Archiv der Kategorie: Bergtouren

alle Bergtouren Sommer und Winter

Oberreintalschrofen, 2.521m

Einen „unansehnlichen Brocken“ Berg könnte man den Oberreintalschrofen während seiner Besteigung vom Teufelkopf aus nennen. Die einzig schönen Kletterpartien finden sich im abgewaschenen Wettersteinkalk im untersten Teil des Abstiegs, großteils besteht die Route aus ausschließlich brüchigem Fels mit vielen Störeinlagerungen.

Oberreintalschrofen, 2.521m

Den Versuch der Überschreitung vom Teufelskopf hat der Autor ein Jahr zuvor unternommen. Dieser ist gescheitert, da er damals zu sehr an eine Überschreitung im eigentlichen Sinn gedacht hat und die Querung der Oberreintalscharte in erheblicher Tiefe vom Grat nicht wahrhaben wollte. Die Einstiegsstelle in die Querung war zwar richtig, aber die erhebliche Abstiegstiefe hatte in der Vorstellung des Autos nichts mehr mit einer „Umgehung“ bei einer Überschreitung zu tun, also hat er damals abgebrochen.

Von der Wettersteinhütte aus: links Teufelskopf, rechts Oberreintalschrofen

Bei dem nun hier beschriebenen Bericht über die „Überschreitung“ wird dieser tiefe Abstieg ausgeführt und anschließend in der Flanke des Oberreintalschrofens zum Aufstieg ostwärts gequert. Der Bericht beginnt nach dem Abstieg vom Gipfel des Teufelskopfes. Wer den Aufstieg zum Teufelskopf nachlesen will bediene sich des oben gesetzten Links „Teufelskopf“.

unübersichtliche Südostflanke des Oberreintalschrofens

Etwa 60Hm unterhalb des Teufelskopf Gipfels öffnet sich zur östlich gelegenen Rinne der Oberreintalscharte eine große plattige Verschneidung. Die talseitige Platte ist sehr glatt, erlaubt aber einen Abstieg zur Schuttrinne in ihrem Tiefsten.

Abstieg über ein Felsband in die Verschneidungsrinne

Dieser Schuttrinne wird im Abstieg bis zum darunter auftauchenden Schrofengelände gefolgt und an geeigneter Stelle der Übertritt über die Rinne der Oberreintalscharte auf die Westflanke des Oberreintalschrofens gewählt. An dieser Stelle befindet man sich etwa 40-50Hm unterhalb der Scharte.

Simon beim Aufstieg jenseits – wir haben oberhalb des Wiesenfleckes die Zacken angesteuert

In der Folge wird nun nicht der rasche Aufstieg in die Zinnen zum Grat gesucht – das war auch die falsche Vorstellung des Autors ein Jahr zuvor – sondern im Anstieg die Flanke nur ostwärts gequert.

eine der wenigen völlig festen Passagen in der Flankenquerung zum Oberreintalschrofen

Das Gelände ist großteils sehr brüchig und wer Querungen auf schuttüberzogenen Steilflächen kennt, weiß wie unangenehm sie sein können. Im Wesentlichen werden ein paar Rippen ansteigend durchschritten, bevor die direkte Route zum Oberreintalschrofen vom Telfer Leger in ihrer muldenartigen Ausbildung von unten sichtbar wird, in die sozusagen von links eingefädelt wird.
Eine auffallend orange Wand rechts eines kurzen Couloirs bildet dir Kreuzung beider Routen.

unangenehmer Schutthang im oberen Teil der Mulde (beim Couloir treffen die Routen aufeinander)

Das Gelände davor ist steil und wenig strukturiert, sodaß die Querung auf schmalen Tritten und teilweise mit Einsatz der Hände zu Stützzwecken vollendet wird.
Wenige gute Felspartien befinden sich meist am Obersten der Rippen, sozusagen an deren Schneide sowie links und rechts davon.

Simon auf dem Schärtchen der nächsten Rippe

Weiter oben wird die Flanke für einen Teil zwischen zwei Rippenscharten flacher und der Anstieg daher etwas besser. Unterhalb eines Gratkopfes wird der Steinmann in der Rippenscharte angesteuert.

steilere Partie in festem Fels voraus

Von dort geht es weiter immer noch ostwärts schräg aufsteigend, diesmal über etwas besseren Kletterfels unterhalb einer orangen Wand entlang.

nächste Rippe in Sicht – die Scharte vor den beiden „Hörnchen“ ist das Ziel

Der Schlussteil im Anstieg auf den Oberreintalschrofen beginnt in einer Engstelle zwischen zwei aufragenden Felsen, der rechte stark orange gefärbt.

wie man sieht durchaus schotteriges Gelände mit kurzen Felspassagen

Der Restaufstieg erfolgt anschließend dieser recht festen Partie in sehr brüchigem Gelände, zuletzt über ein paar Meter Schuttrinne auf das Gipfelplatteau mit der halb verwitterten Holzstange als Gipfelmarkierung.

letzter Teil, Aufstieg durch ein Couloir unten im Festen Fels, oben auf Schuttband

Der Wettersteinkamm bietet zu beiden Seiten bärige Blicke.

Blick nach Osten mit Scharnitzspitze, Schüsselkarspitze, Leutascher Dreitorspitze und Westlicher, Mittlerer und Nordöstlicher Partenkirchner Dreitorspitze

Im Osten befindet sich gleich anschließend zum Oberreintalschrofen und zwischen den beiden Wangscharten die Scharnitzspitze, dann die Schüsselkarspitze, die Leutascher Dreitorspitze und nach der Nordwendung des Grates die Westliche, Mittlere und Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze.

Blick nach Westen mit Großer Hundsstallkopf und Hinterreintalschrofen (2.670m)

Gegen Westen besticht der bizarre Teufelsgrat und als nächste größere Erhebung der Große Hundsstallkopf, sowie weiter westlich der Hinterreintalschrofen (2.670m), der höherer Hochwanner (2.744m) ist nicht sichtbar, er wird vom Hinterreintalschrofen verdeckt.

Das Scharnitztal und Leutasch im Süden

Ein toller Blick besteht nach Südosten auf Seefeld und das Inntal sowie nach Nordosten auf Garmisch und das Hinterland mit dem immerhin 55km entfernten Starnberger See.

Garmisch und im rechten Bilddrittel der Starenberger See im Nordosten

Für den Abstieg rechne man mit annähernd derselben Zeit wie für den Aufstieg. Der schlechte Fels bedingt vorsichtiges Absteigen durch die Schrofenhänge und aufgrund der losen Brocken ist es ratsam sich in kurzem Abstand hintereinander zu bewegen.

typisches Gelände während des Abstieges

Am unteren Ende der karartigen Mulde der Südflanke, in die wir oben eingefädelt haben, trifft man im flachen Teil vor der fast senkrechten Steilwand auf den Schuttrest der Steinschläge in einer leichten Klause.

der Autor in der Klause der Mulde, dahinter die brüchige Mulde die wir von links gequert haben

Dort wendet sich die Abstiegsroute scharf rechts zu einem breiten Riß hinab, der nun aus völlig festem, gut kletterbaren Wettersteinfels besteht. Somit kommt man für etwa 100Hm noch zu einer tollen leichten Kletterei.

schöne leichte Kletterei im festen und steilen Gelände

Dem Riß wird gefolgt bis er sich zu einem Band ausbildet, das weiter gegen Wersten quert und ein paar Stellen II enthält. Dabei wird eine Bandschlinge um einen Felszacken herum passiert, der es allerdings nicht bedarf.

Simon nach der Querung – oben am rechten Bildrand sieht man die Bandschlinge

Von dort geht es über weitere schöne Kletterstellen – der Falllinie folgend – hinab bis zum Wandfuß mit Schuttreise. Über diese kann direkt in Falllinie weiter in das Scharnitztal abgefahren werden.

finaler Abstieg in toller Wand

Der schöne Tag in voller Sonnenbestrahlung  am Südhang der Wettersteiner veranlasste uns zur Einkehr  auf der Wettersteinhütte mit  Bier und Kasknödelsuppe.

am Wandfuß – rechts oben erahnt man das Band das bis zur Bildmitte des obersten Bilddrittels herunter leitet, dann in direkter Falllinie bis zum Wandfuß hinab

Rückblickend kann die Tour als kurze Bergtour mit zwei Gipfeln in weitgehend wenig erstrebenswertem Gelände, die mit einem tollen Ausblick und einem netten unteren Abstiegsteil entschädigt.

der schöne Kamm mit der Scharnitzspitze und Schüsselkarspitze im Hintergrund

Wir haben incl. aller Pausen gesamt 6:30 benötigt, der Höhenunterschied beträgt 1.300Hm.
Ein Bild mit dem Routenverlauf der Querung vom Teufelskopf zum Oberreintalschrofen befindet sich in der Bildergalerie.

Mils, 13.10.2019

Rundtour Starkenberger- und Larsenntal über die Verborgene Gratscharte, 2.454m

Mit beeindruckenden Landschaften, zerrissenen Graten und kühnen Gipfeln beeindrucken die Lechtaler Alpen generell und die Rundtour durch Starkenberger- und Larsenntal dringt tief in dieses Szenario ein.

letzte Meter auf die Verborgenen Gratscharte

Der phantastische Anstieg im weitgehend abgeschotteten Starkenbergtal, die dunkelgrauen Hauptdolomitberge, die Aussicht auf 2.454m am Hochpunkt der Runde sowie das wenig berührte, wildromantische Larsenntal verzaubern den Bergfreund mehrfach.

der Blick nach Westen wird immer interessanter

Die gesamte Tour liegt am markierten Steig, oberhalb des Steinsees bis zur Verborgenen Gratscharte teilweise mit fehlenden oder undeutlichen Steigspuren, jedoch immer ausreichend markiert. Sie läßt sich nach Belieben mit Gipfeln erweitern, die Dremelspitze wäre eines der leichten Ziele, die etwa 500Hm mehr Anstieg erfordert.

Im unteren Teil des Aufstiegs von Starkenbach

Die mittellange Runde beginnt in Starkenbach und zwar bei etwa zwei Drittel der Straße zum Schotterwerk zu Beginn des Starkenbergtals. Links neben einer Schotterdeponie, oberhalb der Bürogebäude zieht ein zuerst breiter Weg, dann ein Steig nach Südost auf den Ostrücken des Garseilkopfes hinauf, der offenbar „Kopfsteig“ genannt wird.

zunächst steil der Anstieg

In einigen Serpentinen geht es durch den Wald empor und im oberen, etwas flacheren Teil durch riesige Einzelblöcke aus Kalk, höchstwahrscheinlich ein Relikt an Geschiebe des Inngletschers.

Bereits auf der Garseilwiese, links die „Scheißet Riepe“

Ab der Garseilwiese, einer größeren Almfläche auf etwa 1.200m führt ein Schotterweg recht flach weiter ins Starkenberger Tal bis zur Alfuzalm auf etwa 1.260m.
Von der Garseilwiese aus nach Norden hat man auch einen schönen Blick auf die sogenannte „Scheißet Riepe“, eine weit über 1.000Hm messende natürliche Schutthalde vom Senftenberg herab – sie soll die größte in den Nördlichen Kalkalpen sein. Im August 1999 rutschten bei einem Unwetter 7,5Mio Kubikmeter Material in das Starkenbergtal, die Aufräumarbeiten dauerten über 14 Jahre an. Nicht von ungefähr befindet sich unweit des Ausgangspunktes der Tour ein Schotterwerk.

Blick nach Süden zum Venet

Durch die Abdeckung des Rückens zur Silberspitze (2.461m, mit vom Inntal aus auffallend schlankem Anstiegsrücken) gen Süden den kalten Föhn nun ein wenig weniger stark verspürend traten wir ins hintere Starkenbergtal ein und setzten – nach einem kurzen Abstieg – bei der Alfuzalm über den Starkenbach. Bis hierher könnte man auch mit dem PKW fahren, es gibt einen öffentl. Parkplatz.

das schöne Starkenbergertal beginnt

Die folgende Strecke neben dem kleinen Starkenbach mit seinem doch recht breitem Schwemmbereich, der von bedeutenden Wassern bei Hochwettern spricht, mutet richtig bärig an. Der Schotterweg ist teilweise nur gut einen Meter breit und an manchen Stellen  erhebt sich die Frage, die dort ein Lastenfahrzeug, das die Steinseehütte versorgt, noch fahren kann.

bei der Alfuzalm (hier auch der Parkplatz)

Links und rechts ziehen einsame steile Täler mit schroffen Felsbegrenzungen zu beiden Seiten vom Starkenbergtal ab – durch das Wildkarletal kann man den kühnen Spitz des Bergwerkskopfs betrachten.

nach Querung des Starkenbaches, links das Vileidtal

Weiter drin, in „Hinterstark“ wird der Starkenbach zahmer und die breiten Schwemmkegel verschwinden in der flacheren Landschaft. In Hinterstark, auf 1.641m, befindet auch die Abzweigung zur Steinseehütte, die uns zur Verborgenen Gratscharte bringen wird.

kurz vor dem Wildkarlestal

Das Starkenbergtal weiter gegangen und über das Gebäudjöchl gesetzt, würde man das Württembergerhaus erreichen. Bis zur Abzweigung Hinterstark waren wir vom Ausgangspunkt etwa zweieinviertel Stunden unterwegs.

Hinterstark (1.614m) mit Abzweigung zur Steinseehütte, im Hintergrund der Spiehlerturm

Der Aufstieg zur Steinseehütte nimmt etwa eine dreiviertel Stunde für die 450Hm in Anspruch. Nach dem ersten Drittel zieht sich der Steig neben der Materialseilbahntrasse durch das Tal hinauf. Auf dieser Strecke legte der Wind durch die Höhe wieder zu, sodaß eine Rast bei der mittlerweile geschlossenen Steinseehütte kurz ausfiel. Den Winterraum fanden wir versperrt vor.

Starkenbachtal mit Talkessel und Übergang zum Württembergerhaus (über das Gebäudjöchl leicht links der Bildmitte)

Interessant sind die unterschiedlichen Hüttenschilder. Das Schild auf der eigentlichen Hütte spricht vom Bau 1925 und einer Höhe von 2.069m, das wahrscheinlich alte Schild auf der Seilbahnhütte spricht vom Bau 1924 und einer Höhe von 2.040m. Weit und breit ist kein alter Bauplatz zu sehen, der zwischen 20 und 30m tiefer gelegen wäre. Es könnte sich also um einen Vermessungsfehler in den 1920er-Jahren handeln.

Steinseehütte (2.069m) gegen Seekarspitze

Der Aufstieg zum Steinsee mit seinem malerischen Panorama gen Osten nimmt gut 20min in Anspruch. Kurz vor dem Steinsee wird der Blick auf die Vordere Dremelscharte frei. Von ihr erfolgt ein schöner Aufstieg in leichtem Klettergelände zur Dremelspitze (2.733m).

Blick zum Rosskarschartl

Auf 2.222m gelegen und etwa 150m auf 100m in den Maßen umgibt den Steinsee am Talschluß ein prächtiges Panorama, seine Tiefe kann nur anhand der umgebenden Geländeneigungen mit etwa 10 bis 15m geschätzt werden. Die Intensität des kalten Herbstwindes bei unserer Begehung drückte sich deutlich an der Wasseroberfläche aus.

Steinsee, 2.222m

Seinem Ufer wird nach dem Wegweiser noch kurz gefolgt, bis die roten Markierungen den Richtungswechsel gen Osten, direkt auf den Grat zwischen Hanauerspitze und Bergwerkskopf sich wenden.

