Archiv der Kategorie: Bergtouren

alle Bergtouren Sommer und Winter

Karwendeldurchquerung – mehr als 50 Mio. Jahre in 16 Stunden von Absam bis Krün

Wie kann ein Gebirge am besten in seiner Gesamtheit erfaßt werden?  Wie lange soll der Erfassungsprozess dauern, um den dauerhaftesten Eindruck zu bekommen und welche ist die klügste Erkundungsrichtung?

selten schöne Ansicht der Nördlichen und Karwendelhauptkette von der Soiernspitze

All diese Fragen waren betreffend das Hauptgebirge seiner bergsteigerischen Tätigkeit – zwar noch nicht so ausgeprägt, aber dennoch – schon einmal das Ziel des Verfassers Bestreben. Damals ging es um die Durchschreitung des Karwendels von Ost nach West und auf dieser phantastischen Reise keimte der Wunsch nach einer noch tieferen, umfassenderen Reise in der die Eindrücke dreidimensional und in einem Stück gebündelt werden sollten, ja das Karwendel mußte irgendwie umarmt werden, um seine Gesamtheit unter einmal zu erfassen.
So entstand die Idee das einzigartige Gebirge seiner Entstehungsrichtung entlang zu bereisen. Dabei sollten alle Elemente (in diesem Fall die Hauptketten und in Entstehungsrichtung gesehen auch der nördlichste Kamm einbezogen werden, weil dies den Aufbau des Gebirges am realistischsten darstellt.

Nun, mit einem Tausender in der Hand hätte dieses Vorhaben in wenigen Stunden mit einem Rundflug und vielen Fotos aus einem kleinen Spuckerl an Flugzeug realisiert werden können. Ebenso gut hätte es in einer  mehrtägigen Etappentour durchgeführt werden können und die hartgesottenen Radlfahrer unter den Lesern dieses Blogs hätten höchstwahrscheinlich eine Reise am Umfang des Gebirges vorgeschlagen, sie läßt sich auch in einem Tag durchführen, ohne Stromradl versteht sich.

Nein, das wäre alles nicht gewesen wonach gesucht wurde. Das Ziel – als einzige Möglichkeit die Größe im eigenen Kopf und auf einmal zu erfassen – war: das gesamte Gebirge mußte in einem Zug durchquert werden.

Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Natürlich benötigt der Mensch zur Erfassung heute noch sein Augenlicht und keine Kopflampe, die beispielsweise im Schitourensport verwendet wird und in Mils blendet, wenn am Glungezer einer seinen Kopf entsprechend ausrichtet. Nein, alles was das Auge zur Erfassung sehen muß das muß auch ohne künstliche Lichtquelle erfaßt werden können. Grundbedingung des Verfassers, wo immer möglich Mensch bleiben, Technik ist schon genug an Füßen und Buckel.

Somit ergibt sich die Notwendigkeit die lange Reise in einem Zeitraum durchzuführen in dem die Übergänge schneefrei, gleichzeitig der Tag lange genug andauert und es nicht zu heiß ist.
Ob man es nun glaubt oder nicht, dieser Zeitraum ist im Karwendel lange nicht so ausgeprägt als man es vermuten möchte.

Der Juni – der gegen sein Ende den längsten Tag des Jahres beinhalten würde –  fällt für diese Bedingungen komplett aus, denn ohne Erkundung muß auch Ende Juni auf der Nordflanke der Birkkarspitze noch weitgehend mit Schneefeldern gerechnet werden. Nicht, daß man diese nicht meistern könnte, jedoch wäre eine solche Zusatzprüfung auch ein zusätzlicher Risikofaktor, daß das Vorhaben zielsicher gelingt. Sei es durch nasse Schuhe, oder einfach durch zeitliche Behinderung.

Der wettermäßig meist stabile September fiel für den Verfasser vom Angebot des Tageslichtes her weg und der August tat dies wegen seiner eher hohen Durchschnittstemperatur.
Somit bliebt der Juli als jener Zeitraum, bei dem Schneefreiheit, Tageslicht und Tagestemperatur von vorne herein als eher günstig anzunehmen sind und – zusätzlich, bei Vertrauen auf den Wetterbericht – in Summe die besten Rahmenbedingen vorliegen müssten. Natürlich kann die Tour im gesamten Zeitraum von Juni bis September durchgeführt werden aber, in den Monaten außer dem Juli muß viel Glück im Spiel sein, damit sie erfolgreich verläuft.

Karwendelketten bei der Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Ein weiteres Faktum, das in der Planung besondere Berücksichtigung verdient, ist die Höhenlage des zentralen Teiles der Tour, dem Anstieg zur und dem Abstieg von der Birkkarspitze. Immerhin dringt man bis über 2.700m Meereshöhe vor und wie man weiß kann dort – je nach Wetterlage tags zuvor – auch schneidend kalter Wind vorherrschen. Die gute Nachricht aber ist, daß diese in etwa genau zur Mittagszeit erreicht wird (Anm. d. Vf.: müßte nach meinen Berechnungen für die Begehung von beiden Seiten zutreffen), wo die besten Bedingungen vorherrschen sollten. Wie man aus eigener Erfahrung aber leidgeprüft aber weiß, muß dem nicht immer so sein, also in der Planung gezielt begegnen.

Hinzu kommt noch die Beschaffenheit des Weges. Im Gegensatz zu Karwendelmärschen erfolgt eine Karwendeldurchquerung nicht auf Fahrwegen, bzw. auf breiten und ebenen Steigen sondern auf sehr beanspruchendem Terrain, beispielsweise dem Abstieg durch das Schlauchkar im oberen Teil und der völlig verwurzelte Gjaidsteig zum Bäralpl. Mit lustig leichten Bergläuferpatschln kann man diesen Strecken also nicht begegnen.
Der Verfasser wählte im Gegensatz zu Simon, seinem Tourenpartner, zwar auch keine stabilen Bergschuhe sondern die heute so beliebten und für das Fußgelenk eigentlich völlig untauglichen Halbbergschuhe, allerdings hiervon die festesten erhältlichen und mutete damit seinen Gelenken trotz viel Training dennoch einiges zu.

Hinsichtlich der Bekleidung sei erwähnt, daß sich im Rucksack für die zuvor erwähnte Höhenlage immer ein gescheiter Windschutz und eine Regenjacke befinden sollen, die Hose bleibt kurz, den Beinen sollte warm genug sein. Wer mit wenig Haarwuchs ausgestattet ist braucht vielleicht ein Käppchen und eine dunkle Sonnenbrille schützt unheimlich effektvoll vor dem erkannt werden auf Fotos, also ist sie für alle außer für den Verfasser unerlässlich.
Die Verpflegung wird unterwegs geklärt und hiermit sei Schluß mit dem Vorspann.

Start um 4:44 Uhr beim Hackl in Absam

Vier Uhr dreißig c. t. lautete der vereinbarte Zeitpunkt des Treffens beim Parkplatz beim Hackl in Absam. Wie immer ist jener mit der längsten Anreise der erste und so schüttelte der Verfasser fünf Minuten später dem Simon die Hand. Am Weg zum Schranken wurde das Log der Uhr gestartet und nach kaum zehn Minuten ward es bereits vor der Bergerkapelle taghell (das Abmarschfoto täuscht über die Lichtverhältnisse, die Dämmerung hatte schon eingesetzt und Simon trägt keine Stirnlampe).

Der Startzeitpunkt war also 4:44 Uhr am 25. Juli 2018, der Himmel war wolkenlos, über dem Bettelwurfeck herrschte nur ein Hauch von Thermik über das Tal herab und somit war wenig Temperaturunterschied in der Höhe zu erwarten. Rasch gewannen wir an Höhe.

Aufstieg im Isstal

Bei einem Vorhaben solcher Art ist nicht unerheblich wie die beiden ersten Stunden ablaufen. Werden sie zu schnell angegangen, kann das schlechte Auswirkungen auf den gesamten weiteren Tagesverlauf haben, umgekehrt wird wertvolle Zeit verloren, die die äußerst knappe Kalkulation ins Wanken bringen könnte und einen letzen Abstieg und Ankunft bei Dunkelheit zeitigen. Man steige also in seiner Normalgeschwindigkeit für größere Vorhaben auf.

Die geringfügige Abkürzung durch das Isstal über den Hirschbadsteig büßten wir wegen des nicht beachteten Taues mit innen spürbar feuchten Schuhen ein. Ausgeschnitten wird dort ja schon Jahre nicht mehr richtig. Eine kleine Beeinträchtigung, die bis weit ins Birkkar hinein spürbar war.
An diesem Beispiel sieht man wie dünn die Decke zwischen der Vorstellung des optimalen Ablaufes und  unvorhergesehener Beeinträchtigung ist. Für uns keine Sache die uns wirklich zu schaffen macht, aber eben etwas unangenehmes, das sich im Kopf festsetzen, oder vorzeitig zu Reibung an Sohle oder Zehen führen könnte und das Vorhaben ins Wanken bringen könnte. Wie wichtig es ist die richtige Balance zwischen Fuß, Socken und Schuh zu haben erfährt man spätestens nach 12 Stunden und gut 40km am Aufstieg zur Soiernspitze.

am Issanger – Sonnenaufgang am Roßkopf

Mit dem unbeugsamen Willen das Gebirge auf einmal haben zu wollen nahmen wir den Anstieg auf das Lafatscher Joch als erste Prüfung locker an – die Licht- und Schattenspiele dorthin präsentierten sich zudem als mentales Doping der Sonderklasse (die Handykamera kann es leider nicht annähernd wiedergeben).
Allein dieser Eindruck des Gebirges im Gesamten taugt schon dazu niemals vergessen zu werden.

Rückblick auf das Halltal

Das Halltal, mittig zwischen Inntal- und Gleirschtal-Halltalkette gelegen, läßt die Inntalkette für die Durchquerung gesehen etwas wenig zur Geltung in der Würdigung aller Ketten kommen. Diese Erkenntnis ist dem Verfasser erst in der Retrospektive aufgefallen, die Vollendung der Überschreitung wäre der Anstieg vom Parkplatz oberhalb Thaur über das Kreuzjöchl und das Stempeljoch gewesen. Diese Strecke hätte lediglich 300Hm mehr hervorgerufen und wäre durchaus richtiger gewesen. Die Macht der Gewohnheit siegte über sorgfältiges Nachdenken. So haben wir nur einen Hauch von Inntalkette durchschritten, sozusagen an ihrer Verschneidung mit der Halltalkette.

Stempeljoch und Stempelspitzen

Das Lafatscher Joch erreichten wir an diesem so strahlenden Julitag nach 2 Stunden 12 Minuten und 1.300Hm Aufstieg und dort gab es frühmorgens herrliche Blicke zu den Tuxern und Zilltertalern im Süden, sowie einen für das vorliegende Vorhaben noch viel interessanteren nordwärts gerichteten Blick auf den Roßlochkamm rechts und die Gipfel im Herz des Karwendels, die Sonnenspitzen und abermals links geschaut auf die gewaltige Kaltwasserkarspitze.
Die Birkkarspitze – das höhenmäßige Ziel der Reise – verbleibt gerade noch abgedeckt und daher unsichtbar durch den gewaltigen Grat der Sägezähne zur Kaltwasserkarspitze. Ein unfassbares Panorama, das selbst in höchster Eile aufgesaugt werden muß und einen weiteren Mosaikstein in der Erfassung des Gebirges darstellt.

Südliche Sonnenspitze vom Lafatscher Joch aus

Die Vorstellung inmitten dieser Gipfel in den nächsten Stunden aufzusteigen und sie viele weitere Stunden später in noch größerer Entfernung von der Gegenseite sehen zu können spornte für einen raschen Abstieg im angenehmen Schatten kräftig an. Die 900Hm Abstieg und immerhin 8km lange Strecke vom Lafatscher Joch bis zur Abzweigung in das Birkkar konnten wir in eineinhalb Stunden absolvieren.

Karwendelhauptkette – Birkkarspitze hinter den Sägezähnen versteckt

Daß es an diesem Tag über die Maßen gut lief und in Wahrheit die Euphorie des Vorhabens über jegliche Beeinträchtigung triumphierte spürte der Verfasser am Anstieg über das enorm tiefe Birkkar. Im Nu erreichten wir die „Ständ“ und füllten aus dem kleinen Bach, der aus dem kleineren östlichen Birkkar heraustritt erstmals die zweite Wasserflasche auch mit auf, bevor es in die ab nun immerwährende Sonneneinstrahlung aufwärts weiterging.

Kastenalm

Im etwas unangenehmen Teil des Birkkares stellten wir den Schotterreisen am Steig westlich aus. Über schuttdurchsetzte Grasnarben stiegen wir allemal bequemer als am ausgetretenen Steig durch die Reisen.

wunderschönes Birkkar

Ein nächster Markstein in der Gesamtbetrachtung ist die Überwindung der Steilstufe und Übertritt in das obere Birkkar auf rund 2.240m. Die Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke liegt dort zwar schon hinter einem (siehe hierzu die Bildgalerie), aber sich an solchen mathematischen Details zu orientieren wäre der falsche Ansatz das Gebirge in seiner Gesamtheit unter einmal zu erfahren. Die Erkenntnis über die mathematischen Gegebenheiten wurde vom Verfasser mit Staunen auch erst im Nachgang ermittelt.

Wasser wird für die Strecke bis zum Karwendelhaus aufgefüllt

An der Schwelle zum Eintritt in das obere Westliche Birkkar erfaßt den Bezwinger der Birkkarspitze zunächst einmal aufs Neue das gewisse Massstabsgefühl das in den meisten Naturbeschreibungen mit der Kleinheit des Menschen vor den Dimensionen der Natur dargestellt wird. Das Westliche Birkkar jedoch ist eine kleine optische Täuschung, es ist mit 40Ha beispielsweise flächenmäßig um ein Drittel kleiner als das lange Gleirscher Rigelkar und auch kleiner als einige seiner gewaltigen Nachbarn in der Hauptkette, allerdings vermittelt es mit den an seinem Umfang ungebrochenen und fast senkrecht hoch aufragenden Mauern ein Volumensgefühl das im Karwendel seines Gleichen sucht.

umwerfender Blick auf die Gleirsch-Halltalkette – Bildmitte die Praxmarerkarspitzen mit 600m hoher Nordwand, links davon die Kaskarspitze, rechts die Nördliche Jägerkarspitze

Die mächtig gebankten und kaum zurückweichenden Felsflanken der Ödkarspitzen und der Birkkarspitze geben sich hier links und rechts die Hände mit ebenso ungebrochen hohen Südgraten, die die Umrahmung bis weit hinaus ins untere Birkkar prägen und einen atemberaubenden Kessel schaffen, in dessen Tiefstem man sich dort befindet und der sich im Kopf heiß einbrennt.

das obere Westliche Birkkar

Nicht minder einprägsam die Erscheinung der im Süden gelegene Halltalkette – sie frontal aus dieser Höhe gesehen vermittelt deutlich die Größenordnungen an Überschiebung die bei den Karwendelketten vorherrschen mußten um sie zu schaffen.

einmal mehr die Gleirsch-Halltalkette mit voraus geschobenen Raiblerschichten

Dem letzten Schatten für einige Minuten des Weges begegneten wir im eher flacheren Teil des oberen Westlichen Birkkares in der Reise in der Flanke des Südgrates der Birkkarspitze.
Mittlerweile, mitten im fortgeschrittenen Vormittag, war die Sonneneinstrahlung selbst in 2.400m Seehöhe deutlich zu spüren. Ein Glück, daß immer noch ein leichtes Lüftl durch Thermik vorherrschte und mit zunehmender Höhe zum Schlauchkarsattel auffrischte.

Aufstiegsgelände zum Schlauchkarsattel

Die ersten Überschreiter von Norden begegneten uns in der mühsam aufzusteigenden Reise zum Schlauchkarsattel; so mancher davon benötigte für den Abstieg länger als wir für den Aufstieg und genau jene wissen nicht einzuschätzen wie damit umzugehen, daß sie auf der Südseite der Birkkarspitze theoretisch 25km Fußmarsch von jeglicher Zivilisation entfernt sind. Und es ist besser so.

Rückblick in das obere Westliche Birkkar

Im Fels ist der Aufstieg zum Sattel vergleichsweise arg strapaziert, die Auswirkungen des Winters sind an der Versicherung zu sehen und dennoch gibt es keinen Grund zur Beanstandung – man befindet sich im Hochgebirge und ist für sich selbst verantwortlich, niemand Dritter sonst, auch nicht der Wegerhalter.

mit Seilversicherung bis weit nach oben

Es war uns klar, daß wir in der Gegend der Birkkarspitze mit einigem Rummel zu rechnen hatten, wobei sich dieser in akzeptablen Grenzen hielt. Umgehungen von heiklen Passagen aufgrund von nicht enden wollenden Gruppenpassagen blieben zum Glück aus und am Gipfel, den wir recht zufrieden um halb zwölf erreichten, fanden wir lediglich vier Bergsteiger vor.

am Schlauchkarsattel angelangt

Am Gipfel der Birkkarspitze, 2.749m, gönnten wir uns – knapp sieben Stunden nach dem Start in Absam – eine gute Viertelstunde für eine erweiterte Mahlzeit. Ein erster Griff zu Speck als Langzeitenergiespender erschien kein Fehler, denn auf den folgenden wenig anstrengenden 1.000Hm Abstieg zum Karwendelhaus würde die Portion gut verarbeitet werden können. Dies und später, nach der feinen Knödelsuppe im Karwendelhaus war Kraft im Überfluss vorhanden. Die warme Suppe wirkte ihre Wunder in der Tageshitze am Südhang des Steiges zum Bäralpl. Wer das Geheimnis von warmen Flüssigkeiten auch bei Hitze kennt wird es gerne anwenden.

Blick zur Birkkarspitze

Vom Gipfel der Birkkarspitze aus öffnet sich ein guter Überblick nach den beiden Durchquerungsrichtungen. Anhand des Rückblickes auf das zum Greifen nahe Lafatscher Joch und der in diesem Moment gefühlten bisherigen Aufwendung an Körpereinsatz und Zeit kann eine erste Einschätzung auf die folgende Herausforderung beim Blick auf die nahezu umgekehrte Himmelsrichtung getroffen werden. Und sie vermittelt erstmalig auf der grandiosen Reise ein Gefühl von der Mächtigkeit des Gebirges.

Simon noch guter Dinge auf der Birkkarspitze – im Hintergrund tolle Gipfel im westlichen Teil der Hauptkette

Das Ziel, die Soierngruppe in bedenklich ferner Distanz, die gesamte Gruppe von hier nur einem Strich von nicht einmal einem Viertel der Breite des Fotos dorthin. Dieser Eindruck ist in natura zu erleben und einer der stärksten, einer der einprägsamsten auf der Zeitreise durch die Karwendelketten.

Rückblick auf das Lafatscher Joch

Die zentrale Lage der Birkkarspitze  muß aber auch genutzt werden, um die für die Durchquerung die Nebenschauplätze bildenden Himmelsrichtungen zur Erfassung des Gebirges zu erleben.

Ansicht in Durchquerungsrichtung – die Soierngruppe nur ein kleiner Strich weit entfernt (gleich rechts Bildmitte)

Da tut sich im Osten ein einzigartiges Panorama auf bei dem die zentral zu bestaunende und gestaltlich auffallende Sonnjochspitze sowie der am Bild rechts (südlich) davon gelegene riesige Roßlochkessel mit seiner grandiosen Umgrenzung von besonderen Gipfeln als prägende Elemente im östlich auslaufenden Gebirge erlebt werden. Umwerfend der Eindruck an diesem Tag.

schöne Kulisse im Ostteil des Karwendels – mittig das Sonnjoch

Den Westen prägen nicht minder interessante Erscheinungen. Die mit dem Schlauckarsattel verbundenen und ebenfalls zu den höchsten zählenden Ödkarspitzen sind innerhalb der Kette in der absolut rechts situierten Position die nächsten Erhebungen. Links davon, in der Tiefe betrachtet eine vermeintliche Unzahl an Gipfeln und Erhebungen, die, einzeln gesehen, bis hin zur äußersten Erhebung im Kamm, der Pleisenspitze, nur dem absoluten Kenner zur Identifizierung vorbehalten sind, denn ihre Lage und Entfernung täuscht ungemein. Gewiss, die schöne Pyramide der Großen Seekarspitze erkennt auch der nicht so versierte Karwendelfreund, aber alles von Süd nach Nord zwischen dieser und den Ödkarspitzen richtig zu deuten bedarf großer Erfahrung und Kenntnis von der von der Birkkarspitze aus sieben Kilometer bis zur Pleisenspitze messenden westlichen Hauptkette.

am Gipfel um halb zwölf angekommen

Die Eindrücke aufgesaugt, steht nach dem Abschied vom Hochpunkt der Reise zunächst ein nicht zu unterschätzender Abstieg mit den leichten Patschln durch das Schlauchkar an, das regelrecht bezwungen werden will. Hierzu sei dem Bergfreund geraten die höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn das Schlauchkar mit seinen Dutzenden von Zweigwegen und großen Brocken im obersten Teil des Steiges mag tückisch für das Umknicken beim eiligen Abstieg mit diesem zweifelhaften Schuhwerk sein. Allerdings trägt die gute Laune nach der erlebten Kulisse sehr zur Bewältigung der anstrengenden Etappe bei.

am Abstieg ins Schlauchkar

Im tieferen – und dort schon wieder begrünten – Teil nach der oberen Steinwüste des Schlauchkares nahm die Tageserwärmung ihren Höhepunkt ein, die gut zwei Stunden anhalten sollte und die beiden Wasserflaschen, die am Karwendelhaus nachgetankt wurden, rechtfertigte.

Rückblick im oberen Teil des Schlauchkares

Eine Stunde mußten wir für den Abstieg aufwenden bevor die heiß ersehnte Knödelsuppe im Karwendelhaus vor uns am Tisch dampfte. Am Mittwoch Mittag war das beliebte Karwendelhaus zum Glück mäßig besucht wodurch wir ohne Hast in einer halben Stunde die Hauptpause des Tages absolvierten. Knödelsuppe und ein unkastriertes Bier für den Verfasser, Simon vertraute auf Zuckerwasser zur Suppe. Die rechtzeitige und dosierte Energiezufuhr ist essentiell auf großen Vorhaben – das mußte der Verfasser, der sich bei körperlicher Anstrengung immer dazu zwingen muß, schon oft erfahren.

Bäralplsattel im Zoom

Das Karwendelhaus verließen wir nach knapp neun Stunden nach dem Start und nach der Einschätzung des Verfassers sollte die folgende Etappe bis zur Krinner-Kofler-Hütte eine eher leichte werden, bei der nicht zu viele Kräfte erforderlich sein sollten, um den finalen Anstieg und die Überschreitung der Soierngruppe gut zu verkraften.

Karwendelhaus, 1.771m

Ungern – aber zur besseren Einschätzung von Lesern die die Reise nachvollziehen werden – gleichwohl unumwunden gibt der Verfasser hier zu, daß diese Einschätzung grundfalsch war.
Der schöne Gjaidsteig, noch von der Birkkarspitze aus gesehen ein so unscheinbarer, sich als vermeintlich auf einer Isohypse dahinziehenden Linie erwarteter Steig, gibt seinen schönen Verlauf nicht ohne viel Schweiß her, er hat es mächtig in sich.

Abzweigung vom Fahrweg zum Gjaidsteig

Zuerst zweigt er in der letzten engen Kurve am Schotterweg zum Karwendelhaus unscheinbar ab und steigt  danach gut zwei Dutzend Höhenmeter an. Anschließend führt er in einem nicht enden wollenden und nicht unerheblich anstrengenden Auf und Ab, das jeweils kaum mehr als 10Hm beträgt aber ständig wechselt, eine Stunde durch die Flanke unter der Vogelkarspitze hindurch, um, schlußendlich als Höhepunkt, in einem schauspielartigen Gewirr an quer zur Gehrichtung verlaufendem Wurzelwerk von Zuntern in das man tief eintaucht, sich in einer Art Körpermikado bewegt, um dabei kaum mehr Gehgeschwindigkeit zu erreichen und sich in der den eiligen Marsch überlagernden Nachmittagshitze erstmals mentale Herausforderungen spürbar machen. Wohltuend ist dann der endlich erreichte Blick auf das Bäralpl, auch wenn nach dem Aussichtseck noch 50Hm zum Sattel auf 1.820m anfallen.

am schönen Gjaidsteig

Der Bäralplsattel im südlichen, tirolischen Teil besteht aus Raiblerschichten, erstmals auf der Strecke aus einem geologisch schlechteren Teil, die Festigkeit und Verwitterungsbeständigkeit betreffend. Höchstwahrscheinlich dadurch ist es im Laufe der Zeit überhaupt zu diesem tiefen Einschnitt in der Nördlichen Karwendelkette gekommen, weil die aus festem Wettersteinkalk bestehenden Erhebungen links und rechts des Bäralpls stehen seit jeher bombenfest und ohne Höheneinbußen durch Verwitterung.

einzigartige Ansicht des Karwendeltales vom Gjaidsteig

Überhaupt dürfte sich im Gebiet westlich vom das Bäralpl eine Raibler- oder ähnliche Störzone von Südost nach Nordwest durchziehen, das kann auch auf den Fotos von Juergen auf die Raffelspitze immer wieder deutlich abzeichnet. An der bayerischen Nordflanke der Kette bestehen hohe Abstürze aus wiederum festem Wettersteinkalk, daher nimmt es auch nicht Wunder, warum Jürgens Anstieg immer wieder eher nördlich erfolgt, als am Grat oder südlich desselben.

