch eine Staublawine völlig zerstört und Dutzende Arbeiter (Anm. d. Verf.: auch hier gehen die Angaben in der Literatur auseinander, daher keine Zahlenangabe) getötet oder verletzt wurden, gab man die Arbeiten nicht auf und führte sie bis in den Mai 1945 fort, bis Innsbruck durch die Alliierten besetzt wurde und den erfolglosen Bemühungen, vor allem aber dem leidvollen Missbrauch der Zwangsarbeiter an der Alpeiner Scharte ein Ende gesetzt wurde.

Blick aus dem Steilhang in die Stubaier

Wer bei derart unwirtlichem Wind – wie er bei unserer Begehung herrschte – die verbliebenen baulichen Zeugnisse der damaligen Anlagen durchschreitet, kann sich den Irrwitz des Winterbetriebes einigermaßen vorstellen.
Man nehme sich die Zeit und besuche die u. a. Links mit teilweise sehr interessanten und auch bedrückenden Recherchenergebnissen über die Errichtung eines Bergwerkes in unzähmbarer alpiner Gegend. Der Autor hat versucht die Links nach seinem subjektiv empfundenen Informationsgehalt zu reihen, beginnend mit dem gehaltvollsten.

Christian hat das Schidepot ohne Harscheisen bezwungen

Auf dem etwa 2.750m hoch liegenden Karboden unterhalb des Steilhanges zur Scharte und leicht rechts (westlich) des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes finden sich, rechts des Aufstiegs, Reste der Fundamente der Wohnbaracken. Dieser Platz eignet sich gut für eine letzte Pause vor dem Steilhang, ggf. auch zum frühen Montieren der Harscheisen. Linkerhand die Umlenkstütze der Bergstation mit den Stollenmundlöchern zum Bergwerk oberhalb.

am Schidepot – unten die Fundamente des ehem. Barackenlagers zu sehen, eine denkbar ungünstige Lage

Zwischen der Westflanke des Alpeiner Schartenkopfes und dem mittigen Moränenhügel führt die Aufstiegsroute an den Steilhang heran, der mit ein paar Spitzkehren bis in die steilste Neigung begangen wird. Die meisten verwendeten dafür die bequemen Harscheisen, Flex und Christian bewiesen sich ohne diese Hilfe auszukommen.

den Sommerweg durch die Felsblöcke zur Scharte

Beim oberen Fixpunkt einer Seilsicherung, von der nur der letzte Meter auf den Verankerungsfels aus der hartgepressten Schneedecke herausstand, machten wir dann mangels Schneeauflage Schidepot und schritten / stapften die letzten etwa 50Hm zur Scharte. Einzig Bergziege Hilli, der es sich nicht nehmen ließ, die etwa 5m breite Schneeschneise mit vielen Spitzkehren bis fast zur Scharte mit Schi aufzusteigen.

oben wird der Hang zur Scharte flacher, Hilli kämpft in der schmalen Rinne

Nach genau vier und ein Viertel Stunden Aufstieg tauchten wir auf der windigen Alpeiner Scharte erstmals an diesem Tag in wärmendes Sonnenlicht ein. Dies allerdings für gerade einmal zehn Minuten, da die Sonne um den Jahreswechsel hinter den westseitigen Grattürmen zum Schrammacher hinauf bereits verschwindet und man zunehmend auf den Gegenhang zum Alpeiner Schartenkopf aufsteigen müßte, wollte man sie länger nutzen.

letzte Meter zur Alpeiner Scharte

Der Ausblick auf die Gipfel des Zillertaler Hauptkamms ist von der Alpeiner Scharte aus phänomenal und deshalb haben wir eine Ansicht mit den bedeutendsten Gipfelnamen in der Bildergalerie erstellt.

Alpeiner Scharte 2.959m

Zweifellos die beeindruckendsten Gipfel im Südosten gegenüber sind – der höchste Zillertaler Gipfel – der 9,4km entfernte Hochfeiler (3.510m), der etwas weiter südöstlich gelegene Große Möseler (3.479m) in 11,2km Entfernung, mit den leicht links aufragenden Pyramiden von Turnerkamp (3.420m) und Großer Greiner (3.201m), sowie der Schwarzenstein (3.369m) mit seinem flachen, weiten Gletscher.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Weiter im Osten der Große Löffler (3.378m) und als Highlight der Großvenediger (3.666m) in 54km Entfernung. Den Abschluß an Dreitausender bildet die Reichenspitze (3.303m) in 37km ostnordöstlicher Entfernung.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Talblick beinhaltet ein kleines Stück Schlegeisspeicher unterhalb des unberührten Schrammacherkars im schönen Zamsergrund.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Leider war unser Aufenthalt auf der unwirtlich böig-windigen und zunehmend schattigen Scharte nur von kurzer Dauer und wir verließen sie kaum eine Viertelstunde nach unserer Ankunft wieder.

Tiefblick nach Süden ins Schrammacherkar

Die Abfahrt über den Steilhang erwies sich unerwartet besser als vermutet. Schwünge über die Windgangln waren komfortabel möglich und man brach nicht ein.

Rückweg zum Schidepot

Weiter unten, etwa auf Höhe des ehemaligen Bergwerks, ging die hartgepresste Schneedecke zusehends in weichere Partien über und die gewaltigen Hänge unterhalb des ehemaligen Alpeiner Ferners ließen sich einigermaßen bequem fahren.

Abfahrt unter dem ehemaligen Alpeiner Ferner

Die flacheren Hänge vor der Talstufe in die Altererau boten dann allmählich den Übergang zum wahren Pulververgnügen, der Schnee wurde immer weicher.

Abfahrt unterhalb gewaltiger Wände des ehemaligen Alpeiner Ferners

Ab der Kante zur Steilstufe fanden wir dann wirklich bärige Rinnen mit Pulverbedingungen vor, die Spuren zeugen vom Vergnügen.

Flex im Steilhang

Selbst der Flachteil in der Altererau bot mit seinen strauchbesetzten Rinnen und Mulden eine tolle Abfahrtskulisse und am Weg nach der Alm konnten wir in der Jännersonne noch ein schönes Abschlussfoto schießen.

ab hier Pulververgnügen

Die ca. 9km Aufstiegslänge ziehen sich über 1.614Hm wofür wir 4:15 Stunden benötigten. Gesamt waren wir 5:30 Stunden unterwegs.

die Aufstiegsspur im Steilhang

Die Schitour könnte man sogar mit der Bahn von Innsbruck oder Brenner und mit der Buslinie 4144 unternehmen.

Truppe nach getaner Arbeit vor Olperer und Fußstein

Morgens und nachmittags gibt es auch am Wochenende fast jede Stunde einen Bus von/nach St. Jodok (Bahn: 6:49 Ibk – 7:15 St. Jodok, Bus 4144: 7:40 – 7:56 Vals + 1,6km Gehstrecke bis Gh. Touristenrast; 15:26 oder 16:56 zurück; Stand: Jänner 2020)

Mils, 02.01.2020

Links zur Geschichte und Technik des Molybdänbergwerks Alpeiner Scharte:
http://www.retrofutur.org/retrofutur/app/main

https://www.zeit.de/2010/29/A-Bergwerk (hierzu muß eine Registrierung mit Passwort beantragt werden – der Bericht lohnt die kleine Mühe)

https://www.bergsteigerdoerfer.org/202-0-St-Jodok-Schmirn-Vals-Alpingeschichte.html (generell sehr interessante Broschüre zum Download – „Molybdänbergbau im Valsertal“ Seiten 74 – 81)

https://wipptalblog.tirol/de/das-molybdaen-bergwerk-im-valsertal/

http://www.sagen.at/doku/bergbau/Bergwerk_Alpeiner_Scharte.html

https://tirv1.orf.at/stories/456498

Fundstücken von Molybdänverbindungen im Bereich der Alpeiner Scharte:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=2931,2568,1

Schitour Hohe Warte Wintergipfel, 2.470m

Während der Gipfel der Hohen Warte im Schmirntal ein selektives Ziel darstellt, ist Ihre Namensschwester im Navis ein eher einfaches, aber ebenso ein reizvolles Ziel als Schitour auf ihren Wintergipfel. Sie liegt im Schafseitenkamm1 zwischen dem Schmirn- und Navistal.