Panorama am Steinsee – Bergwerkskopf (2.728m)

Auf diesem Teil verschwinden die Steigspuren teilweise gänzlich und die roten Markierungen müssen zur Orientierung fokussiert werden. Allerdings kann die Verborgene Gratscharte vom Talboden aus gut eingesehen werden und somit sind die Markierungen nicht unbedingt nötig zur großräumigen Orientierung.

weglos aber gut markiert zur Verborgenen Gratscharte (genau über Simon)

Die Route zur Scharte steuert geradewegs auf die Schuttflanke des Grates zu und an der Flanke werden die Steigspuren wieder sichtbar.

der Blick nach Westen wird immer interessanter

Von weitem schon fallen die extremen parallelen Faltungen der obersten Felsschichtplatten auf, regelrechte Stauchungen können beobachtet werden und je näher man ihnen auf der mühsam zu begehenden, steilen Schuttflanke kommt, desto eindrucksvoller werden die Beugungen der Einzelschichten. Ein wunderbar Zeugnis von tektonischen Vorgängen während der Gebirgsbildung.

bäriges Panorama der Lechtaler hinter dem Steinsee

Im oberen Teil wechselt der mühsame Aufstieg von Schutt- und Geröllflächen hin zu leicht felsdurchsetzten Reisen und die letzten Meter führen durch festen Fels in leichter Kletterei zur Verborgenen Gratscharte auf 2.454m.

Simon erreicht das Felsgelände; man beachte die schönen Schichtfaltungen im Hauptdolomit

Die Höhe der Scharte ist im Kartenwerk und Berichten des Internet zu sehr unterschiedlich angegeben (teilweise findet sich die Angabe 2.520m, die zum unbenannten nördlich der Scharte gelegenen Kopf gehört), weshalb der Autor sozusagen als amtliche Aussage tirisMaps bemüht hat und die dort publizierte Höhe entnommen hat.

oberer Teil des Aufstiegs zur Verborgenen Gratscharte

Unwirtlich wegen des starken Jochwindes fanden wir die Verborgene Gratscharte vor. Eine windgeschützte Rast wäre im ostseitigen Lee der Scharte möglich gewesen, aber dort fanden wir eine geschlossene Schneedecke vor, weswegen wir beschlossen weiter unten im Talboden des Larsenntales zu lagern. Die Finger wurden alleine durch die Bedienung der Handykamera schon klamm genug, die Umstellung auf Winterbetrieb hat der Körper im Oktober einfach noch nicht drauf.

Manuel und Simon in der Verborgenen Gratscharte, 2.454m

Da der Übergang ins Larsenntal den geodätischen Hochpunkt der Rundtour bildet, lohnt es sich die umliegende Bergwelt zu verinnerlichen, vor allem nach Westen.
Man findet dort, als markantesten Vertreter der unmittelbaren Umgebung und als höchsten Gipfel der Nördlichen Kalkalpen und damit auch der Lechtaler Alpen die Parseierspitze (3.036m), ein auch geologisch interessanter Berg.

atemberaubendes Panorama von der Verborgenen Gratscharte nach Westen mit Parseierspitze und vielen anderen hier beschriebenen Gipfeln

Links (östlich) davon der runde Gipfel des Gatschkopfes und wieder links davon der Simeleskopf, der formschöne Gipfel des Blankahorn mit seiner markanten steilen Ostflanke wird durch die genau davor liegende Kreuzspitze abgedeckt, nur die Flanke ist bei scharfem Hinsehen sichtbar. Links der Kreuzspitze befinden sich in der Kette, die die Parseierspitze entsendet noch Wannenkopf und Rauher Kopf.

Rechts der Parseierspitze, mehr im Westen, finden sich die Spießrutenspitzen in der Ferne, die Gebäudspitze und der Bittrichskopf in unmittelbarer Nähe an der Umgrenzung des Starkenbachtals.

Rechts neben dem Bittrichkopf (2.698m) lugt knapp oberhalb des Grates die 13.9km entfernte Freispitze (2.884m) hervor, getrennt durch den scharfen Grat mit der höchsten Erhebung des Jägerrückens. Die Freispitze, ein unbedingtes Ziel in der nächsten Saison aus bergsteigerischer und aus geologischer Sicht.

Fast im Westen liegt ein schöner Pyramidengipfel in der Ferne. Es handelt sich dabei um den Westlichen Schafhimmelkopf (2.712m). Die beiden wuchtigen kofelartig rundlichen Köpfe rechts davon sind die beiden Leiterspitzen (Hauptgipfel 2.750m), die rechts dem  vorgelagerten und daher schwer erkennbaren Doppelgipfel der Hinteren Gufel Spitze. Das Bild schließt ab mit der Erhebung 2.656m am Grat zum Hintern Gufelkopf.

ostseitiges Panorama von der Verborgenen Gratscharte

Nach Osten bietet sich aus dem Blickwinkel der Scharte mit dem eher flach verlaufenden Larsenngrat zunächst ein weniger spektakuläres Panorama, jedoch werden weitere unten tolle zerrissene Gipfel in der nordöstlichen Talkesselbegrenzung sichtbar.

ostseitiger Abstieg von der Verborgenen Gratscharte

Es sind dies vor allem die Gipfel, Zinnen und Türme von der Kleinen Schlenker zum Großen Schlenker, aber auch die Brunnkarspitze.

Zunächst jedoch mußten wir den Abstieg durch den Schnee hinter uns bringen. Etwa 150Hm war dies eine etwas rutschige Partie, jedoch unschwierig. An der Ostflanke des Grates reichen fahrbare Schotterreisen weiter hinauf, weswegen wir bald unterhalb des Schnees in den Reisen bis zur Vegetation abfahren konnten.
Der Aufstieg auf dieser Seite wird durch die lockeren Reisen allerdings unangenehmer sein.

Steinkarspitze, Schneekarlespitze und Dremelspitze (2.733m)

Der oberste Talkessel des Larsenntales erscheint noch größer in seiner Ausdehnung wie jene des Sarkenbachtales. Selbst mit der Unterteilung durch die langen Grate der Schlenkerspitzen und der Brunnkarspitze herab überwältigt die Größe – der Talkessel bildet eine beeindruckende Arena.

Verborgenen Gratscharte im Rückblick von Osten

Über dolinendurchzogenen Wiesen führt der Steig auf einen leichten Rücken hinab. Im Tiefsten des Talkessels bildet eine leichte Senke an dem sich das „Seale“, ein kleiner See befinden sollte. Mag es diesen im Frühjahr und im Sommer geben, im Herbst trafen wir ihn nicht an.

Abstieg in den weiten Talkessel des Larsenntales

Vor dem Mitterjöchle verbachten wir ein paar Minuten Rast oberhalb dem sich nun prächtig ausformenden Larsenntal, das sich noch nicht einsehbar weit hinauszieht. An dieser Stelle vermittelt der Blick Richtung Inntal auch die Abgeschiedenheit der Landschaft und weil hier generell und speziell um diese Jahreszeit sehr wenig Besucher stören hatten wir auch das Glück einen kapitalen Hirsch auf einer freien Fläche zwischen den Latschenwäldern anzutreffen.
Hinter einer Geländerippe tauchte das für uns groß anmutende Tier (die Geweihkrone eine männliche Größe weit übersteigend) in etwa 200m Entfernung unter uns in der Nähe des Steiges auf. Eine falsche Bewegung mit Trittgeräusch unsererseits beim Suchen von Deckung zur Beobachtung und Ablichtung löste allerdings die feinen Sinne des Bockes aus und er verschwand im Latschenwald.

Kleiner Schlenker, Schlenkerturm, Großer Schlenker (2.827m)

Unweit unterhalb dieses seltenen Erlebnisses liegt die oberste Jagdhütte im Larsenntal.
Sie trägt auch den Namen Hanlehütte (1.780m) und liegt unweit oberhalb einer tollen Klamm, die in die nächste unterhalb gelegene Talstufe überleitet.

vom Mitterjöchle talauswärts aus dem langen Larsenn geblickt

Am freien Wiesengelände um die Hütte kann man untypischen Sandstein und verwunderliche Kalkbreccien bestaunen. Über diese erstaunlichen Funde wir noch weiter unten berichtet.

Jagdhütte Hanlehütte 1.780m gegen Wildkarlespitze

Es geht hinab zur nächsten Lichtung über den Steig innerhalb der Latschen wo auf etwa 1.500m die „Bauhofhütte“ erreicht wird. Es liegen dort zwei Hütten, die obere (Larsenn Nr. 2) eine Hütte der Bergrettung, die untere eine Jagdhütte.

Klamm unterhalb der Hanlehütte

Der Wald in der Umgebung zeugt von völliger Naturbelassenheit, lediglich Material für den Hüttenbau wurde ihm entnommen. Wurzelstöcke mit Stammdurchmessern von weit über einem Meter konnten wir sichten. Es gibt viele Lärchen, ein „Urbaum“ der Tiroler Wälder.

Rast bei den „Bauhofhütten“

Hier beginnt der aufregendste Teil der Durchquerung des Larsenntales.
Talauswärts passiert der Steig nach kurzer Strecke noch eine weitere Hütte (Jagdhütte), die bergseitig liegt und nicht besonders benützt anmutet, sowie einige Wegminuten darauf eine Hütte (Schaferhütte, auch Milser Alpli1 genannt) unterhalb des Steiges.

Manuel im Bachbett des Pleisbaches

Das Tal verengt sich nun zunehmend und der Steig führt über ein stetiges Auf und Ab (man soll dafür gesamt etwa 180Hm annehmen) das nach dem bereits absolvierten Aufstieg zur Verborgenen Gratscharte hinzukommt.

die Rutschungen am Brandbach mit interessanten grobblockigen Einlagerungen

Auf der Strecke im engen Teil des Larsenntales müssen einige Wasserläufe, die vom Larsenngrat herunterbrausen durchquert werden und da sie im Laufe der Zeit jeweils einen Einschnitt gebildet haben, ist deren Querung mit einem Abstieg und einem Aufstieg auf die Flanke verbunden.

der Larsennbach transportiert nicht nur Kalkgestein, auch Sandstein der Muttekopfgosau ist dabei

Bei der Querung Brandbach erreicht der Steig, der sich übrigens in hervorragendem Zustand befindet und offensichtlich kürzlich saniert wurde, seinen Tiefpunkt direkt am Larsennbach. Der Schuttkegel, der mit der Zeit dort abrutscht legt interessante geologische Details frei. Zwischen feinen Schotterpartien liegt eine Schicht von großen Felsbrocken, was auf ein umfassendes kurzes Ereignis zwischen langen Zeiten von geringer Aktivität hindeutet, beispielsweise ein größerer Felssturz, zwischen langen Zeiten mit wenig Felsabtrag.

Rückblick auf das Innerste im Larsenn

Betrachtet man die Brocken genauer stellt man fest, daß es sich zum Teil um Breccien mit Kalk- aber auch Sandsteinanteilen handelt. Diese hier zunächst völlig überraschende Entdeckung hat ihren Ursprung gut 1.000Hm oberhalb des Bachlaufes im Larsennkar. Dort  haben sich vor etwa 90 bis 40Mio Jahren in den flachen Lagunen des Meeres die Gosaugruppen durch Ablagerungen von Sedimenten auf den heutigen Bergspitzen gebildet.
Im Larsennkar ist eine solche Breccienscholle der Muttekopfgosau vorhanden und im Laufe der Zeit lösen sich Bruchstücke, die talwärts bewegt werden.

toller Steigverlauf über schwierige Passagen im steilen Hang

Nach dem eindrucksvollen Brandbacheinschnitt führt der Steig manchmal kühn über Abbruch- bzw. Hangrutschungszonen zu einem Hockpunkt hinauf, dem Spielhahnbachle. Der Anstieg erfolgt über rd. 80Hm und ist der längste Gegenanstieg talauswärts.

einer der vielen Wasserläufe im Larsenntal, hier mit Kolk

Die Szenerie beim Spielhahnbachle verzaubert den Betrachter und mag der schönste Ort im Larsenntal sein. Einerseits schießen die zerstäubten Wasser des Spielhahnbaches über den Fels geschätzt 50Hm herab, andererseits bildet der etwas tiefere Einschnitt im Fels eine Art  eigenes Vorgebirge zum tiefen Einschnitt des Larsennbaches. Steht man an den Flanken vor oder hinter dem Einschnitt kann man rechtwinkelig zum Gebiet „in der Höll“ steil aufragende Felsen hinab bis zum etwa 200Hm tiefer liegenden Larsennbach bestaunen.

der höchste Wasserfall des Spielhahnbachles (man beachte die Kameraden unten rechts)

Ein weiters Highlight im zauberhaften Larsenntal ist die „schwarze Erde“ lokal um das Arzbachle. Der Steig durchquert eine mehrere Zehn Meter breite und (nach der Erinnerung des Autors) vermutlich an die  10 bis 20m hohe Schichteinlagerung eines in der Umgebung von Hauptdolomit total fremden geologischen Ursprungs. Die farbliche Trennung sticht sofort ins Auge und die Grenzen sind leicht zu verfolgen. Es handelt sich dabei um schwarze Schiefer die, vermutlich durch tektonische Bewegungen, großteils zerrieben sind und die gesamte Schicht im Hang daher wenig Kohäsion aufweist und steil abfällt.

die Gegend um das Arzbachle – schwarzer Schiefer umgeben von Kalkgestein

Nach dem Arzbachle dreht das Tal weit nach Süden. Dieser Teil des Tales bildet im Bachteil die enorm tiefe Klamm aus und ist auch der Grund für den erschwerten Zugang des Tales. Um ins Larsenntal zu kommen mußte zuerst die mächtige und felsdurchsetzte Stufe bis auf die Anhöhe „beim Kreizla“ erstiegen werden. In früheren Zeiten war dies sicher kein alltäglicher Zugang und das Tal blieb lange unberührt.

phantastischer letzter Rückblick vor der Talbiegung im Larsenntal (der Steig hat wieder beachtlich an Höhe gewonnen)

Am weiteren Weg talauswärts bieten sich einige Gelegenheiten für einen Rückblick auf die eindrucksvolle Berglandschaft im Nordwesten. Die bizarren Grate und Gipfel von Schlenkerspitzen und die etwas milder gebaute Brunnkarspitze krönen die steilen Flanken, die alle Energie letztlich auf den Larsennbach niedergehen lassen. Die gegenüberliegende Talseite des Eisenkopfes stellt eine eigene Welt dar – kein Weg, kein Steig säumt die durchgehenden Latschenhänge, je tiefer zur Klamm, desto unwirtlicher, steiler und unnahbar wirkt die Flanke; es muß sich um ein Paradies für das Wild handeln.

schön angelegter Steig im Fels am Ausgang aus dem Larsenntal

Ein letzter Höhepunkt im Larsenntal ist dessen Mündung in das Inntal. Der Steig führt dort durch festen und teilweise fast senkrechten Fels mit Absturzsicherungen hinaus aus der Klamm. „Sankt Antoni“ heißt es am Beginn der Felsstrecke und der schnelle Schritt, den Simon vorgelegt hat nötigte uns zum Umdrehen, weil wir das alpine Wegkreuz fast wie im Flug versäumt hätten gebührend zu betrachten.

das Tal hat sich verschlossen, der tolle Einblick in das Larsenntal ist verschwunden

Die Strecke durch die Felsen vollzieht sich keineswegs nur auf natürlichen Bändern, sie muß zu einem nicht unbedeutenden Teil gehauen, im besten Fall teilweise geschossen worden sein. Allerdings konnte der Autor nirgends Ansätze von Bohrlöchern vorfinden, also dürfte erstere Methode mit viel Anstrengung zur Anwendung gelangt sein – „wofür?“ – die mögliche Ausbeute aus dem Tal erscheint dem Besucher nicht groß genug für die Anstrengungen, die in diese Anlage gesteckt wurden.

beim „Kreizla“ (bis hierher Schotterweg von Güngelgrün, Imst)

Das Larsenntal begeistert von der ersten bis zur letzten Minute und das tut es auch nach der Mündung ab dem „Kreizla“. Diese Position von der Talgegenseite2 betrachtet läßt erst in aller Deutlichkeit erkennen welche Stufe man vom Inntal aus überwinden muß, um ins Larsenn zu gelangen.