Bäralplsattel, 1.820m

Der wohltuend leichte Abstieg vom Bäralplsattel Richtung Staatsgrenze wurde für uns zu einem Läutkonzert von Dutzenden von hell klingen Glocken an scheuen Schafen. Bis weit hinaus zur Grenze konnten wir sie hören.

Soierngruppe vom Bäralpl aus

In der Meinung, der Abstieg vom Bäralplsattel sollte eine leichte Erholungsstrecke sein täuschte sich der Verfasser abermals. An der Grenze beginnt ein nicht ganz ungefährlicher Abstieg auf einem schutt- und teilweise nässedurchsetzem natürlichen Felsbandsteig, der seilversichert bis zu weniger steilen Partien hinabzieht. Keine einfache Angelegenheit von Familien mit kleinen Kindern, die uns entgegenkamen (später, unten am Bärenfallbach, der durch die Abbrüche des Sattels herab braust sahen wir, daß es eine zweite Möglichkeit des Abstieges gegeben hätten, in der AV Karte als Steigspuren vermerkt und sicher eine gesonderte Erforschung wert).

luftiger Abstieg zu den Reisen

Fast hätten wir die unbeabsichtigt getarnten Wegweiser in der Schuttreise übersehen und wären Richtung Hochlandhütte aufgestiegen, wenn nicht, nach einer Wegverzweigung am Wiederanstieg des Hauptsteiges zur Hochlandhütte, Wegweiser in der losen Schottereise geschützt hinter Blechwinkeln erblickt werden hätten können.

Wegweiser in schwierigem Gelände

Unser Weg präsentierte sich dabei als ein anscheinend selten begangener, denn er war in der Schottereise teilweise nur erahnbar, nicht aber durch Farbe und Muldung immer eindeutig erkennbar.
In jedem Fall führte er uns wieder genau so nach Osten wie das Felsband in den imposant steilen Wettersteinfelsen oberhalb uns zuvor nach Westen abwärts geleitet hat. Eine nun erklärliche quer ausreißende Spitze auf der Karte.

die beeindruckende Nordseite des Bäralpls

Die Abwärtsquerung in der Schotterreise zeitigte nach 32km nun erstmals aktives Spüren der Sohlen. Die Reibung in den unfesten Halbschuhen ist beim abschüssigen Queren besonders groß und leichtes Brennen die Reaktion davon. Von gut 1.800m am Bäralpl führt der Abstieg auf knapp über 1.300m hinab auf die Almfläche Hufachboden südöstlich der Krinner-Kofler-Hütte.

Huefachboden gen Süden

Bis zu dieser dauert es aber noch ein ganz schönes Stück auf einem wiederum stetig auf- und ab-führenden schmalen Steig, der teilweise an Abbrüchen durch ein Gemisch von Hauptdolomitfelsen und Raiblerzonen hindurchführt und in dem uns just die über uns liegende schwere Regenwolke einen prasselnden Gruß von ein paar Minuten niederbrachte. Ein Gruß der gerade ausreichte, daß aller verfügbare Regenschutz angelegt werden mußte und die nachfolgenden zwei Kilometer über den Steig die kaum knöchelhohen Grashalme links und rechts des schmalen Pfades gerade so weit hereinreichten, daß die Schuhe auch innen nass genug für ein unangenehmes Gefühl wurden. An diesem Abschnitt trennten uns wahrscheinlich gerade einmal 10min von Trockenheit – es sollte für uns nicht sein, daß wir trocken blieben, wir waren vorher wahrscheinlich zu langsam und wurden daher bestraft.

Krinner-Kofler-Hütte

An der Krinner-Kofler-Hütte bestand letztmalig die Gelegenheit Wasser aufzufüllen und dies wird jedem geraten, der nach gut 35km und elfdreiviertelstunden dort ankommt und den Hauptteil der Soierngruppe im Aufstieg vor sich hat.

Aufstieg zur Soiernspitze

Der Aufstieg zur Soiernspitze erfolgt von der Krinner-Kofler-Hütte zunächst über ein paar sanft ansteigende Rampen auf breitem Wege, sodaß sich auch ein schon alter Mann vor dem Simon nicht schämen mußte und zumindest Gehgeschwindigkeit zustande brachte, auch wenn er die Normalsteiggeschwindigkeit von 11m/min nicht erreichte.

auf etwa 1.700m gegen Süden zum Bäralpl geschaut – der Alternativanstieg links kann erahnt werden

Nach 400Hm auf etwa 1.700m war es dann soweit – zu wenig Energiezufuhr (seit dem Karwendelhaus nur einen der grausigen Müsliriegel verzehrt) zwang den alten Mann in die Knie und eine Esspause mußte eingelegt werden. Speck kam zum Einsatz. Im Wissen, daß dieser nicht ganz die richtige Wahl sein würde gab es obendrauf noch einen großen und grausigen Eiweißriegel und damit sich alles zusammen beim Verdauen vertragen mochte, sollte ein Käppchen von Peter Mayrs Enzian, das erprobte Höhenkrankheitsmittel des Verfassers, für Ruhe im Magen auf den nächsten 550Hm Aufstieg sorgen.

Aufstieg zur Soiernspitze oberhalb des Jöchls

Während sich alles mischen sollte unternahmen wir eine „Recognoscirung“ auf den Bäralplsattel und die links und rechts davon flankierenden Nordabstürze der Nördlichen Karwendelkette. Auch diese Kette hat ihre Schönheiten und die nördlich vorangeschobenen hoch aufgerichteten und zu bizarr verwitternden Schluchtenbergen aus Raiblerpartien vermitteln den selben heimeligen Eindruck der südlichen heimischen Karwendelketten. Die Geschlossenheit des Zentralteiles des Gebirges konnte nun in gewisser Weise „von außen“ betrachtet werden. Die Birkkarspitze ist am Anstieg zur Soiernspitze nicht sichtbar, somit fehlt die optische Einschätzung der Distanz.

die hohen Gipfel der Nördlichen Karwendelkette – Wörner äußerst rechts im Bild

Mit einem beginnend sonderbaren Gefühl im Magen des Verfassers starteten wir wieder durch und erreichten einen Sattel an dem eine mit 1 ¾ Stunden völlig falsche Zeitangabe für die verbleibenden 450Hm getroffen wird. Dies verunsichert zunächst, der Gipfel ist von dort nicht sichtbar.
Die Strecke nach dem „Jöchl“ bereitete dem alten Mann dann schon einige Mühe und der edle Speck beschwerte sich ob der Anwesenheit von eher chemischem Gummizeug aus der Fabrik und bereitete zeitweise ein derart unangenehmes Gefühl, das bei zu stark vertiefter Aufmerksamkeit darauf höchstwahrscheinlich in einen unerwünschten Vorgang hätte überschwappen können. Also mußte sich auf den Anstieg konzentriert werden und das erste Nachdenken über die mögliche Ankunftszeit in Krün lenkte genügend ab, um die kritische Verarbeitungsphase im Unterleib unbeschadet zu überstehen.

das Gipfelkreuz der Soiernspitze sichtbar

Bei einem kühlen Lüftl durch mehrere zuvor entladene Regenwolken in der Umgebung ging es am Südostrücken zur Soiernspitze auf 2.257m, die wir knapp nach 18 Uhr erreichten, bzw. Simon 10min eher, um somit nach knapp dreizehneinhalb Stunden den Hauptteil der Anstiege bewältigt zu haben und einigermaßen erfreut darüber zu sein.

Soiernspitze, 2.257m

Das Wetter über uns war wieder grundstabil und großteils sonnig. Der nicht angenehme und kühle Wind von Nordosten, hervorgerufen durch ein Gewitter über Lenggries, veranlasste uns nach einigen Minuten des Verweilens und einigen Übersichtsfotos die Reststrecke in Angriff zu nehmen, immerhin trennten und noch 10km und gut drei Stunden Marsch vom Ziel.

die schönen Soiernkare mit den gleichnamigen Seen

Am interessanten Grat zur Reißenden Lahnspitz trifft man unweit östlich der Scharte mit dem Abzweig zum Soiernhaus auf Felsausbildungen wie sie üblicherweise dem Dolomit vorbehalten sind, grobbankig aufgebaute Felstürmchen. Sie werden südlich umgangen und jenseits der Scharte erfolgt der Anstieg zur Reißenden Lahnspitz, der nun schon recht schwer fällt mit Normalgeschwindigkeit begangen zu werden und auch auf die letzten rd. 40Hm wurde verzichtet und der Gipfel in der Südflanke umgangen.

Blick auf den Hauptgrat der Soierngruppe, weit hinten unser Abstiegspunkt

An der Westseite der Flanke bietet sich der erste Blick zum letzten Sattel, den Seinskopf, und wenn man nach all dem vorher erlebten an diesem Punkt steht glaubt man im diffusen Gegenlicht der schon tief stehenden Sonne nicht mehr so richtig daran den Seinskopf noch zu erleben – ein schier ewig langer Weg scheint sich zu ihm hinzuziehen. Tatsächlich beträgt die Weglänge kaum mehr als 3km, beinhaltet aber doch noch 130 nun auch in den Beinen spürbare Höhenmeter und zieht sich über eine Stunde hin.

schöne Formationen am Grat zur Reißenden Lahnspitze

Die Wanderung auf üppigen Wiesen dorthin – und auch schon eine Stunde vorher – verlief mehr und mehr wortkarg zwischen dem wackeren Simon und dem Verfasser, ein Produkt der Anstrengungen bisher und Manifestation von Zeichnung durch die Anstrengungen.
Die Zeitlosstimmung am Frühabend in Sonnenschein auf 2.000m wirkte gewaltig anstimmend auf das Gemüt und immer wieder kreisten die Gedanken über die bisher erlebten Stationen der Reise, die zigmal im Kopf durchgegangen wurde und trotzdem noch so unfassbar schien. Allein diese Augenblicke wären es wert, das Unternehmen erneut durchzuführen. Ob es dann an Reiz einbüßen würde – wer weiß?

an der Umgehung des Gipfels der Reißenden Lahnspitze – unser Abstiegspunkt im dunklen Sattel leicht links der Bildmitte sichtbar

Die Soierngruppe muß man erlebt haben. Ihr Aufbau ist der typische durch Überschiebung geprägte, mit mehr oder weniger steilen Südhängen und steilen bis senkrechten Nordabbrüchen. Alleine fehlen die nördlich vorne her geschobenen Raiblerpartien – zumindest konnten keine gesichtet werden.
Im Rückblick auf Soiern- und Reißenden Lahnspitze – das Foto zaubert mit dem tollen abendlichen Lichteinfall wunderbar die Schichten des Aufbaues hervor – Plattenkalk in bilderbuchartiger Ausbildung.

wunderbar sichtbarer Plattenkalk Aufbau der Soiernspitze

Zur tiefsten Einschartung vor dem Seinskopf hin benötigten wir eine gute Stunde. Die Schöttelkarspitze haben wir der fortgeschrittenen Stunde wegen ausgelassen. Ziel war ja ohne Fremdlichtquelle auszukommen. Dort beginnt der letzte, dafür auch nur kurze Aufstieg zum Seinskopf, eher ein Joch als ein Kopf, und dort beginnt auch die knapp 6km finale Abstiegsstrecke nach Krün über 1.100Hm.

Grat zur Schöttelkarspitze im Abendlicht

Selbst die wenigen Dutzend Höhenmeter Anstieg wurden dem Verfasser nun anstrengend. Eine leichte Gewitterfront über Garmisch spornte jedoch dadurch an, als daß sie den Anschein hatte sich auf unsern Abstieg auszudehnen.

kurz für der Einschartung zwischen Seinskopf und Schöttelkarspitze

Im letzten Rückblick wartete die Natur noch mit einer kleinen Belohnung auf. Die meisten Gipfel der Karwendelketten waren leider durch Wolken verdunkelt, die Birkkar- und die Ödkarspitzen als einzige Gipfel in 13km Luftlinienedistanz aber wunderschön hell erleuchtet. Mit diesem schönen Abschlussblick in die Ferne und der Verständigung vom treuen Andi, der verletzungsbedingt ausfiel und den Abholdienst versprach, traten wir den allerletzten Abstieg an.

der letzte Blick auf die Birkkarspitze; danke für die grandios heraushebende Beleuchtung!

Die Zugrichtung des Gewitters wies zwar in unsere Richtung, es verlor jedoch glücklicherweise rasch an Kraft, erreichte uns nicht mehr und so bleib uns eine zweite Regenadjustierung erspart.
Man möge den Abstieg vom Seinskopf nach Krün nicht unterschätzen, vor allem, wenn man einiges hinter sich hat. Nach der Halbumrundung des Schöttelkars, beim letzten Blick auf die Schöttelkarspitze vom Sattel in den Wald hinab zieht sich ein recht steiler Weg, der nach fünfzehn Stunden Marsch keinen Abendspaziergang darstellt, auch wenn er abwärts gerichtet ist und wenige kleine Querungen vernachlässigbare Gegenanstiege aufweist.

Abstieg vom Seinskopf nach Krün

Die Route über den Nordteil der Hüttlebachklamm schlug Simon vor auszulassen, da der andere Wegweiser eine Viertelstunde Einsparung nach Krün zu versprechen schien. Beim nachträglichen Studium der Karte erschien das nicht so sicher, denn der alternative Weg beschreibt einen nicht notwendigen Bogen im untersten Teil und führt zuletzt recht seicht knapp oberhalb des Isarufers rückwärts zur Brücke entlang. Natürlich spürten wir auf den letzten Abstiegsmetern jeden einzelnen Schritt recht intensiv auf den Sohlen.

Ankunft am Ziel in Krün, 21:15 Uhr

Um 21:15 erreichten wir nach sechzehneinhalb Stunden, 4.200Hm und knapp 50km Wegstrecke die Brücke über die Isar und den Parkplatz in Krün, bei dem Andi gerade eingetroffen war und mit einer Dose Hopfensaft für die Überraschung des Tages sorgte.

Für Interessierte hier das Höhenprofil (mehr Details und die Gehzeiten in der Bildergalerie):


Die Reise konnte im hellen Teil eines Tages somit plangemäß beendet werden. Unbeschreibliche Eindrücke darüber wurzeln noch immer tief und das Gebirge hat im Kopf eine neue Dimension geöffnet, womit auch das Ziel erreicht wurde und der Verfasser sich vor dem mächtigen Karwendelgebirge tief verneigt zugelassen worden zu sein.

Mils, 25.07.2018

Larchetkarspitze – über Kohlergraben und Hinterkar mit Überschreitung zur Pleisenspitze

Seit Jahrzehnten kann der Anstieg zur Larchetkarspitze über den Kohlergraben und das Hinterkar als die kürzere und abwechslungsreichere Alternative zum Normalanstieg über Pleisenhütte und Mitterkar nachgelesen werden.

Rückblick auf die Strecke von der Larchetkarscharte

Wenn man von der Scharte, die den Gipfel vom südlich vorgelagerten Felsturm trennt, abgestiegen ist und sich den oberen Teil des Mitterkars ansieht, dann bekommt die obige Aussage wirklich Wahrheit, vor allem, wenn man den zuvor absolvierten Anstieg über das Hinterkar damit vergleicht. Gefühlte 250Hm übelste Reisenhänge mit kleinstückigem Schotter und ordentlichen Steigungen müssen kräftig an Kondition und Gemüt zehren wird hier gewagt zu behaupten.

Larchetkarspitze, 2.541m

Anders präsentiert sich der Anstieg über den Kohlergraben und das Hinterkar.
Dieser Anstieg ist in der Tat sehr abwechslungsreich, er liegt im Sommer bis weit in den Vormittag hinein angenehm im Schatten und die Strecke über Reisen vom Kar aus erfolgt bei schlauer Wahl des Anstieges wesentlich weniger im zermürbenden Schotter.

malerisch geht es weiter

Die Tour aber vom Beginn an beschrieben – und da es eine Rundtour über die Pleisenspitze ist, entfällt jegliches Radlfahren zum Ausgangspunkt, auch das zunehmend beliebte Stromradl wird für die Anreise nicht benutzt.
Der Endpunkt der Runde (Gasthaus Wiesenhof) liegt vom Start der Runde auf der Hinterautalstraße ca. 4,3km entfernt. Wer am Ende der Tour diese Strecke taleinwärts bewältigen möchte, der fahre mit dem Radl zum Ausgangspunkt.

am Weg zum Ausgangspunkt die Gipfel bereits sichtbar

Gesamt müssen nicht nur die 4.3km sondern 6km zum Einstieg in den Wald bewältigt werden. Eine gute Strecke zum Aufwärmen und vor Sonnenaufgang eine leichte Sache, die in einer guten Stunde zu schaffen ist. 6kmh sollte für den Bergsteiger zu Beginn eines langen Unternehmens keine nennenswerte Sache sein. Bei diesem Fußmarsch werden knapp 130Hm bewältigt und 40 davon wieder eingebüßt.

genau hinter dem Schotterhaufen geht es hinauf

Zunächst muß der Einstieg gefunden werden und das ist reine Intuitionssache, denn nach 20Hm gibt es keinerlei Steigspuren mehr, denen man folgen könnte. Der Einstieg in den Kohlergraben befindet sich linkerhand wenige Meter vor der Brücke über den Hinterkarbach, just dort wo sich eine Einbuchtung als Ausweiche mit (derzeit) einem Schotterhaufen neben der Straße befindet. Genau in der Einbuchtung setzen am Abbruchrand Steigspuren an, die einige Meter entlang des Bachlaufes und aber gleich links über eine Böschung hinauf in den Wald führen.

Blick Richtung Kohlergraben

Nach kaum zwei Minuten verlieren sich die Spuren im Wald und die Intuition muß die weitere Leitung des Anstieges übernehmen.  Das irritiert zunächst, allerdings wird später klar, daß die Anstiegsrichtung zwangsweise dem Bachlauf folgen muß und unterhalb der von der Hinterautalstraße bereits gut sichtbaren steilen Schrofen in den Kohlergraben führen muß. Wer hierzu nicht in der Lage ist möge das Unternehmen besser über den Normalanstieg über die Pleisenhütte und das Vorderkar durchführen.

den Hang im Wald hinauf, ohne Steigspuren

Im Wald verliert sich großteils die Sicht auf die Schrofen, aber wenn das Geräusch des Hinterkarbaches immer in etwa der gleichbleibenden Lautstärke bleibt, verändert sich auch der Abstand kaum und die richtige Anstiegsrichtung ist somit gut eingehalten. Dann und wann trifft man im Mischwald auf steiler Partien, denen örtlich ausgewichen wird, ohne sich generell zu weit zu entfernen.

ein Abstecher zur Schluchtkante, um den Überblick zu gewinnen

In etwa nach 230Hm, knapp unterhalb Kote 1.300m tauchen steiler werdende Schrofen voraus auf, der Wald wird etwas lichter und das Gelände im Gesamten verändert sich so, daß nur mehr die Gehrichtung nach rechts oben machbar ist. Dies ist die Einmündung in einen Jagdsteig, der ohne große Höhenänderung relativ konstant auf 1.300Hm taleinwärts zieht. Er ist schon von weiter unten gut sichtbar, wenn man etwas westlich ansteigt, nahe dem Schluchtabsturz des Hinterkarbaches. Dieser Blick gibt gute Orientierung von weiter unten.

fast schon am Steig zum Kohlergraben

Ab dieser Einmündung in den Jagdsteig gibt es keine zweifelhaften Passagen bis zum Gipfel mehr es sei denn, eindeutige aber übersehbare Zeichen am Steig werden nicht beachtet, oder man hat keine Führerbeschreibung über den Steig gelesen oder gegoogelt.

am Jagdsteig

Dem Steig wird nun einige Minuten in das Tiefe des Grabens gefolgt, bis er sich mit dem Hinterkarbach schneidet und einige Minuten an dessen linkem Ufer (in Aufstiegsrichtung) entlang führt. Dort angelangt, selbst im Hochsommer in angenehmen Schatten der mächtig hinaufziehenden Basisrippe des Blassengrates lohnt ein Blick zurück auf die bärige Landschaft.

ohne große Höhensprünge

Fast würde nun ein Mini-Steinmännchen auf der anderen Uferseite übersehen, entstünde nicht der deutliche Eindruck, daß der Steig am linken Ufer irgendwie schnell schlechter werden würde und in der Tat, es ist Zeit den Bach zu überqueren und dort einige Meter weiter zu gehen.

welche ein Blick nach Südwesten!

Einen Steig neben dem Ufer wird allerdings vergebens gesucht, ein diesmal großer Steinmann, etwas vom Ufer entfernt, verrät, daß der Steig den Hang hinaufzieht. Deutliche Steigspuren im erdigen Schotter weisen den Anstieg. Vor dem steilen Anstieg empfiehlt es sich den Wasservorrat aufzufüllen. Ein Privileg das bei der Begehung der Larchetkarspitze durch das Vorderkar nicht gegeben ist.

kurz im Graben aufgestiegen

Auf diesem Steig allerdings, kann es 350Hm weiter oben nochmals in Anspruch genommen werden, jedoch ist Wasser im Karwendel auch immer eine jahreszeitliche Angelegenheit und im endenden Juli kann jemand, der die Eigenheiten der jeweiligen Quelle nicht kennt, eine Hand für weitere Versorgung über 1.300m ins Feuer legen.

Steinmann weist den Weg in die Steilflanke

Nun folgen einige Hundert Meter steilen Anstieges durch den schön ausgeschnittenen und abwechslungsreichen Steig, der sich – wirklich toll angelegt – durch den Kohlergraben nach oben zieht. Teils mitten im Latschenfeld, teils an Felswänden der jäh abstürzenden Blassenrippe und noch auf 1.750m mit einem Feld von reifen Moosbeeren, für deren Wohlgeschmack einige Minuten Pflückens verschwendet werden können.

Ausblick nach oben

Bis weit hinauf schlängelt sich der anspruchsvolle Stieg in wohltuendem Schatten dahin, bevor sich auf ca. 1800m die Richtung nach links (westlich) mit ein paar Höhenmetern Verlust ändert und in den wiesendurchzogenen Graben oberhalb der umgangenen Steilstufe mündet.

rasch wird an Höhe gewonnen

Dort gibt es unter Bezahlung von 15Hm Verlust durch Abstieg weiteres Wasser aus einer noch recht ergiebigen Quelle – keine häufige Situation im Karwendel auf dieser Höhe -, die jedoch keine genügend hohe Steilstufe aufweist, sodaß auch lange Flaschen vollständig gefüllt werden können. Eine Schöpfhilfe ist dafür von Vorteil. Da die weitere Tour ohne jeglichen Sonnenschutz stattfindet tanke man entsprechend auf.

Wasser auftanken bei einer hochgelegenen Quelle

Der folgende Abschnitt führt durch Latschengelände durchzogen von Lawinenstrichen. Man halte sich links und erreicht den Toni-Gaugg-Steig, der von der Pleisenhütte zum Karwendelhaus führt und eine ganz tolle Höhenwanderung in der Karwendelhauptkette darstellt.

oberhalb des Toni-Gaugg-Weges Richtung Mitterkar

Diesen auf ca. 2.080m überquert und immer links weiter im noch überwiegend wiesendurchsetzen Kargelände geht es bis etwa auf 2.250m bevor das Hinterkar flacher und nur noch felsig wird. Auf den letzten größeren Brocken empfiehlt sich eine Trinkpause um den günstigsten weiteren Anstieg zu „recognosciren“, wie Alpinisten vor gut hundert Jahren die Geländeerkundung bezeichneten.

den Anstieg am Felssaum gewählt und gut vorangekommen

Die schräge Ansicht der Larchetkarspitze mit ihren südlich anschließenden und von schmalen Scharten getrennten Grattürmen scheint vom Karboden aus höher zu wirken, als sie wirklich ist. Tatsächlich trennen den Ersteiger nur noch an die 250Hm vom Gipfel. Der Anstieg sei zur Vermeidung des Pilgerschrittes in den rutschenden Reisen jedoch strategisch gut gewählt.
Daher entschloss ich mich zum direkt westlichen Aufstieg über das kürzeste Stück Schottereise und dem nach Norden entlang hanteln an der Felskante, mit dem Vorzug immer in festem Fels zu steigen. Diese Taktik funktionierte wunderbar und rascher als erwartet wurde der Einstieg zur Scharte erreicht.

unterhalb des südlich der Larchetkarspitze gelegenen Gratturmes, rechts befindet sich die Scharte

Der Einstieg in die Scharte zum Gipfelturm der Larchetkarspitze erfolgt durch die von unten nur im Ansatz erkennbare Schartenschlucht durch die am Hang darunter auffällig helles (junger Bruch) Schottermaterial zutage tritt und gesichtet wird. Bis dort hinauf wird in sehr akzeptablem Fels- und Schrofengelände gestiegen bzw. im Steigen gequert.

unterhalb der Scharte

Die Brüchigkeit des Gesteins ist hoch und doch bereitet der Aufstieg wenig Schwierigkeiten. Oben am Ansatz der Schartenschlucht blickt man gespannt hinter die Kante die steile Böschung hinauf und bereits nach wenigen Metern zwecks Handeinsatz am festem Fels an der linken Begrenzung wird das schwarze Fixseil zum Gipfel der Larchetkarspitze und die Scharte selber gesichtet. Der Aufstieg in der Scharte dürfte also nur etwa 25-30Hm hoch sein.

in der kurzen Scharte

Vom Schärtchen aus wird über eine kurze Rinne auf ein rechts abgehendes kurzes Band aufgestiegen, das mit einer Verschneidung endet. Der folgende Aufstieg erfolgt mit großer Steilheit (siehe Foto vom Abstieg)  über einen Riß neben der Verschneidung. Das angebrachte Seil bietet vor allem im Abstieg eine psychologische Hilfe in dem „oberen Dreier“ wie Juergen ihn treffend bezeichnete.

das Fixseil bereits sichtbar

Oberhalb dieser Platte wendet sich der Aufstieg abermals nach rechts und führt – nicht sehr angenehm im Abstieg – ein paar Meter über ein mäßig geneigtes schotterbedecktes Band mit brüchigen Griffen in Brusthöhe bevor dann gleich der Ausstieg auf das schmale Gipfelgelände der Larchetkarspitze anschließt. Wenige Meter führen am kurzen Grat bis zum Gipfel.

die Schlüsselstelle gut verseilt für den Abstieg

Das schmucke schmiedeeiserne Gipfelkreuz der Larchetkarspitze erinnert an ein Friedhofskreuz und trägt die Namen zweier Bergkameraden, das sehenswerte Gipfelbuch wird in einer Edelstahlschachtel im Steinmandl daneben verwahrt.