Autor am Wintergipfel der Hohen Warte – dem „Steinmandl“

Man begeht von Navis über das Lange Tal den vielfach genannten, südwestlich gelegenen „Wintergipfel“ genauso wie den geografischen Gipfel der Hohe Warte, 2.398m (nordöstlich ab der leichten Einschartung am Kamm). Der Wintergipfel wird Silbersattel genannt und das den Silbersattel südwestlich abschließende Spitzl ist mit 2.455m (gemessen mit einer Druckmessuhr) höher als die eigentliche Hohe Warte, erscheint – zumindest bei den momentanen Schneeverhältnissen –  lohnender und bietet die bessere Übersicht über den gesamten Kamm in beide seiner Erstreckungen.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kirchenwirt in Navis (Gemeindeparkplatz, 2019 keine Gebühren) ab dem man gleich hinter der Kirche ins Lange Tal aufsteigen kann. Alternativ kann neben dem Weirichbach aufgestiegen werden und der dortige, kleinere Parkplatz in Anspruch genommen werden. Die Parkplätze liegen etwa 100m auseinander.

Almweg durch das Lange Tal

Zunächst geht es bei jeder Variante bergauf durch den Wald und nach etwa 20min Aufstieg treffen beide Varianten im Langen Tal aufeinander und die erste Variante benötigt durch die 600m längere Strecke etwa 8min mehr Zeit.

Bildmitte: Blasigleralm; rechts davon zur Scheibenspitze, links zur Hohen Warte

Ab der Vereinigung der Wege führt die Tour in das schöne Lange Tal hinein und passiert dabei Almen und Jagdhütten bis zur Blasigleralm, bei der rechts ins Tal auf den Hochleger und weiter auf die Scheibenspitze aufgestiegen werden kann.

Aufstieg zur Blasigleralm

Bei der Blasigleralm scheidet sich die Route zur Hohen Warte direkt an der Alm – links (östlich) führt die Tour zur Hohen Warte und zur Naviser Kreuzspitze weiter taleinwärts.

am Weg zur Stoffenalm

Oberhalb der Alm, mit ein zwei Spitzkehren den Höhenunterschied überwunden, mündet der Anstieg in den Weg zur Stoffen- und Möslalm ein und führt hoch über dem Weirichbach weiter in den weiten hinteren Talkessel.

unterhalb der Stoffenalm

Der offene Talkessel wird in wenigen Minuten über den Weg erreicht und ebenso bald darauf befindet man sich – zwischen beiden Almen – bei der Abzweigung einerseits weiter talein zur Möslalm und zur Naviser Kreuzspitze, andererseits, in Falllinie direkt weiter angestiegen, zur Hohen Warte.

Naviser Kreuzjöchl gegenüber im Osten

Die Abzweigung befindet sich bei einer auffällig ausgeformten Rinne unweit östlich der Stoffenalm, die durchstiegen wird, wobei man sich dort schon auf Höhe der Hohen Warte (geografischer Gipfel), bzw. im Kar unterhalb befindet.

über die schönen Schihänge oberhalb der Stoffenalm geht es bergan

Die Route dreht im direkten Aufstieg anschließend mehr und mehr nach rechts (westlich), steigt über leichte Geländeausformungen stetig bergauf bevor sie sich ein weiteres Mal zur direkten Falllinie wendet (südlich) und, nach einer hohen Kuppe, abermals rechts (westlich) sich wendet.

Rückblick über den Anstieg oberhalb der Stoffenalm

Nach Überschreitung der Kuppe wird im Flachteil bald ein Hüttchen sichtbar, das links liegen gelassen und die folgende Kuppe überschritten wird.

herrliches Schigelände

Mit einigen Metern Höhenverlust dreht die Route dann zum letzten hohen Aufstiegshang, der Hang zum Gratrücken, von etwa 2.150m bis auf 2.350m. Die 200Hm werden mit ein paar Serpentinen begangen.

letzte flache Passage vor dem Gipfelhang

Am Gratrücken oben muß entschieden werden, ob links (östlich) der relativ unspektakuläre geografische Gipfel der Hohen Warte bestiegen werden soll, oder rechts (westlich) der sogenannte Wintergipfel (für den keine offizielle Bezeichnung im Kartenwerk zu finden ist und der im TIRIS mit „Silbersattel 2.420m“ benannt wird) begangen wird.

Anstieg Gipfelhang zum Sattel

Klassischerweise wäre der Sattel nicht der Hochpunkt sondern die Vertiefung des Kammes darunter, die nach dem langen Nordhang im Aufstieg erreicht wird.

ein prachtvoller Tag mit bereits viel Sonne auf den Naviser Südhängen

Der Bergsteiger weiß solche – meist historischen und auch durch die Überführung der Dialektsprache bedingten – Ungenauigkeiten zu deuten. Beispielsweise hat sich bei der Recherche zu diesem Bericht ergeben, daß sowohl die Hohe Warte vor knapp 150 Jahren in der Bevölkerung eine völlig andere Bezeichnung als heute gehabt haben muß.

am Kamm mit Gehrichtung Ost zum Wintergipfel

Der verdiente altösterreichische k. u. k. Militäroffizier Carl Albrecht Sonklar, Edler von Innstädten, unter anderem Geograph und Landvermesser, hat bei seinen noch heute interessant zu lesenden Arbeiten in den Zillertaler Alpen nicht nur dem Schafseitenkamm eine exakte Benennung gegeben, sondern diesen auch ab dem Naviser Kreuzjöchl vermessen und die Gipfelerhebungen – dem imperialistischen Diktat folgend, das Urmeter war schon längst Realität – in der einst üblichen Maßeinheit W.F. (=Wiener Fuß = 12 Wiener Zoll = 0,316081 m) dokumentiert.

das Spitzl südwestlich des Silbersattels (Wintergipfel der Hohen Warte)

Dabei war er natürlich vor allem bei den weniger bekannten Erhebungen auf die Flurbezeichnungen der örtlichen Bevölkerung angewiesen, denn ein allgemein gültiges Standardwerk über alle Gipfelnamen hat es nicht gegeben.

Rückblick vom Weg zum Spitzl

Beim Studium seiner Publikation1 fallen die „SW“ (südwestlich) des Naviser Kreuzjöchls gelegenen Gipfel auf. Die „Mösellehne“ mit 7591,8 W.F. (=2.389 m) entspricht geodätisch exakt der heutigen Hohen Warte, wenn die Genauigkeit der Messinstrumente (anno 1872) und der Berechnungen der Winkel mit ins Kalkül genommen werden.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Auf diese Weise erhalten wir auch flugs einen Namen für unsere Frage der Bezeichnung des „Wintergipfels“ der Hohen Warte.