Steig durch den steilen Wald nach Mils hinab

Über den steilen Milser Berg zieht sich der Steig direkt in das Dorf hinab und nach der zurückgelegten Strecke stellt dieser Abstieg nochmals eine letzte Anstrengung mit schönem Ausklang mitten im Dorf dar.

mehr als 300Hm vom „Kreizla“ in das Dorf machen das Larsenntal vom Tal uneinsehbar! (siehe Fußnote 1,2)

Die Rundtour führt über 22km fast durchgehend auf Steigen und der Aufstieg beträgt gesamt 1.920Hm. Wir haben für die Runde genau acht Stunden benötigt, incl. ca. 40min Pausen.
Je nach Verfassung orientiere man sich auch an der Zeitangaben aus Tourenplanern, die 11 bis 12 Stunden betragen.
Wollte man eine komplette Runde vom Zentrum Mils daraus machen, dann müßte man für die Strecke nach Starkenbach etwa 4km entlang der Landesstraße und zusätzlich etwa 100Hm eine dreiviertel Stunde hinzurechnen.

Mils bei Hall, 20.10.2019

1, 2 Die Flurnamen hat der Autor nach einem guten Tipp der Milser Dorfchronik entnommen, für mehr Details siehe Link:
http://www.milsimbild.at/2008/01/23/flurnamen/

 

 

Schwarzhorn, 2.812 m – von der Kemater Alm

Die Randlage des Schwarzhorns macht einen kaum zu übertreffenden Blick in die Stubaier möglich. Im Winkel von fast genau 180° – von Rietzer Grießkogel, über die mächtigen zentralen Stubaier Gipfel hinweg, bis zum Habicht und den knapp dahinter liegenden Tribulaunen – kann vom Schwarzhorn au eine wahrlich grandiose Aussicht bewundert werden. Es wird wenige Plätze im Stubai mit einem solch umfassenden Einblick auf das Gesamtgebirge geben – deshalb haben wir ein paar Bilder mit Gipfelbeschriftungen angefertigt.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Der Aufstieg folgt einem bezeichneten Steig durch das Senderstal auf das Sendersjöchl mit Fortsetzung bis zum Gipfel.
Ab der Kemater Alm führt zunächst ein Karrenweg über etwa 3,5 km bis zum hintersten Talboden des Senderstales, bevor er an einer Jagdhütte endet. Dort beginnt der Steig, der sich zunächst noch etwas weiter am Talboden hinzieht bevor er in die Westflanke des Gamskogels führt.

Aufstieg durch das Senderstal, das Sendersjöchl und die Marchsäule bereits sichtbar

Über eine Passage von Blockwerk zieht der Steig nun etwas oberhalb des Talbodens (Wegweiser), sich südwestwärts wendend, den Hang querend unterhalb der Schrofen vom Grat herab weiter taleinwärts.

im hintersten Senderstal bereits aufgestiegen in die Flanke des Gamsjoches

Am Ende der Hangquerung werden die letzten etwa 100 Hm auf das Sendersjöchl im Schrofengelände in Spitzkehren zurückgelegt. Der Aufstieg bis dorthin dauert in etwa ein dreiviertel Stunden und bis zum Gipfel braucht man noch etwa eine knappe Stunde.

Marchsäule und Schwarzhorn auf der gegenüberliegenden Talseite

An Sendersjöchl wir erstmals die Aussicht deutlich, vor allem in die südlichen Stubaier, deren mächtiger Vertreter Habicht etwas südöstlich gegenüber steht. Verblüffend nahe erscheint die Alm in den Oberberger Mähdern auf 1.800 m beim Tiefblick unterhalb des Joches.

Sendersjöchl Richtung Kalkkögel

Ein Zwischenziel am Grat zum Schwarzhorn stellt die Marchsäule dar, ein vom Senderstal hoch aufragender Gratkopf, der von weit außen recht imposant aussieht und mit dem eigentlichen Ziel Verwechslung finden könnte.

Steig zur Marchsäule

Gleich am Grat weiter erspart man sich etwa 10 m Abstieg am Weg zur Seducker Hochalm um von dort wieder Richtung Marchsäule aufzusteigen.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Die Marchsäule auf 2.589 m wird über den steiler werdenden Steig in 15min erreicht. Von dort hat man einen schönen Blick in das Senderstal und den bisherigen Anstieg. Das schlichte Holzkreuz ist in die Jahre gekommen, ein Gipfelbuch gibt es nicht.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Etwa 40m oberhalb der Marchsäule beginnt der typische Gratkamm im Kristallin. Im Fall des Grates zum Schwarzhorn handelt es sich um Gneise und Glimmerschiefer. Unter typisch versteht der Autor die topographische Erscheinung als loses Blockwerk an den flachen Gratstellen und dem festeren Verbund in den steileren Flanken.

weiterer Aufstieg zum Schwarzhorn

Der verbleibende Aufstieg von der Marchsäule am Gratkamm zum Schwarzhorn beträgt 220Hm und etwa einen Kilometer Länge. Hieraus ist alleine schon die recht flache mittlere Steigung abzulesen, wenn auch der Grat flache uns steile Passagen aufweist.

Kamm zum Schwarzhorn

Man möchte meinen, daß diese kurze Strecke rasch begangen werden kann, jedoch hält das Blockwerk im Mittelteil des Aufstiegs die Geschwindigkeit in Grenzen und man rechne mit einer Dreiviertelstunde bis zum Gipfelkreuz.

Blick nach Nordosten, Kalkkögel und Karwendel

Das Kalkül, daß im Herbst der Grat selbst in der großen Höhe von über 2.600 m noch schneefrei sein müßte ging auf. Der Aufstieg erfolgte großteils ohne tiefen Schnee betreten zu müssen und teilweise auf der Südseite ausschließlich auf Fels.

Kammhöhe zum Schwarzhorn

An Kletterei entbehrt das Schwarzhorn fast gänzlich. Es gibt einige wenige Passagen am Gipfelaufbau an denen die Hände zum sicheren Übersteigen von Felsspitzen benützt werden, jedoch sind diese so harmlos, daß dies sogar mit den Stöcken in der Hand möglich ist. Weiters gibt es auch kaum ausgesetzte Stellen am Grat.

Stubaier Gipfel Südwest

Ein kleines Holz-Gipfelkreuz ziert den unspektakulären Gipfel des Schwarzhorns, das Gipfelbuch erlitt leider Feuchtigkeitsschäden und befindet sich durch Schimmel, aber auch mechanisch in weitgehend zerstörtem Zustand. Trotzdem läßt sich anhand der ältesten Einträge erkennen, daß dem Schwarzhorn wenige Besuche pro Jahr zuteil werden, die noch leserlichen Einträge sind aus 2009 und das Buch ist bei weitem noch nicht vollgeschrieben.

Gipfel Schwarzhorn, 2.812 m

Dem Schwarzhorn ist im Norden der Gipfel der Schwarzen Wand vorgelagert. Er ist um 32 m niedriger und trägt ein Gipfelkreuz, obwohl er nicht durch einen offiziellen Steig erreichbar ist. Die Motivation dort ein Gipfelkreuz zu errichten ist aber klar – vom Tal aus besticht der Gipfel durch seinen formschönen Aufbau.

Blick zum Gipfel Schwarze Wand nach Norden

Die Gipfelschau in die mittlerweile überwiegend in Weiß gehüllten Stubaier beginnt im Nordwesten mit dem sehr markanten Rietzer Grießkogel und den Pirchkogel in den Nördlichen Sellrainern.

Stubaier Gipfel Nordwest mit Bezeichnungen

Sie leitet über in die Südlichen Sellrainer Berge mit Sulzkogel und Gleirscher Roßkogel.

Stubaier Gipfel Westnordwest mit Bezeichnungen

Im zentralen Teil ziemlich im Westen des Schwarzhorns finden sich  Gleirscher Fernerkogel, Breiter Grießkogel, Lisenser Fernerkogel,

Stubaier Gipfel West I mit Bezeichnungen

die Villerspitzen im Vordergrund, die Brunnenkögel, der Schrankogel, die Schwarzenbergspitzen, die Seespitzen, die die Ruderhofspitze verdecken und die Knotenspitzen.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Hinter den Alpeiner Bergen im Vordergrund lugen Wilder Pfaff, Wilder Freiger und am Ende der Alpeiner Bergkette die Wetterspitzen und die Feuersteine hervor.

Stubaier Gipfel Südwest mit Bezeichnungen

Den Abschluß der Dreitausender im Süden bilden Habicht im Vordergrund und die Tribulaune, die gerade noch an seiner Westflanke zu sehen sind – ein umfassendes Panorama.

Habicht und südliche Stubaier mit Wetterspitzen und Feuersteinen rechts hinten

Aber auch der Blick nach Südosten zu den Tuxern und Zillertalern sowie nach Osten in die Kalkkögel und auch nach Norden ins Wetterstein und Karwendelgebirge bietet ein umwerfendes Szenario das zum Verweilen einlädt.

Serleskamm und dahinter die Zillertaler Alpen

Für den Rückweg empfiehlt sich die Tour als Rundtour auszudehnen und am Sendersjöchl die Richtung zum Seejöchl einzuschlagen. Für die etwa 100 Hm mehr Aufstieg auf dieser Strecke entschädigen die Kalkkögel reichlich.

See am Seejöchl

Am Seejöchl überschreitet man außerdem die Grenze von Kristallin der Stubaier Alpen zum Kalkdolomit des Brennermesozoikums mehrfach und kann die unterschiedlichen Gesteine in ihrer Grenzlinie bis weit hinab zur Adolf Pichler Hütte bestaunen.

Kristallin (links) und Dolomit (rechts) direkt aneinander, dahinter Wetterstein und Karwendel

Der Steig führt meist an der Grenze der Gesteine dahin und zum Abschluß der Tour erscheinen die Kalkkögel in unverwechselbares dunkelgelbes Herbstlicht getaucht.

Rückblick auf die Kalkkögel

In Summe beträgt der Aufstieg somit 1.250 Hm und der Zeitbedarf mit Pausen und einem 45 minütigem Gipfelaufenthalt gut sechs Stunden für 16 km Strecke.

Mils, 02.11.2019

Gabelspitze, 2.581m – Überschreitung vom Maldongrat, 2.544m

Vom Hahntennjoch aus stellen diese beiden Ziele eine leichte Gratwanderung dar, deren besonderer Reiz im kurzen Anstieg, in den wenigen und kurzen, etwas pfiffigeren Passagen am Grat und in der grandiosen Herbstlandschaft der Lechtaler Alpen liegt. Ideal für eine etwas ausgedehntere Halbtagestour, für eine Tour ohne langen Anstieg und für solche, die sich von ihrer Verkühlung noch nicht vollends erholt haben, also ideal für des Autors Voraussetzungen dieser Tage.

zunächst leicht über die plattige Flanke bis zur Einschartung

Die beiden Ziele liegen im Gebirgszug der Heiterwand, einer gewaltige Wettersteinkalkkette mit über 7km Länge inmitten dem Hauptgebirgsbildner der Lechtaler Alpen, dem Hauptdolomit.  Anm.: Die Heiterwand wäre laut AV-Führer die längste geschlossene Wand in den Nördlichen Kalkalpen, die eine Mindesthöhe von 2400 m an keiner Stelle unterschreitet. Man muß mit solchen Aussagen vorsichtig sein, denn vom AV-Führer gibt es eine ähnliche Aussage über die Laliderer Wände im Karwendel. Bei der Heiterwand dürfte wohl die „Wand“ im klassischen Sinn über Teile der Gesamtlänge zur „Flanke“ werden, dann scheint der Sinn wieder hergestellt zu sein.

am Steinjöchle angekommen

Den Ausgangspunkt, das Hahntennjoch (1.894m), verließen wir gegen 8:15 bei mäßiger, aber für die Jahreszeit angenehmer Temperatur. Ein wärmender Nebeneffekt der Tour ist die sofortige Sonnenbestrahlung durch den Aufstieg am reinen Südhang und die hohe Ausgangslage.

kurz nach dem Start am Hahntennjoch Aufstieg in den Latschen

Etwa 10min nach Verlassen des Parkplatzes tauchten wir in Sonnenlicht ein und nach einigen Minuten konnten wir uns der Windjacken entledigen. Mit etwas Thermik nahmen Simon und der Autor den Latschenhang und die bräunlich gelben Bergwiesen darüber, hinauf zum Steinjöchle, dem Übergang zur Anhalterhütte und in das Namlosertal.

Blick nach Norden zur Namloser Wetterspitze

Ein toller Blick in das Herz der Lechtaler Alpen gen Norden begeistert am Steinjöchle für die kurze Etappe in der Flanke bis zum sich zaghaft ausbildenden Maldongrat.

Blick zum Falschen Kogl im Westen des Steinjöchles

Ist man einmal am Maldongrat angelangt erfreut man sich stetiger Zunahme der Gratausbildung und der beginnenden leichten Kletterpassagen.

am Felsansatz des Maldongrates

Bald wird auch durch die steile Nordflanke der Gipfel sichtbar. Der Grat wartet mit zwei recht angenehmen leichten Kletterstellen auf. Die erste ist eine steile Wand, bei der man der senkrechten Passage durch eine bandartige Rampe mit einem kleinen Köpfchen rechts hinausquert und somit einige Meter weg vom Grat, das Gehgelände oberhalb wieder erreicht.

der Grat mit seiner ersten steilen Stelle

Die zweite Stelle liegt vor der letzten Einschartung vor dem Gipfel und besteht aus einer etwas luftigen, glatten aber wenig scharfen Schneide über etwa vier bis fünf Meter Länge. Nach Belieben wird das Gratstück nordseitig, südseitig, oder im Reiterstil bezwungen.

nach der ersten Kletterstellen wieder am leichten Grat

Jenseits davon befindet sich eine ideale Stelle für den Spreizschritt zum gegenüberliegenden Teil der Scharte, dem ein etwa drei Meter hoher senkrechter Teil folgt, mit wieder Gehgelände oberhalb derselben.

Simon bereits in der Scharte

Der restliche Aufstieg zum Maldongrat, oder der Maldonspitze (wie er auch genannt wird), besteht vorwiegend aus Gehgelände mit wenigen leichten Kletterstellen – gerade so, daß die Arme ab und zu verwendet werden.

Autor im kurzen senkrechten Teil nach der Scharte

Gleich am Gipfel erspäht das stets abenteuerlustige Gratkletterauge ein nächstes Ziel – jenes der Gabelspitze. Rein optisch von dort aus etwa auf gleicher Höhe wie die Maldonspitze mit einladend aufgerichtetem Gipfelkreuz.

Gipfelbereich Maldongrat

Nicht den Hauch von Zweifel aufkommend lassen, konnten wir nicht widerstehen an diesem so perfekten Bergtag das nächste Ziel im Nordosten mitzunehmen und nach einer nur kurzen Pause die Überschreitung anzutreten.

Rückblick über den Grataufstieg

Vom etwas verwahrlosten Gipfelkreuz des Maldongrates brachen wir über großzügiges Gehgelände am Grat auf in die tiefe Einschartung zwischen den beiden Gipfeln abzusteigen. Als „tief“ empfand der Autor den Abstieg im Bewußtsein der gesundheitlich noch nicht wiedererlangten Leistungsfähigkeit, da dieser auch im jenseitigen Aufstieg sowie ein weiteres Mal am Rückweg  seine Wirkung tun würde. In Wirklichkeit dürfte der Abstieg max. etwa 80Hm betragen. Der Abstieg leitet im oberen Teil knapp neben dem Grat leicht in die Nordflanke, auch weil in der Einschartung unten sich der Grat nach weiter nach Nordosten wendet.

Maldongrat (Maldonspitze), 2.544m

Die tiefste Einschartung ist durch ein auffällig üppiges Wiesenband, das auch beide Seiten der Scharte bedeckt. Von dort geht es wieder die restliche Gratstrecke hinauf, großteils im Gehgelände ohne nennenswerte Kletternotwendigkeit.

der Hauptteil der Überschreitung wird sichtbar

Gegen den Gipfelaufbau hin wird noch einmal ein nettes Köpfchen mit einigen Zacken in der Folge erreicht, die leicht zu begehen sind, sich aber vom bisherigen  Gratgelände optisch eindrucksvoller abheben.