Gipfelbereich der Larchetkarspitze

Natürlich bietet auch die Larchetkarspitze gewaltige Ausblicke auf die umliegenden Karwendelgipfel. Der schönste davon scheint wohl jener in den direkten Osten entlang der Hauptkette zur Birkkarspitze hin zu sein. Aber auch die Ansicht nach Westen zur Pleisenspitze, das weitere Ziel dieser Tour, erfreut durch die schöne Gestalt derselben. Leider läßt sich die Route über den das Kar teilenden Felskopf nicht einmal zur Hälfte ausmachen, weil ein weiterer Kopf dazwischen die vollständige Sicht auf die Ostflanke des Felskopfes raubt.
Der im AV-Führer erwähnte Gamswechsel kann jedoch gut ausgemacht werden und der Weg dorthin scheint zwar kein Vergnügen, aber machbar.

das nächste Ziel die Pleisenspitze – ein formschöner Gipfel von Osten aus gesehen

Die Pause am schönen Gipfel der Larchetkarspitze wurde ob der fortgeschrittenen Tageszeit kurz gehalten und der Abstieg in Angriff genommen.
Das mehrfach geklemmte Kunststoffseil nur an den nötigsten Passagen – und dort auch nur mit kaum Zug – benutzt stieg ich die nicht sehr schweren Passagen bis zur Scharte und weiter bis zum Reisengelände ab. Gleiche Brüchigkeit auch diesseits der Scharte und wen es wundert, der denke darüber nach warum sich ein Trennschnitt im Grat als Scharte gebildet hat.

Bäralpl in der Nördlichen Karwendelkette – in guter Erinnerung des vorwöchigen Vorhabens

Das nun folgende wenig verdichtete und rutschende Reisen- und Geröllgelände ist ein unangenehmes und allein der Gedanke hier aufsteigen zu müssen bereitete mir große Genugtuung der Beschreibung des Anstieges über das Mitterkar Glauben geschenkt zu haben.
Für mich stand nicht der Abstieg bis unter die Kante des Gratkopfes auf der Route, sondern die Querung bis zum nächsten Felskopf an und das gelang nicht ohne einige Tritten ins Leere bzw. in solche Regionen solchen bei denen der rechte Fuß nach dem Auftritt, noch bevor der linke vorne wieder aufgesetzt werden kann, ins Nichts verschwindet, sich plötzlich links unterhalb des Körpers befindet und als Gegenreaktion des Gleichgewichtssinnes der rechte Arm mit dem Stock unkontrolliert hangaufwärts einsticht, um einen Sturz zu vermeiden, was nicht immer gelingt – mein Albtraum im Reisengelände. Es sollte noch einiges an Gelände dieser Art kommen, die Ouvertüre dessen war jedoch nicht zu verachten.

die kühne Larchetkarsopitze

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen konnte etwas aufgeatmet werden und die folgenden festen Felspartien um den ersten Kopf herum zu durchschreiten. So gelang ich halbwegs bequem auf den ersehnten Gamswechsel am großen, das Kar teilenden Felskopf.

in der Ostflanke des Felskopfes

Der erste Blick galt der Gegenseite, was mich dort erwarten würde. Eine rotbraune Rinne Störzonenmaterials zieht sich dort hinunter. Sie ist wegen ihrer abhebenden Farbe auch noch gut von der Pleisenspitze aus zu sehen.

Westflanke des Felskopfes

Das beschriebene breite Band blieb aus und weil mich das wunderte beschloss ich am Grat bis zum nächsten Absatz vor zu gehen und die Situation zu erkunden. Dort fand ich das breite Band vor, das jedoch keinen Vorteil zu bieten schien, weil es in der Hälfte des Abstieges wieder in die rotbraune Rinne einbog. Also stieg ich die Rinne ab um an ihrem Fuße das Westende des das Kar teilenden Felskopfes zu erreichen. Die Überschreitung nach dem AV-Führer war somit fast vollbracht, wäre da nicht der weite Kessel an steilem Reisenhang bis zum jenseitigen Aufstieg zum Gratrücken der Pleisenspitze. Die Beschreibung der lästigen Querung unterlasse ich hiermit.

diese ockerfarbene Rinne kann abgestiegen werden

Auf der anderen Seite schätzte ich die Anstrengung über den Felskopf als nicht viel minder gegenüber dem vollständigen Abstieg unterhalb des mittig im Kar liegenden Felskopfes auf Kote 2239m und den Wiederaufstieg ein. Die Ersparnis an Höhe beträgt vielleicht 120m und die Überquerung des Kopfes stellt eben die alpinere Vorgehensweise dar, das ist es aber dann auch. Vielleicht böte sich bei mehrfacher Begehung eine etwas ausgefeilter Routenwahl durch die mühsamen Reisenquerungen, mehr Raffinesse ist aber aus dieser Überschreitung nicht herauszuholen.

eine weite Querung auf unangenehmen Reisen steht bevor

Beim Aufstieg zur Gratrippe der Pleisenspitze galt es wieder die besten Hangverhältnisse zu wählen bei denen möglichst wenig loses Geröll der jungen Schotterreisen begangen werden muß. Zwischen hellem jungen Bruchs liegen ockerfarbene feste Partien, auf denen es sich recht angenehm bis zum Felsansatz steigen läßt.

noch ein wenig Plagerei und dann fester Fels ab der Unterkante der Schrofen

Die felsigen Teile des Trichters oberhalb der Engstelle sind auf der rechten Seite angenehm fest und daher vorteilhafter als die linke Seite, allerdings ist zum Ausstieg (zu einem auch unterhalb schon deutlich sichtbaren Steinmann) dann nach links zu queren. Der Ausstieg aus der Aufstiegsrinne erfolgt etwa 120Hm unterhalb des Gipfelkreuzes der Pleisenspitze unweit vom Normalweg.

am Ausstieg des Aufstiegstrichters

Rasch wird die Pleisenspitze erreicht. Ein unspektakulärer leichter Gipfel, aber auch der erste in der Karwendelhauptkette und daher eine Landmarke.
Der Übergang nahm knapp 75min in Anspruch, die Beschreibung im Führer spricht von zwei Stunden (über den Felskopf). Einen Vergleich mit der meistbegangenen Route unterhalb des Felskopfes werde ich wohl nicht bekommen, da dieser Übergang nicht mehr auf meinem Programm liegt.

erfreulicher Blick Richtung Gipfel der Pleisenspitze

Die wiederum tolle Aussicht von der Pleisenspitze wurde beim Füttern der frechen Dohlen genossen, die diesen touristisch stark genutzten Berg längst für sich als Futterquelle eingenommen haben.
Ein Biker mühte sich ab sein Radl bergab zu schleppen und fand einfach keinen Abschnitt am Gratrücken an dem er fahren konnte.

der Übergang im Überblick, zeitlos schön!

Mit drei wackeren Münchnerinnen wurde noch ein Weilchen geplaudert bevor es ab zur Hütte ging, vorbei am Radlträger mit seinem Betreuer. Das Duo erreichte die Pleisenhütte als ich schon längst mit Siggis toller Knödelsuppe fertig war.

Blick zum Lafatscher Joch

Trotz großer Nachmittagsschwüle eilte ich in Vorfreude auf das Getränk den Abstieg hinab zum r²π/4, dessen mathematische Berechtigung erst nach eingehender Geometrieprüfung des Grundrisses klar wird, meinem Standardeinlöseort für den Parkgutschein.

und dieser Blick!

Die Messung der Bergsteigeruhr zeigte 1.810Hm im Aufstieg und 8:40 Dauer der gesamten Runde, die ich als sehr abwechslungsreich und lohnend empfunden habe.

Mils, 29.07.2018

Voldertalumrundung – Überschreitung von 11 Gipfeln am Grat

Unter den großen Vorhaben von weiten Überschreitungen stellt die Voldertalumrundung für den konditionsstarken Bergsteiger eine leichte Möglichkeit dar in eine solche Erfahrung einzusteigen.
Die Runde kann in beide Richtungen begangen werden, sie kann an vielen Stellen abgebrochen werden und es gibt die Möglichkeit mittels zweier Fahrzeuge Anfang und Ende aufstiegsverkürzend zu verbinden.

das nette Kreuz auf der Seekarspitze mit Grünbergspitze und Rosenjoch im Hintergrund

Bei der Voldertalumrundung geht es nicht um spektakuläre Gipfel. Der einzige Gipfel, der einen Hauch von Kletterei beinhaltet ist der Sunntiger, und auch nur dessen Nordschulter, alle anderen Gipfel sind ohne Schwierigkeit zu besteigen. Einige Passagen im Übergang vom Hanneburger zum Malgrübler, zwei Gratstrecken mit etwas Pfiff hinsichtlich der klettertechnischen Begehung, könn(t)en umgangen werden, wie auch der Nordgrat des Sunntiger, allerdings versäumt man dadurch eine willkommene Abwechslung in der sonst von Felstrümmern geprägten Strecke.

Diese Gratstrecken sind an sich nicht schwierig, vielleicht kann für einige wenige Passagen II- vergeben werden, aber sie bewegen sich teilweise in etwas ausgesetztem Gebiet. Auf den wenigen Gratschneiden wo Tritte rar sind übernimmt Reibung am reich mit Flechten bewachsenen Glimmerschieferfels den Halt, Griffe sind an den scharf abbrechenden Gratklippen immer vorhanden. Alles in allem keine schwierige Übung für den versierten Felsgeher.

Auf der westlichen Talseite findet sich kaum eine Kletterstelle, die nicht durch eine richtige Wegausbildung bzw. einmal sogar mit kurzer Seilversicherung vorgegeben wäre – also eine Begehung ohne jegliche Kopfleistung darstellt. Dadurch erschien die Begehung in Uhrzeigerrunde dem Verfasser individuell auch wesentlich schneller. Die Fortbewegung an „zurückgelegter Strecke“, also die Geschwindigkeit, in den Gratstellen zwischen Hanneburger und Malgrübler schienen angesichts der kleinen Teilstrecke von nur 1,57km (Luftlinie) zwischen den beiden Gipfeln ewig zu dauern. Zum Vergleich: Die Strecke vom Largoz bis zum Hanneburger ist mit 3,07km (Luftlinie) fast exakt doppelt so lang und dafür wurden sogar 10min weniger benötigt, obwohl der Höhenunterschied zwischen Largoz und Hanneburger 356m und zwischen Hanneburger und Malgrübler nur etwa 230m (aus der Karte gemessen, nicht geodätisch) beträgt.

kurz nach dem Start zurücksteigen zur Alm und Zwangspause akzeptieren

Dieser doch signifikante Unterschied erklärt sich zu Beginn der Tour noch nicht aus einem Verfassungsunterschied sondern nur durch die zeitaufwändigen Klettereien, die allerdings auch ausgelassen werden könnten.
Dieses Thema ist im Zusammenhang mit der Gesamtgehzeit ohnehin erwähnenswert. An einer guten Anzahl von Stellen bestünde die Möglichkeit eine Kuppe abzuschneiden um Höhenmeter zu sparen.
Es liegt natürlich in der Betrachtung des Einzelnen worauf er Wert legt, auf die möglichst schnelle Umrundung, oder auf die Ernsthaftigkeit die Umrundung am Königsweg des höchsten Punktes absolviert zu haben.
Insofern sind Zeiten teilweise wenig vergleichbar. Dieser Bericht behandelt letztere Anschauung und es geht auch um Bergsteigen, nicht um das unerwünschte Abdriften in ein Sportthema.

Es wurden an den Gipfeln zwischen 5 (an den Nebengipfeln) und max. 15 Minuten (an den drei Hauptgipfeln Malgrübler, Naviser Sonnenspitze und Rosenjoch) Pausen zur Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme eingelegt und das Wetter beobachtet, sowie fotografiert. Ebenfalls wurde das Gipfelkreuz der „TV Naviser“ an der Sonnenspitze bestiegen und ein wenig in den Gipfelbüchern geblättert, die auch Einträge mit der Aussage „Voldertalumrundung“ beinhalteten (übrigens ein fataler Fehler im Notfall: wohin soll ein Rettungstrupp sich wenden, wenn der Gesuchte „Voldertalumrundung“ ohne Richtungsangabe eingetragen hat? Hier wird das Gipfelbuch – wie so oft heute – eigentlich miss- oder zumindest sinnlos ge-braucht und es siegt Sensationsgier vor dem Hirn). Es wurde nie im Gehen gegessen, der Verfasser lehnt solches ab.

interessante Tafel, siehe Text für mehr Info über die „Charlottenburger“

Zum Abschluß des Vorspannes noch ein wenig geografisches und – wie könnte es heute anders sein – auch ein freizeichnender Disclaimer sei ausgesprochen:
Die Karten sprechen von mehr als von den im Beitragstitel erwähnten elf Gipfeln. Es werden auch solche überschritten, die kein Gipfelkreuz tragen und zwar sind das der Roßkopf (die Wattenspitze wurde als einziger kartografisch erwähnter Gipfel nicht überschritten, hier führt der Steig knapp darunter vorbei) und die Gamslahnerspitze. Darüber hinaus wäre es noch möglich den Schartenkogel als weiteren Gipfel mitzunehmen und vorne nach Halsmarter abzusteigen.

Weiters wäre es möglich gewesen von der Halsmarter oder auch der Tulferhütte nach Volderwildbad abzusteigen und die Strecke somit signifikant zu verkürzen und als letzter Punkt sei erwähnt, daß die Begehung gegen den Uhrzeigersinn den Vorteil mit sich bringt, daß das Groß an Höhenmeter eher zu Beginn der Umrundung absolviert wird und ae ab dem Rosenjoch eher abwärts geht, wenn die Girlanden zwischen den Gipfeln außer Acht gelassen werden (wobei der geodätische Höhenunterschied zwischen Rosenjoch und Malgrübler gerade einmal 47m beträgt und dazwischen wahrscheinlich 800Hm oder mehr echte Aufstiegsstrecke liegen).

Wer beim Lesen dieser phantastischen und erheblich anstrengenden Reise bereits vor dem Erreichen des Glungezers erschöpft ist der scheint noch nicht bereit dazu, möge weiterhin trainieren und erst mit entsprechend guter Kondition mitlesen. Der Verfasser haftet ausdrücklich nicht für hochgradig übersäuerte und schmerzende Lesemuskulatur nach vorliegender Lektüre.

das Largozkreuz erreicht – Wetterlage nicht erbauend

Der Himmel zeigte sich bereits um 6:45 vom Parkplatz oberhalb der Krepperhütte aus betrachtet für das anstehende große Unternehmen als recht kritisch bewölkt und mit zunehmendem Aufstieg keimte sehr bald die Überzeugung, daß aus der langen Tour nichts werden würde. Wie so oft siegte Überempfindlichkeit bei zweifelhaftem Wetter über dem Optimismus – ein Phänomen, das beim Alleingang eines bedeutenden Unternehmens am Berg einen eisernen Griff ausübt und den Geist lähmt. Zu dieser Erfahrung wird sicher eine beträchtliche Schar von Bergsteigern nicken.

Durch den dichten Wald wenig nach oben geblickt und auf den Schritt konzentriert erreichte ich die freie Almfläche der Largozalm, ohne daß irgend ein verirrter Sonnenstrahl mein Blickfeld traf, das Gegenteil war der Fall. Mit großer Gewissheit an so einem Tag vielleicht den Malgrübler absolvieren zu können und somit zumindest Erkundungserkenntnisse gewonnen zu haben wurden die Almgebäude passiert und kaum 10min später waren die ersten Tropfen zu spüren. Im Westen, die Sicht auf die große Stadt schon undeutlich durch den Niederschlag.

selbst im Osten geschlossene Bewölkung

Die Vorhersage für diesen Tag war bis zum Nachmittag zwar nicht wolkenlos, so jedoch als stabil und daher bestens für mein Vorhaben beschrieben. Während der ungewiss lange dauernden Zwangsrast als „Unterstehgast“ unter dem Vordach eines Stallgebäudes wurde dann versucht stoische Ruhe zu üben und das Positive siegte auch in dieser guten halben Stunde, als daß ich erfuhr, daß die „Largotz-Alpe“ einst der Sektion Charlottenburg des D. u. Ö.A.V. angehörte. Da eine solch interessante Geschichtsinformation nie unerforschtes Halbwissen bleiben darf konnte ich im Nachgang nicht umhin mir etwas Wissen über den Verein anzueignen und jedem, dem Alpingeschichte und die der Heimat schlechthin etwas bedeutet, sei dieser interessante Link ans Herz gelegt; er wird staunen welche Entwicklungen die wohlbekannten Hütten am Glungezer von 1923 bis in das dritte Jahrtausend hinter sich haben – eine pfiffige AV-Sektion die Charlottenburger im fernen Berlin!

erste Tendenzen zur Wetterbesserung

Nun, mittlerweile hatten die Almbauern das Vieh in den Stall getrieben und der Regen sich verzogen. Ein Blick nach Westen versprach mit einigermaßen Sicherheit Regenfreiheit die dem weiteren Aufstieg Auftrieb verlieh, jedoch mit der Gewissheit, daß alle gefasste Ernsthaftigkeit für diesen Tag nun aufgelöst werden könne. Trotzdem stieg der Körper wie gesteuert in geplanter Steiggeschwindigkeit weiter.

Der Ausblick am Largozkreuz (im Link weitere Informationen über den beliebten Punkt) verhieß noch keine signifikante Besserung der Wetterlage, lediglich im Westen entstand in der Zwischenzeit ein lichter Bereich, dort wo vorher das Zentrum der Schauer lag. Dieser Hoffnungsschimmer  war nun Antriebsfeder zumindest nicht sofort aufzugeben.

Ab dem Largoz verflacht sich der Steig am Grat erheblich. Die typische Zirbenlandschaft der Tuxer Alpen ist dort fast überwunden, vereinzelt stehen die stämmigen Kiefern noch trotzend in der Landschaft, meist überwiegt aber bereits bodennaher Strauchbewuchs und Almrosenbüschel über Almrosenbüschel säumen den Weg.

die ersten hohen Ziele, Haneburger nd Malgrübler links dahinter

Schnell wird an Terrain gewonnen, der Steig zieht abwechslungsreich und leicht zu begehen an der Ostseite der Wattenspitze (einer der nicht mit Gipfelkreuz ausgestatteten Gipfelerhebungen in der Karte) vorbei, steuert dem nächsten Zwischenpunkt, dem runden Roßkopf zu und wird nach der Wattenspitze wieder etwas steiler. Die Wattenspitze ist mir von früheren Begehungen bekannt gewesen, daher ist sie die einzige Auslassung am Grat über die gesamte Strecke der Umrundung und schätzungsweise 40Hm wurden somit nicht bewältigt.
Der darauf folgende Roßkopf und seine lange südliche Einsattelung ist Schafalmgelände – von weitem sind sie zu hören und wenig zu sehen.
Nach dem Hochpunkt wird in eine moderat tiefe Einschartung (es sind an die 140Hm) wieder abgestiegen, um jenseits den leichten Aufstieg (knapp 300Hm) über die Nordflanke des Haneburger zum Gipfel zu bewältigen.

Rückblick auf den Roßkopf am Weg zum Haneburger – das Karwendel im Norden wolkenfrei

Mittlerweile, und das ist nun auch auf den Bildern nicht zu übersehen, hat sich das Wetter wieder dermaßen gemausert, daß die grauen Zellen sich – wie der Körper im Aufstieg auch – abmühten die verbleibende Aufstiegsstrecke und die Entfernung zum bergsteigerischen Ziel, dem Glungezer, in Gehzeit umzurechnen und eine Ankunftszeit zu ermitteln. Ein schwieriges Unterfangen im Kopf, da bis dorthin fast die Hälfte der Aufstiegsstrecke zurückgelegt war (ca. 1.500Hm), jedoch weniger als ein Viertel der Gesamtstrecke und die verbrauchte Zeit 3 ¼ Stunden betrug. Die Ankunftszeit am Haneburger war rd. 10 Uhr.

erste Sonnenstrahlen am Gipfel des Haneburger, 2.596m

Angesichts der Topografie der noch zu bewältigenden Strecke empfiehlt sich hier eindeutig der Zeitansatz vor  dem Steiggeschwindigkeitsansatz. So hielten zusätzliche drei Mal dreieinviertel Stunden als Daumenpeilung her, die eine Ankunftszeit bei der Krepperhütte von neundreiviertel Stunden bedeuteten. Ein entsprechender Abzug für die bereits zur Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke bewältigten Höhenmeter wurde dabei zugunsten der sich auswirken werdenden Ermüdung im Westteil der Umrundung unterlassen, weil er sich als gleichwertig auswirkend eingestuft wurde.
Nach diesem Ansatz ist klar, daß die Ankunft beim Ausgangspunkt um 19:45 Uhr sein würde und selbst mit dem des Technikers eignem Sicherheitsbedürfnis von 10% bei sehr einschätzbaren Bedingungen würde die Tour noch – und Tageslicht vor Kunstlicht ist eine mir stets selbst gestellte Bedingung wo immer möglich – mit großer Wahrscheinlichkeit planmäßig enden können.

Rückblick auf die Strecke Largoz bis Haneburger, mittig die felsige Wattenspitze, davor der Roßkopf

Das Schild am Gipfelkreuz des Haneburgers straft die Literatur Lügen und zeigt die Gipfelbezeichnung „Hanneburger“ – oder die Literatur straft das Schild Lügen – vielleicht ist es irgendwann herauszufinden.

Mittlerweile hatte es sehr weitgehend aufgeklart, das Inntal und Karwendel war teilweise fast wolkenfrei. Über dem Stubai und den Zillertalern hielten sich jedoch immer noch größere Wolkenpakete.

ein leicht anregender Grat führt direkt vom Gipfel weiter Richtung Malgrübler

Der folgende Grat Richtung Malgrübler schließt direkt am Gipfel des Haneburgers an. Zunächst stieg man ein paar Meter ab, um dann westlich die ersten Meter zu umgehen und steigt dann auf den Grat auf, der sich schätzungsweise 200m ohne wesentliche Höhenänderung bis zu einer Wiesenfläche hinzieht und etwas Abwechslung in die sonst einfache Gehstrecke bringt. In diesem Bereich sind ein paar leichte Klettereien verpackt.

Rückblick auf das schöne leichte Gratstück

Nach dem Übergang vom Grat zur Wiesenfläche ist die beste Richtung links zum Hochpunkt der Wiesenfläche aufzusteigen. Geradeaus geht es wegen Abstürzen nicht, westlich durch die Rinne hinab wäre nicht die gewünschte Route einer Überschreitung gewesen und fällt unten steil und uneinsehbar ab.

Rückblick auf die Strecke vom Haneburger

Nach dem Hochpunkt führt der Gratrücken leicht über Wiesenpartien hinab in das Malgrüblerkar, in dessen südlichen Teil der Grat an Schärfe wieder zulegt und mit ein paar netten aber zeitaufwendigen Klettereien mit viel Auf und Ab aufwartet. Entsprechend beschleunigt man instinktiv und kommt am Ende keuchend an.

jenseits im Westen der Westteil der Tour noch viele Stunden entfernt

Die Kamelbuckel hinter sich gelassen folgt über etwa 200Hm ein monotoner mittelsteiler Aufstieg auf den Malgrübler. Dessen unspektakulär flach ausgebildeter Gipfel trägt ein Stahlkreuz und das Gipfelbuch verrät, daß er schon bedeutend weniger oft erstiegen wird, als sein nördlicher Kollege. Der Malgrübler ist mit 2.749m der zweithöchste Gipfel in der Umrundung und um knapp 50m niedriger als das Rosenjoch mit 2.796m.
Für mich die erste lange Rast von 15min mit etwas Nahrungsaufnahme.

Malgrübler, 2.749m

Von dort könnte man mit dem Glas den Nordrücken des nächsten Zieles in Augenschein nehmen, dem Sunntiger. Ob man die einzig schwierige Stelle dabei erkennt muß bezweifelt werden, den durch den Plattenaufbau des Rückens und Frontalansicht kann den Sägezahn nicht erkannt werden. Dies als Rechtfertigung selbige Erkundung nicht durchgeführt zu haben.

Herr Sunntiger posiert für mich – ein schöner Anblick und ein Vergnügen ihn von Norden zu besteigen

Eine weitere Überraschung erwartet den Begeher hinter den von oben uneinsehbaren Gratpartien und zwar ein beträchtlich tiefer Abstieg von ca. 140m bis in eine Kargrube, von der es ca. 50Hm auf den Sunntiger hinaufgeht. Dieser Aufstieg beinhaltet eine Stelle, die entweder mit einem beherzten Sprung über ca. 1,50m Höhe oder uneinsichtig abgeklettert bewältigt wird, um jenseits auf Reibungsgelände in Gipfelnähe zu kommen. Der Aufstieg wird besser nicht unternommen, wenn man solche Verhältnisse nicht meistern kann. Der Gipfelaufbau kann an der Westseite auch umgangen und südseitig auf dem Normalweg erreicht werden. Ein noch wesentlich schlankeres, kleineres Gipfelbuch zeugt von eher seltener Begehung des schon als rassig zu bezeichnenden Gipfels in dieser sanften Gegend.

