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Obere Wettersteinspitze, 2.297m – Überschreitung zur Rotplattenspitze 2.399m

Der Gebirgszug als Namensgeber des sehr festen Wettersteinkalkes wird an seinem östlichen Ende von den beiden Wettersteinspitzen begrenzt – unser Ziel stellte die höhere der beiden, die Obere Wettersteinspitze dar, von der aus die Überschreitung über den tollen Grat auf die Rotplattenspitze erfolgte.

Obere Wettersteinspitze in toller Stimmung

Weder der Südanstieg auf die Obere Wettersteinspitze noch der Abstieg von der Rotplattenspitze sind markiert. Es gibt einen Steig über die Klamm, die von der Rotplattenspitze herunterzieht – im oberen Teil in der AV-Karte mit „Dischlerklamm“ bezeichnet. An- und Abstieg sind sehr steil und die Runde über den Grat stellt den Höhepunkt dar, der die steile Zuwegung jedenfalls rechtfertigt.

die Tour im Detail - eine tolle leichte Runde
die Tour im Detail – eine tolle leichte Runde

Durch die vollständig auf der Wetterstein-Südflanke gelegene Rundtour über beide Gipfel können im späten Herbst die goldenen Tage mit der letzten Sonne genossen werden, auch bald am Morgen bei frühem Aufbruch.

im unteren Teil der Schotterreise, nach dem Ende des Waldes

Am Tag unserer Begehung allerdings mußten wir uns lange gedulden bis Simon und ich in den Genuß der so sehnsuchtsvoll erwünschten Bestrahlung kamen – erst gegen mittags beim Eintreffen am Gipfel der Rotplattenspitze lichteten sich die Hochnebel und die Sonne brach durch.

Anstieg zum Steig

Zunächst starteten wir in Lochlehen nach mulmigem Gefühl ob der Parkplatz wohl nicht jemandes Eigentum verletzte in den Wald nördlich des Weilers, der weithin sichtbaren Schotterreise zwischen den beiden Gipfeln zustrebend.

kurz vor dem Steig – der markante Vogelbeerstrauch im Herbst in rötlichem Kleid

Nach der kurzen Waldpassage wird über ein paar Minuten auf Forstwegen am unteren Ende der Reisen ein Jagdhüttchen erreicht, von dem ein deutlicher, aber teilweise unterbrochener Steig über Wiesen in die Schotterzone hinaufzieht.

Rückblick am Weg zum Umgehungssteig

Bevor sich die Reise zur Klamm ausformt liegen auf ihrer rechten Begrenzung zwei deutlich sichtbare Ausbuchtungen und bei der oberen der beiden zieht von der rechten Begrenzung der Reise ein wenig deutlich sichtbarer Steig nahezu im rechten Winkel hinauf an dessen oberen Ende bereits die ausgeschnittenen Latschen erkennbar sind, die den Beginn eines großzügig ausgeschnittenen Steiges bilden. Ein auffallend rot gefärbter Vogelbeerstrauch bildet im Herbst eine auffällige Landmarke zur Auffindung des Einstieges.

der Steig im oberen Teil

Der steile Steig stellt im Prinzip nichts anderes als die östliche Umgehung der Klamm dar. An einer Stelle befindet sich an einem Steinspitzl eine alte verblichene rote Markierung, was darauf hindeuten könnte, daß er nicht ausschließlich jagdlichen Zwecken dient, oder diente.

knapp nach dem Ende der Latschen und des Umgehungssteiges

Auf etwa 1.650m endet der Umgehungssteig und freies Bergwiesengelände löst den dichten Latschenbestand im unteren Aufstiegsteil ab.

Wir folgten den Wiesen weiter nordöstlich dem Südgrat der Oberen Wettersteinspitze zustrebend. Das Gelände enthält einige Steigspuren, auch deutlich ausgeprägtere, die aber alle nicht unseren Geschmack für die Aufstiegsrichtung trafen. Daher kreuzten wir diese nur und setzten unseren Aufstieg im zunehmend schrofendurchsetzten Gelände in Richtung Südgrat fort.

knapp unterhalb des Gratrückens beobachten die Gemsen von markanter Stelle den Simon

Ein paar Gemsen säumten unseren Weg und beobachteten unser Treiben in stoischer Ruhe.
Etwas unterhalb der Grathöhe erblickten wir ein auffälliges Stück Stahl im Wiesengelände, das nach näherer Untersuchung ein eigenartiges Gefühl hinterließ. Es handelte sich um einen Bombensplitter, gut 10mm stark und mit vielen Berstrissen durch die Explosion durchzogen – ein untrüglich Zeichen daß das Stück vom Umfang eines Bombenmantels stammt.

der Verfasser müht sich die steile Flanke hinauf – im Hintergrund die Rotplattenspitze

Sehr auffallend beeindruckte der Erhaltungs- bzw. der wenig ausgeprägte Korrosionszustand nach etwa 75 Jahren im Hochgebirge. Man hatte die besten Materialien für die niedrigsten Zwecke verschwendet. Gottseidank ist die tödliche Fracht hier heroben auf nahezu 2.000m niedergegangen und hat sein Ziel nie erreicht.

ein Bombensplitter inmitten der Südflanke der Oberen Wettersteinspitze etwa auf 2.100m

Der wenig ausgeprägte Südgrat der Oberen Wettersteinspitze läßt bereits etwa 250Hm unterhalb des Gipfelkreuzes einen Orientierungsblick auf dasselbe zu. Allein die noch vor dem Kreuz liegenden Türme, Scharten und Rinnen können nicht so gut eingesehen werden, daß bei der Erstbegehung die Ideallinie erkennbar wäre. Wir entschieden uns für eine Variante etwas rechts der direkten Sichtverbindung zum Kreuz und stiegen in die steilen Geländeformen ein. Die Sichtverbindung endet in diesem Gelände gleich darauf.

An Süd(grat)rücken zur Oberen Wettersteinspitze, Gipfelkreuz sichtbar

Nach einigen letzten Schrofen wurden die Stöcke verstaut und rassiges leichtes Klettergelände wurde vorgefunden. Schlußendlich standen wir vor einer etwa 10m hohen Rippe aus festem Fels gebildet und sahen uns gezwungen durch einen sich ober verjüngenden Riß auf den Grat zu gelangen, um die Orientierung zum Kreuz wiederzufinden.

die Untere Wettersteinspitze und ihr wilder Grat zur Oberen Wettersteinspitze – eine eigene Tour…

Simon bewältigte die oben an einen „guten Dreier“ grenzende Stelle in Entschlossenheit und fand die Sichtverbindung am Grat sofort, sodaß der alte Mann nachsteigen konnte, zunächst in der Meinung keinen Höhenverlust mitmachen zu müssen. Eine wirklich tolle Passage mußten wir beide von oben feststellen, absolut fest und mit Wasserrippen durchzogen, die beste Klemmgriffe bildeten.

Schlüsselstelle am Gratturm östlich der leicht zu begehenden Rinne zur Oberen Wettersteinspitze

Die Freude über die schöne Stelle währte am weiteren Gratstück allerdings nicht sehr lange, denn wir mußten feststellen am Vorkopf des Gipfels angekommen zu sein. Ein etwa 10m tiefer Abstieg trennte uns durch eine Schuttrinne vom Gipfelaufbau. Diese Hürde mußte noch genommen werden, wobei wir vom Blick hinab in der Rinne unten annehmen konnten, daß sie den Normalaufstieg von der Südflanke darstellt.

Endstation auf unserem Gratturm, ein kurzer Abstieg links in die Rinne wird erforderlich

Am Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herrschte an diesem Tag ein unangenehm kalter Nordwind und wenn er auch nicht besonders stark wehte, so förderte er dennoch immer wieder lästigen Nebel auf die Grathöhe, die unsere Unternehmen zunächst bedenklich erschienen ließ.

Obere Wettersteinspitze, 2.297m – dahinter Nördliche Karwendelkette und Sojerngruppe

Unter ständiger Beobachtung der Nebelsituation im nördlichen Tal Richtung Garmisch pausierten wir ein knappes halbes Stündchen. Der Eintrag ins Gipfelbuch erfolgte auf der abgerissenen letzten Seite des arg mitgenommenen Buches. Ersatz wäre schon im heurigen Sommer nötig gewesen.

Jause am kleinen Gipfelplateau – unser Aufstiegsgelände der Südgrat unten gut sichtbar

In der Ferne von Nordwest kämpfte sich hinter dichter Hochnebelfront blauer Horizont in unsere Richtung durch, der allerdings noch in weiter Ferne lag, als wir beschlossen die Überschreitung zur Rotplattenspitze trotz teilweiser Einnebelung des Grates zu unternehmen.
Anhand der Fotos kann man die Situation natürlich nicht nachvollziehen, darauf stellt man ja nur das Beste dar.

der Übergang am Grat mit der Rotplattenspitze jenseits

Gleich nach dem Gipfel folgt nach breitem Gratrücken ein schmaler und ausgesetzter Abstieg über eine Kletterstelle, die sich für den Karwendelfreund dermaßen fest darstellt, daß er laut aufjauchzen könnte. Möglicherweise ist diese Stelle die schönste und vielleicht die schwierigste am gesamten Übergang, sie blieb dem Verfasser jedenfalls in guter Erinnerung.

gleich nach dem Beginn die erste rassige Stelle – kurz senkrecht, fester Fels, max. II+

Es folgen in angenehmer Abwechslung immer wieder leichte Kletterstellen, die im Durchschnitt mit II bewertet werden können, vielleicht die eine oder andere kurze Passage mit II+.
Die Kletterstellen wechseln mit großteils Gehgelände und meist befinden sich diese nur in einer Schwierigkeit, die mit II- bewertet werden kann.

tolles und leichtes Gratgelände

Der Grat teilt sich in zwei Abschnitte.
Der Ostteil bis zur Mittagsscharte ist jener, bei dem die interessanten Kletterstellen nach unserem Empfinden etwa 15% der Distanz ausmachen, die leichten Kletterstellen bei denen nur eine Teilabstützung des Oberkörpers nötig ist mit etwa 20% und reines Gehgelände ohne Einsatz der Hände etwa 65%.

eine der etwas schwereren Stellen – alles aber fest und leicht zu steigen, ein Genuß!

Ein auffälliger Gratzacken ca. 5min vor der Mittagsscharte wird südseitig umgangen. Macht man das sehr knapp an seinem Fuße und steigt sofort wieder zum Grat auf kommt man anschließend in den Genuß von einigen kurzen Passagen auf schönen nordseitig hin geneigten Platten, die in anregender Kletterei bewältigt werden können.

der markante Gratturm

Der Westteil befindet sich hauptsächlich im Gehgelände. Kletterstellen muß man nahezu suchen und abgesehen von der einzigen Wandstufe an der Dischlerklamm gibt es nur ganz kure Passagen die geklettert werden können.

plattiges schärferes Gratgelände

Bis zur Mittagsscharte hinab – der Höhenunterschied von der Oberen Wettersteinspitze auf diesem Abschnitt beträgt 50Hm – benötigten wir eine knappe Stunde. Die letzten Abstiegsmeter bis zur Scharte werden von Steinmännern gesäumt.

die tieferen Scharten dürften max. 20m Abstieg erfordern, meist wesentlich weniger

Nach der Mittagsscharte werden 150Hm Aufstieg ohne weiteren Höhenverlust notwendig. Die Strecke nach der Scharte bis zur Grathöhe wählten wir mit leichter Nordwestroute etwas unter der Grathöhe in der Südflanke, nicht direkt am unbegehbaren unteren Gratteil nach der Scharte.

kurz vor der Scharte

Rasch erreichten wir aber den Grat wieder und erlebten noch ein paar kleine Gratzacken in Kletterei. Ab diesen formt sich ein breiter Rücken aus, der nur von der vorher erwähnten Felsstufe bei der Dischlerklamm als Gehgelände unterbrochen wird.

Gratverlauf westlich der Mittagsscharte – etwas links in die Flanke entschieden wir

Um halb ein Uhr erreichten wir nach nicht ganz eineinhalb Stunden den ungezierten Gipfel der Rotplattenspitze – diesmal dafür in prallem Sonnenlicht.

letzte Gratzacken die Klettervergnügen bereiten, dahinter Gehgelände zur Rotplattenspitze

Außer einer Grenzmarkierung und einem Steinmann gibt es keine weitere Kenntlichmaching der Rotplattenspitze. Zu wenig wichtig wird dieses Zwischenziel zwischen der Oberen Wettersteinspitze und dem noch um 186m höheren Wettersteinwandgipfel sein.
Für uns stellte sie jedoch den Endpunkt der Überschreitung und den Abstiegspunkt von der Wettersteinwand-Kette dar.

letzte Höhenmeter zur Rotplattenspitze

Einfrieren hätten wir uns gewünscht den Augenblick zu können, den wir bei toller Herbststimmung am Gipfel zugebracht hatten. Das halbe Stündchen verflog im Nu.

Simon am Gipfel der Rotplattenspitze, 2.399m


Die Nebel lichteten sich mehr und mehr, zogen jedoch immer noch dunkelgrau aus der Südflanke empor und Simons Idee gleich vom Gipfel anstelle von der Dischlerklamm abzusteigen erschien zunächst ein Blindflug zu werden.

Steinmann markiert die Rotplattenspitze

Den wenig ausgeprägten Südgrat der Rotplattenspitze verließen wir über seine linke Flanke (im Abstieg gesehen) bevor sich eine kurze Gratrippe zu einem Kopf ausbildet, hinter der es einen senkrechten Abbruch in Gratrichtung gibt. Dieser Kopf kann vom Tal aus sehr deutlich eingesehen werden und such seine ostseitige Umgehung, um wieder ins Ausgangskar zu gelangen.

ein toller leichter Grat – markant, die Mittagsscharte mittig


Westseitig ließe sich ins nächste Kar absteigen, von dem es über einen Steig an Jagdhütten vorbei auch einen Abstieg nach Lochlehen gibt. Diesen im Anstieg dokumentiert findet man bei Roman & JuergensBericht in Hikalife.

das Gratgelände um den Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herum – auch der Südanstieg erahnbar

Im Schatten, ostseitig des Kopfes, unterhalb seines Abbruches wird eine tektonisch interessante Stelle erreicht.

am Abstieg von der Rotplattenspitze auf deren Südgrat 

Es ist dies eine Trennfuge der Schichten im stark geneigten Wettersteinfels, deren Neigung dann so richtig erfaßt werden kann, wenn man sie zum Zwecke des Abstieges selbst auf Reibung begeht. Diese „Platte“ ist als Fläche dermaßen glatt, daß das Abgleiten der Gesteinsmassen des halben Gratkopfes gut vorstellbar ist und ebenso das noch bevorstehende Abgleiten des nördlichen Teiles des Gratkopfes. Eine eindrucksvolle Stelle am Berg.

immer noch aufsteigende Nebel behindern die Sicht – links vom Gratrücken zu den Platten unterhalb des Gratkopfes war unser Ziel

Unterhalb des Plattengeländes änderten wir die Abstiegsrichtung nach Ost und stiegen über sehr steiles Schrofengelände bis zur Klamm ab, bevor wir den oberen Teil des Kares erreichten. Unterhalb des Schrofengeländes befinden sich schon wieder oberste Steige, die zur früheren Nutzung durch Viehzucht angelegt worden sein müssen.

oberhalb der Platten, rechts der Gratkopf

Über einen Steig erreichten wir das Gelände oberhalb der Klammstufen an denen sich der Einstieg in den Umgehungssteig wieder finden läßt (Steinmann mit Stecken).

Abstiegsgelände von den Platten, teilweise ungemein steil

Über den Steig hinab und über die Schotterreise im unteren Teil führte uns der Rückweg bei mittlerweile fast wolkenlosem Himmel zum Parkplatz und auf die empfehlenswerte Sonnenterrasse des Naturwirtes im Ortsteil Gasse in Leutasch.