Vermessung Schafseitenkamm durch Sonklar – darunter Ermittlung der damaligen Messgenauigkeit

Das kleine Spitzl südwestlich des Plateaus des Wintergipfels bzw. des im Tiris benannten Silbersattels zeigte bei unserer Begehung auf der Uhr eine Höhe von 2.455m (Durchschnitt zweier verschiedener Uhren). In Sonklars Tabelle über die vermessenen Höhen im Schafseitenkamm finden wir weiters die Bezeichnung „Steinmandl“ mit 7770,0  W.F., welche wiederum umgerechnet genau 2.456m entsprechen und unser Spitzl somit einmal diesen Namen getragen haben muß.

die Radlfahrertruppe am Wintergipfel der Hohen Warte

Rechnet man stichprobenartig die wichtigsten acht anderen Erhebungen im Kamm rück und setzt sie ins Verhältnis mit den Höhenangaben im TIRIS oder der AV Karte, so erhält man eine erstaunliche Genauigkeit von 0,17% oder nur 4m Abweichung im Durchschnitt der acht und erkennt somit die bemerkenswerte Arbeit vor langer Zeit.
Der Name des Wintergipfels der Hohen Warte (aber nicht des Plateaus „Silbersattel“ sondern des Spitzls südwestlich davon) war damals also „Steinmandl“ und die Bezeichnung „Mösellehne“ für die Hohe Warte hängt offensichtlich mit der Möslalm als Namensträgerin zusammen.

Olperer, Fussstein, darunter das Wildlahnertal und der Spitz ist die Schmirner Hohe Warte (Hogerspitze)

Am Silbersattel also hielten wir unsere Gipfelpause ab. Der Ausblick von ihr ist weitreichend, besonders im Süden öffnet sich ein gewaltig Bild der Zillertaler Gletscherwelt.

Bildmitte: Scheibenspitze, rechts die Schafseitenspitze

Einen tollen Tiefblick auf Obern und den Kaserer Winkel im Schmirntal bietet sich ins Tal hinab. Am Ende des Kaserer Winkels steilt ein kühnes Kar auf die Nordflanke des Kleinen Kaserer auf, das eine sehr interessante, schwere Schitour auf den Nordwestgrat und den Gipfel bietet.

toller Tiefblick nach Obern und in den Kaserer Winkel

Die beherrschenden und höchsten Erhebungen in den Tuxern, der Lizumer Reckner (2.886m) und der Geier (2.857m) finden sich im Osten der Hohen Warte zum Greifen nahe und doch sind sie gut 5,5km entfernt.

leicht rechts der Bildmitte im Kamm der Hohe Warte Gipfel, dahinter Naviser Reckner, Lizumer Reckner und Geier

Dank dem sonnenabgewandten Nordhang versprach die Abfahrt zum großen Teil in immer noch lockerem Pulverschnee zu erfolgen und dies traf auch zu.

Abfahrt über schon harte Flächen am Nordhang

Der Kammbereich präsentierte sich – wie gewöhnlich nach einer langen Schönwetterperiode – mit bereits stark umgewandelter Schneedecke, zum Glück nicht mit Bruchharsch, aber bereits ab der Hälfte verbesserte sich die Schneedecke rasch und bescherte uns bis unter die Stoffenalm ein paar tolle Schwünge.

bereits weichere Schneeverhältnisse unterhalb des Kamms

Unterhalb der Stoffenalm kann man eine raue (die wirklich blöde neue Rechtschreibung erfordert leider die Kastration des Adjektivs „rauh“) Variante über den Bachgraben bis unter die Blasigleralm abfahren, die allerdings über einen steilen Hang und durch den engen Graben mit jeder Menge Gestrüpp führt.

bärige Kulisse

Herwig hat sich diese Variante angetan, der Rest der Gruppe entschied sich mit ein paar Meter Aufstieg zum Almweg zurückzusteigen und die Normalvariante zu fahren.

Andrea, Rico, Chrissi und atemlos die Spur herab der Charly

Über den Almweg fuhren wir durch das Lange Tal hinaus und nahmen nicht die Abzweigung weiter neben dem Weirichbach, sondern den Weg weiter über eine kurze Schiebestrecke.

ein weiterer Pulverhang – diesmal mit dem Autor und dem Oliver im Hintergrund

Diese Variante hat den Vorteil, daß sie direkt zum Parkplatz bei der Pfarrkirche führt, zum Endpunkt unserer Tour. Momentan ist der Weg nach der Schiebestrecke akzeptabel zu befahren, einige kurze Strecken sind durch die Schneeräumung leider schon aper, man kann ihnen derzeit jedoch noch gut ausstellen.

Rückblick auf das schöne Lange Tal mit dem Schafseitenkamm in der Nachmittagssonne

Das Highlight und eine unbedingte Empfehlung nach der Tour ist die Einkehr beim Kirchenwirt, direkt am Parkplatz. Sein Angebot ist nicht besonders groß, aber oho! Er besticht mit originellen Suppen und das – oder besser – „die“ Schnitzel lassen keinen Hunger offen. Und dies auch noch zu wirklich kundenfreundlichen Preisen.

Der Zeitbedarf für die schöne Schitour auf den Wintergipfel der Hohen Warte betrug 4:32 Stunden incl. aller Pausen. 1.115Hm sind zu bewältigen, die Hangneigung bleibt unter 35°.

Mils, 06.01.2020

1 Sonklar, 1872: Die Zillerthaler Alpen
Anm. d. Verf.: die von Sonklar gewählte Bezeichnung für den Gebirgskamm ist eine topografisch bestimmtere als jene in der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE1984) genannte Bezeichnung „Südgrate“

 

Schitour Hohe Warte (Hogerspitze), 2.687m – von Toldern

Hogerspitze wird die Hohe Warte in der einheimischen Bezeichnung genannt und die Schitour von Toldern ist – mit dem krönenden Abschluß der Gratbegehung – eine wahrlich phantastische, weil sie durch den nördlich ausgerichteten Aufstieg zumeist auch nach einer längeren Schönwetterperiode eine Abfahrt in großteils weichem Schnee bietet, abgesehen von der Gratstrecke und dem obersten kammnahen Hangteil.

Herwig auf der Hohen Warte

Im unmittelbaren Bereich der Hogerspitze gibt es zwei weitere Hohe Warten, und zwar eine für Schitouren unbegehbare, die Hohe Warte (2.943m) am Kamm zur Sagwandspitze im Valsertal und fast 180° gewendet die Hohe Warte (2.398m) im Navistal, eine beliebte, leichte Schitour von Navis aus.

Autor vor toller Kulisse

Der generell durchgehend steile Aufstieg stellt allerdings bei entsprechender LWS eine Gefahr dar, die nicht unterschätzt werden darf. Im Wald, auf der Steilstufe nach der Waldgrenze und im oberen kammnahen Hangteil werden Passagen von gut über 35° Hangneigung durchschritten, die beachtet werden müssen.

Parkplatz Toldern, 1.535m

Am Grat selber bestehen einige Passagen mit noch größerer Hangneigung, wenn diese auch zumeist vom Schidepot aus zu Fuß begangen werden. Bei Verhältnissen, die erwarten lassen, daß die Schneedecke in dieser Höhe sehr weit durchgefroren ist empfehlen sich Steigeisen für die letzten, von der Steilheit her, nicht zu unterschätzenden 230Hm zum Gipfel.
Die Gefahr durch Wechten ist an einigen Gratstücken nicht zu vernachlässigen und ihr gedankenlos zu folgen, auch wenn eine vorhandene Spur den Aufstieg  vorgeben mag.

Blick ins Wildlahnertal

All diese würzigen alpinen Zutaten krönen diese leicht mittellange Schitour zu einem Hochgenuss, wie auf den folgenden Bildern unserer Begehung erkannt werden kann.
Es mag auch möglich sein fast, oder ganz bis zum Gipfel mit Schi aufzusteigen und über die Südostflanke wieder zum Gratsattel abzufahren, bei den momentanen Verhältnissen (Gleitschneegefahr auf steilen Wiesenhängen) ist jedoch davon unzweifelhaft abzuraten. Der Gratkamm ist in jedem Fall sicherer.