Rückblick am Nordgrat des Sunntiger – unten, wo der gelbe Fleck mit Blumen ausgemacht werden kann befindet die Schlüsselstelle

Vom Sunntiger aus kann der weitere Weg zur Naviser Sonnenspitze erstmals fast völlig eingesehen werden, er wird als weitgehend unspektakulär erkannt und so wird er sich auch weisen.

Sunntiger, 2.667m

Der Abstieg vom Sunntiger beinhaltet nur eine einzige Stelle über einen steileren Fels, der zwar glatt ist, aber kleine Tritte und Griffe aufweist, sodaß die knapp 2m Höhe auch keine Schwierigkeit darstellen. Man sollte jedoch genau schauen und die Trittreihenfolge überlegen (im Aufstieg ein Klacks, ich bin dort jedoch nur abgestiegen und hatte keinen Voreindruck).

weitere Strecke zur Naviser Sonnenspitze – ein langer Weg

Das nun folgende Gehgelände erlaubt zunächst eine angenehme Geschwindigkeit und die Entfernung zur Naviser Sonnenspitze schwindet anfänglich recht schnell. Allerdings – wie zu vermuten war – täuscht der Eindruck ungemein und alsbald muß festgestellt werden, daß die Sonnenspitze bei jedem Blick auf sie einige Hundert Meter zurückgeweicht ist, um den Abstand einfach nicht schwinden zu lassen.
Wie der Erfahrene weiß passiert das wirklich und ist eine der Hauptprüfungen bei der Umrundung.

Anstieg zur Seekarspitze

Im Vergleich zu den Gipfelgirlanden vorher bietet die wenig kupierte Strecke mit Ausnahme eines scharfen Pfiffes von Vater Marmot dann und wann kaum Abwechslung. Nur die Seekarspitze, die, fernab von ihrem Kar das auf Höhe des Sunntiger liegt, durch ihr Gipfelkreuz mit seiner Geschichte ein gerne erlebtes Highlight bietet, beeindruckt auf dem langen Teilstück. Sie verleiht diesem, am meisten abgeschiedenen Platz auf dieser Bergkette, Aura.

Die Seekarspitze ist ab dem Sunntiger in einer langen Dreiviertelstunde erreicht. Den schönsten Blick auf die Melkböden der Steinkasernalm hat man nur von ihr und mit geschlossenen Augen gelingt es – wem es an Vorstellungskraft nicht mangelt –  von phantastischen Abfahrten im Februar zu träumen.

Seekarspitze vor den Zillertalern

Aufgerüttelt aus dem Wintererlebnis bringt das verinnerlichte Vorhaben einen Ordnungsruf aus, dem mit einer raschen Kehrtwendung zum kurzen Gratabstieg sogleich stattgegeben wird. Weiter geht es und die Versuchung ist groß sich einzureden, daß die folgende Kuppe die letzte anstrengende Partie zu der nun – vermeintlich – zum Greifen nahen Sonnenspitze wäre.

Weitere gute 20 Minuten und ein kleines Gratstückchen im Fels trennen noch vom Wendepunkt der Umrundung und strategischem Zwischenziel, der Naviser Sonnenspitze. Auf ihr wurde die lange Halbzeitpause von wieder 15min angelegt, die Hauptpausenzeit.

das Eisenkar mit dem nächsten großen Rastpunkt, der Naviser Sonnenspitze

Neben der zweiten Tranche an Speck, Rosinen und Apfel musste nun das Wetter endgültig eingeschätzt werden und nachdem das Fieber der Beendigung der Runde schon entbrannt war möglicherweise etwas dadurch beeinflusst für dauerhaft gut eingestuft. Die Westseite war schon von der Begehung mit Andi zum Vorteil bekannt und somit würde die Gesamtrunde also heute fallen. Natürlich gab diese Erkenntnis unheimlich Schub im Kopf und übermütiger weise mußte auch das mächtige Kreuz der „TV Naviser“ begangen werden bevor, zur vermeintlichen Mitte der Tour, zum Naviser Jöchl abgestiegen wurde, das ich reichlich spät, um kurz vor 14 Uhr erreichte. In Wahrheit sind am Naviser Jöchl gerade 40% der Gesamtstrecke absolviert worden.

auf das Naviser Jöchl geblickt

Den schönen Halbzeiteindruck hier der Wahrheit zuzuführen mündet gewissermaßen zwar in Desillusionierung über das stolze Gefühl, jedoch ist sie vielleicht irgendwann einmal einem Leser dienlich, der bei entsprechender Überbelastung bisher die Größe hat rechtzeitig das Handtuch zu schmeißen, oder durch den Abbruch der Tour auch gerade noch einem schlimmen Wetter entfleuchen kann, weil er nun weiß, daß an diesem Punkt gerade 13km, respektive 38% der Gesamtstrecke absolviert worden sind. Keineswegs aber wird dieser rein mathematische Wert den an mentaler und körperlicher Stärke entschlossenen Umrunder beeindrucken, der auch das Wetter einzuschätzen vermag und sich seiner momentane Gesamtlage bewußt ist.

Naviser Sonnenspitze, 2.619m mit Strecke vom Malgrübler

Der Großteil der Gesamtaufstiegsstrecke liegt zwar bereits zurück, aber die folgenden Girlanden zwischen den Gipfel erscheinen nicht nur körperlich anstrengender als die Strecke bisher, sie sind in der Lage, sehr am Positiven von mentaler Stärke zu zehren und wenn es nur eine ganz kleine Fehlstelle im Konstrukt aus Willen und Vermögen gibt, kann ein geschlagenes mentales Leck selbst das stärkste Schiff in die Versenkung treiben. Kopf und der Körper müssen am Naviser Jöchl eine unzertrennliche Einheit bilden und jegliche auch noch so kleine Beeinträchtigung sollte hinsichtlich ihrer Auswirkung – man stelle sich einen drückenden Schuh oder einen stechenden Schmerz bei einer notwendigen Bewegung im Gehen vor – sorgfältig abgeschätzt werden. Die allgemeinen Angaben vom Naviser Jöchl zum Glungezer sprechen an dieser Stelle von gut fünf Stunden Gehzeit nur bis zum Glungezer (ohne Zeitansatz von Ermüdung), nicht bis zum Ende der Tour – und mehr Gehzeit wurde bereits absolviert. Also frage man sich ernsthaft, ob es möglich ist und treibe sich, eine Bergpartnerschaft oder Bergretter nicht in eine prekäre Situation. Das Naviser Jöchl ist entweder der Wende- oder der Durchstartpunkt.

vom vom Naviser Jöchl ins Voldertal geblickt

Am gut 250Hm Aufstieg zur Grafmartspitze ertappte sich der Verfasser dabei, daß zweimaliges kurzes Innehalten zur Beruhigung der Atmung nötig wurde. Die erwarteten Strapazen begannen also bereits in noch ganz kleiner Dosis. Immerhin aber konnte der Aufstieg in knapp 45min absolviert werden. Wenn aber bedacht wird, daß läppische 250hm innerhalb einer Normaltour in kaum 30min Geschichte sind kann das bisher Geleistete einigermaßen abgeschätzt werden.

am Weg zur Grafmartspitze Blickrichtung Olperer

An der Grafmartspitze sprechen die touristischen Wegweiser von 4 ½ Stunden bis zum Glungezer. Die Uhr zeigte 14:30 Uhr, das Wetter hatte zwar Potential zum jederzeitigen Umschlag, passte aber immer noch recht gut mit kaum hohen Wolkentürmen und die mentale Einheit war unangegriffen stark auf Vollstreckung der Runde ausgerichtet. Nach dem GB-Eintrag und der Fotodokumentation wurde der Marsch unverzüglich fortgesetzt.

Grafmartspitze, 2.720m, im Hintergrund die Grünbergspitze

Im Westteil der Umrundung des Voldertales ist ein Abbruch der Tour nicht an vielen Stellen möglich (zum Voldertal hin), was beachtet werden möge.
Der einzige Abstieg auf markiertem Wege ist der Abstieg auf dem Steig kurz nach dem Rosenjoch (dem höchsten Gipfel der Tour) zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal. Alle anderen in Not als möglich erscheinende Abstiege in das Voldertal sind Expeditionen ohne markierten Steig mit ungewissem Ausgang, anders als auf der felstechnisch leichteren Ostseite der Umrahmung. Dies wäre vielleicht ein anderer Grund die Begehung gegen den Uhrzeigersinn zu planen.

Grünbergspitze, 2.790m, im Hintergrund die Anreise über den Ostteil der Umrundung

Eine wichtige Landmarke in der Voldertalumrundung stellt die Grünbergspitze dar, die über ein Sattelchen (mit wieder knapp 100Hm Aufstieg) nach der Grafmartspitze erkämpft wird und die, mit ihrer Besteigung, die Hauptaufstiegsstrecke beendet.
Keine Angst, es folgen noch genug Girlanden mit Zwischenauf- und -abstiegen vor wiederum Hauptaufstiegen und der höchste Gipfel ist erst jener der Grünbergspitze folgende.
Jedoch kann bereits auf der Grünbergspitze zumindest darüber triumphiert werden, daß die Aufstiege nur noch in Girlanden mit vorhergehender Erholung am Abstieg bestehen und kein substanzieller Höhengewinn mehr erkämpft werden muß. Eine wichtige Gewissheit für manch bereits angeschlagenen Willen dessen so stolze Unbeugsamkeit noch am Jöchl nun zumindest erste Normalisierungstendenzen hin zur Ehrfurcht zeigt.

Abstieg von der Grünbergspitze

Aber auch auf der Grünbergspitze sollte die dritte fünfzehnminütige Hauptrast nicht stattfinden, sie war am Rosenjoch, am höchsten Gipfel der Voldertalumrundung geplant und wurde auch dort abgehalten. Also bleib es bei einem kurzen Trink-, Dokumentations- und Fotostopp, genau in dieser Reihenfolge.
Der Abstand zur Grünbergspitze ist der kleinste aller Gipfelabstände im Westteil der Umrundung. Das Rosenjoch wird dadurch in rd. 25min nach Verlassen der Grünbergspitze erreicht.

im Tiefsten am Anstieg zum Rosenjoch

Am Weg über die Gratgirlande – wir sprechen wieder über knapp 130Hm Aufstieg zum Rosenjoch vom Tiefsten am Grat – konnte ich erkennen wie gnädig der Wettergott mit mir war. Im Stubai entluden sich die Wolken zwar nicht in Gewittern jedoch in einer Heftigkeit, die am Grat einem kleinen Rekordvorhaben wie der Voldertalrunde alles andere als zuträglich gewesen wäre. Mit nasser Kleidung wäre die Fortsetzung der noch langen Tour ein zermürbendes Unterfangen. Wie gesteuert entwickelten sich die Schauerwolken vom Stubai Richtung Inntal und Richtung Olperer vor und hinter mir fort – mein Grat blieb trocken und dafür wurde dem Wettergott am Rosenjoch zugeprostet (auch für solche Situationen ist es immer wichtig, daß man den weltberühmten Enzian von Peter Mayr aus Hall mit im Gepäck hat, ein echtes Multifunktionswerkzeug!).

Rosenjoch, 2.796m

Ungeachtet der Wetterentwicklungen – zu diesem Zeitpunkt konnte ich am Rosenjoch schon fast sicher sein, daß die Zelle über dem Grat trocken blieb – kam Freude über ein Viertelstündchen im Sitzen auf und auch über die letzten Reste von Speck und Studentenfutter in der kleinen Tupperdose und, es sollte auch noch ein dritter Müsliriegel verzehrt werden.

Ebenfalls konnte die Zeit für ein bisheriges Résumé gezogen werden.
Am Rosenjoch, wie bereits mehrfach erwähnt, befindet man sich um 47m höher als am Malgrübler, dem höchsten Punkt im Ostteil der Runde. Vom Gesamtaufstieg (ziemlich genau 3.000Hm) sind nun 80% oder rd. 2.400m und mit verbleibenden 16,8km von der Gesamtstrecke 50% derselben erledigt. Die Gesamtzeit bis hierher betrugt 8 ½ Stunden.

vom Rosenjoch die verbleibende Gratstrecke betrachtet – sie ist noch sehr lange…

Anhand dieser Daten kann der Rest der Tour gut eingeschätzt werden. Die nächsten 2 Stunden, oder etwas mehr, würden (bis auf knapp 300Hm von Windegg bis zur Krepperhütte) mit dem Auf und Ab am Grat bis zum letzten Gipfel des Glungezers über 3,5km und gut 300Hm in dieser Art weitergehen, bevor der mehr als 10km lange Abstieg bis zum allerletzten Gegenanstieg beginnen würde.
Man beachte, daß der letzte markierte Steig hinab zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal knapp nach dem Rosenjoch beginnt und es dann bis zum Glungezer kaum mehr gesichert möglich ist abzusteigen.

die Schauer scheinen mich zu verschonen

Die vorgenannten 3,5km sollten für mich eine Strecke mit mehreren kurzen Verschnaufpausen werden, nachdem es seit dem langen Anstieg vom Jöchl bis zum Rosenjoch überraschend gut gelaufen ist und keine Verschnaufpausen aufgrund von Schwächezuständen auftraten. Für die Physiker sei die Einheit der Verschnaufpause mit 1Vp=90[sec] und man begeht sie stehend, die Stöcke auf die Gurte des Rucksackes gelehnt. Es gibt halbe und ganze Vpn.

Bis zum Glungezer hin zeigt sich ob der Willen entsprechend gefestigt ist und das mentale Kleid trägt. Der Abstand zur Kreuzspitze erscheint nicht besonders fern, aber diesen Zustand kennt man ja schon von den vielen Situationen zuvor. Im Wissen, daß es eine weitere Hürde sein würde setzte ich gestärkt zum ersten Schritt gen Norden an.

das nächste Ziel, die schöne Kreuzspitze

Nach 25min war das vorletzte Gipfelkreuz auf der Kreuzspitze erreicht. Eine kleine Vp unterhalb des Gipfelaufbaues war alles an Schwächebekämpfung, die Jause am Rosenjoch hielt gut an.
Die Kreuzspitze blieb mir von einer phantastischen Schitour in etwas drei Monate vorher in bester Erinnerung. Leider konnte ich das Datum nicht gleich nachvollziehen, weil der Eintrag ins GB fehlte – ein seltener Fehler.

das Voldertal vom Rosenjoch aus gesehen – weit hinten die Wiesenflächen, mein Startpunkt

Von der Kreuzspitze bzw. kurz danach am Gratrücken zur Gamslahnerspitze besteht die schönste Ansicht auf die Seegrube mit dem (B’schriebenen Stoa) im Viggartal. Die Kreuzspitze ist nach Grünbergspitze und Rosenjoch der letzte Gipfel am Weg zum Glungezer, der einen Grat nach Westen ins Wipptal entsendet. Ihr Grat trägt den Morgenkogel, auf den sich ebenfalls eine vortreffliche Schitour aus Ellbögen machen läßt, wie auf die anderen Grate auch, beispielsweise auf das Pfoner Kreuzjöchl von Pfons aus.

die Kreuzspitze und der weitere Gratverlauf

Ab der Kreuzspitze könnte die Strecke als Sonderprüfung beschrieben werden, denn nun sind die Girlanden gespickt mit zermürbenden kleinen Auf und Abstiegen und – nach der Gamslahnerspitze –  gegen Ende des Gratrückens zum Glungezer hin verdichtet sich das Blockwerk deutlich. Die Rasenflächen zwischen den Schrofen weichen zurück, werden kürzer und über weite Strecken muß teilweise hoch aufgetürmtes Blockwerk durchschritten werden.

Kreuzspitze, 2.746m

Im und vor allem am Blockwerk werden nun die Sprunggelenke so richtig beansprucht. Das herumsteigen auf Felskanten, ja manchmal im leichten Sprung, mit nur einer linienförmigen Auflage unter den Sohlen und die Kippgefahr dadurch kann – so glaube ich – niemand leugnen oder herunterspielen, der die Tour mit dem Ziel sie bei Tageslicht zu absolvieren, ausgeführt hat.

Abstieg von der Kreuzspitze – dieser Anblick dar nicht unveröffentlicht bleiben

Ab der Gamslahnerspitze können Teile der Flugzeugortungsanlage bereits gesehen werden. Über diese Anlage ist so gut wie nichts im Internet zu finden. Der Übergang von der Kreuzspitze schlägt nun mit einer guten Stunde zu Buche, obwohl die 1,8km lange Teilstrecke mit 130Hm Aufstieg mit einer Dreiviertelstunde bemessen ist.

die Gamslahnerspitze voraus

Die Gamslahnerspitze trägt kein Gipfelkreuz. Sie hebt sich von den anderen Gipfeln dadurch ab, daß ihr oberster Aufbau  ein scheinbar lose aufgerichteter Blockturm ohne Felsbasis darunter zu sein scheint. Die letzten Aufstiegsmeter verstärken diesen Eindruck, vor allem die Umgebung des zerbrochenen Blockes (kaminartig) durch die eine Variante des Steiges führt.

kaminartiger Riss in einem großen Felsblock

Wer nun glaubt dem Glungezer nahe zu sein, der irrt sich, denn hinter der Gamslahnerspitze wartet einmal mehr ein anstrengender Abschnitt. Die Strecke sieht zwar einigermaßen flach aus, doch ist das nur der optische Eindruck. Zur besseren Verdeutlichung hier das ungefähre Höhenprofil des Überganges aus Outdooractive:

Gratverlauf zwischen Gamslahnerspitze und Glungezer

Die ermittelten 120Hm Gesamtanstieg sind als Mindestanstieg zu werten, da diese Software kleine Höhenunterschiede nicht abbilden kann. Die Gehzeit mit 35min konnte nicht eingehalten werden, ich benötigte dafür 42min angereichert durch einige Vpn.

die Strecke will nicht kürzer werden, aber die meisten Höhenmeter sind bereits Geschichte

Am Glungezer bekommt zunächst einmal die mentale Einstellung einen gewaltigen Schub nach oben, denn die bergsteigerischen Leistungen der Tour sind nun eigentlich erbracht. Der Erfahrene weiß zwar, daß ein Berg bezwungen wurde, wenn der Abstieg vollbracht ist, aber in diesem Fall besteht der Abstieg aus Spaziergelände und der Rückblick auf die bisher erbrachte Leistung darf jetzt durchaus ausgekostet werden.

noch ein anstrengender Buckel wartet vor dem Glungezer

Weil alles nicht so tierisch ernst gesehen werden darf beschloss ich eine Einkehr in der Glungezerhütte. Der Wasservorrat von 3lt war auch verbraucht.
Bei einer Gerstlsuppe mit Bier plauderte ich ein wenig mit Edith, die seit Öffnung im Frühjahr auf der Hütte arbeitet. Natürlich hatte sie in der spärlichen Freizeit dort oben bereits alle denkbaren Anstiege zum Glungezer unternommen und im Umkreis gab es nichts unbekanntes mehr so erzählte sie mir – die Edith eben, Bergfex durch und durch.

den Glungezer erreicht!

Aufgetankt und wie ausgewechselt begann der letzte Abschnitt, der fast 10km lange Abstieg mit dem letzten Gegenanstieg zur Krepperhütte.
Der Abstieg bis Volderwildbad ist nicht berichtenswert, ihn kennt jeder Leser selber und er führt großteils über die Schipiste der Glungezerbahn. Es sei nur erwähnt, daß in der beiliegenden Karte der Voldertalumrundung die Messung der Weglänge von Outdooractive auf der Schotterstraße unter den Liften verwendet wurde und die Strecke direkt unter den Liften einen Kilometer kürzer ist.

Stimmung im Viggartal

Weiters gibt es die Möglichkeit von Halsmarter aus ostseitig zur Stiftsalm abzusteigen, oder auch nach der Gluckserhütte, vorbei an den Sendeanlagen am Tulferberg. Man glaubt es kaum, aber diese Varianten sind nur um 400 respektive 600m kürzer als die gewählte Variante über Windegg. Einzig bei der Variante Halsmarter/Stiftsalm werden 40Hm eingespart.
Wie erwähnt könnte auch noch der Schartenkogel als zwölfter Gipfel mitgenommen werden, was ich aber unterließ.

Stimmung oberhalb Tulfein

Die Strecke Glungezerhütte bis Windegg kostete 1 ¾ Stunden und um 20 Uhr in Windegg stellte ich erstmals fest, daß die Gelenke an diesem doch noch so toll verlaufenen Tag stark beansprucht wurden. Das typische schwer zu beschreibende Gefühl von müden Körperteilen machte sich breit.

unterhalb des Schleppliftes beim Abstieg

Aber, noch lange nicht war die Leistungsgrenze erreicht und auch die Ansicht der Krepperhütte im goldenen Licht der flach stehenden Abendsonne auf der anderen Talseite vermochte kein Niederzwingen des Willens, nein, die Vorstellung von dort oben noch einige schöne Eindrücke mitnehmen zu können ließ allen Körper erstarken.

die Krepperhütte am Waldsaum auf der gegenüberliegenden Talseite

Von Volderwildbad bis zur Krepperhütte wird der Kalkofenweg beschritten. Der gesamte noch zu leistende Höhenunterschied beträgt knapp 300Hm. Gleich nach der Brücke führt zunächst noch eine Asphaltstraße bergauf, die aber nach der ersten Kurve zur Schotterstraße sich wandelt. Kein Verkehr in der kurzen Waldstrecke wird positiv aufgenommen. Oben, nach dem Ende der Waldstrecke und am Beginn der steilen Wiesenhänge wohnen nur Anrainer, gesehen an diesem so schönen Sommerabend, in unbeschreiblicher Idylle. Kein Ton, kein Industriegeräusch stört den zeitlosen Abend. Diese Stimmung läßt alle Müdigkeit verfliegen und so strebte ich, nun wieder auf einer Asphaltstraße vorbei an saftigen Bergwiesen beim Sonnenuntergang über der Nordkette dem Parkplatz oberhalb der Krepperhütte zu – eine phantastische Reise ist um 20:45 damit leider zu Ende gegangen.

Sonnenuntergang über der Nordkette gegen Windegg

Die gesamte Gehzeit incl. Rastpausen betrug rund rd. 13 ½ Stunden (ohne 40min Zwangspause wegen Regen auf der Largozalm), die Einzelabschnitte finden sich in der Tabelle in der Galerie.
Die Gesamtstrecke beträgt 33km, gemessen über die Tourenplanungsfunktion von Outdooractive und abgeglichen mit der elektronischen AV-Karte mit überschlägiger Ermittlung des Einflusses der schrägen Flächen.

Rückblick auf die grandiose Tour mit Grafmartspitze, Grünbergspitze, Rosenjoch und Kreuzspitze

An Gesamthöhe verzeichnete die Bergsteigeruhr sehr genau 3.000Hm (gemessen in zwei Logs, weil die max. Aufzeichnungszeit 12 Stunden nicht überschreitet). Der Einfluss der barometrischen Änderungen auf die Höhenmessung mag einige Millibar betragen haben (festgestellt aufgrund der fehlenden Höhen von rd. 50m auf den Referenzgipfeln) und somit sind die 3.000Hm Aufstieg durchaus gesichert.

Voldertalumrundung 14.07.2018 (aus Outdooractive)

Beim Proviant möge man sich nicht sich am Verfasser orientieren, da er nie viel isst am Berg und sich eher dazu zwingen muß, um nicht einzugehen. Zwei Äpfel, 4 Müsliriegel (nur 3 davon verbraucht), 15dg Speck, 2 Scheiben Brot und ein kleines Händchen voll Studentenfutter neben 3lt Flüssigkeit, davon die Hälfte als gewässerter und ungezuckerter Schwarztee und die Hälfte an Wasser; darüber hinaus wurden auf den Hauptgipfeln drei Kappen Enzian zur mentalen Stärkung und Prophylaxe gegen Höhenkrankheiten eingenommen, die ebenfalls als Energieaufnahme mit in die Bilanz hinein müssen. Natürlich auch das Essen auf der Glungezerhütte.

 

Mils, 14.07.2018

Quellenangaben:
Charlottenburger: http://www.alpinclub-berlin.de/index.php/historisches/109-geschichte#1924-mitgliederzahl-betraegt-jetzt-861
Lagozkreuz: https://voldertal.at/2018/01/22/der-largoz/

Schöberspitzen, 2.602m

Aus dem Wildlahnertal, das seinem Namen nicht nur im Winter gerecht wird führt ein netter, leichter und lehrreicher Steig auf die Schöberspitzen inmitten der frühjährlichen Blumenpracht  in den Tuxer Alpen. Die Anreise bis zum Ausgangspunkt, dem kostenlosen Parkplatz im Wildlahnertal, befahren über das malerische Schmirntal, ist ein Erlebnis in sich und man kommt nicht umhin das selbige nicht nur wegen der fesselnden Schönheit der Landschaft, sondern auch wegen der Anrainer respektvoll zu befahren.