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig bei zwei sich vereinenden Wasserrinnen – hier die rechte kleinere Rinne

Von oben muß der Einstieg in den Steig wieder gefunden werden – mehr Fotos zur Orientierung siehe Galerie.

Im unteren Teil des Umgehungssteiges

Die bärige und einsame Runde erforderte 1.530m Aufstieg und knapp 7 Stunden Gesamtzeit, wobei wir auf jedem Gipfeln eine gute halbe Stunde Rast einlegten.

Mils, 21.10.2018

Die Fotogalerie diesmal als Einzelfotos (der neue Editor bei WordPress mach noch Schwierigkeiten):

im unteren Teil der Schotterreise, nach dem Ende des Waldes
Rückblick auf Lochlehen
vor der Verengung der Klamm rechts in die Flanke zum Umgehungssteig
Anstieg zum Steig
kurz vor dem Steig – der markante Vogelbeerstrauch im Herbst in rötlichem Kleid
Rückblick am Weg zum Umgehungssteig
der Steig im oberen Teil
knapp nach dem Ende der Latschen und des Umgehungssteiges
wiesendurchsetztes Schrofengelände – der Gratrücken hinten wird angepeilt
knapp unterhalb des Gratrückens beobachten die Gemsen von markanter Stelle den Simon
der Verfasser müht sich die steile Flanke hinauf – im Hintergrund die Rotplattenspitze
ein Bombensplitter inmitten der Südflanke der Oberen Wettersteinspitze etwa auf 2.100m
die Gipfeltürme bereits in greifbarer Nähe
Rückblick auf das Kar das wir im Aufstieg von rechts oben im Bild hierher gequert haben
An Süd(grat)rücken zur Oberen Wettersteinspitze
die Untere Wettersteinspitze im Osten, dahinter die Nördliche Karwendelkette

Nördliche Karwendelkette
die Untere Wettersteinspitze und ihr wilder Grat zur Oberen Wettersteinspitze – eine eigene Tour…
Schlüsselstelle am Gratturm östlich der leicht zu begehenden Rinne zur Oberen Wettersteinspitze
feine Kletterei über ein kurzes Stück bis zum Grat
Endstation auf unserem Gratturm, ein kurzer Abstieg links in die Rinne wird erforderlich
Abstieg zu Rinne
unser Gratturm im Rückblick – er war den kurzen Abstieg zur Rinne allemal wert
Obere Wettersteinspitze, 2.297m – dahinter Nördliche Karwendelkette und Sojerngruppe
Obere Wettersteinspitze – dem Simon ist saukalt
Jause am kleinen Gipfelplateau – unser Aufstiegsgelände der Südgrat unten gut sichtbar
der Übergang am Grat mit der Rotplattenspitze jenseits
gleich nach dem Gipfel der Oberen Wettersteinspitze führen die ersten Gratschärtchen hinab
viel Gehgelände wechselt mit leichtem Klettergelände
es geht wieder in leichtem Auf und Ab weiter
gleich nach dem Beginn die erste rassige Stelle – kurz senkrecht, fester Fels, max. II+
tolles und leichtes Gratgelände
eine der etwas schwereren Stellen – alles aber fest und leicht zu steigen, ein Genuß!
allein der Nebel trübt die Stimmung ein wenig
Simon hinab zu einer der tieferen Scharten
die tieferen Scharten dürften max. 20m Abstieg erfordern, meist wesentlich weniger
ein Felsenfenster mit fehlender Aussicht
immer wieder Gehgelände
der markante Gratturm
am schönsten wird er knapp unterhalb umgangen und sofort wieder aufgestiegen
zu einer netten Gratstelle, die Simon in Angriff nimmt
plattiges schärferes Gratgelände
über ein paar Meter zum nächsten runden Kopf
bald darauf der Abstieg zur Mittagsscharte
mit ein paar Steinmännern gekennzeichnet
im Grunde aber nicht zu verfehlen weil keine andere Möglichkeit vorhanden
kurz vor der Scharte
zu Füßen die Mittagsscharte im Detail – links Tirol, rechts Bayern
Gratverlauf westlich der Mittagsscharte – etwas links in die Flanke entschieden wir
die Mittagsscharte im Rückblick
in der Südflanke nach der Mittagsscharte
endlich Besserung der Nebelsituation – die Mittagsscharte vom Grat danach aus gesehen
letzte Gratzacken die Klettervergnügen bereiten, dahinter Gehgelände zur Rotplattenspitze
Rückblick auf Grat und Obere Wettersteinspitze am Weg zur Rotplattenspitze
letzte Höhenmeter zur Rotplattenspitze
der Grat zur Rotplattenspitze im Rückblick
Simon am Gipfel der Rotplattenspitze, 2.399m

Steinmann markiert die Rotplattenspitze
Ausblick auf die Wettersteinwand, 2.485m und im Hintergrund auf die Zugspitze
Blick nach Norden – leider aller Ausblick im dichten Nebel verborgen
ein toller leichter Grat – markant, die Mittagsscharte mittig
das Gratgelände um den Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herum – auch der Südanstieg erahnbar
Blick vom Wetterstein ins Karwendel
am Abstieg von der Rotplattenspitze auf deren Südgrat 
immer noch aufsteigende Nebel behindern die Sicht – links vom Gratrücken zu den Platten unterhalb des Gratkopfes war unser Ziel
oberhalb der Platten, rechts der Gratkopf
die Platten unterhalb des Gratkopfes – eine eindrucksvolle Stelle und toll zu begehen
Blick auf das Aufstiegsgelände, hinten rechts der Südgrat zur Oberen Wettersteinspitze
unterer Teil des Aufsteigsgeländes – an der Schnittkante (im Bild letztes Drittel rechts) der Kontur ist der Steig erkennbar
Abstiegsgelände von den Platten, teilweise ungemein steil
Rückblick auf den Gratkpopf links (im Schatten kommt man vom Südgrat herunter), rechts davon Dischlerklamm (Beginn tiefste Einsenkung am Grat)
der tolle Grat von unten
Wiedereinstieg in den Umgehungssteig bei zwei sich vereinenden Wasserrinnen – hier die rechte kleinere Rinne

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig – Simon genau bei der Vereinigung, der Verfasser steht in der linken Wasserrinne 

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig – am unteren Ende des Wiesenstückes befindet sich der Steinmann als Marke des Einstiegs der Umgehungssteiges (dort wo die Straße im Tal die Latschen schneidet)
Im unteren Teil des Umgehungssteiges
nach dem Ende des Umgehungssteiges – rechts neben Simon der rote Vogelbeerstrauch
Blick auf die Klamm
goldener Herbst…
von links: Rotplattenspitze mit dem markanten Schatten vom Gratkopf gebildet, der tolle Grat, Obere Wettersteinspitze und ganz rechts die Untere Wettersteinspitze
die Tour im Detail – eine tolle leichte Runde
hier drin wartet viel Arbeit…
Rundtour Obere Wettersteinspitze mit Gratüberschreitung zur Rotplattenspitze

Karkopf, 2.469m – Normalweg und Runde über Westseite

Ein leichtes Ziel über den Normalweg und Ausgangspunkt einer interessanten Gratüberschreitung – der Karkopf bietet einen Wanderanstieg und einen Kletterabstieg. Unser Ziel, die Gratüberschreitung zur Hohen Wand, konnte aufgrund des Nebeleinfalls an diesem Tag nicht realisiert werden, also nutzten wir zumindest das nebelfreie Fenster am Grat und erkundeten die erste interessante Stelle am Übergang.

Karkopf, 2.496m

Der Aufstieg zum Karkopf erfolgt vom Parkplatz „Lucke“ ein paar Gehminuten unterhalb des Strassberghauses von ca. 1.180m aus und führt zur Alplhütte, wo er etwa 200m nachher rechts abzweigt.

Wegverzweigung zum Wetterkreuz nach der Alplhütte

Dort beginnt der Steig zum Wetterkreuz, ein Vorplateau auf der hauptdolomitdominierten dunklen Gratrippe, die die Hohe Wand nach Südosten entsendet. Auffallend große Anteile Rauhwacken können in der zu querenden Geschieberinne gleich nach der Abzweigung gesichtet werden.

Blick zur Alplscharte und Hochwand rechts

Am gut gewarteten Steig geht es nun knapp 500Hm unterhalb und seitlich von beeindruckend abbrechenden Türmchen und Köpfchen der Raibler Schichten bis zum Wetterkreuz hinauf.

Auf der Grathöhe der Hintereggenrippe angelangt – Blick ins Inntal

Bei der ersten Berührung des Steiges mit der Grathöhe erblickt man nicht nur von toller Lage das Inntal gen Osten sondern bergwärts auch beachtliche Gehängebreccien, die aus dem Wettersteinkalkschutt des Kars oberhalb bestehen und mächtige Abbrüche in das Tal (AV-Karte „Tiergarten“) bilden.

Blick auf den Karkopf, im unteren Teil des Fotos sind die mächtigen Breccien ersichtlich

Gleich nach ein paar Gehminuten wird das Wetterkreuz auf etwa 1.920m erreicht, das wir in leichtem und kurzem Niesel antrafen.

kurz vor dem Wetterkreuz auf 1.920m

Das Kreuz – ein doppelbalkiges Kardinalskreuz – wurde 2001 von der örtlichen Alpenvereinsgruppe Hohe Munde neu aufgestellt und stellt eine Landmarke auf aussichtsreichem Punkt dar.

Simon studiert die weitere Strecke am Wetterkreuz

Am Wetterkreuz gabelt sich der Steig in den Anstieg zur Hochwand und in den zum Karkopf. Der Zweig zum Karkopf führt in einer großen Rechtskurve über Schutthügel zur Südflanke des Karkopfes.

der schöne Ostgrat zwischen dem Karkopf (rechts) und der Hochwand

In der Südflanke sind zunächst ein paar eher plattige aber feste Wettersteinkalkrinnen ansteigend zu queren. Die Südflanke besteht nun fast ausschließlich aus völlig festem Wettersteinkalk, was der Karwendelfreund erfreut feststellt.

Gipfelkreuz des Karkopfes vom Normalweg aus

Der verheißungsvolle Blick auf den Grat vom Karkopf bis zur Hochwand wurde am Tag unserer Begehung getrübt von sich stetig senkenden Nebelbänken und der Gipfel der Hochwand war schon länger nicht mehr sichtbar, was die Vorahnung auf eher schlechter werdendes Wetter verstärkte.

noch unterhalb des Grates am Weg zum Karkopf

Vom Wetterkreuz zur breiten Grathöhe des Karkopf Ostgrates benötigten wir ein knappe Stunde. Die Nebelgrenze änderte sich nicht mehr wesentlich und blieb bei etwa 2.550m konstant. Beide benachbarten Gipfel zum Karkopf, Hohe Munde im Osten und Hochwand im Westen befanden sich nun dauerhaft eingepackt im Nebel.

auf der Gratrippe östlich vom Karkopf; Hochwand leider bis weit hinab im Nebel

Am Gipfel des Karkopf frischte ein leichtes kaltes Lüftl aus Nordwest ziemlich auf, erforderte Windjacken und ließ die Finger während der Rast ansteifen, Herbst war eingekehrt.

vom Karkopf Richtung Osten zur Hohen Munde geschaut

Für unsere geplante Überschreitung herrschten keine optimalen Verhältnisse. Einen unbekannten Grat im Nebel lehnte der Verfasser ab und Evi uns Simon waren auch dieser Überzeugung. Statt der Überschreitung beschlossen wir alternativ den ersten, vom Karkopf aus den ersten sichtbaren Teil unterhalb des Nebels am Westgrat zur Hochwand zu erkunden.

Evis und Simon am Karkopf, 2.496m

Ein markanter Gratkopf mit einem deutlich sichtbaren Riß mutete sehr interessant an und weil wir ja genug Zeit hatten sollte das erste Stück zur Scharte und darüber hinaus der Anstieg über den ersten Kopf näher untersucht werden.

steiler Gratkopf nach der Scharte im Westen des Karkopfes

Der Abstieg auf der Westseite findet zunächst über etwas schuttiges Gehgelände zu einer Scharte statt, bei der eher der Eindruck entsteht, daß die folgende querstehende Rippe der ideale Abstieg wäre. Nach Erkundung der Westflanke der schmäler werdenden Rippe mußten wir feststellen, daß dies keine gangbare Variante war und versuchten von der Scharte aus den kurzen Abstieg nordseitig, um die Felsen gegen Westen näher einsehen zu können.

zunächst über Schutt zur Scharte vor der querstehenden Rippe, dort nordseitig abgestiegen

Dies stellte sich auch als die bessere Variante heraus, denn nach etwa 12m Abstieg (unter kleinen Schneeresten, die nicht ungefährlich sein können) konnte ein horizontales Felspodestchen erblickt werden, bei dem die weitere Route gleich in wieder in die südliche Flanke der Gratrippen führt und unter etwa 20Hm Höhenverlust zu einem breiten Band zwischen den hohen Felsrippen bequemes Weiterkommen zur nächsten querstehenden Rippe ermöglicht.

Abstieg nach der Scharte bis zum kleinen Podestchen im Westen (oberhalb Simons Rucksack sichtbar)

Dort befindet sich ein Steinmann, der nicht passiert wird sondern noch vor diesem wird die überbaute scharfe Gratschneide überquert. Dahinter befindet sich breites Gehgelände und der tiefste Punkt zwischen Karkopfgipfel und Ostgrat ist erreicht.

vom Podestchen südseitig abgestiegen zu einem breiten Band

Auf der Rampe der Gegenseite wartet schon der senkrecht aufragende Gratkopf mit einem außerordentlich schönen Kletterriss in bombenfestem Wettersteinkalk. Sofort konnten wir erkennen, daß diese Stelle eine Genußpartie sein würde und kletterten sie alle drei aufwärts bis zum oberen flacheren Teil, um die weitere Route einsehen zu können.

Überquerung der scharfen Rippe zur jenseitigen Rampe

Herrlich feste und bequem horizontale Tritte und Griffe finden sich am ersten Teil des Risses von unten.  Ausgeschwemmte Löcher und scharfkantige Felsoberflächen mit etwas weniger Tritten finden sich im etwas schwierigeren und einfallenden oberen Teil des Risses.

tolle Aufstiegsroute im Riss des Gratkopfes

Zwischen beiden Kletterteilen befindet sich Gehgelände über ein paar Meter. Im oberen Teil erschien Verspreizen im enger werdenden Riß als bequemste Aufstiegsmethode, wobei links Löcher im Fels und rechts Rippen zum Klemmen als Griffe dienen.

Simon im unteren Teil des Risses

Der Riss unten wäre mit II- einzustufen, der obere Teil mit III-, eher nicht mehr. Der Abstieg vom Karkopf bis zur Scharte kann in Summe mit II bewertet werden.

oben am Gratkopf – Nebel macht den weiteren Aufstieg am Grat zunichte

Die Aussicht auf weitere Erkundung war wegen Nebels nicht gegeben, worauf wir den Gratkopf wieder abkletterten. Selbst das Abklettern gereichte zum Genuß im wunderbar festen Fels und wir freuten uns schon auf den nächsten Versuch bei besseren Verhältnissen.

Blick zwischen unterem und oberem Teil des Aufstieges vom Gratkopf hinab

Nicht ganz am tiefsten Punkt, sondern gleich nach ein paar Metern ostwärts zieht eine leicht begehbare abgestufte Felsflanke über südfallende Wettersteinkalkplatten zum Normalweg hinunter, die auch als Notausstieg dienen könnte, sollte jemand mit dem ersten Gratkopf Schwierigkeiten haben.

Rückblick zum Karkopf – der Abstieg ist hinter den glatten Platten versteckt

Zuerst über felsiges, dann zunehmen schrofigeres Gelände geht es durch die „Karseite“ etwa 150Hm auf den Normalweg zurück und hinab zum Wetterkreuz.