Abzweigung zur Hohen Warte

Gegen 7:45 waren wir diesen tags die ersten am Parkplatz am Ende von Toldern Richtung Wildlahnertal auf 1.530m und das sollte glücklicherweise auch bis zum Gipfelkreuz so bleiben.

Aufstieg teils im Wald, teils auf Freiflächen

Die Tour folgt zunächst gut zwanzig Minuten bis auf 1.700m dem Almweg zur Geraerhütte, taleinwärts in Wildlahnertal. Eine minimale Abkürzung durch den Wald, vor den beiden Serpentinen des Wegs, kann genutzt werden.

Rückblick Aufstieg

Beim Wegweiser in der Linkskurve zieht die Route in den Wald hinein und wird gleich steiler.
Über schöne Waldpassagen gemischt mit ein paar durch Staudenwerk bewachsenen Freiflächen geht es teilweise steil hinan.

Aufstieg auf einer Freifläche

Unerwartet führt die Route nach einer knappen Stunde ab dem Parkplatz (etwa 1.850m) in eine flache Passage mit kurzem Steigrichtungswechsel von Südwest nach Nordwest, um gleich darauf wieder zur ursprünglichen Steigrichtung zurückzukehren – inmitten von alten Lärchen ein idealer Platz für eine Trinkpause.

Flachpassage

Bald nach dieser Passage ist der Waldrand zu einer großen freien Mulde erreicht. Rechterhand ziehen sehr steile Hänge auf den Rauhen Kopf (2.150m) und den Hohen Napf (2.247m) beliebte leichte Schitourenziele von Schmirn aus, hinauf.

Ende des Waldaufstiegs

Die folgende Freifläche wird mittig durchschritten, an einem großen Felsblock vorbei, und die links sichtbar werdende Rippe angesteuert.

freie Fläche unterhalb Hoher Napf

Der Aufstieg auf der Rippe ist lawinentechnisch ideal, die steilen Hänge zu vorgenannten Erhebungen werden dadurch sicher umgangen. In einigen Spitzkehren wird der breitere Rücken auf der Ripper erobert, der zur vollständigen Baumgrenze hinaufführt (etwa 2.150m) – auch die jungen Lärchen verschwinden vom Gelände mit der Höhe zusehends.

Spitzkehren auf der Rippe

Gegenüber im Wildlahnertal grüßen Riepenkopf, Schönlahnerspitze, die turmartig gebauten Schöberspitzen mit ihrer interessanten Geologie des Tauernfensters und der Kleine Kaserer, eine schwere, unvergesslich schöne Schitour vom Kaserer Winkel aus.

Riepenkopf, Schönlahnerspitze und Schöberspitzen

Die Rippe gleitet am Ende in eine Mulde aus und linkerhand zieht eine nächste leichte Rippe heran, die erstiegen wird. Am Ende dieser leitet das Gelände zur Ostflanke der Hohen Warte herab über und wird flacher – ebenfalls ein  idealer Platz für eine Trinkpause (etwa 2.200m). Dort ist der tiefste Punkt im Grat, der nächste Festpunkt der Schitour, erstmals erkennbar.

Rückblick auf die erste Rippe

In der Flanke wird über einige Serpentinen immer steiler werdend angestiegen und gleichzeitig nach rechts oben (südöstlich) gequert. Voraus besticht das beindruckende Panorama des Tuxer Hauptkamms, sozusagen die westlichen Zillertaler Alpen, nicht zu verwechseln mit den Tuxer Alpen, die im Norden angrenzen.

zweite Rippe

Gut 20min dauerte unser Aufstieg in der Flanke bis zur Gratscharte. Wie überall in diesen Tagen befand sich die Schneedecke im kammnahen Bereich in fest gepresstem Zustand, teilweise durch die Umwandlung sehr hart, sodaß an manch abgefahrener Spurstelle dir Kanten fest gesetzt werden mußten, um nicht zurück zu rutschen. Harscheisen waren jedoch nicht nötig, obwohl es sich im heurigen Winter bis jetzt empfiehlt sie mit dabei zu haben.

Beginn des oberen Teils des Aufstiegs

Die etwas abgeblasene breite Gratscharte wird an einer Engstelle durch felsigen Untergrund betreten. Steinkontakt gab es keinen, aber die Durchschlupfstelle ist schmal. Kurz vor der Grathöhe kann das Gipfelkreuz der Hohen Warte noch von der Ostseite erstmals eingesehen werden.

Herwig in der Ostflanke

Der Grat wird auf einer Höhe von etwa 2.450m betreten, der restliche Aufstieg beträgt 237Hm.
Wahrscheinlich nicht nur bei unserer Begehung sondern generell, wird man nach einer längeren Schönwetterphase auf der nun südwestseitig zu begehenden Flanke grundlegend andere Schneeverhältnisse vorfinden.

steilste Partie im Oberen Teil zur Scharte

Wir hatten es – auch aufgrund der tageszeitlichen und Bewölkungssituation mit einem oberflächlich sehr unangenehm rutschigen, vereisten Schmelzdeckel zu tun, der für die kurze Strecke bis zum logischen Schidepot vor dem ersten aufsteilenden Gratzacken fast Harscheisen erzwungen hätte, um sich nicht zu sehr plagen zu müssen.

Blick vom Kamm zum Olperer

Man sollte den Zeitbedarf von einer dreiviertel Stunde für die Strecke am Grat nicht unterschätzen. Der Gipfel sieht nahe aus, aber immerhin sind vom Schidepot bis zum Gipfel mehr als 200Hm zu bewältigen und am selbigen weilt man ja auch ein paar Minuten für Fotos, Trinkpause u. dgl.

Autor in der Scharte

Der erste Buckel war rasch überschritten. Tritte teilweise stufenartig angenehm zu begehen, teilweise bis zur Wiese durchgetreten und entsprechend rutschig am vereisten Untergrund am Vormittag. Auf ein paar kurzen Anstiegsteilen haben wir deshalb hangseitig eine zweite Stapfstrecke eröffnet und uns somit angenehmeres Steigen ermöglicht.

Grat zur Hohen Warte im Überblick

Alles in Allem bedeutete jedoch die gesamte Gratbegehung keine Schwierigkeit. Steigeisen wären nicht nötig gewesen, aber viel härter hätte es auch nicht sein dürfen, um in zweifelhafte Situationen zu kommen.

erste steile Graterhebung nach dem Schidepot

Wie bereits erwähnt gibt es auf der Gratstrecke einige kurze Passagen bei denen nicht mit Sicherheit eingesehen werden kann, ob man sich noch auf der Luvseite der Wechte, bzw. noch auf der Felsseite des Grates befindet und der Spur ist hier nicht bedingungslos Vertrauen zu schenken, da man ja nicht weiß wie gut die Geländekenntnis des Spurenden war.

Grat zur Hohen Warte

Betrachtet man die Felswand der Ostflanke beim Aufstieg so können kaum Stellen mit übergroßen Wechten erkannt werden, jedoch ist das keine zuverlässige Methode sich ein Bild zu verschaffen, Umsicht und Abstand sind sicherer. Wie erwähnt beschränkt sich die Gefahr aber nur auf wenige Meter des gesamten Grates, diese aber sind unter Umständen die entscheidenden.

letzter Teil Grat und Gipfelaufbau der Hohen Warte

Einige Meter unterhalb des Gipfels fanden wir vereiste Wiesenflecke vor, deren Umgehung wir am steilen Gipfelhang einige Meter weiter westlich wählten.
Gerade rechtzeitig vor einer westlich heranziehenden Schlechtwetterfront erreichten wir den kühnen Gipfel der Hohen Warte.

letzte Meter mit vereisten Stellen

Für den anstrengenden Aufstieg ab dem Schidepot wird man auf der Hohen Warte mit einem tollen Rundumblick belohnt. Alles dominierend fast genau im Osten der Olperer (man möchte es nicht glauben, Peilung 102°!), links davon Kleiner, Großer und Falscher Kaserer und genau dort wo man Süden nicht vermuten möchte befindet sich der Kraxentrager.