Schöberspitzen, 2.602m (2.580m)

Eile ist auf der nachfolgend beschriebenen Tour ohnehin nicht geboten, denn sie kann in Portionen konsumiert und jederzeit verkürzt werden. Beispielsweise müssten die Schöberspitzen nicht unbedingt bestiegen werden, der Anstieg könnte beim Ramsgrubensee enden und es könnte auf gleichem Wege abgestiegen werden. Oder die Tour könnte nach dem Jöchl zum Gipfel über das dort oben schon sehr weite Wildlahnertal auf die andere Talseite zum Steinernen Lamm erweitert werden.

ein kurzes Stück über den Schotterweg

Die ursprünglich angedachte Rundtour über das Steinerne Lamm ließ er großherzig mit wenig Leistungswillen an diesem so mittelmäßigen Bergtag bleiben – die Schneefelder im Übergang des oberen Wildlahnertales waren noch zu dominierend und mit Hilfe des unterdurchschnittlichen Wetters triumphierte in des Verfassers Stimmung sehr selten anzutreffende Gelassenheit. Man erzählt sich sogar, die kleine Runde mit dem Abstieg über die Ochsneralm und weiter zum Wasserfall hätte ihm irgendwie gut getan, man möge dies aber für sich behalten.

in Almwiesengelände weiter auf den Wald zu

Ohne die Sorge schon wieder kaum Münzen mit dabei zu haben, verlassen von aller Technik gestrandet zu sein und somit Strafe zu riskieren, wird das Fahrzeug am Ende der Schotterstraße entlang der letzten Häuser in Toldern endlich abgestellt wo nach dem Aussteigen der Wildlahnerbach  das Wort übernimmt.

Rückblick über den ersten Teil

Leicht ist der Anstieg über die Schotterstraße zu finden, gleich geht es eine Spitzkehre nach rechts, vorbei an einer Heuhütte und einige wenige Minuten leicht bergauf bis zur Abzweigung links, über eine freie Almfläche direkt am Hang hinauf.

im Lärchenwald weiter

Nach knapp 20min des Aufstieges über farbenreiche Almwiesen taucht der Steig ein in immer dichter werdende Almrosenflächen, deren Reiz sie abzulichten überwältigend ist, obwohl – als Vorgriff der Erlebnisse hier bereits erwähnt – diese Flächen nur die Vorboten von weit mächtigeren rotgetünchten Hängen im hinteren Wildlahnertal darstellen.

Jungendgruppe im obersten Almzipfel

Auf die aussichtsreichen offenen Flächen folgt dann ein gutes Stück im sehr naturbelassenen Wald, dessen Boden durch den hohen Anteil an Lärchen recht viel Grün hervorbringt.
Eine plötzlich auftauchende Wiesenfläche taugte zur einprägsamen Begegnung nachdem allerlei unterschiedlich altes Galtvieh den überraschenden Besuch des Verfassers in Ihrem Wohnzimmer als interessante Abwechslung im Almaltag empfand.

Steig zum Sattel nach dem Almgelände – das Ziel bereits sichtbar

Wie eine ländliche Fußballmannschaft aus Kindern und Jugendlichen – auch an der Zahl gleich, weit abgeschieden von Zivilisation und Hetze, machten sich die Kälber auf und versuchten scheu aber neugierig die Nähe des Fremden. Ein kurzes Innehalten und Orientieren des Eindringlings ließ die Tiere gleiches tun und sie verharrten auch während meiner vorsichtigen Passage, ja zogen sich sogar leicht zurück, wenn der Abstand kleiner als eine Körperlänge wurde.
Oberhalb dieser kleinen Almfläche endet der Wald und dort befindet sich auch gleich der Ausstieg über den Zaun auf die hochalpinen Bergflanken, die vom knorrigen Bewuchs her nicht mehr für Rindvieh geeignet ist. In der Kälbergruppe kehrte nach dem Verschwinden des Besuchers wieder Lässigkeit ein, im Rückblick vom Ausstieg oben lagen die ersten schon wieder zum Wiederkauen.

Alpen-Kuhschelle

Der Steig setzt in der Folge wesentlich alpiner fort, die letzten Lärchen sind bald passiert und ab dort folgen nur mehr bodennahe Strauchgewächse. Vor der weiten Freifläche befindet sich noch eine kleine Quelle, die ich genutzt habe und der Hochpunkt der Besteigung, die Schöberspitzen sind bereits gut sichtbar. Es handelt sich von dort augenscheinlich um eine Spitze, die andere liegt südöstlich davon und ist von unten nicht als freistehende Spitze erkennbar. Auf der westlichen Spitze ist das Gipfelkreuz errichtet und dieses liegt auch 20Hm niedriger als die offizielle Höhenangabe der Schöberspitzen mit 2.602m.

Wer sich für die Benennung der Gipfel interessiert: Die doch recht ungewöhnliche  Namensgebung dürfte der Aussage in der Broschüre der Bergsteigerdörfer des ÖAV nach entstanden sein, weil die beiden Spitzen „sich wie zwei große Heuschober erheben“ und der alternativ in der Literatur anzutreffende Name ist oft auch doppelt singulär erwähnt – Schoberspitze. 

gelb punktierter Enzian

Prachtvolle Blumenblüten begleiten am Steig durch die Südflanke der Schönlahnerspitze zum Sattel hinauf. Alpen-Kuhschellen und später der sonst selten zu sehende gelbpunktierte Enzian säumen den Weg zuhauf und sorgen für immer neuen Blickfang.

Zu früheren Zeiten dürfte intensive Schafwirtschaft in diesem Hochtal betrieben worden sein, davon zeugen zwei längst verfallene Schaferhütten, deren hangseitigen Grundmauern noch erhalten sind und deren Dachbalken im ehemaligen Inneren der Hütte dahinrotten.

Zeugen blühender Alm-Vergangenheit

Gegen den Sattel hin kann das Ziel, die Schöberspitzen (jene mit dem Gipfelkreuz) wieder erkannt werden, nachdem sie mitten im Tal durch einen Hang verdeckt war.

dem Sattel zwischen Schönlahner- und Schöberspitze entgegen

Rechterhand geht es die rund 80Hm südlich zum Ramsgrubnersee hinauf. Gegen Ende Mitte Juni fanden sich oben am Plateau zum See hin noch Restschneefelder. Der See beeindruckt mit unerwarteter Größe. Eigentlich sind es zwei Seen, der kleinere liegt westlich, durch eine schmale Geländebrücke vom großen getrennt. Klares Wasser läßt trotzdem die Tiefe nicht eindeutig erkennen, schon gar nicht bei Wind mit gekräuselter Wasseroberfläche. Auch vom Gipfel der Schöberspitzen aus vermochte ich den Grund des Sees nicht auszumachen.

die Schöberspitzen vom Sattel aus gesehen

der große See wurde im Halbkreis umwandert und am gegenüberliegenden Punkt bergauf zur Scharte zwischen den Schöberspitzen verlassen. Mehrmals im Aufstieg ist man geneigt sich zu diesem schönen Blickfang umzudrehen.

Ramsgrubnersee

Gleich fällt am Gipfelanstieg nach dem Ramsgrubnersee auf, daß das Gestein total anders geartet ist als vorher während des bisherigen Aufstieges. Dies liegt daran, daß die Schöberspitzen als Falte von karbonatischen Triasgesteinen in dem umgebenden, jurassisch gebildeten Gestein eingebettet sind. Die Felsbrocken sind dünnschichtig und die Schichtstärke von erstaunlicher Gleichförmigkeit. Solcherart Gestein findet sich auch am Wolfendorn, ebenfalls, wie die Schöberspitzen, in der geologischen Zone des „Tauern Fensters“.

Anstieg vom See zu den Schöberspitzen

Über Schneefelder hinweg durch den schuttigen Hang über mittelgroß zertrümmerte Gesteinsbrocken erreicht man den kleinen Sattel zwischen den beiden Schöberspitzen.
Der interessante Gipfel mit dem Gipfelkreuz ist der rechte (westliche) und er wird unten über ein breites Band westwärts und am Ende in einer Spitzkehre ostwärts über den langen Rücken erstiegen. Sehr eindrucksvoll dabei zeigen sich die deutlich sichtbaren Faltungen in der Schichtung des über die Zeiten arg beanspruchten Gesteins.

Gestein am Anstieg zur Schöberspitzen

Am Gipfel besticht die Aussicht in alle Richtungen. Die Entfernung zum mächtigen Riesen des Olperers beträgt gerade einmal knapp 4km. Leider an diesem Tag nicht in voller Größe sichtbar, da das launische Wetter die Nebelspiele bis zu meiner Abreise nicht beenden mochte.

Jöchl zwischen den Schöberspitzen

Knapp davor und etwas mehr östlich der Große und der Falsche Kaserer und im Westen des Wildlahnertals Fußstein, Schrammacher und die Sagwandspitze.

Richtung Großer Kaserer und Olperer geblickt

Im Norden freier Blick zu den in knapp 8km entfernten Gipfeln des Lizumer Reckner und Geier, geographisch staunend betrachtet in etwa in der Hälfte der Luftlinie zum Wohnort des Verfassers, der über die Straßen eine weitaus längere Anreise hatte.

Fußstein, Schrammacher und Sagwandspitze

Durch das sich verschlechternde Wetter von Nordwesten fiel die Gipfelrast nur kurz aus und wegen des kalten Windes fand die Jause unterhalb des Joches statt, wo auch nochmals der Übergang zum Steineren Lamm mittels dem Glas erkundet wurde.

Blick gen Norden zum Lizumer Reckner und Geier

Die vielen und recht durchgehenden Schneefelder ließen mein Interesse an dem weiten Talkessel bis zum Steineren Lamm schwinden. Mit Bergschuhen im festen Firn Hangquerungen zu vollführen ist nicht so lustig, auch wenn die Neigung derselben dort nicht besonders groß ist.

Ramsgrubnersee vom Gipfel der Schöberspitzen aus

Stattdessen interessierte mich der Abstieg zur Ochsnerhütte. Mir ist diese im Winter noch nie aufgefallen, daher sollte sie erkundet werden. Der Abstieg ist auf einem großen Felsbrocken dem zeichenkundigen Alpenfreund genau genug markiert und die Markierungen in der felsarmen Almwiese  bestehen aus Holzpflöcken, deren Anzahl ausreicht, um den Abstieg richtig zu begehen.

Tiefblick auf den Aufstieg

Links und rechts protestierten schon von weitem die Schafgruppen und ließen mich nicht näher als ca. 50m an sich heran, bevor sie sich gemeinsam in der Herde eilig und schimpfend entfernten.

Wegmarkierungen (in unserem Fall über 72 gekommen um nach Wildlahner abzusteigen, 527 führt zum Steinernen Lamm)

Ein Abstieg über weite Bergwiesen mit einer schönen Kulisse am Gegenhang – da bereute ich die Verkürzung der Runde gar nicht und konnte, weiter unten, das Steinerne Lamm in seiner es bezeichnenden Perspektive sehen. Das Zoom mit der Handykamera ist meist ein echter Kompromiss zwischen Nähe und Schärfe, zeigt es aber dennoch recht treffend.

Abstieg zum Wildlahnertal über die Ochsnerhütte

Die nette Ochsnerhütte, auf einem kleinen Plateau in einer flachen Stufe des Hanges zum Wildlahnerbach hinab errichtet, beherbergt die Schafe in einem kleinen Stall, der den Grundflächengroßteil des kleinen Refugiums inmitten der sprießenden Bergwiesen darstellt. Ein sehr kleiner Teil der Grundfläche ist dem Schäfer vorbehalten und durch die Fenster in sein winziges Stübchen geblickt stellt die Neugier fest, daß er sich im Notfall nur auf den hölzernen Fußboden als Nachtlager zurückziehen kann und weiter, daß er nicht besonders groß von Wuchs sein sollte, will er sich des Nächtens ausstrecken. Allerdings verfügt die kleine Hütte aber auch über einen komfortablen Holzherd und einen Minitisch mit zwei Sitzplätzen, sodaß es sich dort gegen die Unbillen des Wetters  eine Weile aushalten läßt.
Das massiv nieder gespannte Dach – vor allem nach Südwesten – zeugt von großer Sturmgefahr, die ungeschützten Fenster passen jedoch wieder weniger zu dieser Vorstellung.

Ochsnerhütte

Im weiteren undeutlich erkennbaren, jedoch mit Holzpflöcken markierten und logisch verlaufenden Weg hinab ins Tal wird eine verfallende kleinere Hütte passiert, die in ihren Glanzzeiten ein Unterstand für das Vieh oder eine kleine Heupille gewesen sein mußte.

verfallendes Hüttchen unterhalb der Ochsnerhütte

Ihr Anblick erweckt Interesse an ihrer Geschichte wie auch an Ihrer so meisterhaft ausgeübten Bauweise, daß sie mit Leichtigkeit  den Elementen viele Jahrzehnte trotzen konnte in der sie der starken Strahlung im Sommer und übermächtiger Gewichtsbelastung im Winter ausgesetzt war. Allein die Vorstellung was sie erzählen kann beflügelt und lädt zum Innehalten ein.
Das Schöne an dieser Konstruktion ist, daß sie bis zum völligen Verschwinden leben darf. Und noch immer vermittelt sie Schutz in der sonst so schutzlosen ebenflächigen Landschaft – welch Bestimmung für einen solchen Greis! Sie wird nicht abgetragen, geordnet, separiert, einer geregelten Sterbensbestimmung zugeführt, nein sie wird belassen wie erschaffen worden und dient dem neuen Zweck Gedanken anzuregen, Fotomotiv zu sein, Kindern als Forschungsobjekt zu dienen und einfach als dazugehörige Erscheinung inmitten von Natur Teil derselben zu sein – bei aller Traurigkeit ob ihrer schwach gewordenen Gestalt, ein anregender Anblick. Irgendwie lebt sie.

saftige Bergwiesen mit Hoher Warte

Frisch beflügelt über die üppig prallen Wiesen hinab folgt man dem Steig noch gerade zwei   Minuten, bevor er in weitem Bogen eine fast rechtwinkelige Linkswendung taleinwärts beschreibt und den Hang bergab nun schneidet.

das „Steinerne Lamm“ am Gegenkamm gut am Umriss erkennbar ein

Zwei, drei Einschnitte mit kleinen Bächen werden durch die Hangquerung durchschritten und merklich werden die Almrosenflächen mehr und mehr, bis sie eine augenfällige Üppigkeit erreichen, die den nächsten Blickfang bilden.

das innere Wildlahnertal

Nach den Einschnitten wird der Hang zum Talgrund hin flacher und gibt den Blick zum nächsten Highlight frei, dem Wasserfall des Wildlahnerbaches.

Der Steig führt hier im Bogen wieder talauswärts und man kann sich entscheiden seinem Verlauf orografisch rechts zu folgen, oder über eine hohe künstlich geschaffene Sohlstufe auf die linke Talseite zu wechseln, um talauswärts zu gelangen.

Blick talauswärts zur Hohen Warte

Wer aber den sonderbar anmutenden Wasserfall in der glatt geschliffenen Gletscherwand im Tiefen des Wildlahnertals ins Blickfeld bekommen hat, der kann der Anziehungskraft des Schauspieles nicht entgehen, wird der Neugier stattgeben und sucht den Weg dorthin. In meinem Fall war der direkte Weg durch die Almrosenbüschel typischerweise wieder einmal gerade gut genug. Die gesetztere Variante wäre den Abstieg zum Bachbett zu nehmen und auf der Sohlstufe durch den dort breiten und wenig tiefen Bach zu nehmen, um auf dessen orografisch linke Seite zu wechseln und bequem taleinwärts marschieren zu können.

der Wasserfall im Wildlahnerbach

Wenige Minuten und einige Kratzer von knorrigen Zwergsträuchern mehr erreichte ich den besonderen Ort des tosenden Wasserfalles. Die Wahrnehmung der Umgebung ist dort durch den gewaltigen Lärm des Wassers in bekannter Weise bei solchen Erscheinungen sonderbar gehemmt und alle Konzentration kann auf das Phänomen eines urplötzlich aus dem Fels auftauchenden Wasserstrahles gerichtet werden.

die Dynamik in der Statik erkennbar

Bereits in der Annäherung erkennt man einen Großteil des Geheimnisses, aber in allem Detail soll es hier nicht beschrieben werden, um den Zauber der Entdeckung nicht zu nehmen – man sehe sich die Baumeisterin Natur vor Ort an und staune!

„Dort wo aus schmaler Felsenkluft…“, so der Beginn eines längst vergessenen Bergsteigerliedes, das wir Jungmannschaften im wöchentlichen AV-Vereinsabend in den ’70ern noch gesungen haben, entlockte mir bei der Erforschung des Baches Kanalgeometrie im Fels ein nostalgisches Schmunzeln.

Schwemmland im Wildlahnertal

Die enorme Wassermenge, die sich durch den schmalen Schliff im Fels den Weg gebahnt hat wird erst richtig einschätzbar, wenn man durch genaue Beobachtung den schon beruhigten und breiten Abfluss des Wasserfalles über das Bachbett einzuschätzen vermag.
Darüberhinaus gibt es noch einiges zu entdecken, das hier nicht vorweggenommen werden soll; beispielsweise folgt das Spritzmuster des Wasserfalles einem genauen Rhythmus und – für den der Innehalten und beobachten kann – derlei Entdeckungen mehr.

Den magischen Bereich wieder einmal allzu schnell verlassen zu haben wird einem erst bewußt, wenn die breiten Schwemmflächen talauswärts durchquert worden sind, in denen das Fortkommen einer zeitlich scheinbar so enormen Anstrengung bedarf – am Ende sind es  wenige unbedeutende Minuten die bei dem gebotenen Einblick in die angeschwemmte Geologie noch intensiver hätten genossen werden müssen, könnte man die ewig inhärente Hast ablegen.

die zuvor abgestiegenen Almwiesen auf der Gegenseite

Von der Ferne betrachtet macht unser nun vermeintlich ausreichend erforschter Wasserfall immer noch eine gute Figur, er ist und bleibt „ein Loch in der Wand“, er sieht phantastisch aus.

grandioser Talabschluß mit dem mächtigen Olperer

Der Abstieg durch das sommerliche Wildlahnertal birgt einige Überraschungen, wenn abseits des normalen Weges erkundet wird. Die erste tolle Szenerie ist die hohe, befestigte Sohlstufe im Wildlahnerbach, die das Ende des Schwemmgebietes darstellt.
An richtiger Stelle platziert gelingen dort wunderbare, ja fast kitschige Bilder – der Kitsch in meinem Fall durch das mäßige Wetter vereitelt und mehr davon in der Galerie.

großartige Kulisse und tolle Fotomotive

Zwischen dem Normalweg, orografisch links und der rechten Talseite wanderte ich neben dem tiefen Schluchteinschnitt des Wildlahnerbaches weglos talauswärts. Die Geländestufen führen durch dichte Almrosen und mit ein wenig Vorausblick findet sich ein günstiger Pfad durch die Gestrüppfelder.

Sohlstufe im Wildlahnerbach

Am Ende quert von rechts die Schlucht, bzw. deren Ende in den Abstieg herein. Dort vereinigt sich der Wildlahnerbach, tief in der Schlucht, mit einem von der linken Seite herunterziehenden Gerinne. Die Felsen dort sind eigenartig geformt und bilden dort – meines Erachtens jurassischen Ursprungs der ungewöhnlich rote Farbe wegen – eine eigene Geländestufe die, von unten betrachtet, interessante Verwitterungsformen in Form von kleinen Höhlen birgt. Allerdings sind die Höhlen nur von unten betrachtet Höhlen, denn wer nasse Innenschuhe riskiert und über den etwas sumpfigen Aufstieg auf Erkundungstour geht, der erkennt oben, daß die Höhlen gerade mitteltiefe Auswaschungen der Felsdecke sind.

Gerinne von der Hohen Warte herab

Vom Fuße des Kessels aus kritisch betrachtet muß die oben liegende Decke eine wesentlich härtere sein, die im Laufe der Zeit immer wieder abbricht und so die Geländestufe vergrößert. Ein eigenartiger Einschub in die sonst so anders geformte Landschaft.

Geländestufe vor der Schlucht mit dem Wildlahnerbach

Unterhalb dieses Kessels erreicht man über unwegsames Gelände alsbald eine Holzbrücke, die die notwendige Passage auf die rechte Talseite ermöglicht.

Querungsmöglichkeit im Wildlahnertal

Der Seitenwechsel ist notwendig um der folgenden unwegsamen linken Schluchtseite im Abstieg auszuweichen. Jenseits der Holzbrücke befindet sich wieder der Steig, der hinauf zum Ochsneralm führt und den eine ängstliche Schafgruppe bevölkert.

Schafalm

Der Abstieg auf der Ostseite durch die folgende Schlucht ist durch ein paar kurze Murenstriche vom steilen Gelände, das vor ein paar Stunden bergauf bewältigt wurde gekennzeichnet.
Hinter diesen lettigen Partien verbreitert sich das Tal wieder und wird zum Almgelände mit weiteren kleinen Schafgruppen und prächtigen Blumenwiesen.

Flecken-Knabenkraut, eine Orchidee

Am Ende des Schafalmgeländes formt sich der Steig bald zu einem breiten Weg, der bis hinaus zum Parkplatz, und somit zum Ende der interessanten Rundtour führt. Am Weg dorthin jede Menge Fotomotive.

Rückblick auf die Schönen Schöberspitzen

Die Runde und ihre Alternativen im Wildlahnertal sind im Kartenausschnitt rot markiert. Der Zeitbedarf ist variabel, man rechne in jedem Fall mit 5 Stunden für 8km und knapp 1.100Hm.

Mils, 17.06.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldrasterspitze, 2.442m

Wenig bekannt und selten begangen ist der kleine Vorgipfel der Serles, die Waldrasterspitze. Seit der Sommersonnwende 2015 ziert den Gipfel ein schlichtes formschönes Betonkreuz, das ein paar Idealisten aus dem Stubaital selbst gefertigt und aufgestellt haben, wofür ihnen ein Lob für die großartige Arbeit ausgesprochen werden muß.

Waldrasterspitze, 2.442m

Über dieses bemerkenswerte Unternehmen gibt es einen netten Bericht im Internet in dem auch die beiden Anstiegsrouten auf die Waldrasterspitze knapp beschrieben werden. Anhand dieser Beschreibung wird der erfahrene Bergsteiger den Aufstieg leicht finden (zumindest für die vom Verfasser begangene grüne Route) wo hingegen für die allgemeine Masse – so vermittelt der Internet-Bericht den Eindruck zwischen den Zeilen der Verfasser – der Anstieg nicht gedacht ist.

Serlesgipfel im Hintergrund

Nun, diese Haltung findet sich sehr häufig in Bergsteigerkreisen, vor allem an Routen, an denen Idealisten in ihrer Freizeit tätig sind, Steige in Schuss halten oder den Gipfel betreuen (Buch, etc.) und die keine öffentlichen Wanderwege bzw. Steige im Betreuungsnetz des Alpenvereines sind.
Einerseits möchte man zwar das Kleinod einer phantastischen Besteigung eines Gipfels mit Gleichgesinnten teilen, andererseits soll es aber auch nicht jedermann sein. Das Ideal wäre, daß nur entsprechend versierte, wiederum aber auch nicht zu viele davon, von der Tour Kenntnis haben und sie absolvieren.

freie Almwiesenfläche auf den „Kampele“ Rücken hinauf

Die Gründe für eine solche Haltung mögen auf den ersten Blick äußerst egoistisch wirken, näher erklärt geben sie aber durchaus Sinn, vor allem in einer so auf Sicherheit bedachten Welt in der wir heute leben, aber in der vor allem „Lawyer“ die Sicherheit mehr und mehr als Bringschuld der Infrastruktur ansehen und damit unverhältnismäßig viel gutes Geld verdienen – ganz einfach nach dem Motto, wessen der Besitz, dessen die Gefahr.

Der Rücken wird ausgeprägter

Dieser in vielen Lebensbereichen sinnvolle altrömische Rechtsgrundsatz ist auch in unserer Heimat fest im Rechtssystem verankert und aber auch genau jener, der heutzutage eine Unzahl von Problemen im und um den Bergsport erzeugt (der Verfasser meidet im Normalfall diesen Terminus, Bergsteigen hat nichts mit Sport zu tun, Bergsteigen ist eine Philosophie, außerdem bringt dieser Ausdruck Verbindung mit dem Wirtschaftszweig mit sich, der im Zusammenhang mit diesem Bericht unerwünscht ist), weil der Berg an sich in keiner Weise als Infrastruktur im gewerberechtlichen Sinn einzuordnen ist und die Forderung an Wegerhalter sich aber allzu deutlich auf solcherart geartete Grundsätze bezieht – ein Trugschluss der in wenigen Jahrzehnten zur Spaltung der Gesellschaft am Berg und zu grotesken Entwicklungen führen wird. Ansätze (und Auswüchse in der Entwicklung der Rechtssituation die alpinen Wege betreffend) hierfür gibt es zuhauf, die jüngsten beispielsweise im Halltal.

Blick auf das Kampele

Ohne ein Szenario nach Wells herbeizurufen ist es heute durchaus denkbar, daß noch weit vor der Hälfte dieses Jahrhunderts kartierte Bergwege links und rechts von ihnen durchgehend drei Meter hoch eingezäunt werden, um das Risiko der Haftung des Wegerhalters auf ein erträglich Maß zu reduzieren, damit er und die Seinen ruhig schlafen können. Natürlich kommt die persönliche Unterweisung des Wegebenützers durch den Wegeerhalter als Sicherheitsmaßnahme hinzu, mit abschließender Unterschrift, belehrt worden zu sein.
Sich auszumalen wieviel Wegstrecke es auf Tirols Bergen dann noch geben wird bleibt jedem selbst überlassen, daß es die Wege aber noch geben wird liegt aus touristischen Gründen klar auf der Hand. Mit Zynismus könnte man den Vorschlag der Maut einbringen, damit sich ein paar Kilometer von selbst finanzieren…

am Jagasteig, nach Querung des Rückens

Die andere Gruppe wird Bergwege, die noch heute wie vor hundert Jahren, von alpin wenig ausgebildeten Bürgern begangen werden, als unmarkierte und dem Verfall bzw. dem Überwuchern preisgegebene Routen vorfinden, die offiziell nicht mehr vorhanden sind. Diejenigen, die diese Routen dann noch begehen werden sind dann jene Bergsteiger, die es immer gegeben hat. Solche Leute sind Leute die Terrain betreten, für das niemand Produkthaftung gewährt und die dann, anders als heute, für eine Rettung im Notfall fünfstellige Beträge, oder vierstellige Versicherungsprämien bezahlen werden müssen. Man wird sie dann „Tough Adventurer“ oder ähnlich nennen, wenn sie beispielsweise den äußerst gefährlichen Steig aus dem Halltal auf das Törl beschreiten, von Drohenkameras der Schaulustigen im Tale begleitet oben beide Hände in die Höhe reißen und der Fangemeinde mit den Fingern beider Hände das „Victory“ Symbol auf den Handybildschirm hin schmettern – life natürlich.