Abstieg durch die „Karseite“ vom Gratkopf aus aufgenommen

Ein paar Steilstufen mit etwa ein bis zwei Meter Mächtigkeit werden leicht über Durchschlupfe abgestiegen.

Simon beim Studieren welche Route durch die Karseite die leichteste ist

Auf der Alplhütte nahmen wir ein tolles Mittagessen ein, die Mädels dort verstehen ihr Handwerk.

Evi beim Abstieg durch eine Steilstufe

Die gesamte Tour – wegen Nebels ja leider abgebrochen – incl. Pausen nahm knapp sieben Stunden in Anspruch, 1.350Hm waren zu bewältigen.

Mils, 07.10.2018

Erlspitze Ostgrat, 2.405m

Die wilden Zacken der Grate in der Seefelder Gruppe des Karwendels lassen immer auf ein interessantes Abenteuer hoffen und der eher in Vergessenheit geratene, selten begangene Ostgrat zur Erlspitze  versprach dem Verfasser eine schöne kurze Herbsttour zu werden.

Erlspitze, 2.405m mit Karwendelhauptkette

Der Anstieg erfolgt auf schmalem Steig vom Solsteinhaus wenige Hundert Meter nordöstlich und bereits auf der Höhe der Erlalm links abzweigend bis zu einem Steindenkmal.

Der Ostgrat der Erlspitze

Knapp nach dem Denkmal gabelt sich der Steig wobei laut AV-Führer der oberste abzweigende Steig eingeschlagen wird und diesem etwa 10min gefolgt wird.

bereits auf der Abzweigung – Rückblick zur Erlalm

Er führt in Auf und Ab über ein paar Rippen, die vom Grat herunterziehen und zwischen diesen durch ein paar kleine Schluchten die durch Geröllabgang im Sommer an mancher Stelle den Steig beeinträchtigt haben. Es gibt jedoch derzeit keine unpassierbare oder zweifelhaft gefährliche Stelle.

der obere Steig ist die Empfehlung

Anhand der Karte müßte der untere Steig ebenfalls wieder mit dem oberen zusammentreffen, um die Schluchten bzw. Rinnen zu vermeiden, das gilt es auszuprobieren.

am oberen Steig

Das „Klamml“ (gem. Kartenbezeichnung) bot dem Verfasser eine Miniquelle zum Wasser tanken, jedoch kann auf das Vorhandensein dieses Rinnsals keine Garantie gegeben werden, zu unergiebig scheint sie für eine dauerhafte Quelle zu sein.

die Gratrippe Richtung Jöchl

Sie liegt auch bereits höher als 1.800m und der Karwendelkenner weiß, daß in dieser Lage kaum mehr Quellwasser anzutreffen ist, wobei dies im Hauptdolomit, in dem man sich in der Seefelder Gruppe befindet, wieder anders ist. Der Hauptdolomit mit seinen zahlreichen feinen bis feinsten Klüften dürfte als Wasserleiter und -speicher ideal sein.

Wasser auf gut 1.800m

Nach dieser Stelle (siehe Foto) führt der Steig in kurzen Serpentinen in sehr brüchiger, teilweise nur kieskorngroßer Felsqualität steil zur Grathöhe hinauf. Eine Verwitterungsform des Hauptdolomits besteht in sehr kleinstückigem polygonalem Korn – Grus, wie der Geologe sie nennt. Diese Verwitterungserscheinung begleitet den Bergsteiger über den gesamten Grat.

auf der Gratrippe angelangt, letzter Rückblick Richtung Solsteinhaus

An der Grathöhe angelangt mache man nicht den Fehler des Verfassers und schreite entschlossen dem Steig entlang über die nächste Rippe weiter, sondern blicke sofort nach den ersten Metern in der Bergwiese links auf den sich ausbildenden Ostgrat hinauf.

Der Ostgrat schon ausgeprägter zu sehen

Eine deutliche, sich trichterförmig verengende Latschengasse bildet sich direkt am Gratbuckel aus, der weiter gefolgt wird und die zu einem Vorkopf des schärferen Grates führt.

die Latschengasser mit Rückblick auf die wiesenbewachsene Gratrippe

Der Vorkopf ohne Latschenbestand ist rasch erklommen. Am Weg dorthin öffnet sich ein Blick auf die Fleischbanktürme im Nordwesten der Erlspitze, die am Beginn eines Zweiggrates von der Erlspitze nach Norden zunächst ein wild gezacktes Gratabenteuer bieten. Juergen hat sie besucht und einen Bericht über diesen Anstieg zur Erlspitze verfasst.

Blick nordwestlich auf die Fleischbanktürme

Am obersten Punkt des Vorkopfes blickt man in ein bizarres Felsengewirr mit vielen vertikalen Schichtrippen mit Schuttreisen zwischen den Rippen und fragt sich zunächst, wo denn hier der Einstieg zu finden sein könnte.

Anstieg auf den Vorkopf

Die Rippen hinter dem noch wiesenbewachsenen Vorkopf sehen alles andere als leicht aus, die Bewertung II träfe für sie niemals zu.
Aber der Einstieg will erkundet werden und so schreitet man an einem riesigen Felsenfenster nach Norden zum Ende des Vorkopfes und erkenn, daß zwischen ihm und den jenseitigen Felsen ein unüberwindbarer Felsabbruch liegt.

Rückblick nach Abstieg

Also muß das Glück etwas tiefer liegen – waren die ersten Gedanken – und schätzungsweise 40Hm mußte der Verfasser verschenken, um zu einer schuttgefüllten, sehr steilen Rinne zwischen dem äußersten Flankenteil des Berges und dem Bergstock selber zu gelangen um dort den einzig machbar erscheinenden Aufstieg zu einer hoch liegenden Scharte zu gelangen.

durch diese hohle Gasse muß er kommen…ein mühsamer Aufstieg

Im Verschnaufen vom schweißtreibenden und unangenehmen Aufstieg über Schotter und Erdmatarial auf die bergseitige Flanke des Westgrates geblickt, kann so gut wie keine weitere Route ausgemacht werden. Das Abenteuer durch den komfortablen Riss steil aufzusteigen muß in Angriff genommen werden, um überhaupt zu wissen, ob der Anstieg durch die Rinne richtig war oder nicht.

oben an der Scharte angelangt; der Vorkopf und der Abstieg zum Beginn der Rinne deutlich zu sehen

Zum Glück ist der Hauptdolomit an diesem Einstieg fest und es bieten sich genügend – wenn auch kleine – Griffe und Tritte durch die geheimnisvolle Rinne hinauf (leider ist das Foto dazu unscharf geworden). Die Schwierigkeitsbewertung die im Führer mit II benannt wird ist hier vorhanden, alles andere am Grat ist leichter.

die bergseitige Gegenseite der Scharte

Erleichtert kann oben festgestellt werden, daß es in Gehgelände weitergeht. Die Frage stellt sich nur, ob der Anstieg zum Grat selber richtig ist, oder eine Rampe unterhalb eines auffallend orange gefärbten Felskopfes.

Aufstieg mit Eigenorientierung – orange gefärbter Fels mit Rampe darunter wird sich später als Aufstieg erweisen

Natürlich versucht der Karwendelgeher immer möglichst hoch zu bleiben und entdeckt dabei am Grat einen Durchschlupf unterhalb eines Felsturmes der die Züge eines Basilisken trägt. Ein imposantes Gebilde am Ostgrat.

ein Basilisk auf der Grathöhe, durch das Schärtchen wurde angestiegen

Nach dem Erklimmen des Schärtchens zwischen Basilisk und Felskopf mußte der Verfasser leider feststellen, daß die Hinterseite am Grat im Alleingang nicht gangbar ist, denn die Griff-. Und Trittflächen sind zu sehr abgewittert und von Hauptdolomitgrus bedeckt (Fotos leider unscharf)

die Gegenseite des Schärtchens – ungangbar, zu brüchig

Also bleibt nur der Abstieg durch die Rinne zwischen dem eben erklommenen Gratstück und dem folgenden.
Die Rinne endet just dort, wo die Rampe unter dem farbigen Fels beginnt – das Gefühl hat nicht getäuscht.

nach dem Abstieg zur Rampe erfolgt hier der weitere Aufstieg

Anschließend folgt ein weiterer kleiner Aufschwung, der erstmals kurz abgeklettert werden kann, um jenseits einer Rinne wieder aufzusteigen. Leider ist das kurzzeitige Klettergefühl nur von kleiner Höhe und all die folgenden weiteren Gratrippen sind gleichartig geschichtet.

weiterer Aufstieg zunächst über schroffiges Wiesengelände

Türme können erklommen werden, jedoch führt der Grat nicht auf gleicher Höhe weiter, jede Anhöhe muß an ihrer Hinterseite wenig oder auch tiefer abgeklettert werden und das in recht brüchigem Fels – ein eher mühsames Unterfangen.

Rückblick nach der nächsten Rippe

Gegen Ende des Grates erhebt sich eine letzte hohe Rippe mit einem tollen Blick auf die Erlspitze bei dem der Bau des Berges mit seinen ausgeprägten Rippen und verwitterten Zwischenräumen der Nordflanke deutlich sichtbar wird.

Blick nach Westen zur Erlspitze mit gewaltiger Nordflanke

Leider muß auch diese letzte Rippe südseitig abgeklettert werden – da deren Westflanke sogar einfallend geneigt ist und kein Weiterkommen bietet.

die Rippen bieten bizarre Aussichten

Anschließend befindet man sich im Gehgelände und erreicht über Bergwiesen in 20min den Normalweg vom Solsteinhaus und in weiteren 5min den Gipfel der Erlspitze.

der Ostgrat der Erlspitze im Rückblick

Am Weg dorthin fällt noch die schöne grazile Gipfelstürmernadel auf, die man gesehen haben sollte.

Gipfelstürmernadel, 50m misst sie von Süden gesehen

Die Erlspitze bietet wunderbare Ausblicke.
Gegen Osten auf die mächtigen Felsmassive der Solsteine und weiter auf die Nordkette.

Gipfelblick auf Nordkette

Gegen Westen auf die Kuhljochspitze, die Freiungen und bis zu Reither- und Seefelderspitze im gemeinsamen Kamm.

Blick nach Westen auf die restliche Seefelder Gruppe

Nach Norden von Mittenwald bis zu allen Gipfel der Karwendelhauptkette.

Nordgrat mit Fleichbanktürmen

Der Abstieg zum Solsteinhaus erfolgte auf dem Normalweg. Eine Variante wäre den Westgrat zu nehmen (Zirler Klettersteig) und über die Eppzirler Scharte zum Solsteinhaus zu gelangen.

Solsteinhaus in der Tiefe

Als Empfehlung kann der Anstieg über den Ostgrat nur jenem gegeben werden, der gerne alte Routen sucht bei denen die Orientierung ausschließlich durch Eigeneinschätzung erfolgt, Das Fehlen von Markierungen und Steinmännern macht dies notwendig.

Karwendelhauptkette im Norden

Der Gratkletterer wird in seinen Erwartungen weitgehend enttäuscht.
Eine Karte der Route befindet sich in der Galerie.

Ostgrat vom Abstieg aus betrachtet

Für die Anreise vom Bahnhof Hochzirl bis zum Solsteinhaus wurden zwei Stunden benötigt. Für den Zustieg zum Ostgrat und den Aufstieg bis zum Gipfel gut zweieinhalb Stunden. Für Abstieg, eine tolle Knödelsuppe und der Rückreise nach Hochzirl nochmals drei Stunden. In Summe wurden 1.660Hm Aufstieg zurückgelegt.

Mils, 30.09.2018

Lüsener Fernerkogel Nordgrat, 3.299m

Bereits während der Anfahrt durch Gries im Sellrain fällt der Blick sofort auf den dominierend schönen Gipfel des Lüsener Fernerkogel am Ende des Lüsenstales. Als freistehende und höchste Erhebung im Tal wird er sowohl im Sommer als auch im Winter häufig begangen und ein schöner Aufstieg im Sommer ist sein Nordgrat, der gemäßigter ist als sein Name vermuten läßt.

Manuel am Lüsener Fernerkogel

Zur alpinen Schwierigkeit dieses Anstieges sei gesagt, daß es sich großteils um leicht zu begehendes steiles Wiesengelände im unteren Teil handelt und um leichte Felskletterei im oberen Teil. Die größten Schwierigkeiten werden angetroffen bei der Begehung in Gratnähe bzw. direkt dort – und sie sind bei II anzusiedeln, jedoch nur auf einzelne Stellen begrenzt. Der  Anstieg führt in der Hauptsache durch Gelände mit der Bewertung I+. Die Wahl des Anstieges liegt im Ermessen des Begehers und die Bewertung variiert dadurch. Knapp an der Gratkante finden sich auch ein paar Stellen für die III vergeben wird.

der Lüsener Fernerkogel am frühen Morgen

In der Literatur werden mehreren Schreibweisen gepflegt, sie reichen von „Lüsener“ bis „Lisener“ und mit und ohne dem abschließenden „s“ abgeleitet von der Ortsbezeichnung Lüsens, geologische Arbeiten des frühen 20. Jhdts spricht teilweise von „Lisenz“. Die Nachforschung des Namensursprungs führt zu keinem wirklich befriedigend klaren Ergebnis. Einerseits wird eine Abwandlung von dem Lawinen bezeichnenden Wort „Lehn“ beschrieben, andererseits, in der sehr empfehlenswerten Bergsteigerdörfer-Broschüre „Alpingeschichte kurz und bündig“ von Georg Jäger, eine Abwandlung von der ursprünglichen Bezeichnung „Malusinus“ der frühen breonischen Einwohner im Sellraintal.
Weil sich vorgenannte Broschüre mit örtlicher Geschichte befaßt und diese Schreibweise wählt wurde auch in vorliegendem Bericht die Bezeichnung „Lüsener“ Fernerkogel gewählt.

die gewaltige Mauer – später unser Abstieg

Zu dritt starteten wir bei frischen Temperaturen gegen halb acht am Parkplatz in Lüsens dem schönen Talabschluß entgegen, stets die „Mauer“, den typischen Talstufensprung in den Staubaier Alpen im Blickfeld. Die Mauer mißt 1.000Hm vom Talabschluß bis zur Gletscherkante und stellt im Winter den langen mühsamen Aufstieg auf den Lüsener Ferner und etwas später am heutigen Tag, unseren Abstieg dar.

Blick auf die Nordflanke des Lüsener Fernerkogels – links im Hang (links der Bildmitte) ist es leichter

Unser Anstieg leitet uns westlich ebenso über eine Talstufe ins Längental zur Längentalalm, wo der Nordgrat direkt in Angriff genommen wird. Diese Talstufe mißt knapp 250Hm und endet bei der Alm nicht ganz auf 2.000m.
Dort wird unter der Seilbahn zum Westfalenhaus der Wandfuß über weit hinaufreichende Almrosenstauden erreicht. Ein quer zur Hangrichtung anzutreffender Steig verführt in Richtung Ostflanke des Berges und wird nur überquert, man folgt ihm nicht.

Wiesengelände bis unterhalb der ersten Felspassage

Den Einstieg durch den ersten Abbruch in die Nordflanke – unten wo es leichtere und etwas schwerere Durchschlüpfe auf den Nordgrat gibt kann man mit etwas Gefühl für das Gelände das seinige wählen und entsprechend über Wiesenbänder dorthin aufsteigen – wählten wir am äußerst westlichen Teil der Flanke, also nicht über die leichteste Route und mittlerweile unter erwärmender Sonnenbestrahlung.

wir wählen einen Durchstieg weit rechts im schwierigeren Teil des Geländes

Oberhalb der untersten Abbruchfelsen wird bis zur nächsten Felsstufe über ein langgezogenes Wiesenband aufgestiegen. Der sogenannte Nordgrat bildet sich erst weiter oben aus und dann  auch nur über kurze Teilstücke. Im gesamten müßte also eher von der Nordkante, als vom Nordgrat gesprochen werden.

kleine Kletterpassagen nach der Querung zu überwinden

Nach dem Wiesenstück beginnt das typische Gelände mit Geh- und Kletterpartien im Wechsel. Meist mit guten Griffstellen und immer im festen Fels – wir haben es am Lüsener Fernerkogel mit Alpeiner Kern-Grantigneis des Ötztal Kristallin zu tun – geht es über plattige und wieder blockige Passagen die Gratkante in feiner leichter Kletterei hinauf, auch immer wieder im Gehgelände.