Autor im Abstieg nach dem ersten Teil in der Nordflanke

Der Gipfelaufbau wartet mit einer kurzen Schotterrinne im oberen Teil auf. Bergseitig, im festen Fels, steigt es sich komfortabler darüber hinweg und ab der Scharte oben wartet bis zum Gipfel durchgehend ein etwas anspruchsvolleres Gelände.

tolles Gehgelände im Mittelteil

Von der Scharte aus kann der Gipfel gut eingesehen werden. Um dorthin zu gelangen muß ein gestreckter schmaler Gratteil überwunden werden, der nicht direkt erklettert werden kann (zumindest haben wir allein aufgrund seiner Gestalt nicht versucht).

Aufschwung auf den Gipfelbereich, leichte Kletterei

Im Aufstieg erschien uns die gut einsehbare Nordflanke als der Normalweg um den Gratteil herum. Also stiegen wir über die plattige Flanke zur Scharte hinab und fanden sofort ein breites Band das mit wenig Höhensprung bis knapp ans Ende des zu umgehenden Gratteiles führte.

Scharte nach der Schotterreise – ab hier wird es klettertechnisch etwas interessanter

Dort, kurz vor dem Ende der Umgehung mußten wir nach der schönen Querung nun widerwillig einige Meter absteigen, um auf eine steile Schotterflanke zu gelangen, die wieder zur Schartenhöhe und zum Gipfelaufbau führt. Von der breiten Scharte aus führt großteils leichte Kletterei, weniger Gehgelände, zum Gipfel empor.

Abstieg nach dem Band auf der Nordseite – es sieht steiler aus als es ist

Der Ausblick auf der Gabelspitze, vor allem in Richtung Heiterwand, ist nochmals schöner und intensiver als von der Maldonspitze aus, da nun auf einer einzigen Flucht gelegen.

Simon im Gipfelbereich

Natürlich wäre das Herz nun gerne noch einen Sprung weitergehüpft und zwar auf den Ostgipfel der Steinmannlwand oder auf den Heiterwandkopf – aber das wird eine andere Geschichte mit besserer Verfassung nächsten Sommer.

Gabelspitze, 2.581m

Der Süden wartet hinter der unmittelbar mit einem grandiosen Blick auf den großen Gletscher der 56km entfernten Weißkugel auf und  rechts (westlich) daneben mit dem weniger weit entfernten Glockturm.

Blick gen Süden – von Zuckerhütl bis Weißkugel

Südsüdost lugt zwischen Rofelewand und Verpeilspitze die Wildspitze durch und weiter im Südosten tat sich ein verblüffend offener Blick auf das Herz der Stubaier mit Wildem Pfaff und Zuckerhütl auf sowie links davon eine dichte Packung von Schrankogel und Ruderhofspitze.

Blick gen Süden – Detail Wildspitze und Weißkugel. Im Vordergrund Platteinspitze bis Maldonkopf

Weiters konnte an diesem so klaren Tag – über die Kalkkögel hinweg – auf etwa Ostsüdost der 79km entfernte Olperer deutlich eingesehen werden.

Blick nach Südost – von Olperer bis Zuckerhütl

Im unmittelbaren Süden beeindruckt der wild gezackte Grat von Platteinspitze zum Maldonkopf und im Südwesten der mit Resten von Gosauschichten (Anm.: geolog. junge Formation) bedeckte Muttekopf sowie der Große Schlenker.

Blick ins Bschlabsertal

Gen Westen sticht der einzige Dreitausender der Lechtaler Alpen, die Parseierspitze (3.036m) ins Auge. Ihre Höhe verdankt sie den harten und witterungsresistenten Schichten des Aptychenkalks (Anm.: Reste von Ammonitenskeletten, zu besonders hartem Kalk versteinert) in der Gipfelregion.

Hochvogel rechts und Urbeleskarspitze links von Bildmitte

Von Norden bis Nordwesten bestechen die unmittelbar gegenüber gelegene Namloser Wetterspitze, sowie in weiterer Ferne der markante Gipfel des Hochvogels (bereits Allgäuer Alpen) und in der Kette weiter westwärts den ebenfalls markanten Turm der Urbeleskarspitze bis hin zum Großen Krottenkopf und der Mädelegabel. Der Rundumblick – eine Pracht!

Simon nimmt den weiteren Verlauf des Heiterwandgrates in Augenschein – ein tolles Erlebnis steht noch bevor

Simon widmete sich mit dem Glas dem Studium des interessanten und schärfer werdenden Grates in Richtung Heiterwandkopf. Von Osten her hat er die Heiterwand schon zum Teil überschritten und deren Vollendung wird ein gemeinsames Vorhaben der nächsten Saison sein.

Reuttener Becken, dahinter Forggensee

Am Abstieg probierten wir die Querung in der Südseite des scharfen Gratteiles, da ein ortskundiger Kollege, den wir am Gipfel getroffen haben, bei seinem Abstieg in derselben verschwunden ist.  Knapp hinter der Felskante in der Scharte fanden dort drei Steinmandln vor, die uns die Südseite als die Normalbegehung der steilen Flanken des scharfen Gratteiles auswies.

Querung des scharfen Gratteiles auf der Südseite – Band im Bildzentrum gut erkennbar

Die Kletterei ist dort etwas ausgesetzter als in der Nordseite, der Übergang jedoch schöner zum Klettern und mit etwas weniger Höhenverlust meist auf einem Band durchzuführen. Das letzte Steinmandl zur Scharte hin haben wir beim Aufstieg nicht erkannt und somit beim Aufstieg die Nordseite benutzt.

Querung über Bänder

Dieser Teil stellt den eigentlich einzigen Teil mit vorwiegend Kletterei dar und man kann diesen letzten Bereich des Gipfelaufbaues der Gabelspitze mit II- einstufen. Der Rückweg ist mit Ausnahme der beiden oben beschriebenen Stellen am Maldongrat leichter.

Gelände kurz vor der Scharte – am unscheinbaren Podest endet die Querung mit kleinem Steinmandl

Die Tour kann für Neulinge mit Interesse am Gratklettererlebnis wärmstens empfohlen werden. Sicherungsmittel sollten für den schwindelfreien klettergeübten Felsgeher nicht vonnöten sein.

Gratschneide im Abstieg am Maldongrat

Für unsere gesamte Grattour benötigten wir 5:20 Stunden (bei gemäßigtem Schritt, nicht unsere Normalgeschwindigkeit) bei etwa 950Hm gesamtem Aufstieg.

Mils, 27.10.2019

Vorderes Sonnwendjoch, 2.224m – Überschreitung zur Haidachstellwand

Von Wiesing aus tut sich nach Norden ein schönes Tal auf, dem man bis zum Namensträger des Gebirges, der Rofanspitze, folgen kann und dessen östliche Begrenzung ein schön geformter Kamm bildet, der das Vordere Sonnwendjoch trägt und eine aussichtsreiche, leichte Bergwanderung bietet.

Gipfelkreuz Vorderes Sonnwendjoch, 2.224 m

Die Überschreitung des Sonnwendjochkammes haben wir über den Sagzahn, die Rofanspitze sowie am Rückweg über die Haidachstellwand als Runde ausgeführt – ein phantastisches leichtes Bergerlebnis mit nicht zuviel Zeitaufwand und der Möglichkeit – aufgrund des Wetters oder der Kondition – die Runde in mehrfachen Stufen zu verkleinern und bereits früher abzusteigen.

gegenüber im Westen die Haidachstellwand und in der Tiefe der Aufstieg zur Schermsteinalm

Den Ausgangspunkt bildet der Parkplatz am Ende der Rofansiedlung in Wiesing. Rechts ein gerodetes Waldstück, links ein mondänes Anwesen für tausend Pferde, mittig der kostenlose Schotterparkplatz.

Parkplatz Rofansiedlung Wiesing

Nach dem Parkplatz und dem gleich folgenden Schranken leitet eine Weggabelung am Astenberg rechterhand weiter. Vorsicht: man stelle seine Uhr nicht auf die völlig falsche Höhenangabe am Wegweiser, die richtige Höhe dort ist 780m nicht 730m! Anderswo könnte eine solche Fehlinformation prekäre Folgen haben.

Wegweiser Astenberg (mit falscher Höhenangabe)

Die Angabe am Wegweiser mit vier Stunden zum Vorderen Sonnwendjoch mag seine Berechtigung haben, wir haben drei Stunden gebraucht. Der Höhenunterschied ab der Wegkreuzung zum Gipfel beträgt 1444 m und bei der durchschnittlichen Steiggeschwindigkeit von 350 m/h, die den Berechnungen für Zeitangaben im touristischen Gebiet zugrundeliegt errechnen sich recht genau vier Stunden für die Besteigung des Vorderen Sonnwendjoches. Die Einschätzung der persönlichen Steiggeschwindigkeit trifft jeder für sich selbst aufgrund der Erfahrung.

Aufstieg am Steig zwischen den Wegserpentinen – das Ziel schon zu sehen

Zunächst bleibt das Gelände eher flach und der Kurzweiligkeit wegen haben wir den Steig dem Schotterweg vorgezogen. Der Steig quert immer wieder den Weg bis hinauf zum Fuße des Burgaukopfes, einem mächtigen Felsklotz, der mitten im Tal steht und den Weg unter die brüchigen Hänge des Ebner Jochs zwingt.

schöne Waldschneise mit Wasserfall am Weg

Hier nahmen wir den Weg, um die Schotterreisen und jungen Brüche vom Gipfel des Ebner Jochs zu erkunden, sowie den Schichthals, ein tiefer Einschnitt am Verbindungsgrat vom Ebner Joch zum Südausläufer der Haidachstellwand.

Quelle mitten aus dem Fels

Der Schichthals ist geologisch interessant, da hier die Überschiebung der jüngeren Inntaldecke (Ebner Joch) auf die ältere Lechtaldecke (Haidachstellwand) gut zu sehen ist. Hier treffen Gesteine verschiedenen Alters und Eigenschaften aufeinander.

Schichthals; hier treffen die Inntal- und die Lechtaldecke aufeinander

Nach Erreichen der Höhe des Burgaukopfes (1.263 m) steigt das Gelände noch steiler an und bildet somit eine Talstufe von gut 200 m bis etwa zur Alpiglalm auf 1.480 m. Der Weg dorthin verläuft auf der Straße im Wald mit einer interessanten Felsenquelle zum Auffüllen der Flasche, oder steiler über den Steig (wir haben im Aufstieg den Weg genommen).

Alpiglalm 1.480m

Viel Sonne hat man dann ab dem Gelände der Alpiglalm und wie wir später gelernt haben ist diese Alm der Niederleger der Schermsteinalm, dem Ziel des Aufstiegs im Tal, bevor man über die Westhänge des Sonnwendjochs aufsteigt.

die zweite Talstufe kündigt sich an

Ein kurzes Stück innerhalb der Alm geht es flacher weiter und rechterhand kann ein junger Felsbruch von Rotkalk an der Vorderfront des Issköpfls herab betrachtet werden. Ein paar Kurven des Weges führen zum Fuß der zweiten Talstufe, ein Felsriegel mit etwa 100 m Mächtigkeit.

Ebner Joch im Südwesten

Oberhalb der Stufe, im latschenbewachsenen Gelände der Schermsteinalm liegt die Schihütte des WSV Wiesing und just am Sonntag unserer Tour veranstalteten die Schifahrer eine Bergmesse, die uns am Aufstieg zur Haidachstellwand mit „Heilig, Heilig, Heilig“ Freude bereiteten.

am Ende der zweiten Talstufe an der vorletzten Serpentine

Unter der Felswand querend entlang und über fünf Serpentinen führt der Schotterweg zum Gelände der Schermsteinalm hinauf. Das Gelände ist steil und den Serpentinen sieht man ihre Benützung durch Reversieren der Fahrzeuge an.

Almgelände – rechts der Hang zum Vorderen Sonnwendjoch

Im flachen Gelände der Alm trifft man dieser Tage auf jede Menge Galtvieh – über hundert Tiere sind es, wie uns Roli auf der Alm später erzählte.

die idyllische Schermsteinalm

Kurz bevor die Almgebäude erreicht werden zweigt der Steig zum Vorderen Sonnwendjoch bergseitig ab und quert den Hang talauswärts, leicht ansteigend in Richtung Issköpfl.

am Steig zum Vorderen Sonnwendjoch

Am Issköpfl besteht dann wieder Blickkontakt zum Inntal und in das direkt gegenüberliegende Zillertal. Über den moderat steilen Steig wird bis zur Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches aufgestiegen, das dann durch den Steig über eine lange Strecke gequert wird.

die lange Querung der Südflanke des Vorderen Sonnwendjoches

Ab etwa 2.000 m ändert sich die Steigrichtung mehr nach Nordost und auf einer runden Rippe wird bis unter die Felsen weiter aufgestiegen, bevor nach wenigen Minuten der Sattel am Südostausläufer erreicht wird, den nur mehr etwa 100 Hm vom Gipfel trennen.

Murmelen (Manggei) unterhalb des Steiges bei der vormittäglichen Betrachtung des Treibens in Münster unterhalb

Auf der Rippe unterhalb der Felsen konnten wir die Murmeltiere („Manggei“ oder „Mangger“– wie wir später lernten) beobachten und, weil die Thermik bergwärts zog, verkrochen sie sich auch nicht und der typischen Warnpfiff unterblieb.

Aufstieg über die Südrippe, schöne Rofanbreccie aus Rotkalken rechts

Die Aussicht auf dem Weg zum Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches ist staunenswert. Selbst in der dunstigen Luft bei unserer Begehung konnte das Unterinntal fast völlig bis Kufstein und dem Wilden Kaiser eingesehen werden.

Deutscher Enzian (gentianella germanica)

Auch im Westen bestand ein Blick bis tief in die höchsten Gipfel der Karwendelhauptkette. Lediglich in den Süden, in den Dreitausender des Zillertales konnte man wegen der Bewölkung und des diffusen Lichtes nicht viel erkennen.

Südausläufer unterhalb des Gipfels des Vorderen Sonnwendjoches; hier Abstiegsmöglichkeit zur Bayreutherhütte östlich unterhalb

Der Nordosten (Fortsetzung der Brandenberger Alpen, dessen Teil das Rofangebirge bildet) und der Gebirgsstock des Rofan allerdings boten an diesem Tag wunderbare Aussichten und der Tiefblick auf die Aufstiegsroute am Weg kann fast als spektakulär bezeichnet werden.

Ostabbrüche unterhalb des Vorderen Sonnwendjoches, dahinter im Norden der Guffert

Wer mit dem Gipfel des Vorderen Sonnwendjoches genug hat, der kann vom vorgelagerten Sattel unterhalb des Gipfels beispielsweise zur Bayreutherhütte absteigen und von dort über die Sonnwendbichlalm und die verfallende Seitensteinalm die Runde zurück zum Parkplatz schließen.

am Vorderen Sonnwendjoch, Blickrichtung Westen ins Karwendel

Dem schönen Wiesenplateau der Terrasse vom Vorderen Sonnwendjoch bis hin zum Sagzahn wird nun mit wenig auf und ab weiter gefolgt, bis die Einschartung vor dem Sagzahn erreicht wird. Dort besteht die Möglichkeit den nordwestlichen Abstieg des Sagzahns – natürlich erst nach seiner Besteigung – zu umgehen. Der erwähnte Abstieg ist ein versicherter Steig, der über die nordwestliche Felswand hinab führt und vielleicht für Manchen zu schwer erscheint.