Autor auf der Hohen Warte, 2.687m

Im Westen die Stubaier Alpen mit dem Habicht (genau auf 270°) und links davon die Kühne Spitze des Pflerscher Tribulauns und weiter links genau vor der Hohen Warte der Verlauf des Valser Kammes mit der über die Jeneweinrinne phantastisch zu begehenden Gammerspitze.

Eintrübung aus Richtung Westen

Im Norden die noch unbedingt zu begehende Schafseitenspitze, sowie rechts davon die Scheibenspitze, eine kleine schöne Tour von Navis, ziemlich genau im Norden der Große Bettelwurf und im Nordosten die höchsten Gipfel in den angrenzenden Tuxer Alpen, der Lizumer Reckner und der Geier.

Innerschmirn mit tollen Tourenzielen, auch von Navis

Nach Genuss des Ausblicks räumten wir das Gipfelplateau, um am Schidepot eine Rast einzulegen. Die Sonne versprach sich zusehends hinter Wolken zu verstecken und der angekündigten Niederschlagsfront zu weichen, was unsere Entscheidung zum Rückzug erleichterte.

Gipfelhang Hohe Warte von oben

Am Abstieg begegneten wir etwa zehn weiteren Tourengehern und während der Abfahrt nochmals fünfen, was einer nicht hohen Dichte für diese schöne Tour entspricht, was aber auch der Selektivität der Tour entspricht.

oberer Gratteil zur Hohen Warte

Die Abfahrt am kurzen verbleibenden Gratrücken nach der Rast zeichnete sich durch einen immer noch harten Schmelzdeckel aus, der kein sonderliches Fahrgefühl erweckte. Also die Schi weit mit hinaufzunehmen, wie es einige der Nachkommenden praktizierten, hielten wir – zumindest bei den herrschenden Bedingungen – für nicht erstrebenswert.

Gammerspitze im Valserkamm gegenüber

Auf der Nordostflanke der Hohen Warte tauchten wir nach den gepressten Kammlagen anschließend in weichen Pulverschnee ein.

Abfahrt in die Pulverhänge

Die Wahl der Abfahrt fiel zugunsten der Aufstiegsroute aus. Eine vielleicht noch schönere Variante mit kaum Waldstrecken wäre die direkte Abfahrt ins Wildlahnertal gewesen, die wir für eine nächste Begehung ins Auge fassten.

tolle Verhältnisse in den weiten Mulden

Mit entsprechend herrlichen Fahrgefühl konnten wir ebenfalls noch wenig verspurte Hänge über die Aufstiegsroute hinab genossen werden.

und in den steileren Passagen

Während der gesamten Abfahrt kam es nicht zu Steinkontakt, der Pulverschnee hat sich unten im Bereich des Weges mehr gesetzt, also etwas schwerer zu drehen, aber kein Harschdeckel war vorhanden.

Waldabfahrt

Die Gesamtzeit für die Tour incl. aller Pausen und Abfahrt betrug 4:17 Stunden, die Aufstiegshöhe 1.157m. Die Strecke ist durch die Steilheit mit etwa 4,5km relativ kurz.

Mils, 03.01.2020

Schitour Silleskogel, 2.418m mit Gipfel

Im Ortsteil Padaun, oberhalb des Talkessels des Valsertales bietet sich eine nette kleine Schitour mit Gipfelsteilflanke auf den Silleskogel an. Die Tour ist zum Großteil hier schon beschrieben worden – wir mußten damals jedoch aus Wettergründen vor dem Gipfel abbrechen und haben deshalb die Tour ordnungsgemäß mit Gipfel nachgeholt und Fotos, die dem netten Aufstieg und der grandiosen Aussicht Rechnung tragen, angefertigt.
Auf nähere Details zum Aufstieg wird hier verzichtet, diese bitte im alten Bericht nachzulesen.

Silleskogel, 2.418m, mit Gipfelmarkierungsstein

Über den Ausgangspunkt bitte ebenfalls im alten Bericht nachlesen, hier ein Bild unseres diesmaligen Parkplatzes, den wir gegen 7:30 erreichten und diese Uhrzeit hiermit empfohlen wird – jedenfalls nicht viel später.

Aufstieg auf den Gipfelhang des Silleskogels

Einige Minuten am Almweg entlang zweigt die Aufstiegsspur direkt zum freien Gelände der Sillalm ab (die Alm selber liegt rechts der Freifläche).

Parkplatz Padaunerstraße

Oberhalb der „Sillpuite“ – wie der Flurname laut Karte im Gh. Steckholzer richtig lautet – weicht der Wald nach einem kurzen und engen Steilstück einer weiteren Freifläche und zum folgenden Aufstieg benutzt man eher die rechte Seite des Grabens.

Aufstieg zur nächsten Waldpassage

Diese Freifläche, nun mit mehr Hangneigung, nennt sich „Isse“. Ihr folgt ein schmalerer und steilerer Graben als das Gelände zuvor ausgebildet war.

im steilen Teil des Grabens

In diesem Graben fallen die mächtigen Lärchen links und rechts des Aufstiegs schön ins Auge. Das Gelände wird zusehends steiler und erreicht an einer kurzen Stelle über 35° Hangneigung.

Rückblick auf die „Isse“

Am Ende dieser Passage wendet sich der Anstieg leicht nach links (südöstlich) und das ab dort vollkommene freie Gelände der „Roßgrube“ kann erahnt werden (etwa 1.900m).

Übergang zur Rossgrube

Das kleine Felsspitzl am Grat, das dort weit rechts im Blickfeld gesichtet wird ist schon der Gipfelaufbau des Silleskogels. Im weiten Kessel der Roßgrube geht es nun über leicht kupiertes Gelände in wenigen Serpentinen zunächst eher südwärts hinauf gegen den Steilhang der vom Silleskogel herunterzieht. Dabei wird einmal ein kurzes Geländestück mit einer Neigung von 35° passiert.

im unteren Teil der Roßgrube

Im oberen Talkessel wendet sich der Aufstieg etwas mehr nach Südost und quert den Hang zwischen Rossgrubenkofel und Silleskogel.

das weite Talende der Rossgrube – Gipfelspitz des Silleskogels schon sichtbar

Die Aussicht auf die nördlich gegenüberliegende Seite, zu den Tourenbergen im Schmirntal öffnet sich mehr und mehr bis zum Ende des Talkessels hin. Weiter geht es mit ein paar Spitzkehren auf den Gegenhang mit dem „Geierschnobel“ hin und die Hangneigung steigt wieder merkbar an.

Rückblick auf die Rossgrube

Im weiten Bogen nähert sich der Aufstieg nun dem bogenförmigen Grat zwischen Geierschnabel und Silleskogel. Die steile Gipfelflanke tritt in das Sichtfeld und weiter im Westen spiegelte bei unserer Begehung das Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels das Sonnenlicht, der noch tief stehenden Dezembersonne wider.

Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels

Die Route dreht nun leicht nach Südwest, hin zum Gipfelaufbau des Silleskogels und weg vom Geierschnabel, der als Ausweichziel bei unserer ersten Begehung dienen hätte können, hätten wir es gewusst.

auf dem Gegenhang zum Silleskogel

Die steile Gipfelflanke mit über 35° Neigung hatten wir diesmal gut im Blickfeld, dadurch stellte der Aufstieg bis zum fast ebenen Plätzchen unterhalb der Gipfelflanke kein Sichtproblem dar. Etwas abgeblasen erfordern die die letzten Meter sauberes Steigen.

the bros – vor dem Gipfelaufbau des Silleskogels

Die kleine Fläche vor den Felsen bildet ein wunderbares Schidepot, wenn auch nur für wenige Personen nutzbar. Mit zwei nachkommenden Kollegen war die Fläche nach unserer Rückkehr vom Gipfel schon an der Kapazitätsgrenze.

der Gipfelhang des Silleskogels

Vom Schidepot geht es zunächst leicht westwärts querend in die Flanke hinein und dann einige Meter in direktem Anstieg hinauf, bevor die Stapfspuren in einer weniger stark steigenden Querpassage westwärts weiter zum Gipfelplateau hinauf führten.

am Gipfelplateau angelangt

Der Hang weist lt. Hangneigungskarte (TIRIS) eine max. Steilheit von über 40° auf. Steigeisen waren bei unserer Begehung nicht nötig, der hartgepresste Harsch ließ gute und sichere Tritte zu. Im Extremfall – bei vereister Schneedecke und fehlender Ausrüstung – mag auf diesem Gipfelhang ein Abrutscher über weit mehr als 100Hm erwartet werden.

Christian und Herwig am Silleskogel, 2.418m

Die Aussicht im Süden über die Zillertaler Alpen ist grandios.

gewaltige Mauer im Südosten – Olperer bis Hohe Wand (das weiße Spitzlein ist die Hohe Kirche und dahinter die besonnte Valser Hohe Warte)

Gegenüber dem Silleskogel befindet sich die eindrucksvolle Steilflanke der Saxalmwand – ebenfalls ein Gipfel, der bei unserer Begehung wegen wetterbedingtem Abbruch noch auf sich warten läßt.

Aufstieg Sumpfschartl und Saxalmwand im Detail

Weiter im Süden erkannt man das weite Kar des Sumpfschartls, ein lohnender Aufstieg gemeinsam mit der Saxalmwand ein ebenfalls auf dem Verbindungsgrat zum Kraxentrager gelegen.

Panorama westliche Zillertaler Dreitausender

Im Südosten das gewaltige Massiv des Olperers und Fußstein mit der Verbindung über die Sagwandspitze bis zur Hohen Wand.

Wolfendorn im Südwesten

Im Südwesten der dominierende Wolfendorn in den Brennerbergen und im Westen die südlichen Stubaier Alpen am Vormittag schön von Südost im Sonnenlicht zu bewundern.

südliche Stubaier hinter dem Rossgrubenkofel

Im Westen links neben dem Rossgrubenkofel besticht der Pflerscher Tribulaun und rechts davon der gewaltige Habicht.

nordwestliche Stubaier

Im Norden liegen die Tuxer Alpen mit ihren vielen tollen Schitourenzielen.

die zentralen Tuxer im Nordosten – der eindrucksvolle Schmirner Hohe Zahn rechts der Bildmitte

Im Osten fallen oberhalb des langen Grates von der sehr eindrucksvollen Hohen Warte (ein tolles Schitourenziel im Schmirntal, es gibt aber auch eine Hohe Warte im Valsertal, siehe Bildergalerie) zum Steineren Lamm hin relativ genau mittig zwei kühne Spitzen auf, die man in dieser eindrucksvollen Erscheinung nicht erwarten würde. Es handelt sich dabei um die Schöberspitzen mit einer Entfernung von rd. 8km.

Aussicht nach Osten – die Schöberspitzen über dem Grat sehr eindrucksvoll

Alleine wegen der Aussicht lohnt sich die kurze Tour auf den Silleskogel und eventuell wäre der winterliche Übergang auf den Rossgrubenkofel und weiter auf die Vennspitze einmal eine Überlegung wert.

Schidepot unterhalb Gipfelfelsen

Bei der Abfahrt, die wir fast direkt unter dem Gipfelhang starteten mußte zunächst der etwa 100Hm windgepresste Teil etwas ruppig aber nicht unangenehm bewältigt werden, bevor im flacher werdenden Teil der weichem Tiefschnee erreicht wurde.

Abfahrt vom Gipfelhang

Über tolle Hänge an der Westseite des Tals (Kessler, Kogleben, Seabler, Nock – siehe Flurnamen in Bildergalerie) erreichten wir den Sillbach, der an geeigneter Stelle übersprungen wurde und im schmalen Tal nun orografisch links des Sillbaches ging es durch ein schmales Tal kraftraubend hinab zur Isse – alles in weichem Tiefschnee.

etwa 100Hm unterhalb des Grates bereits Tiefschnee

Ab der Sillpuite hatten wir teilweise leicht verfestigte Passagen, die sich aber nicht mit viel mehr Kraftaufwand befahren werden konnten als der obere Teil. Die gesamte Strecke liegt schattseitig und daher günstig betreffend Umwandlung und ohne Schmelzdeckel.

Kulisse ins Valsertal

Für die schöne haben wir gesamt 3:20 Stunden benötigt (incl. Pausen und Gipfelaufenthalt), Die gemessene Höhendifferenz beträgt  925m.

Rückblick auf den Gipfelhang

Bei entsprechend frühem Aufbruch zur Tour bleibt Zeit noch kurz bevor mittags der Rummel in Padaun beginnt einem Stakeholder der Gegend, dem nett eingerichteten Gasthaus Steckholzer einen Besuch abzustatten und die Tagesempfehlung, oder eine deftige, schmackhafte Knödelsuppe einzunehmen, die wir sehr empfehlen können. Durch den kostenlosen Parkplatz am Tourenstart geht sich dann auch noch eine Nachspeise aus.

Tiefschneevergnügen

Den Gipfelbereich des Silleskogels sollte man nicht unterschätzen, wenn die Verhältnisse es nicht zulassen oder bei einer eventuellen Vereisung die Ausrüstung für die Gipfelflanke fehlt.

Abfahrt neben dem Sillbach

Nachträglich gesehen sahen wir unseren Abbruch bei der ersten Begehung im Nebel bestätigt, daß wir den Gipfel nicht erzwungen haben.

Mils, 31.12.2019

 

Schitour Hohe Kreuzspitze, 2.743m

Der höchste südlich gelegene Berg in den Stubaier Alpen ist die formschöne Hohe Kreuzspitze in der Botzergruppe in Südtirol. Der Ausblick von ihr ist phantastisch und als Schitour erlebt man einen wirklich abwechslungsreichen, hochalpinen Aufstieg über 1.320Hm mit zwei Steilpassagen. Ein Vorteil der Tour liegt in der Ausweichmöglichkeit auf die Kleine Kreuzspitze, sollte das Wetter oder die Lawinenwarnstufe es erzwingen.

der Autor auf der Hohen Kreuzspitze, 2.743m

Vom Start aus die Hohe Kreuzspitze nicht im Mindesten einsehbar beginnt der Aufstieg im Ratschingser Ortsteil Flading, den man von Sterzing aus in etwa in 25min erreicht. Der Parkplatz an der kleinen Kapelle hat eine gute Kapazität und als wir gegen 8:15 Uhr eintrafen, war die Hälfte der Parkplätze noch frei. Gebühren werden nicht eingehoben, freiwillige Spenden in eine Kassabox an der Brücke sind erwünscht.

der weiße, sonnenbeschienene Gipfel ist die Hohe Kreuzspitze

Nach der Überquerung der Brücke kann über den Forstweg im Bogen nach rechts aufgestiegen werden, oder, etwas kürzer wie unsere Route, über ein aufsteilendes freies Feld mit einem niedergebrochenen Zaun an der Waldgrenze.