Manuel im Mittelteil der untersten Felspassage

Steinmänner hin und wieder säumen den Aufstieg bis weit oben hin, wo sich die blockigen Abschnitte ausgeprägter zeigen und auch aufgrund der vorgezeichneten Kante weniger sinnhaft sind.

Abschnitt oberhalb der ersten Felspassage über Bergwiesen


Auf etwa 2.700m trafen wir an einer etwas kniffligeren Stelle auf Sven aus Ulm der mit der Stelle nicht ganz klar kam, worauf wir ihm den nötigen psychologischen Schubs angedeihen liesen und Simons helfende Hand. Über den restlichen Aufstieg hängte er sich dann bei uns an und quasselte unentwegt.

der Nordgrat wird felsiger

Ab etwa 2.600m beginnt die reine Felsstrecke mit einigen schönen Passagen. Die schönste erschien dem Verfasser der breite Gratkopf mit dem weißen Eckpfeil der gerade überklettert werden kann und einen Hauch von Gratkletterei darstellt.

einige schöne Passagen am Grat – und sie werden mehr

Durch den vernachlässigbaren Abstieg auf der hinteren Stirnseite wird das Erlebnis kaum getrübt.

Manuel und Simon folgen am Gratkopf

Im Übermut zogen wir sogar in Betracht das einladende Band auf seiner Westseite vom Schärtchen aus zu begehen, das allerdings auslief und in einer unsinnigen Fortsetzung endete.

Breiter Grieskogel und Strahlkogel rechts

Der Gratkopf bietet einen schönen Blick auf das Finale der Nordkante auf etwas erhöhter Standfläche gegenüber der Fortsetzung des Aufstieges. Atemberaubend gebautes Blockwerk auf der Südseite bildet den Restaufstieg zu einem dem Gipfelaufbau vorgelagertem Sattel.

noch nicht sehr lange ausgeapert

Der Restaufstieg von dort auf den Gipfel ist gut einsehbar und die frische Biotitgranitgneismasse in der direkten körpernahen Begegnung auch optisch schön anzusehen. Frisch – bei Millionen Jahre altem Gestein nicht im Alterssinne zu verstehen – nach Einschätzung des Verfassers weniger aufgrund von verwitterungsbedingtem Zerfall geprägt, eher nur seit ein paar Dutzend Jahrzehnten eisbefreite Gesteinsmassen. Fehlender Flechtenbewuchs bei den hellsten und daher schönsten Partien verstärkt die Vermutung. Junger Bruch einer Gratformation scheidet aufgrund von fehlenden hellen Trümmern an beiden Basisflanken aus.

Rückblick auf das Sattelchen

Dieses Rätsel und herrlich feinstrukturierte Felsfacies begleiten nach dem Sattelchen über die letzten 100Hm Aufstieg zum lange erarbeiteten und stolzen Gipfel des Lüsener Fernerkogel – ein wirklich lohnenswertes Ziel an der Begrenzung eines der größten Gletschers in den Nördlichen Stubaier Alpen.

knapp unterhalb des Gipfels

Am relative kleinem Gipfelbereich des Lüsener Fernerkogel überwältigt bei der Ankunft die Aussicht nach Süden. Alles war in dem Stubaiern an Gipfel bekannt ist kann von dort aus wunderbar eingesehen werden.

Lüsener Fernerkogel, 3.299m

Im Osten beginnend mit der Hohen Villerspitze und den dahinterliegenden Kalkkögeln bis über den Habicht, Knotenspitzen, Seespitzen, Ruderhofspitze und über die Gratabsenkung des Alpeiner Ferners in der Ferne den Sulztalferner mit den beliebtesten Gipfeln des Wilden Pfaffs und des Zuckerhütls bis hin zum mächtigen Schrankogel.

Rundblick über die Stubaier von Südosten nach Südwesten

Ebenfalls bis weit hinein in die Ötztaler Alpen reicht der Blick – selbst die immerhin 30km entfernte Wildspitze scheint zum Greifen nahe. Genau in ihrer Blickrichtung liegen im Vordergrund auch die beliebten Schitourenziele Bachfallenkopf und Längentaler Weißer Kogel.

Alpeiner Ferner und Wilder Pfaff sowie Zuckerhütl im Hintergrund

Im Westen fällt nördlich neben dem Breiten Grießkogl der Strahlkogel auf, der höchste und schönste Gipfel der Larstiggruppe und den nördlichsten, gerade noch sichtbaren Gletscher bildet der Gleirschferner.

Hoher Seeblaskogel links, Breiter Grießkogel mittig und Strahlkogel rechts

Die Gipfelrast mit der schönen Dreitausender Parade liesen wir uns eine Dreiviertelstunde kosten, bevor wir durch die Südflanke zum Rotgratferner abstiegen. Dieser Abstieg ist im Winter Schiabfahrt, im Sommer eine brüchige Angelegenheit und mit Bedacht zu begehen. Gruppen sollten nicht zu große Abstände lassen, um der Gefahr von Steinschlag vorzubeugen.

sehr vorsichtig absteigen ist hier das Gebot

Am Rotgratferner bestand eine 15cm starke Schneeauflage und zur Querung bis zum Abstieg durch die breite Rinne zur Mauer taten die Eisen gute Dienste. So ganz flach, wie vom Gipfel aus vermutet ist der Ferner nicht.

die Hangneigung ist beachtlich

Jenseits des Gletschers versperrten kleine Schrundspalten den Weg und wir stiegen etwas weiter hinab, um in das felsige Gelände unterhalb der Rotgratspitze zu gelangen. Dort konnten wir uns auch wieder der Eisen entledigen.

wieder auf festem Fels angelangt

Viel ist nicht mehr über vom Rotgratferner und die erst kürzlich ausgeaperten geschliffenen Felsen boten einen interessanten Abstieg über unverwitterte Felsoberflächen.

Rückblick auf den Lüsener Fernerkogel

Über viel Schutt im unteren Teil erreichten wir den langen Felsriegel der Mauer, die hinab in Lüsenstal führt. Obwohl diese Felsen schon viele Jahrzehnte ausgeapert sind zeigen sie erstaunlich wenig Zeichen von Verwitterung, die logischerweise nach unten hin allmählich zunehmen.

Abstiegsrinne

Wir haben nicht den Normalweg über die Mauer an die Ostseite des ehemaligen Gletschers genommen, da die direkte Variante erkundet werden sollte – die „Innere Räuhe“.

der Gletscher hat schöne Formen herausgearbeitet

Im untersten Teil braucht es dafür etwas Spürsinn, um den Abstieg durch die Felsen zwischen den Sturzbächen zu finden. Wer im Winter dort die Schitour absolviert hat, der sollte die richtigen Passagen finden. Im Zweifelsfall kommt man äußerst im Abstieg links, also westlich, leicht hinab.

glatte Partien zur Übung der Reibungskletterei

Den Abschluß bildete wie immer ein Besuch im Gasthof Lüsens von dessen Terrasse aus der Großteil der schönen Tour eingesehen werden kann.

am Ende des Schwemmkegels

Für die gesamte Tour mit allen Pausen benötigten wir in gemütlichem Tempo 9 ¾ Stunden bei 1.660Hm Auf/Abstieg.

die Tour vom Gasthaus Lüsens aus gut einzusehen

Mils, 09.09.2018

Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Die Äußere Wetterspitze, viel mehr der Blick auf ihre schöne Gipfelpyramide fällt bereits vom Parkplatz beim Gasthaus Feuerstein im Gschnitztal auf.
Sie ist ein leichter Dreitausender zu Beginn des Habichtkammes und wird im Standardanstieg im weiten Rechtsbogen von der Bremerhütte aus bestiegen. Durch ihre zentrale und freistehende Lage im Kamm stellt sie auch einen idealen Aussichtsberg in den südöstlichen Stubaiern dar.

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Wir starteten um dreiviertel sieben Uhr mit dem Radl für die 3,6km lange Strecke bis zum abzweigenden Steig Richtung Bremerhütte. Vorbei an der Laponesalm, bei der die Asphaltstraße endet und noch ein paar Minuten auf dem Schotterweg taleinwärts gefahren erreichten wir den Steig zur Bremerhütte. Dabei wurden vom Parkplatz 230Hm zurückgelegt.

ein toller Tag steht uns bevor, die Äußere Wetterspitze im Blickfeld

Ein heißer Sommertag war angekündigt und bereits auf den ersten Höhenmetern im Wald ließ sich die Ankündigung auf den lichten Abschnitten durch die kräftige Morgensonne spüren.
Weiter oben in der Südflanke zur ersten Steilstufe, oberhalb der Waldgrenze auf etwa 1.850m, jedoch erst gegen 8 Uhr morgens schwitzten wir bereits ganz ordentlich.

Abzweigung – Steig zur Bremerhütte

Die Steilstufen mit fortschreitendem Talverlauf sind eine Spezialität der Stubaier Alpen. Man findet sie fast überall und in manchen Tälern mehrfach hintereinander. Beispielsweise von der Grawaalm aus wird zunächst die Steilstufe bis zur Sulzaualm überwunden, bevor die nächste Stufe zur Sulzenauhütte führt.

knapp vor der Oberkante der ersten Steilstufe

Eine gleiche Kaskade muß überwunden werden, will man vom Gasthaus Waldesruh auf die Neue Regensburgerhütte aufsteigen und von Seduck aus findet sich die erste Stufe vor der Frans Sennhütte und taleinwärts bis zum Gletscherkessel des Alpeiner Ferners zwei weitere Steil- oder Talstufen.

Bei unserem Anstieg öffnet sich nach der oberen Kante der ersten Stufe das Gelände der großen Simmingalm mit üppigen Bergwiesen und keiner Almwirtschaft dieser Tage mehr auf 2.000m.

der schöne Talkessel der Simmingalm

Die Simmingalm stellt einen schönen weiten Talkessel mit Gletscherbachzuläufen von den Feuersteinen herab, sowie vom Kessel zwischen den Wetterspitzen dar deren südwestliche Begrenzung eine breite Rippe bildet, auf deren hinterstem Ende – zur Inneren Wetterspitze hin – die Bremerhütte liegt. Sie selbst ist von der Kante der Talstufe aus noch nicht sichtbar, ihre Lage aber wohl an den Tragseilen ihrer Materialseilbahn abschätzbar.

Anna auf einem schönen Exemplar von Gletscherschliff

Der Möglichkeit einer Abkürzung weglos nordwestlich über den steilen Südhang an den Fuß des Ostgrates zur Äußeren Wetterspitze aufzusteigen folgten wir doch nicht und schlugen den Normalweg zur Bremerhütte ein. Durch den raschen Aufstieg war keine Notwendigkeit für eine Abkürzung gegeben und dem eher kleinen Risiko von nassen, sumpfigen Partien bis zum Hang stellten wir dadurch ebenfalls aus.

Wenige absteigende Hüttengäste trafen wir bis zur Bremerhütte an und an aufsteigenden Bergsteigern waren Michael, Anna, Evi und der Verfasser die einzigen an diesem Vormittag.

unser Ziel – die Äußere Wetterspitze von Süden gesehen

Nach ein paar ablichtungswürdigen Szenerien in der Umgebung und dem imposanten Bergmassiv bestehend aus Muskovitgranitgneis der Äußeren Wetterspitze von Süden erreichten wir die Bremerhütte, die wir aber nicht besuchten, um gleich vor ihr dem Verlauf des Talkessels nach Norden zu folgen, um zum Lautersee zu gelangen.

Äußere Wetterspitze im Hintergrund

Auf dieser kurzen Passage zum Lautersee muß eine erste kurze Kletterei am seilgesicherten Steig überwunden werden. Zuerst zieht die Felsplatte mit dem Steig im mittig gelegenen Riss hinauf um dann, am Ende der großen Felsplatte, jäh abzubrechen und so den Steigverlauf in einem seichten Kamin zu schaffen und wieder auf die Bergwiese zu führen.

Bremerhütte 2.413m mit Blick zum Simmingjöchl

Steil führt der Kamin nach unten und die vielen Klammern machen den Steig sehr leicht zu begehen, auch wenn durch die Morgenfeuchte Vorsicht durch die Rutschgefahr geboten war.

über diese Felsplatten führt der seilversicherte Steig weiter

Im Nu erreichten wir die tosenden Wasser vom Lautersee herab, der im letzten Talkessel eingerahmt von den Flanken der beiden Wetterspitzen und deren Verbindungsgrat links und rechts des Lauterseejoches liegt.

ohne Sicherungen ein oberer Dreier

Der Verbindungsgrat stellt ebenfalls eine schöne Möglichkeit zur Besteigung der Äußeren Wetterspitze dar (dieser Grat wird als schwierig, also III angegeben) und ebenso zur Inneren Wetterspitze.

Lautersee mit Lauterseejoch dahinter

Perfekt geeignet zum Nachtanken von Wasser ist das kristallklare Wasser des Sees, das von weiter oben betrachtet ein sattes blau zur Geltung bringt.
Am See hatten wir den westlichsten Punkt im Aufstieg zur Äußere Wetterspitze erreicht (wenngleich der Gipfel derselben noch etwas westlicher liegt) und die weite Runde zum Fuße des Ostgrates führt unter etwas Höhenverlust zu ihrem letzten Abschnitt nordostwärts weiter.

am Weg zum Burgschrofen steil bergauf

Nach der Abzweigung des alternativen Steiges vom flachen Talboden der Simmingalm herauf (durch diesen Steig kann der Rücken auf die Bremerhütte und der Lautersee abgekürzt werden) beginnt der nun nur mehr steile Steig bis zum Ausgangspunkt unserer gewählten Anstiegsvariante, dem Ostgrat zur Äußeren Wetterspitze. Gegen zehn Uhr erreichten wir die am Fuße nur leicht ausgebildete breite Gratrippe und verließen den Steig zur Innsbrucker Hütte.

Abzweigung vom Stubaier Höhenweg zum Ostgrat der Äußere Wetterspitze

Beschrieben ist Ostgrat als mäßig schwierig (II) und diese Einstufung trifft auch nur auf einige wenige und kurze Stellen im oberen Bereich zu, bei denen wirklich der Einsatz von Händen und Füßen nötig ist und nach dem Empfinden des Verfassers könnte zu „mäßig schwierig“ noch ein Minus hinzugefügt werden. Das restliche Gelände am Grat ist als „leicht“ zu beschreiben, wobei es den Einsatz der Hände bei steilen Partien lediglich zum Abstützen erforderlich macht. Richtig ausgesetzt ist der Ostgrat nirgendwo.

Anstieg zeitweise auch über plattiges Gelände

Bis auf etwa 2.700m ziehen sich grasige Partien zwischen plattigem Gneisfels empor und ab dort enden sie durch die sich nun deutlicher ausformende Gratrippe.

Bis zuletzt kann der Gipfel der Äußeren Wetterspitze vom Ostgrat nicht eingesehen werden (zumindest wir konnten ihn im Nebel auch von weiter unten nicht erkennen), weil er sich weiter nordwestlich des Grates befindet und erst über einen leichten Sattel vom Vorgipfel erreicht wird.

und erreicht einmal sogar echte Klasse

Der Sattel mit den letzten Kletterstellen wird ostseitig begangen, westseitig bricht der Grat steil ab. Der letzte Gratkopf kann auf Reibung ostseitig, oder leichter, durch knapp zwei Meter abklettern westseitig umgangen werden. Nach diesem Gratkopf führt ein kurzer Anstieg von etwa 30Hm zum flachen Gipfelplateau, das wir vor halb zwölf erreichten.