Unterinntal bis Kufstein einsehbar

Also gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Mitnahme eines Klettersteigsets, oder die Umgehung an der zuvor erwähnten Wegkreuzung und die Inkaufnahme von etwa 15 m Höhenverlust.

verdunkelt der Höchste im Rofan, die Hochiss, rechts daneben die Seekarlspitze, im Vordergrund die Gruabalackenspitze

Es ist auch möglich die Runde unten am Umgehungssteig zu beenden und von dort zum Schermsteinalm abzusteigen. Der Steig ist offiziell und hierzu siehe das Kartenwerk.

flacher Steig zum Sagzahn

Der Sagzahn bietet ebenfalls eine bärige Aussicht und von ihm aus kann der schöne Ziereiner See, auf 1.800m zwischen dem Nordostausläufer der Rofanspitze und dem Sonnwendjoch gelegen, mit seiner kräftig blaugrünen Farbe bewundert werden.

mittig Rofanspitze, rechts Sagzahn

Die Ost- und Nordabbrüche lassen den Sagzahn von diesen Seiten als kühnen Felsturm aussehen, und gemeinsam mit der Rofanspitze ist er als deutliche Nordostbegrenzung des Rofan vom Tal aus auszumachen.

Manuel und der Sagzahngipfel, 2.228 m

Wir nahmen zum Abstieg den versicherten Steig durch das Band und dann durch den Riss in der Westflanke, der mit toller Ausgesetztheit beginnt und sicheres Steigen auf dem teils speckigen (abgenutzten und daher rutschigen) Fels erfordert.

in der Tiefe der Steig vom Sagzahn zur Rofanspitze

Der Abstieg ist kurz aber nicht zu unterschätzen. Wer im steilen Fels trotz Seilversicherung nicht sicher steigen kann muß ein Klettersteigset mitnehmen. Im unteren Teil nach der Serpentine wird innerhalb des Risses einer Felsplatte abgestiegen, man hat also eine Begrenzung zur Absturzkante.

Abstieg über den versicherten Steig unterer Teil

Der Ausstieg aus dem Riss erfolgt über einen weiteren Riss von etwa fünf Meter Höhe und ist einfach.

Ausstieg auf den Steig

Nach dieser einzig anregenden kurzen Kletterei steigt die Route noch etwa 40 m bis zum Hochpunkt und der Schafsteigsattel ist erreicht. Dort wendet sich die Runde nach Westen.

Rückblick auf den Einstieg (oben beim blauen Himmel)

Die Rofanspitze kann von dort unschwierig in ein paar Minuten besteigen werden, der Höhenunterschied beträgt etwa 75 m. Wir unterließen dies angesichts der Massen an Wanderern, die wir dort bereits vom Sagzahn aus sichteten und darauf zustreben sahen.

Umgehungssteig des Abstiegs – etwa in der Hälfte der Felsmauer kommt man runter und muß wieder aufsteigen

Vom Schafsteigsattel aus führt ein nahezu horizontal verlaufender Steig um den Buckel der Rofanspitze herum, direkt zur Grubascharte, unserem nächsten Wegpunkt.

Ziereinersee mit Roßkogel rechts

Es wäre auch möglich die Runde durch den Abstieg von der Rofanspitze zur Schermsteinalm zu verkürzen. In weniger als einer Stunde erreicht man von der Rofanspitze über die Grubascharte, links vorbei am Grubasee und weiter über die Wiesen hinab die Alm.

Rückblick von der Gruabascharte auf Sagzahn und Vorderes Sonnwendjoch

Unsere Umrundung setzt jedoch jenseits der Grubascharte fort und führt südwestwärts hinab zum Krahnsattel, zum Fuß der Haidachstellwand. Da das Wetter entgegen der Prognose immer noch gut hält, entschieden wir, daß die Haidachstellwand noch mitgenommen werden soll.

Abstieg zum Krahnsattel

Der Steig zum Krahnsattel verläuft im Mittelteil über zig Kürvchen und Stolperstellen durch den karstig anmutenden Untergrund. Links und rechts des Steiges können äußerst verwegene Erosionsformen am Oberräthkalk bestaunt werden.

Haidachstellwand

Der Krahnsattel, auf genau 2.000m gelegen, bildet den leichten Normalaufstieg auf die Haidachstellwand. Hätte das Wetter nicht gehalten, wäre der Abstieg zur Schermsteinalm auch hier möglich gewesen.

schmalblättriges Wollgras (eriophorum angustifolium) am Krahnsattel – bevorzugt kalkarme Böden, seltsam nicht?

Wir haben uns für die knappen 200 m Aufstieg des tollen Panoramas wegen und angesichts und der noch stabilen Wetterlage gerne entschieden und er war nicht zum Nachteil wie die Bilder bestätigen.

 

Manuel und das massive Gipfelkreuz auf der Haidachstellwand auf 2.192 m

Als ersten Teil führt der Aufstieg großteils über feste Erdschichten mit Schottereinlage, der zweite Teil nach dem Erreichen des Gipfelhangs, der nordwestlich geneigt und erstmals auf unserer Runde in dieser Höhe mit Latschen bewachsen ist, führt über felsig durchsetzte Bergwiesen und mit geringer Steigung auf den flachen Gipfel.

der Dalfazerkamm in seiner vollen Länge – auch hier auf diesem Blog nachzulesen

Eines der massivsten Gipfelkreuze auf all den Besteigungen des Autors, ziert die Haidachstellwand. Die Gipfelbuchschachtel wurde geschickt in die Konstruktion eingebunden und die Öffnung ist der Wetterseite abgewandt.

tief unten die Schermsteinalm und die Schihütte des WSV Wiesing bei der die Bergmesse gefeiert wurde

Man hat also an alles gedacht um das Buch möglichst zu schützen und angesichts der touristischen Bedeutung dieses Gebietes ist das auch notwendig, denn von völlig durchnässten Büchern wegen offener Deckel der Gipfelbuchschachteln bis hin zu Gipfelbüchern, die auf den Nylonsack platziert werden anstatt in diesen hinein erlebt man so einiges auf Gipfeln, die nicht nur von Bergsteigern besucht werden. Sogar ein Schreiberhalter findet sich in der Konstruktion und zu diesem komfortablen Arrangement auf einem Gipfel muß man gratulieren.

Ausblick ins Zillertal, leider etwas durch die dunstige Luft getrübt

Während der kurzen Gipfelpause konnten wir durch die akustische Wirkung des Talkessels unterhalb die Lieder der Bergmesse mithören und unter den Blasmusikklängen des Kaiserjägermarschs fand unser – selten so toll begleiteter – Abstieg statt.

die nordöstlichen Rofangipfel von Roßkopf über Rofanspitze zum Sagzahn

Der Rest der Runde bestand im Abstieg vom Krahnsattel zur Schermsteinalm. Dieser Steig führt durch steile Wiesenflächen und ein paar Schuttrinnenquerungen in einer Runde um den Felsstock der Gruabalackenspitz herum und endet im Gelände der malerischen Schermsteinalm mit den vielen Rassen von Galtvieh.

Steig hinab über Wiesen und Schuttrinnen

Die ältesten Almgebäude wurden direkt mit der hinteren Stirnwand an die senkrechten Felsen gebaut und sind ein echter Blickfang. Zufällig trafen wir den Roli in seiner Hütte und verbrachten mit ihm bei einem Bier eine gute Stunde mit viel interessanten Geschichten über die Alm.

am Steig zur Alm an der Schihütte vorbei

Der Roli ist in Pension und war schon als Bua auf der Alm heroben. Entsprechend viel hat er miterlebt und zu erzählen.

Galtvieh in den Schuttreisen der Schermsteinalm

Wir haben von ihm auch erfahren daß die Kühe beim Aufspielen der Musik hinauf zu den Felsbrocken geflüchtet – was die Kuh nicht kennt mag sie eben nicht.

Schermsteinalm, 1.855 m

Der Rückweg von der Schermsteinalm zum Parkplatz in Wiesing entspricht dem Aufstieg, ist daher klar und braucht nicht weiter beschrieben zu werden.

tolle Lage des Almgebäudes direkt am Fels

Die Tour erstreckt sich über gut 20 km, 1.745 m Aufstieg und wir haben incl. der langen Pause auf der Alm 8 ¼ Stunden benötigt. Wir empfehlen für die gesamte Tour 9 Stunden zu planen.

Rückblick vom Schotterweg unterhalb des Burgaukopfs auf eine grandiose Runde – das Wetter hat gehalten

Unser Abstecher zur Haidachstellwand kann mit einer Stunde bewertet werden, sodaß bei Entfall dieser die Runde in 8 Stunden machbar ist (ausgehend von der o. g. Empfehlung).

Mils, 01.09.2019

Dreitorspitzen, 2.682m – Überschreitung aller

Von Nord nach Süd aufsteigend überschritten bieten die vier Dreitorspitzen eine feine und leichte Grattour, die, bei perfektem Wetter, bilderbücherliche Aussichten beschert und dem Gratkletterfreund viel Freude in zumeist festem Fels des Wettersteingebirges bietet.

etwas abspreizen um die Reibung zu unterstützen hilft hier

Die Eindrücke zusammengefasst muß der Grat als ein Geschenk betrachtet werden. Teilweise recht scharf und doch leicht zu begehen, mit schöner Anfangsflanke auf den ersten Gipfel mit ein paar klassischen Stilelementen der Kletterei – als befände man sich in einem Klettergarten. Kleine Prüfungen im schmalen Teil des Überganges und ein leichter Übergang auf den Endpunkt, die Leutascher Dreitorspitze, den höchsten der vier Gipfel.

direkter Steig neben dem Puitbach

Ja, die Dreitorspitzen sind auf der Karte betrachtet eigentlich vier Spitzen und ganz streng genommen kann man bei kritischer Betrachtung aus der Erscheinung der südlichsten, der Leutascher Dreitor-, oder Karlspitze, noch mehr und zwar in Summe sechs Spitzen herauslesen.

Puitalm gegen Söllerpass

In natura können in der Leutascher Dreitorspitze ein Hauptgipfel, ein südlich vorgelagerter niedrigerer Vorgipfel und während der Überschreitung spürbar, ein nördlich gelegener und die brüchige Rinne bildender Nordgipfel erkannt werden.
Somit wären da: die Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze, die Mittlere Partenkirchner Dreitorspitze, die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze, und die drei Gipfelerhebungen der Leutascher Dreitorspitze mit der mittleren als Kreuzgipfel.

Morgentau im Spätsommer

Wie auch immer die Nomenklatur ihren Niederschlag auf die ewigen Gipfel gefunden haben mag, die Überschreitung des sich nordöstlich bis südwestlich erstreckenden Teils des Wettersteinkamms ist ein bleibendes Erlebnis. Im Durchschnitt gesehen wird im zweiten Grad geklettert, mit ein paar kurzen Zügen die am dritten Grad kratzen oder ihn darstellen, je nach Aufstiegsvariante.

die Morgenstimmung im Puittal erinnert schon an den nahenden Herbst

Von Parkplatz Puitbach aus nahmen wir diesmal das Steiglein direkt neben dem Bach, orografisch links (vom Parkplatz aus die Landesstraße links queren, nicht rechts zum Bauernhof). Der Steig mündet in den Verbindungsweg von Lehner und führt, nach einem Gatter, fast direkt zum Wegkreuz ins Puittal. Dadurch wird ein knapper Kilometer eingespart.

am Söllerpass angelangt

Der Aufstieg durch den Wald zum Puitegg und auf die Alm kann beim Bericht vom Öfelekopf nachgelesen werden.

Nordteil der Überschreitungstour – rechts die Meilerhütte

Mit bestem Wetter erreichten wir das Gelände der Puitalm und zweigten am Fels nach rechts zum Söllerpass ab. In einer Wasserrinne im oberen Teil des Aufstiegs zog uns ein sonderbar unangenehmer Geruch in die Nase dessen Ursache wir beim Abstieg unweit unterhalb des Steiges als abgestürztes Schaf erkannten. Offenbar lag es schon Tage dort und beim Abstieg bemerkten wir ein paar Raben, die darum kreisten.

Lichtspiele im Karwendel, vom Söllerpass, links der Öfelekopf

Am Leutascher Platt angekommen folgten wir den linken Markierungen weiter, obwohl das Platt zu eigenen Pfaden einladen würde. Daß es gut ist der Markierung zu folgen merkt man erst spät drüben am Fels unterhalb des Bayerländerturms, denn eine Route weiter rechts hätten wir einen zwar nur kleinen aber unnötigen Abstieg bei einer großen Vertiefung am Platt mitmachen müssen.

Leutascher Platt gegen Bergleintal

Der Steig nach links führt an die später in die andere Richtung überschrittenen Grate der Dreitorspitzen heran und im letzten Teil vor der Meilerhütte gibt es einen kurzen versicherten Steig über steil abbrechende Felsen.

Steig zur Meilerhütte in der Wand vom Bayerländerturm (mit Seilsicherung)

Im frischen thermischen Wind des Joches der Meilerhütte leisteten wir uns die Füllung der Flaschen. Die Meilerhütte liegt auf 2.366m wo es in den Kalkalpen kein Wasser mehr gibt. Marschwasser gibt es also nur aus Mineralwasserflaschen, deren Verpackung nach dem Umfüllen von der Hüttenwirtin entsorgt wird.

erster Teil der Überschreitung – Aufstieg zur Nordöstlichen Partenkirchner Dreitorspitze über den Signalkopf

Die Meilerhütte (benannt nach dem Tiroler Stifter Leo Meiler aus Leutasch) hat eine interessante Geschichte. Sie wurde von der DAV-Sektion Bayerland vor gut 100 Jahren erbaut und war zuerst eine sehr kleine Hütte auf Tiroler Seite, ehe sie im Bergsteiger boom der Dreißigerjahre allmählich zur heutigen Größe, wenige Meter entfernt auf der bayerischen Seite, ausgebaut wurde.

Aufstieg im Detail mit erkennbarer Rinne (Kamin) mit den Klemmblöcken

Ihr Aussehen von Norden und Westen ist interessant, sie ähnelt einer Burg.
Von der Meilerhütte hat man den Aufstieg zur Nordöstlichen Partenkirchner Dreitorspitze fast völlig im Blick und kann die Route über die Rinne mit den beiden Klemmblöcken erahnen.

neue und ursprüngliche Meilerhütte

Die tolle Überschreitung beginnt mit dem Aufstieg auf die Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze, vorbei am Bayerländerturm. Der Einstieg in die Gratflanke befindet sich am Joch, der Hütte gegenüber beim Windrad.

die Grenze zwischen Tirol und Bayern zieht sich genau durch die beiden Hütten

Über die wiesenbewachsene Flanke erreicht man in wenigen Minuten den zunächst wenig scharfen Grat, der gut 100Hm zum Signalkopf hinaufführt.

anregende leichte Kletterei auf den Signalkopf

Anschließend wird etwa 20Hm zur Verbindung von Bayerländerturm und Nordöstlicher Partenkirchner Dreitorspitze abgestiegen und über den kurzen Sattel in die Nordostflanke der Dreitorspitze eingestiegen.

Abstieg zum Verschneidungspunkt Signalkopf/Bayerländerturm/Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze

Die Flanke steigt sich wunderbar und bereits in der Hälfte kann die Route zum Klemmblock erahnt werden. Der Klemmblock liegt zwischen zwei grundsätzlich glatten Felsen, die durch die häufige Begehung auch noch recht speckig wurde und wenig Reibungsflächen sowie Griffe bietet.

Aufstiegsgelände – die Klemmblöcke wieder sichtbar

Die Überwindung der Stelle ist nicht sehr schwer, wenn der Ringhaken der Bergrettung als Griff dient. Im anderen Fall, durch „piazen“, ist die Stelle etwas mühsamer (der Zug vielleicht III) aber auch noch keine echte Schwierigkeit.

mit Reibung geht es mühsam über den Block

Oberhalb des ersten Klemmblockes geht es aufrecht im Kamin weiter bis unter den zweiten Klemmblock durch und dahinter in eine Scharte mit ringsum Rissen zwischen Kaminen und Türmen hinauf. Der Fels erfreut durch seine Festigkeit.

schöne Fortsetzung durch schluchtartigen Fels bis zu einer Scharte

Wir entschlossen uns in einer Rinne südwärts weiterzusteigen und erreichten einen Haken mit Bandschlinge, bevor wir das Gipfelgelände betraten und über eine letzte Kletterstelle das Gipfelkreuz erreichten. Ein sehr schöner Aufstieg bis zur Nordöstliche Partenkirchner Dreitorspitze der das Herz erfreut.

von Türmchen und Nadeln bestimmtes weiteres Aufstiegsgelände – knapp rechts oberhalb von Simon die Bandschlinge

Die Aussicht ist phantastisch, besonders jene nach Westen auf die Zugspitze und ihren eindrucksvollen sie begrenzenden Graten. Aber auch in die Gegenrichtung, zum Musterstein hin, tritt der atemberaubende Wettersteingrat so richtig in Erscheinung – eine beeindruckende Schneide, die unbedingt einer Erkundung bedarf.