Wegverzweigung in die grüne und in die rote Route – Blick auf die rote Route

Ja, wir treiben es auf die Spitze durch den Import von Rechtsphilosophien fremder Kulturen in unser Land und zwar mit Lichtgeschwindigkeit der negativen Entwicklung. „Cui bono?“ ist hier leicht erklärt, manche der vorgenannten Spezies kennen Skrupel nicht und vertreten beide Seiten…
Hier muß etwas geschehen bevor durch Schauprozesse die heimischen freiwilligen Idealisten, die heute bereits tief in die Haftungsecke getrieben wurden ihren Idealismus verlieren und die unentgeltliche Tätigkeit hinschmeißen – der Berg muß als Niemandsland, nein, als Land dessen, der ihn im Haftungssinne benützt erklärt werden, so wie es uns unser bisheriges Rechtsempfinden gewiesen hat.
Jeder Bergsteiger muß für sein eigenes Verhalten die alleinige Verantwortung tragen, auch wenn eine Markierung ihn leiten mag. Genau diesen Zustand muß das Gesetz leisten, damit die in den letzten Jahren ins Wanken geratene Ordnung wieder hergestellt wird und unzuträgliche Entwicklungen hintangehalten werden und hierzulande die Vernunft siegt. Gesetze, die das – unisono – Volksempfinden nicht fassen kann dienen der Gesellschaft nicht und nützen nur dem gewerbsmäßigen Ausbeuter.

Links geht die grüne route hinauf

Der andere Zugang zu einer restriktiven, egoistisch wirkenden Haltung über die Publizität einer eher gefährlichen Besteigung ist jener der Retter im Notfall. Diese ebenfalls ehrenamtlich tätigen Idealisten werden teilweise selbst in Gefahr versetzt, um eine in Not geratene Person zu bergen und man glaubt es kaum was diese Leute über die alpine Unbedarftheit von Bergtouristen zu berichten haben. Wenn also Bergretter die oben beschriebene Einstellung vertreten ist das vielleicht noch weit verständlicher. Allerdings – so hat kürzlich einer derselben über seine Zunft im Internet beschrieben – ist er ja genau für diese Zwecke ausgebildeter und freiwilliger Retter geworden.

der Rücken wird etwas ausgesetzter

Der Diskurs über die traurige Entwicklung im Land soll aber nicht auf dem Rücken der schönen Tour zur Waldrasterspitze ausgetragen werden. Darum nun endlich zur Tour, die im Sinne der „Herren“ des netten Gipfelkreuzes hier nicht so tief beschrieben wird, daß dadurch jeder sonntägliche Turnschuhwanderer Lust zur Besteigung erfährt:

Alleine die ersten zehn Minuten am grün markierten Anstieg nach dem Cabrio-Hochsitz auf dem Kampele wird einen „nur Wanderer und nicht bergfest“ nicht veranlassen den Anstieg fortzusetzen und der weitere Aufstieg durch das Felsgelände garantiert, daß nicht entsprechend versierte Bergsteiger die Waldrasterspitze überlaufen werden.

kühne Felsklippen an der Abbruchkante

Schon der Einstieg in den Wald nach dem Gatter nördlich der Waldrast wird einem nicht an Erkundung gewohnten Interessenten Schwierigkeiten bereiten und wenn dieser nicht, dann der Aufstieg am Weidezaun oberhalb des Hochsitzes am Beginn der Lichtung.

der Steig wendet sich leicht nach links oben

Am Almboden sprießt zu Beginn des Junis alles an Formen und Farben nur so hervor. Allerlei Bergblumen und die fast allgegenwärtigen Almrosen bedecken die Flure, die bedacht begangen werden müssen, will man die Pflanzen nicht beschädigen.

Anstieg im Rückblick

Steil führt die Wiesenschneise den Rücken hinauf und gewinnt rasch an Höhe. Im obersten Bereich erfolgt an geeigneter Stelle der Wechsel über den Zaun im Aufstieg, sodaß dieser nicht beschädigt wird.
In der Folge führt der Steig durch die Latschengasse bergan und quert den Rücken einige Meter abwärts wieder auf dessen rechte Seite. Kurz darauf wird der Cabrio-Hochsitz passiert und nach wenigen Metern ist die Verzweigung der Aufstiegsrouten erreicht.

Querung in die Südflanke

Die rote Route führt geradeaus auf ein breites Band in die Nordflanke des Berges, die grüne Route führt direkt auf den Zunternrücken zurück, dem einige Zeit gefolgt wird bevor sie in die Südflanke des Berges zieht.
Die grüne Route ist die leichtere und nachträglich gesehen ist der Verfasser froh bei der Erstbegehung sie gewählt zu haben, denn auch in dieser Route befand sich zu Beginn des Juni an einer Scharte bzw. Rinne noch signifikant viel Firn, sodaß es für eine Begehung der roten Route wahrscheinlich noch zu früh gewesen wäre, bedenkt man, daß diese – laut dem Bericht der Betreuer – zum Teil im dritten Grad geklettert werden muß.

steiler Aufstieg auf direkter Flanke

Nach gut 20min des Aufstieges am breiten Hauptrücken, teils nahe an der nordseitigen Abbruchkante zu Rinnen hinab, die von kleineren heraufziehenden Rücken gebildet werden, wendet sich der Steig nach links (südseitig) und folgt, einer Wand entlang, einem schmäler werdenden Band fast horizontal in die Südflanke des Berges hinein.
Die bankartige Ausprägung der Felsformationen am Serlesmassiv mit den eindrucksvollen Bändern erinnern unweigerlich an die Kalkkögel wenige Kilometer nördlich davon. Der Grund dafür ist leicht erklärt, auch das Gestein der Serles besteht aus Dolomit, nicht aus Kalkstein.

Rückblick auf die kleine Kletterpartie

Oft sind die Felsbänder annähernd oder völlig horizontal und lassen sich trotz jäher Absturzkante wunderbar begehen, so auch diese Querung in die Südseite.
Wenige Minuten in dieser Art mit nur moderatem Höhengewinn wird ein auffälliger Felskopf erreicht, der den Wendepunkt von Querung zum Direktaufstieg darstellt. Der Steig wendet sich also in die direkte Falllinie der Flanke und führt recht steil bergan über begrüntes Gelände weiter.
Etwa nach 100Hm wird eine unten schmale, oder sich verbreiternde Rinne erreicht in der die ersten kleinen Kletterstellen liegen. Auch ein Seil als Steighilfe befindet sich weiter oben in der Rinne.
Oberhalb des Ausstieges aus der Rinne wird das Gelände etwas schuttiger, ohne Bewuchs der dann aber wieder zunimmt. Der Steig wendet sich unterhalb einiger größerer Schrofenblöcke in der Folge leicht nach links oben zu einem Bereich mit wiederum einer kurzen Kletterstelle. Nach dieser Kletterstelle ist der oberste Rücken am Anstieg erreicht.

Schrofengelände, nicht weiter schwierig

Zunächst wird – wie schon weiter unten – als Weiterführung des Aufstieges eine Umgehung des letzten voranliegenden Felskopfes vermutet, jedoch führte diese Erkundung gleich nach dem Blick jenseits der Felskante zum Schluß, daß dies wegen der steilen Abstürze dahinter der falsche Weg sein muß.

eine zweite Stelle mit kurzer Kletterei

Also einige Dutzend Meter zurück zum obersten Rückenteil und in die Nordseite geblickt in der zunächst ein noch recht mächtiges und steiles Altschneefeld erblickt werden konnte. Nach und nach konnte aber auch ein schmales Band wenige Meter nach unten erkannt werden und auf der Gegenseite der schneegefüllten Rinne ein steiler, schuttbedeckter Hang nach oben auf die restliche Aufstiegsflanke in der aber keine Steigspuren mehr erkennbar waren.

gleich den höchsten Punkt des Rückens erreicht

Sapperlot!, so des Verfassers erster innerliche Ausruf – eine knifflige Stelle! Zu diesem Zeitpunkt übersah er völlig das Stahlseil das jenseits der schneegefüllten Rinne unterhalb an einem Felsband montiert war, wesentlich weiter unten als man den Übergang durch die Rinne erwarten würde, wenn sie, noch meterhoch mit Schnee gefüllt, betrachtet wird.

Rückblick auf die zweite Kletterstelle

Auf vermeintlich richtigem Pfade wurde also abgeklettert und oberhalb des Schneefeldes eine Querung unternommen. Durch das Schneefeld erschien es nicht sicher genug, die Oberfläche war recht hart und es erschien steil genug für eine zu riskante Querung. Außerdem konnte von der Flanke das untere Ende nicht eingesehen werden.

Hanggegenseite vor der schneegefüllten Rinne

Der Umweg über die splitterige Scharte funktionierte als Plan gut. Sogar ein Dokumentationsfoto von dem tollen Felsentor unten in der sich verjüngenden Rinne konnte angefertigt werden.

in der Querung der Rinne, oberhalb des Schneefeldes

Jenseits der Rinne mußte noch mit Bedacht über ein paar schuttbelegte Stufen aufgestiegen werden, bevor im Rückblick dann der originale Steig anhand der Markierung erkannt werden konnte. Somit war logisch, daß der Hang auf der gegenüberliegenden Seite auf der gewählten Querung keine Steigspuren zeigen konnte.

unterer Teil des Aufstieg auf den vorgelagerten Rücken

Über leichtes aber schuttiges Gelände führt der manchmal sichtbare, manchmal etwas verschwindende Steig nach oben und unvermutet taucht nach etwa zehn Minuten steil bergan schon das Gipfelkreuz der Waldrasterspitze mit dem dahinterliegenden und durch die große Entfernung kleiner aussehenden Gipfelkreuz der Serles auf. Ein interessanter Anblick, den es auch auf einem bestimmten Punkt am Plumsjoch auf die Kreuze auf der Bettlerkarspitze gibt.

am Gipfelhang

Sowohl Waldrasterspitze als auch der um weniger Meter niedrigere Sonnenstein zur rechten (nördlich) können als die flankierenden östlichen Vorgipfel der Serles gelten, um das Panorama auf der Waldrasterspitze gegen die gewaltigen Ostabbrüche der Serles hin zu beschreiben.

Sonnenstein gegenüber

Das schöne Betonkreuz mit absichtlich unbehandelten Eisenbeschlägen -und auch einer solcherart gefertigten Gipfelbuchschachtel – ausgestattet, richtet sich gegen Nordosten, in den weiten Kessel der Verzweigung des Inntales mit dem Wipptal, wohin der Ausblick durch die freistehende Serles dutzende Kilometer reicht. Zwischen Patscherkofel und Glungezer hindurch über das 36km entfernte Kellerjoch über Schwaz hinaus reicht der Blick gen Osten.

Blick nach Nordosten

Im Südosten beeindrucken die Zillertaler und im Westen wäre die weitere Route auf die Serles der logische Abschluß der Tour. Dieser Aufstieg ist mit Stellen im dritten Grad beschrieben und an diesem Tag nicht ausgewählt worden, da die Wetterlage zu labil dafür angesagt war. Tatsächlich verdichtete sich auch der Nebel während des Gipfelaufenthaltes und über die nur seitlich sichtbaren Stubaier zogen dunkle Wolken heran, die zum baldigen Verlassen der Waldrasterspitze veranlassten.

am Abstieg

Die Erkundung der weiteren Route sowie auch des Aufstieges durch die rote Route unterblieb daher, war aber auch nicht erklärtes Ziel an diesem so uneinschätzbaren Tag.

Passage mit schneegefüllter Rinne, Band in die Rinne hinab gut sichtbar

Der Abstieg brachte die Entdeckung der originalen Querungsstelle mit Fixseil im Band vorher mit sich, die Querung des steilen Schneefeldes in der Rinne wurde aber auch dann nicht unternommen.
Von oben betrachtet wirkt das Abstiegsband zur Rinne auf der Gegenhangseite wesentlich ausgeprägter und kann auf den Fotos deutlich erkannt werden.

Rückblick auf die Rinne, rechts das Fixseil erkennbar

Am Weg hinab boten sich noch ein paar interessante Fotoszenen auf den blumenbewachsenen aufragenden Klippen an der Abbruchkante des Gratrückens, bevor der Steig wieder sanfter wird und in archaischen Wald übergeht, der zur kleinen Abkürzung in Richtung Waldrast querfeldein durchschritten wurde.

Stimmung auf einer der Klippen am Gratrücken

Die Ochsenalm bot mehr Ruhe als das Gasthaus auf der Waldrast, wo größere Gesellschaften mit erhöhtem Geräuschpegel sich tummelten. Also wurde erstere für die Rast nach der Tour gewählt und von dort bot sich auch ein guter Überblick auf den Grat der beendeten Tour.

Almrausch kann man auch dazu sagen

Der Zeitbedarf ab dem Parkplatz Waldrast betrug vier Stunden bei gut 800m im Aufstieg und mit einem 20 minütigem Gipfelaufenthalt.
Die Karte entfällt  für diese Tour in der Bilderdokumentation.

Mils, 06.09.2018

Hochkanzel, 2.575m

Die Hochkanzel ist der Eckpfeiler im Roßlochkamm bei der sich der Grat von seiner West-/Ostrichtung in die Süd-/Nordrichtung wendet und erreicht wird sie von der Gamskarspitze aus in phantastischer Gratkletterei. Nach ihr folgt die Roßlochspitze als zentraler Gipfel im Roßloch, hoch über dem Roßkar.

Hochkanzel, 2.575m

Wer sich für die gesamte Gratstrecke bis zur Hochkanzel interessiert der möge vorher den Bericht zur Brantlspitze lesen. In gegenständlichem Bericht werden nur neu erlebte, besondere Passagen der ersten Etappe zwischen Gamskarspitze und Brantlspitze beschrieben und die Überschreitung zur Hochkanzel im Detail.

Blick vom Lafatscher Joch auf den auslaufenden Roßlochkamm, dahinter Südliche Sonnenspitze

Als Tagestour gesehen – die wegen der großen Entfernung vom Startpunkt beim Hackl im Halltal in Frage kommt stellt die Hochkanzel, zumindest für den Verfasser, das äußerste Ziel dar, das erreichbar ist. Eine Begehung des gesamten Grates über die Hochkanzel hinweg bis zur Roßlochspitze würde vorzugsweise mit einem Abstieg in das Roßloch und mit Rückweg über die Kastenalm zu wählen sein.

Almauftrieb in den Halleranger, dahinter Jochreisen und Lafatscher Roßkopf

Bei einem solchen Unternehmen muß im Übrigen, nach all der bisherigen Erfahrung mit dem nicht unerheblich zeitraubenden Grat bis zur Hochkanzel, die Begehung in umgekehrter Reihenfolge empfohlen werden, da die genussvollen Gratstücke lieber im Aufstieg genommen werden.

die Raiblerschichten vor dem Burattipfeiler, dahinter die Gamskarspitze

Möglicherweise stellt die oben angedachte Runde eine abschließende Erkundungstour in diesem Gebiet dar und je mehr beim Verfassen dieses Berichtes darüber nachgedacht wird, desto mehr – so muß der Schreiber bei Niederschrift dieser Zeilen feststellen – manifestiert sich dieser Gedanke.

Lafatscherverschneidung

Den durchaus ernst zu nehmenden Gratabschnitten im Roßlochkamm wohnt ein eigener Zauber inne, vielleicht aufgrund der nicht so sehr dramatischen Höhenunterschiede zwischen den Scharten wie in den gewaltigen Girlanden der Gleirsch- Halltalkette und somit für einen alten Mann durchaus schmeichelnd in der konditionellen Herausforderung.

scharf getrennt, schlechter Fels und fester Fels an den Schnittlwänden

Auch wenn hier scheinbar Werbung für ein selten begangenes Kleinod im Karwendel entsteht, so möge der wenig erfahrene Gratkletterer und der vor Ausgesetztheit und Brüchigkeit Scheue auf die weitere Lesung des Berichtes verzichten. Wir sprechen von einem Terrain das gefährlich ist und Klettertechnik, Erfahrung sowie Entschlossenheit voraussetzt – vom Glück, daß allzeit sämtliche lockeren Gratpartien im Verbund halten mögen ganz abgesehen.

Am Aufstieg zur Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Trotz der klettertechnisch nicht sehr schwierigen Partien – die generelle Einstufung in den zweiten Grad (manchmal vielleicht ein sehr oberer „Zweier“) trifft gut zu – sind die begleitenden Umstände am und zu beiden Seiten des Grates zur Hochkanzel eben die Zutaten für ein eher heikles Unternehmen. Hat man einen Partner mit so niemals einen dessen Kletterkünste und Resistenz im Ausgesetzten man nicht genau einschätzen kann.

die Inschriften von Tützscher und Wechner am Beginn der Felsstrecke zur Gamskarspitze

Nun genug der Gefahrenhinweise, all jene die die Begehung der Hochkanzel von der Gamskarspitze ernsthaft in Erwägung ziehen sind sich ihrer Eigenverantwortung bewußt. Als echter Bergsteiger würde man niemals jemand anderen für sein Unglück verantwortlich erklären, dies ist Fremden vorbehalten.

Die wenig dampfgesättigte klare Luft am so herrlichen Junimorgen erlaubte selbst für die mittelmäßige Bildleistung eines Telefons phantastische Aufnahmen während der langen Anreise vom Hackl zum Halleranger. Die Schnittlwände mit dem wurstradlgleich abgeschnittenen Burattipfeiler (vor knapp vier Jahrzehnten von Udo und dem Verfasser als schwierigste Klettertour ever in dessen Karriere bezwungen) hinterm Joch machen Fotos der Heimat zu einem Blickfang an dem alle Ansichten von Südseeinseln verblassen.

am Grat zur Gamskarspitze

Brüchige und deshalb rasch vergängliche Raiblerschichten von hochfestem Wettersteinkalk über Jahrmillionen in der Aufschiebung vorne hergeschoben, senkrecht aufgerichtet, zerschartet und von Wind und Wetter gerichtet können im Abstieg zum Halleranger bestaunt werden. Phantastisch skurrile Anblicke und wie Aristoteles in einem Aphorismus treffend erkannt hat: „Die Natur schafft immer von dem, was möglich ist, das Beste“.

alle Gipfel des heutigen Tages; von re. n. li.: Gamskarspitze, Brantlspitze, Hochkanzel

Nach dem Auftanken von Trinkwasser an nicht ultraviolett behandeltem und daher keimbehaftetem, kristallklarem und wohlschmeckendem Bergwasser an den Quellen im Halleranger galt es, wie alle Jahre wieder, beim Aufstieg zur Gamskarspitze den kleinen Kampf mit den Latschen auszufechten.

das nächste Ziel, die Brantlspitze

Der kleine Kampf besteht in der Suche nach dem effizientesten Aufstieg durch die Zunternfelder (Latschenfelder) nach der großen Wiesenfläche mit den markanten Nadelbäumen an seinem Saum. Hier verliert sich der breite Steig, der von der Lärche schräg oberhalb der Hallerangeralm in Richtung Hallerangerspitzen angestiegen wird in zig einzelne Gassen, die aber meist nur Gamsspuren sind und keine gut gangbaren Aufstiege.

Grubenkar- und Dreizinkenspitze über dem weiten Roßkar

Ein Tipp für all jene denen die Gassen zwischen den sichten Latschen nicht so geläufig sind besteht darin, daß die Almwiesenfläche einfach bis zu einer Wasserrinne ostwärts aufgestiegen wird und dann über den teilweise recht schroffigen aber dafür latschenfreien Einschnitt des Wasserlaufes über die Latschen hinausgestiegen wird.

Karwendelhauptkamm

Damit kommt man etwas weiter östlich der Ideallinie an und muß steil weitersteigen, vermeidet aber den kleinen Kampf und spart Zeit ein. Oben trifft man auf die Rippe mit den Schrofen, die sich zu oberst zum Grataufbau hinziehen und den Weg zur Gamskarspitze auch ohne Markierungen weisen.

Tützscher und Wechner haben sich zu Beginn der folgenden Felsstrecke – wie es deren Brauch gebot – vor mehr als 120 Jahren mit schwarzer Farbe auf glattem Fels verewigt und noch heute ist an den gut erhaltenen Buchstaben erkennbar, daß dies sogar mit hoher Präzision in der Glyphologie geschah (Wechner war Lithograph). Diese Markierungsart von vollendeten Touren als Erstbegehung seien dem alpingeschichtlich interessierten Leser hier nicht vorenthalten (die beiden Paradebergsteiger waren Mitglieder in einer der ersten und berühmtesten Bergsteigervereinigung in Tirol, der „Wilde Bande“, die von 1878 bis Ende der 1930er Jahre existierte; sollten die beiden gemeinsam unterwegs gewesen sein, dann muß es vor 1884 gewesen sein – Wechner starb in diesem Jahr, Tützscher 1897).

von der Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Bald nach dem Ende der Wiesenhänge und dem Beginn der Gratzone ist die Gamskarspitze zuerst über einen Schutthang, sodann weitgehend am Grat und zuletzt in der südlichen Gipfelflanke erreicht.
Bisher ein leichtes Ziel und bis oben hin mit Stöcken zum Gipfel begehbar. Kurz vor dem Gipfel können über einen kurzen Bereich am Grat alle drei Gipfel der nun folgenden Überschreitung bis zur gleichzeitig eingesehen werden – Gamskarspitze, Brantlspitze, die Zwischenerhebung nach der Brantlspitze und zuletzt die heute begehrte Hochkanzel.

Der Rückblick auf den Halleranger und der Halltalkette vor dem nun langen Weg ausschließlich auf Fels ist unersetzlich und deshalb hier eine Ablichtung.
Zu Beginn der Gratkletterei zur Hochkanzel findet sich im Bereich der Gipfelbuchschachtel erneut eine verwitterte Markierung von Wechner am Fels, leider aber auf den folgenden Gipfeln keine mehr. Möglicherweise wegen der dort kaum vorhandenen ebenflächigen Blöcke im Gipfelbereich, denn es ist schwer vorstellbar, daß ihn der Grat nicht unwiderstehlich gereizt hat.
Zum Gipfelbuch und den Gipfelbüchern auf Brantlspitze und auf der Hochkanzel sei ein Lob und Dank an die beiden Betreuer gerichtet. Sie haben sich sogar die Arbeit angetan die letzten Einträge des alten Gipfelbuches zu übertragen, nachdem dieses durch Feuchtigkeit unbrauchbar geworden ist. Leider habe ich die Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel in genau der Stellung vorgefunden – liegend! -, die eine Durchnässung geradezu perfekt möglich macht – sapperlot Herr Pfarrer!

die Gegend um das Knappenhüttl unterhalb des Überschalljoches

Im Wissen über die zeitraubende Gratstrecke wurde diese nach hastigem Verzehr einer kleinen Portion Studentenfutter ohne großen Aufenthalt auf der Gamskarspitze um 11:15 aufgenommen.

Tiefe Konzentration am schmalen bis schneidigen Grat läßt die Zeit wie im Fluge verstreichen. Ab und zu ein nachdenkliches Innehalten nach einer brüchigen Partie ist durchaus kein seltenes Erlebnis an dieser interessanten Kante sowie der Wechsel zwischen anregenden scharfen und leichten breiten Gratteilen lassen den Geist vollends in die Arbeit eintauchen und betäuben das Zeitgefühl. An einem Tag an dem es mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Gewitter geben wird, ein hemmungslos auszukostendes Erlebnis.

kleine Störzone mit leichtem Übergang wenige Minuten nach dem Start am Grat

Drei Stellen mit Störzonen im Übergang zur Brantlspitze wurden neu abgelichtet.
Die erste kleine Einschartung kurz nach dem Start des Überganges ist in Richtung Brantlspitze leicht durch Umgehung links (nördlich) zu umgehen, auch wenn es nicht so aussieht. Dass man sich vor dem Abstieg auf einer Störzone bewegt erkennt man erst im Rückblick.

zweite brüchige Scharte

Die zweite Stelle – durch eine größere und unangenehmere Störzone – stellt die tiefe Scharte kurz vor der Brantlspitze dar und ist ebenso leicht zu begehen. Im Abstieg kann ein sinnvoller Schwenk nach links (nördlich) zu einem spitzen Türmchen erkannt werden, der im brüchigen Material einem Hauch von Rampe gleicht. Vom Türmchen zurück zur Scharte auf geneigter Fläche auf einigermaßen trittfestem Untergrund.

Abstieg in die Scharte, links die logische Route

Die dritte Stelle stellt der Ostrücken zur Brantlspitze dar. Im Aufstieg ist er leicht, ja sogar erfreulich anregend zu nehmen und die eher nicht mehr bombenfesten Partien am schmalsten Teil fallen wenig auf. Im Abstieg erschien mir dieser Teil mit der anderen Körperhaltung als recht brisant und veranlasste mich in die Nordflanke unterhalb abzusteigen und in dieser zur Scharte zu queren.