Start bei der Kapelle in Flading

Im Wald wird dem Weg gefolgt, der gleichzeitig Abfahrt ist. Entsprechend ist er – wie alle schmalen Schitourenwege – mit Wannen und Kuppen durch Schwünge gekennzeichnet. Knapp 15min lang steigt man am Weg aufwärts bis sich eine Lichtung öffnet, die rasch in freies Almgelände übergeht.

Rückblick auf den Parkplatz Flading

Bald wird das Gelände auch steiler, einige Spitzkehren werden im Mittelteil durch die Felsenpassage und darüber hinaus notwendig. Mit uns keine kleine Schar von Tourenhungrigen, von denen später allerdings ein großer Teil zur Kleinen Kreuzspitze abzweigt.

am Ende des Waldwegs

Nach etwa einer Stunde Aufstieg erreichen wir etwa 50m unterhalb der Klammalm die aufgehende Sonne, was zu ersten guten Fotos und allgemeiner Freude in der Gruppe gereicht.

freie Almflächen breiten sich aus

Deutlich kann man am Bild der Klammalm erkennen, daß die ersten Herbstschneefälle den Süden bevorzugt haben, schätzungsweise liegt dort die doppelte Menge gegenüber dem Norden des Alpenhauptkamms.

kurzes steileres Stück zwischen den Felsen unterhalb der Klammalm

An der Klammalm und kurz nachher wird das Gelände etwas flacher und biegt nach links (südlich) in ein Tal ein, das durch die beiden Kreuzspitzen gebildet wird.

die malerisch gelegene Klammalm, 1.940m

Im Laufe der Kurve wird das schöne Ziel, die Hohe Kreuzspitze,  sichtbar und am Ende der Biegung auch die leichtere und um 225Hm niedere Kleine Kreuzspitze östlich der höheren Schwester. An dieser Stelle befindet sich auch die Verzweigung der Anstiege.

in der Kurve nach der Klammalm kurz vor der Abzweigung, dahinter das Stauwehr, das überschritten wird

Wir setzten auf der Dammkrone eines Stauwehrs über den Bach in Richtung auf die andere Talseite an der das Gelände zunächst flach, jedoch in Richtung Butsee hinauf bald steiler wurde. Der Aufstieg über die Flanke hinauf zur ersten Steilpassage dreht im oberen Teil nach rechts wodurch die gut 150Hm Steilhang vom Bereich des Stauwehrs aus noch nicht eingesehen werden können. Etwa 100Hm höher, auf 2.120m wird der Steilhang sichtbar.

Trinkpause – im Hintergrund von Stefan die Kleine Kreuzspitze

Die steile gemuldete Strecke liegt zwischen den Schrofen des Gratausläufers der Zermaidspitze und einem Felskopf eingebettet.

die Steilstufe nun sichtbar, ca. 2.150m

Die Hangneigung erreicht nach der – leider unbefriedigend – aufgelösten OSM Hangneigungskarte auf beiden Passagen Neigungen zwischen 35 und 39°, siehe Bildergalerie. Bei entsprechenden Schneeverhältnissen und der Lawinenwarnstufe drei ist die Tour auf die Hohe Kreuzspitze also nicht mehr sicher ausführbar. Wichtig ist auch die Beachtung der Exposition – der untere Steilhang ist ein Osthang, der obere ein Westnordwesthang.

in der ersten Steilstufe, sie führt zum Butsee

Am Ende der Steilstrecke ist der Butsee erreicht (der im Winter natürlich nicht sichtbar ist). Das Gelände dort ist flach, der weitere Tourenverlauf führt zunächst sogar mit einigen Metern Verlust gegen die schön kupierte und moderat steiler werdende Landschaft hin.

Rückblick von der Hälfte der Steilstufe

Rechts, westlich, bei den Seen zieht eine schöne breite Rinne in Richtung Zermaidspitze hinauf – das Wasser rann bei ihrem Anblick in Flexens Mund zusammen, er wäre höchst angetan gewesen sie als zweites Tagesziel zu befahren.

die Gefahr von dieser Flanke soll bei dementsprechenden Verhältnissen nicht unterschätzt werden

Als Ziel muß sie generell recht beliebt sein, denn leider war sie bei unserer Rückkehr schon weitestgehend zerfahren, sodaß der nicht mehr jungfräuliche Hang das Interesse schwinden ließ – allein die Lehre blieb die Reihenfolge nächstens umzukehren.

Flex vor der tollen Rinne zu einem unbenannten Joch

Am Butsee befindet sich ein Baumstamm mit einer schönen Schnitzerei die eine mittelalterliche Jagdszene nachstellt (Jäger mit Armbrust, seine Hunde und ein mächtiger Hirsch). Diese Szene wurde an den Endpunkt des sog. Pfeifer-Huisele-Wegs gesetzt, der am Butsee endet.

Endpunkt des Pfeifer-Huisele-Weges mit geschnitzter Jagdszene des

Sagenmeister Pfeifer Huisele war eine in Flading ansässige Südtiroler Sagengestalt über die mehrere leicht unterschiedliche Berichte im Internet zu finden sind.  Wie immer steckt auch ein Teil Wahrheit in den Sagen, die sich um „es“ – das Pfeifer Huisele (oder auch Huisile) – ranken. Den geschichtlich vermutlich besten Bericht haben wir hier verlinkt, er ist als Denkstoff bei der phantastischen Schitour bestens geeignet, verbindet er doch die dortige Natur mit ein bisschen heimischer Geschichte.

Rückblick auf den Butsee, rechts davon hinter der Kuppe die Steilstufe

Weiter führt das interessante Gelände ab dem Butsee auf 2.340m über schöne Kuppen und Mulden mit Licht- und Schattenspielen, hervorgerufen durch die nieder stehende Dezembersonne, in das weite Kar vor dem Steilhang am Gipfelaufbau auf etwa 2.620m.

abwechslungsreiches kupiertes Gelände

Bevor die Route jedoch auf das Kar hinauf biegt vollzieht der Aufstieg einen Halbkreis bei dem der westlich begrenzende Kamm zwischen der Hohen Kreuzspitze und der Zermaidspitze, der an dieser Stelle nur etwa 100Hm höher ist als der Aufstieg, tangiert wird.

über eine leichte Senke führt die Route im Bogen an die rechte Geländebegrenzung heran

Erwähnenswert ist diese Passage aufgrund der Tatsache, daß sich bei unserer Begehung Tourengehrer auf der Kammhöhe befunden haben, unsere Gruppe ziemlich gleichzeitig darunter im Kar und die ersten aus unserer Gruppe ums Haar an der unteren Begrenzung eines mittleren Schneebretts flüchten konnten. Es reichte bis zum Hangfuß mit einer Anrissbreite von gut 100m aber nur geringer Anrissmächtigkeit und Anrisslänge.