Freude über den herrlichen Aufstieg am Gipfelübertritt

Der Blick zur etwa 250m tiefer liegenden Meilerhütte zeigt ihre verwegene Lage sehr deutlich – als müßte sie sich wegen Wilderei verstecken; ein interessanter Stützpunkt.

grandiose Aussicht nach Westen

Das Gipfelbuch ist am Einband vergoldet bedruckt und weist darauf hin, daß es sich um den Nordostgipfel (2.606m) handelt.
Im weiteren Gratverlauf erscheint der Mittelgipfel der Partenkirchner Dreitorspitze sehr nahe. Unweigerlich ist man versucht die Route ausfindig zu machen, sieht sie aber bei der Erstbegehung nicht wirklich. Das Ziel, die Leutascher Dreitorspitze scheint noch weit entfernt zu sein.

Rückblick auf den Aufstieg von der Meilerhütte

Angetrieben von der noch vor uns liegenden Überschreitung gönnten wir uns nur eine kurze Pause nach vier Stunden Aufstieg zum ersten Gipfel.

am Ende des Grates die Leutascher Dreitorspitze – Ziel unser Überschreitung

Der Abstieg über den Schuttpfad südlich des Gipfels endet bald leicht ausgesetzt in einer steilen Flanke und führt über ein zwei Rippen auf ein bald sichtbares Felsband, das teilweise begrünt ist, in eine Mulde zum Mittelgipfel heran.

der Autor am Band

Nach der Mulde führt aufwärtsgerichtetes Gehgelände auf ein kurzes Gratstück und über leichtes Klettergelände weiter auf den Mittelgipfel; das Band bleibt die einzige kleine Prüfung bis zum rundlichen Gipfel, der nur von einem Gipfelsteinmann geziert wird. Der Übergang dauerte nur etwa 20 min.

Gehgelände nach dem Band zur Mittleren Dreitorspitze

Der Übergang von der Mittleren auf die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze beginnt zunächst mit einem kurzen Abbruch, der in festem Fels leicht geklettert werden kann und man direkt am tiefer liegenden Grat fortsetzt.

Rückblick vom Mittelgipfel auf den Nordostgipfel

Eine etwas schärfere Gratstelle folgt am aufsteigenden Grat, der Rest ist meist Gehgelände mit kurzen Passagen mit Einsatz der Hände. Der Übergang dauert kaum eine Viertelstunde.

Abstieg auf einen schmalen Gratabschnitt mit kurzem Stück mit Fußbreite

Die Westliche Partenkirchner Dreitorspitze ist die meistbesuchte der drei Spitzen. Ein versicherter Steig, der Barthsteig, führt von den Schuttreisen unterhalb des Grates über ein paar Kehren auf diesen Gipfel und somit die Westliche auch die einfachste aller Partenkirchner Dreitorspitzen.

Rückblick vom Westgipfel der Partenkirchner Dreitorspitze auf den Mittelgipfel

Im Kletterfieber und angeregt von dem tollen Grat genehmigten wir uns lediglich eine Trinkpause auf der Westlichen Dreitorspitze, da jetzt der interessanteste Gratabschnitt vor uns liegen sollte.

Fortsetzung der Überschreitung nach dem Verlassen des Barthsteiges

Am Barthsteig etwa 50 m abgestiegen passiert jener unterhalb der gelben Felsen (im Rückblick) den Gratverlauf und man verläßt ihn am breiten schuttigen Grat in Richtung Süden, während er sich nach Norden fortsetzt.

nach dem ersten Gratbuckel im Abstieg

Am Grat steigt man nun über Stufen abwärts bis zu einer leichten Scharte als Tiefpunkt und auf diesem Teil sind die interessantesten Kletterstellen im Abstieg zu begehen. Sie sind alle durchwegs leicht, eine schlecht einsehbare Stelle sind wir im Zickzack auf einem schuttigen Band auf der Westseite umgangen.

Abstieg zu einer netten Kletterstelle

Der Abstieg beginnt im Gehgelände und führt am breiten Grat über den ersten Kopf auf die nächst tiefere Scholle hinab. Am Ende bricht  die Scholle mit leichtem Abstieg auf die nächste Ebene ab und führt über ein paar kleine Erhebungen auf einen größeren Kopf mit großem Steinmandl. Am Weg dorthin eine schöne Kletterstelle über gelben, aber festen Fels hinab.

Abkletterstelle hinter dem Block

Anschließend erfolgt der Abstieg zur tiefsten Einschartung am Grat und dort folgen die schönsten Teile am Grat.

die interessantesten Stellen der Überschreitung liegen nun voraus

Gleich am ersten Abbruch fand Simon die Umgehung des direkten Gratstückes über etwa vier Meter Höhe als einfacher und wählte den Weg über das Band im Zickzack hinab.

die erste Stelle nehmen wir über ein Umgehungsband

Im Rückblick gesehen wäre auch der direkte Verlauf gut möglich gewesen. Manchmal brechen Stellen leicht negativ ab, d. h. der nächste Tritt bleibt dem Auge verborgen und Suchen mit dem Vorderfuß ist angesagt. Dieses Spielchen ersparten wir uns an dieser Stelle.

Simon am Band

Die nächste interessante Stelle folgt sogleich und man nimmt sie auf ihrer Ostseite. Etwa fünf Meter sind dabei im festen Fels abzuklettern und das Gelände findet sich dort an beiden Seiten etwas ausgesetzt, eine schöne Stufe für den Gratkletterfreund.

diese Stelle begeht man etwas ausgesetzt auf ihrer Ostseite

Unterhalb dieser Stelle müssen noch ein paar Meter abgeklettert werden, dann ist der tiefste Punkt erreicht und über einen zunächst schärferen Teil führt Grat in allmählich sich ausbildenden Gehgelände auf den nächsten runden Gratbuckel hinauf.

die etwas ausgesetzte Stelle im Rückblick

Wir haben den schmalen Teil auf einem Band auf der Ostseite genommen. Nach kurzer Strecke bedarf man auch der Hände nicht mehr.

schmaler Grat im Tiefpunkt des Grates, dahinter leichter Anstieg auf den runden Kopf im Gehgelände

Am Gratbuckel befindet sich wieder ein großer Steinmann, so wie überhaupt auf der gesamten Strecke dann und wann ein kleinerer zu finden ist. Die Hilfe der Steinmandeln am direkten Grat ist zum allergrößten Teil nicht wirksam, weil die Route ohnehin logisch ist.

am runden Kopf mit Blick auf die Einsattelung und der letzten Kletterstelle auf der Südseite des Kopfes vor dem Bergstock der Leutascher Dreitorspitze

An diesem Punkt beginnt der leichteste Teil der Überschreitung, der, bis auf eine Stelle nach der sofort folgenden Einsattelung, eigentlich nur mehr Gehgelände darstellt. Bei der Flanke auf den nördlichen des Doppelgipfels der Leutascher Dreitorspitze benutzt man zwar noch die Hände, eine Kletterei im eigentlichen Sinn erfolgt dort aber nicht.

Rückblick über den bisher zurückgelegten Teil; die interessantesten Stellen befinden sich leicht links des Bildmittelpunktes

Jenseits der Einsattelung führt ein Vorkopf mit schrägen Platten auf den Hauptkopf hinauf, der an seiner Südseite steil über plattiges Gelände abbricht. Die Stelle wird über etwas kleingriffiges Gelände im festen Fels abgestiegen und war sozusagen die letzte Kletterei vor der Leutascher Dreitorspitze. Man könnte sie an ihrer Ostseite auf schuttigem Band umgehen aber wir fanden, daß sie oben herum schöner zu begehen war.

bereits am nördlichen Vorgipfel zur Leutascher Dreitorspitze

Etwa 60Hm sind von dort auf der Nordflanke des ersten der Doppelgipfel noch aufzusteigen. Am Hochpunkt besteht ein guter Überblick über die gesamte Überschreitung. Zum Kreuzgipfel der Leutascher Dreitorspitze hin trennt eine Einsattelung von der auch die berühmte brüchige Rinne auf das Platt hinunterzieht, über die auch unser Abstieg erfolgte.

hinter Simon der Aufstieg zum Kreuzgipfel der Leutascher Dreitorspitze

Wir verweilten nicht lange am nördlichen Gipfel sondern stiegen zum Kreuzgipfel auf, der anstelle Leutascher Dreitorspitze auch „Karlspitze“ genannt wird. Welche Bewandtnis dieser Alternativnamen hat, konnte der Autor noch nicht ergründen.

der brüchigen Rinne zwischen den beiden Leutascher Dreitorspitzen oberer Teil

Die Leutascher Dreitorspitze ist mit 2.682 m die höchste aller Dreitorspitzen und bereits vom Tal aus ein markanter Punkt im Wettersteinzug.

Autor am recognosciren der abgeschlossenen Überschreitung; rechts unten die Meilerhütte

Leider fehlt das Gipfelbuch, dafür wurde der Versuch unternommen die Kreuzabspannung als Faradayschen Käfig auszubilden und das Erdungsband ist nicht (mehr) im Fels verankert – es hat bessere Zeiten gesehen.

Überschreitung der Dreitorspitzen im Detail

Allseitig besteht ein toller Ausblick auf die Umgebung und bis weit in das Karwendel hinein. Am unserem Tag konnte mit Leichtigkeit und freiem Auge das Überschalljoch erkannt werden und durch die Falkengruppe hindurch die Hochiss im Rofan in immerhin fast 49km Entfernung.

Blick von der Leutascher Dreitorspitze auf den tollen Öfelekopf und die Arnspitzen im Osten, dahinter das Karwendel und – wer sehr gut sieht – bis ins Rofan

Richtung Südwesten ein spektakuläres Bild mit dem nahegelegenen Schüsselkarbiwak, das als roter Punkt am Grat eindrucksvoll wirkt und dahinter die Miemingerkette sowie weiter westlich der fortführende Wettersteingrat bis hin zum Zugspitzmassiv.

Schüsselkarbiwak mit Miemingerkette im Hintergrund

Die beiden markanten Spitzen link neben dem Wettersteingrat sind die Ehrwalder Sonnenspitze und dahinter die Namloser Wetterspitze (37,5 km entfernt). Mit dem Glas konnten wir direkt hinter dem Grünsteingipfel den Muttekopf bei Imst bzw. die Feuerspitze im Arlberggebiet der Lechtaler, in 62 km Entfernung erkennen.

phantastische Aussicht zur Zugspitzregion und bis zum Arlberggebiet

Die Überschreitung könnte noch um den letzten Gratteil vom Gipfel Richtung des südostseitig weiterführenden Grates erweitert werden. Hierzu muß in die Scharte mit einem weiteren Vorgipfel abgestiegen werden.

Fortsetzung der Überschreitung mit Abstieg über den Südostgrat der Leutascher Dreitorspitze – der obere Teil für uns nicht „koscher“ genug

Das Gelände hinab zur Scharte wies einige junge Brüche auf und erschien uns wenig erstrebenswert, ebenso das abschüssige Band, das wir, weil mit viel Schutt gefüllt, ebenfalls nicht als einen sonderlich erstrebenswerten Abstieg empfanden.

Simon ist schon durch die brüchige Rinne hindurch und wartet am Schuttkegel den wir in direkter Linie auf das Platt abfahren

Über die brüchige Rinne nördlich vom Kreuzgipfel abzusteigen war zwar auch kein Vergnügen, aber so schlimm wie sie in so manchem Bericht dargestellt wird erschien sie nicht. Natürlich geht einiger kleinstückiger Schutt mit, aber der Großteil der Rinne (im schmalen Teil) weist festen Untergrund auf und die Seitenflanken sind kaum brüchig.

Mittelteil des Grates und Mittelgipfel in Bildmitte

Unten am Schuttkegel wählten wir den direkten Abstieg in der Reise und weiter zur Abbruchkante in das Puittal. Die Strecke ins nicht markiert, dann und wann trafen wir auf Steigspuren und auch auf ein nochmals aufsteigendes Gratstück mit einer Schönen Aussicht auf das Puittal.

Rückblick von der Kante zum Puittal auf die Leutascher Dreitorspitze

Unweigerlich begegnet man dann dem Steig vom Söllerpass zur Meilerhütte, bzw. auf den Söllerpass direkt und steigt den Steig nach Leutasch ab.

der schöne Öfelekopf mit seiner Nordwestkante, die einen tollen Aufstieg bietet

Die Grattour über die Dreitorspitzen erstreckt sich über 14,5 km Strecke, 1.790 Hm im Anstieg und wir benötigten dafür achteinhalb Stunden.

Leutascher Dreitorspitze am Parkplatz an der Grenze zwischen Oberleutasch und Unterleutasch

Alternativ kann über das schöne Bergleintal abgestiegen werden, eine Beschreibung davon ist beim eingangs gesetzten Link vom Öfelekopf zu finden. Die Tour wird damit um etwa eine dreiviertel Stunde länger.

Mils, 31.08.2019

Laliderer Falk, 2.427m

Der höchste Gipfel in der Falkengruppe, der Laliderer Falk, ist durch seine nicht ganz mühelose Besteigung ein eher einsames Ziel und sie kann als eine schöne Runde ausgeführt werden, mit einer rassigen Kletterei zu Beginn der Tour.

Laliderer Falk, 2.427m

Ausgehend vom Parkplatz P6 im Risstal wird zur Begehung als Rundtour über das Laliderertal in das Blausteigkar eingestiegen und von diesem über die Sprungrinne auf den Gipfel. Der Abstieg erfolgt über den Nordgrat und die Flanke des Turmfalken hinab in das Falkenkar mit Vollendung der Runde über einen bereits recht unbegangenen, halb verfallenen Steig um die nordöstlichen Waldhänge der Falkengruppe herum zurück zu P6.

links die runde Kuppe des Laliderer Falk, mittig Turmfalk und rechts Totenfalk

Wegen des wieder früh am Tag gewitterträchtig vorausgesagten Wetters starteten wir kurz nach sieben Uhr vom Parkplatz zum Steig in das Laliderertal, der Risstalstraße gegenüberliegend.
Das Laliderertal beginnt mit einer kleinen Geländestufe von etwa 100 m zum Risstal und der Steig führt auf den Fahrweg zur Lalidersalm. In der Morgenstimmung erscheinen die imposanten Laliderer Wände als mächtiger, unüberwindbarer Talabschluß im Morgenlicht.

auf dem Almweg ins Laliderertal einwärts

Nicht ganz auf halbem Weg zur Lalidersalm führt der eher flache Weg über zwei Kurven hinab in die Talsohle und östlich davon wieder mit leichter Steigung taleinwärts. Rechterhand öffnet sich mit zunehmender Einsichtigkeit eine Schlucht hinter der bis dorthin uneinsehbaren Flanke, die den Marchgraben bildet.

das Blausteigkar oben wird sichtbar, der Einstieg noch nicht

Über den Bachlauf oder dem begrenzenden südlichen Schuttkegel wird zum Beginn der Schlucht aufgestiegen.

die imposanten Laliderer Wände im Morgenlicht

Massive Reste des ungewöhnlichen Winters 2018/19 konnten wir selbst im späten August noch bestaunen. Gebrochene und abgerutschte Eisschneebrocken im
Bachlauf mit Dimensionen von Wohnzimmern nebst meterhohen Lawinenresten schafften eine Atmosphäre wie am Gletscher auf etwa 1.300 m – im Karwendel.