Rückblick mit erkennbarer Abstiegsroute

Das Gelände dort ist zwar schuttbedeckt und unangenehm für eine Querung, aber doch etwas sicherer als der besagte Gratteil. Wir sprechen von ca. 25m Gratlänge zwischen den losen Partien unten (deutlich sichtbar und rechts, südlich, leicht zu umgehen) und der ebenso deutlich sichtbaren Verschneidung an der Gratschneide oben.

letzter Aufstieg auf die Brantlspitze jenseits der Scharte – im Abstieg den Mittelteil des Grates gemieden

Auf der Brantlspitze angekommen begann die Neuerkundung zur Hochkanzel – das erwartete Abenteuer für das die lange Anreise von 6:30 Uhr bis knapp vor 12 Uhr mittags in Kauf genommen wurde.

Rückblick von der Brantlspitze zur Gamskarspitze

Der Übergang findet auf einer abgewinkelten Gratstrecke ab, die zwar auch nicht vollkommen, so doch viel besser eingesehen werden kann, wie jene von der Gamskarspitze zur Brantlspitze. Vorweggenommen kann festgestellt werden, daß für die Erkundung mit dem Glas eigentlich nur der Ostrücken der Hochkanzel interessant erscheint. Dies deshalb, weil alle anderen Abschnitte ohne jede Schwierigkeit für den erfahrenen Gratkletterer begangen werden können.

der Grat zur Hochkanzel im Überblick

Zunächst erfolgt der Abstieg in die erste der beiden tiefen Scharten, am Weg zum Mittelkopf, der innerhalb der Gratlinie im Roßlochkamm eben einen Knick darstellt. Dieser ist leicht und kann als eine Erholungsstrecke angesehen werden, an der die eindrucksvolle Umgebung unter Betrachtung genommen werden kann, beispielsweise Details des Überganges von der Roßlochspitze zur Hochkanzel.

gewaltige Schlucht hat sich durch eine abgerutschte Platte gebildet; sie zieht – schön anzusehen – vom Grat steil hinab

Eine gewaltige Schlucht, gebildet aus dem Abrutschen einer der brüchigeren gratbildenden Platten zieht sich im Abstieg zur Scharte durch den kompletten Hochkanzelstock und hinterläßt einen gewaltigen Eindruck, der die Ausprägung der weiter unten aufragenden Hochkanzeltürme so richtig zur Geltung bringt. Durch die Hochkanzeltürme führt laut Klier ein Anstieg im IIIer Gelände auf die Hochkanzel und auch diese Route ist ein lange gehegter Wunsch, jedoch muß dieser unbedingt mit Partner erfolgen, zu kühn sieht das Gelände vom Knappenhüttl her aus.

Gratverlauf zum Mittelkopf

In der ersten – halbtiefen – Scharte leitet ein „Häutchen“ an Felsverbindung auf den Anstieg zum Mittelkopf über. Es ist halbwegs fest im Verbund und gut begehbar, aber auch nordseitig umgehbar. Der weitere Aufstieg zum Mittelkopf findet auf breiter Rampe statt.

kleines Grathäutchen im tiefsten Bereich der Scharte zum Mittelkopf

Nun bietet sich erstmals der Blick auf den westseitigen Abstieg in recht brüchigem Gelände. Die verschiedenen Plattenqualitäten haben hier verschiedene Verwitterungsformen hinterlassen und zum Glück derart, daß der Abstieg wesentlich leichter erfolgt als auf den Fotos mit Frontalansicht von der Hochkanzel aus.

die Flanke zur tiefen Scharte im Übergang ist zuerst brüchig, dann fester

Im Abstieg links müssen zuerst ca. 20Hm unangenehmen Schuttgeländes überwunden werden, bevor der Fels fester wird und gleich darauf in eine links hinab führende runde Nische überleitet.

Rückblick auf den gewählten Abstieg, die Nische oben erkennbar

Dieser Nische folgt eine Abstiegsrinne, die durch eine weichere schuttbedeckte Platte gebildet wird und der wiederum einige Dutzend Höhenmeter gefolgt werden kann, bevor abermals linkerhand eine Art Band weiter in die Flanke hinab leitet und erneut in einer vertieften schuttigen Platte bis knapp vor die tiefste Scharte abgestiegen werden kann.

Abstieg in der schuttigen Rinne

Der gesamte Abstieg mag auch auf dem messerscharfen sich abzeichnenden Grat rechts der oben beschriebenen Route möglich sein und das vielleicht sogar in festerem Fels, mir erschien jedoch die beschriebene Route für den Abstieg als sinnvoll, die Handflächen innen bereits einigermaßen vom ungeheuer schneidenden Fels gezeichnet.

Ansicht vom Grat, links davon die gewählte Absteigsroute

Die somit erreichte tiefe Scharte ist jene aus der die Besteigung der Hochkanzel aus dem Kar der Schneepfanne erfolgt. Der Blick in die Rinne und auf die unten ausgebreitete Schneepfanne zeigt, daß die Schneepfanne auch noch Mitte Juni ihrem Namen ganze Ehre zeigt, der Firn reicht durchgehend von unten immer noch bis zur Scharte herauf.
Ein Notabstieg könnte hier erfolgen.

beeindruckender Aufstieg zur Hochkanzel jenseits der Scharte

In der bisher erlebten Manier, möchte man meinen, ginge es nun am Grat weiter. Der Felskopf jenseits der Scharte mit den losen Trümmern am Band ist rasch erklommen und bevor man sich einer schönen weiteren Gratstrecke erfreuen kann wird am Felskopf oben angelangt der jähe, senkrechte Abbruch auf der Westseite des Kopfes erblickt.

an der tiefen Scharte angelangt; gegenüber der Felskopf mit dem senkrechten Abbruch an seiner Hinterseite

Möglicherweise ist er gangbar, mir erschien das Abenteuer aber sofort als unnötig herausfordernd und veranlasste mich zur Rückkehr in die Scharte.

kurzer Abstieg in die Südflanke

Umgesehen nach einer Alternative konnte sofort ein südseitiger Abstieg über eine auffällig „gebrauchte“ Schuttreise erkannt werden. Die Abstiegstiefe beträgt geschätzt 15Hm und nach einer leichten Linkskurve befindet man sich komplett in der plattigen Südflanke der Hochkanzel mit perfektem Ausblick auf die wilden Türme über dem Lochhüttl.

in der Südflanke – Platten mit etwa 70/75° Neigungswinkel

An der imposanten Flanke den sofortigen Aufstieg zum Grat wieder gesucht, kann der Westabbruch des zuvor begangenen Kopfes betrachtet werden und mit dem geistigen Ausruf eines „Halleluja“ geschieht die nachträgliche Zustimmung zur Entscheidung, gar nicht erst über den Abstieg desselben nachgedacht zu haben.

leichte Rückkehr von den Platten in der Flanke auf die Grathöhe

Nun, die Rückkehr aus der etwas bedrückenden Versenkung zum begehrten Grat erfolgt wenige Meter nach dem zuvor beschriebenen Abbruch von der Stirnfläche einer der mächtigen Platten in der Flanke aus über wenige Meter in festem Fels. Der Rückblick zeigt die Situation recht treffend.

die ersten Meter des Grataufstieges im Rückblick

Hiermit sind die leichten Schwierigkeiten im Gratübergang zur Hochkanzel auch schon Geschichte.
Mit einem gewissen Gefühl der Befreiung wird der mäßig schwierige Grat weiter emporgestiegen und nach wenigen Minuten ist der feste Fels des mittelbreiten Grates vollkommen erklommen und schuttiges Gelände leitet in den Gipfelbereich über.

am Ende des Aufstiegsgrates auf den Gipfelaufbau der Hochkanzel

Nach wenigen Dutzend Metern und noch weniger Höhenmeter ist das Ziel, die Hochkanzel, erreicht.

Gipfelplateau der Hochkanzel

Den gesamten Gratverlauf gesehen ist dieser Übergang leichter als jener von der Gamskarspitze zur Brantlspitze, aber er bietet auch einige leicht knifflige Passagen, die abwechslungsreich und in gewisser Weise geistig herausfordernd, aber leicht zu klettern sind.

Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel – bitte niemals so platzieren!

Der Ausblick auf die Umgebung an diesem markanten Eckpunkt des Roßlochkammes ist natürlich wieder phänomenal. Von Westen bis Norden der gewaltige Kessel des Roßloches mit den Gipfeln oberhalb berühmter Kletterrouten wie die Laliderer Wände und den folgenden Gipfeln in der Vomper Kette wie die Spritzkarspitze oder die Plattenspitze, die nur noch von wenigen Idealisten wie Juergen aufgesucht wird und eine noch entbehrungsreichere Anreise voraussetzt, wie die Tagestour vom Hackl auf die Hochkanzel. Die Begehungen dieser Gipfel hat eine Frequenz die an den Fingern einer Tischler-Hand pro Jahr abgezählt werden kann. Unbedingt zu empfehlen!

Vomperkette mit Platten- und Spritzkarspitze sowie Hochglück

Im Osten beeindruckt der Ausblick über das archaische Vomperloch, und wer dasselbe nicht kennt dem sei seine Durchquerung ans Herz gelegt. Eine solche Wildnis inmitten ausgeprägtester Zivilisation – wo gibt es das schon?

die bizarren Hochkanzeltürme – ein Anstieg führt über sie herauf und läßt nicht los…

Der Hausberg Bettelwurf mit seiner reizvollen Überleitung über die Fallbachkartürme auf Hohe Fürleg und die Trattenspitze bietet eine kolossale Felsenfront im Süden und dieser Mauer nach Westen folgend bildet das schöne Hinterautal zwischen Gleirschkette und Karwendelhauptkamm den Abschluß im Panorama.

schreckliche Anblicke aber Nichtbergsteiger stehen drauf mußte ich lernen

Dem Gipfelbuch – leider recht unfachmännisch im Steinmandl verwahrt wie das Bild zeigt – entnahm ich, daß einer, dem Kanzeln gar nicht fremd sind, der Verursacher für die der Haltbarkeit unzuträglichen Verwahrung des neuen und nett gestalteten Büchleins gewesen ist. Zwei Tage vor mir, sagt sein Eintrag, habe er den Gipfel besucht….seither hat es nicht geregnet. Es sei ihm verziehen – aber Herr, gib ihm ab jetzt die Gabe solche Werke von nun an wettergeschützt zu verstauen.

bereits am Rückzug – der schöne und feste Grat wird wieder abgeklettert

Ein halbes Stündchen konnte der Gipfel genossen und der Aufstieg von der Roßlochscharte beäugt werden bevor die Hast den Rückweg einzuschlagen den Augenblick, der nicht verweilen darf, beendete.

Gelände zur Scharte; habe dort Steinmandl errichtet- Haltbarkeit fraglich

Was den Rückweg und die damit verbundene neue Erfahrung der Kletterstellen anbelangt, so sei eigentlich nur die kurze, wenig vertrauenerweckende schlanke Platte in der kleineren Scharte nach der tiefsten Scharte erwähnenswert. Diese ist vom Osten nach Westen unangenehm aber auch sehr kurz und auch nicht schwierig. Ich habe nördlich eine Umgehung unternommen.

in der Flachstrecke zurück zum Mittelkopf; das dünne Felshäutchen in der Scharte erschien mir am Rückweg unangenehm locker und zu umgehen

Der Aufstieg zum Mittelkopf erschien auch von unten auf gleicher Route des Abstieges am sinnvollsten und alle anderen Partien bis zur Brantlspitze konnten ohne nennenswerte Hirnleistung nach Gutdünken gewählt werden.

Erwähnenswert ist die Dauer der Überschreitung von der Hochkanzel bis zur Gamskarspitze, sie betrug recht genau 1 1/2 Stunden und der Abstieg zur Hallerangeralm weitere 70min.

eine phantastische Reise liegt hinter mir

Nach einer deftigen Knödelsuppe bei Evi und Horst auf der Hallerangeralm über’s Joch zurückgeeilt – und weil auf 2.000m noch Sonne – beschloss ich ein abschließendes Training zur Bettelwurfhütte zu unternehmen, also nochmals an die 300Hm dazu zu hängen.

der berühmte Herzelfelsen

Bei einem Abschlußbier bei Christine und Ralf auf der Bettelwurfhütte konnte dann der Sonnenuntergang im Tal verfolgt werden und den Parkplatz beim Hackl erreichte ich an dem lang hellen Junitag in der Dämmerung nach 14 Stunden gegen 20:45 Uhr.

die letzten Sonnenstrahlen Richtung Bettelwurfhütte

Die Bergsteigeruhr zählte insgesamt 3.020Hm und die Messung anhand der Karte in Outdooractive beträgt 29km.

Mils, 16.06.2018

 

 

Arnspitzüberschreitung – Arnplattenspitze/Mittlere Arnspitze/Große Arnspitze

Außerordentlich schön gelegen befinden sich die Arnspitzen, mit der höchsten Erhebung der Großen Arnspitze (2.196m), in der Seefelder Senke zwischen dem Leutaschtal und der Talfurche von Scharnitz.

oh Augenblick verweile…

In der Würmeiszeit spielte dieser kleine freistehende Gebirgszug eine gewichtige Rolle. Er staute und teilte den Inngletscher in einen Teil, der links, durch das Leutaschtal, hinaus in die breite Fläche nach Mittenwald abfließen konnte und in einen rechts fließenden Strom, der durch die schmalere Talfurche bei Scharnitz floss. Dabei erreichte der Gletscher einen Höchststand von knapp über 2.000m, die durch erratisches Gestein (ortsfremd) an den Flanken der Arnspitzen nachgewiesen werden konnten.

die tolle Bergkette im Morgenlicht

Heute wird die Arnspitzgruppe dem Wettersteingebirge zugeordnet, was rein willkürlich geschah, denn geologisch gesehen gehört die Arnspitzgruppe zum Karwendel.

 

die Raiblerschichten der Kastentalriepen

Wir starteten unsere schöne Klettertour am Parkplatz der Gemeinde Scharnitz in Gießenbach, gleich nach der Abzweigung zum Gießenbachtal in Ortsmitte. Für jenen, der aus dem Süden – aus Innsbruck –  anreist, ein wesentlich komfortablerer Ausgangspunkt als vom Leutaschtal.

Hoher Sattel – links geht es zur Arnplattenspitze hinauf

Eine Schotterstraße führt zunächst rechts neben einem gewaltigen Bachbett über eine weite Strecke zum Hohen Sattel hinauf. Dieses – für die Massen an Wasser und Geröll die man dort vermutet abzufließen – überbreite Bachbett muß von den kohäsionsarmen, brüchigen Raiblerschichten der Kastentalriepen gebildet worden sein; eine der größten offenen Raiblerschichtenformation die ich bisher in der näheren Umgebung bisher angetroffen habe.

im oberen Teil des Anstieges zum Gratrücken auf die Arnplattenspitze

Nach dem Ende der Fahrstraße, weit oben auf ca. 1.300m führt der Steig in einigen Serpentinen den steilen Waldhang zum Hohen Sattel hinauf. Angenehm, auf über 1.400m rinnt eine wenig ergiebige Quelle vom Sattelwald herab (zumindest noch Anfang Juni).

Blick vom Grat in das Leutaschtal

Am Hohen Sattel findet sich der nördliche Abzweig zur Arnplattenspitze (auch Hintere Arnspitze genannt) nach 100m in Richtung Leutaschtal hinab, jedoch noch auf der Sattelfläche.

Blick auf den Gratrücken zurück

Der Aufstieg zum Grat westlich der Arnplattenspitze erfolgt zunächst durch den Wald, dann durch dichten Zunternbewuchs, später kurzzeitig über Reisengelände und zum Schluß in festem Schrofengelände.

die Arnplattenspitze im Nebel

Bereits am Grat bietet sich eine bemerkenswerte Aussicht auf Karwendel, Wetterstein, Seefeld, ja sogar bis in die hohen Stubaier und bis weit in das Werdenfelser Land.

Blick nach Scharnitz

Durch die Zuntern am Grat ging es angenehm weiter, in unserem Fall sogar etwas kühl an diesem an sich warmen Junitag, da sich hartnäckiger Nebel nur sehr zögerlich von der kühn aufragenden Felspyramide der Arnplattenspitze lösen wollte.

Gipfelaufbau der Arnplattenspitze

Mit unserer zeitlichen Annäherung und der stärke werdenden Sonneneinstrahlung löste sich der Nebel um den Gipfelaufbau jedoch nach und nach auf.
Die kurzen und leichten Kletterpassagen bis zum Gipfel bereiteten uns schon Vorfreude auf die bevorstehende Gratüberschreitung zur Großen Arnspitze.

feine Partien…

Evi und Simon erreichten zuerst den Gipfel nach kurzer Kletterei, ich hatte noch ein paar Dokumentationsfotos gebraucht und kam als Letzter am nun nebelfreien, aber immer noch hochnebelbewölktem Gipfel an.

Ankunft auf der Arnplattenspitze

Nach einer sehr kurzen Rast und dem Eintrag ins Gipfelbuch fieberte angesichts der tollen Kulisse gen Mittlere und Große Arnspitze ein jeder schon dem Abmarsch entgegen und die kühle Brise am beschatteten Gipfel tat das ihre dazu, daß der Aufenthalt angesichts der schönen Kulisse verschwenderisch kurz ausfiel.

leider Hochnebel über dem Gipfel

Namensgebend für die Arnplattenspitze sind eben die ostseitig ausgeprägten Platten, die nicht nur ein paar Platten im üblichen bergsteigerischen Sinn im Abstieg darstellen, sondern die ein halbes Fußballfeld knapp unterhalb des Gipfels bedecken, ebenflächig sind und, zur richtigen Zeit am Morgen von Gießenbach aus betrachtet, sich in abhebend erhellter Farbe von der restlichen Gipfelpyramide deutlich unterscheiden – ein erhebendes Gefühl sie zu betreten, wenn keine Scheu vor ihnen vorhanden.

weiterer Verlauf der Überschreitung der Arnspitzgruppe von der Arnplattenspitze gesehen

Die Platten sind durchzogen von weiten bis schmalen Rissen, erstere zum leichten Abklettern, letztere zur teilweise möglichen Verwendung von Handrissen, aber immer ein Genuß sie zu klettern.

Blick voraus auf das Abstiegsgelände

Wir nahmen sie im Abstieg und dadurch büßten sie leider einiges ihres Charmes ein. Im Abstieg sind sie jedoch auch nicht schwer zu nehmen. Zum Teil kann im Stehen die weitere Route erkundet werden und sie stellen im Übergang ein kurzes Vergnügen vor dem weiteren Pfad durch lange nicht ausgeschnittene dichte, starre und knorrigen Zuntern dar.

Abstieg über die Platten mit breiten, leichten Rissen

Eine leichte Route im Abstieg erschien uns eine seitlich rechts vom Gipfelkreuz (in Richtung zur Großen Arnspitz geschaut) auf einen etwas brüchigen Gratansatz und von dort den ersten langen, breiten Riss hinab, sowie halb unten schräg nach links hinaus querend zu sein.

Simon und Evi steigen wie die Gemsen

In den folgenden, teilweise förmlich zugewachsenen Zunterngassen hielten wir uns eher links im Abstieg, dem scharfen Abbruch des Gipfelaufbaues nahe. Auf schmalem Band erreichten wir die untere Begrenzung des Abhanges zur „Weiten Scharte“. Im Rückblick hätte es wohl eine Option innerhalb der Zuntern gegeben, dies konnten wir auch unten feststellen indem sichtlich beide Steige zusammentrafen.

imposantes Plattengelände

Der Abstieg in die Weite Scharte erstreckt sich über gut 170Hm. Mit leichtem Auf und Ab war sie bald durchschritten und wir standen vor dem imposant aufragenden Westturm der Mittleren Arnspitze.

bereits unterhalb der Platten beim Abstieg an der Abbruchkante

Zunächst erkannten wir einen überraschend stark abwärts geneigten Steig, dem wir so weit folgten, daß wir hinter einer Rippe feststellen mußten, daß dieser die nördliche Umgehung der Mittleren Arnspitze darstellt und uns zur Rückkehr zum Ausgangspunkt am Ostende der Weiten Scharte veranlasste.

die Türme in Begutachtung

Dann versuchten wir unser Glück über die Navigation der AV-App und stellten fest, daß diese für steilen Fels untauglich ist, weil man beim queren einer Felsflanke in 35m weder links noch rechts abbiegen kann.

ja, diesen Steig hatten wir auch versucht, er ist die Umgehung der Mittleren Arnspitze

Zum Schluß ließen wir die beste aller Optionen walten und zwar die Intuition. Diese sagte uns, daß in jenem Teil, der vom Auge eingesehen werden konnte eigentlich nur ein teilweise erkennbares Band zu einer zunternbewachsenen Stelle führt, hinter der es möglicherweise weiter gehen könnte – wie so oft im Karwendel.

leicht schräg nach oben

Genauso war es dann auch, an dieser Stelle führt eine leicht kletterbare Verschneidung empor, die mittig eine rechts abzweigende, auffallend glatte und schräge Rampe hat, die zum Weitersteigen über die selbe hinauf einlädt.

Verschneidung/Rinne

Dahinter folgt leichteres Gelände und in etwa weitere 10Hm des Aufstieges bis zu einem Band mit Steinmann und einem tief herab reichenden Überhang, der östlich in Richtung Gipfelturm der Mittleren Arnspitze gequert werden muß. Alles zusammen in dieser Wand vom Sattel der „Weiten Scharte“ aus bis zur Scharte zwischen dem westlich vorgelagerten Turm und dem spitzeren Turm der Mittleren Arnspitze geschätzt an die 70Hm – in wenigen Minuten zu klettern, wenn der beste Einstieg unten gefunden wurde.

in der Verschneidung

Der Anstieg bis zur Scharte zwischen den beiden Türmen kann im spitzen Winkel von unten kaum eingesehen werden, daher hier die Info, daß man sich am besten zunächst schräg aufwärts bis zu den Latschen bei einer in Falllinie hinaufziehenden Verschneidung orientieren möge. Ist man diese einmal aufgestiegen findet sich der Rest von selbst. Die Steilheit ist zwar hoch, die Schwierigkeit aber hält sich in engen Grenzen (max. II), der Fels ist fest – in Summe eine feine leichte Kletterei.

Rampe

In dieser Art geht es nach der begrünten Scharte zwischen den beiden Türmen ca. 30Hm in einer Schleife nach links und wieder rechts weiter, allerdings nun mit dem Gipfelkreuz als sichtbares Ziel.

bereits unter dem Überhang

Von der Scharte aus bietet sich ein toller Tiefblick nach Süd und Nord und der südliche Schwestergipfel der Mittleren Arnspitze (ohne GK) türmt sich markant in der Landschaft auf.

plattig nach dem Überhang aufwärts; tolles Foto mit Schmetterling

Durch eine mittelbreite geologische Störzone wird der letzte Teil des Turmes zum Gipfelkreuz begangen und nach dieser folgt noch eine kurze steile und nett kletterbare Wandstelle auf das Gipfelplateau. Alles Abschnitte an diesem Turm in gleich leichter Kletterei zu begehen wie im Wandteil des Westturmes.

Evi vor mir beendet das Wiesenstück im Sattel

Mitten in der Arnspitzgruppe, hundert Meter über den anschließenden Graten und etwas niedriger als die beiden Gruppengipfel an jedem Ende entzückt die Lage ungemein. Eingebettet in den Gebirgszug und doch allseitig frei – einen gewissen Moment von leichter Erhabenheit und des Genusses an der Vollkommenheit der Natur darf der Ersteiger auf diesem phantastischen Fleckchen Berg erleben.

knapp unterhalb des Gipfels

Das Gipfelkreuz tut das seine, um die malerische Szenerie zu unterstreichen und Bildern, wie sie an dieser so gediegenen Bergkette eindrucksvoller kaum sein können, gilt der Versuch den Nachweis darüber zu konservieren.

Mittlere Arnspitze, 2.091m

Den Wermutstropfen von Thermikbewölkung mußten wir den gesamten Tag lang auf der Überschreitung hinnehmen, ein Mix aus rasch wechselnden Licht- und Schattenpartien begleitete uns auf der Mittleren Arnspitze. Der Vorteil dieser leichten Trübung ist aber auch nicht zu verachten – die mäßige Sonnenbestrahlung bescherte uns angenehme Temperaturen im leichten Lüftl und der Trinkvorrat, der bei heißen Tagen auf der langen Strecke problematisch sein könnte, reichte leicht aus.

die erfreuten Bezwinger

Der Blick zur Arnplattenspitze ist ohne Übertreibung ein atemberaubender. Der oberste kühn aufragende Zinken an Gipfelturm von der Mittleren Arnspitze aus gesehen läßt förmlich den Atem stocken und doch war er so leicht zu begehen. Eine seltene Kombination im Kalkfels der näheren Umgebung.

die gewaltige Arnplattenspitze von der Mittleren Arnspitze aus gesehen

Gegenüber der deutlich unterschiedliche schichtendominierte Aufbau der Großen Arnspitze mit den vielen kleinen Gratköpfchen und –schärtchen macht in seiner Art gleichermaßen Vorfreude wie die bisher erlebte.

der weitere Übergang zur Großen Arnspitze

Mit der üblichen menschlichen Hast beendeten wir nach knapper visueller Erkundung des Abstieges eine kurze und unvergessliche Rast auf der Mittleren Arnspitze und begaben uns den obersten Gipfelaufbau verlassend etwa 20Hm die Aufstiegsroute hinab zu einem schmalen schuttbelegten Felsband das ostwärts neben steiler Wand aus bestem Wettersteinkalk steil zu dichteren Latschenbüscheln hinab führt.

am Abstieg von der Mittleren Arnspitze

Dieses, mit zunehmendem Abstieg steiler werdende Band, ist hinsichtlich der Rutschgefahr im Abstieg mit Bedacht zu begehen. Es mündet in einer schmalen rinnenartigen Verschneidung, die sich – manchmal etwas unangenehm knapp am Ausdrehen des Körpers – bis ganz unten zu schuttigen Karflächen hinabzieht. Teilweise fehlt die Sicht auf Tritte im Abstieg, aber in Summe ist der Riss wieder leicht zu klettern, wenn auch nächste Züge überlegt angegangen werden müssen.

im Riss manchmal etwas unangenehm schräg

Unten angekommen wartet ein schuttreicher Abstieg auf der Schrägfläche bis zu dichteren Zunternbüschen. Die Route quert im Abstieg das karartige Gelände in Richtung Grat zur Großen Arnspitze.

der Riss von oben

Bei Annäherung an den senkrechten Fels im Abstieg auf schmalem Steig öffnet sich der Blick auf ein eingeschnittenes Band, das die Möglichkeit zum Grat zu gelangen aufzeigt.