Schneebrett vom Hang der rechten Geländebegrenzung herab – unmittelbar vor dem Foto unhörbar abgegangen

Glücklicherweise befand sich die Aufstiegsspur weit genug am Rand des Hangfußes, sodaß die Kollegen mit einem Warnschrei flüchten konnten. Der Autor als Nachkommender, der den Warnschrei hörte, fand bei seiner Ankunft, etwa zwei Minuten später, eine vom Schneebrett verlegte Aufstiegsspur vor und staunte nicht schlecht. Zu hören und zu sehen war zum Zeitpunkt des Abgangs rein gar nichts obwohl die Entfernung vielleicht 200m betragen hat.

bei der Abfahrt das Schneebrett nochmals betrachtet – unten rechts die Aufstiegsspur

Alles in allem eine Situation, die glimpflich ausgegangen ist. Ob die Leute am Kamm in die Auslösung involviert waren konnte nicht festgestellt werden. An diesem Tag herrschte für dieses Gebiet die Stufe 2 (über der Waldgrenze) mit „leicht auslösbaren Triebschneeansammlungen…die Gefahrenstellen mit der Höhe zunehmend…und allseitiger Exposition“.
Jedenfalls sei jedem geraten unter diesem Hang bei entsprechender Beschreibung im LLB mit Vorsicht zu queren.

die zweite Steilstufe zur Scharte vor der Hohen Kreuzspitze

Nach dieser Erfahrung knapp unterhalb des steilen Hangs stiegen wir auf den Karboden auf, der ein kurzes Stück flach zum zweiten Steilhang der Tour überleitet.
Der zweite Steilhang ist etwas kürzer, schätzungsweise etwa 100Hm und wie schon beschreiben ein Westnordwesthang, der im Dezember keine Sonnenbestrahlung abbekommt und wahrscheinlich kaum den Winter über.

Stefan am Karboden auf etwa 2.600m, links dahinter das Schneebrett am Gegenhang

Daß auch dieser Hang bei entsprechenden Verhältnissen ein nicht unproblematischer sein kann zeigt ein Bild von Almenrausch (Bildergalerie Tour vom Passeiertal auf die Hohe Kreuzspitze). Die Tour übrigens vom Passeiertal muß auch eine ganz tolle sein, für Nordtiroler allerdings eine Weltreise.

in der Scharte oberhalb des Steilhangs; man sieht Tourengeher vom Passeiertal über die Scharte aufsteigen

Bei unserer Begehung war der Hang von den Vortagen jedoch völlig verspurt und hart gepresst, keine Gefahr durch Schneebretter also.

Hohe Kreuzspitze von der Scharte aus gesehen, Abstand kaum 200m

Am Grat angelangt sticht sofort das Ziel ins Auge – das vorübergehend nach dem Butsee aus dem Blickfeld verschwindet – die Hohe Kreuzspitze befindet sich etwa 150m südöstlich und ist durch einen Graben von der Gratscharte entfernt – ein imposanter Anblick.

die kurze Strecke die abgefahren werden muß – unten Kollege Martin mit Gattin, die bereits auf deren Rückweg angetroffen wurden

Zum überqueren des Grabens muß schätzungsweise 20Hm abgefahren werden. Mit Fellen war das – wie immer bei solchen Aktionen – ein akrobatischer Akt mit schlechten Haltungsnoten, die aber nur über wenige Höhenmeter notwendig sind und kein Abfellen rechtfertigen.

die Schrofen unten müssen unterfahren werden, aufgefellt gut machbar

Der Restaufstieg zur Hohen Kreuzspitze über die Einsattelung durch den Graben ist eine Angelegenheit von kaum zehn Minuten. Ein schönes Edelstahlgipfelkreuz erwartete uns auf 2,743m und ein gut besuchter, aber nicht vollends überfüllter Gipfelbereich.

letzte Höhenmeter zur Hohen Kreuzspitze

Ein atemberaubender Blick vom Südwesten bis zum Nordosten eröffnet sich auf der Hohen Kreuzspitze.

Flex auf der Hohen Kreuzspitze

Von der Hochwilde (3.482m), gemeinsam mit dem Similaun (3.606m) der südlichste Punkt Nordtirols bis über die hohen Ötztaler im Nordwesten –

Blick gen Südwesten – Bildmitte Hochwilde (3.482m)

Über die Stubaier mit dem Zuckerhütl, der Sonklarspitze und dem Botzer im Norden –

Blick auf die zentralen Stubaier im Norden – rechtes Bilddrittel zeigt das Zuckerhütl (3.507m) und weiter rechts den Botzer (3.251m)

über die Tribulaune im Nordwesten –

der Nordosten – von Botzer links bis zur senkrechten unverschneiten Südwand des Pflerscher Tribulauns (3.097m) rechts

die Pfunderer Berge und dahinter die hohen Zillertaler im Osten –

im Osten die Pfunderer Berge mit den hohen Zillertalern dahinter

die Dolomitengruppen im Südosten –

die Dolomitengruppen im Südosten

und die Brentagruppe im Südwesten hinweg (siehe auch Bildergalerie).

Blick gen Süden und Südwesten – links das Passeiertal nach Meran, Bildmitte und rechts davon die Brentagruppe

Unmittelbar im Osten führt der Grat von der Hohen auf die Kleine Kreuzspitze, ein leichteres Schitourenziel und im Sommer eine interessante Gratüberschreitung, wie Roman von Hikalife schreibt.

der unmittelbar nächste Gipfel unter der Hohen Kreuzspitze ist die Kleine Kreuzspitze (2.518m) in knapp 1.400m Entfernung

Nachdem Stefan eingetroffen ist, Höhenmedizin verteilt wurde, Fotos angefertigt und wir zur Abfahrt gerüstet hatten ging es auf dem durchaus angenehm zu fahrenden Gipfelhang zurück zur Scharte gegenüber.

Stefan auf der Hohen Kreuzspitze

Das Tretteln über die wenigen Höhenmetern war wie immer unangenehm, aber auch der Rückweg rechtfertigt keine andere Fortbewegungsweise, sofern der Aufstieg rampenartig präpariert ist und man nicht im Schnee versinkt. Der Steilhang war passabel zu fahren angesichts der Massen, die ihn vorher schon bearbeitet hatten.

gegenüber links bis Bildmitte in 1.800m Entfernung die Zermaidspitze (2.798m) und in 2.300m Entfernung der Ratschinger Weißen (2.822m), beide mit Gipfelkreuz

Nach dem Flachstück im Karboden inspizierten wir nochmals das Schneebrett bevor wir über die nun schön im unverfestigten Altschnee ohne nennenswerten Harschdeckel zum Butsee abzufahren. Dieser Teil der Abfahrt war auch durch wenig Spuren am breiten Hang ein bäriges Erlebnis.

links die neu angelegte Spur, etwa drei Meter neben der Originalspur

Das Steilstück nach dem Butsee war natürlich sehr verspurt, dennoch aber akzeptabel abzufahren und auf der folgende flachere Passage bis zum Stauwehr herrschten wieder dieselben guten Verhältnisse wie im oberen Teil bis zum Butsee.

der Gipfelsteilhang mit der Scharte gegen mittags – wenig Sonne dürfte hier den Winter über einstrahlen

Nach der Klammalm querten wir weit nach Osten, fast bis zum orografisch rechten Rand der Almfläche, und fanden dort im oberen Teil noch gut fahrbare unverspurte Flächen vor, die aber rasch in Bruchharschgelände übergingen.

über die Dammkrone des Stauwehrs am Rückweg

Im Wald hieß es nochmals alle Künste der Technik auf der Steilkurvenbahn am Weg auszuspielen, um nicht hinauskatapultiert zu werden. In Summe eine schöne Abfahrt mit tollem Beginn und kraftraubendem Ende.

die malerische Klammalm – im Hintergrund die Hohe Ferse (2.669m)

Die Schitour mit 1.320Hm und 5,7km Länge haben wir in 4:36h bewältigt.

Erläuterung zu den Panoramabildern Südwest bis Nord – Entfernungen vom Gipfel der Hohen Kreuzspitze:

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Westsüdwest auf die Grenzberge der Ötztaler

Hochwilde 17,8km
Hochfirst 10,7km
Ramolkögel 19,2km

Panorama von der Hohen Kreuzspitze in Richtung Nordwest auf die zentralen Ötztaler und die zentralen Stubaier

Wildspitze 26,7km
Timmelsjoch 10,5km
Zuckerhütl 13km
Botzer 8,6km

Mils, 15.12.2019