Anstieg zum Marchgaben

Die Schlucht zwingt zur Besteigung auf der rechten Seite im Aufstiegssinn und hier treten auch bereits die schwierigsten Abschnitte der gesamten Tour deutlich hervor.

gewaltige Dimensionen der Brocken

Wir hielten uns recht nahe am Bach und konnten die eine etwas ausgesetzte Stelle genau feststellen, die der Beschreibung des AV-Führers mit III- entspricht. Das restliche Gelände mit Bewertung II haben wir ebenfalls so empfunden.

Einstieg im Marchgarben

Möglicherweise könnte weiter entfernt vom Bach, bzw. von der Grabenverschneidung, über die begrünten Partien leichter aufgestiegen werden.

nach der Schlüsselstelle

In unserem Aufstieg waren vor und nach der Dreierstelle allerdings zwei alte Haken erhalten, die für die Wahl unserer Route als Normalaufstieg in der nordöstlichen Grabenflanke sprachen.

Schlüsselstelle

Nach Überwindung der ersten Steilstufe betritt man nach wenigen Minuten weiteren Aufstieges eine Flachstelle des Bachbettes, von der aus das folgende Gelände um den Bach weniger steil fortsetzt. Rechts im Aufstiegssinn muß jedoch noch eine unangenehme, eher griffarme Plattenfläche erklommen werden, bevor leichteres Gelände erreicht wird.

flacherer oberer Teil des Marchgrabens

Der AV-Führer spricht hier von einem Wechsel auf die linke Seite und der Fortsetzung des Aufstiegs in einem Rechtsbogen bis unter die Latschen.

Blick auf die Felsflanke gemäß Aufstieg AV-Führer

Gleich nach dieser Stelle trafen wir auf die nächsten Lawinenreste, die in ihren Dimensionen recht beeindruckend wirkten, nimmt man geodätische Höhe und Jahreszeit ins Kalkül. Dieser obere Bereich im Graben mutet an als könnte er gerne von beachtlichen Schneemassen gefüllt werden, die möglicherweise manchen Sommer überleben. Angesichts der heuer im späten August noch signifikant vorhandenen Massen jedenfalls den heurigen.

das einsame Kar beherbergt eine heute seltene Alpenblume

Mit unserer Entscheidung rechts vom Lawinenrest anzusteigen erkauften wir uns auch eine Querung der Flanke vom Laliderer Falken herunter. Oberhalb der Schlucht mit steilte die Flanke auf, bot aber guten Wettersteinfels zur Querung nach Osten in das unters Blausteigkar.

Erkundung einer Querung in die gegenüberliegende Flanke ohne Aussicht auf Erfolg

Ein Steinmandl inmitten der Querung ließ und wissen, daß nicht nur die Route des Führers, die unterhalb der Lawinenreste bereits die Flanke gewechselt hätte, sondern auch unsere Route eine öfters begangene Route sein sollte.

Querung oberhalb der Latschen beschlossen

Am Weg durch den eher abwärts geschichteten Fels in der Flanke lösten wir einige lose Partien aus, die mit dem typischen Geruch organischen Materials auf die Lawinenreste talwärts sausten und rasch verstummten. Ein Zeichen, daß der Anstieg ins Blausteigkar doch nur wenig frequentiert wird.

Querung durch die Felsflanke (Stellen II)

Wie noch jede wenig sympathische Querung endete auch jene mit dem positiven Gefühl anschließend erstrebenswerteres Aufstiegsgelände zu erreichen. Tatsächlich setzte sich der weitere Aufstieg in einer bewachsenen Steilflanke mit gutem Untergrund und Gamssteigspuren fort, bevor wir das Gelände, im Ansatz zum eigentlichen Blausteigkar hin, noch mit – für das Karwendel – untypischem und sehr großem Blockwerk gefüllt vorfanden.

Rückblick am Ende der Querung

Die Strecke durch das Blockwerk war mit etwa weniger als 100 Hm allerdings auch kurz und am Neigungswechsel zum Kar hin verschwand dieses auf knapp oberhalb von 1.900 m sehr rasch wieder.

am Ende der Querung

Das Blausteigkar erscheint nicht als typisches Karwendelkar, bei dem alle begrenzenden Flanken ihre Schuttreisen in das Kartiefste abladen.

daher der Name Blausteigkar?

An seiner Nordostbegrenzung, zur Sprungrinne des Laliderer Falken hin begrünt, vom Süden des Steinfalk herunter mit mächtigen Reisen beladen und im Westen mit einer fest erscheinenden und ebenfalls begrünten Flanke auf den Verbindungsgrat zwischen dem Pkt. 2.317 m und dem Steinfalken hin eher flach anmutenden Flanke erscheint es atypisch, vor allem bei der Begehung von unten.

im blockgefüllten Teil des unteren Blausteigkars

Die Sprungrinne, vom begrünten Schuttkegel aus gut einsehbar, erfordert vom Tiefsten des Blausteigkars aus noch einen kurzen mühsamen Aufstieg durch die Schuttreisen unterhalb ihres Endes.

die Sprungrinne erstmals sichtbar

Mag die erste Einschätzung der Sprungrinne von ihrem unteren Ende aus für das Auge recht undeutlich die linke Begrenzung als die geeignete erscheinen lassen, so wird noch weit vor Erreichen der ersten hundert Aufstiegsmeter klar, dass die rechte die richtige Wahl ist.

die Sprungrinne erreicht

Beide Flanken der Rinne neigen sich bald leicht gegen Osten und der Plattenfels der rechten Begrenzung tritt klar als die bessere Aufstiegsroute hervor.

Beginn der Kletterei in der Sprungrinne

Leicht zu klettern und weg von der uneinsehbaren, teils beklemmenden Rinnenverschneidung steigt es sich in der rechten Flanke der Sprungrinne komfortabel bis zur Verschmälerung, etwa nach zwei Drittel des Gesamtaufstieges zum Grat.

Rückblick auf das Blausteigkar

An dieser Stelle tritt der geologische Wechsel zwischen Muschelkalk und Wettersteinkalk – wie uns ein Altmeister der Geologie Tirols, Otto Ampferer, lehrt – deutlich zutage und sogar dem Laien muß die Andersartigkeit der Felsflächen westlich und östlich der Sprungrinne ins Auge fallen. Der Autor nimmt an, daß die Bezeichnung „Sprungrinne“ mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung von dem von Ampferer beschriebenen „Sprung“ der geologischen Abfolge abgeleitet ist.

guter Fels rechts der Rinnenverschneidung

Im Aufstiegssinn rechts der Sprungrinne klettert man also auf (etwa ein paar Millionen Jahre) jüngerem Wettersteinkalk und die Unterschiede der beiden Rinnenseiten treten auch topografisch deutlich zutage.

Rückblick auf die ersten 50Hm Kletterei

Im Mittelteil folgt dem gutgriffig steil geschichteten Fels eine interessant kletterbare Plattenfläche, durchzogen von feinen bis groben Rissen, die in verschiedenen Schwierigkeitsstufen geklettert werden kann.

schöner Plattenkalk über etwa 40Hm

Die Verschneidung dieser (offenbar die Scherfläche des Sprungs) Fläche mit dem links (westlich) anlagernden Muschelkalk erwies sich in der Kletterei nicht so fein als die offene glatte Fläche, sodaß Holger nach anfänglichem Probieren auch auf die Platte wechselte.

Holger versucht in der Verschneidung zu klettern – quert dann auf die Platte

Gegen das obere Ende der Platte hin wird wieder gegen die Verschneidung hin gequert. In dieser Querung befanden sich bei unserer Begehung ein zwei kurze Züge, bei denen wir zwischen Feuchtflächen über die Platte herab auf Reibung angewiesen waren, die man durchaus als etwas anspruchsvoller (II bis -III) empfunden könnte.

rassige Stellen auf der Platte

Die Querung erfolgt zu einem schwarzen Schlund aufsteigend, der rechts liegen gelassen wird (leider hat der Autor verabsäumt die höhlenartige Vertiefung näher zu inspizieren) und an dessen Westseite durchaus steil zu einer gelblichen Störzone mit viel jungem Bruch weiter aufgestiegen wird.

unterhalb des Seitenwechsels

Wenig oberhalb der gelben Stellen verschwindet die schlechte Geologie wieder und die Rinne verbreitert sich. Unter viel Schutt als Füllung der flachen oberen Partie der Rinne wird die Scharte zwischen dem südwestlichen Vorgipfel und dem Hauptgipfel des Laliderer Falk erreicht.

durch die Störzone in den obersten Teil der Rinne

Über eher glatten jedoch genügend strukturierten Fels kann nun kurz vor der Scharte in leichter Kletterei östlich auf den Gipfelkamm, oder von der Scharte nordöstlich ohne Kletterei direkt zum Gipfel aufgestiegen werden.

Rückblick auf den Seitenwechsel

Den Gipfel des Laliderer Falk ziert kein Kreuz, obwohl er die höchste Erhebung in der Falkengruppe darstellt. Das Gipfelbuch wird im üblichen Gipfelsteinmandl verwahrt.

Jürgen und Holger oberhalb der Scharte – links von ihnen geht es auf Steigspuren zum Gipfel

Der Tiefblick auf die Ausgangsstelle im Laliderertal – dem Marchgraben –  erscheint vom Laliderer Falk in besonders eindrucksvollem Winkel von 50° zur Horizontalen, den man mit dem großen Höhenunterschied von 1.300 Hm nicht sehr häufig im Karwendel in dieser Dimension vorfindet.

den Gipfel des Laliderer Falk erreicht

Natürlich mit Ausnahme der naheliegenden Laliderer Wände, die zwar über einen weit steileren Winkel, allerdings nicht über einen dermaßen großen Höhenunterschied zur Basis verfügen.

beeindruckender Tiefblick auf den Ausganspunkt Marchgraben

Glücklicherweise schien uns das Wetter hold zu bleiben. Die umliegenden Gipfel waren zwar teilweise von Nebeln gesäumt, besonders eindrucksvoll das sieben Kilometer und 40 m höhere Sonnjoch im Osten.

Sonnjoch im Osten mit Nebelhaube, rechts Gamsjoch

Leider erlaubte die Bewölkung auch keine sonnenbeschiene Aufnahme der grandiosen Gratüberschreitung vom Kleinen Falk zum Risser Falk, die wir wenige Wochen zuvor mit großem Vergnügen durchgeführt haben.

Risser Falk und Kleiner Falk gegenüber – dazwischen die tolle Gratüberschreitung

Die weitere Planung – falls das Wetter halten sollte – bestand in der Erweiterung der Tour zur Runde über die Scharte zwischen Laliderer und Turmfalk, sowie dem Abstieg durch die Westflanke des Turmfalks (im Bild vom Risser Falk aufgenommen und mit Abstiegsroute) und diese gingen wir nach einer moderaten Gipfelpause an.

Abstieg über die Westflanke am Turmfalk

Zunächst muß vom Hauptgipfel des Laliderer Falk einige Dutzend Meter abgestiegen werden, um die Verbindungsscharte mit dem vorgelagerten Nordgipfel zu erreichen.

Abstieg über Rinnen vom Hauptgipfel bis zur Querung zur Verbindungsscharte mit dem Nordgipfel

Der Abstieg ist zum Teil mit Steinmandln gekennzeichnet, es bedarf jedoch guter Augen, um jene von oben immer auszumachen.

Querung zur Scharte

Aber auch ohne diese wird der Weg in der Nordwestflanke gefunden. Bei einem etwas größeren Schuttfeld nach dem Abstieg in kurzen Rinnen wird gegen Nordosten gequert und mit einigen Aufstiegsmetern die Scharte erreicht.

Querung in die Scharte

Jenseits derselben steigt es sich vorzüglich über ein gewendeltes schuttiges Band, das vom Hauptgipfel au gut auszumachen ist, bis zur Ostkante des Nordgipfels. Über diese steigen wir dann hinab auf den breiten schuttigen Nordostrücken des Laliderer Falk.

Scharte

Am Rücken hielten wir uns in Gratnähe zum Abbruch ins Laliderertal hinab (der Abstieg direkt auf der zentralen Fläche am Rücken wäre der Mühlviertlerweg) und über die grasigen Hänge in Schartennähe zum Turmfalk hin querten wir wieder auf diese zu.

erste Abstiegsmeter auf der Nordseite

Beim Anblick des Turmfalken von der Scharte aus reifte die Idee eines weiteren Abenteuers, aber dieses wird später einmal beschrieben werden.

phantastisch anzusehender Nordgrat mit Turmfalk und Totenfalk

Der Abstieg über die Nordostflanke ist kein sonderlich schwieriger, jedoch erfordert er eine gute Portion Orientierungsvermögen. Die Hangneigung ist groß und über die gesamte Strecke von oben uneinsehbar.

Vorbereitung auf den Abstieg

Kommt man also erstmals im Abstieg auf den teilweise vorhandenen Steig, so ist man sehr auf die Steinmandln und eben auf eigenes Orientierungsvermögen angewiesen.  In unserem Fall erwies sich das „Recognosciren“ von der Gegenseite – einige Wochen vorher, vom Risser Falk aus – als vorteilhaft für das Vorhaben.

Abstieg von der Scharte aus gesehen

Im Prinzip folgt der Abstieg im oberen Teil einem langen, abfallenden Band, das eine Trennfläche im Gebirgsaufbau darstellt. An der entscheidenden Stelle, in der man das Band verläßt und über eine Rinne in der Falllinie weiter absteigt, fehlt die Markierung durch ein Steinmandl – höchstwahrscheinlich aufgrund der ungünstigen Geländeform, die eine dauerhafte Markierung erschwert.

Rückblick auf die Nordostflanke des Laliderer Falk

Die Steigspuren verschwinden in grobem Kies und auf dem gewachsenen Fels in der Rinne, sodaß wir zunächst vor der Situation standen, am schrägen Band, dem wir so lange gefolgt sind, schon auf der nächst folgenden flacheren begrünten Rippe plötzlich keine Steinmandln und Steigspuren mehr vorzufinden und andererseits den Abzweig nach links in die Rinne aber auch nicht klar als Fortsetzung des Abstieges zu erkennen.

Rückblick auf den ersten Teil des Abstieges am abfallenden Felsband

Zunächst suchten wir vergebens auf der nächsten Rippe in etwa 200 m Entfernung eine Markierung mittels Steinmandl zu entdecken. Diese nächste Rippe ist leicht erkennbar, da sie vollflächig mit Latschen bewachsen ist und somit einen markanten Punkt darstellt.

typischer Steigverlauf über Rippen hinweg mit Steinmandln

Etwas irreführend sind die Steigspuren durch die Latschen, die wahrscheinlich nur Gamsspuren sind.
Damit lag also relativ klar auf der Hand, daß das lange abwärtsführende Band an dieser Stelle zu verlassen und in die Rinne vor der begrünten Rippe auf der wir standen einzusteigen ist.

an dieser Stelle im Steig zieht sich eine breitebegrünte Rinne bis zur Scharte zwischen Totenfalk und Turmfalk – das ist noch nicht die Abstiegsrinne

Als zweite Möglichkeit kam die breitere Rinne nördlich voraus in Betracht und ehe wir alle einig waren welche wir nehmen sollten steig Simon zur Erkundung nördlich voraus hinab.
Wir drei nahmen nun die Rinne am Ende der Steigspuren vor der Rippe auf der wir standen und entdeckten einige Dutzend Meter tiefer wieder Steinmandln – die Entscheidung war also richtig.

Ausblick auf die noch bevorstehenden Rippen

Weiter unten, etwa 100 Hm, sahen wir dann auch schon Simon beim rückwärtsqueren zur Rinne, in der wir uns befanden.

weiterer Abstieg durch steiles Gelände zur nächsten Rippe; unten sieht man die nächste Rippe vor der man ohne Steigspuren links in die Falllinie dieser Rinne absteigt

Die Rinne wird bis zu einer größeren Latschenfläche abgestiegen und dort wendet sich die Route im Abstiegssinn nach links (südlich) und quert recht flach zum Falkenkar hinaus.