Blick vom Vorgipfel auf die Äußere Wetterspitze

Ein Gipfelkreuz sucht der Ersteiger vergeblich, ebenso eine Gipfelbuchschachtel. Die einzige Markierung des Gipfels besteht aus einem Steinmann mit Schneestock.

Rückblick auf den Vorgipfel

Den beschriebenen Kamin unterhalb des Gipfels erahnt man nur nach eingehender Betrachtung, denn er scheint in den letzten Jahren zusammengefallen zu sein. Am Foto lassen sich Reste davon ausmachen.

der ehemalige Kamin aus den Beschreibungen – eine andere Stelle mit Kamin gibt es am Gipfel nicht

Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit und wir waren für die größte Tageserwärmung auch zu schnell aufgestiegen, weswegen die Fotos mit Rundumsicht nicht so toll ausfielen wie es hätte sein können und wie es sich auch noch eine Stunde später, gegen 13 Uhr entwickelte. Während unseres Aufenthaltes am Gipfel der Äußeren Wetterspitze zogen immer wieder Nebelbänke aus den sich erwärmenden Flanken empor, die nur kurze Sichtfenster zuließen und perfekte Bilder vereitelten.

Wilder Freiger links, Wilder Pfaff rechts und schwach erkennbar rechts davon das Zuckerhütl

Trotz Hochsommer muß man immer wieder feststellen, daß auf dieser Höhe das Gemisch von dichtem Nebel, also Schatten und leichter Thermik ausreicht, um die Finger gefühllos werden zu lassen. Ein Leiden des Verfassers und scheinbar auch von Evi, die für den Abstieg Handschuhe verwendete.

Anna studiert den Abstieg zum Vorgipfel

Nachdem uns trotz geduldigen Wartens nur Sekunden für nebelfreie Blicke zu Freiger, Pfaff, Hütl und in die Gegenrichtung zum Pflerscher Tribulaun beschieden waren und diese auch nicht so toll wie erhofft ausfielen, beschlossen wir nach einer kleinen Jause und einer knappen halben Stunde am Gipfel den Rückzug.
Natürlich entwickelte sich die Sicht kurz nach dem Verlassen des Gipfelbereiches relativ schnell zum Positiven – verhext wie immer an solchen Tagen.

Sattel zum Vorgipfel der Äußeren Wetterspitze

Am Abstieg war es uns dann erlaubt zumindest vom Pflerscher Tribulaun einige schöne Aufnahmen anzufertigen, komplett nebelfrei jedoch nicht.

Östlicher Feuerstein

Kurz nach halb ein Uhr erreichten wir den Stubaier Höhenweg wieder. Die Temperatur dort, auf rund 2.250m war deutlich hochsommerlich also wurden die letzten Wasserreserven verbraucht. Die nächste Gelegenheit bot sich ja gleich ein paar Hundert Meter tiefer am Abfluß des Lautersees hinab zum Gelände der Simmingalm.

von rechts: vom Hohen Zahn zu den drei Tribulaunen

Am Bach entlang und nicht am markierten Steig beschlossen wir sei es schöner als durch die Geröllflanke und so stiegen wir durch Moosbeerenstauden weiter ab, vorbei am schnurrenden Generator des Kraftwerkels der Bremerhütte, angetrieben durch eine Kleinturbine, die sicher sehenswerte tapfere Strömungsmaschine für den Verfasser als Maschinenbauer leider nicht zu sehen.

Simmingboden

Der Weg führte trockenen Fußes durch die flache Alm mit dem Bach, der sich talauswärts mäandert, bis zum Weg zur Bremerhütte.

Ausfahrt zum Parkplatz im Gschnitztal

Das Radldepot erreichten wir knapp nach vierzehn Uhr und den Parkplatz knapp nach halb drei nachmittags.
Gesamt benötigten wir 7:36 Stunden für 1.900m und ca. 2×10,5km (2×3,6km davon mit dem Radl). Man rechne als Normalzeit mit gut einer Stunde mehr, da wir sehr schnell aufgestiegen sind.

Mils, 19.08.2018

Nördliche Sonnenspitze, 2.650m

Die beiden Sonnenspitzen in der Hinterautal-Vomper-Kette zählen zu den am wenigsten begangenen Gipfel in dieser Kette und auf die Nördliche Sonnenspitze, dem gewöhnlichen Ausgangspunkt für die Überschreitung zur Südlichen Sonnenspitze, führt ein mühsamer Anstieg durch das Große Kühkar. Der Grund warum hier nur von der Nördliche Sonnenspitze die Rede ist, wird im Text erläutert.

Nördliche Sonnenspitze, 2.650m

Um den Eintritt zum Großen Kühkar zu erreichen erwartet den Besteiger der Nördliche Sonnenspitze zunächst eine lange Anreise entweder über Scharnitz, heute fast ausschließlich mit dem Radl, oder, im Fall dieser Beschreibung, klassisch zu Fuß über das Lafatscher Joch aus dem Halltal.
Weiters muß dann von der Kastenalm zum Unteren Moserkar aufgestiegen werden und dieses bis zur Karverzweigung durch den südwestlich herunterziehenden Gratrücken von der Moserkarspitze aufgestiegen werden. Eine kürzere Anreise gibt es – ohne die Nordwände zu erklimmen – nicht.

Die Sonnenspitzen vom Lafatscher Joch aus im Norden

Der Anstieg vom Hackl im Halltal bis zur Kastenalm ist für die Beschreibung des Anstieges zur Nördlichen Sonnenspitze ohne Belang und, weil er über breite markierte Wege erfolgt, auch keine besonders beschreibenswerte Anreise.
Die Erwähnung, daß der Verfasser für die Strecke vom Parkplatz Halltal bis zum Kasten dreieinhalb Stunden benötigt hat, sowie ein wunderschönes Bild von den beiden Sonnenspitzen und deren Verbindungsgrat – das gleichzeitig den Blick darstellt, der nach oftmaligem Erleben den Drang zur Ersteigung dieser Region vorantreibt – möge hier genügen.
Weiters sei zur Planung der Tour daran erinnert, daß die Rückreise mindestens genauso lange in Anspruch nimmt und länger, da auf der Rückreise die Hallerangeralm zur notwendigen Labe besucht werden sollte.

Gipfel im Moserkar und rechts der Sonnenspitzenstock

Vom „Kasten“ aus– eine durchaus gebräuchliche und eigentlich treffendere Bezeichnung wie „von der Kastenalm aus“ (das innere Almwiesengelände der Alm wird nämlich gar nicht betreten sondern ein großer Bogen um sie abgeschritten) – führt die Route am Ufer des Moserkarbaches zur Linken entlang.
Der breite Schotterweg kann im Bereich der inneren Alm durch lichten Wald abgekürzt werden um ihn nach ein paar Hundert Meter wieder zu erreichen.

der Moserkarbach an der Stelle an der er versiegt

Im Bereich der größten Nähe zum durch Hochwassereinflüsse aufgeböschten Ufer und einem markanten Ahorn kann das breite, staubtrockene Bachbett überschritten werden um knapp danach wieder begangen zu werden, nämlich um die letzten versiegenden Wasserläufe des Moserkarbaches zur Wasserauffüllung zu benutzen.

Allein die Strecke vom westlichsten Punkt bis zu diesem Gebiet sollte man am Abstieg vom Hinterautal vom Zeitbedarf her nicht unterschätzen, es handelt sich um gute zwei Kilometer bzw. einer halben Stunde Gehzeit, die auf der Karte nicht so aufwendig aussieht (auf der AV-Karte gibt es Steigspuren vom Steilstück zu einem Weg in die Kastenalm hinab – vielleicht wäre dies eine lohnenswerte Abkürzung).

Steig ins Moserkar

Anschließend weisen hohe Lärchen den Weg zum Steig in das Moserkar. Er beginnt an einer Stelle, die unspektakulärer nicht sein könnte und wenn nicht ein breiter ehemaliger Fahrweg dort hin führte, würde man wahrscheinlich einige Zeit suchen. Der Steig ist für seine alpinistische Begehungshäufigkeit phantastisch gut ausgeschnitten, was auf rege Tätigkeit der Jägerschaft in diesem Gebiet hindeutet – vermutlich die Pächter der bei der Kastenalm gelegenen Jagdhütte – denn in dieser Gegend wird sehr wahrscheinlich kein alpiner Verein dafür verantwortlich zeichnen.

Am höchsten Punkt beim Zustieg „Moserkaregg“

Zum Zeitpunkt der Begehung des Steiges durch den Verfasser heizte die Sonne an diesem so traumhaften Hundstag im August bereits derart kräftig herab, daß er sozusagen „einging“, immensen Wasserbedarf zeigte und bis zur Verzweigung vom Unten Moserkar bis ins noch schattige Kühkar schlapp und immer schläpper wurde. Ein grausiger Riegel und ein Apfel waren nicht in der Lage seine Steigleistung in Form zu bringen.

erstmalig das Große Kühkar – der Aufstieg zur Nördlichen Sonnenspitze – zu sehen

Bei der Verzweigung konnte er nicht umhin über die Maßen viel zu trinken beide Flaschen voll aufzufüllen, in Unkenntnis, daß der Bach aus dem Kühkar noch gut 200Hm weiter hinauf ergiebig genug zum Tanken gewesen wäre. Wer das Thema Wasser im Karwendel kennt handelt eher früher als später.

Abzweigung der Kare und im Rückblick die Halltalkette

Unzufrieden schlapp ging es nach der Bachquerung den falschen Steig bergauf. Zwar besteht um die Ecke bei den Latschen knapp oberhalb des Baches ein direkt ins Kühkar abzweigender Steig, allerdings sieht dieser so aus, als verlaufe er sich anstelle markant die Wiese zu durchschneiden. In trügerischer Gleichgültigkeit ob der Schlappheit und ungenauer Erhebung der Situation wurde dem besseren, breiteren Steig in Spitzkehren steil bergauf gefolgt, um nach wenigen Minuten und kaum 100Hm festzustellen, daß dies der falsche war und ein bergsteigerischer Grundfehler begangen wurde – nicht genau festzustellen welcher Steig der richtige ist.

der richtige Steig 40Hm tiefer – Abstieg über unangenehme Schotterflanken notwendig

Der Abstieg zum – von oben natürlich gut sichtbaren – Steig ins Kühkar mußte somit über unangenehmes verfestigtes Sand und Schottergelände erfolgen, glücklicherweise nur über knapp 40Hm.
Solche Fehler nagen und stacheln aber gleichzeitig auch an, in diesem Fall jedoch zum Vorteil der Bekämpfung der Schlappheit gereicht.

Nach wenigen Minuten „versiegte“ aber auch der richtige Steig durch die Nähe zum steil abfallenden Bachbett, dessen abgerutschte Flanken die Latschengassen auf einmal zur steilen Schuttböschung machten.
So kämpfte sich der Verfasser auf die andere, im Aufstieg gesehen rechte Bachseite auf einem Rücken aufwärts, bis der Geländeeinschnitt durch den Bach flacher wurde und eine Rückkehr auf die richtigere linke Seite leicht möglich wurde.

Rast im Kühkar auf 1.750m

Nach diesem unvorteilhaften und eher zu verschweigenden Intermezzo, als erfahrender Bergsteiger irgendwo, aber nur ein paar Dutzend Meter, neben dem richtigen Steig befindlich wie ein Anfänger durch dichte Latschen mit unzähligen, um das Gesicht herum beim Zerreißen knisternden Spinnfäden aufsteigen zu müssen, erreichte der Verfasser die Höhenkote 1.750m und das Kühkar schien kein Ende zu nehmen. Eine Rast mit ordentlicher Nahrungsaufnahme und dem erhobenen innerem Zeigefinger zum Zusammennehmen gab das Unterbewusstsein vor, worauf Rucksack und Körper unsanft auf den Karboden niedersackten. Es galt einen mentalen Tiefpunkt zu überwinden oder nicht.

weiteres Aufstiegsgelände im Kühkar

Ein Gutteil der mitgebrachten Geheimwaffen Rosinen und getrocknete Marillen, sowie Brot und Speck wurden verschlungen und mehr als eine halbe Flasche Wassers obendrein. Ein Zeichen völlig falscher Planung und für die Temperaturen zu anspruchsvoller Route und zu spätem Start.

Nun, das Markenzeichen des Karwendlers ist sein fast unbeugsamer Wille angefangenes fertigzustellen wann immer möglich sowie sinnvoll und nach 20min Rast hatte sich bei der Beobachtung der weißen und dunkelbraunen Schafe mit Glöckchen in den Schuttreisen unter den Abbrüchen des Grates zwischen den beiden Sonnenspitzen neuer Tatendrang breit gemacht. Die Tour muß durchgezogen werden, auch wenn sie bisher nicht professionell genug angegangen wurde und auch der zu späte Aufbruch nach sechs Uhr mit der folgenden extremen Tageserwärmung bis zum Kühkar einen erheblichen Einbruch der Kräfte verursachte.

im obersten Kühkar

Die Essenspause wirkte gleich nach wenigen Minuten wodurch das aufsteilende Kühkar bereits unter besserer Steigleistung bezwungen werden konnte.
Zum raschen Fortkommen eignen sich die Steilwiesen besser als die rechts und mittig herabziehenden Schuttreisen und meint man nach den Steilwiesen, die weiter oben etwas flacher werden, daß der Grat gleich dahinter erreicht wäre, so täuscht man sich. Nach der sichtbaren Kannte beginnt eine weitere Karstufe, die dann nur mehr mit Geröll durchzogen ist, mit einer Muldung beginnt und mit Schrofen im oberen Teil endet die dann aber wirklich den Grat zu den Nordabstürzen zu den Ladizer Reisen und der Falkenhütte bilden.

Reste eines Flugzeugabsturzes; ob das ein Learjet 23 war und weitere Details lassen sich nicht mit Sicherheit aus dem Internet recherchieren

In diesem letzten Karabschnitt befinden sich die traurigen Reste eines abgestürzten Flugzeuges, angeblich ein Learjet 23 und angeblich am 28.08.1972. Je mehr man die spärlichen Berichte dieses tragischen Vorinternetgeschehens in diesem nachzuforschen versucht, desto weniger kann man den gefundenen Details glauben, die auch vom Absturz über dem Sellraintal berichten. Wie auch immer, es war ein Kleinflugzeug dessen kümmerliche Reste zu einem Häufchen zusammengeräumt wurden und sich davon ein paar großflächigere Mantelteile des Rumpfes – durch Stürme verfrachtet – auch noch weiter oben in den Reisen der Nördlichen Sonnenspitze herab finden lassen.

Am Grat zur Nördlichen Sonnenspitze angelangt – Blick gen Norden ins Johannestal

Endlich war der Grat erreicht und der Blick richtete sich gleich auf die beschriebene Aufstiegsrinne. Dieser folgt man im Gegensatz zur Beschreibung im AV-Führer kaum soweit bis sie sich zur echten Rinne ausbildet, sondern übersteigt gleich unterhalb der Rinnenausbildung rechts auf einen Schutthang an dem dann der weitere Aufstieg sogleich sichtbar wird, denn er erfolgt längs einer geologischer Störzone, die regelrechten eingeschnitten in der Bergflanke deutlich sichtbar ist (die 10m sind untertrieben).

Einstieg in die Flanke zur Nördlichen Sonnenspitze

Steinmänner begleiten bis zum zweiten Turm, bei dem der Einschnitt endet und der weitere Aufstieg nach links oben (südöstlich erfolgt). Die Flanke ist deutlich sichtbar und weniger Steil als links davon. Dort etwas höher in der Flanke der vorerst letzte Steinmann durch den man dann weiß, die Linkskurve richtig erraten zu haben.