Querung auf schuttigen Plattenböden zum Grat

In der Literatur wird es als ein „böse aussehendes Band“ beschrieben. Begehen läßt es sich sehr fein mit einer festen Griffleiste aus herausstehenden Felsschuppen oben und einer schrägen Trittfläche mit gerade noch angenehmer Reibungswirkung und kleinen Tritten versehen.

Beginn des Bandes

Bösartigkeit konnten wir nur in seiner Charakterisierung feststellen, seine Begehung hingegen war excellent – ein excellent unbösartig ausgeprägtes Band eben.

Simon lacht auch noch am unbösartigen Band!

Leider beginnt mit dem Erreichen des fortsetzenden Grates schon der letzte Teil der anregenden Reise, zunächst mit einem steilen Anstieg von der sogenannten „Engen Scharte“ über 90Hm auf die Grathöhe, die einige hundert Meter im leichten Auf und Ab am mittelbreiten Grat bis an den Gipfelaufbau der Großen Arnspitze heranführt.

das Band gemeistert

Die Gratwanderung beinhaltet kaum schwierige Passagen, bis auf eine Stelle an der man eher versucht ist links in das Schärtchen abzusteigen, obwohl es rechts in Gehrichtung einfacher erfolgt.

leichtestes Gelände

Nach dieser Stelle führt der allmählich in das Massiv übergehende Grat in stetigem Anstieg über weitere 120Hm auf den etwas höheren Westgipfel der Großen Arnspitze heran.

letzte knifflige Stelle, Evi am leichten Teil

Dieser trägt anstelle des Gipfelkreuzes ein schlichtes Vermessungszeichen. Das Gipfelkreuz der Großen Arnspitze findet sich am Nordostgipfel – wahrscheinlich der Sichtbarkeit von Mittenwald wegen.

Genussgelände zur Großen Arnspitze

Genau über die Gipfel zieht sich die Grenze zwischen Bayern und Tirol dahin; der Abstieg zur bayerischen Arnspitzhütte und weiter nach Scharnitz wechselt ebenfalls zwischen den Hoheitsgebieten, zum Glück heute ohne Bedeutung.

von der Großen Arnspitze auf die abgeschlossene Überschreitung geblickt

Gut besucht fanden wir die beiden Gipfel bei der Ankunft vor, wobei sich dies bei der schon länger abzeichnenden dunkelgrauen Front über das Wettersteingebirge herein rasch änderte. Glücklicherweise bekamen wir aber nur ein paar Tropfen ab, aber auch wir tummelten uns mit kurzer Gipfelrast und suchten im Abstieg zur Arnspitzhütte das Weite.

Blick auf den Ostgipfel der Großen Arnspitze

Über schuttige Partien beeilten wir uns den Steig zur Hütte hinab. Bei der Ankunft unten war der Spuk schon wieder vorbei, er zog über die Leutasch nach Südwesten ab und tangierte uns nur leicht.

trotzdem noch Entspannung auf der Großen Arnspitze angesagt

Als Rückweg hatten wir den Steig unterhalb der Gratüberschreitung zurück zum Hohen Sattel gewählt, der direkt von der Hütte aus beginnt. Im Oberen Teil zwischen den Latschen ist er mit viel Schutt durchzogen und wird im Schrofengelände flacher und besser zu begehen.

Rückblick von der Arnspitzhütte

Imposant ist die riesige Karstfläche, die sich nach einem verehrenden Brand vor 70 Jahren gebildet hat. Trockenheit führte zur Katastrophe, die seither eine Kahlfäche zurückgelassen hat. Das forschende Auge findet jedoch deutliche Ansätze für wiederbeginnende Vegetation auch im oberen Teil der Schrofen.

Abstieg zum Hohen Sattel

Der Rückweg ist ebenfalls eine Begehung wert. Aussichtsreich und mit der bizarr aufragenden Mittleren Arnspitze ein Blickfang.

die Mittlere Arnspitze in der Südostansicht

Am beginnenden Sattelwald überwindet der Steig einmal eine letzte Schuttreise über ca. 25Hm und ab dieser beginnt eine heiße aber sehenswerte Wanderung innerhalb der Zuntern bis hinab zum Hohen Sattel, wo es im Abstieg in Richtung Sattelstiege und Gießenbach wieder das erste Trinkwasser in kleiner Quelle vom Hochfluder herunter zur Labung gibt.

Kleiner Fuchs – ein Edelfalter

Der Abstieg am Nachmittag durch den dichten Wald ist ein letzter angenehmer Ausklang einer wahrlich grandiosen Überschreitung zurück in das nicht überfüllte Örtchen Gießenbach.

Strategien die Karstflächen zu besiegen – der dichte Kegel trotzt den Gewalten

Bei der Einkehr im Ortsgasthaus durften wir noch einen stattlichen Uhu und zwei Papageien bestaunen und der ahnungslose Kellner staunte wiederum als wir den Parkgutschein als Trinkgeld eingelöst haben.

die Arnspitzgruppe im Nachmittagslichte von Gießenbach

Die Bergsteigeruhr zeigte für die Runde einen Gesamthöhenunterschied von 1.540Hm. Die Strecke aus der AV-Karte gemessen beträgt 13km.

Mils, 10.06.2018

 

Figln im Halltal

Ist die Zeit der Schitouren vorbei, keimt gleich der Wunsch auf die letzten Relikte des Winters – und hier vor allem die ordentlich steilen – in einer Kombination aus Bergsteigen und Schifahren zu nutzen. Figln – eine spaßige Sache gepaart mit Nervenkitzel in steilen Rinnen.

Schnappschuss getroffen fast wie ein Gemälde Egger Lienz‘

Das Halltal bietet eine Vielzahl von Figlmöglichkeiten. Zwei wohlbekannte Klassiker und zwei eher anspruchsvollere und weniger bekannte Figltouren sollen hier vorgestellt werden.

Figln durch die Nordrinne der Wildangerspitze:

Dies ist die kürzeste der Touren, sie ist auch leichteste vom Anstieg her. Vom Eingang ins Halltal beim Hackl werden ca. zweieinhalb Stunden bis zur Wildangerspitze benötigt. Der Steig auf das Törl sei plötzlich gefährlich geworden und ist deshalb –wie plötzlich so vieles im Halltal –  gesperrt. Es wird hier nicht näher auf Sinn und Unsinn dieser Maßnahme eingegangen, im Vordergrund stehen heutzutage immer nur mehr rechtliche Aspekte, die in atemberaubender Geschwindigkeit in unser Land importiert und das Zusammenleben zunehmend unbefriedigender werden lassen.

Wildangerspitze, 2.153m

Alternativ zum gesperrten Normalaufstieg auf das Törl steht der Anstieg über die Steinbergreise zur Verfügung. Man rechne dafür ein halbes Stündchen mehr und entscheide selbst welchen man nehme. Auch über die Thaurer Alm ließe sich zum Törl aufsteigen.

Christians jungfräuliche Geräte

Vom Törl zur Wildangerspitze sollte man bei klarem Wetter auch im Mai nicht zu spät am Vormittag unterwegs sein, da der Aufstieg auf einem Südhang erfolgt. Zum figln eignet sich die Nordrinne meist aber auch etwas später am Tag, da sie weitgehend sonnengeschützt ist.

über das Lafatscher Joch zum Roßloch geblickt

Während der Rast auf dem bequemen Bankl beim Gipfelkreuzchen können tolle Aussichten gen Nord und Süd genossen werden. Im Süden das frühlingshafte Inntal von Tuxern und Stubaiern begrenzt, im Norden die Gleirsch-Halltalkette mit ihrem mächtigsten Ausläufer nach Süden, der den Roßkopf – eine besonders schöne Felsgestalt im Halltal – trägt.

prächtige Verhältnisse im Bachofenkar

Genau so schön präsentiert sich dann die Abfahrt vom kleinen Schärtchen leicht westlich unterhalb der Wildangerspitze. Christian mit seinen „originalen“ Figln und ich mit den zufällig passenden Snowblades, die eigentlich für Schischuhe gemacht sind machten uns auf zur Abfahrt.

die Figler vor der Abfahrt

Weil meine schweren Bergschuhe einen Miniabsatz zwischen der Gummizehenkappe und der Sohle haben, rastet der Klappbügel der Bindung zufällig ein und bildet deshalb eine unbeabsichtigte Einheit. Massive Schläge hält die Paarung allerdings nicht aus und darum kommt es manchmal vor, daß mir ein Snowblade davon fliegt. Und weil ich schon einmal in der Pfeis einen 200Hm Abstieg zum wieder Einfangen eines solchen Ausreißers hinter mir habe, verwende ich seither Fangriemen aus Draht (die Verwendung von „Alpindraht“ habe ich vom Absamer und Besitzer des Knappenhäusls Karl Obleitner, einem versierten Erfinder rund um das Thema figln, gelernt).

Eröffnung der Nordrinnenfiglerei

Trotz fortgeschrittener Stunde ließ sich die Nordrinne wunderbar abfahren, vor allem der steile obere Teil war gut zu befahren.

mit viel Geschick

Den Anfang eröffnete ich auf Wunsch von Christian, der ein paar Fotos schießen wollte, die auch gelungen sind. Ich blieb dann in dem mir als steilsten Bereich erschienenen Abschnitt mittig stehen und bannte seine Gleichgewichtskünste auf Fotos. Wer selbst schon einmal auf originalen Figln gestanden ist weiß wie sehr ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn dafür notwendig ist. Da sind mir meine in etwa doppelt so langen Brettchen bei weitem lieber. Er machte seine Sache gar nicht so schlecht, stand gut auf den Aluprofilen drauf und landete nicht ein einzig Mal im Schnee.

wedelt Christian die Rinne hinab

Natürlich tat ich mich etwas leichter und vor allem die im Sommerschnee so ausgeprägten und lästigen kleinen Einbuchtungen in der Schneeoberfläche (Kryokonitlöcher bzw. Ablationsformen des Schnees) überfahren sich mit längeren Schi wesentlich besser als mit kurzen Figln.

im Mittelteil der Nordrinne

Wir konnten die gesamte Rinne bis in den tiefsten Karboden abfahren, ein letztes schmales Band an Schnee war sogar noch im latschenbewachsenen Teil der unteren Stempelreisen vorhanden. Gut 400Hm beträgt die Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis bzw. Issanger.

Genau zehn Tage später, bei der Figltour auf die Hintere Bachofenspitze zeigt sich die Rinne bereits bis weit hinauf schneefrei.

die Nordrinne vom Bachofenkar aus 10 Tage später

 

Figln im Stempelkar mit Anstieg über Latten-/Pfeiserspitze:

Der Klassiker im Halltal und eine sehr schöne und in der Abfahrt nicht so steile Figltour führt über die Lattenspitze und weiter über den teilweise versicherten Steig zur Pfeiserspitze, sowie über den leichten Grat hinab ins Kar oberhalb des Stempeljoches, von dem aus zum Stempeljoch abgefahren wird.

erste Figlabfahrt vom Grat der Pfeiserspitze zum Stempeljoch

Der Anstieg zur Lattenspitze erfolgt im unteren Teil wie bei der vorgenannten Figltour auf die Wildangerspitze auf normalem Steige. Nach der Abzweigung des kurzen Anstieges zur Wildangerspitze muß eine meist sehr lange im Frühjahr schneegefüllte Rinne durchschritten werden. Dieses einzige Highlight des Anstieges bis zur Lattenspitze kann mit mehreren Möglichkeiten überwunden werden.

schneegefüllte Rinne im Anstieg zur Lattenspitze

Der begeisterte Schneerinnengeher schlägt sich in der Direttissima mittig der Rinne seine Stapfspur bis oben hin, der Felsgeher packt sie rechts an der aperen schrofendurchsetzten Geländewand und der ängstlichere oder ökonomisch gehende Figler schlägt – wenn sich der ängstliche traut – seine Stapfspuren die schneegefüllte Rinne im unteren steilen Teil die wenigen Meter quer zur Rinne um die äußere, fast immer apere Begrenzung in Fels und Wiesenboden aufzusteigen. Alle Arten sind möglich, die erste ist nicht wirklich gefährlich. oben ein Foto der Rinne aus dem letzten Jahr.

Schlußhang zur Lattenspitze

Nach der Lattenspitze geht es über ein paar Gratrippen weiter zur Pfeiserspitze, die mit eine Luftlinienentfernung von 270m fast in Griffweite liegt.
Der Schöne Steig dorthin ist im Frühjahr oft noch mit Restschneefeldern gefüllt wobei diese manchmal etwas Geschick erfordern gequert zu werden, ohne hüfttief einzusinken oder etwas abzurutschen.

Blick von der Pfeiserspitze in Richtung Lattenspitze

Um die Rippe zur letzten Scharte gibt es ein neues Fixseil dessen man nicht unbedingt bedarf. Der Aufstieg nach der Scharte zum Gipfelkreuz der Pfeiserspitze ist nochmals ein kleiner Klettergenuß. Das Gipfelkreuz wurde zwecks besserem Fundament vom scharfen Grat etwas weiter nördlich verlegt, was erklärt, warum die Gipfelbuchschachtel einige Meter weiter südlich am Grat befestigt ist.

die Pfeis noch im Winterschlaf

Hinab ins Kar führt der neu versicherte Steig zunächst am leichten Grat, dann durch eine zunehmend brüchigere Rinne und zum Schluß durch splitterige Türmchen bis zum Ansatz des Schnees auf der Nordseite. Eine nette Passage.

Sodann erfolgt das erste kurze Figlstück, im besten Fall bis in die Nähe der  Stempeljochscharte, im späteren Frühjahr aber nur bis zum Weg aus der Pfeis herauf.

Blick vom Stempeljoch auf die Abfahrt durch das Stempelkar

Unterhalb der Stempeljochscharte befindet sich im Lee des Felskopfes darüber meist ein fast ebener Anschnallplatz, der auch eine gute sicht über die gesamte Abfahrt bietet.
Alternativ kann bereits oberhalb, beim Normalweg angeschnallt und abgefahren werden, dieser Einstieg ist noch einen Deut steiler als der vorher beschriebene. Ich nehme diesen aber nie, da ich weiß ob nicht Stahlstifte von der Wegbefestigung herausstehen.

Rückblick auf das Stempeljoch

Die Abfahrt durch das Stempelkar ist wirklich ein Highlight, es ist breit und bis zum Ende immer einsehbar und die Spur kann nach Belieben ausgewählt werden. Hier ein Video aus dem letzten Jahr:

Halltalrunde; über Hochmahdkopf, Zunterköpfe, Latten- und Pfeiserspitze zum Stempeljoch und abgefiglt.7 Stunden, 1.800Hm#halltal #karwendel #figln

Gepostet von Bergtouren Tirol am Freitag, 26. Mai 2017

Gesamt 500Hm Figlspaß bis zur Grube über dem Issanger und bei genügend Schnee sogar in diesen noch hinein. Beide Abfahrten bei dieser Tour sind weniger steil als von der Wildangerspitze.

 

Figln in den Jochreisen im Kar des Lafatscher Roßkopfs mit Anstieg über den Kleinen Lafatscher:

Anspruchsvoller als die vorher beschriebenen Figltouren. Der Anstieg auf den Kleinen Lafatscher ist weit schöner als das Kar unter Schnee hinauf zu stapfen. Diese Figltour erfordert etwas Klettergewandtheit und etwas Einfühlungsvermögen für die Routenwahl im Abstieg zur Scharte bzw. zum Joch im Grat vom Lafatscher Roßkopf zum Kleinen Lafatscher.

ein imposanter Blick auf die Speckkarspitze

Am Eckpunkt des Grates, der vom Lafatscher Joch heraufzieht und sich fast auf Gipfelhöhe des Kleinen Lafatscher nach Westen dreht zieht der Grat zum Lafatscher Roßkopf hinunter. Der Höhenunterschied beträgt gut 100Hm.

die Einsattelung zwischen Lafatscher Roßkopf und dem Grat zum Kleinen Lafatscher

In der AV-Führerbeschreibung kommt der Aufstieg mit einer Bewertung von III- weg, ich bin jedoch der Ansicht, daß diese kräftig überzogen ist. Selbst im Abstieg käme mir vor, ich hätte nie ernsthaft klettern müssen.

der heuer noch unberührte Kleine Lafatscher, 2.636m

Die oberste schräge schuttbedeckte Platte wird mit Bedacht auf Reibung abgestiegen und in der Folge werden einige Zacken und Türmchen eher westseitig umgangen bzw. abgeklettert. Zu achten ist auf Schutt bei Tritten. Richtig ausgesetzt ist es nie. Nach meiner Einschätzung würde ich II- vergeben, bestenfalls II.

Grat zur Einsattelung in die sogleich abgestiegen wird

In der Einsattelung thront eine sehr mächtige Wechte, deren Dimensionen erst sichtbar werden, wenn man im ausgeaperten Gang zwischen ihr und der gelblichen Felswand bequem hindurch marschiert, um karseitig zum Anschnallplatz zu kommen. Schätzungsweise war die Wächte an ihrer Vorderkante 5-6m hoch.

kleinere Kletterpassagen am Grat hinab

Sich zwischen Fels und Schnee anzuschnallen war etwas mühsam, da die weggeaperten festen Schneepartien weiter außen lagen als ich die Schrittweite bemessen habe. Karls Alpindrahtfangriemen anzubringen war ganz schön anstrengend auf der schmalen Firnbank.

Rückblick auf den Grat vom Sattel aus

Nachträglich gesehen hätte ich die andere Seite der Wächte im Sattel nehmen sollen, dies wäre um einiges bequemer gewesen, weil ich dann direkt vom Grat abfahren hätte können.

die Höhe der Wechte nicht komplett erwischt, sie muß mehr als 5m hoch gewesen sein

Mit Respekt vor der übermächtigen Wechte ging es nun im Kar über die Jochreisen hinab und die Abfahrt war über ein paar alte, kleine Lawinen sehr gut möglich. Über knapp 500Hm beste Firnverhältnisse und erst in der flachen Mulde nördlich des Lafatscher Joches etwas Bremswirkung durch faulen Schnee.

gerüstet zur Abfahrt

Die Speckkarspitze gegenüber sieht aus der Perspektive in der Hälfte der Jochreisen recht imposant aus – dieser Blickwinkel mußte festgehalten werden.

der Wechte Vorderansicht

Täuschend immer die Zeit für die Abfahrten. Inclusive Rüsten für die Abfahrt habe ich bis zur Ankunft in der Senke vor dem Lafatscher Joch lediglich 20min benötigt. Die Intensivität der Erlebnisse von Natur und figln jedoch vermitteln einen wesentlich längeren Eindruck des Erlebnisses.

mitten in der Abfahrt

Die obersten 100Hm der Abfahrt dürften die Steilheit der Wildanger Nordrinne besitzen, anschließend wird es deutlich flacher.

Rückblick auf die Abfahrt über die Jochreisen

 

Figln in der Rinne zu den Bachofenspitzen und im Bachofenkar mit Anstieg auf die Hintere Bachofenspitze:

Für mich die Königstour im Halltal ist die Rinne zu den Bachofenspitzen. Sie ist lang und schwer, Klettererfahrung ist weniger erforderlich, sehr steile Aufstiege mit Steigeisen sollte man jedoch bereits absolviert haben. Die Rinne, die sich in etwa ab 2.400m leicht nordöstlich hinaufzieht trennt die beiden Bachofenspitze mit einer kleinen Einschartung östlich der schon im Bachofenkar drei markanten Felsköpfe und ist an die 150Hm hoch und unter Schnee teilweise an die 45° steil. Sie bildet auch den Sommeranstieg auf die Hintere Bachofenspitze aus dem Bachofenkar.

die Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen

Momentan – per 31.05.2018 – liegt im Bachofenkar noch genügend Schnee für ein schätzungsweise ein bis zwei weitere Wochen durchgehenden Figlvergnüges bis knapp zum Wilde Bande Steig herab. Im Bachofenkar selber schätze ich wird man noch mindestens drei Wochen figln können.

das traumhafte Bachofenkar erwacht aus dem Winterschlaf

Die sehr steile Rinne ist beim ausapern. Ihre momentan obere Begrenzung liegt bei der Engstelle, bei der im Sommer ein beherzter Kletterschritt über die 1,50m hohe Schluchtstufe vonnöten ist, also etwa 30Hm unterhalb der Scharte. An der Engstelle darunter ist sie noch ca. 1,50m breit mit Firn gefüllt.

Abschluß im Bachofenkar

Im Aufstieg habe ich gerne die Eisen benutzt, obwohl der Aufstieg auch rechts im Felsgelände möglich gewesen wäre. Schnee vor brüchigem Fels.

die halbe Rinne erklommen

Die im Sommer ungeliebten letzten Meter vor der Scharte im Schutt blieben mir aber auch nun nicht erspart und so hantelte ich mich im rutschenden Schutt linkerhand bis zur Scharte hoch.

Abschluß der Schneeauflage in der Rinne

Der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze ist bis auf ein 25m breites Schneefeld vor dem Gipfelaufbau bereits völlig schneefrei.

Gipfelaufbau der Hinteren Bachofenspitze

Bärige Aussichten auf die Halltal-Gleirschkette sowie den mächtigen Rosskopf und die weite Pfeis gen Süden, sowie auf den Karwendelhauptkamm sind bei gutem Wetter immer garantiert am Gipfel der Hinteren Bauchofenspitze.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Diesmal aber, vielleicht wegen der klaren Sicht hinab,  hat mich auch der Blick auf die schon lange gehegte Erkundung der Hochflächen im Norden der Gleirschkette besonders fasziniert. Dieses aufgeschobene, zum Teil aus Raiblerschichten gebildete Pendant zum Mittelgebrige im Inntal muß unbedingt heuer erkundet werden.

das Vorgebirge im Hinterautal

Abgestiegen bin ich bis etwa 40m unterhalb des oben beschriebenen momentanen Schneeansatzes, also knapp über der Hälfte der Rinne. Dies um die Engstelle zu vermeiden, die mir aus einer brüchigen Schneedecke zu bestehen schien und in deren Bereich ich einen Sturz vermeiden wollte.

der breite untere Teil der Rinne

Ab der Hälfte allerdings war die Rinne gut zu befahren, sie machte Spaß und das Krascheln der Schi durch die Steinschläge war auszuhalten. Der untere Teil präsentierte sich weniger ruppig zum Fahren als der obere, weniger weiche Stellen waren zu durchfahren.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Bachofenkar angekommen bot sich ein imposanter Rückblick auf die Abfahrt in der Rinne. Durch die rasch wechselnde Bewölkung mußte ich einige Minuten warten um die Abfahrtsspuren halbwegs fotografisch in Sonnenlicht aufnehmen zu können.

Rückblick im Bachofenkar

Die weitere Abfahrt über die beiden größeren Steilstufen im Bachofenkar war traumhaft und so konnte ich ein kleines Video nicht lassen:

Am Ende des Kares kommt man dem „offenen Bach“ (daher der Name des Kares und der Gipfel) direkt nahe. Ich realisierte erst, daß ich gerade einmal 20cm verhärteten Firn zwischen mir und dem tosenden Schmelzbach hatte, als ich die Schistöcke einrammte und der linke der beiden durch die Firndecke ins Leere und einen halben Meter tiefer in das Bachbett stieß. Wie von der Tarantel gestochen verließ ich die Schneefläche, durchnässte Bergschuhe konnte ich nicht bauchen, die Abfahrt ging ja weiter.

Blick auf die Abfahrt im Bachofenkar

Direkt am Wilde Bande Steig angekommen marschierte ich rund eine viertel Stunde taleinwärts bis knapp vor das Stempelkar, um dort noch ein durchgehendes Schneeband vom Kälberkar herunter bis zu den Stempelreisen abzufahren und um wieder am bereits beschriebenen Issanger zu landen.

traumhafte Rinne in die Stempelreisen

Diese schöne und lange Figltour bietet eine gesamte Abfahrtsstrecke über rund 900Hm, 500m im Bachofenkar und 400Hm im Stempelkar.

Rückblick auf die steile Rinne aus dem Kälberkar

in jedem Fall sollte man bei dieser Figltour Steigeisen mit dabei haben. Der Steilheit wegen.

restliche Abfahrt zum Issanger

Der Zeitbedarf vom Hackl bis zum Gipfel betrug viereinviertel Stunden, der Rückweg ist in etwas mehr als drei Stunden machbar. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.940m.

Schnappschuß auf Werners Flieder – ein Segelfalter mit bereits abgebrochenen Hinterflügelenden

Zu jeder beschriebenen Tour gibt es noch mehr Fotos in der Galerie.

Mils, 01.06.2018