Holger im Abstieg; hinten sieht man die letzte Rippe, die nicht mehr überschritten wird

Die Querung umgeht quasi noch einen letzten Steilabbruch und mündet in einen Schuttkegel sanft auf die Karwiesen ein. Das Falkenkar wird etwa auf einer Höhe von 1.780 m erreicht.

der Ausgang aus der Westflanke zeichnet sich ab

In der Frontalansicht vom Risser Falk gegenüber sieht die gesamte Route durch die Westflanke des Turmfalk logisch aus, die Tücke bei der Erstbegehung von oben ist aber, daß jeweils recht wenig des Abstieges einsehbar ist und über den Großteil der Westflanke im untersten Teil ungangbare, oder nahezu ungangbare Abbrüche warten, die man im Abstieg nicht herausfordern muß.

unten quert Simon zurück

Der restliche Abstieg über das malerische Falkenkar erfolgt bis zur Forststraße auf etwa 1.130 m auf gut sichtbarem, schmalem Jagdsteig mit einigen Quellen zum Nachtanken. Eine Beschreibung davon ist hier zu finden.

Ausgang aus der Westflanke ins Falkenkar

Um von der Forststraße möglichst auf kurzem Wege zurück zu P6 zu kommen, wählten wir auf der AV-Karte einen Steig um das nordöstliche „Eck“ der Falken, um den in der Karte benannten „Äuerlstuhl“ herum, der unweit des Parkplatzes in die Rißtalstraße einmündet.

Rückblick auf den Steig – zwischen den Latschen in der linken Bildhälfte wird bis zur unteren rechte Bildecke abgestiegen

Der Steig wird über die Forststraße erreicht, über die mit leichter Steigung bis zu ihrem Ende angestiegen wird. Kurz vor dem Ende befindet sich ein Jägerstand und durch den Wald sieht man auf der dahinterliegenden Bergwiese einen kleinen Felssporn, der vom Ende des Weges aus im Abstieg erreicht wird.

oberhalb des mit Latschen bewachsenen Kopfes in der unteren Bildhälfte wird von links nach rechts gequert

An diesem Felssporn beginnt der halb verfallene Steig, der sich lange sehr höhenparallel durch den Wald zieht, bevor er in einen Forstweg einmündet und fallend zur Rißtalstraße ausläuft. Von dort zurück zu P6 über kaum 10 min entlang der Straße.

Ansicht vom Holzplatz auf das untere Falkenkar; links oben befindet sich die Rippe, die schon nicht mehr begangen wird, auf der Rippe vorher wird abgestiegen

Somit benötigten wir vom Holzplatz im Falkenkar (1.130 m) bis zu P6 nur 50 min, kürzten somit signifikant ab und entkamen dem einsetzenden Regen bei Bier und Kuchen in der Garberlalm.

verfallener Steig um den Äuerlstuhl herum

Die gesamte Tour erstreckt sich über 1500 Hm Aufstieg und 8 ¼ Stunden Gehzeit incl. Pausen. Die Länge der Strecke beträgt etwa 12,5 km.
Anmerkung: Wenn der Abstieg nach Norden nicht bekannt ist und aus Wettergründen (Nebel?) ein zügiger Abstieg zurück durch die Sprungrinne erforderlich erscheint, kann auch der klettertechnisch einfachere Weg über den Kamm, der das Blausteigkar westlich bildet und die Grüne-Rinn-Scharte ins Auge gefasst werden. Allerdings erfordert diese Variante einen weiteren Aufstieg aus dem Blausteigkar bis auf den Kamm (etwa 250m), sowie die Überschreitung der Erhebungen bis vor die Flanke des Risser Falk mit weiteren Aufstiegsmetern. Jeder Rückzug aus dem Blausteigkar ist also mit nicht zu unterschätzendem Aufwand verbunden – ins Laliderertal mit einem bei Nässe unangenehmen bzw. gefährlichen Abklettern in den Marchgraben und über die Grüne-Rinn-Scharte mit weiterem Aufstieg sowie erheblich größerem Zeitbedarf.

Mils, 25.08.2019

 

Hochiss, 2.299m und Dalfazerkamm-Überschreitung

Die Runde über die Dalfazalm zur Hochiss und zurück über den Dalfazerkamm bietet einen abwechslungsreichen Anstieg und im zweiten Teil, am Abstieg über den Kamm, tolle Blicke im Rofan und auf die Umgebung.

auf der Hochiss, 2.299m – Richtung Dalfazerkamm geblickt

Der Dalfazerkamm wurde zu einem markierten Steig ausgebaut und bietet dem Gratkletterfreund kaum Freuden im Fels. Das Gros der Strecke führt westseitig unter den Graterhebungen vorbei, die Aufstiege auf das Dalfazerjoch und die Erhebung südlich gegenüber dem Steinrigen Mann’l mit dem Gipfelkreuz liegen abseits des Steiges und lediglich der Aufstieg auf den Dalfazer Roßkopf führt durch ein paar Meter steilen Fels – seilversichert.
Der einzige kurze Aufstieg auf das die Steinrige Mann’l mit dem Gipfelkreuz bietet einen Hauch von Kletterei, wenn auch nur etwa über etwa 20m.

Start nach dem Kinderhotel in Buchau / Maurach

Touren im Rofan sind aufgrund des eher geringen Höhenunterschiedes vom Ausgangspunkt Maurach bis zum jeweiligen Gipfel ideale Tagestouren bei vorausgesagtem Schlechtwettereinbruch am Nachmittag, oder wenn nicht genügend Zeit vorhanden. In zweieinhalb bis drei Stunden ist die höchste Erhebung, die Hochiss, mit einem geodätischen Höhenunterschied von 1.370m erreicht.

Wasserfall Dalfazbach

Den Startpunkt bildet der Parkplatz bei dem neuen Schwimmbad oder jener beim Kinderhotel in Buchau. Die Parkgebühren sind enorm und für den Bergsteiger gibt es intelligenterweise die Wahl zwischen vier Stunden um 5.- oder 24 Stunden um 8.-.

auf der Teisslalm

Gleich hinter dem Hotel führt der Weg bergan und kurz nach dem Schranken und der ersten Kehre führt der Steig links weg bald neben dem Dalfazbach durch den Wald fast bis zum Wasserfall hinauf. Fast deshalb, weil die letzte Strecke nicht mehr ausgeschnitten wurde und es sich morgens bei Tau empfiehlt in der Kehre zurück auf den Weg zu wechseln und diesen bis zum Ende am Wasserfall zu nehmen.

Dalfazalm Richtung Überschreitung geblickt

Der Wasserfall ist es wirklich erblickt zu werden, die Stufe ist schätzungsweise gut 50m hoch und es gibt eine Aussichtsplattform.
Weiter führt nun ein fortwährend breiter Steig durch den restlichen Wald bis zu den Wiesen der Teisslalm (1.310m) und weiter bis zur Dalfazalm auf 1.697m.

Dalfazalm, 1.697m

Durch die malerische Dalfazalm führt der Steig weiter in Richtung Kotalmsattel und weiter zum Streichkopfgatterl. Ein Weidezaun ist in der Alm zu übersteigen, das einzige Hindernis im Gelände.

in der Dalfazalm Richtung Kotalmjoch

Nach dem Kotalmsattel steilt der Weg zum Kamm hinauf etwas auf und das eher flache Almgelände endet. Links nach Nordwesten geblickt befindet sich der Kamm mit dem Kotalmjoch, im Winter vom Achenseehof eine tolle Schitour.

am Kotalmsattel

Die 200Hm vom Kotalmjoch auf das Streichkopfgatterl, bzw. den Beginn des Dalfazerkammes führen im Mittelteil durch zwei Felsen und oberhalb wieder durch Bergwiesen. Rasch ist man oben am Streichkopfgatterl.

weiterer Steigverlauf auf den Kamm

Die Kammüberschreitung könnte hier schon beginnen, jedoch sollte für den grandiosen Blick auf den Dalfazerkamm und auch wegen der leichten Erreichbarkeit auf der Runde die Hochiss bestiegen werden, die sich hinter dem Streichkopf im west/östlich verlaufenden Hauptkamm des Rofan versteckt und diesen Gipfel mitnehmen. Der geringe Höhenunterschied von etwa 120m und die kurze Strecke von etwa 550m lohnen sich allemal und je früher am Vormittag man dort ist, desto mehr hat man den Gipfel für sich alleine. Zeitbedarf ab dem Streichkopfgatterl hin/zurück mit kleiner Pause etwa 40min.

am Dalfazerkamm angelangt

Am Gipfelsteig, der ein Ausläufer vom Normalweg ist, kommt man den Nordabbrüchen nahe und sollte entsprechend vorsichtig sein.

Blick nach Osten Richtung Hochiss (nicht sichtbar)

Von der Hochiss bietet sich ein guter Überblick über das Rofangebirge. Im Osten kann man zwischen  Spieljoch und Seekarlspitze hindurch den Roßkopf und leicht links davon den majestätisch aufragenden Sagzahn in weiterer Entfernung sehen.

Hauptkamm des Rofan mit Spieljoch, Seekarlspitze, Roßkopf und Sagzahn

Ebenfalls im Osten endet der Hauptkamm mit der Rofanspitze und Rofanturm, bevor der Felsaufbau in die flachen Bergwiesen des Sonnwendjochs übergeht.

die Überschreitung im Zoom

Gen Norden geblickt finden sich noch die beiden Unnütze und der mächtige Guffert, bevor die Brandenberger Alpen Richtung Nordosten abebben.

Unnütze und Guffert

Zurück am Streichkopfgatterl, dem nördlichen Ausgangspunkt der Dalfazerkamm-Überschreitung, beginnt der Kamm, der seine leichte Hangseite im Westen hat, mit dem Abstieg in einen langen Sattel.

Beginn der Dalfazerkamm-Überschreitung

Der etwa 50Hm hohe Aufstieg vom Tiefsten im Sattel auf das Dalfazer Joch erfolgt nicht – der Steig schwindelt sich um den flach ausgeprägten Gipfelaufbau an seiner Westseite herum und trifft den eigentlichen Gratverlauf erst wieder an dessen Südseite.

Dalfazer Joch – der Steig führt rechts (westlich herum)

Wer das Dalfazer Joch dennoch besteigen will, folgt kurz vor dem Gipfelaufbau einem noch gut erkennbaren Steig nach links oben und erreicht das Steinmandl am begrünten Rücken. Besonders ausgeprägt ist dieser flache Gipfel mit 2.243m Höhe nicht.

Dalfazer Joch Gipfel

An seiner Südseite kann recht unbequem auf schrägem Plattenfels ein paar Meter zum Steig abgeklettert werden.

die Steinrigen Mann’ln im Süden und der interessante namenlose Sporn dahinter

Weiter geht es zu den Steinrigen Mann’ln, die zwischen dem Dalfazer Joch und der nächsten Erhebung liegen und wovon jenes, das dem Steigverlauf näher liegt, ein kleines Alu-Gipfelkreuz trägt.

Steinrige Mann’ln

Natürlich mußte der Autor die Gelegenheit sofort wahrnehmen und das Mann’l erklimmen. Dies geschah über einen tiefen Kamin an seiner Südseite, sowie nach dem Ende dieses, über ein paar Meter Grat und noch ein paar Meter auf den Gipfelkopf.

auf dem Steinrige Mann’l nach Norden geschaut

Der Aufstieg im Kamin ist leicht, er ist etwa einen Meter breit und hat durch den eigenartigen Plattenfels, der im Rofan sehr charakteristisch ist, jede Menge Tritte und Griffe die schmale Vorsprünge bilden.

weiterer Kammverlauf

Die Aussicht von diesem Turm auf den im Süden thronenden namenlosen Gipfel ist beeindruckend und man fragt sich, ober dieser an seiner Nordseite bestiegen werden kann (um es vorwegzunehmen: Es scheint ein undeutlich zu erkennender Steig zu den Gipfelfelsen hinauf abzuzweigen, der Autor hat es bei dieser Erstbegehung jedoch nicht versucht).

Grandios ist auch der Blick auf den Achensee und das dahinterliegende Karwendel.

toller Blick auf den Achensee und in das Karwendel

Gleich anschließend am Steig folgt die schön anzusehende Schuppe, die wiederum an ihrer Westseite umgangen wird, die jedoch auch von der Südseite über eine üppige Wiesenfläche erstiegen werden kann. Am Hochpunkt kann der südseitige Kamin des Steinrigen Mann’ls mit dem Gipfelkreuz eingesehen werden, sowie auch der weitere Aufstieg bis zum Gipfelplateau.

das erklommene Steinrige Mann’l – auf der Südseite sieht man den Kamin gut

Von dieser Schuppe führt der Steig nun etwas tiefer hinab, zuerst durch Wiesen, dann durch Latschen bis zu einer Scharte, die an der Nordwand des Dalfazer Roßkopfes endet.

Dalfazer Roßkopf im Süden

Der Aufstieg ist mit zwei Seilstrecken versichert, würde aber auch ohne diese keine besonderen Fähigkeiten erfordern. Oben am grünen Plateau des Dalfazer Roßkopfes (2.143m) befindet sich eine Windmessstation und gleich fällt der schöne Tiefblick zum Achensee auf.

die Scharte und die Aufstiegswand des Dalfazer Roßkopfes

Die letzte Etappe der Überschreitung, der Steig zum Rotspitz, liegt fast völlig einsehbar vor dem Betrachter.

das letzte Etappenziel – der Rotspitz

Hinab über Wiesen bis zu einer Latschenstrecke, die einmal den atemberaubenden Blick über die Dalfazer Wände hinab und den steilen Schuttkaren darunter freigibt, zieht sich der Steig in eine Einsattelung, um jenseits über wenige Aufstiegsmeter bis zur Grathöhe zu gelangen.

Rückblick auf den Sporn im Norden

Von der Grathöhe aus kann der scheinbar gegenüber dem Grat nach Osten versetzte Turm des Rotspitzes bewundert werden. Bei genauer Betrachtung erkennt das geschulte Auge, daß der gesamte Grat sich dort ostwärts abwinkelt und in Richtung Erfurter Hütte ausläuft.

Rofan Richtung Nordosten

Durch den Sattel ist man schnell am Rotspitz Gipfelaufbau und am Gipfelkreuz angelangt.
Von dort können die eindrucksvollen Dalfazerwände und ein großer Teil der Überschreitung eingesehen werden.

Rotspitz Gipfel

Ebenfalls fällt das rote Band von Felsen im Hochtal sofort ins Auge und wer dessen Verlauf nach Norden folgt erkennt, daß es just oben westlich vom  Streichkopf endet, wo man vorher, am Weg zur Hochiss, durch den engen Riss auf und abgeklettert ist.

ein letzter toller Blick nach Südwesten

Dieses rote Gestein ist Jurakalk, der zwischen den triassischen grauen und festen Oberräthkalken durch Überschiebungen sichtbar wurde.

Rückblick auf die Dalfazerkamm-Überschreitung

Auf dem kühnen Sporn des Rotspitz endet die Überschreitung des Dalfazerkammes. Ein häufig rutschiger steiler Steig führt hinab zum Verbindungsweg zwischen der Erfurter Hütte und der Dalfazalm. Bei diesem Teil des Steiges ist Vorsicht wegen der Rutschgefahr angeraten, wenn es an den Vortagen Niederschlag gegeben hat.

kühner Zacken – Rotspitz

Der leicht fallende Verbindungsweg führt über etwa einen Kilometer zur gut besuchten Dalfazalm zurück und dort wird über den Aufstieg nach Maurach abgestiegen.

Abstiegsgelände zum Verbindungsweg – die rutschigen Partien liegen in den Latschen

Die Runde ist etwa 13km lang, benötigt 1.550m Aufstieg gesamt und kann in fünf dreiviertel bis sechseinhalb Stunden bewältigt werden (incl. moderat kurze Pausen).

Mils, 15.08.2019