2. Türmchen voraus – mehr als 10m…

Anschließend wird der Flanke in direktem Anstieg etwa 40Hm weiter gefolgt, bis links ein Schuttband sichtbar wird, mit Steinmann am Ende. Über dieses zum Steinmann und von dort wieder ca. 40Hm leicht rechts haltend empor, wobei am Ende eine etwas schwierigere als der Aufstieg zuvor (im Abstieg) kaminartige Schuppe zu überklettern ist, bevor nach einigen Metern eine Flachstelle erreicht wird, in der ein Holzstock an den Fels lehnt und eine Markierung darstellt.

Rückblick von oben – der Steinmann links unten, die Scharte mit Türmchen rechts oben

Die Markierung weist nach links (nördlich) und sofort wird ein angenehm breites Band, das vorsichtig begangen werden soll, weil sehr mit Schutt beladen, sichtbar, das um einige Ecken und Ausbuchtungen herum zum Gipfelbereich führt.

Dem Holzstock Aufmerksamkeit schenken – er ist nicht durch Zufall hier; links über das Band geht es weiter

War der Fels in der Flanke bis hierher großteils noch recht fest beginnt hier auf den letzten Höhenmetern eine wesentlich schlechtere Qualität und sehr viel von dem was als Griff taugen sollte bricht aus. Noch größere Achtsamkeit auf den letzten zwanzig Höhenmetern tut also Not, vor allem, wenn sie über den Grat begangen werden, wie im vorliegenden Falle.

Mittelteil des Bandes – sieht schlimmer aus wie es ist – man steige es mit Bedacht

Auf der kleinen Gipfelfläche der Nördlichen Sonnenspitze befindet sich kein Gipfelkreuz, dafür aber ein Steinmann und eine Gipfelbuchschachtelhalterung mit einem netten Gipfelbuch der Lenggrieser, die man so oft in Karwendelgipfelbüchern liest. Die erste Seite des Buches trägt das Hinterlegungsdatum und just zu seinem Geburtstag am 4. August hatte der Verfasser seine Tour auf sie durchgeführt. dazu mußte mit Peter Mayr’s  Höhenheilmittel angestoßen werden.

erstmals der Gipfelbereich der Nördlichen Sonnenspitze vom Band aus sichtbar

Während der Jause mußte der Verfasser eine besorgniserregende Beobachtung machen. Über dem Bettelwurf und weiter südlich im Inntal brauten sich hohe dunkle Wolken zusammen und selbiges auch im Vorkarwendel im Nordosten.

die bekannten und geschichtsträchtigen Gipfel im Bockkar über dem Roßloch

Nun wird auch dem Leser auch klar warum der Titel vorliegenden Berichtes nicht von der Überschreitung der beiden Sonnenspitzen spricht – der Verfasser hat zwar mit Widerwillen dennoch entschlossen sofort eine Entscheidung getroffen und recht rasch, nach einer nur zwanzigminütigen Rast, den Rückzug vorgezogen.
Ein Gewitter am schutzlosen Grat, zählt zu den vermeidenswertesten Angelegenheiten der Bergsteigerei.

Blick auf das Lafatscher Joch – Ungemach zieht vom Inntal über Bettelwurf und Großem Lafatscher auf

Nun, jeder Schaden hat auch einen Nutzen lautet eine Weisheit und der Nutzen für den Verfasser war eindeutig, die Aufstiegsflanke auch als Abstiegsflanke kennenzulernen. So sei allen, die die Flanke bereits aufgestiegen sind versichert, daß der Abstieg keineswegs als übel einzustufen ist. Die Schuttpartien mit Bedacht abgestiegen werden immer wieder feste Partien erreicht, die wunderbar abzuklettern sind. Einzig die zuvor beschriebene Schuppe, die etwas kniffliger abzusteigen ist, aber auch ohne große Anstrengung gemeistert wird, dort allerdings mit großer Körpergröße leichter.

Blick von der Nördlichen Sonnenspitze auf den Westteil der Karwendelhauptkette

Der Abstieg ins Kühkar erfolgte rasch. Kaum eine halbe Stunde ist dafür notwendig.
An der Latschengrenze angelangt sollte der Verlauf des Steiges durch die Latschen gefunden werden, doch dies war wieder nicht so möglich wie gewünscht und ein Verbindungssteig wurde stattdessen gefunden, der in der teilweise recht unangenehmen Flanke von der Rippe von der Moserkarspitze herab querte.

Rückzug über die Flanke der Nördlichen Sonnenspitze

Am Moserkarbach angelangt waren die Wolken in dem kleinen Himmelsfenster, das dort sichtbar ist zum Teil wieder aufgelockert und dies war einerseits für den weiteren Abstieg beruhigend, andererseits gab es aber Anlass zum Ärgernis des hastigen Rückzuges.

Abstieg ins Moserkar – Rückblick ins Kühkar und auf die Nördliche Sonnenspitze

Der Steig im Unteren Moserkar führt durch wahrhaft schönes Gelände und erfreut. Tief eingeschnitten zeichnet der Bach seit Jahrtausenden seinen Lauf auf. Am Abstieg durch die Latschen beim Moserkaregg kann das gewaltig weitläufige Gelände der Kastenalm eingesehen werden. Bis ins Roßloch hinein zieht sich die fast ebene Almfläche dahin.

wunderschöne Szenen im Moserkar – der Bach hat sich über lange Zeit tief eingeschnitten

An der Querung des trockenen und sehr breiten Bachbettes, das bei Hochwetter nicht breit genug sein kann, waren nun die ersten Regentropfen zu spüren – die Gewitterzelle hatte sich nun innerhalb einer halben  Stunde über das Sonnenspitzenmassiv geschoben.

Überquerung des Moserkarbaches an markanter Stelle mit altem Ahorn

Mit leichtem Laufschritt versuchte der Verfasser Garagen am Weg zu erreichen, bevor ihn die schweren Tropfen erreichen möchten und das gelang auch.

das Gewitter über den Sonnenspitzen hat begonnen

Unter dem 50cm herausstehenden Dach der Garage neben der Schotterstraße beim Radldepot vor der Kastenalm wurde das Gewitter durch „unterstehen“ – durch das früher sogar Ehen entstanden sind – abgewartet.

aus dem trockenen Unterstand in die Nässe geblickt

Bei jedem der vier bis fünf gewaltigen Blitze über dem Sonnenspitzengrat manifestierte sich Sinnhaftigkeit der Entscheidung umzudrehen noch weiter.

 

Nach einer guten halben Stunde war der Spuck ebenso schnell zu Ende wie er begonnen hat und der Heimweg konnte angetreten werden. Durch die Trockenheit des so schönen Sommers war auch jegliche Lache am Weg sofort aufgesaugt und von oben tropfte ohne Wind auch nichts herab. Der Regenschutz konnte somit diesmal im Rucksack verbleiben.

der Spuk nach 40min vorbei – die Südliche Sonnenspitze erstrahlt im Sonnenlicht

Am Weg zum Halleranger entstand in der gereinigten Luft noch ein klares Foto der Sonnenspitzen und der Kare drum herum – so schnell kann eine Gewitterzelle abregnen und wieder klares Wetter herrschen.

Sonnenspitzen im Zoom

Auf der Alm gab es nochmals Energienachschub – wie könnte es anders sein – in Form von Knödelsuppe und Bier. Als gegen halb acht das Lafatscher Joch erreicht wurde erstrahlten die Sonnenspitzen im Abendlicht. Ein anderes Mal wird auch die Überschreitung gelingen.

Route ab dem Kasten im Hinterautal

Die Tour endete nach 15 Stunden und 3.525Hm gegen neun Uhr am Parkplatz beim Hackl.

Mils, 04.08.2018

Karwendeldurchquerung – mehr als 50 Mio. Jahre in 16 Stunden von Absam bis Krün

Wie kann ein Gebirge am besten in seiner Gesamtheit erfaßt werden?  Wie lange soll der Erfassungsprozess dauern, um den dauerhaftesten Eindruck zu bekommen und welche ist die klügste Erkundungsrichtung?

selten schöne Ansicht der Nördlichen und Karwendelhauptkette von der Soiernspitze

All diese Fragen waren betreffend das Hauptgebirge seiner bergsteigerischen Tätigkeit – zwar noch nicht so ausgeprägt, aber dennoch – schon einmal das Ziel des Verfassers Bestreben. Damals ging es um die Durchschreitung des Karwendels von Ost nach West und auf dieser phantastischen Reise keimte der Wunsch nach einer noch tieferen, umfassenderen Reise in der die Eindrücke dreidimensional und in einem Stück gebündelt werden sollten, ja das Karwendel mußte irgendwie umarmt werden, um seine Gesamtheit unter einmal zu erfassen.
So entstand die Idee das einzigartige Gebirge seiner Entstehungsrichtung entlang zu bereisen. Dabei sollten alle Elemente (in diesem Fall die Hauptketten und in Entstehungsrichtung gesehen auch der nördlichste Kamm einbezogen werden, weil dies den Aufbau des Gebirges am realistischsten darstellt.

Nun, mit einem Tausender in der Hand hätte dieses Vorhaben in wenigen Stunden mit einem Rundflug und vielen Fotos aus einem kleinen Spuckerl an Flugzeug realisiert werden können. Ebenso gut hätte es in einer  mehrtägigen Etappentour durchgeführt werden können und die hartgesottenen Radlfahrer unter den Lesern dieses Blogs hätten höchstwahrscheinlich eine Reise am Umfang des Gebirges vorgeschlagen, sie läßt sich auch in einem Tag durchführen, ohne Stromradl versteht sich.

Nein, das wäre alles nicht gewesen wonach gesucht wurde. Das Ziel – als einzige Möglichkeit die Größe im eigenen Kopf und auf einmal zu erfassen – war: das gesamte Gebirge mußte in einem Zug durchquert werden.

Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Natürlich benötigt der Mensch zur Erfassung heute noch sein Augenlicht und keine Kopflampe, die beispielsweise im Schitourensport verwendet wird und in Mils blendet, wenn am Glungezer einer seinen Kopf entsprechend ausrichtet. Nein, alles was das Auge zur Erfassung sehen muß das muß auch ohne künstliche Lichtquelle erfaßt werden können. Grundbedingung des Verfassers, wo immer möglich Mensch bleiben, Technik ist schon genug an Füßen und Buckel.

Somit ergibt sich die Notwendigkeit die lange Reise in einem Zeitraum durchzuführen in dem die Übergänge schneefrei, gleichzeitig der Tag lange genug andauert und es nicht zu heiß ist.
Ob man es nun glaubt oder nicht, dieser Zeitraum ist im Karwendel lange nicht so ausgeprägt als man es vermuten möchte.

Der Juni – der gegen sein Ende den längsten Tag des Jahres beinhalten würde –  fällt für diese Bedingungen komplett aus, denn ohne Erkundung muß auch Ende Juni auf der Nordflanke der Birkkarspitze noch weitgehend mit Schneefeldern gerechnet werden. Nicht, daß man diese nicht meistern könnte, jedoch wäre eine solche Zusatzprüfung auch ein zusätzlicher Risikofaktor, daß das Vorhaben zielsicher gelingt. Sei es durch nasse Schuhe, oder einfach durch zeitliche Behinderung.

Der wettermäßig meist stabile September fiel für den Verfasser vom Angebot des Tageslichtes her weg und der August tat dies wegen seiner eher hohen Durchschnittstemperatur.
Somit bliebt der Juli als jener Zeitraum, bei dem Schneefreiheit, Tageslicht und Tagestemperatur von vorne herein als eher günstig anzunehmen sind und – zusätzlich, bei Vertrauen auf den Wetterbericht – in Summe die besten Rahmenbedingen vorliegen müssten. Natürlich kann die Tour im gesamten Zeitraum von Juni bis September durchgeführt werden aber, in den Monaten außer dem Juli muß viel Glück im Spiel sein, damit sie erfolgreich verläuft.

Karwendelketten bei der Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Ein weiteres Faktum, das in der Planung besondere Berücksichtigung verdient, ist die Höhenlage des zentralen Teiles der Tour, dem Anstieg zur und dem Abstieg von der Birkkarspitze. Immerhin dringt man bis über 2.700m Meereshöhe vor und wie man weiß kann dort – je nach Wetterlage tags zuvor – auch schneidend kalter Wind vorherrschen. Die gute Nachricht aber ist, daß diese in etwa genau zur Mittagszeit erreicht wird (Anm. d. Vf.: müßte nach meinen Berechnungen für die Begehung von beiden Seiten zutreffen), wo die besten Bedingungen vorherrschen sollten. Wie man aus eigener Erfahrung aber leidgeprüft aber weiß, muß dem nicht immer so sein, also in der Planung gezielt begegnen.

Hinzu kommt noch die Beschaffenheit des Weges. Im Gegensatz zu Karwendelmärschen erfolgt eine Karwendeldurchquerung nicht auf Fahrwegen, bzw. auf breiten und ebenen Steigen sondern auf sehr beanspruchendem Terrain, beispielsweise dem Abstieg durch das Schlauchkar im oberen Teil und der völlig verwurzelte Gjaidsteig zum Bäralpl. Mit lustig leichten Bergläuferpatschln kann man diesen Strecken also nicht begegnen.
Der Verfasser wählte im Gegensatz zu Simon, seinem Tourenpartner, zwar auch keine stabilen Bergschuhe sondern die heute so beliebten und für das Fußgelenk eigentlich völlig untauglichen Halbbergschuhe, allerdings hiervon die festesten erhältlichen und mutete damit seinen Gelenken trotz viel Training dennoch einiges zu.

Hinsichtlich der Bekleidung sei erwähnt, daß sich im Rucksack für die zuvor erwähnte Höhenlage immer ein gescheiter Windschutz und eine Regenjacke befinden sollen, die Hose bleibt kurz, den Beinen sollte warm genug sein. Wer mit wenig Haarwuchs ausgestattet ist braucht vielleicht ein Käppchen und eine dunkle Sonnenbrille schützt unheimlich effektvoll vor dem erkannt werden auf Fotos, also ist sie für alle außer für den Verfasser unerlässlich.
Die Verpflegung wird unterwegs geklärt und hiermit sei Schluß mit dem Vorspann.

Start um 4:44 Uhr beim Hackl in Absam

Vier Uhr dreißig c. t. lautete der vereinbarte Zeitpunkt des Treffens beim Parkplatz beim Hackl in Absam. Wie immer ist jener mit der längsten Anreise der erste und so schüttelte der Verfasser fünf Minuten später dem Simon die Hand. Am Weg zum Schranken wurde das Log der Uhr gestartet und nach kaum zehn Minuten ward es bereits vor der Bergerkapelle taghell (das Abmarschfoto täuscht über die Lichtverhältnisse, die Dämmerung hatte schon eingesetzt und Simon trägt keine Stirnlampe).

Der Startzeitpunkt war also 4:44 Uhr am 25. Juli 2018, der Himmel war wolkenlos, über dem Bettelwurfeck herrschte nur ein Hauch von Thermik über das Tal herab und somit war wenig Temperaturunterschied in der Höhe zu erwarten. Rasch gewannen wir an Höhe.

Aufstieg im Isstal

Bei einem Vorhaben solcher Art ist nicht unerheblich wie die beiden ersten Stunden ablaufen. Werden sie zu schnell angegangen, kann das schlechte Auswirkungen auf den gesamten weiteren Tagesverlauf haben, umgekehrt wird wertvolle Zeit verloren, die die äußerst knappe Kalkulation ins Wanken bringen könnte und einen letzen Abstieg und Ankunft bei Dunkelheit zeitigen. Man steige also in seiner Normalgeschwindigkeit für größere Vorhaben auf.

Die geringfügige Abkürzung durch das Isstal über den Hirschbadsteig büßten wir wegen des nicht beachteten Taues mit innen spürbar feuchten Schuhen ein. Ausgeschnitten wird dort ja schon Jahre nicht mehr richtig. Eine kleine Beeinträchtigung, die bis weit ins Birkkar hinein spürbar war.
An diesem Beispiel sieht man wie dünn die Decke zwischen der Vorstellung des optimalen Ablaufes und  unvorhergesehener Beeinträchtigung ist. Für uns keine Sache die uns wirklich zu schaffen macht, aber eben etwas unangenehmes, das sich im Kopf festsetzen, oder vorzeitig zu Reibung an Sohle oder Zehen führen könnte und das Vorhaben ins Wanken bringen könnte. Wie wichtig es ist die richtige Balance zwischen Fuß, Socken und Schuh zu haben erfährt man spätestens nach 12 Stunden und gut 40km am Aufstieg zur Soiernspitze.

am Issanger – Sonnenaufgang am Roßkopf

Mit dem unbeugsamen Willen das Gebirge auf einmal haben zu wollen nahmen wir den Anstieg auf das Lafatscher Joch als erste Prüfung locker an – die Licht- und Schattenspiele dorthin präsentierten sich zudem als mentales Doping der Sonderklasse (die Handykamera kann es leider nicht annähernd wiedergeben).
Allein dieser Eindruck des Gebirges im Gesamten taugt schon dazu niemals vergessen zu werden.

Rückblick auf das Halltal

Das Halltal, mittig zwischen Inntal- und Gleirschtal-Halltalkette gelegen, läßt die Inntalkette für die Durchquerung gesehen etwas wenig zur Geltung in der Würdigung aller Ketten kommen. Diese Erkenntnis ist dem Verfasser erst in der Retrospektive aufgefallen, die Vollendung der Überschreitung wäre der Anstieg vom Parkplatz oberhalb Thaur über das Kreuzjöchl und das Stempeljoch gewesen. Diese Strecke hätte lediglich 300Hm mehr hervorgerufen und wäre durchaus richtiger gewesen. Die Macht der Gewohnheit siegte über sorgfältiges Nachdenken. So haben wir nur einen Hauch von Inntalkette durchschritten, sozusagen an ihrer Verschneidung mit der Halltalkette.

Stempeljoch und Stempelspitzen

Das Lafatscher Joch erreichten wir an diesem so strahlenden Julitag nach 2 Stunden 12 Minuten und 1.300Hm Aufstieg und dort gab es frühmorgens herrliche Blicke zu den Tuxern und Zilltertalern im Süden, sowie einen für das vorliegende Vorhaben noch viel interessanteren nordwärts gerichteten Blick auf den Roßlochkamm rechts und die Gipfel im Herz des Karwendels, die Sonnenspitzen und abermals links geschaut auf die gewaltige Kaltwasserkarspitze.
Die Birkkarspitze – das höhenmäßige Ziel der Reise – verbleibt gerade noch abgedeckt und daher unsichtbar durch den gewaltigen Grat der Sägezähne zur Kaltwasserkarspitze. Ein unfassbares Panorama, das selbst in höchster Eile aufgesaugt werden muß und einen weiteren Mosaikstein in der Erfassung des Gebirges darstellt.

Südliche Sonnenspitze vom Lafatscher Joch aus

Die Vorstellung inmitten dieser Gipfel in den nächsten Stunden aufzusteigen und sie viele weitere Stunden später in noch größerer Entfernung von der Gegenseite sehen zu können spornte für einen raschen Abstieg im angenehmen Schatten kräftig an. Die 900Hm Abstieg und immerhin 8km lange Strecke vom Lafatscher Joch bis zur Abzweigung in das Birkkar konnten wir in eineinhalb Stunden absolvieren.

Karwendelhauptkette – Birkkarspitze hinter den Sägezähnen versteckt

Daß es an diesem Tag über die Maßen gut lief und in Wahrheit die Euphorie des Vorhabens über jegliche Beeinträchtigung triumphierte spürte der Verfasser am Anstieg über das enorm tiefe Birkkar. Im Nu erreichten wir die „Ständ“ und füllten aus dem kleinen Bach, der aus dem kleineren östlichen Birkkar heraustritt erstmals die zweite Wasserflasche auch mit auf, bevor es in die ab nun immerwährende Sonneneinstrahlung aufwärts weiterging.

Kastenalm

Im etwas unangenehmen Teil des Birkkares stellten wir den Schotterreisen am Steig westlich aus. Über schuttdurchsetzte Grasnarben stiegen wir allemal bequemer als am ausgetretenen Steig durch die Reisen.

wunderschönes Birkkar

Ein nächster Markstein in der Gesamtbetrachtung ist die Überwindung der Steilstufe und Übertritt in das obere Birkkar auf rund 2.240m. Die Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke liegt dort zwar schon hinter einem (siehe hierzu die Bildgalerie), aber sich an solchen mathematischen Details zu orientieren wäre der falsche Ansatz das Gebirge in seiner Gesamtheit unter einmal zu erfahren. Die Erkenntnis über die mathematischen Gegebenheiten wurde vom Verfasser mit Staunen auch erst im Nachgang ermittelt.

Wasser wird für die Strecke bis zum Karwendelhaus aufgefüllt

An der Schwelle zum Eintritt in das obere Westliche Birkkar erfaßt den Bezwinger der Birkkarspitze zunächst einmal aufs Neue das gewisse Massstabsgefühl das in den meisten Naturbeschreibungen mit der Kleinheit des Menschen vor den Dimensionen der Natur dargestellt wird. Das Westliche Birkkar jedoch ist eine kleine optische Täuschung, es ist mit 40Ha beispielsweise flächenmäßig um ein Drittel kleiner als das lange Gleirscher Rigelkar und auch kleiner als einige seiner gewaltigen Nachbarn in der Hauptkette, allerdings vermittelt es mit den an seinem Umfang ungebrochenen und fast senkrecht hoch aufragenden Mauern ein Volumensgefühl das im Karwendel seines Gleichen sucht.

umwerfender Blick auf die Gleirsch-Halltalkette – Bildmitte die Praxmarerkarspitzen mit 600m hoher Nordwand, links davon die Kaskarspitze, rechts die Nördliche Jägerkarspitze

Die mächtig gebankten und kaum zurückweichenden Felsflanken der Ödkarspitzen und der Birkkarspitze geben sich hier links und rechts die Hände mit ebenso ungebrochen hohen Südgraten, die die Umrahmung bis weit hinaus ins untere Birkkar prägen und einen atemberaubenden Kessel schaffen, in dessen Tiefstem man sich dort befindet und der sich im Kopf heiß einbrennt.

das obere Westliche Birkkar

Nicht minder einprägsam die Erscheinung der im Süden gelegene Halltalkette – sie frontal aus dieser Höhe gesehen vermittelt deutlich die Größenordnungen an Überschiebung die bei den Karwendelketten vorherrschen mußten um sie zu schaffen.

einmal mehr die Gleirsch-Halltalkette mit voraus geschobenen Raiblerschichten

Dem letzten Schatten für einige Minuten des Weges begegneten wir im eher flacheren Teil des oberen Westlichen Birkkares in der Reise in der Flanke des Südgrates der Birkkarspitze.
Mittlerweile, mitten im fortgeschrittenen Vormittag, war die Sonneneinstrahlung selbst in 2.400m Seehöhe deutlich zu spüren. Ein Glück, daß immer noch ein leichtes Lüftl durch Thermik vorherrschte und mit zunehmender Höhe zum Schlauchkarsattel auffrischte.

Aufstiegsgelände zum Schlauchkarsattel

Die ersten Überschreiter von Norden begegneten uns in der mühsam aufzusteigenden Reise zum Schlauchkarsattel; so mancher davon benötigte für den Abstieg länger als wir für den Aufstieg und genau jene wissen nicht einzuschätzen wie damit umzugehen, daß sie auf der Südseite der Birkkarspitze theoretisch 25km Fußmarsch von jeglicher Zivilisation entfernt sind. Und es ist besser so.

Rückblick in das obere Westliche Birkkar

Im Fels ist der Aufstieg zum Sattel vergleichsweise arg strapaziert, die Auswirkungen des Winters sind an der Versicherung zu sehen und dennoch gibt es keinen Grund zur Beanstandung – man befindet sich im Hochgebirge und ist für sich selbst verantwortlich, niemand Dritter sonst, auch nicht der Wegerhalter.

mit Seilversicherung bis weit nach oben

Es war uns klar, daß wir in der Gegend der Birkkarspitze mit einigem Rummel zu rechnen hatten, wobei sich dieser in akzeptablen Grenzen hielt. Umgehungen von heiklen Passagen aufgrund von nicht enden wollenden Gruppenpassagen blieben zum Glück aus und am Gipfel, den wir recht zufrieden um halb zwölf erreichten, fanden wir lediglich vier Bergsteiger vor.

am Schlauchkarsattel angelangt

Am Gipfel der Birkkarspitze, 2.749m, gönnten wir uns – knapp sieben Stunden nach dem Start in Absam – eine gute Viertelstunde für eine erweiterte Mahlzeit. Ein erster Griff zu Speck als Langzeitenergiespender erschien kein Fehler, denn auf den folgenden wenig anstrengenden 1.000Hm Abstieg zum Karwendelhaus würde die Portion gut verarbeitet werden können. Dies und später, nach der feinen Knödelsuppe im Karwendelhaus war Kraft im Überfluss vorhanden. Die warme Suppe wirkte ihre Wunder in der Tageshitze am Südhang des Steiges zum Bäralpl. Wer das Geheimnis von warmen Flüssigkeiten auch bei Hitze kennt wird es gerne anwenden.

Blick zur Birkkarspitze

Vom Gipfel der Birkkarspitze aus öffnet sich ein guter Überblick nach den beiden Durchquerungsrichtungen. Anhand des Rückblickes auf das zum Greifen nahe Lafatscher Joch und der in diesem Moment gefühlten bisherigen Aufwendung an Körpereinsatz und Zeit kann eine erste Einschätzung auf die folgende Herausforderung beim Blick auf die nahezu umgekehrte Himmelsrichtung getroffen werden. Und sie vermittelt erstmalig auf der grandiosen Reise ein Gefühl von der Mächtigkeit des Gebirges.

Simon noch guter Dinge auf der Birkkarspitze – im Hintergrund tolle Gipfel im westlichen Teil der Hauptkette

Das Ziel, die Soierngruppe in bedenklich ferner Distanz, die gesamte Gruppe von hier nur einem Strich von nicht einmal einem Viertel der Breite des Fotos dorthin. Dieser Eindruck ist in natura zu erleben und einer der stärksten, einer der einprägsamsten auf der Zeitreise durch die Karwendelketten.

Rückblick auf das Lafatscher Joch

Die zentrale Lage der Birkkarspitze  muß aber auch genutzt werden, um die für die Durchquerung die Nebenschauplätze bildenden Himmelsrichtungen zur Erfassung des Gebirges zu erleben.

Ansicht in Durchquerungsrichtung – die Soierngruppe nur ein kleiner Strich weit entfernt (gleich rechts Bildmitte)

Da tut sich im Osten ein einzigartiges Panorama auf bei dem die zentral zu bestaunende und gestaltlich auffallende Sonnjochspitze sowie der am Bild rechts (südlich) davon gelegene riesige Roßlochkessel mit seiner grandiosen Umgrenzung von besonderen Gipfeln als prägende Elemente im östlich auslaufenden Gebirge erlebt werden. Umwerfend der Eindruck an diesem Tag.

schöne Kulisse im Ostteil des Karwendels – mittig das Sonnjoch

Den Westen prägen nicht minder interessante Erscheinungen. Die mit dem Schlauckarsattel verbundenen und ebenfalls zu den höchsten zählenden Ödkarspitzen sind innerhalb der Kette in der absolut rechts situierten Position die nächsten Erhebungen. Links davon, in der Tiefe betrachtet eine vermeintliche Unzahl an Gipfeln und Erhebungen, die, einzeln gesehen, bis hin zur äußersten Erhebung im Kamm, der Pleisenspitze, nur dem absoluten Kenner zur Identifizierung vorbehalten sind, denn ihre Lage und Entfernung täuscht ungemein. Gewiss, die schöne Pyramide der Großen Seekarspitze erkennt auch der nicht so versierte Karwendelfreund, aber alles von Süd nach Nord zwischen dieser und den Ödkarspitzen richtig zu deuten bedarf großer Erfahrung und Kenntnis von der von der Birkkarspitze aus sieben Kilometer bis zur Pleisenspitze messenden westlichen Hauptkette.

am Gipfel um halb zwölf angekommen

Die Eindrücke aufgesaugt, steht nach dem Abschied vom Hochpunkt der Reise zunächst ein nicht zu unterschätzender Abstieg mit den leichten Patschln durch das Schlauchkar an, das regelrecht bezwungen werden will. Hierzu sei dem Bergfreund geraten die höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn das Schlauchkar mit seinen Dutzenden von Zweigwegen und großen Brocken im obersten Teil des Steiges mag tückisch für das Umknicken beim eiligen Abstieg mit diesem zweifelhaften Schuhwerk sein. Allerdings trägt die gute Laune nach der erlebten Kulisse sehr zur Bewältigung der anstrengenden Etappe bei.

am Abstieg ins Schlauchkar

Im tieferen – und dort schon wieder begrünten – Teil nach der oberen Steinwüste des Schlauchkares nahm die Tageserwärmung ihren Höhepunkt ein, die gut zwei Stunden anhalten sollte und die beiden Wasserflaschen, die am Karwendelhaus nachgetankt wurden, rechtfertigte.

Rückblick im oberen Teil des Schlauchkares

Eine Stunde mußten wir für den Abstieg aufwenden bevor die heiß ersehnte Knödelsuppe im Karwendelhaus vor uns am Tisch dampfte. Am Mittwoch Mittag war das beliebte Karwendelhaus zum Glück mäßig besucht wodurch wir ohne Hast in einer halben Stunde die Hauptpause des Tages absolvierten. Knödelsuppe und ein unkastriertes Bier für den Verfasser, Simon vertraute auf Zuckerwasser zur Suppe. Die rechtzeitige und dosierte Energiezufuhr ist essentiell auf großen Vorhaben – das mußte der Verfasser, der sich bei körperlicher Anstrengung immer dazu zwingen muß, schon oft erfahren.

Bäralplsattel im Zoom

Das Karwendelhaus verließen wir nach knapp neun Stunden nach dem Start und nach der Einschätzung des Verfassers sollte die folgende Etappe bis zur Krinner-Kofler-Hütte eine eher leichte werden, bei der nicht zu viele Kräfte erforderlich sein sollten, um den finalen Anstieg und die Überschreitung der Soierngruppe gut zu verkraften.

Karwendelhaus, 1.771m

Ungern – aber zur besseren Einschätzung von Lesern die die Reise nachvollziehen werden – gleichwohl unumwunden gibt der Verfasser hier zu, daß diese Einschätzung grundfalsch war.
Der schöne Gjaidsteig, noch von der Birkkarspitze aus gesehen ein so unscheinbarer, sich als vermeintlich auf einer Isohypse dahinziehenden Linie erwarteter Steig, gibt seinen schönen Verlauf nicht ohne viel Schweiß her, er hat es mächtig in sich.

Abzweigung vom Fahrweg zum Gjaidsteig

Zuerst zweigt er in der letzten engen Kurve am Schotterweg zum Karwendelhaus unscheinbar ab und steigt  danach gut zwei Dutzend Höhenmeter an. Anschließend führt er in einem nicht enden wollenden und nicht unerheblich anstrengenden Auf und Ab, das jeweils kaum mehr als 10Hm beträgt aber ständig wechselt, eine Stunde durch die Flanke unter der Vogelkarspitze hindurch, um, schlußendlich als Höhepunkt, in einem schauspielartigen Gewirr an quer zur Gehrichtung verlaufendem Wurzelwerk von Zuntern in das man tief eintaucht, sich in einer Art Körpermikado bewegt, um dabei kaum mehr Gehgeschwindigkeit zu erreichen und sich in der den eiligen Marsch überlagernden Nachmittagshitze erstmals mentale Herausforderungen spürbar machen. Wohltuend ist dann der endlich erreichte Blick auf das Bäralpl, auch wenn nach dem Aussichtseck noch 50Hm zum Sattel auf 1.820m anfallen.

am schönen Gjaidsteig

Der Bäralplsattel im südlichen, tirolischen Teil besteht aus Raiblerschichten, erstmals auf der Strecke aus einem geologisch schlechteren Teil, die Festigkeit und Verwitterungsbeständigkeit betreffend. Höchstwahrscheinlich dadurch ist es im Laufe der Zeit überhaupt zu diesem tiefen Einschnitt in der Nördlichen Karwendelkette gekommen, weil die aus festem Wettersteinkalk bestehenden Erhebungen links und rechts des Bäralpls stehen seit jeher bombenfest und ohne Höheneinbußen durch Verwitterung.

einzigartige Ansicht des Karwendeltales vom Gjaidsteig

Überhaupt dürfte sich im Gebiet westlich vom das Bäralpl eine Raibler- oder ähnliche Störzone von Südost nach Nordwest durchziehen, das kann auch auf den Fotos von Juergen auf die Raffelspitze immer wieder deutlich abzeichnet. An der bayerischen Nordflanke der Kette bestehen hohe Abstürze aus wiederum festem Wettersteinkalk, daher nimmt es auch nicht Wunder, warum Jürgens Anstieg immer wieder eher nördlich erfolgt, als am Grat oder südlich desselben.

Bäralplsattel, 1.820m

Der wohltuend leichte Abstieg vom Bäralplsattel Richtung Staatsgrenze wurde für uns zu einem Läutkonzert von Dutzenden von hell klingen Glocken an scheuen Schafen. Bis weit hinaus zur Grenze konnten wir sie hören.

Soierngruppe vom Bäralpl aus

In der Meinung, der Abstieg vom Bäralplsattel sollte eine leichte Erholungsstrecke sein täuschte sich der Verfasser abermals. An der Grenze beginnt ein nicht ganz ungefährlicher Abstieg auf einem schutt- und teilweise nässedurchsetzem natürlichen Felsbandsteig, der seilversichert bis zu weniger steilen Partien hinabzieht. Keine einfache Angelegenheit von Familien mit kleinen Kindern, die uns entgegenkamen (später, unten am Bärenfallbach, der durch die Abbrüche des Sattels herab braust sahen wir, daß es eine zweite Möglichkeit des Abstieges gegeben hätten, in der AV Karte als Steigspuren vermerkt und sicher eine gesonderte Erforschung wert).

luftiger Abstieg zu den Reisen

Fast hätten wir die unbeabsichtigt getarnten Wegweiser in der Schuttreise übersehen und wären Richtung Hochlandhütte aufgestiegen, wenn nicht, nach einer Wegverzweigung am Wiederanstieg des Hauptsteiges zur Hochlandhütte, Wegweiser in der losen Schottereise geschützt hinter Blechwinkeln erblickt werden hätten können.

Wegweiser in schwierigem Gelände

Unser Weg präsentierte sich dabei als ein anscheinend selten begangener, denn er war in der Schottereise teilweise nur erahnbar, nicht aber durch Farbe und Muldung immer eindeutig erkennbar.
In jedem Fall führte er uns wieder genau so nach Osten wie das Felsband in den imposant steilen Wettersteinfelsen oberhalb uns zuvor nach Westen abwärts geleitet hat. Eine nun erklärliche quer ausreißende Spitze auf der Karte.

die beeindruckende Nordseite des Bäralpls

Die Abwärtsquerung in der Schotterreise zeitigte nach 32km nun erstmals aktives Spüren der Sohlen. Die Reibung in den unfesten Halbschuhen ist beim abschüssigen Queren besonders groß und leichtes Brennen die Reaktion davon. Von gut 1.800m am Bäralpl führt der Abstieg auf knapp über 1.300m hinab auf die Almfläche Hufachboden südöstlich der Krinner-Kofler-Hütte.

Huefachboden gen Süden

Bis zu dieser dauert es aber noch ein ganz schönes Stück auf einem wiederum stetig auf- und ab-führenden schmalen Steig, der teilweise an Abbrüchen durch ein Gemisch von Hauptdolomitfelsen und Raiblerzonen hindurchführt und in dem uns just die über uns liegende schwere Regenwolke einen prasselnden Gruß von ein paar Minuten niederbrachte. Ein Gruß der gerade ausreichte, daß aller verfügbare Regenschutz angelegt werden mußte und die nachfolgenden zwei Kilometer über den Steig die kaum knöchelhohen Grashalme links und rechts des schmalen Pfades gerade so weit hereinreichten, daß die Schuhe auch innen nass genug für ein unangenehmes Gefühl wurden. An diesem Abschnitt trennten uns wahrscheinlich gerade einmal 10min von Trockenheit – es sollte für uns nicht sein, daß wir trocken blieben, wir waren vorher wahrscheinlich zu langsam und wurden daher bestraft.

Krinner-Kofler-Hütte

An der Krinner-Kofler-Hütte bestand letztmalig die Gelegenheit Wasser aufzufüllen und dies wird jedem geraten, der nach gut 35km und elfdreiviertelstunden dort ankommt und den Hauptteil der Soierngruppe im Aufstieg vor sich hat.

Aufstieg zur Soiernspitze

Der Aufstieg zur Soiernspitze erfolgt von der Krinner-Kofler-Hütte zunächst über ein paar sanft ansteigende Rampen auf breitem Wege, sodaß sich auch ein schon alter Mann vor dem Simon nicht schämen mußte und zumindest Gehgeschwindigkeit zustande brachte, auch wenn er die Normalsteiggeschwindigkeit von 11m/min nicht erreichte.

auf etwa 1.700m gegen Süden zum Bäralpl geschaut – der Alternativanstieg links kann erahnt werden

Nach 400Hm auf etwa 1.700m war es dann soweit – zu wenig Energiezufuhr (seit dem Karwendelhaus nur einen der grausigen Müsliriegel verzehrt) zwang den alten Mann in die Knie und eine Esspause mußte eingelegt werden. Speck kam zum Einsatz. Im Wissen, daß dieser nicht ganz die richtige Wahl sein würde gab es obendrauf noch einen großen und grausigen Eiweißriegel und damit sich alles zusammen beim Verdauen vertragen mochte, sollte ein Käppchen von Peter Mayrs Enzian, das erprobte Höhenkrankheitsmittel des Verfassers, für Ruhe im Magen auf den nächsten 550Hm Aufstieg sorgen.

Aufstieg zur Soiernspitze oberhalb des Jöchls

Während sich alles mischen sollte unternahmen wir eine „Recognoscirung“ auf den Bäralplsattel und die links und rechts davon flankierenden Nordabstürze der Nördlichen Karwendelkette. Auch diese Kette hat ihre Schönheiten und die nördlich vorangeschobenen hoch aufgerichteten und zu bizarr verwitternden Schluchtenbergen aus Raiblerpartien vermitteln den selben heimeligen Eindruck der südlichen heimischen Karwendelketten. Die Geschlossenheit des Zentralteiles des Gebirges konnte nun in gewisser Weise „von außen“ betrachtet werden. Die Birkkarspitze ist am Anstieg zur Soiernspitze nicht sichtbar, somit fehlt die optische Einschätzung der Distanz.

die hohen Gipfel der Nördlichen Karwendelkette – Wörner äußerst rechts im Bild

Mit einem beginnend sonderbaren Gefühl im Magen des Verfassers starteten wir wieder durch und erreichten einen Sattel an dem eine mit 1 ¾ Stunden völlig falsche Zeitangabe für die verbleibenden 450Hm getroffen wird. Dies verunsichert zunächst, der Gipfel ist von dort nicht sichtbar.
Die Strecke nach dem „Jöchl“ bereitete dem alten Mann dann schon einige Mühe und der edle Speck beschwerte sich ob der Anwesenheit von eher chemischem Gummizeug aus der Fabrik und bereitete zeitweise ein derart unangenehmes Gefühl, das bei zu stark vertiefter Aufmerksamkeit darauf höchstwahrscheinlich in einen unerwünschten Vorgang hätte überschwappen können. Also mußte sich auf den Anstieg konzentriert werden und das erste Nachdenken über die mögliche Ankunftszeit in Krün lenkte genügend ab, um die kritische Verarbeitungsphase im Unterleib unbeschadet zu überstehen.

das Gipfelkreuz der Soiernspitze sichtbar

Bei einem kühlen Lüftl durch mehrere zuvor entladene Regenwolken in der Umgebung ging es am Südostrücken zur Soiernspitze auf 2.257m, die wir knapp nach 18 Uhr erreichten, bzw. Simon 10min eher, um somit nach knapp dreizehneinhalb Stunden den Hauptteil der Anstiege bewältigt zu haben und einigermaßen erfreut darüber zu sein.

Soiernspitze, 2.257m

Das Wetter über uns war wieder grundstabil und großteils sonnig. Der nicht angenehme und kühle Wind von Nordosten, hervorgerufen durch ein Gewitter über Lenggries, veranlasste uns nach einigen Minuten des Verweilens und einigen Übersichtsfotos die Reststrecke in Angriff zu nehmen, immerhin trennten und noch 10km und gut drei Stunden Marsch vom Ziel.

die schönen Soiernkare mit den gleichnamigen Seen

Am interessanten Grat zur Reißenden Lahnspitz trifft man unweit östlich der Scharte mit dem Abzweig zum Soiernhaus auf Felsausbildungen wie sie üblicherweise dem Dolomit vorbehalten sind, grobbankig aufgebaute Felstürmchen. Sie werden südlich umgangen und jenseits der Scharte erfolgt der Anstieg zur Reißenden Lahnspitz, der nun schon recht schwer fällt mit Normalgeschwindigkeit begangen zu werden und auch auf die letzten rd. 40Hm wurde verzichtet und der Gipfel in der Südflanke umgangen.

Blick auf den Hauptgrat der Soierngruppe, weit hinten unser Abstiegspunkt

An der Westseite der Flanke bietet sich der erste Blick zum letzten Sattel, den Seinskopf, und wenn man nach all dem vorher erlebten an diesem Punkt steht glaubt man im diffusen Gegenlicht der schon tief stehenden Sonne nicht mehr so richtig daran den Seinskopf noch zu erleben – ein schier ewig langer Weg scheint sich zu ihm hinzuziehen. Tatsächlich beträgt die Weglänge kaum mehr als 3km, beinhaltet aber doch noch 130 nun auch in den Beinen spürbare Höhenmeter und zieht sich über eine Stunde hin.

schöne Formationen am Grat zur Reißenden Lahnspitze

Die Wanderung auf üppigen Wiesen dorthin – und auch schon eine Stunde vorher – verlief mehr und mehr wortkarg zwischen dem wackeren Simon und dem Verfasser, ein Produkt der Anstrengungen bisher und Manifestation von Zeichnung durch die Anstrengungen.
Die Zeitlosstimmung am Frühabend in Sonnenschein auf 2.000m wirkte gewaltig anstimmend auf das Gemüt und immer wieder kreisten die Gedanken über die bisher erlebten Stationen der Reise, die zigmal im Kopf durchgegangen wurde und trotzdem noch so unfassbar schien. Allein diese Augenblicke wären es wert, das Unternehmen erneut durchzuführen. Ob es dann an Reiz einbüßen würde – wer weiß?

an der Umgehung des Gipfels der Reißenden Lahnspitze – unser Abstiegspunkt im dunklen Sattel leicht links der Bildmitte sichtbar

Die Soierngruppe muß man erlebt haben. Ihr Aufbau ist der typische durch Überschiebung geprägte, mit mehr oder weniger steilen Südhängen und steilen bis senkrechten Nordabbrüchen. Alleine fehlen die nördlich vorne her geschobenen Raiblerpartien – zumindest konnten keine gesichtet werden.
Im Rückblick auf Soiern- und Reißenden Lahnspitze – das Foto zaubert mit dem tollen abendlichen Lichteinfall wunderbar die Schichten des Aufbaues hervor – Plattenkalk in bilderbuchartiger Ausbildung.

wunderbar sichtbarer Plattenkalk Aufbau der Soiernspitze

Zur tiefsten Einschartung vor dem Seinskopf hin benötigten wir eine gute Stunde. Die Schöttelkarspitze haben wir der fortgeschrittenen Stunde wegen ausgelassen. Ziel war ja ohne Fremdlichtquelle auszukommen. Dort beginnt der letzte, dafür auch nur kurze Aufstieg zum Seinskopf, eher ein Joch als ein Kopf, und dort beginnt auch die knapp 6km finale Abstiegsstrecke nach Krün über 1.100Hm.

Grat zur Schöttelkarspitze im Abendlicht

Selbst die wenigen Dutzend Höhenmeter Anstieg wurden dem Verfasser nun anstrengend. Eine leichte Gewitterfront über Garmisch spornte jedoch dadurch an, als daß sie den Anschein hatte sich auf unsern Abstieg auszudehnen.

kurz für der Einschartung zwischen Seinskopf und Schöttelkarspitze

Im letzten Rückblick wartete die Natur noch mit einer kleinen Belohnung auf. Die meisten Gipfel der Karwendelketten waren leider durch Wolken verdunkelt, die Birkkar- und die Ödkarspitzen als einzige Gipfel in 13km Luftlinienedistanz aber wunderschön hell erleuchtet. Mit diesem schönen Abschlussblick in die Ferne und der Verständigung vom treuen Andi, der verletzungsbedingt ausfiel und den Abholdienst versprach, traten wir den allerletzten Abstieg an.

der letzte Blick auf die Birkkarspitze; danke für die grandios heraushebende Beleuchtung!

Die Zugrichtung des Gewitters wies zwar in unsere Richtung, es verlor jedoch glücklicherweise rasch an Kraft, erreichte uns nicht mehr und so bleib uns eine zweite Regenadjustierung erspart.
Man möge den Abstieg vom Seinskopf nach Krün nicht unterschätzen, vor allem, wenn man einiges hinter sich hat. Nach der Halbumrundung des Schöttelkars, beim letzten Blick auf die Schöttelkarspitze vom Sattel in den Wald hinab zieht sich ein recht steiler Weg, der nach fünfzehn Stunden Marsch keinen Abendspaziergang darstellt, auch wenn er abwärts gerichtet ist und wenige kleine Querungen vernachlässigbare Gegenanstiege aufweist.

Abstieg vom Seinskopf nach Krün

Die Route über den Nordteil der Hüttlebachklamm schlug Simon vor auszulassen, da der andere Wegweiser eine Viertelstunde Einsparung nach Krün zu versprechen schien. Beim nachträglichen Studium der Karte erschien das nicht so sicher, denn der alternative Weg beschreibt einen nicht notwendigen Bogen im untersten Teil und führt zuletzt recht seicht knapp oberhalb des Isarufers rückwärts zur Brücke entlang. Natürlich spürten wir auf den letzten Abstiegsmetern jeden einzelnen Schritt recht intensiv auf den Sohlen.

Ankunft am Ziel in Krün, 21:15 Uhr

Um 21:15 erreichten wir nach sechzehneinhalb Stunden, 4.200Hm und knapp 50km Wegstrecke die Brücke über die Isar und den Parkplatz in Krün, bei dem Andi gerade eingetroffen war und mit einer Dose Hopfensaft für die Überraschung des Tages sorgte.

Für Interessierte hier das Höhenprofil (mehr Details und die Gehzeiten in der Bildergalerie):


Die Reise konnte im hellen Teil eines Tages somit plangemäß beendet werden. Unbeschreibliche Eindrücke darüber wurzeln noch immer tief und das Gebirge hat im Kopf eine neue Dimension geöffnet, womit auch das Ziel erreicht wurde und der Verfasser sich vor dem mächtigen Karwendelgebirge tief verneigt zugelassen worden zu sein.

Mils, 25.07.2018